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BistroTalk: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern tägliche Arbeit

21. Februar 2026

Mein jüngster BistroTalk ist ein Beitrag zur Demokratie-Stärkung in meiner Wohnortgemeinde Maisach. Im BistroTalk aus der Bar SixtyFour in Maisach sprach ich mit Florian Wiesent, Amtsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Gemeinde Maisach, über die anstehenden Kommunalwahlen – und damit über ein Thema, das unmittelbar den Kern demokratischer Selbstverwaltung berührt. Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass es nicht um parteipolitische Werbung geht, sondern um Aufklärung: Wie funktioniert die Wahl konkret, welche Regeln gelten, welche Verantwortung trägt die Verwaltung – und welche Rolle haben Bürgerinnen und Bürger, damit Demokratie vor Ort lebendig bleibt. Hier die Aufzeichnung:

Organisatorische Vorbereitung
Florian Wiesent beschrieb die Gemeinde bereits mitten in der organisatorischen Vorbereitung. Die Wahlbenachrichtigungen seien verschickt, aktuell laufe vor allem die Abwicklung der Briefwahl auf Hochtouren. Dahinter stecke echte Handarbeit: Antrag, Wahlschein, Stimmzettel, mehrere Umschläge, Merkblatt – alles müsse korrekt zusammengestellt, kuvertiert und versandfertig gemacht werden. Der Versand starte dann; die Gemeinde übergibt diese Aufgabe nicht einfach vollständig an Dienstleister, sondern organisiert wesentliche Schritte selbst. Wiesent betonte den Aufwand, machte aber ebenso klar, dass die Verwaltung als Team arbeite, um die Abläufe zuverlässig zu stemmen. Die Wahl sei eine logistische Großaufgabe, aber vor allem eine Aufgabe, die Vertrauen verdient – und dafür brauche es Sorgfalt.

Die Arbeit der Wahlhelfer
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war das Thema Wahlhelferinnen und Wahlhelfer als tragende Säule demokratischer Praxis. Wiesent nannte konkrete Zahlen: In Maisach gebe es einen Pool von rund 320 Wahlhelfern, benötigt würden für die Kommunalwahl 244 Personen in den Wahllokalen sowie zusätzlich etwa 15 Mitarbeitende in der Verwaltung für Annahme, Prüfung und Weitergabe der Schnellmeldungen. Das Werben um genügend Unterstützung sei nicht ganz einfach gewesen, doch alle Positionen seien derzeit besetzt. Zugleich ermutigte er zur Beteiligung: Wer sich für künftige Wahlen engagieren wolle, könne sich weiterhin melden und in den Pool aufnehmen lassen. Damit wurde ein Grundgedanke des Abends greifbar: Demokratie findet nicht nur am Stimmzettel statt, sondern auch durch Mitarbeit und Verantwortung im Ablauf.

Was wird gewählt?
Inhaltlich ordnete das Gespräch die Kommunalwahl als besonders vielschichtig ein. Gewählt werden nicht nur Gemeinderat und Bürgermeister, sondern auch Landrat und Kreistag. Gerade diese Vielfalt, kombiniert mit den komplexen Stimmzetteln, mache die Kommunalwahl organisatorisch anspruchsvoll. Wiesent erklärte, dass es diesmal vier Stimmzettel gebe, wobei insbesondere der Kreistagsstimmzettel durch die große Zahl an möglichen Stimmen herausrage: Bis zu 70 Stimmen können dort vergeben werden. Beim Gemeinderat in Maisach sind es 24 Stimmen, passend zur Anzahl der Sitze. Damit wird sichtbar, wie stark kommunale Wahlen auf Personen und konkrete örtliche Vertretung ausgerichtet sind – und wie sehr sie Bürgerinnen und Bürgern Gestaltungsspielraum geben.

Auszählen mit Barcodes
Zur Bewältigung dieser Komplexität setzt die Gemeinde bei der Auszählung auf EDV-Unterstützung. Wiesent erläuterte das System mit Barcodes neben den Kandidatennamen und Barcode-Lesestiften: Die Stimmen werden gemäß Markierung erfasst, das Programm prüft im Hintergrund die Gültigkeit des Stimmzettels. Zugleich betonte er die Kontrollmechanismen: Es werde nicht „automatisch“ im Sinne eines Wahlautomaten entschieden, sondern die Technik unterstütze die Arbeit, während Menschen weiterhin prüfen und kontrollieren. Der Umgang mit Technik werde zudem geschult; die Geräte seien dauerhaft angeschlossen, um Ausfälle zu vermeiden. Damit wurde ein demokratischer Kernpunkt angesprochen: Moderne Verfahren können helfen, Transparenz und Verlässlichkeit zu sichern – aber Vertrauen entsteht durch nachvollziehbare Prozesse, klare Regeln und menschliche Kontrolle.

Kumulieren und Panaschieren
Sehr ausführlich ging es um die Wahlmöglichkeiten selbst, insbesondere um Kumulieren und Panaschieren. Wiesent erklärte die Begriffe pragmatisch: Kumulieren bedeutet, einer Person bis zu drei Stimmen geben zu können; Panaschieren heißt, Stimmen über verschiedene Listen hinweg zu verteilen. Auch das Streichen einzelner Kandidaten trotz Listenkreuz sei möglich. Gleichzeitig wurde deutlich, wo typische Fehler entstehen: Der häufigste Fehler sei das Vergeben zu vieler Stimmen. Korrekturen seien jedoch möglich, wenn sie eindeutig vorgenommen werden – etwa durch sauberes Durchstreichen und klare Neumarkierung. Das Gespräch blieb dabei bewusst auf der Ebene der Regeln und Abläufe und machte klar: Die Verwaltung bewertet nicht politische Inhalte, sondern allein die formale Gültigkeit.

Wahl des Bürgermeisters
Ein besonders demokratierelevanter Punkt war die Frage nach Kandidaturen und Alternativen. Im Gespräch wurde angesprochen, dass es bei der Bürgermeisterwahl nur einen offiziellen Vorschlag gibt – und dass Demokratie dennoch Wahlmöglichkeiten kennt. Wiesent erläuterte, dass Bürgerinnen und Bürger beim Bürgermeister in der vorgesehenen Zeile eine andere wählbare Person aus dem Gemeindegebiet handschriftlich eintragen können. Das zeige: Selbst wenn das Bewerberfeld klein ist, bleibt das Wahlrecht in seinem Grundprinzip offen. Gleichzeitig wurde realistisch eingeordnet, dass eine solche Wahl in der Praxis selten vorkommt und dass eine gewählte Person die Wahl auch annehmen muss. Das Gespräch streifte damit eine Herausforderung vieler Kommunen: demokratische Auswahl lebt von Beteiligung – und Beteiligung setzt Menschen voraus, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Die Wahllokale
Auch die Wahllokale und deren Einteilung wurden thematisiert – inklusive des Spannungsfelds zwischen organisatorischer Effizienz und lokalem Selbstverständnis. Wiesent nannte die konkrete Struktur: vier Wahllokale im Hauptort Maisach, drei in Gernlinden (darunter eines im Pflegeheim), sowie je ein Wahllokal in Überacker, Rottbach und Malching. Besonders Rottbach wurde als Beispiel genannt: Aus verwaltungstechnischer Sicht hätte eine Zusammenlegung wegen der Wählerzahlen und des Personalbedarfs Sinn ergeben, politisch und im Ort bestand jedoch der Wunsch nach einem eigenen Wahllokal. Der Gemeinderat habe 2024 beschlossen, der Verwaltung nahezulegen, das Wahllokal beizubehalten – und die Verwaltung sei dem gefolgt. In dieser Passage wurde ein Demokratieprinzip im Kleinen sichtbar: Verwaltung handelt nach Regeln und Zweckmäßigkeit, demokratisch legitimierte Gremien artikulieren den politischen Willen, und am Ende wird ein Ausgleich gesucht, der nachvollziehbar bleibt.

