Posts Tagged ‘Peter Jackson’

Tolkiens Der Hobbit auf Vinyl

22. Oktober 2013

LP1

Das Thema Vinyl ist eigentlich bei mir durch. Bis auf ein paar Singles für die Juxebox kaufe ich keine Schallplatten mehr. Eigentlich. Aber es gibt Ausnahmen, denn ich habe ja noch drei vollfunktionstüchtige Schallplattenspieler, die ab und zu Futter brauchen. Mein neuester Kauf ist eine kleine Liebhaberei. Ich habe mir die limitierte Vinyl-Box vom Der Hobbit angeschafft.

Ursprünglich sollte die Box mit sechs 180 Gramm schweren LPs in einer Auflage von 500 Exemplaren herauskommen. Der Münchner Hörverlag war über die Resonanz wohl selbst überrascht und erhöhte die Auflage schnell mal auf 7000 Stück und die gehen weg wie warme Semmeln.

Da gilt es für den Sammler aus Mittelerde schnell zuzuschlagen. Natürlich gibt es nichts neues, denn die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1980 und wurde schon lange auf CD veröffentlicht. Es handelt sich um das Hörspiel des WDR, das die zuständige Redakteurin Ingeborg Oehme-Tröndle zusammen mit Hörspielregisseur Heinz Dieter Köhler produziert hat. Das Teil hat nun mehr fast 35 Jahre auf dem Rücken und wirkt ein wenig angestaubt. Heutige Hörspiele klingen flotter, voller, schneller und bombastischer. Aber es hat auch seine unvergleichlichen Höhepunkte. Ich liebe beispielsweise den Auftritt von Wolfgang Spier als Ballin und vor allem die Gollum-Interpretation des legendären Jürgen von Manger. Es ist eben ein Spiel der Stimmen und die musikalischen Einlagen sind dezent. Es ist eine gelungene Inszenierung der Stimmen. Es ist nicht Peter Jacksons VFX-Kracher als Hörspiel. Wer dies erwartet, der wird massiv enttäuscht. Es ist ein Kammerspiel, das seine Wirkung durch ausgebildete Sprecher erzielt. Und die zwingen den Zuhörer wirklich zum Zuhören und sich auf das Einlassen der Stimmen. Beim Hören sollte man schließlich immer bedenken: Das Teil wurde für das Radio produziert.

Für mich als Herr der Ringe-Fan der frühen Jahre verstärkt die Vinyl-Ausgabe Der Hobbit nochmals den Reiz vergangener Tage. Ich habe mir gerne das Hörspiel zweimal auf LP angehört und bin dann dazu übergegangen, dass Hörspiel auf CD für unterwegs als mp3 zu rippen.

LP2

Mittelalterfans orientieren sich am Buch Herr der Ringe – Waffen und Kriegskunst

2. Juli 2013

Neulich unterhielt ich mich mit einem Bekannten, der gerne Mittelalterfeste besucht. Seine ganze Familie ist diesem Hobby erlegen. Dabei musste ich feststellen, dass die Welt des Mittelalters und die Welt von Fantasy gar nicht so weit auseinander liegen. Freilich, es gibt Leute die ganz hohen Wert auf die Details legen und nahezu wissenschaftlich bei ihrer Ausrüstung vorgehen. Andere Mittelalterfans finden es einfach nur toll in Kostümen und Waffen durch die Gegend zu schreiten.

Als ich nachfragte, woher die Ideen für die ganzen Waffen und Rüstungen stammen,  bekam ich eine verblüffende Antwort. Viele Fans orientieren sich an der Welt von Herr der Ringe. Es ist ja eigentlich logisch, nur ich kam nicht darauf. Es liegt auf der Hand.

HdR

Und siehe da, bei mir im Archiv fand sich auch das Buch Der Herr der Ringe, Waffen und Kriegskunst. Ich habe das Buch von Chris Smith, erschienen im Klett Cotta Verlag, damals achtlos zur Seite gelegt. Grund war eine katastrophale Rechtschreibung und Übersetzungsleistung des Lektors. Das Buch hat leider sehr viele Unstimmigkeiten – der beste Text ist da noch das Vorwort von Christopher Lee.

