Posts Tagged ‘Chemie’

Zwischen Krisen, Kraft und klaren Kanten: Markus Söder wirbt für ein starkes Bayern in unsicheren Zeiten

18. März 2026

Beim Internationalen PresseClub München hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor Journalisten und Gästen zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Stellung genommen. Im Mittelpunkt seines Auftritts standen die Folgen internationaler Krisen, die Lage der deutschen und bayerischen Wirtschaft, die Kommunalwahlen in Bayern sowie Fragen zur Energiepolitik.

Zu Beginn ging Söder auf die Kommunalwahlen ein und zeigte sich mit dem Abschneiden der CSU zufrieden. Trotz Zugewinnen der AfD habe sich die CSU in Bayern stabil gehalten. Zugleich betonte er, dass die Grünen in vielen Teilen Bayerns deutlich verloren hätten. In München verwies Söder auf die laufende Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt und erklärte, dass er sich persönlich heraushalte, zugleich aber Verständnis für die Empfehlung der Münchner CSU habe, Amtsinhaber Dieter Reiter zu unterstützen. Kommunalwahlen seien heute stark von Persönlichkeiten geprägt. Die CSU könne in jeder Stadt gewinnen, aber auch in jedem Dorf verlieren, sagte Söder. Hier die komplette Veranstaltung

Mit Blick auf die AfD bekräftigte der Ministerpräsident seine ablehnende Haltung gegenüber einer Zusammenarbeit. Es gebe in Bayern keine Kooperation mit der AfD, weder auf kommunaler noch auf anderer Ebene. Zur Begründung verwies er nicht nur auf programmatische Unterschiede, sondern vor allem auf das Demokratieverständnis, die Sprache und das Personal der Partei. Gleichzeitig warnte Söder davor, die AfD allein mit moralischer Abgrenzung bekämpfen zu wollen. Wer Probleme nicht löse, sondern nur über die AfD rede, stärke sie am Ende eher. Entscheidend sei es, bei Themen wie Migration, innerer Sicherheit und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit konkrete Lösungen anzubieten.

Ein zentrales Thema seines Auftritts war die wirtschaftliche Lage. Söder zeichnete das Bild einer Welt im Dauerkrisenmodus, verwies aber zugleich darauf, dass Krisen auch früher zum politischen Alltag gehört hätten. Neu sei heute vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich Entwicklungen zuspitzen und medial verbreiten. Mit Sorge blickte er auf die Belastungen für die exportorientierte bayerische Wirtschaft. Zölle, hohe Energiepreise, internationale Konflikte und strukturelle Schwächen der deutschen Industrie träfen Bayern besonders, weil der Freistaat stark von Maschinenbau, Autoindustrie und Chemie geprägt sei. Söder warnte vor Steuererhöhungen und sprach sich stattdessen für Steuersenkungen aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken.

Ausführlich äußerte sich Söder auch zur Energiepolitik. Deutschland brauche mehr Energie, nicht weniger, sagte er. Angesichts von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Rechenzentren, Elektromobilität und neuer industrieller Entwicklungen werde der Strombedarf in den kommenden Jahren weiter deutlich steigen. Deshalb dürfe sich Deutschland nicht auf einzelne Energieformen beschränken. Söder sprach sich zwar für einen weiteren Ausbau erneuerbarer Energien aus, verwies aber zugleich auf Gaskraftwerke, neue Technologien und die Notwendigkeit, alle Optionen offen zu halten. Dabei warb er auch für eine neue Debatte über sogenannte Small Modular Reactors, also kleine modulare Atomreaktoren. Die klassischen großen Kernkraftwerke seien aus seiner Sicht kein realistisches Zukunftsmodell mehr, bei kleineren Reaktoren und neuen Formen der Kerntechnik wolle Bayern aber in Forschung und Entwicklung vorn mit dabei sein. Auch auf Kernfusion setzte Söder große Hoffnungen. Bayern wolle hier eine führende Rolle einnehmen und strebe an, Standort für neue Demonstrationsprojekte zu werden.

Im Zusammenhang mit den stark gestiegenen Spritpreisen infolge der Krise im Nahen Osten sprach Söder sich für schärfere kartellrechtliche Eingriffsmöglichkeiten aus. Es sei nicht akzeptabel, dass die Preise schon stiegen, bevor sich eine tatsächliche Verknappung beim Rohstoff bemerkbar mache. Zugleich verteidigte er die von ihm durchgesetzte Erhöhung der Pendlerpauschale und brachte erneut ins Gespräch, staatliche Mehreinnahmen aus höheren Energiepreisen an die Bürger zurückzugeben. Die CO2-Bepreisung sei davon allerdings zu unterscheiden. Hier sprach sich Söder grundsätzlich dafür aus, zusätzliche Belastungen für Unternehmen zu begrenzen, um Wettbewerbsnachteile gegenüber China und den USA zu vermeiden.