Stimmabgabe
Zu den Wahlzeiten stellte Wiesent klar: Am Wahlsonntag ist die Stimmabgabe von 8 bis 18 Uhr möglich. Nach 18 Uhr wird niemand mehr eingelassen, aber wer rechtzeitig im Wahllokal ist, darf auch dann noch wählen. Für Menschen, die es zeitlich nicht schaffen, ist die Briefwahl die Alternative. Briefwahlunterlagen müssen spätestens bis 18 Uhr am Wahlsonntag im Rathausbriefkasten eingegangen sein – später eintreffende Wahlbriefe werden nicht mehr berücksichtigt, ungeöffnet als verspätet gekennzeichnet und entsprechend aufbewahrt, bis die gesetzliche Frist zur Vernichtung abläuft. Die Formulierung „ungeöffnet“ war hier zentral: Die Verwaltung schützt das Wahlgeheimnis konsequent, auch wenn Neugier menschlich sein mag.

Enorme Interesse an Briefwahl
Breiten Raum nahm die Briefwahl ein, weil sie in Maisach voraussichtlich den größten Anteil ausmacht. Wiesent sprach von einer erwarteten Briefwahlquote von rund 70 Prozent. Ein Grund sei die Größe der Stimmzettel: Viele Wählerinnen und Wähler möchten die umfangreichen Listen in Ruhe zu Hause durchgehen, statt in der Wahlkabine mit begrenztem Platz zu entscheiden. Briefwahl kann online beantragt werden – über einen QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung – oder persönlich im Rathaus. Online gelte eine frühere Frist, damit der rechtzeitige Postlauf gewährleistet bleibt; persönlich ist der Antrag bis zum Freitag vor der Wahl, 6. März, 15 Uhr möglich. Zudem wies Wiesent darauf hin, dass Briefwahl heute ohne Begründung beantragt werden kann – ein Beispiel dafür, wie Verfahren bürgerfreundlicher geworden sind, ohne den rechtlichen Rahmen aufzugeben.

Das Auszählen
Auch die Auszählung der Briefwahl wurde transparent erklärt: Ab 16 Uhr dürfen die roten Wahlbriefe geöffnet und formal geprüft werden (Wahlschein vorhanden, unterschrieben, Stimmzettelumschlag vorhanden). Der eigentliche Stimmzettelumschlag wandert danach wieder in die Urne, die bis 18 Uhr verschlossen bleibt. Erst ab 18 Uhr dürfen die weißen Umschläge geöffnet und die Stimmen ausgezählt werden. Diese zeitliche Trennung schützt das Wahlgeheimnis und verhindert, dass Ergebnisse vor Schließung der Wahllokale entstehen. Damit wurde ein wichtiger Aspekt demokratischer Fairness betont: alle sollen unter gleichen Bedingungen wählen können, ohne Einfluss durch vorzeitige Trends.

Das Auszählen
Die Reihenfolge der Auszählung erläuterte Wiesent ebenfalls: Zuerst Bürgermeister, dann Landrat, anschließend Gemeinderat und zuletzt Kreistag. Erste Ergebnisse beim Bürgermeister seien möglicherweise schon gegen 18.20 Uhr sichtbar, weitere Ergebnisse folgten gestaffelt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Geschwindigkeit nie auf Kosten der Richtigkeit gehen dürfe. Gerade weil Wahlhelfer auch „Feierabend“ möchten, brauche es im Rathaus und in den Wahllokalen klare Abläufe und Ruhe, um Fehler zu vermeiden. Als Anerkennung für den Einsatz gibt es weiterhin Erfrischungsgeld sowie Verpflegung – Brotzeit, Obst und „Nervennahrung“ – ausdrücklich nicht als Luxus, sondern als Zeichen, dass demokratisches Engagement wertgeschätzt wird.
Ein zentrales Demokratieelement des Gesprächs war die Öffentlichkeit der Auszählung. Wiesent stellte klar: Wahlbeobachtung ist erlaubt, die Auszählung ist öffentlich, jede und jeder darf zuschauen – solange der Ablauf nicht gestört wird. Diese Transparenz ist ein Grundpfeiler des Vertrauens: Demokratie braucht nicht nur korrekte Ergebnisse, sondern auch nachvollziehbare Verfahren. Ergänzend erklärte Wiesent, dass die Verwaltung am Wahltag erreichbar ist, bei Streitfällen berät und im Zweifel auch vor Ort unterstützt. Entscheidungen trifft der Wahlvorstand, bei Bedarf mit Rückkopplung an die Verwaltung – auch hier wieder das Prinzip: Regeln, Verantwortung und Kontrolle greifen ineinander.

Wahlwerbung
Praktische Hinweise rundeten das Gespräch ab: Wahlwerbung ist am Wahltag in und unmittelbar vor Wahllokalen nicht erlaubt; Kandidaten, die als Wahlhelfer eingesetzt sind, dürfen nicht mit Parteiabzeichen oder „Wählt mich“-Symbolik auftreten. Filmen und Fotografieren im Wahllokal ist grundsätzlich untersagt, auch wenn es im Einzelfall mediale „klassische Motive“ gibt. Außerdem wurde thematisiert, dass Wahlplakate eine Woche nach der Wahl abgebaut sein müssen; Beschädigungen sind Sachbeschädigung und können angezeigt werden. In der Gemeinde gibt es Informationsmaterialien in Broschürenform am Empfang des Rathauses, außerdem auf der Gemeindehomepage einen eigenen Bereich zur Kommunalwahl. Besonders hervorgehoben wurde ein interaktiver Probestimmzettel, mit dem Bürgerinnen und Bürger das korrekte Wählen üben und prüfen können, ob ihre Stimmabgabe gültig wäre.