Autor Chris Smith hatte 2003 in enger Zusammenarbeit mit Peter Jackson und seinem Designteam, allen voran den Trickspezialisten Richard Taylor und Daniel Falconer, die auch die Einleitung schrieben, sowie den Zeichnern Alan Lee und John Howe, ein zwiespältiges Buch verfasst. Das Originalbuch habe ich nie in die Finger bekommen. Im Grunde ist es ja auch eine Zweitverwertung von anderen Filmbüchern.

Aber ich hatte damals übersehen, welch fantastische Bilder und welch reicher Fundus an Waffen und Kriegskunst enthalten ist. Es macht einen unheimlichen Spaß, die Schwerter, die Sperre, die Schilder und die zahlreichen Rüstungen zu betrachten. Die kreativen Macher um Regisseur Peter Jackson haben sich wirklich etwas Grandioses einfallen lassen und eine stimmige Welt in sich geschaffen. Das macht sicherlich auch den Zauber der Welt von Herr der Ringe und Tolkien aus. Üppig illustriert mit hunderten von Fotos, Landkarten, Skizzen, Abbildungen von Modellen und Zeichnungen, ist das Buch eine wahre optische Schatzgrube.

Dieses und andere Bücher der Herr der Ringe Reihe werden von den Mittelalterfans herangezogen, und dienen als Vorlage für ihre Waffen und Ausrüstungen. Also, wer Interesse hat, sollte einen Blick wagen. Aber seid gewarnt: vom Text lohnt sich dieses Buch Der Herr der Ringe, Waffen und Kriegskunst überhaupt nicht. Vielleicht findet ihr dieses Buch bei eBay zu einem niedrigen Preis. Dann heißt es zugreifen.

Buchtipps: Bücher von und zu Ray Harryhausen

18. Mai 2013
Für mich die beiden besten Bücher über Harryhausen.

Für mich die beiden besten Bücher über Harryhausen.

Nach dem Tod von Ray Harryhausen und meinem Nachruf habe ich mir viele seiner Filme wieder angeschaut: Was für ein Genie er doch war und welchen Einfluss auf die Animationsszene er doch hatte. Seine Stop Motion-Effekte waren grandios, leider waren es die Filme nicht immer.

Wer sich mehr mit der Arbeit von Ray Harryhausen befassen will, dem empfehle ich zwei wunderbare Bücher: Ray Harryhausen an animated life und the Art of Ray Harryhausen. Beide Bücher gehören in den Schrank von Filminteressierten, VFX-Machern oder 3D-Artists.

Ray Harryhausen an animated life – zeigt dokumentarisch die Filme des Meisters auf und versorgt uns mit Hintergrundinfos sowie seltenen Fotomaterial. Harryhausen schrieb das Buch selbst und hatte dabei Unterstützung von Filmhistoriker Tony Dalton. Herausgekommen ist eine Art Autobiografie, die sich aber meist auf die Kunst beschränkt und Privates größtenteils außen vor lässt. Freundlich ist auch das Vorwort von Ray Bradbury, in der SF-Szene wahrlich kein Unbekannter.

Natürlich beginnt es mit dem Klassiker schlechthin: Als der junge Harryhausen zum ersten Mal King Kong im Kino sah, war klar, was künftig sein Leben ausmachen würde. Für King Kong schuf Willis O’Brien die Effekte und Harryhausen ging beim Meister in die Lehre. Harryhausen war auf ein aufmerksamer Schüler und entwickelte die Technik von Willis O’Brien weiter. Vom finanziellen Deaster von Mighty Joe Young (Panik um King Kong) erholte sich Willis O’Brien nicht mehr, aber es kam die große Stunde von Ray Harryhausen. Er arbeitete wie ein Besessener und perfektionierte die Stop Motion-Technik bis zu seinen letzten Film Kampf der Titanen im Jahre 1981. Neue Techniken kamen auf, die später in CGI endeten. Gegen computergenerierte Bilder konnten die ruckelnden Monster, Drachen, Skelette von Harryhausen nicht viel ausrichten. Was bleibt, ist ein großartiges Gesamtkunstwerk, das beim Durchblättern von Ray Harryhausen an animated life auf jeder Seite deutlich wird.

