Einst eine Revolution: Die legendäre Linotype

8. Januar 2024

Nur einmal habe ich eine Linotype im aktiven Produktionseinsatz gesehen. Es war nach dem Sturz von Ceaușescu in Rumänien, als eine lokale Zeitung noch mit einer solchen Maschine gesetzt wurde. Es roch in der Setzerei nach Blei und der Setzer war extrem schnell mit dem Ausschießen der Zeilen in Blei – ein Profi auf seinem Gerät, das einstmals die Welt der Zeitungen revolutioniert hat. Ich selbst habe meine Karriere als Zeitungsjournalist mit DTP und QuarkXPress begonnen und die Linotype nicht mehr mitbekommen.

Später habe ich noch eine Linotype im Foyer des Verlags Nürnberger Presse als Ausstellungsstück gesehen und die Maschine hat mich an die Zeiten der schwarzen Kunst erinnert. Meine jüngste Begegnung mit einer Linotype stammt allerdings aus dem Deutschen Museum.

Während die Druckmaschinen im 19. Jh. immer schneller wurden, hinkte die Setzerei dieser Entwicklung lange hinterher. Nach wie vor war beim Letternsatz viel zeitraubende Handarbeit notwendig. Die Linotype 6cS Quick ist eine Setzmaschine, die als technologischer Meilenstein der Satzherstellung für den Hochdruck gilt. Sie wurde von Ottmar Mergenthaler im Jahre 1886 konstruiert und ermöglichte erstmals, dem ständig steigenden Bedarf an Zeitungen, Büchern etc. zu entsprechen, denn nun ließen sich Texte wesentlich schneller und in unbegrenzter Menge für die Bleisatz-Druckform erstellen1. Sie konnte die industrielle Druckproduktion erheblich beschleunigen, indem sie nicht einzelne Lettern goss und setzte, sondern gleich komplette Zeilen.

Nahezu 100 Jahre lang blieb die legendäre Linotype die führende Setzmaschine im Druckgewerbe. An der Konstruktion änderte sich nur wenig. Spätere Modelle wie diese Linotype 6cS Quick im Deutschen Museum München konnten von Hand oder durch Lochstreifen gesteuert werden. Die Linotype 6cS Quick ist in der Lage, ca. 20.000 Buchstaben/Stunde zu setzen, wenn sie mit Lochstreifensteuerung betrieben wird1. Das Standardmagazin enthält je Schrift Kanäle für 90 verschiedene Schrift- und Sonderzeichen. Für den Satz mit zahlreichen Sonderzeichen gab es Maschinenmodelle mit Seitenmagazinen für zusätzliche 34 verschiedene Zeichen1. Es ließen sich zudem bei allen Modellen beliebige Sonderzeichenmatrizen manuell in die Matrizenzeile einfügen. Die „6cS Quick“ bezieht sich auf eine verbesserte Version dieses Systems. Die „6cS Quick“ zeichnet sich durch eine höhere Geschwindigkeit und Effizienz aus. Durch die Integration moderner Technologien und Optimierungen konnte die Setzgeschwindigkeit im Vergleich zu älteren Modellen gesteigert werden. Dies trug dazu bei, den Produktionsprozess zu beschleunigen und die Effizienz in Druckereien zu verbessern.
Die Linotype 6cS Quick war ein wichtiger Bestandteil der Druckindustrie und wurde vor allem im Zeitungsbereich eingesetzt1. Sie ermöglichte es, Texte in großen Mengen schnell und effizient zu setzen. Die Linotype-Setzmaschinen dominierten die Satzherstellung weltweit für gut ein Jahrhundert, bis sich ab ca. 1960 der Fotosatz und die damit einhergehende Umstellung auf den Flachdruck (Offsetdruck) durchsetzten.

Doch die große Zeit der Zeitungsproduktionen scheint vorbei oder wächst zumindest nicht mehr. Täglich erreichen mich neue Meldungen des langen Sterbens einer Branche. So hat das Fachmagazin Buchreport hat zum Jahresbeginn seinen Betrieb eingestellt. Grund ist die Eröffnung des Insolvenz­verfahrens des Mutter­verlags Harenberg. Insolvenz­verwalter Stefan Conrads teilt mit: „Eine Fortführung des Betriebs ist aufgrund der finanziellen Lage nicht möglich.“ Für den „Buchreport“ werde „eine neue Perspektive geprüft“.

