Konzertkritik: Versailles 400 von Jean-Michel Jarre (Mixed Reality Konzert)

28. Dezember 2023

Wenn das kein Grund war, sich eine VR-Brille zu kaufen, dann weiß ich auch nicht, Elektronikpionier Jean-Michel Jarre hat zum Jahresende wieder zugeschlagen und am ersten Weihnachtsfeiertag im VR-Raum ein Konzert gegeneben. Dieses Mal war aber auch ein Live-Publikum anwesend. Und wo könnte ein Franzose so eine Show inszenieren? Natürlich im Spiegelsaal von Versailles. Das Ganz hießt dann auch Versailles 400.

Für die Zuschauer ohne VR-Brille gibt es ein YouTube-Video, das ein wenig den Eindruck von dem Ereignis vermittelt. In der virtuellen Realität muss es noch um Welten besser gewesen sein. Leider habe ich nur die PSVR2 von Sony und hier wurde das Konzert nicht übertragen. So lag ich im Bett mit dem iPad und Kopfhörer und genoss das YouTube-Video.

Anlass des Konzertes ist der 400. Jahrestag des Schlosses Versailles. Dieser Prachtbau war das Vorbild für viele Schlösser in Europa. Der Sonnenkönig Ludwig der XIV zeigte mit dem Bau seine absolutistische Macht durch Prunksucht und Verschwendungssucht. Somit ist das Konzert ist eine Hommage an die großen königlichen Feste, die die Geschichte geprägt und den internationalen Ruf des Schlosses von Versailles als UNESCO-Weltkulturerbe begründet haben.

Jarre mit seinem 75 Jahren ist ein alter VR-Hase. Zum Jahreswechsel 2020/2021 fand in einer virtuellen Nachbildung von Notre-Dame sein VR-Konzert statt. Davor gab es schon ein Konzert Alone-Together im Juni 2020. Zu beiden Konzerten habe ich gebloggt. Hier Notre-Dame und hier Alone-Together. Aber jetzt gab es zum ersten Mal ein Konzert mit Live-Publikum vor Ort. Voraussetzung: Das Publikum musste entweder in Schwarz oder in Rot gekleidet sein.

Und er setzte voll auf französische Technik: Lynx Mixed Reality definierte mit dem Headset LYNX-R1 die Grenzen der Mixed-Realtiy (AR+VR) neu. Das in Frankreich entwickelte LYNX-R1-Headset spielte bei Jean-Michel Jarres Auftritt die zentrale Rolle. Dank Mixed Reality hatte Jean-Michel Jarre Zugang zu seiner futuristischen Vision und seiner Neuinszenierung des Spiegelsaals im Metaversum. Der Lynx-R1 ermöglichte es dem Künstler, durch seinen virtuellen Avatar eine gleichzeitige Erfahrung mit dem Publikum im Spiegelsaal und dem Publikum im Metaversum zu teilen. Das Konzertereignis von JMJ stellte nicht nur einen Meilenstein für kulturelle Anwendungen der Technologie dar, sondern dient auch als eindrucksvoller Beweis für das Potenzial der Lynx Mixed Reality Headsets.
Dieses Mal ging Jarre musikalische auf Nummer sicher. Es kamen nicht nur neue Techno-Klänge zu hören, sondern auch bekannte Standards. Hier die Setliste

0:20 Neon Lips Intro
1:21 Jean-Baptiste Lully – March for Turkish Ceremony (JMJ „Clockwork Orange/Switched-On Bach“ rework)
6:14 Oxygene 4 (JMJ „Epica Maxima “ Remix)
9:20 Coachella Opening
12:58 Oxygene 2 (AERO Version)
19:37 Equinoxe 4 (AERO Version)
24:54 Equinoxe 7 (JMJ „Exit“ Rework)
28:22 Revolution Industrielle 2 (Versailles 400)
31:19 Chronologie 6 (AERO Version)
37:04 The Architect
40:28 Oxygene 19
43:40 Zero Gravity (Above & Beyond vs JMJ Remix)
48:28 Falling Down
51:56 Stardust

Da fällt mir ein, dass ich des Meisters neuestes Werk noch kaufen muss: Oxymoreworks. Ich habe es mir nur bisher bei Apple Musik geladen und mir im 3D Audio Sound voll auf die Ohren gegeben. Es beamte mich weg, welche Visionen so ein alter Mann musikalisch hat. Unbedingt anhören.