Auch die Frage, wer überhaupt was wählen darf, wurde erläutert – ein Punkt, der oft unterschätzt wird. Wiesent erklärte, dass für Gemeinderat und Bürgermeister bestimmte Wohnsitzfristen gelten: Wer erst kürzlich innerhalb des Landkreises zugezogen ist, kann unter Umständen Landrat und Kreistag wählen, aber noch nicht Bürgermeister und Gemeinderat. Diese Regelung sei nicht „Maisach-spezifisch“, sondern gesetzlich im Kommunalwahlrecht verankert. Damit zeigte das Gespräch, dass Demokratie immer auch aus klaren, manchmal komplexen Regeln besteht – Regeln, die Gleichheit und Zugehörigkeit definieren und deshalb erklärt werden müssen.

Der demokratische Leitgedanke zog sich bis zum Schluss durch: Wiesent wünschte sich eine möglichst hohe Wahlbeteiligung und nannte als Orientierung die letzte Kommunalwahl mit rund 65 Prozent. Die Aussage war eindeutig: Wer nicht wählt, sollte sich mit Kritik zurückhalten – nicht als moralische Keule, sondern als Erinnerung an Verantwortung. Gleichzeitig wurde der positive Gegenentwurf betont: Wer unzufrieden ist, kann sich einbringen – durch Wahl, durch Mitarbeit, durch Engagement in Parteien, Gruppierungen oder im Ehrenamt. Kommunalpolitik betrifft das unmittelbare Lebensumfeld: Infrastruktur, Finanzen, Entscheidungen über den Ort und seine Ortsteile. Gerade deshalb ist die Kommunalwahl für die Demokratie im Alltag so entscheidend.

Am Ende stand ein sachlich-optimistischer Ton: Die Organisation ist aufwendig, die Verantwortung groß, der Wahltag für alle Beteiligten anstrengend – aber das Ziel ist klar: ein Verfahren, das korrekt, transparent und vertrauenswürdig abläuft. Der BistroTalk machte damit nicht nur praktische Abläufe verständlich, sondern vermittelte vor allem, warum diese Abläufe wichtig sind: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern tägliche Arbeit – in der Verwaltung, bei den Wahlhelfern und bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Stimme abgeben.

Wikipedia mit 25: Zwischen Stabilität und kulturellem Druck durch KI

25. Januar 2026

Wikipedia ist 25 Jahre alt geworden – und steht zugleich so stabil wie nie zuvor im Netz und doch unter einem neuen, subtilen Druck durch KI, der weniger technisch als kulturell ist. Die Plattform ist zum unsichtbaren Rückgrat der Wissensinfrastruktur geworden, während KI-Systeme beginnen, genau dieses Rückgrat zu überblenden und zu vereinnahmen.

Seit dem 15. Januar 2001 hat sich Wikipedia von einem anarchisch wirkenden Freiwilligenprojekt zu einer globalen Referenzmaschine entwickelt, auf die sich Schulen, Redaktionen, Suchmaschinen und längst auch große Sprachmodelle stützen. In über 300 Sprachen, mit mehr als 65 Millionen Artikeln, bildet sie eine Art evidenzbasiertes Grundrauschen, gegen das sich jede Behauptung im Netz zumindest gedanklich messen lassen muss. Dieser Erfolg ist paradoxerweise genau das Einfallstor für jene KI-Dienste, die ihren Nutzerinnen und Nutzern in Sekundenbruchteilen Antworten liefern, ohne noch sichtbar zu machen, dass in ihrem Schatten eine ehrenamtliche Infrastruktur aus Menschen steht, die seit Jahrzehnten Quellen prüfen, editieren, streiten, löschen, belegen.

Am 15. Januar 2001 startete Gründer Jimmy Wales an seinem Windows-Rechner nicht nur das Projekt selbst, sondern legte auch unmittelbar die ersten Einträge der Online-Enzyklopädie an. Bereits am ersten Tag entstanden Artikelseiten zu Begriffen wie WikiPedia, PhilosophyAndLogic und UnitedStates, und nur fünf Tage später waren schon mehr als 100 Einträge verfügbar. Eine Übersicht der ersten 100 über Wikipedia abrufbaren Seiten zeigt, wie rasant sich das Projekt entwickelte: Anfangs ausschließlich englischsprachig, folgte schon kurz darauf der erste Ableger in einer anderen Sprache. Nur zwei Monate nach dem Start der englischen Version ging am 16. März 2001 die deutsche Wikipedia als erste lokale Variante online. Ich habe auch meinen Beitrag geleistet und Artikel verfasst. Heute umfasst die englischsprachige Originalseite mehr als sieben Millionen Artikel, während die deutsche Wikipedia mit über drei Millionen Einträgen ebenfalls eine beeindruckende Informationsfülle bereithält. Ein zentraler Aspekt bleibt dabei die Finanzierung des Projekts: Neben den vertrauten Spendenaufrufen gibt es zum Jubiläum im Wikipedia Store eine Sonderkollektion, deren Erlöse die Arbeit an der Enzyklopädie unterstützen sollen.

In den Reaktionen auf das Jubiläum spiegelt sich die besondere Rolle, die Wikipedia im digitalen Alltag vieler Menschen einnimmt. Nutzerinnen und Nutzer gratulieren, bezeichnen die Plattform als bevorzugte Informationsquelle und hoffen, dass sie sich erfolgreich an neue Rahmenbedingungen anpassen wird. Zugleich tauchen in den Kommentaren auch kritische Stimmen auf, die von Zensur sprechen oder auf Filterblasen hinweisen, während andere dem widersprechen und die Moderation als notwendigen Teil der Qualitätssicherung sehen. Immer wieder wird betont, wie wichtig regelmäßige Spenden sind, um Wikipedia langfristig zu erhalten, und auf eine Easter-Egg-Seite zum Jubiläum hingewiesen. Denn wenn Menschen sagen, sie würden etwas „googeln“, landen sie meist – oft unbewusst – bei Wikipedia, sei es über die ersten Treffer in Suchmaschinen, über Instant Answers oder über Antworten von LLM-Chatbots, die ebenfalls auf diese Inhalte zurückgreifen. Fiele Wikipedia plötzlich weg, wüsste das Web spürbar weniger, lautet der warnende Unterton, verbunden mit dem Appell, zu spenden, bevor dieses Fundament des Wissens verschwindet.

Die Bedrohung für die Reichweite von Wikipedia durch KI ist daher weniger ein plötzlicher Exodus der Leserschaft als eine schleichende Umleitung der Aufmerksamkeit: Wenn Chatbots Fragen direkt beantworten, entfällt der Klick auf die Quelle, und damit das, was die Wikipedia schlicht zum Leben braucht – die Begegnung zwischen Text und Leser. Erste Auswertungen deuten auf spürbare Rückgänge beim menschlichen Traffic hin, während der automatisierte Zugriff für Trainingsdaten und Scraping massiv zunimmt, also genau jener Zugriff, der keine Spenden generiert, keine neuen Autoren hervorbringt und keine Diskussionsseiten bevölkert. KI isst sich durch die Wissensbestände, an deren Pflege sie selbst nicht beteiligt ist, und verwandelt das mühselig Kuratierte in einen glattgebügelten, personalisierten Antwortstrom, in dem die ursprünglichen Kontexte, Konflikte und Korrekturen verschwinden.