Oder hier: Mit einem erneuerten und erweiterten digitalen Angebot präsentiert sich der Fachdienst epd medien. Neu: epd ist auch als App erhältlich. Dafür beugt sich der Fachdienst nun auch dem Trend ins Digitale. Denn das gedruckte Heft erscheint dafür nur noch alle zwei Wochen – neu gestaltet.

Start unserer kostenlosen Online-Reihe „NS-Filme kritisch hinterfragt“

6. Januar 2024

Ich bin es leid, sehr leid, dass die Rechtsextremisten in unserem Land mehr und mehr Boden gewinnen. Und ich habe Angst davor. Dieses rechte Gedankengut stößt auf fruchtbaren Boden und da müssen Demokraten aller demokratischen Parteien dagegen halten. Ich will dazu auch meinen Beitrag leisten und habe mit meinem Kollegen Stefan Preis eine neue Online-Reihe „NS-Filme kritisch hinterfragt“ ins Leben gerufen.

Jeden Monat diskutieren wir in einem kostenlosen Online-Seminar auf Einladung der Franken Akademie einen NS-Film. Mit dem Start der Seminarreihe am Montag 8. Januar behandeln wir von 18 bis 20 Uhr eines der markantesten Beispiele nationalsozialistischer Filmpropaganda, den NS-Film „Kolberg“ aus dem Jahr 1945. Zur Anmeldung geht es hier lang.

Kolberg wurde unter der Regie von Veit Harlan produziert und diente als Instrument der Manipulation und Propaganda während der späten Phase des Zweiten Weltkriegs. Das Seminar bietet die Gelegenheit, tiefer in die Machenschaften und Strategien des Dritten Reiches im Hinblick auf die Verbreitung ideologischer Botschaften und Beeinflussung der Bevölkerung einzutauchen. Wir werden die historischen Hintergründe beleuchten, die zur Entstehung des Films „Kolberg“ geführt haben. Hierbei werden wir auf die politische und kulturelle Situation im Dritten Reich in den letzten Kriegsjahren eingehen. Und wir werden analysieren, wie der NS-Film „Kolberg“ gezielt zur Verbreitung von NS-Ideologie und zum Schüren von Patriotismus und Opferbereitschaft in der Bevölkerung eingesetzt wurde.

In meinem Newsletter werde ich die anstehenden Termine und Filme informieren. Das nächste Online-Seminar im Rahmen der kostenlose Online-Reihe „NS-Filme kritisch hinterfragt“ ist am Montag, 5. Februar der Film Jud Süß (1940).

Hast du nen Vogel? – Stunde der Wintervögel startet

5. Januar 2024

Natürlich bin ich wieder dabei, wie in den Vorjahren auch: Bei der Stunde der Wintervögel, die bis 7. Januar läuft. Eins, zwei, drei, die große Vogelzählerei ist angesagt und jeder kann mitmachen.

Alte Bekannte, neue Daheimgebliebene und nordische Gäste: Wer zeigt sich diesen Winter an der Futterstelle? Nach einem kurzen, schneereichen Kälteeinbruch, rasch gefolgt von mildem Tauwetter in weiten Teilen Bayerns, warten Vogelfreunde gespannt auf die 19. „Stunde der Wintervögel“. Zudem soll es am Wochenende ja wieder kalt werden, also wird auf jeden Fall gefüttert und die Katzen bleiben drinnen.

Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und sein bundesweiter Partner NABU laden wieder zu Deutschlands größter, bürgerwissenschaftlicher Mitmachaktion ein. Das Prinzip ist einfach: eine Stunde die Vögel im Garten oder auf dem Balkon beobachten, zählen und dem LBV melden. „Die Klimakrise betrifft auch unsere gefiederten Freunde. Wer bei der Stunde der Wintervögel mitmacht, hilft uns, mehr über die Veränderungen in der heimischen Vogelwelt zu erfahren“, erklärt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson.