Buchtipp: Kings of Fire von Karl-Heinz Drews und Jürgen Kernegger

27. Dezember 2023

Ich bin ein Ganzjahresgriller – nicht so perfekt wie meine Bekannten Günter Bugar oder Thomas Gerlach, aber ich geb mir Mühe mit meinen alten Weber-Gasgrill. Und ich genieße es, Speisen vom Grill zu servieren: Fleisch, Fisch, Gemüse.

In diesem Jahr habe ich einen wirklichen Meister am Grill kennengelernt. Karl-Heinz Drews war zu Gast bei meinem Liebslingswirtshaus Gasthof Heinzinger in Rottbach. Ich habe darüber gebloggt.

Denis Kleinknecht, selbst ein Meister hinter den Töpfen, hat seinen Kumpel Drews eingeladen und zusammen ein mehrgängiges Menü gezaubert. Während der Meister in der Küche gearbeitet haben, habe ich mir von Karl-Heinz Drews sein wunderbares Buch Kings of Fire zeigen lassen und auch gekauft. Co-Autor war Jürgen Kernegger. Kochbücher dienen für mich in erster Linie der Inspiration. Ich muss nicht gleich sofort alles nachkochen, sondern ich blättere in den Büchern, um auf Ideen zu kommen. Auch die Augen essen mit.

Und ich finde die Köche wie Karl-Heinz Drews originell. Er ist ein Showkoch aus Schwaben und das zelebriert er auch wunderbar. „Als Wahl-Münchner mit schwäbischer Seele, treibt mich am Herd Motörhead und nicht Mozart zu kulinarischen Höchstleistungen an. Ich bin aber nicht nur Fine-Dining Koch sondern auch Metzgermeister und Barbecue King bekannt aus DMAX. Der Grill ist meine Bühne und Feuer mein Element.“ Nun, wer Motörhead hört, kann kein schlechter Mensch sein, allerdings kenne ich seine Beiträge für den Sender DMAX nicht, weil ich kein Fernsehen schaue. Da ist mir Karl-Heinz Drews live und in Farbe lieber.

Und ich liebe seine Show, die er auch in Rottbach vorgeführt hat: „Mein Motto ist meine Passion. Als gelernter Metzgermeister „dry-age“ ich selbst, smoke oder veredle mein Fleisch beim sous-vide Garen „à la Kalle“ direkt in Hochprozentigem … Beim BBQ kenne ich keine Grenzen. Von Klein bis Groß kommt alles auf meinen Grill.“

Dabei ist das Buch Kings of Fire weit mehr als eine Rezeptesammlung. Es liefert handfeste und diskussionswürdige Informationen rund um das Grillen, wie Messer, Wildfleisch, Bezugsquellen, Grill – gerade die unterschiedlichen Grillmöglichkeiten fand ich nützlich. Ergänzt werden die Infos durch schöne Fotografien. All das macht Lust aufs Grillen. Was hält mich eigentlich noch zurück?

Filmtipp: Der Biss der Schlangenfrau von Ken Russell

26. Dezember 2023

Ich mag den Regieexzentriker Ken Russell. Zuviel auf einmal darf man von ihm nicht konsumieren, aber immer wieder ein Film im Kino oder im Player, dann öffnen sich neue Horizonte. Ich mag Tommy und ich mag ganz besonders seine Filme Der Höllentrip und Gothic. Jetzt habe ich mir endlich den Der Biss der Schlangenfrau angeschaut.

Leider ist der gute Mann ja 2011 schon verstorben. In der Tradition der Hammer-Filme verarbeite Russell nun die langweilige Geschichte Lair of the White Worm/das Schloss der Schlange von Bram Stoker. Es ist kein besonders guter Roman. Stoker schrieb ihn 1911 als kranker, ausgebrannter, von Geldsorgen geplagter Mann; nur wenige Monate später ist er gestorben. Was bleibt ist sein Dracula.

Aber Ken Russell hat eine interessante Interpretation des Vampirthemas abgeliefert und sehr starken Bilder. Und die Bilder verstören. Für die Hauptrollen verpflichtete Russell einen noch sehr jugendlichen Hugh Grant sowie eine absolut großartige Amanda Donahue und Catherine Oxenberg. Die schauspielerischen Leistungen sind solide, wobei Amanda Donohoe in ihrer Rolle als Lady Sylvia Marsh, die Hauptantagonistin, besonders herausragt. Sie verkörpert die mysteriöse und verführerische Natur der Figur auf fesselnde Weise. Ein junger Hugh Grant und Peter Capaldi ergänzen die Besetzung mit ihren Charakteren und tragen zur Entwicklung der Geschichte bei.

