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In Londoner Supermärkten die Einkäufe selbst scannen

13. Juni 2018

In vielen kleinen Supermärkten in London bin ich die Self Scanner-Kassen gestoßen. Was bei uns bei IKEA oder den großen Handelshäuser langsam eingeführt wird, sehe ich in London in vielen kleinen Geschäften: Der Kunde scannt an der Kasse seine Waren selbst und bezahlt in Bar, mit eCash wie Karte oder Smartphone. Das ist inzwischen Standard. 

Ei ohne Schale aber mit Plastikverpackung - aus einem englischen Supermarkt.

Ei ohne Schale aber mit Plastikverpackung – aus einem englischen Supermarkt.

Wie geht das? Als erstes scannt man seinen Einkäufe Stück für Stück ein und legt die Waren auf einem speziellen Bereich ab, wo das Gewicht überprüft wird. Stimmt die gescannte Waren mit dem hinterlegten Gewicht überein? 

Dann wird der Kauf abgeschlossen, ich habe die Wahl einer Tüte oder nicht, und dann kommt die Bezahlung: Bar oder Karte und die Sache ist gegessen. Personal ist eingespart, es braucht nur noch einen Supervisor, der den ganzen Prozess überwacht, Kunden wie mir es erklärt oder in Vorgänge eingreift. Ich habe dazu ein Video gedreht:

Ich sprach mit einem Mitarbeiter in einem Supermarkt über Sinn und Unsinn der Self Scanner-Kassen. Als Antwort bekam ich einiges zu hören: Man finde keine Kassenkräfte im leergefegten Londoner Arbeitsmarkt mehr, die bereit sind im Service zu arbeiten. Die Leute können sich schlichtweg die Mieten in dieser Stadt bei so einer Arbeit nicht leisten. Der Roboter ersetzt diese Arbeitsleistung. Die Digitalisierung an der Supermarktkasse schreitet voran. Zudem habe sich in London eine Imageänderung ergeben: Wer an eine Kasse mit Kassierer geht, sei entweder alt oder er sei faul. Das war eine heftige Aussage. In einer Stadt in der Kleinbeträge wie ein Glas Bier mit der Kreditkarte gezahlt werden und Abrechnungssysteme mit Apple Pay auf dem Vormarsch sind, geht das Bargeld immer weiter zurück.

Wäre ich ein paar Tage später zum Einkaufen in London gewesen, hätte ich Probleme mit diesem System gehabt. Wer am Freitag, den 1. Juni 2018, seine Visa-Karte zum Zahlen zückte, konnte sie gleich wieder einstecken: Ein Fehler im Netzwerk des Kartenanbieters Visa sorgte in Europa für Ausfälle. Das bargeldlose Bezahlen in Geschäften, an Bahnautomaten und in Restaurants war gestört. Viele sonst bargeldlose Transaktionen mussten in Cash abgewickelt werden – Wasser auf die Mühlen der Bargeldfreunde.

Stromtanken mit Karte.

Stromtanken mit Karte.

Ich bin mir sicher, dass Supermarktketten in Deutschland über ein System der Self Scanner-Kassen nachdenken. Die Voraussetzungen sind die gleichen: Leergefegter Arbeitsmarkt, Zuwachs von Kartenzahlung – und ich bin gespannt, wie der Deutsche auf diese Entwicklung reagiert. Was meinst du? 

In englischen Pubs ist das Zahlen mit Karte kein Problem.

In englischen Pubs ist das Zahlen mit Karte kein Problem.

Apple HomePod in London ausprobiert

12. Juni 2018

In wenigen Tagen erscheint in Deutschland der HomePod. Am 18. Juni wird der intelligente Lautsprecher ausgeliefert. Kostenpunkt stolze 349 Euro für eine Box. 

Der Apple HomePod kommt für rund 350 Euro nach Deutschland.

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Bei einem Besuch in London wollte ich den Lautsprecher näher anschauen und ich wählte als Besuch den wunderschönen Apple Store Covent Garden. Während meine Familie mit dem iPhone Product red herumspielte, probierte ich den HomePod aus.

In London waren sowohl die weiße als auch die Space graue Variante ausgestellt. Das Gerät ist schwer und ich verstehe, dass bei einem fetten Wums Abdrücke in einer Holzunterseite vorkommen können. Nun, im Apple Store war auf den Eichentischen (eine Besonderheit im Store Covent Garden) davon nichts zu sehen. Aber der Wums ist wirklich bemerkenswert. Per Touch erhöhte ich die Lautstärke, so dass ein freundlicher Apple-Mitarbeiter auch mich zukam und mich bat, den Ton in akzeptabler Lautstärke zu halten. Na gut, mach ich doch. 

Ich hab noch die Apple Boom Box zu Hause, die damals ein Schnellschuss von Apple war, mir aber immer noch gute Dienste erweist. Der HomePod muss schon mehr bringen – zumal der Preis nicht ohne ist. Ich habe bereits Amazon Echo in mehreren Zimmern zu Hause installiert und bin zufrieden. Nun, der Lautsprecher des Echo kann keinesfalls mit dem des HomePods mithalten. Apple fegt die Amazon Konkurrenz vom Platz. Wäre da nicht Siri. Siri ist gegenüber Alexa sehr begriffsstutzig und bisher eine lahme Ente. Ich habe über das Problem bereits gebloggt. Amazon hat einen starken Vorsprung. 