Bereits zum 19. Mal wollen LBV und NABU dieses Jahr wissen, welche gefiederten Gäste sich im Winter auf Bayerns Balkonen, in den Gärten und Parks tummeln. Alle Bürger im Freistaat sind deshalb dazu aufgerufen, eine Stunde lang die Vögel vor der eigenen Haustür zu beobachten, und die höchste Anzahl jeder Vogelart, die in dieser Zeit beobachtet wird, dem LBV zu melden. „Wer mitmachen will, braucht kein Expertenwissen oder besondere Ausstattung. Mit unserer praktischen Zählhilfe ist es auch für Neulinge in der Vogelbeobachtung ganz leicht, die häufigsten Wintervögel zu bestimmen. Kostenlose Online-Kurse helfen darüber hinaus, die heimische Vogelwelt besser kennenzulernen“, erklärt LBV-Ornithologin Angelika Nelson. Ich bin mit einem Fernglas bewaffnet und beobachte die Vögel.

Nach dem milden Herbst, gefolgt von einem plötzlichen Wintereinbruch, der schnell wieder von Tauwetter abgelöst wurde, ist es dieses Jahr besonders spannend, welche gefiederten Gäste in die Gärten flattern. Denn die periodischen Temperaturschwankungen mit Kalt-Warm-Extremen, die durch die Klimakrise immer häufiger werden, beeinflussen das Zugverhalten einiger Arten. „Der milde Herbst zögerte den Abflug so manches Kurzstreckenziehers wie Star, Mönchsgrasmücke oder Zilpzalp hinaus und ließ vermuten, dass diese Arten auch jetzt im Winter vermehrt in Bayern zu beobachten sind. Möglicherweise hat sie der plötzliche Wintereinbruch Anfang Dezember aber doch noch dazu gebracht, in südliche Gefilde abzufliegen“, so die LBV-Biologin. Neben den neuen Daheimgebliebenen und altbekannten Standvögeln wie Meisen und Spechten, lassen sich möglicherweise auch Gäste aus Skandinavien, wie Bergfink oder Erlenzeisig, am Futterhäuschen beobachten.

Die Beobachtungen am Zählwochenende melden Teilnehmende am einfachsten online unter www.stunde-der-wintervoegel.de. Dort sind ab dem ersten Zähltag auch fortlaufend aktualisierte Zwischenstände abrufbar, die nach Landkreisen und Regierungsbezirken gefiltert werden können. Meldungen per Post oder Telefon – am 6. und 7. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1157115 – sind ebenfalls möglich. Also mitmachen und zählen.

Flyer für phantastische Matinee erschienen

4. Januar 2024

Ganz herzlich bedanke ich mich für die tolle Resonanz für meine phantastische Matinee im Scala-Kino in Fürstenfeldbruck. Einmal pro Monat darf ich dort in Absprache mit der Kinoleitung einen wichtigen phantastischen Film zeigen, der Filmgeschichte geschrieben hat. Dazu halte ich einen Vortrag von rund 20 Minuten. Jetzt komme ich der Bitte aus der Community nach und hab zusammen mit Markus Schmölz vom Scala-Kino ein Halbjahresprogramm aufgestellt und Flyer drucken lassen. Hier das Programm.

In der Vergangenheit habe ich am Ende meines Vortrags einen Hinweis gemacht, welche Matinee als nächste Veranstaltung durchgeführt wird. Gleichzeitig wurde der Kartenvorverkauf freigeschaltet.

Jetzt haben wir die Planung für das nächste halbe Jahr fertig und die Kinobetreiber haben den Kartenvorverkauf für alle Filme scharf gemacht. Danke dafür. Vorteil für die Community: Sie haben eine Planungssicherheit. Hier beispielsweise die jüngste Matinee zum Klassiker Suspiria.

Und hier unsere Filmauswahl Januar bis Juni. Start ist immer 10:45 Uhr.

  1. Januar: Carrie – die jüngste Tochter des Satans (1976)
  2. Februar: Poltergeist (1982)
  3. März American Werwolf (1091)
  4. April Bis das Blut gefriert (1963)
  5. Mai Das Omen (1976)
  6. Juni Der Fluch – The Grudge (2004)

Der Flyer liegt im Scala Kino und in der Bäckerei Konditorei Martin Reicherzer in Fürstenfeldbruck aus.