Mit Blick auf die internationale Lage äußerte Söder Verständnis für das Vorgehen Israels im Nahen Osten und bezeichnete das iranische Regime als eines der schlimmsten der Welt. Zugleich zeigte er sich unsicher, welche Strategie die USA in der Region langfristig verfolgten. Die Sperrung der Straße von Hormus und die daraus resultierenden Folgen für die Energiepreise bereiteten ihm Sorgen. Unabhängig davon mahnte er, den Krieg in der Ukraine nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Leistungen der Ukrainer bezeichnete er als nahezu übermenschlich. Deutschland und Europa müssten deshalb weiter an ihrer Verteidigungsfähigkeit arbeiten und insbesondere den Schutz der östlichen Partner ernst nehmen.

Auch auf innenpolitische und gesellschaftliche Fragen ging Söder ein. Er betonte die Bedeutung von Ehrenamt, Vereinen, Feuerwehren und kommunalem Engagement in Bayern. Die Vorstellung eines weitgehenden gesellschaftlichen Rückzugs in private Räume teile er nicht. Bayern sei nach wie vor stark von bürgerschaftlichem Engagement geprägt. Zugleich hob er die Bedeutung direkter Begegnungen hervor und verteidigte seine starke Präsenz in sozialen Medien als zeitgemäße Form politischer Kommunikation. Diese könne das persönliche Gespräch nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen.

Kritisch äußerte sich Söder erneut zum Länderfinanzausgleich. Bayern trage dort eine aus seiner Sicht überproportionale Last. Der Freistaat zahle inzwischen den größten Teil des Volumens und wolle deshalb weiter rechtlich gegen die bestehende Regelung vorgehen. Bayern sei wirtschaftlich stark genug, um eigenständig bestehen zu können, sagte Söder in einem scherzhaft formulierten, aber bewusst zugespitzten Seitenhieb auf die bundesstaatlichen Finanzstrukturen.

Insgesamt präsentierte sich Söder im PresseClub als Politiker, der auf technologische Modernisierung, wirtschaftliche Stärke und politische Handlungsfähigkeit setzt. Er warb für mehr Mut zu Zukunftstechnologien, schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und eine Politik, die Probleme nicht verwalte, sondern aktiv löse. Seine zentrale Botschaft lautete, dass Bayern in einer unsicherer gewordenen Welt nur dann stark bleibe, wenn es wirtschaftlich leistungsfähig, technologisch mutig und politisch entschlossen handle.

Neue Arbeitswelten sind gar nicht so modern

27. März 2017

Nur mit WLAN kann ich richtig arbeiten.

Nur mit WLAN kann ich richtig arbeiten.

Mit Schülern zu arbeiten ist für mich eine enorme Bereicherung. Dies zeigt die Wortmeldung in einem meiner Seminar, die mich nachdenken ließ. Dabei ging es um Arbeitswelten und Digitalisierung.

Die Digitalisierung verändert unsere Welt. Die CeBit zeigte es wieder im Großen. Der Präsident der Bitkom Thorsten Dirks drückte es vortrefflich aus. „Als würden Feuer & Rad, Buchdruck & Webstuhl, Dampfmaschine & Ottomotor gleichzeitig erfunden.“ Gut gebrüllt Löwe und richtig gebrüllt. Die Digitalisierung kommt – wir sehen die digitale Welle am Horizont. Die Digitalisierung wird unsere Welt komplett verändern und wir müssen diese Herausforderung annehmen. Unsere alte Verhaltensweise, den Kopf in den Sand zu stecken, wird nicht funktionieren.