Etwas verwirrt war ich, dass Apple keinen Audioeingang per 3,5 Klinke oder optischen Kabel zulässt. Ich hatte gerne mal meinen CD-Player – mein PowerCD von Apple – an das Teil angeschlossen. Aber Apple macht wie immer alles dicht. Per AirPlay 2 kann man auf den Lautsprecher zugreifen. Mit iOS 11.4 kommen heute Stereopaare bei den HomePods und Multiroom-Audio mit AirPlay 2. Und diese Anpassung an den Raum klappt beim HomePod wirklich gut. Nun, ich konnte die Lautsprecher nicht im Apple Store herumtragen, aber ich hatte das Gefühl, dass der Klang ausgezeichnet ist. Der Anwender kann Musik in jedem Raum von jedem Raum aus abspielen, Musik von einem Raum in einen anderen ‚verschieben‘ oder denselben Song überall mit einem iOS-Gerät, einem HomePod, Apple TV oder durch Abfrage von Siri abspielen, so heißt es bei Apple. Lassen wir uns überraschen. 

Jeder HomePod nutzt automatische Raumerkennung, um seine Position zu erfassen und den Ton unabhängig vom Aufstellungsort automatisch für ein herausragendes Musik-Erlebnis anzupassen; für ein perfektes Zusammenspiel und das vollständig synchrone Abspielen der Musik verwendet HomePod eine von Apple entwickelte drahtlose Peer-to-Peer-Direktverbindung, um miteinander zu kommunizieren.

Mit einem A8 Chip in jedem Lautsprecher ist jeder HomePod in der Lage, seinen eigenen Audiokanal – links oder rechts – abzuspielen und dabei den direkten vom indirekten Schall zu trennen. Mit dem Update heute soll es gehen.

Nachdem K2 uns zu einem Apple Music-Abonnement gedrängt hat, haben wir die Familievariante gewählt. Als überzeugter Jäger und Sammler glaube ich immer, dass ich Musik besitzen muss. K2 meint, die Musik müsse nur verfügbar sein. Naja, auf jeden Fall passt Apple Music zum HomePod und es wird wohl die weiße Variante werden. Und im Moment reicht auch ein Lautsprecher. Nun, Siri streng dich an. Alexa wartet schon auf dich. 

Beatles in London auf Schritt und Tritt

9. Juni 2018

Die British Invasion wird in London weiterhin hochgehalten. Die Beatles sind in der britischen Hauptstadt London auch heute überall zu finden. Als Fan der Pilzköpfe halte ich John, Paul, George und Ringo halte ich die Beatles schlichtweg für die beste Band der Welt. Und das wissen die Londoner und ziehen daraus Kapital. Vor dem Geschäft des berühmten Musikgeschäfts His Masters Voice ist noch eine Plakette eingeladen, die an die ruhmreiche Vergangenheit der Beatles und HMV erinnert.  

Auf dem Weg zum Sherlock Holmes Museum entdeckte ich den größten Beatles Merch-Laden mit allerlei Plunder und Schätze – den London Beatles Store. Als Schätze waren dort neben der Kasse Vinyl-Singles aus Japan zu finden. 40 britische Pfund für das 007-Lied Live and let die von Paul waren ok, wollte ich aber dann doch nicht ausgeben. Dann gibt es allerlei Originalautogramme im mindestens vierstelligen Bereich, die aus finanziellen Gründen auch ausschieden, aber nett anzusehen sind. 

Beatles Fan vor dem Beatles Laden in London.

Beatles Fan vor dem Beatles Laden in London.

Goldene Schallplatten (Nachpressungen) für rund 150 Euro sind interessant, passen aber nicht ins Handgepäck. Dann gibt es natürlich die üblichen Tassen, T-Shirts, Poster, Gitarrenplektren, Aufkleber, Aufnäher – eine ganze Reihe von Spielzeugautos und U-Booten oder Manschettenköpfen oder John Lennon-Brillen. Was ich nicht verstehe, warum es nie neue CDs, LPs oder DVD/Blu Rays in diesen Läden gibt. Naja, die Gattin erwarb ein zweiseitiges Yellow Submarine-Puzzle. Die Teile sind nicht optimal ausgeschnitten und der Zusammenbau in der Heimat war aufgrund des schlechten Materials nicht reibungslos. Aber die Idee dahinter ist wirklich nett. 

Nette Idee aber schlechte Umsetzung.

Nette Idee aber schlechte Umsetzung.

Beatles Füller von Montblanc

Sehr viel hochwertiger begegneten uns die Beatles beim Luxuskaufhaus Harrods. In der Papeterie-Abteilung von Harrods schaute ich bei Montblanc vorbei, um mir die 2017-Edition der Beatles Stifte anzusehen, die in der Reihe Great Characters veröffentlicht wurde: Füller, Kugelschreiber und Roller Ball. Ich probierte den Füller aus und verliebte mich in das exklusive Schreibgerät im Graphit Grau und Regenbogen, wir sind ja schließlich im Jahr von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band. Die bunten Streifen sind eine Hommage an die Kostüme der Beatles. Die Feder in Federstärke M besteht aus 585er Gold und ist Ruthenium beschichtet. Der Clip verweist auf den berühmten Schnurrbart der Beatles. Ja, ich hab mich in die Schreibgeräte verliebt und als Wertanlage sind die Stifte auch interessant. Wenn da nicht die hohen Investitionskosten wären, wir sprechen ja über Stifte. 