Tethered Caps – sinnvoll, aber ich bin wohl zu doof

3. Januar 2024

Eine Einführung hat mich 2023 richtig genervt und natürlich weiß ich aber, dass sie grundsätzlich richtig und sinnvoll ist. Es handelt sich um die befestigten Schraubverschlussdeckel bei Plastikflaschen. Die Fachwelt spricht von Tethered Caps. – so heißen die Verschlusskappen, die an der Verpackung befestigt sind.

Ich bin der Typ, der auf die geleerte Flasche Cola, Apfelsaftschorle oder Mineralwasser den Deckel wieder aufgeschraubt hat. Scheinbar bin ich eine seltene Spezies, denn viele haben den Plastikdeckel einfach weggeworfen – dort wo sie stehen und gehen. Der Mensch an sich ist ein Dreckschwein. Die Getränkeindustrie hat reagiert und den Deckel nun an die Flasche befestigt. Das ist grundsätzlich gut.

Die bislang separaten Deckelchen bei Getränkeflaschen schaden der Umwelt: Sie vermehren den Plastikmüll in Gewässern, Wäldern oder an Stränden. So hat man zum Beispiel bei Untersuchungen an der Nordsee etliche solcher Deckel gefunden, mehr als 40 auf etwa 100 Metern Strand, erklärt die Verbraucherzentrale. Blieben die Verschlusskappen aber mit der Flasche verbunden, ließe sich zumindest diese Art von Müll eindämmen – was festhängt, fliegt nicht in der Gegend herum.

Nun kommt das Nervige

Aber warum rutscht der Deckel bei mir IMMER beim Ausgießen in ein Glas nach vorne, so dass die klebrige Sauerei von Cola und Co über den ganzen Tisch verbreitet. Ist das nur bei mir so? Schau ich wirklich so wenig beim Eingießen hin? Was mache ich falsch? Ich schraube die Flasche auf und sobald ich sie kippe und das Getränke ausgießen will, drehe ich wohl unbewusst die Flasche und der Deckelverschluss wandert in den Getränkestrahl: Zack, die Sauerei ist da. Und wenn ich einfach mal aus der Flasche trinken will, habe ich den Getränkedeckel in der Nase. Und das stört natürlich meinen Trinkgenuss.

Nun, ich verstehe die Neuerung und begrüße sie ja grundsätzlich. Müllvermeidung ist richtig und wichtig. Also hat die EU richtig gehandelt und die Lösung der Tethered Caps zur Pflicht gemacht: In Deutschland gilt dies ab 3. Juli 2024 für alle Einweg-Getränkeverpackungen, die ganz oder teilweise aus Kunststoff bestehen, etwa Saftkarton oder Einweg-PET-Getränkeflasche, mit einem Volumen von bis zu 3 Litern. Einige Anbieter sind dem allerdings bereits vorausgeeilt – bei einschlägig bekannten Softdrinks oder auch Milch vom Discounter bleibt teilweise bereits die Kappe an Flasche oder Karton. Für Verbraucher wie mich hingegen kam die Umstellung bei manch vertrautem Produkt doch unerwartet. Aber ich bin ja lernfähig.

Mein Silvestermenü im Gasthof Heinzinger in Rottbach

2. Januar 2024

In der Vergangenheit gab es mit Raclette eine Silvestertradition in unserer Familie, die zum Jahreswechsel 2023/24 unbedingt mal gebrochen werden musste. Drei Familienmitglieder entschieden sich, das Silvestermenü bei Denis Kleinknecht im Gasthof Heinzinger in Rottbach zu buchen.

Wir genießen die hochwertige Küche des Küchenchefs und seines Teams und ich genieße die Gespräche mit Denis Kleinknecht, die mir immer neue Horizonte eröffnen.

Voller Respekt und Erinnerung widmete Denis Kleinknecht sein Silvestermenü dem gerade verstorbenen Godfather of Essig Marc Boehringer. Viele der Gänge waren mit den Stuttgarter Sphärenklangen von Marc Boehringer angerichtet. Eine schöne Geste der Freundschaft und des Respekts. Ich habe über diesen großartigen, inspirierenden Meister aus Stuttgart auch gebloggt.