Im Buch the Art of Ray Harryhausen geht es dann mehr um die Zeichnungen. Auch hier wurde Harryhausen beim Schreiben von Tony Dalton unterstützt. Das Vorwort steuerte Peter Jackson bei. Und das zeigt auch, welchen Status Harryhausen in der Filmwelt einnimmt. Ohne die Arbeit von Harryhausen hätte es Herr der Ringe oder die Arbeiten von George Lucas oder Steven Spielberg nie gegeben. Schön dass Zitat auf der Rückseite des Buches von Kermit dem Frosch: „One of the world´s great manipulators …“ Das Buch ist ein Blick auf die PreProduction der Filme. Zeichnungen und Ideen zu den Filmen sind hier zu finden aus einer Zeit, als Film und Animation noch ein klassisches Handwerk waren.

Beide Bücher sind die ideale Kombination, um sich dem Werk von Ray Harryhausen zu näheren. Ich kann beide Bücher empfehlen.

Ich mach mich nicht zum Deppen: Der Hobbit kaufe ich (noch) nicht

21. April 2013

hobbit

Der Peter Jackson-Film Der Hobbit: Eine unerwartete Reise ist vor kurzem als Blu ray erschienen. Etwas länger gab es ihn schon als Download bei iTunes. Dies ist ein Hinweis auf die künftige Apple-Strategie. Trotzdem, dass ich Fan des Herr der Ringe-Universums bin, werde ich mir dieses Mal die Blu ray nicht kaufen – sei es als herkömmlichen 2D-Film, noch als 3D-Version. Das hat verschiedene Gründe, aber vor allem liegt es daran dass wieder einmal der Verleiher ein gieriges Spiel mit uns treibt. Wir Fans werden zum Narren gehalten und sollen gemolken werden.

Die vorliegende Version vom Hobbit ist 170 Minuten lang. Im Herbst diesen Jahres wird die Extended Version des Films erscheinen. Warner machte aus Herr der Ringe schon ein riesiges Geschäft, dies soll sich jetzt beim Hobbit wiederholen. Ohne mich. Ich habe bei HdR bereits darüber geschrieben. Erst kommt die kürzere Kinofassung auf Datenträger heraus, und ein halbes Jahr später die Langfassung. Das war bei Herr der Ringe so und wiederholt sich nun beim Hobbit. Für mich ist das pure Geldschneiderei – ich habe darüber gebloggt.

Das ist kein Argument gegen den Film. Den Film aus Mittelerde finde ich sehr, sehr gut. Aber es ist ein Argument gegen Warner. Die Veröffentlichung von Herr der Ringe auf Blu ray und DVD war ein komplettes Desaster. Am Schluss wurde sogar eine defekte Tonspur bei Herr der Ringe ausgeliefert. Hier hat Werner viel Geschirr bei den Fans zerschlagen.

Werde dieses Mal bis zum Weihnachtsfest warten. Dann kommt der zweite Teil von Hobbit mit dem Titel The Desolation of Smaug in die Kinos und es kommt auch der Extended Cut von Der Hobbit: Eine unerwartete Reise heraus. Ähnliches dummes Spiel wurde mit uns Kunden übrigens auch bei Avatar gemacht.

Buchtipp: The world of Kong: A natural history of Skull Island

5. März 2013

Kong

Irgendwie mag ich den Affen. Ich geb es ja zu, ich bin ein Fan von King Kong. Mir gefällt die Geschichte und ich liebe natürlich die alte Schwarzweiß-Fassung von 1933. Aber kaum einer wusste, dass die Geschichte auf den Krimi-Autoren Edgar Wallace zurückgeht. Die Verfilmung von 1976 fand ich kompletten Müll – was bei mir vor allem an der weißen Frau Jessica Lange lag. Gespannt wartete ich daher auf die Neuverfilmung im Jahr 2005 von Peter Jackson.

Ich verschlang die Produktionstagebücher, liebte die Effekte und den Affen. Darsteller Andy Serkis – vielen bekannt als Gollum – spielte den Kong grandios und wurde durch Motion Capturing auf die Leinwand gebracht.