In dieser Verschiebung liegt auch eine neue Dimension der Verlässlichkeit: Wikipedia hat nie behauptet, unfehlbar zu sein, aber sie ist strukturell überprüfbar – jede Version, jede Quelle, jeder Konflikt ist transparent dokumentiert und im Idealfall rückverfolgbar. Obwohl ich das Gefühl habe, die deutsche Ausgabe der Wikipedia ist zum Teil ideologisch.
Fehler sind hier nicht verborgenes Scheitern, sondern im Grunde Teil einer öffentlichen Lernkurve, die über Edits, Reverts und Diskussionsarchive nachgezeichnet werden kann; das System baut auf Misstrauen als produktiver Kraft, auf der ständigen Möglichkeit der Korrektur. KI-Systeme dagegen präsentieren ihre Ausgaben mit der glatten Souveränität eines fertigen Textes, dessen Herkunft sich bestenfalls in allgemeinen Modellkarten, nicht aber konkret im Satz nachprüfen lässt, und der sich zudem auf Trainingsdaten stützt, deren Lizenzlage und Aktualität häufig unklar bleiben.

Gerade hier verschränken sich Erfolg und Krise: Weil Wikipedia in vielen Bereichen eine der zuverlässigsten offenen Datenquellen geworden ist, fließt sie massenhaft in KI-Modelle ein, die ihr wiederum Nutzer abspenstig machen und einen Teil der Legitimität absorbieren, ohne den Aufwand der Qualitätssicherung zu teilen. Der Unterschied in der Verlässlichkeit ist deshalb nicht nur eine Frage der Fehlerquote, sondern der Verantwortungskette: Wikipedia institutionalisiert Zweifel und kollektive Aushandlung, KI institutionalisiert Plausibilität und Komfort – und je mehr sich die Öffentlichkeit an letzteres gewöhnt, desto größer wird die Gefahr, dass das sichtbare Ringen um Wahrheit, das Wikipedia ausmacht, unter einer Schicht von friktionslosen Antworten verschwindet. In diesem Sinn ist der 25. Geburtstag nicht nur ein Jubiläum, sondern auch eine Erinnerungsmarke: an ein Netz, in dem Wissen als Prozess sichtbar war – und an die Entscheidung, ob man diesen Prozess den Maschinen überlässt oder weiter öffentlich führt.

Dombo bewegt: Wie verhält es sich mit den Verträgen?

16. Dezember 2025

In der neuen Folge des Podcasts Dombo bewegt spreche ich mit Norman Dombo, dem Inhaber des Zentrums für Gesundheit Dombo in Maisach, über ein Thema, das vor allem zum Jahreswechsel an Bedeutung gewinnt: Verträge im Fitness- und Gesundheitsbereich. Während viele Menschen im Winter mangels Outdoor-Aktivitäten neue Sportmöglichkeiten suchen und ab Januar mit guten Vorsätzen in Fitnessstudios strömen, setzt Norman Dombo auf ein ungewöhnlich faires Vertragsmodell, das sich klar von der Branche abhebt.

Bereits vor Vertragsabschluss legt das Zentrum großen Wert auf Transparenz und Kundenerfahrung: Interessenten können das Studio ganze 14 Tage lang kostenfrei testen – inklusive Einweisung und Betreuung. Dieser Aufwand sei bewusst gewählt, erklärt Dombo, denn nur wer das Training wirklich kennengelernt habe, könne fundiert entscheiden, ob das Angebot zu ihm passe. Die meisten Besucher bleiben – nur wenige nutzen die Testphase und verabschieden sich wieder.

Vertragslaufzeiten gibt es ausschließlich als Jahresverträge, bedingt durch laufende Kosten wie Personal, Miete und Infrastruktur. Allerdings unterscheidet sich das Zentrum deutlich von klassischen Fitnessketten: Die Erstlaufzeit beträgt 12 oder 24 Monate, danach verlängern sich die Verträge nicht mehr automatisch um ein ganzes Jahr, sondern jeweils nur um einen Monat und können ebenso monatlich gekündigt werden. Ein Modell, das seit der gesetzlichen Neuregelung nach Corona dem Zeitgeist entspricht – bei Dombo jedoch bereits zuvor gelebte Praxis war.

Besonders stolz ist Norman Dombo auf den fairen und menschlichen Umgang mit seinen Mitgliedern. Wer aus gesundheitlichen Gründen pausieren muss, bekommt keine starren Regeln präsentiert, sondern individuelle Lösungen angeboten – bis hin zur Vertragsunterbrechung. Auch bei Umzügen zeigt sich das Maisacher Unternehmen entgegenkommend: Wer wegzieht und die Leistungen nicht mehr nutzen kann, wird nicht weiter vertraglich gebunden.

Dass dieses Konzept wirkt, zeigt die außergewöhnlich hohe Treue der Mitglieder – nicht nur vertraglich, sondern auch in der tatsächlichen Nutzung. Viele trainieren seit Jahren regelmäßig im Zentrum, was in der Fitnessbranche ungewöhnlich ist. Mundpropaganda und ein lang aufgebauter Vertrauensvorschuss tragen wesentlich zum Erfolg bei.

Zum Schluss betont Dombo sein Credo: „Für alles gibt es eine Lösung – man muss nur darüber reden.“ Ein Ansatz, der im Zentrum für Gesundheit Dombo nicht nur behauptet, sondern konsequent gelebt wird.

Meine Daten sind kein KI-Futter – So habe ich LinkedIn die Zustimmung verweigert

6. Oktober 2025

Ich bin ein Fan der Künstlichen Intelligenz KI, aber nicht immer und überall. Nachdem ich Meta zum Sammeln hauseigenen KI bei Facebook und Instagram abgeschaltet habe (WA nutze ich nicht), ist jetzt das Microsoft-Netzwerk Linkedin an der Reihe. Microsoft setzt bei LinkedIn eine Kombination aus Nutzerdaten, Interaktionsmustern und maschinellem Lernen ein, um seine KI-Modelle zu trainieren. Vereinfacht gesagt fließen drei Hauptquellen ein:

Profildaten und Lebensläufe
LinkedIn verfügt über mehr als 1 Milliarde Nutzerprofile weltweit. Diese enthalten strukturierte Informationen wie Ausbildung, Berufserfahrung, Fähigkeiten oder Branchenzugehörigkeit. Daraus lassen sich Modelle für Karrierewege, Skill-Matching oder Empfehlungsalgorithmen trainieren.
Interaktionsdaten
Das Verhalten der Nutzer liefert wertvolle Signale: Welche Beiträge werden gelesen, geliked oder kommentiert? Welche Jobs werden gesucht oder aufgerufen? Welche Kontakte geknüpft? Solche Daten helfen der KI, Relevanz und Interessenprofile abzuleiten.
Texte und Inhalte
Beiträge, Artikel, Nachrichten und Stellenausschreibungen auf LinkedIn dienen als Trainingsmaterial für Sprachmodelle. Damit können KI-Systeme Themen erkennen, Texte zusammenfassen oder passende Inhalte empfehlen.