Unterwegs arbeiten
Als digitaler Nomade bin ich extrem viel unterwegs in Deutschland. Ob in der Deutschen Bahn, im Flugzeug, im Bahnhof, Café oder Hotelzimmer – ich versuche dort zu arbeiten, wo ich gerade bin. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Deutsche Bahn für das WLAN im ICE. Der Anfang ist gemacht. Arbeiten unterwegs verlangt eine gewisse Disziplin, die ich als Selbstständiger auch erst lernen musste. Ich war zuvor fest angestellt mit einem festen Arbeitsplatz. Jetzt bin ich selbstständig und unterwegs. Leistungsstarkes WLAN ist dabei Voraussetzung zum Arbeiten, damit ich meine Cloud-Dienste erreichen kann: Google Drive, Amazon Drive, Powerfolder, WordPress – um nur einige zu nennen. Mein mobiles Arbeitsgerät ist in der Regel ein iPad Pro samt Tastatur.

Im Arbeitszimmer arbeiten
Zu Hause steht der unter anderem ein MacBook Pro im Arbeitszimmer. Ja, ich habe auch ein Arbeitszimmer und einen festen Arbeitsplatz, der ein bisschen aussieht wie ein Cockpit. Es gibt vier, fünf Monitore, mehrere Rechner, Tastaturen und viel viel Firlefanz drumherum. Ich bin dort mit Nippes, persönlichen Erinnerungen wie Familienfotos, Legofiguren, Kunst umgeben. Hinter mir hängen Erinnerungsfotos mit mehr oder weniger berühmten Leuten zum Angeben. Ich fühle mich wohl an diesem Arbeitsplatz mit all seinen Ablenkungen. Aber arbeite ich hier effektiv oder werde ich abgelenkt?

So sieht das Arbeitszimmer aus.

So sieht das Arbeitszimmer aus.

Vertrauensarbeitsort bei Microsoft
Im Herbst 2016 durfte ich die neue Microsoft-Zentrale in München besuchen und habe darüber gebloggt.. Aber es ist nicht nur ein neues Bürogebäude, was auf die Mircosoft-Mitarbeiter zukommt, es ist auch eine neue Arbeitsweise. Microsoft hat die Anwesenheitspflicht mit den Betriebsvereinbarungen zur Vertrauensarbeitszeit (seit 1998) und dem Vertrauensarbeitsort (2014) abgeschafft. Nach Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensarbeitsplatz kommt nun eine neue Arbeitsumgebung auf die 1900 Angestellten des Konzerns zu. Es gibt keine festen Arbeitsplätze mehr. Der Mitarbeiter kommt am Morgen, setzt sich an irgendeinen Platz und abends verlässt er diesen wieder und räumt seinen Schreibtisch leer. Clean Desk-Policy lautet die Devise, schönes Wort Clean Desk-Policy. Ich möchte mal bei MS vorbeischauen und von den Erfahrungen hören.

Schüler platzt der Kragen
Im Grunde ist meine Arbeitsweise als digitaler Nomade ähnlich. Ich arbeite überall. Bei einem Seminar stellte ich diese Form der Digitalisierung zur Diskussion. Die meisten der Seminarteilnehmer in diesem Seminar wenden sich gegen diesen mobilen Arbeitsplatz. Sie konnten mit der Einstellung eines digitalen Nomaden oder Arbeiten bei Microsoft wenig anfangen.
Dann wurde es interessant: In dem Seminar saßen Schüler, die die Diskussion verfolgten. Sie rutschen unruhig auf ihren Stühlen umher bis ihnen der Kragen platze. Sie melden sich mit den Worten: „Was soll diese ganze Diskussion? Wir als Schülerinnen und Schüler sind es gewohnt alle 45 Minuten unseren Arbeitsplatz zu wechseln. Und ihr jammert so herum, aber uns Schülern mutet ihr es zu! Studenten arbeiten übrigens ebenso.“ Und dann ging die Post im Seminar ab.
Ich fand die Meinung der Schüler interessant und diskutierte es mit meinen Kindern K1/2 intensiv. Meine Kinder sagten, dass sie Tag für Tag in verschiedenen Räumen unterwegs sind: Kunstraum, Musiksaal, unterschiedliche Klassenzimmer, Physiksaal, Chemielabor, Sporthalle, EDV-Raum und mehr. Meine Kinder haben ihr Arbeitsmaterial immer dabei – im Schulranzen. Während ich mein leichtes iPad Pro dabei habe, müssen meine Kinder schwere Schulbücher schleppen. Was mein Apple Pencil ist, ist bei meinen Kindern der Füller und die Stifte im Federmäppchen. Was bei mir meine stylische Umhängetasche ist, ist bei meinen Kindern der nicht so stylische Schulranzen. Im Grunde sind meine Kinder eine alte Form von digitalen Nomaden, nur leider mit den Werkzeugen von gestern.

 

Feste Klassenzimmer für Lehrer oder für Schüler?