„Der Biss der Schlangenfrau“ ist ein kontroverser, zum Teil humorvoller und einprägsamer Film des Briten, der für seine provokanten und oft polarisierenden Werke bekannt ist. Dieser Film aus dem Jahr 1988 kombiniert Elemente des Erotikfilms, des Dramas und des Horrors, um eine verstörende Geschichte zu erzählen bei der ich mich als Hammer-Fan amüsiert habe.
Ken Russell nutzt seine eigene Art der stilisierten visuelle Präsentation, die sowohl faszinierend als auch verstörend ist. Der Film ist setzt auf surreale Bildern, wie wir sie von ihm gewöhnt sind. Seine stark symbolhafte Bildsprache greift mitunter auf manieristische Elemente zurück. Eben ein echter Ken Russell.

Deutsches Museum: Die Wundermaschine für Musiker – das Synclavier 9600

25. Dezember 2023

Frank Zappa nannte das Ding ehrfurchtsvoll „The Maschine“ – gemeint ist das Synclavier 9600. Auf dieser Wundermaschine aus den Jahren 1989 bis 1993 entstanden zahlreiche Werke der Musikgeschichte.

Hersteller dieses rund 100.000 Mark teuren Instrumentes war New England Digital Corporation. Im Deutschen Museum München steht in der Instrumentenabteilung so ein gut erhaltenen Instrument, dessen Vorbesitzer das Bayerische Staatsschauspiel war. Viele meiner musikalischen Helden mit großem Geldbeutel nutzten oder nutzen diese Höllenmaschine: Kraftwerk, Jean-Michel Jarre, Tony Banks oder Laurie Anderson. Im Moment höre ich gerade Neil Youngs bahnbrechendes Album Trans, das 1982 absolut wegweisend war und damals von Kritikern und Fans verrissen wurde. Er nutzte eine frühere Version des Synclavier inklusive Vocoder.

Das Synclavier 9600 war ein damaliges Highend-Produktionswerkzeug. Es erlaubte die Synthese von Klängen, Sampling und komplexe digitale Bearbeitung. Als hochmoderner Synthesizer und Sampler verfügt es über mehrere Arten der Klangerzeugung. Zugleich ist er ein 16spuriges, bandloses Aufnahmestudio und kann Musik in Noten darstellen. Nur einen Teil dieses Wunderwerkes habe ich zu Hause, es handelt sich um einen Mac IIfx. Er steuerte die das raumübergreifende System mit einem Velocity/Pressure Keyboard und einem Technikschrank mit Speichersystem, Wandlerkarten sowie die analogen und digitalen Anschlüsse.

Musiktipp zu Weihnachten: A Charlie Brown Christmas von Vince Guaraldi

24. Dezember 2023

Weihnachtsalbum gibt es gar viele. Meine Helden der Musik haben Weihnachtsplatten abgeliefert: Frank Sinatra, Elvis Presley, Bob Dylan, Johnny Cash, Phil Spector und viele mehr. Ich mag sie alle. Aber eine mag ich besonders gerne, nämlich A Charlie Brown Christmas von Vince Guaraldi.

Vince Guaraldi war ein US-amerikanischer Jazzpianist und Komponist, der am 17. Juli 1928 geboren wurde und am 6. Februar 1976 verstarb. Guaraldi ist am besten bekannt für seine Arbeit als Komponist des Soundtracks für die beliebten „Peanuts“-Fernseh- und Filmproduktionen des Cartoonisten Charles M. Schulz. Seine bekannteste Arbeit ist der Soundtrack für das „A Charlie Brown Christmas“-Spezial von 1965, das den Klassiker „Linus and Lucy“ enthält. Dieser Song wurde zu einem Markenzeichen der „Peanuts“-Cartoons. Guaraldi komponierte auch die Musik für viele andere „Peanuts“-Produktionen, darunter „A Boy Named Charlie Brown“ und „It’s the Great Pumpkin, Charlie Brown“. Über letzteren habe ich auch zu Halloween gebloggt.