Und so interessierte ich mich auch für die Bücher von Weta Workshop, der Vfx-Firma von Peter Jackson. Und ich griff auch zum Buch: The World of Kong: A Natural History of Skull Island . Ich muss zugeben: Ich war enttäuscht. Ich hatte mir etwas anderes erwartet. Wer diesen Blog kennt, weiß, dass ich die Art of …-Bücher mag. Ich bin an den visuellen Hintergründen interessiert und wie es zu den Effekten kam.

Dies habe ich mir auch bei dem Buch A natural history of Skull Island erwartet. Aber ich hätte den Titel einfach lesen und verstehen sollen. Erst Jahre später als ich das Buch wieder aus dem Archiv holte, erkannte ich den Humor von Peter Jackson. Erinnert sei an den frühen Peter Jackson-Film Braindead, als es dort eine Insel names Skull Island gab.

Das Buch sollte nicht das übliche Fan-Buch sein. Es erinnerte mich an Charles Darwins Klassiker Über die Entstehung der Arten. Das Buch ist ein Reiseführer durch die fiktive Insel Skull Island. Es zeigt die Geografie und die Tiere, große und kleine. In farbigen Zeichnungen wird wie in Kinderbüchern Informationen über die tierischen Bewohner der Insel gegeben. Humorvoll werden klimatische und geomorphologische Studien über 200 Seiten für bare Münze dargeboten. Das ist der versteckte Humor von Peter Jackson, den ich aber erst Jahre später bemerkte. Ich begab mich bei der Lektüre auf eine wunderbare Entdeckungsreise: Ich erfuhr viel über: The crumbling coast and village, The shrinking lowlands, The winding swamps and waterways, The steaming jungle, The Abyssal Chasms und The Barren Uplands. Natürlich kommt Meister Kong in diesem Buch auch vor, leider nur auf acht Seiten.

Buchtipp: Der Herr der Ringe – die Gefährten von Gary Russell – die Erschaffung eines Filmkunstwerks

30. Januar 2013

russell

Es handelt sich um den ersten Band Der Herr der Ringe, Die Gefährten – Die Erschaffung eines Filmkunstwerks des dreiteiligen Blicks hinter die Kulissen von Herr der Ringe. Meine Rezension zum zweiten Band ist hier zu finden. Versetzen wir uns in das Jahr 2002. Die Tolkien-Gemeinde wartete sehnsüchtig auf die Realverfilmung von Peter Jackson. Als sie in die Kinos kam, war es wie eine Offenbarung. Es passte alles: Story, Umsetzung und Tricks.

Einen Blick hinter die Erschaffung eines Filmkunstwerkes, wie der Buchtitel verheißt, ließ Gary Russell zu. Russell selbst war kein langjähriger Experte des Tolkien-Universums, sondern sah einen wunderbaren Markt und griff zu. Das Buch enthält über 500 Fotos und Zeichnungen aus der Filmproduktion und ist für Fans eine Offenbarung. Filmfreunde, die Klatsch und Tratsch über Schauspieler haben wollen, sind hier an der falschen Adresse. Das Buch gliedert sich in die Schauplätze, Kostüme, Rüstungen und Kreaturen, die den Herrn der Ringe bevölkern. Bei den Schauplätzen gefällt mir am besten die Darstellungen des Auenlandes und der Hobbit-Höhle. Hier hatte jeder Tolkien-Fan seine eigene Vorstellung und dennoch war ich mit der Filmumsetzung sehr zufrieden. Detailzeichnungen von Frodos Wohnsitz sind wunderbar facettenreich und wohl durchdacht. Der Filmarchitekt und Setdesigner verstehen ihren Job. So eine Detailfülle hätte ich für Isengard auch gerne gehabt, aber da bleibt das Buch an der Oberfläche, schade. Die Schauplätze nehmen den Großteil des Buches ein.

Bei den Kostümen können Modedesigner den aktuellen Mode-Trend aus Mittelerde ablesen. Farbgestaltung und Schnitt sind hervorragend auf die Charaktere abgestimmt. Die Elben Galadriel und Legolas haben es mir dabei besonders angetan. Während die Hobbits und Zwerge grobschlächtige Kleider tragen, musste es bei den feinen Elben zeitlos, makellos sein.