Denis Kleinkecht hat im Jahr 2023 zahlreiche Preise und Auszeichnungen von der Fachwelt erhalten, aber der Mann ist auf dem Boden geblieben. Natürlich kommen 2024 neue Herausforderungen auf das Wirtschaftsunternehmen Gasthof Heinzinger zu: Neben Inflation, Energiepreis und allgemeiner Preissteigerung fällt ab 2024 die reduzierte Mehrwertsteuer für die Gastronomen bundesweit weg. Bei der hervorragenden Qualität der Speisen und des Service wird nicht geschraubt und daher braucht ein konsequentes Weiterentwickeln des Betriebs. So freue ich mich auch auf 2024 auf Kochkurse, Küchenpartys und die 4 Hand Dinners. So kommt dieses Jahr Sandra Hofer nach Rottbach. Deutschlands jüngste Küchenmeisterin und Küchenchefin des Bistro im Alexander Hermann Posthotel kocht zusammen mit dem Patron des Gasthof Heinzinger ein 6 – Gänge Gourmet-Menü. Mehr Infos im Store. Ich rang ihm das Versprechen ab, dass er 2024 sein Kochbuch auf den Markt bringt, auf das ich sehr gespannt bin.

Aber jetzt zum Silvestermenü. Nach einem Gruß aus der Küche ging es los.

Vitello „Truffato“, Kalb | Norcia-Trüffel | Wildkräuter

Rote-Beete | Jakobsmuschel | Vanille-Öl

Nudelblatt | Hummer | Safran

Rotbarbe | Kaviar | Mangold

Zitrone | Sichuan-Pfeffer | Champagner

Rinderfilet | Hanf-Asche | Sellerie

Käsevariationen

Suspiria (1977) – Rückblick auf meine Matinee

1. Januar 2024

Suspiria wurde 1977 von Dario Argento inszeniert und ist bekannt für seine expressiven Technicolor-Farben und seine dichte Atmosphäre. Im Dezember 2023 hielt ich eine Matinee zu diesem Klassiker des Horrorfilms im Rahmen meiner phantastischen Matinee in Scala Kino Fürstenfeldbruck.

In meinem Vortrag ging ich auf die Entstehung des Hexenfilm uns seine Kameraarbeit ein. Die Kameraarbeit in „Suspiria“ ist sehr kreativ und innovativ. Die Kameraführung ist oft ungewöhnlich und experimentell, was dem Film eine surreale und traumähnliche Qualität verleiht. Die expressiven Technicolor-Farben im Disney-Look sind sehr lebendig und intensiv und tragen zur unheimlichen Atmosphäre des Films bei.

Die Regiearbeit von Dario Argento ist ebenfalls sehr beeindruckend. Er schafft es, eine dichte und unheimliche Atmosphäre zu erzeugen, die den Zuschauer in den Bann zieht. Die Handlung des Films ist zwar nicht immer logisch, aber die starken Bilder und die dichte Atmosphäre machen das wieder wett¹.

Was die Drehorte betrifft, so wurde der Film in verschiedenen Städten in Deutschland und Italien gedreht. Die Tanzakademie, an der die Handlung des Films stattfindet, wurde im Haus Zum Walfisch in Freiburg im Breisgau gedreht. Die Außenaufnahmen der Tanzakademie wurden jedoch in München gedreht. Weitere Drehorte waren Villa Capriglio in Turin, Müller’sches Volksbad und der Flughafen München-Riem und besonders eindrucksvoll der Königsplatz in München.

Die nächste phantastische Matinee findet zum Brian de Palma Film Carrie – die jüngste Tochter des Satans am Sonntag, 14. Januar um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck statt. Karten gibt es hier.

Persönlicher Nachruf auf Marc Boehringer

31. Dezember 2023

Nur die Insider der gehobenen Gastronomie kannten Marc Boehringer. Er ist am ersten Weihnachtsfeiertag im Krankenhaus überraschend verstorben.

Der 1969 geborene Marc Boehringer galt als Godfather of Essig und ich hatte die Ehre mehrmals mit ihm zu tun zu haben, ihn zu sprechen und habe ihn kennen und schätzen gelernt. Ich führte ein Interview mit ihm und bloggte über ihn. Wir hatten Pläne, denn er wollte mir im Sommer 2024 sein Unternehmen Lenocinium besuchen und zusammen genießen. Das wird nun für immer ein Traum bleiben.