Guaraldi begann seine musikalische Karriere in den 1950er Jahren und entwickelte sich zu einem renommierten Jazzpianisten. Neben seiner Arbeit für die „Peanuts“-Cartoons veröffentlichte er auch eine Reihe von eigenen Alben, darunter „Cast Your Fate to the Wind“, für das er 1963 einen Grammy Award erhielt.

Mein Lieblingsweihnachtsalbum ist also „A Charlie Brown Christmas“. Es ist zweifellos ein zeitloser Klassiker, der die Herzen vieler Menschen seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1965 erobert hat. Das Album, das von Vince Guaraldi Trio komponiert wurde, ist der Soundtrack zu dem gleichnamigen animierten Weihnachtsspecial, das von Charles M. Schulz erstellt wurde.

Die Musik von Vince Guaraldi ist charmant, einfühlsam und schafft eine warme, gemütliche Atmosphäre. Das Album enthält ikonische Stücke wie „Linus and Lucy“, das oft mit den „Peanuts“-Cartoons assoziiert wird, sowie zeitlose Weihnachtsklassiker wie „Christmas Time Is Here“ und „Hark, the Herald Angels Sing“. Guaraldis Jazz-Einflüsse verleihen der Musik eine einzigartige Note und machen sie sowohl für Erwachsene als auch für Kinder ansprechend. Ich nerve meine Familie mit dem Album zu Weihnachten, weil es sich sehr oft am Plattenteller dreht.

Die sanften Klänge des Pianos, begleitet von Bass und Schlagzeug, erzeugen eine behagliche Stimmung, die perfekt zur festlichen Jahreszeit passt. Die Auswahl der Stücke spiegelt die Melancholie und gleichzeitig die Freude wider, die oft mit der Weihnachtszeit verbunden ist bzw sein sollte. „A Charlie Brown Christmas“ hat für mich die Fähigkeit, Emotionen zu wecken und eine nostalgische Wirkung zu entfalten, die es zu einem festen Bestandteil vieler Weihnachtsfeierlichkeiten macht.

Die Tatsache, dass dieses Album über die Jahre hinweg so beliebt geblieben ist, zeigt die zeitlose Qualität der Musik von Vince Guaraldi. Es hat nicht nur die Fähigkeit, Menschen in die festliche Stimmung zu versetzen, sondern es trägt auch dazu bei, den Geist von „A Charlie Brown Christmas“ zu bewahren, einem zeitlosen Stück Popkultur, das Generationen von Zuhörern Freude bereitet hat. Und was ist euer Lieblingsweihnachtsalbum?

Ein Bistro, das keine Bar sein darf: Sixtyfour in Maisach

23. Dezember 2023

Seit diesem Jahr besteht in meiner Wohngemeinde Maisach das Sixtyfour, ein Ort des Wohlfühlens. Das Bistro geht in die Weihnachtspause und ich nutzte die Gelegenheit mit Ruby Flügel ein kleines Gespräch über die Erfahrungen zu führen.

Ihr Mann Uwe hat sich seinen Traum mit diesem Bistro erfüllt, darf aber aus baurechtlichen Gründen (vorerst) keine Bar daraus machen. So ist man gezwungen, um 22 Uhr zu schließen, obwohl dann erst der Betrieb richtig losgehen würde. Alt und jung strömen in die Location in der Zentrumspassage, wobei der Name mehr verspricht als er hält. Ich nehme es mit Humor.

Es ist bei uns der einzige Ort der Cocktails zubereitet und ich trinke im Grunde nur den Long Island Iced Tea. Long Island Ice Tea ist ein Cocktail und beinhaltet zu gleichen Teilen Rum, Wodka, Tequila, Gin, Orangenlikör, zu anderthalb Teilen Zuckersirup und Limettensaft und wird mit Cola aufgefüllt. Obwohl es der Name vermuten lässt, ist kein Eistee enthalten. Der Cocktail wird gerührt und nicht geschüttelt. Eigentlich bin ich ein absoluter Fan des White Russian, aber den gibt es im Sixtyfour (noch) nicht auf der Karte. White Russian ist ein Cocktail aus Wodka, Kaffeelikör und Sahne oder Milch. Ich mag die Version mit Sahne lieber. Wegen seiner süßen und cremigen Bestandteile zählt der Shortdrink zu den After-Dinner-Drinks. Die Variante ohne Sahne und Milch heißt Black Russian.

