Posts Tagged ‘Charles Darwin’

Westminster Abbey: Märtyrer des 20. Jahrhunderts

21. Januar 2019
Die Westminster Abbey in London.

Die Westminster Abbey in London.

Kennt ihr die Märtyrer des 20. Jahrhunderts? Bei meinem jüngsten Besuch in London bin ich auf sie gestoßen. Eigentlich wollte ich das Grab von Stephen Hawking in der Westminster Abbey in London besuchen, wo die Urne des großen Physikers im Juni 2018 neben Isaac Newton und Charles Darwin zur letzten Ruhe gebettet wurde. Der Andrang war mir aber zu groß und der Eintrittspreis zu hoch. So schaute ich mir das imposante Gotteshaus von außen in Ruhe an. 

An einem Ausgang entdeckte ich dabei die Märtyrer des 20. Jahrhunderts und versuchte sie zu erkennen. Ein paar kannte ich, viele sind mir unbekannt. Über dem Ausgangsportal stehen zehn Figuren in Stein gehauen. Links und rechts neben der gotischen Tür stehen symbolisch Wahrheit (truth), Gerechtigkeit (Justice) sowie Gnade (Mercy) und Frieden (Peace).

Hier die Märtyrer des 20. Jahrhunderts, - aus Bild klicken, damit es größer wird.

Hier die Märtyrer des 20. Jahrhunderts, – aus Bild klicken, damit es größer wird.

Die Figuren von links nach rechts sind: Maximilian Kolbe, Manche Masemola, Janani Luwum, Elisabeth von Russland, Martin Luther King, Oscar Romero, Dietrich Boenhoeffer, Ester John, Lucian Tapiedi und Wang Zhiming. Ich gestehe, ich musste bei einigen in Wikipedia nachsehen. Kanntet ihr alle? 

Hier das Portal als 360 Grad Video.

 

Filmtipp: Interstellar

9. April 2015
Interstellar auf Blu ray

Interstellar auf Blu ray

Im Kino hatte ich Interstellar verpasst, weil ich irrtümlicherweise annahm, dass der Film in Stereoskopie gezeigt wird. Aber jetzt ist der Streifen von Christopher Nolan auf Blu ray veröffentlicht worden und ich habe mir angesehen. Ich bin hin und her gerissen: Habe ich jetzt ein Meisterwerk gesehen, einen unterhaltsamen Film, einen Beitrag zur Gesellschaftskritik oder einfach nur 169 Minuten Geschwätzigkeit?
Das Problem mit Interstellar ist, dass sich der Film an Erklärungen versucht und daran scheitern muss. Meine angeregte Fanatsie wird durch wissenschaftliche Erklärungen eingeschränkt und das ärgert mich. Das macht aus dem Film von Christopher Nolan beileibe keinen schlechten Film, nein im Gegenteil: Interstellar hat mir auf Blu ray gut gefallen, sehr gut sogar. Dennoch hat der Film viele Schwächen. Seine größte Schwäche für mich ist seine Geschwätzigkeit. Zugegeben, einige Ideen sind visionär für den zeitgenössischen SF-Film und dafür müssen wir Nolan auf Knien danken. Aber im Vorfeld wurde er mit der Vision von 2001: Odyssee im Weltraum vergleichen und daran muss er scheitern. Interstellar fehlt die visionäre Kraft, den Blick über den Tellerrand und das Spiel der Gedanken in meinem Kopf. Nolan ist kein Kubrick und will es hoffentlich auch nicht sein. Fans und Kritiker haben ihn auf dieses Podest gehoben und Nolan muss daran scheitern. Nolan ist ein extrem begabter Filmemacher, aber ein Kubrick sicher nicht. Aber Nolan ist sicher fasziniert von seinem Vorbild und zitiert ihn überall. Dagegen ist nichts zu sagen.
Der Film ist überfrachtet mit Ideen und das führt damit zur Geschwätzigkeit. Die Thematik ist interessant und nach all den Star Trek-Folgen kennen wir inzwischen das Raum-Zeit-Dilemma und die Theorie der Wurmlöcher, so dass wir bereit sind für die wissenschaftlichen Erklärungsversuche von Nolan, der sich als Berater den Astrophysiker Kip Thone zur Seite und aus Produzenten genommen hat. Aber irgendwie kam das Thema in Contact geschmeidiger herüber, vielleicht lag es hier an der Vorlage des großen Carl Sagan.
Zeitweise kommen wissenschaftliche Erklärungen in Hülle und Fülle daher. Was bei mir aber hängen geblieben ist, sind nur die Zeilen von Dylan Thomas, der immer wieder zitiert wird. Albert Einstein versus mit Dylan Thomas. Relativitätstheorie und Quantenmechanik mit „Geh nicht gelassen durch die gute Nacht“. Und am Ende siegt, wie in Hollywood üblich, das Herz über die Wissenschaft. Und natürlich sind einige Wissenschaftler Teil einer weltweiten Verschwörung, also kann man den Eierköpfen in ihren Elfenbeinturm nicht trauen. Als Bösewicht gibt es einen großartigen Michael Caine zu sehen. Da ist auf der anderen Seite ein ehrlicher Farmer, der zuvor Flieger und Raumfahrer war, eine ehrliche Haut, dem es um seine Familie geht.
Der Film hat einen schönen Humor. Am witzigsten empfand ich die Diskussion mit der Lehrerin zu Beginn des Films. Diese Lehrerin unterrichtet nach einem Lehrbuch, dass die Mondlandung nie stattgefunden habe und nur ein Propaganda-Trick der Amerikaner gewesen sei. Dieser Humor hat für mich zwei Stufen. Stufe 1 ist die allgemeine Diskussion in den USA um die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Der Mensch dürfe im Land der Tea Party nicht vom Affen abstammen. Hier hält Nolan den Amerikanern einen Spiegel vor. Stufe 2 ist die Satire um die gefakte Mondlandung, bei der auch Stanley Kubrick seine Hand im Stil gehabt haben soll. Hier zitiert Nolan den filmischen Übervater Kubrick.
Zur Musik – und ich habe es befürchtet: ich sag es offen heraus. Der Soundtrack Interstellar ist schrecklich, kein Wunder, denn er stammt aus der Feder von Hans Zimmer. Wenn ich böse wäre, würde ich sagen: Hans Zimmer ist beim Komponieren auf seiner Orgel eingeschlafen. Ja, ich mag seine Musik nicht und dieses Mal tritt Zimmer gegen György Ligeti oder sogar gegen die Strauß-Brüder an und scheitert fulminant. Nolan hatte mit Zimmer schon bei den Batman-Filmen zusammengearbeitet. Zimmer sagt, er habe die Musik ohne den Film machen dürfen/müssen. Nolan habe ihn nur Manuskriptseiten zur Verfügung gestellt und dann sei die Musik nur so geflossen. Ja, ja, Blabla. Sphärische Klänge haben wir schon anderswo besser gehört, zum Beispiel vor ein paar Jahren bei Gravity von Steven Price. Selbst der Soundtrack von Oblivion von M38 war um Welten besser.
Vorbildlich und ausnahmslos atemberaubend waren für mich aber die Special Effects. Diese sind allererste Sahne und da setzt das Team von Double Negative Maßstäbe. Wer VFX liebt, dem wird Interstellar auf jeden Fall gefallen, da bin ich mir sicher. Der Bilderrausch ist enorm. Hier kann Christopher Nolan zeigen, dass er sein Handwerk als moderner Filmemacher versteht. Für die visuellen Effekte wurde der Film auch mit einem Oscar ausgezeichnet.
Für mich ist Interstellar auf der einen Seite eine Mischung aus 2001, Contact und Gravity, auf der anderen Seite ein aufwendig gemachter Science Fiction-Film, wie es heute nur noch wenige gibt. Nach dem ersten Betrachten des Films war ich aufgewühlt, visuell überwältigt und musste erst einmal eine Nacht schlafen, um meine Gedanken und Emotionen zu ordnen. Nach dem zweiten und dritten Anschauen meine ich: Sehr gut gemacht, aber beileibe kein Meisterwerk.