Eine Augenweide - der Beatles Füller von Montblanc.

Eine Augenweide – der Beatles Füller von Montblanc.

London – meine Enttäuschung bei HMV und Co

8. Juni 2018
Früher bin ich mit einem leeren Koffer nach London geflogen und kam mit einem Koffer voller Schallplatten zurück.

Früher bin ich mit einem leeren Koffer nach London geflogen und kam mit einem Koffer voller Schallplatten zurück.

Als Jugendlicher bin ich oft nach London gefahren, denn London war für mich das Mekka der Pop-und Rockmusik in Europa. Ich bin mit einem leeren Koffer in die Stadt gefahren, verbrachte Tage in Schallplattenläden und bin mit einem vollen Koffer wieder zurückgefahren. So baute ich mir in der Vergangenheit eine stolze LP- und Singlesammlung auf, von der Stadt London selbst mit den Sehenswürdigkeiten hatte ich einige Jahre nichts gesehen. 

Früher war es für mich der erste Anlaufpunkt: HMV

Früher war es für mich der erste Anlaufpunkt: HMV

Jetzt bin ich wieder mit meiner Familie nach London gefahren und suchte die Wirkungs- und Konsumstätten meiner Jugend auf. Meine Tempel der Jugend waren einst die Filialen von Tower Record oder die Zweigstellen von His Masters Voice (HMV). Und dann gab es noch viele kleine Plattenläden. Und heute traf ich wieder auf HMV an der 363 Oxford-Street und ich war enttäuscht. Amazon hat zugeschlagen und das Musikgeschäft auf den Kopf gestellt. Hatte ich früher seltene Ausgaben gefunden, habe ich heute nur Standardware gesehen. Die Preise waren etwas teuerer als bei Amazon, ein paar Sachen waren billiger. 

Das wirkliche Geschäft macht der Laden wohl weniger mit Musik als vielmehr mit Merch-Zeugs wie Funko Pop-Figuren, T-Shirts oder Tassen. Die Abteilungen für DVDs und Blu Rays waren bei meinem Besuch kaum besucht, einzig in der blutigen Horror-Abteilungen tummelten sich ein paar Fans. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass diese Schlachter-Filme nicht per Video on Demand bei Netflix und Co zu bekommen sind. Ein gewisses Revival hat wohl die Vinyl-Abteilung. Es gab einige Reihen mit Schallplatten für teures Geld, aber kein Vergleich zu den schwarzen Scheiben meiner Jugend. Ich selbst war auf der Suche nach Picture Discs von Soundtracks und habe nicht eine Scheibe gefunden. Ich habe vor Frust in der kleinen Soundtrack-Abteilung zwei, drei Scores auf CD gekauft, die es bei Amazon auch gegeben hätte.

Ich sag es nicht gerne: Bei meinem nächsten Besuch spare ich mir den Besuch von HMV und Co und werde mich den Sehenswürdigkeiten von London widmen.  

Wenn der Weg London – München über Hannover führt

7. Juni 2018

Wäre ich doch gleich mit der Bahn gefahren: Hinterher ist man immer schlauer. Ursprünglich wollte ich mit der Bahn unter dem Ärmelkanal hindurch nach London fahren, aber die Familie entschied aus Preisgründen zu fliegen. Das TUI-Reisebüro in Kissing organisierte uns eine super Reise und ich bin mit der Dienstleistung voll zufrieden. Klare Empfehlung an das TUI Reisecenter. 

Alles klappte prima: Hinflug mit British Airways, Hotel (mit WLAN), Touren und dann kam der Rückflug mit BA zurück nach München. Der Abflug ab London Heathrow verzögerte sich. Über Deutschland herrschte Gewitterstimmung. Es donnerte und schepperte in den Wolken. Unser BA-Pilot meinte, dass es am Flughafen München einen Rückstau von Flugzeugen aufgrund des Wetters gebe und wir daher eine Dreiviertelstunde Verspätung haben würden. Ursprünglicher Start war auf 20:30 Uhr terminiert. Nach einer Stunde des Wartens starteten wir, weil München wohl grünes Licht gegeben hatte. Der Flug verlief problemlos, ich verschlief die meiste Zeit. Über München wachte ich auf und stellte fest, dass wir um die bayerische Landeshauptstadt kreisten – Runde um Runde. Mittlerweile war es 0:30 Uhr geworden. Wir wollten eigentlich um 23:30 Uhr landen, doch wir verbrachten ja eine Stunde auf dem Rollfeld in London. München hatte grünes Licht gegeben und wahrscheinlich hat so ein Held vergessen, dass zwischen London und München eine Stunde Differenz besteht. Um 0:30 Uhr war der Flughafen München für uns geschlossen – wir in Bayern haben schließlich ein Nachtflugverbot. Zudem seien zahlreiche Flughäfen in Deutschland geschlossen. 

Unser aufmerksamer Pilot funkte mit der British Airways-Zentrale und es wurde nach einem Landeplatz für uns gesucht. Deutschland sei dicht, hieß es aus dem Cockpit. Sogar ein Rückflug nach Großbritannien wurde diskutiert, aber ein Flughafen in Deutschland würde uns noch eine Landeerlaubnis geben. Ich dachte an Stuttgart oder Nürnberg – es wurde allerdings Hannover. Zwischen München und Hannover ist es doch eine gewisse räumliche Distanz. 