Alles schön und gut, aber ich habe die KI-Sammelwut bei Linkedin abgestellt. Wer dies auch will, gehe bitte zu Einstellungen Datenschutz. MS hat den Schieberegel für Daten zur Verbesserung generativer KI aktiviert.

Ich habe hier die Zustimmung verweigert. Ich möchte nicht, dass meine Daten zum Schulen von KI-Modellen verwendet werden, um Inhalte zu erstellen.

Maisach – So geht Transparenz in der gemeindlichen Informationspolitik

24. Mai 2018

Trotz Straßenbau gibt es strenge Auflagen in Sachen Naturschutz bei meiner Wohnortgemeinde Maisach.

Trotz Straßenbau gibt es strenge Auflagen in Sachen Naturschutz bei meiner Wohnortgemeinde Maisach.

Auf Transparenz setzt meine Wohnortgemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck, wenn es um den Bau einer Südumgehung der Gemeinde geht. Die Straße geht durch das Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck.
Landschaftsarchitekt Dr. Hans-Michael Schober aus Freising hat für interessierte Gemeindebürger eine Führung durch das Gelände durchgeführt und das Vorgehen ins Sachen Naturschutz erklärt. So sieht Transparenz auf kommunaler Ebene aus. Das Gelände befindet sich auf der Münchner Schotterebene und ist ein Relikt aus der jüngsten Eiszeit. Es ist ein sehr trockener Boden und diente als Weidefläche für Vieh. Nach Abzug der Bundeswehr von dem ehemaligen Fliegerhorst ergriff die Gemeinde Maisach die Chance und plante die Südumgehung auf dem ehemaligen Taxiway des Flugplatzes. „Wir haben jetzt drei Kilometer freie Sicht ohne Bebauung, das ist einzigartig für die Münchner Schotterebene“, so Hans-Michael Schober. „So eine Sicht war vor einem halben Jahr nicht möglich.“ Durch die militärische und landwirtschaftliche Nutzung auf dem Gelände kam es zu einer Verarmung der Arten.
Das Gelände der Südumgehung befindet sich in einem sogenannten FFH-Gebiet, Flora-Fauna-Habitat. Es darf zu keiner weitere Versiegelung von neuen Flächen kommen. Auf dem Gelände gibt es Wiesen mit Bodenbrütern wie der Feldlerche. „Wir haben hier einen restriktiven Schutzstatus auf den Flächen“, so Schober weiter. „Der Status darf sich nicht verschlechtern.“
Aus diesem Grunde wurden ehemalige Flugzeugshelter der Bundeswehr für Vögel und Fledermäuse umgewidmet. Fledermauskästen wurden aufgestellt. Zudem wurden 15 Kiesflächen für Zauneidechsen angelegt als Kompensationsmaßnahmen für die Südumgehnung.
Das Video zeigt den Vortrag von Hans-Michael Schober.

Meine Meinung: So geht Transparenz in einer Gemeinde. Um die Thematik in die Bevölkerung zu tragen, sollten alle Kinder der Grundschulen einmal im Jahr auf das Gelände geführt werden, damit die Kinder ihre Heimat und Artenvielfalt kennenlernen. Das FFH-Gelände ist sonst für die Öffentlichkeit gesperrt.

Automatisierung und Digitalisierung werden kommen – sind wir bereit?

26. Juli 2017

Mehr und mehr sind bei mir Seminare zur Digitalisierung gefragt. Die begonnene Digitalisierung wird alle Lebensbereiche umfassen. Und bei meiner Seminarvorbereitung ist mir eine ServiceNow Studie in die Hände gefallen, die ich für diskussionswürdig halte. Ich stimme nicht mit allen Aussagen der Studie überein, möchte die Ausführungen aber diskutieren: Kernthese: 2018 wird das Jahr der Automatisierung von Routinetätigkeiten in Unternehmen werden.

Automatisierung wird zunehmen.

Automatisierung wird zunehmen.

Für richtig aufgestellte Unternehmen ist die Digitalisierung ein Segen, rein betriebswirtschaftlich gesehen. Die Studie sagt: Hochautomatisierte Unternehmen können mit 6-mal höherer Wahrscheinlichkeit ihren Umsatz um 15 Prozent steigern. Das halte ich für möglich, aber ich frage: Was machen wir mit den Menschen?
Die Ergebnisse der Service Now-Studie zeigen, dass die meisten Unternehmen fortgeschrittene Automatisierungssysteme in ihrer Organisation eingeführt haben. Die Hälfte der befragten Studienteilnehmer sagen, dass sie 2018 Automatisierungslösungen in ihrem Unternehmen ausbauen werden, um das steigende Arbeitsvolumen bewältigen zu können. Die Umfrage ergab, dass der Einsatz von Maschinen im alltäglichen Arbeitsumfeld das Umsatzwachstum fördert, neue Arbeitsstellen schafft und Mitarbeitern ermöglicht, sich auf wesentliche Aufgaben zu konzentrieren. Das klingt auf jeden Fall gut.

Auswirkung der Automatisierung
Das Unternehmen befragte mehr als 1.850 Führungskräfte, bestehend aus Positionen auf dem C-Level sowie VPs (Vice President), Direktoren und Manager in sieben Ländern, darunter 200 Teilnehmer aus Deutschland. Das Ziel der Studie war es, Auswirkungen von Automatisierung auf alltägliche Unternehmensdienste sowie die Arbeitsbelastung von Führungskräften und deren Meinung zur Zukunft der Arbeitsprozesse zu bewerten. Die Umfrage untersuchte auch die Beziehung zwischen dem Automatisierungslevel und den Betriebskosten.

Studienergebnisse im Überblick:
Deutsche Unternehmen kommen an ihre Belastungsgrenze und benötigen dringend intelligente Automatisierungslösungen, so die Studie. 41 Prozent der Befragten sagen, dass sie 2018 verstärkt Automatisierung brauchen werden, um die Menge an Workloads bewältigen zu können, global sind es 49 Prozent. 2020 werden 8 von 10 (82 Prozent) deutschen Unternehmen die Belastungsgrenze erreichen.
78 Prozent sagen, dass Daten, die von Mobilgeräten und Internet of Things generiert werden, zu dieser Belastung beitragen.
90 Prozent bestätigen, dass intelligente Automatisierung Produktivität steigern kann. Dies beinhaltet Künstliche Intelligenz (KI) oder Maschinelles Lernen (ML), um Entscheidungsprozesse zu optimieren und so Unternehmensprozesse schneller und genauer auszuführen.
54 Prozent der Studienteilnehmer nutzen bereits intelligente Automatisierung bei mindestens einem Unternehmensprozess. 89 Prozent der deutschen Unternehmen planen oder prüfen bereits den Einsatz von intelligenten Automatisierungslösungen.
Georg Goller, Area Vice President Germany, ServiceNow, meint. „Der Wandel zu automatisierten Prozessen hat bereits begonnen und wird den Arbeitsalltag in Deutschland verändern.” Ich stimme hier Georg Goller zu.