Leider wurde es versäumt in den Buch den Schmuck aus Herr der Ringe darzustellen. Das ist wirklich ein Manko. Der Schmuck erinnert an unseren Jugendstil und schuf in einen Trend im Fantasy-Schmuckdesign und eine eigene Industrie. Die Fans kauften nicht unbedingt Schwerter und Bögen, aber dafür Ringe, Broschen und Amulette. Hier hätte ich gerne mehr gesehen, vor allem wenn im Buch immer wieder auf den Ring von Galadriel Bezug genommen wird, er aber nirgends zu sehen ist. Auch im zweiten Band ist vom Schmuck nichts zu finden.

Dennoch ist das Buch Der Herr der Ringe, Die Gefährten – Die Erschaffung eines Filmkunstwerks eine schöne Erinnerung an den Filmstart von Herr der Ringe. Die Technik hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich weiterentwickelt, aber das Design, die Zeichnungen und die Entwürfe werden weiterhin von Hand gemacht. Daher ist dieses Buch, ebenso wie seine Nachfolger, zeitlos und von einem hohem Fanwert.

Filmkritik: Hobbit – eine unerwartete Reise

23. Dezember 2012

Es war sicherlich der wichtigste Kinostart des Jahres 2012: Auf Peter Jacksons Hobbit haben Millionen von Mittelerde-Fans gewartet und sie wurde nicht enttäuscht. Nur die Zahlenfanatiker mussten mit ihren Exceltabellen gleich darauf hinweisen, dass die magische 100-Millionen-Besuchermarke am Startwochenende nicht geknackt wurde – na und? Obwohl die Zutaten ähnlich sind wie die Herr der Ringe-Trilogie, ist der Start des Hobbit-Dreiteilers keine Kopie der erfolgreichen Jackson-Filme. Tolkien schrieb das Buch den kleinen Hobbit als Kinderbuch. Jackson setzte eben dieses Kinderbuch in Szene und nicht die tiefergehende Mythologie von Herr der Ringe.

Kinobesuch des Hobbits im Royal Palast in München.

Kinobesuch des Hobbits im Royal Palast in München.

Dies zeigt sich in erster Linie an der Geschwindigkeit und Sprache des Films. Der Hobbit ist deutlich schneller inszeniert, schnellere Schnitte, es geht rasant zu. Das wird vor allem in der Schlacht in den Goblin-Höhlen des Nebelgebirges deutlich. Die epische Erzählweise von Herr der Ringe steht nicht mehr im Vordergrund, bricht nur noch in Elronds Haus oder bei Erzählungen von Eichenschild durch.

Warum hat Jackson eigentlich einen Dreiteiler aus dem kleinen Kinderbüchlein herausgeholt? Nun, es hat sicherlich kommerzielle Gründe. Aber er klammert sich auch an jede Andeutung aus dem Kinderbuch und bläst sie zur abenteuerlichen Geschichte auf. Dabei nimmt er hin und wieder Anleihen aus dem Silmarillion, dem komplexen Mytholgiewerk aus Mittelerde. Da braucht es dann schon einen Dreiteiler – Teil eins dauert alleine schon 169 Minuten. Personen, wie der Zauberer Radagast kommen im Buch nur am Rande vor, werden aber zu einer tragenden Figur aufgebaut. Auch das Treffen von Gandalf mit Sauroman gibt es im Buch Hobbit nicht und dient wohl nur der Wiedererkennung mit Figuren aus Herr der Ringe. Wie zu hören war, mussten die Szenen mit Christopher Lee in London gedreht werden und nicht in Neuseeland. Gesundheitliche Gründe hieß es, ich denke vielmehr an eine Spitze von Herrn Lee an Jackson, der Lees Auftritt in der Herr der Ringe-Kinofassung zusammenschnitt. Erst auf der Langfassung auf Blu ray konnte man das Schauspiel von Christopher Lee in ganzer Länge bewundern.

Auch ein deutlicher Unterschied zu Herr der Ringe ist der Einsatz von Humor. Bestand dieser beim Herr der Ringe meist nur aus dem Wortgefechten von Gimli und Legolas beim Zählen von abgeschlagenen Ork-Köpfen sind haben wir dieses Mal 13 skurrile Zwerge, die wild durcheinander agieren. Als grobe Klötze werden sie vorgestellt, angeführt von einem eigensinnigen Thorin Eichenschild. Es ist nicht die Verwandtschaft der Zwerge aus Schneewittchen, sondern eigensinnige. harte, derbe Knilche. Ob beim Grillfest der Trolle oder der rasanten Fahrt des Öko-Zauberers Radagast mit seinem Kaninchenschlitten, der Humor kommt nicht zu kurz. Er geht in Richtung Hollywood, aber es ist gut, dass der Film nicht in Los Angeles, sondern in Neuseeland gedreht wurde. Der härtere Kiwi-Humor tut dem Hobbit gut.