19. Juni 2015

Klassenzimmer in Erfurt bei meinem Besuch.

Klassenzimmer in Erfurt bei meinem Besuch.

In der jüngsten Zeit habe ich in meinen Schulungen wieder viel mit Lehrern und Schülern zu tun gehabt. Dabei war ich auch an unterschiedlichen Schulen unterwegs und dort sind mir grundsätzliche Unterschiede in den Klassenzimmern aufgefallen. Es gab Schulen, bei denen die Schüler feste Klassenzimmer haben und die Lehrer wechseln und es gab Schulen, bei denen die Lehrer feste Klassenzimmer haben und die Schüler wandern.
Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, da hatten wir einen festen Klassenraum. Der war mit Postern dekoriert und war am Ende des Schultages komplett vermüllt. Die Lehrer mussten zu uns in den Unterricht kommen. Ausnahmen waren Chemie, Physik, Bio, Kunst, Musik und freilich Sport. Da mussten wir unseren Astralkörper zu den Lehrern in die Fachräume bewegen.

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Dieses System wird von vielen Schulen weiterhin aufrechterhalten. Aber es gibt auch neue Ansätze, die mir sehr gut gefallen. Ein modernes Klassenzimmer enthält heute Beamer, Rechner, Internet und auch Smartboards. Und ich habe subjektiv festgestellt: Wenn es feste Klassenräume für Lehrer gibt, dann funktioniert diese Technik. Die Lehrer kümmern sich um ihre Ausrüstung und kennen sich damit aus. Es fehlt kein VGA- oder HDMI-Kabel und es geht keine Zeit verloren, bis der Unterricht beginnt. Die Lehrer haben ihre Unterrichtsmaterialien eingespielt und begrüßen die Schüler mit einer Präsentation oder einem lustigen YouTube-Video zum Einstieg. Es müssen nicht extra Bücher aus Bibliotheken besorgt werden. Da geht wieder wertvolle Unterrichtszeit verloren, sondern der Büchersatz steht im Klassenzimmer bereit und ist gepflegt. Die Verantwortung geht auf den Lehrer über und er hält seinen Laden/Klassenzimmer in Schuss.
Und ich habe festgestellt, dass die Klassenzimmer sauberer sind. Es liegt kein Müll herum, denn die Lehrer haben ein Auge auf ihren Raum, schließlich sind sie für diesen Raum alleine verantwortlich. Allerdings gibt es weniger Poster an der Wand, wie zu meiner Schulzeit. Und ich glaube, dieses System braucht mehr Räume.
All dies sind rein subjektive Eindrücke von mir. Mich würde mal eure Einschätzung interessieren. Habt ihr Erfahrungen oder Meinungen dazu?

App: Periodensystem für Chemiefans

8. Juli 2010

Das Periodensystem für das iPad - genial.

Das Periodensystem für das iPad - genial.

Beim Aufräumen des Kellers stieß ich auf mein Periodensystem aus dem Leistungskurs Chemie. Es war schön gefaltet und eigentlich noch ganz nett anzusehen. Dennoch ging es den Weg alles Irdischen und es flog ins Altpapier. Grund: Hoffnungslos veraltet.

Es erschütterte mich, wie viele neue Elemente in den vergangenen zwanzig Jahren entdeckt wurden. So richtig bewusst wurde mir es erst, als ich Periodensystem für das iPad entdeckte. So was hätte ich mir zu meinem Chemie-Unterricht gewünscht. Ich musste den ganzen unnützen Kram auswendig lernen und hier sind alle wesentlichen Infos der Elemente versammelt. Wahnsinn. Dazu gibt es Hintergrundinfos über die Geschichte der Elemente. So macht Chemie Spaß und vor allem – die Elemente sind immer aktuell. Sobald ein neues Element entdeckt ist, zack, gibt es einfach ein Software-Update.

Die App ist der Hammer, bietet sie umfangreiche Suchfunktionen und Kategorisierungen. Wer sich nur ein wenig für Chemie oder Bio interessiert, wird diese kostenlose App von Merck laden. Da stört es überhaupt nicht, dass ab und zu auf das Unternehmen Merck hingewiesen wird. So eine Werbung stört nicht.

Darf der Schüler eigentlich das iPad im Unterricht einsetzen, oder wird er wie ich gezwungen das teure und ggf. veraltete Periodensystem in Papierform zu erstehen? Vielleicht kann mir dies einer der lesenden Schüler oder Lehrer beantworten.