Automatisierung gewährleistet finanzielles Wachstum sowie mehr Produktivität weltweit
Hochautomatisierte Unternehmen können im Vergleich zu Unternehmen mit wenig automatisierten Prozessen mit 6-mal höheren Wahrscheinlichkeit ihren Umsatz um 15 Prozent steigern.
Zum Beispiel haben Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von über 20 Prozent im Schnitt 61 Prozent ihrer Unternehmensprozesse automatisiert, während Unternehmen mit geringem oder negativem Umsatzwachstum Automatisierung bei nur 35 Prozent ihrer Prozesse einsetzen.
In deutschen Unternehmen ist nur etwa ein Drittel der Prozesse automatisiert. Defizite ist es bei Personalmanagement und Kundendienst.
Insgesamt sind nur 35 Prozent der Unternehmensprozesse automatisiert. Darunter leiden auch Führungskräfte, die zwei volle Tage bzw. 15 Stunden pro Woche für manuelle administrative Aufgaben verschwenden.
Der IT-Support schneidet bei der Effizienz der Betriebsprozesse am besten ab, während Personalmanagement den letzten Platz belegt.
Konkret beträgt in der Personalabteilung der Anteil von Automatisierung nur 30 Prozent, im Kundendienst sind es 27 Prozent. Im Vergleich dazu werden in der IT 49 Prozent der Services automatisiert.

Kommen wir zu den Menschen …
Deutsche Führungskräfte glauben, Automatisierung kann Arbeitsstellen schaffen, obwohl Arbeitnehmer den Arbeitsstellenabbau fürchten
73 Prozent der Führungskräfte glauben, Automatisierung kann mehr Arbeitsplätze kreieren.
87 Prozent der Leader sagen, Arbeitnehmer befürchten, dass Automatisierung den Stellenabbau im Unternehmen bedeutet.
Die Top-3-Hindernisse für die Umsetzung von Automatisierung: Zu zeitintensive Implementierung, fehlende Ressourcen (Budget und Personal) und Bedenken hinsichtlich des Stellenabbaus.
Die Idee ist: Automatisierung wird Kapazitäten bei Mitarbeitern freisetzen, die sie für strategische und kreative Aufgaben nutzen können. Das klingt gut, wird meiner Erfahrung nach nicht so eintreffen. Vielmehr werden Unternehmen auf kurzfristige betriebswirtschaftliche Ziele schielen. Die Studie sagt:
32 Prozent der Befragten sagen, dass der Arbeitsaufwand gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent oder mehr gestiegen ist.
86 Prozent der Führungskräfte sagen, dass ihre kompetenten Mitarbeiter viel zu viel Zeit für administrative Aufgaben verschwenden.
91 Prozent glauben, dass durch weniger alltägliche Aufgaben die Kreativität der Mitarbeiter freigesetzt wird.
82 Prozent finden es schwierig, Mitarbeiter zu finden, die über die nötigen Kompetenzen für Geschäftswachstum verfügen.
95 Prozent sagen, Automatisierung wird die Nachfrage nach Fähigkeiten wie Zusammenarbeit, kreatives Problemlösen und Kommunikation steigern.
„Deutsche Arbeitnehmer haben das Gefühl, 6 Tage pro Woche zu arbeiten”, erläutert Goller. „Maschinen können den Beschäftigten diese Last abnehmen und ihnen den Raum für mehr Kreativität und Innovation zurückgeben“, so Goller. Ich sehe das nur bedingt so. Die Sachbearbeiter bei einer Versicherung, einer Bank oder eine Behörde ist meiner Meinung nach nur bedingt zu Kreativität und Innovation fähig, weil im Umfeld und Ausbildung fehlt. Diese Kräfte werden meiner Meinung nach freigesetzt und die Volkswirtschaft muss schauen, wie die Verlierer der Digitalisierung aufgefangen und eingesetzt werden können. Dabei stelle ich mich nicht gegen die Digitalisierung, doch nur ein auf betriebswirtschaftliche Ergebnisse zu schielen, ist mir zu wenig. Wir haben eine Gesellschaft eine Gesamtverantwortung. Was sollen wir mit den Opfern der Digitalisierung machen? Wo kommen die Menschen unter? Und wenn immer weniger Leute in Lohn und Brot sind, wer soll dann konsumieren und die hoch effizientproduzierten Waren erwerben?
Das Thema Digitalisierung darf nicht einen modernen Weberaufstand zur Folge haben, so meine Meinung.

Empfehlungen von ServiceNow für Führungskräfte sind wichtig und sollten ernst genommen werden:
Unternehmensprozesse in HR, Kundendienst, IT oder anderen Abteilungen, die verbessert werden müssen, identifizieren
Kritische Unternehmensdienste definieren und Workloads automatisieren
Die geplanten Änderungen mit den einzelnen Abteilungen diskutieren, um Bedenken anzusprechen und zu zerstreuen. Hier ergänze ich ausdrücklich: Nicht zerstreuen ist das Motto, sondern sich ernsthaft mit den Folgen auseinandersetzen und klaren Wein einschenken. Die Mitarbeiter brauche Transparenz und eine Alternative.
Best Practices rund um Change Management aufstellen
Weiterentwicklung der Mitarbeiterkompetenzen, damit sie sich im automatisierten Arbeitsumfeld zurechtfinden. Das halte ich auch für besonders wichtig. In meinen Seminaren verspüre ich eine Angst vor Veränderung bei den Menschen. Aufgabe von Führungskräften ist es meiner Meinung nach, die Angst durch Klarheit zu nehmen, denn die Digitalisierung wird alles, aber auch wirklich alles verändern.

Qualität sichern in Blogs durch richtigen Umgang mit Quellen

9. November 2016

Jeder Journalist muss die sieben W-Fragen kennen. Ich bin in der Ausbildung von Journalisten tätig und freue mich, mit den jungen Kollegen zu arbeiten und sie zu schulen. Die sieben W-Fragen gehören für mich zur Grundlage eines Qualitätsjournalismus.