Da sitzt man halt in Berlin herum.

Da sitzt man halt in Berlin herum.

Also ab nach Hannover und dort wurde problemlos gelandet. Aber natürlich war der Flughafen um diese Uhrzeit nicht voll besetzt. Eine Notmannschaft wurde zusammengetrommelt. Ein Bus wurde organisiert und Hotels galt es für Fluggäste abzutelefonieren. Mit den Hotels sah es schlecht aus, sehr schlecht. Und die Stimmung an Bord der Maschine wurde immer schlechter. Ein Familienvater machte Stimmung, schlechte Stimmung. Es ist Wahnsinn, was Druck aus Menschen macht. Der Mann wurde ausfällig und polterte durch das Flugzeug. Er werde jetzt aussteigen und schimpfe wutschnaubend durchs Flugzeug zum Ausgang. Den Mann sah man später im Flughafenbus wieder. Sein Aufregen hatte ihm nichts genutzt. Und es ist interessant wie unter Druck lauter Luftfahrtexperten an Bord sind, die wunderbare Lösungen in der Tasche haben. Hauptsache Luft wackelt und sich wichtig machen – Druck zeigt den wahren Charakter der Menschen. 

In Hannover steppt der Bär.

In Hannover steppt der Bär.

Naja gegen 1:30 Uhr entschied der Familienrat: Wir bleiben am Flughafen Hannover über Nacht und fahren mit einem der ersten ICE nach München. Noch im Flugzeug wurden die Zugtickets über die Bahn-App erstanden. Wir mussten am Flughafen nur noch ein paar Stunden Zeit totschlagen. In Hannover hatte ein Schnellimbisrestaurant und eine Bäckerei geöffnet und wir machten es uns als Familie auf Sitzplätzen im Abflugbereich bequem. Nur nicht einschlafen und den Zug verpassen. Als Papa unterhielt ich abwechselnd mit meiner Frau die Kinder, kaufte Pommes und Cola und streifte durch den Abflugbereich.

Nein, das Angebot ist zeitlich nicht interessant.

Nein, das Angebot ist zeitlich nicht interessant.

Mit der BA nach München fliegen wollten wir nicht. Die Crew braucht mindestens 12 Stunden Entspannung, also Rückflug nicht vor 14 Uhr. In Wahrheit kam um 10:49 Uhr eine SMS, dass der Flieger um 17:45 Uhr starten würde. Um 10:41 Uhr waren wir mit dem ICE in München. Außerdem musste meine Frau ab 19 Uhr in München unterrichten. 

Morgens um 5:36 Uhr die S-Bahn vom Flughafen zum Hauptbahnhof Hannover genommen und wir sind gleich kontrolliert worden. Die halbe Stunde bis zur Abfahrt des ICE 581 nach München war die schlimmste Zeit. K1/2 waren komplett übermüdet und schliefen fast im Stehen. Die Kinder taten mir leid und als der ICE aus Hamburg einfuhr, mussten wir Reisende von unseren reservierten Plätzen vertreiben. Dann sitzen, endlich sitzen und schlafen. Die Kinder schliefen sofort ein und ich schaute mir einen Film am iPad an. Viel mitbekommen habe ich allerdings nicht. Ab Aschaffenburg war nicht mehr an Schlaf zu denken. Eine Fußballmannschaft bestieg sturzbetrunken den Zug, soff Bier, grölte herum und spielte Musik. Bitten um Ruhe wurden nur kurzzeitig berücksichtig, also entschieden wir uns, die Fußballer um Bier zu bitten und mitzutrinken. Die Müdigkeit und der Alkohol sorgten nicht unbedingt dafür, dass ich fit wie ein Turnschuh war. Irgendwann waren wir dann zu Hause. Frau und Kinder gingen sofort ins Bett, ich duschte noch und fiel dann in den Schlaf. Wäre ich doch gleich mit dem Zug gefahren. 

Genervt im ICE nach München.

Genervt im ICE nach München.

Persönlicher Nachruf zu Jack Bruce

26. Oktober 2014

Noch gestern habe ich ihn über Kopfhörer laut gehört und dann erfuhr ich über Facebook, dass er tot ist. Ich bin echt erschüttert. Jack Bruce ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Der geniale Bassist war Gründungsmitglied der legendären Cream und die Band hat meinen Musikgeschmack entscheidend beeinflusst. Er schrieb Klassiker wie Sunshine of your Love und ihm ist ein Platz im Rock’n Roll-Himmel sicher.

Bekanntgabe des Todes über Facebook

Bekanntgabe des Todes über Facebook

Ich erinnere mich noch als ich den Last Concert-Film vom Cream als Jugendlicher im Fernseh sah. Mit offenem Mund blieb ich vor der Glotze sitzen. So etwas hatten meine jugendlichen Augen und Ohren kaum vernommen. Ich kannte zwar den Bluesman Eric Slowhand Clapton von den Yardbirds, aber so eine Art von Improvisation war mir bis dato nicht untergenommen. Drei Männer, drei begabte Instrumentalisten, aber auch drei Egos spielten sich in der ersten Supergroup die Seele aus dem Leib. Improvisationskunst, wie ich sie zuvor nur aus den Jazz-Platten meines Onkels kannte, erfüllte mein Jugendzimmer. Das Trio Eric Clapton, Ginger Baker und Jack Bruce rockten die elterliche Wohnung. Laut, ganz laut musste Cream gehört werden, so laut, dass sich einmal die Nachbarn bei meinen Eltern beschwerten und ich fetten Ärger bekam. Allerdings bin ich auch heute noch der Meinung: Bluesrock kann man nicht leise genießen.