Interstellar_blu

Buchtipp: The world of Kong: A natural history of Skull Island

5. März 2013

Kong

Irgendwie mag ich den Affen. Ich geb es ja zu, ich bin ein Fan von King Kong. Mir gefällt die Geschichte und ich liebe natürlich die alte Schwarzweiß-Fassung von 1933. Aber kaum einer wusste, dass die Geschichte auf den Krimi-Autoren Edgar Wallace zurückgeht. Die Verfilmung von 1976 fand ich kompletten Müll – was bei mir vor allem an der weißen Frau Jessica Lange lag. Gespannt wartete ich daher auf die Neuverfilmung im Jahr 2005 von Peter Jackson.

Ich verschlang die Produktionstagebücher, liebte die Effekte und den Affen. Darsteller Andy Serkis – vielen bekannt als Gollum – spielte den Kong grandios und wurde durch Motion Capturing auf die Leinwand gebracht.

Und so interessierte ich mich auch für die Bücher von Weta Workshop, der Vfx-Firma von Peter Jackson. Und ich griff auch zum Buch: The World of Kong: A Natural History of Skull Island . Ich muss zugeben: Ich war enttäuscht. Ich hatte mir etwas anderes erwartet. Wer diesen Blog kennt, weiß, dass ich die Art of …-Bücher mag. Ich bin an den visuellen Hintergründen interessiert und wie es zu den Effekten kam.

Dies habe ich mir auch bei dem Buch A natural history of Skull Island erwartet. Aber ich hätte den Titel einfach lesen und verstehen sollen. Erst Jahre später als ich das Buch wieder aus dem Archiv holte, erkannte ich den Humor von Peter Jackson. Erinnert sei an den frühen Peter Jackson-Film Braindead, als es dort eine Insel names Skull Island gab.

Das Buch sollte nicht das übliche Fan-Buch sein. Es erinnerte mich an Charles Darwins Klassiker Über die Entstehung der Arten. Das Buch ist ein Reiseführer durch die fiktive Insel Skull Island. Es zeigt die Geografie und die Tiere, große und kleine. In farbigen Zeichnungen wird wie in Kinderbüchern Informationen über die tierischen Bewohner der Insel gegeben. Humorvoll werden klimatische und geomorphologische Studien über 200 Seiten für bare Münze dargeboten. Das ist der versteckte Humor von Peter Jackson, den ich aber erst Jahre später bemerkte. Ich begab mich bei der Lektüre auf eine wunderbare Entdeckungsreise: Ich erfuhr viel über: The crumbling coast and village, The shrinking lowlands, The winding swamps and waterways, The steaming jungle, The Abyssal Chasms und The Barren Uplands. Natürlich kommt Meister Kong in diesem Buch auch vor, leider nur auf acht Seiten.