Seine Methode der Herstellung des Aperitif Apfelessig im Orléans-Verfahren fand ich extrem innovativ und seine Essigperlen haben in mir Geschmacksnerven geweckt, die ich vorher nicht kannte. „Die Qualität liegt wie so oft in der Einfachheit, denn ein Lebensmittel ist ein Mittel zum Leben, so gehören auch gutes Essen und Geselligkeit einfach zusammen.“, sagte er mir damals.

Kennengelernt habe ich ihn bei einer Küchenparty von Denis Kleinknecht von der hervorragenden Gasthof Heinzinger in Rottbach. Denis ist ein absoluter Netzwerker und Kenner der Branche. Und so führte er mich als wissbegieriger Laie beim Godfather of Essig ein. Ich lernte durch Marc Boehringer die geschmackvollen Welten von Essig in verschiedenen Formen kennen. Und ich lernte in Marc Boehringer einen liebenswerten engagierten Menschen kennen, die ich bei Denis Kleinknecht wieder traf. Dort war er auch ein leidenschaftlicher Mitgastgeber und ein Genussmensch, der Genussmomente vermitteln konnte. Denis informierte mich über den Tod von Marc Boehringer telefonisch, bevor ich es aus den sozialen Netzwerken erfuhr. Ein feiner Zug von Denis.

Heute Abend an Silvester bin ich beim Silvestermenu von Denis Kleinknecht und ich bin mir sicher, der Hausherr wird einen Toast auf seinen verstorbenen Freund aussprechen und wir werden alle die Gläser erheben und Marc Boehringer gedenken.

Ich fordere ein Verbot von privaten Silvesterfeuerwerken

30. Dezember 2023

Natürlich wollen wir das neue Jahr 2024 begrüßen, aber muss dieser ganze Feuerwerkszirkus wirklich sein? Wie jedes Jahr fordere ich ein Verbot von privaten Feuerwerk. Und wie jedes Jahr traut sich die Politik nicht an dieses Thema heran, um bloß keine Wählerstimmen zu verlieren. Meldet euch doch als Freiwilliger für die Ukraine, wenn ihr eine Bombenstimmung haben wollt.

Die Argumente gegen ein privates Feuerwerk liegen seit Jahren vor. Mit der Knallerei gehen auch Unmengen an Müll, Feinstaubbelastung und Krach einher. Das laute Spektakel stört außerdem viele Wildtiere. Besonders Vögel reagieren stark auf Feuerwerk – und das kann Folgen haben. Auch meine beiden Kater drehen vor Panik durch. Ich empfinde dieses Feuerwerk als bewusste Tierquälerei.

Kleinfeuerwerke dürfen von jedem über 18 Jahren abgefeuert werden. Das führt dazu, dass insbesondere an Silvester durch den flächendeckenden Einsatz eine zwanzigmal höhere Feinstaubbelastung entsteht als die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten 50 Mikrogramm. Neben dieser und anderen gesundheitlichen Effekten, Sachschäden und enormen Müllmengen stört das laute Spektakel auch Haus- und Wildtiere. Hier ein paar Videos, was bei uns in einer kleinen Gemeinde in Oberbayern über die Jahre verschossen wurde. Einmal der Jahreswechsel 2018/19:

Einmal der Jahreswechsel 2019/20:

Einmal der Jahreswechsel 2020/21:

Und einmal als 360 Grad Video mitten am örtlichen Rathausplatz.

Deutschland spaltet sich in zwei Lager
Ich fordere darum ein Verbot der privater Silvesterknallerei und eine Beschränkung auf zentral organisierte Feuerwerke, wenn es denn unbedingt sein muss. Es wird von einer gespalteten Gesellschaft gesprochen. Jeden Winter zum Jahreswechsel spaltet sich Deutschland in zwei Lager: Die die es kaum erwarten können endlich das Neue Jahr mit einem standesgemäßen Feuerwerk zu begrüßen – und jene, die diesen Tagen nur mit Grauen entgegensehen können. Zur zweiten Gruppe gehöre ich und nein, ich bin keine Spaßbremse, sondern ein vernunftbegabtes Wesen.

Für viele Haustiere und ihre Besitzer sind die Tage um Silvester meist ein regelrechter Spießrutenlauf, denn vielerorts wird auch fleissig vor- und nachher geböllert. So werden die Tiere über einen Zeitraum von mehreren Tagen vor und nach Silvester wiederholt aufgeschreckt. Mit dem traurigen Höhepunkt in der Silvesternacht.