Gut gebauter Goblin sucht neues Zuhause.

Gut gebauter Goblin sucht neues Zuhause.

Es tat auch gut, alte Bekannte zu sehen, allen voran den Zauberer Gandalf, Elrond den Elben aus Bruchsal, Sauroman den Zauberer, Gollum, und die edle Frau Galadriel. Letztere ist übrigens die einzige Frau in dem Film, wenn man von Statisten von Zwergenfrauen oder Elbenmusikerinnen einmal absieht. Daher ist der Hobbit ein Männerfilm. Harte Kerle auf der Reise, die Abendteuer erleben und sich nicht immer zu benehmen wissen.

Und wir lernen auch wieder: Mittelerde ist in Neuseeland. Die Naturaufnahmen sind einfach wunderbar, begonnen beim Auenland bis hin zum Nebelgebirge. Neuseeland bietet wunderbare Locations. Der Rest kommt von Weta aus dem Computer. Die CGI-Technik hat sich in den vergangenen zehn Jahren massiv weiterentwickelt. Dies merkt man vor allem beim Einsatz der Software Massive mit den Agents. Hier kann der CGI-Künstler am Rechner Heere aufeinandertreffen und kämpfen lassen. Diese Schlachten waren in Herr der Ringe schon ein Augenschmaus, in Hobbit wurden die Zwergeschlachten nochmals optimiert. Respekt für so viel Entwicklungsarbeit. Und da kommt das Star Wars-Paradox zum Tragen. Die Herr der Ringe spielen 60 Jahre nach dem Hobbit, aber die CGI-Technik ist im Hobbit einfach besser als in den zeitlich späteren Nachfolgefilmen. Das hat mich bei Star Wars auch schon gestört.

Den größten Fortschritt der CGI-Technik zeigt sich beim Auftritt von Gollum. Die Darstellung von Andy Serkis ist sehr glaubwürdig. Die Person Gollum ist zerrissen und sein Spiel wird durch moderne Animationstechnik nochmals verstärkt. Das war für mich der absolute Höhepunkt des Film – das Kammerspiel in den Tiefen des Nebelgebirges. Da macht es nichts aus, dass die Gollum-Geschichte anders erzählt wird als im Herr der Ringe.

Wenn wir schon bei Technik sind: Der Hobbit wurde neben der 2D-Fassung auch in einer HFR-3D-Fassung gedreht. Das bedeutet, die Aufnahmen liegen in einer Higher Frame Rate 48 Bilder pro Sekunde in hochauflösendem 3D vor – bisher sind im Kino 24 Bilder pro Sekunde zu sehen. An dieser Technik arbeitete bereits Douglas Trumbull, aber Peter Jackson hat sie wohl zur Marktreife gebracht und konsequent einsetzt. Trumbull gilt als Erfinder des Showscan-Aufnahmen mit einer Bildfrequenz von 60fps, die er als Vorstand von IMAX in Vergnügungsparks einsetzen möchte. Im Hobbit kommen die Details durch die neue Technik stärker zum Tragen, es muss sich mehr Mühe bei den Sets, bei den Make Ups gemacht werden, denn Fehler fallen stärker auf. Dadurch werden auch die Kosten höher. Das Bild wird digitaler, das klassische Filmkorn hat wieder an Boden verloren.

Für mich ist es ein schöner Auftakt. Teil 2 kommt Dezember 2013 und Teil 3 im Juli 2014. Ich bin dabei.