Die App gibt den aktuellen Überblick über die Elemente.

Die App gibt den aktuellen Überblick über die Elemente.

Virtual Reality im Technikmuseum

21. Februar 2010

VR im Technikmuseum.

Dieses Land ist technikmüde und diesem Trend gilt es entgegen zu wirken. Wenn ich sehe, mit welchen Begeisterung Kinder basteln und erfinden anstatt nur konsumieren wie wir Erwachsenen, dann tut das gut. Ausdrücklich unterstütze ich Science Camps und alle Arten von innovativer Förderung von im Technisch-künstlerischen Tätigkeiten unseres Nachwuchses.
Dieses Engagement finde ich auch in Technikmuseen gut. Das „Science House“ im Europapark Rust hat es vorgemacht: Hier können Kinder und Jugendliche seit seiner Eröffnung im Frühjahr 2007 mit der Virtual Reality (VR) – Installation des Stuttgarter VR-Experten VISENSO komplexe naturwissenschaftliche Phänomene, wie den Magnetismus, spielerisch erkunden. Die Idee gefällt mir. Auf Basis der so genannten „Cyber-Classroom“-Technologie ermöglicht das Unternehmen jetzt einen breiten Einsatz der Virtuellen Realität in technischen Museen.
Was ist nun dieser „Cyber-Classroom“?
Das ist eine speziell für den Bildungsbereich entwickelte Virtual Reality-Anwendung, mit der sich komplexe, bislang nicht oder nur schwer darstellbare Lerninhalte aus Fächern wie Mathematik, Biologie, Chemie dreidimensional auf spielerische Art und Weise erleb- und begreifbar machen lassen. Hierzu gehört u.a. auch der menschliche Hörvorgang.
Mit Hilfe eines intuitiv bedienbaren Gamepads, das auf Basis eines handelsüblichen „Joysticks“ auf einer Bedienkonsole montiert ist, können die Ausstellungsbesucher der „experimenta“ binnen Sekunden kinderleicht in das 3D-Modell eines Ohrs eintauchen.
Ausgehend vom menschlichen Schädel wird über das Gamepad ein „virtueller Flug“ durch das Ohr gestartet. Wie sind Außen-, Mittel- und Innenohr aufgebaut und wie nimmt bspw. das Außenohr Schall auf? Wie wird im Mittelohr Schall umgewandelt und im Innenohr der Hörnerv durch Schall erregt? Das selbstständige Auslösen eines hohen bzw. tiefen Tons macht auf Basis der Virtual Reality-Software COVISE von VISENSO mittels Simulation sichtbar, wie sich die Schallwellen durch das Ohr bewegen und wie diese auf das Außen-, Mittel- und Innenohr und seine Bestandteile einwirken. Die Farben blau bzw. rot visualisieren dabei ob es sich um einen hohen bzw. einen tiefen Ton handelt.
Die einzelnen Teile der Anatomie, wie  Trommelfell, Hammer, Amboss, Steigbügel und Schnecke, können durch den Betrachter mit einem Zeiger eigenhändig gedreht und bewegt werden. Parallel gibt ein Infofenster kontextabhängig weitere Erläuterungen zu den jeweiligen Funktionen und Vorgängen im Ohr.
Das VR-Exponat wurde in seiner Anmutung eigens an die Corporate Identity der Ausstellung angepasst und somit optimal in die organische Raumstruktur der 3D-Exponate integriert. Die fest verbaute Rückprojektionsscheibe erlaubt mit einer Bilddiagonale von 84 Zoll (2,13 Metern) und zwei leistungsstarken Projektoren eine brilliante Visualisierung.
„Mit Hilfe einer interaktiven, virtuellen Darstellung lernen Kinder und Schüler auf spielerische und spannende Weise hochkomplexe Zusammenhänge, wie bspw. beim Gehörvorgang, kennen und verstehen“, so VISENSO-Chef Martin Zimmermann. „Damit leisten virtuelle Exponate einen wichtigen Beitrag zur kindlichen Früherziehung, sowie zur Aus- und Weiterbildung von Schülern und Erwachsenen“.
VISENSO bietet den „Cyber-Classroom“ auch als mobile Variante bspw. mit einem 3D-Stereo-TV, einer Graphik-Workstation, Wii-Interaktionsgerät und Anwendungen aus verschiedenen Fachbereichen an. So lässt sich die Technologie auch ohne weiteres für wechselnde oder Wanderausstellungen einsetzen.