Was sind jetzt die sieben W-Fragen?
Die ersten sechs der sieben W-Fragen sind relativ einfach: Wer, was, wann, wo, wie, warum und was ist nun das siebte W? Es ist die Quelle. Von welcher Quelle habe ich die Information? Das ist wichtig, damit der Leser weiß, wie er die Information einzuordnen hat. Ein Beispiel: Berichterstattung von einer Demonstration. Der Veranstalter schätzt die Teilnehmer auf 1000 Leute, die Polizei dagegen auf 500 Leute. Die Quelle ist also wichtig, um die Information einzuordnen.

Informationen bewerten
Oft bin ich an Schulen unterwegs und den Schülern wird immer noch beigebracht, wie sie an Informationen rankommen. Freunde, das ist zu meiner Schulzeit wichtig gewesen, denn Informationen waren damals Mangelware. Ich saugte Infos auf wie ein Schwamm. Die Welt hat sich aber geändert. Heute ist es meiner Meinung nach viel wichtiger geworden, Informationen zu bewerten. Woher und vom wem stammt die Information. Leider wird in Facebook oft nicht nach der Quelle gefragt, sondern wahllos geteilt. Die Folgen sind so Ausprägungen von Lügenpresse und Aluhut tragen. Also die Nennung der Quelle ist heute wichtiger denn je.

Ob in Blogs oder im klassischen Journalismus - der Umgang mit Quellen muss gelernt sein.

Ob in Blogs oder im klassischen Journalismus – der Umgang mit Quellen muss gelernt sein.

Bekenntnis zum Bloggerkodex
Nach dem Medienwandel schreibe ich immer weniger für Print. Es lohnt sich einfach nicht mehr. Heute veröffentliche ich mehr und mehr im Internet. Und ich blogge. Dieser Artikel erscheint in meinem Hauptblog. Die sieben W-Fragen sind auch hier wichtig. Aber wir Blogger sollten uns bekennen. Und als Mitglied des Bloggerclubs bekenne ich mich ausdrücklich zu unserem Bloggerkodex. Der Bloggerkodex ist die gemeinsame Basis aller Mitglieder des Bloggerclub. Mit der Mitgliedschaft verpflichten sich die Mitglieder zur Einhaltung des Kodex.
Der Kodex dient einer transparenten Kommunikation gegenüber den Besuchern eines Blogs. Auch definiert der Bloggerkodex die notwendigen Regelungen für Kooperationen mit Unternehmen. Wörtlich heißt es: „Dieser Kodex beschreibt unser Selbstverständnis als Blogger in diesem Spannungsfeld und hat ebenso das Nutzerinteresse im Blick wie eine professionelle und transparente Zusammenarbeit zwischen Bloggern, Unternehmen und Organisationen. Diese Regeln gelten äquivalent auch für Social-Media-Kanäle.“
Der Kodex regelt Transparenz („Transparenz ist unser oberstes Gebot.“), Werbung („Wir kennzeichnen Werbung transparent und deutlich.“), Unterstützung („Wir informieren unsere Leser, wenn Inhalte mit einer Unterstützung entstanden sind.“), Verlosungen, Datenschutz und Sponsoring („Wir informieren unsere Nutzer transparent über Art und Umfang des Sponsorings, etwa den Namen des Sponsors und der Produkte oder konkrete Leistungen wie beispielsweise Hostingkosten oder Fahrzeugbereitstellung.)
Den genauen Wortlaut des Bloggerkodex gibt es hier.

Hier bei der Arbeit als Blogger mit Foodblogger Thomas Gerlach. Wir sind im Gespräch mit Sushi-Expertin Jasmin Voit in der Goldenen Traube in Coburg.

Hier bei der Arbeit als Blogger mit Foodblogger Thomas Gerlach. Wir sind im Gespräch mit Sushi-Expertin Jasmin Voit in der Goldenen Traube in Coburg.

Unter ein, zwei und drei
Mit Erschrecken stelle ich fest, dass Kollegen die Aussprüche unter eins, unter zwei, unter drei nicht mehr kennen. Dabei ist es ganz wichtig, die Quellen im Journalismus zu kennzeichnen.
Unter eins bedeutet: Die Information darf bei direkter Nennung des Urhebers wörtlich wiedergegeben werden: „Ministerpräsident Horst Seehofer sagte: ‚Im Hinblick auf die Verschuldung des Freistaates …‘“ Ich darf als Journalist oder Blogger den Seehofer als Quelle direkt nennen.
Unter zwei bedeutet: Die Information und das Umfeld der Quelle dürfen zwar wiedergegeben, aber nicht direkt zitiert werden: „Wie aus Kreisen der CSU zu erfahren war, hat der Finanzminister angesichts der aktuellen Entwicklungen …“
Unter drei bedeutet: Die Information darf nicht öffentlich verwertet werden. Der Journalist/Blogger hat sie ausschließlich für seinen eigenen Hintergrund erhalten.
Übrigens: Eine rechtliche Möglichkeit zur Durchsetzung dieser ungeschriebenen Regel gibt es nicht.

Wer hat die Macht im Land? – Lobbyradar bringt Transparenz

19. Mai 2015

Der Lobbyradar auf der rp15

Der Lobbyradar auf der rp15

Welcher Politiker hat eigentlich Nebeneinkünfte in welcher Höhe und wo treffen die Lobbyisten auf die Entscheider? Auf der re:publica 2015 zeigte an einem Stand das ZDF der Internetgemeinde den Lobbyradar. Der Lobbyradar ist eine Website und ein Browser-Plugin, die den User interessante Infos aus öffentlichen Datenbanken liefert und grafisch aufbereitet.

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Einmal installiert, erkennt das Lobbyradar-Plugin für alle relevanten Browser (Firefox, Chrome und Safari) alle Personen und Organisationen der ZDF-Lobbydatenbank in den Texten. Die gefundenen Personen oder Organisationen werden markiert. Und wenn der User mit der Maus über die Namen fährt, zeigt Lobbyradar, welche Verbindungen und Informationen in der ZDF-Datenbank zu finden sind. Manche Nachricht und Geschichte wird so in einen völlig neuen Kontext gesetzt. Einfach ausprobiert in der politischen Berichterstattung will ich als Journalist den Lobbyradar nicht mehr missen. Beim Ausprobieren war ich begeistert, wie gut der Lobbyradar funktioniert. Allerdings gibt es noch viele, viele Lücken und dann jetzt ist die Commnunity gefragt.

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In Berlin gibt es über 600 Bundestagsabgeordnete und fast zehnmal so viele Lobbyisten. In Deutschland sind es noch viel mehr und in Brüssel sind noch viel, viel mehr unterwegs. So mancher behauptet, dass diese Lobbyisten die wahren Strippenzieher in unserer Republik sind.

Die Spenden von Markus Söder an die CSU

Die Spenden von Markus Söder an die CSU

Es ist bemerkenswert, welche Daten in öffentlichen Datenbanken vorhanden sind. Das ZDF hat diese Datenbanken miteinander kombiniert und ein politisch interessantes Instrument mit diesem Lobbyradar geschaffen. Bei Politikern wird angezeigt, welches Amt sie haben, welche Parteispenden es von ihm gibt und welche Tätigkeiten sie neben dem Bundestagsmandat sie ausüben.
Beim Ausprobieren gab es ein bemerkenswertes Ergebnis.