Meinen Freunden von damals versuchte ich Cream näher zu bringen, allerdings wegen meiner nuschelnden Aussprache verstanden sie in der Regel Queen und eben nicht Cream. Naja, auch egal. Ich hörte vor allem die Live-Scheiben, allen voran das Farewell Concert und kaufte mir Zug um Zug alle Alben, zunächst auf Vinyl, später nochmals auf CD. Leider waren die Live-Aufnahmen klangtechnisch unterirdisch. Dem Tontechniker gehört noch immer ein Berufsverbot erteilt.
Später kaufte ich mir noch drei Alben von West, Bruce & Laing, aber die Klasse von Cream konnten die Herrschaften nicht erreichen. West, Bruce & Laing waren gut, aber mehr auch nicht. 2005 horchte ich noch einmal auf, als es ein paar Reunion Concerte von Cream in der Londoner Royal Albert Hall gab. In der Royal Albert Hall gaben sie ja damals das Abschiedkonzert, das ich im Fernsehen gesehen hatte. Ich wollte ein Konzert dieser Reihe besuchen, bekam aber keine Karten mehr. So bleib mir nur die nachträglich veröffentliche CD und DVD. Zu mehr kam es nicht, weil sich das Trio mal wieder zerstritt.
Nun denn: Danke lieber Jack für deine Musik und heute hörte ich dein Sunshine of your Love in der alten Rockola. Und ich denke an euren Wahlspruch von damals: Forget the message, forget the lyrics, and just play.

Hier das alte Sunshine of your Love:

und hier das neue Sunshine of your Love:

Smartphone ersetzt den Diaabend (leider)

1. September 2014

Jetzt beginnt die Zeit, in der alle wieder aus dem Urlaub zurückkehren. In den alten Zeiten konnte ich mich darauf verlassen, dass in ein, zwei Wochen Einladungen zu Diaabenden ins Haus flatterten. Damals konnte ich mich entscheiden, ob ich die stundenlange Qual von ambitionierten Hobbyfotografen auf mich nehmen wollte, oder ob ich einfach kniff. Ausreden gab es viele, wie an diesem Abend haben wir leider keine Zeit oder das Kind ist krank geworden oder meine Schwiegermutter feiert Geburtstag.
Doch mit dem guten, alten Zeiten ist es vorbei. Das Smartphone ist schuld daran. Die Leute machen heute ihre Urlaubsfotos mit dem Smartphone. Die Kompaktkamera ist nahezu abgelöst durch die Megapixel-Auflösung der Smartphone Kameras. Und damit beginnt das Problem: das Smartphone ist immer dabei. Und ich habe keine Chance, den Urlaubsbildern am Smartphone zu entgehen. Kaum treffen sich Freunde auf der Straße, schon zückt einer sein Smartphone und quält mich mit den Urlaubsbilder vom jüngsten Urlaub. Und da die meisten mit dem Smartphone nicht fotografieren können, erleide ich Qualen. Noch schlimmer ist es, wenn ich im Hochformat-Smartphone querformatige Bilder anschauen muss. Übrigens, es heißt in der Fotografie Hochformat nicht hochkant – hochkant ist beim Schreiner/Tischler.

Na, in welcher Stadt war ich im Urlaub?

Na, in welcher Stadt war ich im Urlaub?

Leute, ich will eure schrecklichen Bilder vom Gardasee, Kroatien oder aus der Toskana nicht sehen. Ich will auch nicht wissen, hinter welcher Ecke der Eiffelturm zu sehen wäre oder warum man mit einem kleinen Blitz vom Smartphone nicht den ganzen Hamburger Hafen ausleuchten kann. Solchen Leuten würde ich gerne das Smartphone einfach wegnehmen durch ein klassisches Telefon ersetzen. Und zudem den Leuten noch ein absolutes Fotografierverbot erteilen.
Ich will wieder zurück zu den alten Diaabenden bei Freunden, bei denen es wenigstens zu qualvollen Bildern einen Käseigel oder eine Schinkenplatte zu essen gab.

Nach New York zieht es viele.

Nach New York zieht es viele.

Zum Thema Urlaub passt folgende Meldung, die mich gerade erreichte. Der führende Reisegroßhändler Tourico Holidays hat das Buchungsverhalten seiner europäischen Kunden analysiert und herausgefunden, dass Reisen in die USA immer beliebter werden. So ist New York mit 8% der Buchungen vom dritten auf den zweiten Platz der meistbesuchten Städte gestiegen und liegt bei den Buchungen nun fast gleichauf mit Paris, in das ebenfalls 8% reisen wollten. Also werde ich wohl Smartphone-Fotos von NYC und Paris in den folgenden Wochen sehen. Auf den Plätzen drei und vier der beliebtesten Städte liegen London mit 7% (im Vorjahr noch auf Platz 2) und Amsterdam mit 4%, das sich somit vom sechsten Platz auf den vierten verbessert hat. Neu in der Top 5 ist auch Las Vegas, ebenfalls mit 4% der Buchungen, das von Platz 10 auf Platz 5 gestiegen ist. Las Vegas ist übrigens eine eigene Welt entweder liebt man es oder man hasst es. Auf keinen Fall darf man Vegas ernst nehmen.