Im Sommer war ich regelmäßig Gast. In den kälteren Monaten war ich oft auf Reisen und hatte kaum Zeit vorbeizuschauen und einen netten Abend zu genießen. So eine Location hat bei uns einfach gefehlt und die Betreiber wollen 2024 weiter durchstarten. Es ist eine harte Zeit für die Branche und 2024 wird es bei der anstehenden Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht unbedingt besser. Daher sind gute Konzepte gefragt und ich bin gespannt, was das Sixtyfour vorhat. Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich einen Ort gefunden habe, wo ich abends mal vorbeischauen und einen Cocktail schlürfen kann. Danke dafür.

Buchtipp: Briefe vom Weihnachtsmann von J.R.R. Tolkien

22. Dezember 2023

Es gibt Bücher, die sind einem ans Herz gewachsen, weil sie zutiefst menschlich und voller Wärme sind. Zu diesen Büchern zähle ich die Briefe vom Weihnachtsmann des großen J.R.R. Tolkien. Gerade zur Weihnachtszeit hole ich das Buch gerne heraus und stelle mir die Situation der damaligen Ereignisse vor.

Briefe vom Weihnachtsmann“ ist eine wundervolle Sammlung von Briefen, die der legendäre Weihnachtsmann höchstpersönlich an Kinder auf der ganzen Welt geschrieben hat. Das Buch, geschrieben von J.R.R. Tolkien, dem Schöpfer von „Der Herr der Ringe“, bietet einen zauberhaften Einblick in die Welt des Weihnachtszaubers und verleiht der festlichen Jahreszeit eine zusätzliche Portion Magie.

Die Briefe waren ursprünglich nicht zur Publikation bestimmt, sie wurden aber nach Tolkiens Tod von seiner Schwiegertochter Baillie Tolkien, der Frau Christopher Tolkiens, herausgegeben und 1976 in Buchform veröffentlicht. Darüber müssen wir dankbar sein.

Briefe an seine Kinder
Die Briefe, die Tolkien in den Jahren 1920 bis 1943 für seine eigenen Kinder verfasst hat, sind ein herzerwärmendes Geschenk an die Leser. Durch diese Briefe wird der Weihnachtsmann zu einer lebendigen und liebenswürdigen Figur, die nicht nur Geschenke bringt, sondern auch eine tiefe Fürsorge für die Kinder empfindet. In jedem Brief spiegelt sich Tolkiens unverkennbarer Erzählstil wider, der die Fantasie beflügelt und eine fesselnde Atmosphäre schafft. Welch großer kreativer Geist war in Tolkien, dass er auf solch eine wundervolle Idee kam.
Und wahrscheinlich hat sich Tolkien diebisch gefreut, denn er klebte auf die Briefe selbstgestaltete Briefmarken, die von der britischen Post jedes Jahr anstandslos akzeptiert wurden. In der Luxusausgabe des Buches sind die Briefmarken auf einer Aufklappseite abgebildet.

Die Briefe des Weihnachtsmanns sind mit liebevollen Details und einer Prise Humor durchzogen, die Jung und Alt gleichermaßen ansprechen. Tolkien schafft es, den Glauben an die Magie von Weihnachten aufrechtzuerhalten und vermittelt dabei eine zeitlose Botschaft der Freude, Großzügigkeit und Liebe. Die Illustrationen, die Tolkien selbst angefertigt hat, tragen zusätzlich zur besonderen Atmosphäre des Buches bei. Für mich ist Tolkien ein wirkliches Universalgenie, ein Relikt vergangener Tage.

Wunder sind möglich
Die Geschichten in „Briefe vom Weihnachtsmann“ lassen den Leser in eine Welt eintauchen, in der Wunder noch möglich sind und das Gute triumphieren kann. Es ist nicht nur ein Buch für Kinder, sondern auch für diejenigen, die ihre kindliche Freude an Weihnachten bewahrt haben. Die Wärme und Herzlichkeit, die aus diesen Briefen strahlen, machen das Buch zu einer zeitlosen Weihnachtslektüre, die jedes Jahr aufs Neue die festliche Stimmung belebt.

Insgesamt ist „Briefe vom Weihnachtsmann“ nicht nur eine literarische Perle aus der Feder eines der größten Autoren des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein zeitloses Geschenk, das die wahre Bedeutung von Weihnachten in Erinnerung ruft und Generationen von Lesern verzaubert. Wer das Buch nicht kennt, muss es lesen. Und wer das Buch kennt, der wird es gerade zu Weihnachten wieder lesen.