 

Buchtipp: Der Herr der Ringe – die zwei Türme von Gary Russell – die Erschaffung eines Filmkunstwerks

17. Dezember 2012

kunstwerk

Der Hobbit muss sich noch setzen, zu stark sind die Eindrücke, die der neue Peter Jackson zurücklässt. Daher widme ich mich der Erschaffung eines anderen Filmkunstwerkes: Ich schaue mal auf das Artwork des zweiten Herr der Ringe-Teils: Die zwei Türme. Der mittlere Teil einer Trilogie hat es immer schwer. Die Faszination des ersten Teils besteht darin, die Figuren einzuführen und die Charaktere zu entwickeln. Der letzte Teil der Trilogie ist immer die große Schlacht, die große Auflösung, das Ramba Zamda. Teil 2 tut sich immer schwer, denn eigentlich werden die Figuren des ersten Teils aufgenommen und sie steuern auf den Höhepunkt von Teil 3 entgegen. So ist der zweite Teil einer Trilogie nur eine Art Durchlauferhitzer.

Tolkien schafft es in seinen Büchern eine neue Welt vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen. Diese Aufgabe widmete sich auch Peter Jackson in seiner Version der zwei Türme. Gary Russell lässt uns in seinem Buch Der Herr der Ringe. Die zwei Türme. Die Erschaffung eines Filmkunstwerks einen Blick hinter die Kulissen werden. Rund 500 Entwurfsskizzen und Bilder aus dem Film zeigen, mit welcher Akribie Weta vorgegangen ist, um die Welt von Tolkien auf die Leinwand zu bannen. 2002 ist das Buch erschienen und hat bis heute nichts von der Faszination verloren. Vielleicht wurden die CGI-Tricks in Hobbit besser, aber die Vorbereitung für die Erschaffung der Tolkienschen Welt war damals wie heute wunderbar detailreich. Um vieles haben sich die Kreativen in Neuseeland Gedanken gemacht: Sets, Kostüme, Bewaffnung, Monster. Sehr interessant die künstlerische Auseinandersetzung am Beispiel des Balrog. Von der ersten Bleistiftzeichnung bis hin zu Farbskizzen zeigt das Buch wunderbar das Ringen um die Figur.

Die zwei Türme lebt vor allem von den Sets. Und diese beherrschen das Buch auch. Aber es sind zumeist dunkle Orte. Spielte Teil 1 noch im grünen Auenland, wechselt im zweiten Teil die Beleuchtung. Erinnert sei an Emyn Mull, die Totensümpfe, das schwarze Tor, Ithilien oder Fangorn mit den Ents als seinen Bewohnern. Gerade bei den Ents habe ich Angst gehabt, dass die erhabenen Baumwesen nicht irgendwie lächerlich erscheinen. Sie sind in meiner Fantasie mächtig, weise und auch ein bisschen schrullig. Die Peter Jackson-Version ist überzeugend geworden – Gottlob. Erhaben auch die Festung Helms Klamm mit ihren mutigen Verteidigern.

Mir hat es Spaß gemacht hinter die Kulissen der zwei Türme zu schauen. Gary Russell hat in seinem Buch Der Herr der Ringe. Die zwei Türme. Die Erschaffung eines Filmkunstwerks ganze Arbeit geleistet.

Musiktipp: Complete Songs & Poems of the Lord of the Rings von Tolkien Ensemble

15. Dezember 2012

Weil wir uns alle am Hobbit-Fieber angesteckt haben, will ich mal Musik aus der Welt von Mittelerde vorstellen, die vielleicht nicht jedermann kennt. Ich meine jetzt nicht die Soundtracks von Howard Shore und Leonard Roseman, sondern die Musik des Tolkien Ensembles.

poems

Ich hab diese Musik aus Dänemark Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf einem Schallplattenflohmarkt entdeckt. Über die Jahre sind einige Aufnahmen hinzugekommen. Im Jahre 2006 erschien die 4-CD-Sammlung Complete Songs & Poems of The Lord of the Rings, die ich Fans von Mittelerde ausdrücklich empfehlen möchte. Bei der Band Tolkien Ensemble handelt es sich um dänische Musiker, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Gedichte und Gesänge vom Herr der Ringe zu vertonen und zu veröffentlichen. Unterstützung haben sie von Christopher Lee bekommen, der zahlreiche Tolkien Gedichte vortrug. Schön, dass Lee auch eine Rolle als böser Zauberer Saruman in Jacksons Herr der Ringe-Verfilmung bekommen hat.