Keinesfalls ernst nehmen: Las Vegas

Keinesfalls ernst nehmen: Las Vegas

Orlando hat sich vom 15. auf den 12. Platz verbessert. Herausgefallen aus der Top 5 der beliebtesten Reiseziele im Vergleich zum Vorjahr sind Rom, das vom vierten auf den neunten Platz gefallen ist und Madrid, das sich jetzt, nach dem fünften Platz in 2013, auf dem achten Platz befindet.
Die Experten von Tourico Holidays vermuten als Grund für die steigende Beliebtheit Nordamerikas, dass die USA als Reiseland immer günstiger werden. Allerdings haben sich die Herrschaften nicht zum Thema Einreise geäußert. Ich liebe die USA, aber die Einreise erinnert mich an beste DDR-Zeitem. Noch 2013 mussten Besucher für eine Übernachtung in New York City im Schnitt 227 US-Dollar bezahlen, aktuell sind es noch 219 US-Dollar. In Las Vegas fielen die Preise von 123 US-Dollar auf 117 US-Dollar und in Orlando von 98 US-Dollar auf 81 US-Dollar für eine Übernachtung.
Die führenden Quellmärkte sind für den Reisegroßhändler Spanien, UK, Italien, Deutschland und Rumänien in 2014. Das größte Wachstumsplus kam jedoch aus anderen Märkten. Die Buchungen aus Frankreich sind um 30% gestiegen, die aus der Schweiz sogar um 63%.
Für die Auswertung hat Tourico Holidays die Daten aus den ersten beiden Quartalen aus 2013 und 2014 miteinander verglichen. Das Unternehmen ist im Reisegroßhandel führend in der Verarbeitung großer Datenmengen. Aktuell erhält der Reisegroßhändler täglich 90 Millionen Suchanfragen von fast 5.000 Kunden und wiederum deren Klienten aus über 100 Ländern weltweit.

Nicht Venedig, sondern Las Vegas zeigt das Bild.

Nicht Venedig, sondern Las Vegas zeigt das Bild.

Jetzt etwas komplett anderes #MontyPythonLive

21. Juli 2014
Vielen vielen Dank für diesen Humor: Monty Pythons.

Vielen vielen Dank für diesen Humor: Monty Pythons.

Ja, ich geb es zu: Ich konnte über die alten Herren lachen. Ich habe es mir voller Wehmut vor meinem Rechner bequem gemacht und mir die Show von Monty Pythons aus London via Arte angeschaut. Dafür zahle ich gerne meine Gebühren.
Ich bin mit der Truppe aufgewachsen und ich bin mit ihnen alt geworden. Ihre Sketche und Filme haben einen Platz in meinem Herzen, nein, in unserer aller Herzen. Kaum jemand in meinen Alter kennt die Monty Pythons-Truppe nicht. OK, nicht alle mögen sie, aber kennen tun wir sie. Und der letzte gemeinsame Auftritt von Eric Idle, Terry Jones, John Cleese, Terry Gilliam und Michael Palin unter dem Motto „One down, Five to go“ war eine Wohltat des Klamauks nahe am Wahnsinn.

Klamauk am Rande des Wahnsinns

Klamauk am Rande des Wahnsinns

In Show war in 43 Sekunden ausverkauft. Nur eine WWDC von Apple ist da schneller gewesen und gerne wäre ich bei den Shows in der Londoner O2-Arena mit 15.000 anderen Gleichgesinnten dabei gewesen. Aber am Bildschirm war auch nicht schlecht.
Es war eine große Show der alten Männer mit viel Musik und Klamauk, Und wahrscheinlich haben sich junge Zuschauer kopfschüttelnd abgewendet, dies konnte ich zumindest aus meiner Twitter-Timeline feststellen. Einige haben Spagat zwischen Humor und Wahnsinn nicht verstanden. Ich muss für mich sagen: Es war Nonsens, wie ich ihn liebe mit viel Verkleidungen und Anspielungen und mir hat es gefallen, sehr sogar. Und es waren die kleinen Gags, die voll eingeschlagen haben. Sehr nett beispielsweise bei der Berufswahl, statt Löwenbändiger lieber Systemanalytiker zu werden, bevor wir dann doch zum Holzfäller in Kanada kommen. Wir sollten übrigens öfters nach Kanada fahren – oder nach Finnland.

Und alle singen den Lumberjack-Song.

Und alle singen den Lumberjack-Song.

Im Mittelpunkt standen die Songs und – oh my dear – ich konnte jeden mitsingen. Es begann gleich mal mit etwas deftiger Kirchenkritik: Der Penis Song und natürlich every sperm is sacared sind heute Gassenhauer meiner Generation. Die spanische Inquisition ist heute Standard in Blödeleien unter Freunden.

every sperm is sacared

every sperm is sacared

Kritik gegen die Kirche

Kritik gegen die Kirche

Sogar Gott sprach zu den Pythons.

Sogar Gott sprach zu den Pythons.

No one expects the Spanish Inquisition!

No one expects the Spanish Inquisition!