Buchtipp: Lee Miller in Fashion

19. Dezember 2023

Lee Miller, geboren am 23. April 1907, war eine vielseitige Fotografin des 20. Jahrhunderts, deren beeindruckendes Werk von Dokumentar- bis zu Modefotografie reichte. Auch in Bezug auf ihre Beiträge zur Modefotografie hinterließ Miller einen nachhaltigen Eindruck. Immer wieder greife ich zu ihrem Modebildern und vergleiche sie mit den Kriegsfotos aus dem Zweiten Weltkrieg von ihr.

Miller begann ihre Karriere in den 1920er Jahren als Model in New York City und wurde schnell eine Muse des surrealistischen Künstlers Man Ray, der sie in die Welt der Fotografie einführte. Diese einzigartige Perspektive als Model trug zu ihrer späteren Fotografie bei, insbesondere in der Mode.
In den 1930er Jahren, während ihrer Zusammenarbeit mit der Vogue, etablierte sich Miller als eine der führenden Modefotografinnen ihrer Zeit. Ihr Stil zeichnete sich durch eine Kombination aus Eleganz und einer subtilen, aber klaren Kante aus. Sie experimentierte mit Licht, Schatten und Perspektiven und schuf dadurch Bilder, die über bloße Mode hinausgingen und eine künstlerische Tiefe hatten.
Miller war bekannt dafür, Grenzen zu überschreiten und Konventionen in der Modefotografie herauszufordern. Ihre Arbeit spiegelte ihre eigene Persönlichkeit wider – kühn, avantgardistisch und oft mit einer Prise Humor. In einem von Männer dominierten Bereich stellte sie ihre kreative Vision durch kraftvolle Kompositionen und innovative Ansätze unter Beweis.

Besonders während des Zweiten Weltkriegs, als Miller als Kriegskorrespondentin tätig war, integrierte sie Elemente der Mode in ihre dokumentarische Arbeit und schuf Bilder, die die Realität des Krieges mit einem Sinn für Stil und Ästhetik verbanden. Diese unkonventionelle Herangehensweise zeugt von ihrer Fähigkeit, unterschiedliche Genres zu verschmelzen und ihre eigene künstlerische Signatur zu entwickeln. Sie war die Frau, die sich in Hitlers Badewanne in München fotografieren ließ.

Lee Millers Vermächtnis in der Modefotografie ist von ihrer Fähigkeit geprägt, nicht nur Kleidung zu fotografieren, sondern auch Charaktere und Geschichten zu schaffen. Ihre einzigartige Perspektive und ihre Bereitschaft, künstlerische Grenzen zu erkunden, haben die Modefotografie bereichert und beeinflussen weiterhin Generationen von Fotografen. Lee Miller wird nicht nur als Fotografin, sondern auch als Pionierin in einem kreativen Feld erinnert, das sie mit Leidenschaft, Innovation und Stil bereichert hat. Für mich ist Lee Miller in Fashion das beste Modebuch von ihr.

Erfahrungen aus der Mitarbeit an einem Digitalmagazin

16. Dezember 2023

Für mich war es eine Premiere. Als langjähriger Print-Journalist für Zeitungen und Zeitschriften mit Erfahrung in Web, Video und Audio kam jetzt etwas Neues hinzu: Meine Mitarbeit an einem Digitalmagazin des Verlags Nürnberger Presse VNP.

In meinem Fall handelt sich sich um die Mitarbeit bei einem Magazin über den neuen Nürnberger Stadtteil Lichtenreuth rund um die neue KI-Uni, die im Entstehen ist. Früher war das Gelände ein Umladebahnhof der Bahn, der so genannte Südbahnhof in Nürnberg. Nun ist das Digitalmagazin erschienen. Das Magazin gibt es hier zum Lesen, Anschauen und Anhören.

Mehr als ein interaktives PDF
Es handelt sich dabei nicht um den klassischen Blätterkatalog früherer Zeiten, wo PDFs wie eine Zeitschrift aneinander gereiht werden, um den Eindruck des Umblätterns bei einer Zeitschrift zu vermitteln, sondern es ist ein komplett anderes Konzept. Als ich noch festangestellt war, hatte ich an der Konzeptionierung eines ähnlichen Magazins auf PDF-Basis für meinen damaligen Verlag gearbeitet, also eine Art interaktives PDF. Aber der damalige Verlag hatte nicht den Mut weiterzumachen und so kamen wir über einen Dummy nicht heraus. Die Technik hat sich heute rasant weiterentwickelt und Digitalmagazine gehören heute zum Repertoire von Verlagen.