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Ich fand es interessant, dass der bayerische Finanzminister Markus Söder mehr Geld an seine Partei spendete als CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer und seine Parteikollegin und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Warum eigentlich? Wäre mal eine interessante Geschichte für die politischen Journalisten.

Und die Spenden von Ilse Aigner an die CSU.

Und die Spenden von Ilse Aigner an die CSU.

User haben zudem die Möglichkeit, die ZDF-Datenbank mit weiteren Daten zu füttern, um weiter Transparenz ins Lobbywesen zu bringen. Das ist dringend notwendig, um den Lobbyradar weiter zu pflegen. Per Mail können weitere Verbindungen gemeldet werden. Das Angebot wurde als Open Source erstellt und kann von jedem eingesehen und weiterentwickelt werden. Also auf gehts.

QR-Code: Woher kommt mein Fisch? Gute Idee und trotzdem versagt

28. November 2012

Beim Mittagessen wollte ich wieder mal von der Leistung von QR Codes überzeugen. Weil es schnell gehen musste, warf ich der Familie einfach ein paar Fischstäbchen in die Pfanne. Kapitän Iglo war zu Gast. Beim Braten entdeckte ich auf der Verpackung der Fischstäbchen einen QR-Code. Woher kommt dieser Fisch?

Der QR-Code lädt zur Transparenz ein: Woher kommt der Fisch?

Der QR-Code lädt zur Transparenz ein: Woher kommt der Fisch?

Das interessierte mich. Das iPhone ist ja immer am Mann. Durch den QR-Code bekam ich die Information, wo dieser Fisch gefangen und verarbeitet wurde. Ich wurde auf eine Webseite geleitet von musste einen Code zur Identifizierung angeben. Dieser ist beim Haltbarkeitsdatum auf der Packung aufgedruckt. Schnell gemacht und die Iglo-Datenbank meldet: Mein Fisch kommt also aus dem Nordostpazifik und ist in der Beringsee im Golf von Alaska gefangen worden. Der Alaska Seelachs heißt übrigens Theraga chalcogramma. Dr. Florian Baumann von der Iglo-Qualitätssicherung sollte mir zudem weitere Informationen über mein baldiges Mittagessen geben. „Wir verwenden je nach Saison und Fanggebiet immer nur eine Fischart.“ Aber Klicken war nicht möglich.

Fisch-Identifikation leicht gemacht.

Fisch-Identifikation leicht gemacht.

Leider musste ich meine romantische Vorstellung von Fischerei über Bord werfen. Es fahren nicht kleine Fischerboote hinaus in das offene Meer und werfen ihre Netze aus. Nein: es ist eine Fischfangindustrie, die dafür sorgt, dass das Mittagessen auf den Tisch kommt.

Aber jetzt die Kritik: Den QR-Code scanne ich mit dem iPhone oder iPad, also mit mobilen Endgeräten. Die Infoseite von Dr. Florian Baumann ist allerdings in Flash und nicht mobil optimiert. Was soll das liebe Leute von Iglo? Ich musste auf den Rechner ausweichen, um die die lehrreichen Filme über Fisch und Fischfang anzuschauen. Aber wer hat denn den Rechner nehmen dem Herd stehen oder trägt die Iglo-Packung durch die Hütte?

Ein paar Infos, aber leider geht es mobil nicht weiter.

Ein paar Infos, aber leider geht es mobil nicht weiter.

Wenn ihr schon einen QR-Code anbietet, dann ist der doch bitte schön für mein mobiles Endgerät. Hier versagt ihr komplett und das enttäuscht mich. Der QR-Code müsste mich auf eine mobile Website führen und dort mir die Infos über das Fischchen geben. Stattdessen komme ich über die Startseite nicht weiter. Da hat das Unternehmen oder die beratende Agentur die Macht von mobilen Internet nicht verstanden und Werbeagenturen haben dem Unternehmen wohl teure Lösungen aufgeschwätzt, die den Kunden nicht zufrieden stellen. Die Idee mit dem QR-Code ist gut, die Umsetzung allerdings mangelhaft. Der QR-Code hätte vielleicht ein wenig Transparenz schaffen können, geschafft hat er bei mir nur Frust.

 

Tipps zum Einstieg in Social Media

22. März 2010
Von einem Kollegen habe ich neulich von deinem dreistufigen Modell zum Einstieg in Social Media gehört. Die Idee gefällt mir gut. Hier wird der Vergleich mit einer kleinen Leiter herangezogen, die drei Sprossen hat. Diese gilt es zu erklimmen und zwar Schritt für Schritt und auch nacheinander. Wer Sprossen auslässt, läuft Gefahr von der Leiter zu fallen.
Einsteiger in sozialen Netzwerken versuchen ihre bisherigen PR-Methoden auf Social Media zu übertragen. Sie legen sich beispielsweise einen coolen Namen bei Twitter zu und kippen ihre Botschaften in das Netzwerk – und keiner reagiert. Was läuft falsch?
Bei der drei-Sprossen-Theorie ist die erste Sprosse die schwierigste. Sie heißt: Klappe halten und zuhören. Sie sollten dem sozialen Netzwerk Ihrer Wahl beitreten und es beobachten. Nicht nur zehn Minuten, sondern ruhig ein paar Tage. Twitter funktioniert anders als Facbook, Xing ist eben doch nicht die Lokalisten usw. Jedes Netzwerk hat seine eigenen Regeln. Also genau zuhören und Informationen sammeln ist die erste Aufgabe: Wer sind die Opinion Leader, welche Themen laufen, gibt es Gruppen, die zu mir passen …?
Dann auf der zweiten Sprosse beteilige ich mich an Diskussionen, gebe privates preis. Ich folge Leute, ich kommentiere Beiträge und schließe erste Freundschaften. Im zweiten Schritt zeige ich Transparenz und Ehrlichkeit. Ich bringe dem sozialen Netzwerk meines Vertrauen eben Vertrauen entgegen. Das ist wichtig, denn ich will auch, das andere ehrlich und transparent sind.
Erst auf der dritten Sprosse fange ich an Botschaften zu senden, die mit meinem Produkt oder Dienstleistung zu tun haben. Und zwar dezent. Ich mach nicht das Fass mit der Aufschrift „klassische PR-Meldungen“ auf und kippe es in die sozialen Netzwerke. Nein! Wo ist der Nutzwert für mein Netzwerk? Social Media ist kein einseitiger Kanal, sondern basiert auf Dialog. Sprechen Sie, diskutieren Sie, treten Sie in Interaktion. Wenn Sie das nicht tun, haben Sie in sozialen Netzwerken nichts verloren.