Damals führte so etwas zu massiven Protesten. Die Songs waren stark, vor allem natürlich Lumberjack, I Like Chinese, Philospher’s Song und das inspirierende Sit on my face. Sehr schön am Tag der Mondladung war der wunderschöne Milkyway-Song. Und bei der Anwesenheit von Stephen Hawking zeigt sich, welche Wirkung die Pythons heute noch in Großbritannien haben. Es gab eine Einspielung mit dem großen Physiker und Denker, der auch in der O2 Arena anwesend war.

Stephen Hawking singt den Milkyway-Song

Stephen Hawking singt den Milkyway-Song

Es gab einige Zuspielungen alter Filme, aber auch sehr viel live. Damit gab es auch Versprecher und Hänger – mit massiven Applaus vom Publikum bei Aussetzer von John Cleese. Oder wenn der Bart verrutscht beim Warmlaufen beim Kneipensketch. So ist Britannien, so ist Humor, der mir gefällt. Und der Sketch Blackmail wäre eine Idee für RTL samt schmierigen Moderator.

Wie ist das mit dem Sex?

Wie ist das mit dem Sex?

Blackmail - Anregung für RTL?

Blackmail – Anregung für RTL?

Es war kein reiner Terror-Comedy, wie er heute in der Glotze läuft. Natürlich war es Wahnsinn, wie weit und böse die Pythons waren und wie weit sie ihrer Zeit voraus waren. Sehr gut, auch wieder die deutsche Aufstellung zur Fußball-WM.

Was macht dieser Beckenbauer da?

Was macht dieser Beckenbauer da?

Ungewöhnlich für heutige Fernsehzuschauer waren die zahlreichen Tanzeinlagen. Nicht herumgezappelt, sondern Choreografie der alten Schule. Das Pythons-Fernsehballet brachte die alten Zeiten wieder – vor allem beim Ministry of Silly Walks. Dies überließen die alten Herren dann doch den jungen Tänzern. Hier hätten sich die alten Herren dann doch die Knochen gebrochen.

Welcher Minister könnte so ein Ministerium leiten?

Welcher Minister könnte so ein Ministerium leiten?

Und allen jungen Leuten im WWW sei die Pythons-Lektion empfohlen, woher der Spam im Internet stammte. Spam, Spam, Spam. Der Humor im Netz wurde von alten Leute gemacht, nicht von crazy Hipsern. Die Monty Pythons waren die Grundlage von allem. Vorher gab es nichts und nach ihnen kam nur Spam. Spam, Spam, Spam – das war gut.

Die Geburtsstunde des Internets: Spam, Spam, Spam

Die Geburtsstunde des Internets: Spam, Spam, Spam

Und dann war da noch der Papagei als mein persönlicher Höhepunkt. Jedes Wort, jede Zeile ist in das allgemeine Bewusstsein einer ganzen ganzen Generation eingegangen. Aber es war kein rezitieren alter Sprüche. Dieser Papagei ist tot. So geschehen als der Papagei abgeflogen ist zu seinen Ahnen, respektive zum (verstorbenen) Dr. Chapman. So was können nur die Pythons: Ganz nebenbei zollen sie ihrem verstorbenen Mitglied Graham Chapman in ihrem berühmten Sketch die Ehre. Hut ab – und ich hab richtig gelacht.

Bester Gag mit Tribut an Graham Chapman

Bester Gag mit Tribut an Graham Chapman

Und dann war noch ein kollektives Erlebnis auf dem Planeten. Die ganze Welt sang mit beim Bright side of Life. Ein ganzes O2-Station sang, ich sang vor dem Computer, die angeschlossenen Kinobesucher sangen und die Timeline in Twitter auch. Always look on the bright side of life – wahre Worte. Verabschiedet wurde sich dann stilgerecht mit Piss off – so soll es sein.

Wir haben verstanden.

Wir haben verstanden.

Maler Edward B. Gordon über Apple, Verpackungen und Galerien

27. Mai 2014
Trio beim Interview. V.l. Thomas Gerlach, Edward B. Gordon und ich.

Trio beim Interview. V.l. Thomas Gerlach, Edward B. Gordon und ich.

Als Kunstfan habe ich ein paar Maler im Auge, deren Werk ich faszinierend finde. Oftmals interessierte ich mich nicht nur für das künstlerische Schaffen, sondern auch für die Person dahinter.

Dazu gehört auch der Künstler Edward B. Gordon, der zeitweise in Berlin und London wohnt und malt. Über Gordons Werk habe ich bereits gebloggt. Seine Tagesbilder sind berühmt und stehen bei Sammlern hoch im Kurs. Inzwischen hat er über 2500 Tagesbilder verkauft – jeden Tag ein Bild.

Vor kurzem stattete ich Edward B. Gordon einen Besuch in seinem Berliner Atelier ab. Dabei ging es mir nicht um ein Gespräch über Kunst und Werke, sondern ich interessierte mich eher für Technik und Vertriebsmodelle. In einem Interview zusammen mit meinem Kollegen Thomas Gerlach fragten wir Edward B. Gordon danach. Auch wenn Kunstfreunde jetzt enttäuscht sind, aber die Ideen sind wirklich gut.