Konzeptionsphase
Mein Auftraggeber Thomas Gerlach vom VNP konzipierte das Produkt von A bis Z und ich gab meinen Senf dazu, einmal meine Erfahrungen als Journalist, einmal meine Erfahrungen aus einem früheren Studium der Stadtgeografie. Schließlich Handelt es sich um die Entwicklung eines komplett neuen Stadtteils. Wichtig war die richtige Gewichtung zwischen Artikeln, Fotos, Videos und Audiobeiträgen zu finden. Was in der Konzeption prima aussah, musste allerdings erst praktisch umgesetzt werden, so dass die eine oder andere Geschichte aus unterschiedlichen Gründen platzte. Was ist in der kurzen Zeit der Produktion überhaupt möglich? Welcher Aufwand ist gerechtfertigt und wirtschaftlich? Wie wird das ganze Material umgesetzt? Und natürlich, wie kommt das fertige Produkt beim Auftraggeber und bei den Lesern überhaupt an – was ja das Wichtigste überhaupt ist?

Andere Arbeitsweise
Das Produktionsteam aus Journalisten und Layoutern war bewusst klein gehalten und arbeitete über MS Teams zusammen. Die Mitarbeiter waren in Franken verstreut, ich kam aus Oberbayern hinzu. Regelmäßige Briefings mit Überprüfen des Konzepts, konsequentes Arbeiten mit der Cloud waren an der Tagesordnung. Ich durfte einige Artikel vorschlagen, recherchieren, schreiben und damit dem Projekt beisteuern, was mich an meine Zeit des Lokaljournalismus erinnerte. Aber das Ganze war eine Nummer größer. So war es Problem, die richtigen Ansprechpartner zu identifizieren. Hatte man sie endlich gefunden, galt es sie zu überzeugen nicht nur als Interviewpartner zur Verfügung zu stehen, sondern auch Audio-Interviews mit dem Tascam Mixcast 4 aufzunehmen, das natürlich nach einem Software-Update erst einmal den Dienst verweigerte. Statt der Tascam Software Podcast Editor verwendete ich genervt Audacity. So mancher Gesprächspartner war kein Medienprofi und mehrmaliges Einsprechen war die Folge.

3x Mark(c)us – König, Blume und Söder
Die Kommunikation der Stadt Nürnberg unterstützte mich, aber noch wichtiger war mein privates Netzwerk. Wir wollten was richtig Großes schaffen. Ich hatte meinen Auftraggeber versprochen, dass ich Videostatements den drei Markus bzw Marcus – vom Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König, dem Wissenschaftsminister Markus Blume und Ministerpräsident Markus Söder einholen werde. Nicht kleckern, sondern klotzen. Und sie sollten individuell sein, kein Stück von der Stange. Das Versprechen wollte ich unbedingt halten, stellte schriftliche und mündliche Anfragen, diskutierte, bettelte und siehe da, alle drei Promis lieferten individuelles Material. Darauf bin ich ziemlich stolz und meinem Auftraggeber gefiel es auch, solche Promis im Blatt, bzw im Digitalmagazin zu haben. Den Aufwand hatte ich am Anfang allerdings ein wenig unterschätzt, aber Ende gut, alles gut und ich danke den guten (Verwaltungs-)Geistern hinter den Kulissen, die mich hier unterstützt haben. Die Netzwerkpflege über Jahre hat sich bewährt.

Ausspielen für Endgeräte
Nach der Freigabe meines Materials durch meinen leitenden Redakteur baute die Layouterin Julia das Digitalmagazin und schuf allerhand Kartenmaterial via Illustrator, schmiss immer wieder die Seiten um, denn ein Digitalmagazin ist eben kein Printmagazin. Es gehorcht anderen Regeln, die wir alle erst einmal verinnerlichen mussten. Wie ist der Lesefluss? Wie muss die Navigation sein? Am Rechner sah das Produkt sehr gut aus. Ich hatte zunächst meine Zweifel, ob es auch am Smartphone wirkt, denn wir leben in einer mobilen Gesellschaft. Meine Zweifel waren unbegründet. Auch am kleineren Bildschirm funktioniert alles. Für mich die beste Nutzung des Digitalmagazins zu Lichtenreuth ist allerdings am Tablet, weil es meinen Lesegewohnheiten näher kommt. Ich lese viel am Tablet und habe es in der Regel auch griffbereit.