Allerdings ist die CD-Sammlung keine leichte Kost. Die komplexen Aufnahmen gehen nicht sofort ins Ohr. Wunderbar finde ich die Choräle, aber auch die leisen Lieder aus dem Auenland. Insgesamt waren über 150 Musiker an den Aufnahmen beteiligt, darunter 14 Solisten. Die Sammlung enthält alle Veröffentlichungen des Tolkien Ensembles. Zehn Jahre hatten Casper Reifff und Peter Hall geraucht, um das Werk zu vollenden. Einige Songs wurden für die CD-Box nochmals neu aufgenommen und die Sammlung wurde neu editiert und nun in die korrekte Reihenfolge gebracht. Cool ist auch, dass ein königlicher Tolkien-Fan mit von der Partie ist. Königin Margarethe II. von Dänemark steuerte zahlreiche Zeichnungen und Illustrationen bei. Das Booklet wurde so wunderbar aufgewertet, es enthält neben den Texten der Gedichte und Gesänge auch eine Biografie der Künstler und die eindrucksvollen königlichen Illustrationen. Es lohnt sich also, die Aufnahmen als CD-Set Complete Songs & Poems of The Lord of the Rings zu erwerben und nicht als mp3-Download.

Für mich gehören diese Aufnahmen zu den Schätzen aus der Welt von Mittelerde. Wer sich ernsthafter mit der Welt von Tolkien beschäftigen will, kommt um diese Aufnahmen nicht herum.

Buchtipp: Die Kunst des Hobbit von Wayne G. Hammond und Christina Scull

29. November 2012
Bücher rund um Mittelerde warten auf Käufer.

Bücher rund um Mittelerde warten auf Käufer.

In wenigen Tagen wird der Rummel um den neuen Peter Jackson Hobbit-Film noch weiter steigen. Peter Jackson hat Tolkiens Buch der kleine Hobbit zu einem Dreiteiler aufgeblasen, der bei uns zu Weihnachten in die Kinos kommt. Gleichzeitig ist die Marketingmaschinerie voll angelaufen, ich habe bereits darüber geschrieben. Bei einem Besuch eines Buchladens konnte ich das große Geschäft wittern: Bücher, Spielzeug, Spiele, Figuren aus der Welt von Mittelerde. Wie Jahre zuvor Star Wars wird Herr der Ringe wohl ein unglaubliches Geld machen.

Gandalf zum Kuscheln - mir wird schlecht.

Gandalf zum Kuscheln – mir wird schlecht.

Abseits dieses Trubels entdeckte ich noch einen kleinen Literaturschatz aus dem Reich Tolkiens. Es handelt sich um die schön editierte Version des Buches Die Kunst des Hobbit . Darin enthalten sind alle Bilder von Tolkien zum Hobbit. Natürlich war Tolkien in der erster Linie Sprach- und Literaturwissenschaftler sowie Autor und weniger Grafiker oder Zeichner. Dennoch war er ein begabter Autodidakt und zeichnete seine Welt von Mittelerde immer wieder. Zeichnen gehörte damals noch zum guten Ton in der Gesellschaft und so schuf Tolkien seine eigene Welt.

Die erste Ausgabe zum kleinen Hobbit enthielt bereits zehn schwarz-weiß Bilder und zwei Karten sowie verschiedene Illustrationen. Der vorliegende Band liefert alle Bilder von Tolkien und macht Spaß beim Blättern. Ausführlich werden die Zeichnungen besprochen und selbst treue Fans erfahren viel neues. Geschrieben hat das Buch die Tolkien-Experten Wayne G. Hammond und Christina Scull. Wer sich etwas fern vom großen Kinorummel mit Tolkien beschäftigen möchte, dem empfehle ich ausdrückliches dieses kleine, feine Buch Die Kunst des Hobbit, erschienen bei Klett Cotta. Hier lässt sich wunderbar den Austausch zwischen Text und Bild bewundern. Tolkien beschrieb in seinen Romanen die fantastische Welt von Mittelerde, hier lieferte er seine Bilder dazu. Kleine Zeichnungen, teilweise schöne Bilder, teilweise großartige Illustrationen, so sah die Welt von Tolkien aus. Insgesamt enthält dieses Buch 106 Illustrationen, Zeichnungen, Bilder – allesamt aus der Feder von Tolkien.