Edward B. Gordon entpuppte sich im Interview als Mac-Fan. Er zeigte sich vom Werk vom verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs tief beeindruckt. Die i-Technologie von Apple verschaffte Gordon den Zugang zur Technik und damit zum Internet. Beeinflusst von amerikanischen Künstlern malt er seit mehreren Jahren täglich ein Bild (daily painting) und entdeckte über das Web einen neuen Vertriebsweg, Über seine Website wird das Tagesbild versteigert. Wer den höchsten Betrag bietet, der bekommt den Zuschlag. Und jeden Tag wurde ein Tagesbild verkauft – das Mindestgebot liegt bei 150 Euro, der reale Verkaufspreis ist in der Regel weit höher. “Steve Jobs hat mir Werkzeuge in die Hand gegeben”, so Gordon. “Sie haben mir ein Fenster zu Welt eröffnet.” Und weiter: “Die Apple-Technologie hat den Vorteil, das sie leicht zu bedienen ist – es funktioniert.”

Wer ein Bild von Gordon ersteigert, bekommt nicht nur ein Bild geschickt, er bekommt das Bild in einer wunderbaren Verpackung. Ähnlich wie das Unboxing eines Apple Produktes wird hier Kunst zelebriert. Die Idee hatte Gordon beim Kauf einer kleinen Haarspange für seine Frau bei Chanel in Paris. Obwohl es nur eine kleine Spange war, wurde Gordon wie ein Kunde behandelt, der dort in Schmuck in Millionensumme einkauft. “Ich wurde behandelt wie ein König”, beschreibt Gordon sein Einkaufserlebnis. Diese Idee übertrug er auf den Versand seiner Tagesbilder.

Foto 1

Foto 4-2

Foto 5-2

Mit dem Verkauf seiner Bilder über das Internet schaltet Gordon den klassischen Kunsthandel aus. Galerien, die an der Kunst mitverdienen, braucht Gordon nicht. Er liefert als Produzent direkt zum Konsument und überspringt den Zwischenhandel. “Ich habe überhaupt nichts gegen Galerien.” Aber dennoch zeigt sich auch hier, wie sich die Welt der Kunst ändert.

 

Kunstmarkt im Internet – der Maler Edward B. Gordon

27. Mai 2013

Für mich ist der Maler Edward B. Gordon ein wahrer Künstler des Internets. Wie oft habe ich mit angehenden Künstlern darüber gesprochen, wie sie ihre Kunden, ihre Fans, ihre Anhänger oder einfach nur die kommerzielle Kunstszene erreichen können. Von schicken Galerien war immer die Rede, zu aufwendigen Vernissagen sollte man einladen und so weiter. Alles Rezepte aus dem vergangenem Jahrhundert, die ihre Berechtigung haben. Doch die Welt hat sich weiter gedreht.

Meine beiden Werke von Gordon.

Meine beiden Werke von Gordon.

Edward B. Gordon hat die Zeichen der Zeit erkannt und macht es anders. Er nutzt das Internet als Plattform – als Marketing- und als Verkaufsplattform. Täglich malt der Künstler ein Bild und macht es über Facebook, Twitter und seinem Blog der Kunstszene zugänglich. Und: Wir können das Bild ersteigern. Jeden Tag, Woche für Woche, Jahr ein – Jahr aus und das Geschäft mit der Kunst lohnt sich. Der Grundpreis pro Bild ist 150 Euro und per Mail können die Interessierten ihr Gebot abgeben. Das Team hinter Edward B. Gordon managet den Verkauf und den aufwendigen Versand. Auch ich habe bereits mehrmals zugeschlagen, denn die Kunst fasziniert mich.

Für mich ist Gordon ein Vertreter der Lichtmalerei. Er sammelt Eindrücke, zumeist aus seinen Wohnorten Berlin und London. Er skizziert die Straßen- oder Landschaftsszene und malt sie anschließend kleinformatig auf Öl. Die Bilder haben eine Größe von 15 auf 15 Zentimeter. Bei einem Besuch in München schuf Gordon Bilder von der Feldhernnhalle. Aus dieser Serie habe ich zwei ersteigert. Für mich setzt Gordon wunderbar auf Licht und Stimmungen. Am Ende stehen Eindrücke aus dem Alltagsleben, die mit ihrer Lebendigkeit und dichten Atmosphäre faszinieren.

Seit 1992 arbeitetet der Hannoveraner Edward B. Gordon als freischaffender Künstler. 2006 übernahm Gordon die Idee des Daily Paintings vom US-Amerikaner Duane Keiser und etablierte die Technik in Deutschland. Während andere Künstler noch dem Markt hinterherlaufen, holt Edward B. Gordon den Markt zu sich. Die Welt hat sich eben geändert und er hat es erkannt.

buch

In dem sehr empfehlenswerten Buch Bilder einer Stadt schreibt Gordon über seine geänderte Welt: „Weil sich für mich das Leben genauso radikal veränderte, als ich mich mit den Werkzeugen eines Steve Jobs auf den Weg machte, meine Arbeiten täglich weltweit im Internet auszustellen.“ Das Buch habe ich bereits mehrmals an Kunstfreunde verschenkt, die mit der Welt des Internets noch nicht so vertraut sind. Anschaulich zeigt das Buch auf 192 Seiten das Schaffen des Künstlers und sein Vermarktungstalent. Bei meinem nächsten Berlinaufenthalt frage ich mal nach einem Interview-Termin nach. Vielleicht klappt es ja.