Jetzt bin ich natürlich gespannt, wie die ganze Sache beim Publikum ankommt. Wichtig ist, was hinten rauskommt, hat mal ein Kanzler gesagt. Mir persönlich gefällt das Produkt und ich bin sehr begeistert und auch stolz, dass ich hier mitarbeiten durfte und mich auch aktiv einbringen durfte. Kooperative Führung, Teamarbeit und Professionalität auf allen Seiten machen einfach Spaß.

Persönlich sehe ich eine große Chance für Digitalmagazine im Bereich Corporate Publishing. Das umschreibt einfach ausgedrückt alle Publikationen und Inhalte, die von einem Unternehmen veröffentlicht werden. Dazu zählen insbesondere die journalistische Unternehmenskommunikation in den eigenen Kanälen. Danke, dass ich hier dabei sein durfte und stehe natürlich als für weitere Aufträge zur Verfügung. Wie ist eure Meinung?

Wagners Walküre in Füssen

15. Dezember 2023

An den geplanten Einsparungen bei den Bayreuther Festspielen gibt es harsche Kritik. Der Chor in Bayreuth soll kleiner werden. Es muss gespart werden. Es gibt Pläne, die Zahl der Chor-Mitglieder im kommenden Jahr um 40 Prozent von 134 auf 80 schrumpfen zu lassen. Das führt erwartungsgemäß zu Protest. Der alte Wagner hatte sich nie um Finanzen gekümmert und würde über die Einsparungen den Kopf schütteln. Der Ludwig hätte schon gezahlt.

Die Chor-Verkleinerung „wäre ein Armutszeugnis für dieses international renommierte Festival“, erklärte der Deutsche Musikrat. Die geplante Reduzierung dieses Ausnahmeklangkörpers um 40 Prozent wäre ein Armutszeugnis für dieses international renommierte Festival. Wagners Opern in Bayreuth künftig mit einem ausgedünnten Chorklang zu musizieren, wird dem besonderen Wesen seiner Musik in keiner Weise gerecht“, heißt es.

Ich habe Bayreuth seit Corona nicht mehr besucht, schlicht und einfach, weil es mir in der jetzigen wirtschaftlichen Situation nicht leisten kann/will. Das tut weh, weil ich die göttliche Musik von Wagner sehr gerne habe.

Um nicht ganz auf Wagner verzichten zu müssen, haben meine Frau und ich eine Aufführung der Walküre im Festspielhaus Füssen besucht. Naja, Füssen ist die Bayreuth und das Festspielhaus ist in erster Linie eine Bühne von Musicals. Und dennoch ist es ein besonderer Ort. Die Walküre kommt übrigens ohne Chor aus.

König Ludwig II. hat Gottfried Semper beauftragt für München ein Festspielhaus zu planen und zu errichten, um hier u.a. dem „bayerischen Volk“ Richard Wagners Werke präsentieren zu können. Dieser Plan wurde nie realisiert und so wurde in 2000 in Füssen direkt am Forggensee, gegenüber Ludwigs Märchenschloss Neuschwanstein das Festspielhaus Neuschwanstein nach Sempers Plänen für München errichtet.

Die „Die Walküre“ wurde unlängst zum zweiten Mal nach 2015 in Füssen aufgeführt. „Die Walküre – 2023“ – war eine neue Aufführung der Opera Sofia, die mit ihren bekanntesten Sängern des Landes im Juli 2023 ihre Premiere in Sofia hatte, und in Füssen von Lothar Zagrosek dirigiert wurde.

Aus den Regie-Notizen Nibelungen“ von Richard Wagner von Plamen Kartaloff: „Das Wichtigste in dieser neuen Produktion ist, unsere erste Erfahrung zu bereichern und zu entwickeln – mit einer noch tieferen Durchdringung des Stoffes, mit einer Reise in einer phantastischen Erzählung über Menschen und Ereignisse einer mythologischen Zeit im Kontext der Gegenwart und Zukunft, jedoch zu den Projektionen einer Welt, die sich im sich stets wiederholenden Kreislauf von Geburt – Leben – Tod befindet.“