Das letzte Gefecht
Als ich gestern zum Einkaufen im örtlichen Aldi ging, war das Angebot an Feuerwerkskörpern deutlich dezimiert. Und das am ersten Verkaufstag. Einige Mitmenschen haben gekauft als gäbe es kein Morgen mehr. Billiges Weißbrot im Einkaufswagen und Böller für zig Euro – den Ratschlag Brot statt Böller nicht ganz verstanden. Viele munitionieren sich auf, um ob es um das letzte Gefecht geht.

Ich versteh die Welt nicht: Alle reden davon, dass durch die Inflation der Gürtel enger geschnallt werden muss, Energie und Wohnraum werden teuerer. Und beim Feuerwerkskauf gilt dies dann nicht mehr. Jedes Jahr werden von den Deutschen über 120 Millionen Euro buchstäblich in die Luft gejagt. Die Folge ist die höchste Feinstaubbelastung des Jahres, denn durch die Feuerwerke werden circa 15 % der jährlichen im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge freigesetzt. Das sind circa 4.000 Tonnen. Mir nahestehende Menschen leiden unter COPD, eine Lungenkrankheit. Für die kann der Feinstaub im falschen Moment tödlich sein.

Hinzu kommt, dass nicht nur bei uns in der Silvesternacht jedes Jahr Menschen zu Schaden kommen. Die Ärzteschaft warnt vor Verletzte durch Raketen und Knallkörper sowie Angriffe auf Rettungs- und Ordnungskräfte mit Pyrotechnik. Wo sind wir denn, dass Rettungskräfte angegriffen werden? Durchgreifen, aber konsequent und null Toleranz von meiner Seite. „Der Bund und die Innenminister der Länder sind gefordert, wenn sich zum Jahreswechsel erneut tausende Menschen durch Silvesterfeuerwerk schwer verletzen, wenn Ärztinnen und Ärzte, Rettungs- und Ordnungskräfte mit Knallkörpern bedroht oder tätlich angegriffen werden.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt mit Blick auf die mehrheitlich ablehnende Haltung der Innenminister, den privaten Gebrauch von Pyrotechnik zu verbieten. Im Moment rüsten die Sicherheitskräfte sich für die Silvesternacht. Ich lese, dass die Polizei in Berlin und Köln in Alarmbereitschaft ist. Gut eine Woche vor dem Jahreswechsel haben Ermittler der Berliner Polizei bei der Durchsuchung zweier Wohnungen in Berlin-Britz massenhaft illegale Knallkörper entdeckt. Wie die Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, vermuten sie, dass die Pyrotechnik womöglich für Silvesterrandale und Angriffe auf Einsatzkräfte eingesetzt werden sollte. Der Vertrieb durch Vater und Söhne sollte über Instagram laufen. Wie sie weiter mitteilten, wurde Pyrotechnik im dreistelligen Kilobereich beschlagnahmt, darunter etwa 30.000 Böller, mehr als 80 sogenannte Kugelbomben und knapp 100 Knallpatronen. Hinzu kamen rund 50.000 Euro Bargeld, Mobiltelefone und Laptops sowie – quasi als Zufallsfund, wie es hieß – gefälschte Markenkleidung. Vielleicht sind es Einzelfälle, aber diese Einzelfälle versauen den Start ins neue Jahr.

„Die politisch Verantwortlichen sollten eine Silvesternacht in einem Rettungswagen oder in einer Notfallambulanz verbringen, dann würde sich ihr Blick auf das scheinbar friedliche Silvesterfeuerwerk schnell ändern. Ärzte, Rettungskräfte und Pflegende arbeiten an Silvester am Limit. Allein zum letzten Jahreswechsel gab es einen verheerenden Höchststand von 838 Patienten mit durch Silvester-Böller bedingten Augenverletzungen. Ein Anstieg um rund 300 im Vergleich zu den Jahren vor der Corona-Pandemie. Die dokumentierten Augen-, Ohr-, Brand- und Handverletzungen gehen zusammengenommen in die Tausende. Besonders erschreckend ist, dass viele unbeteiligte Kinder und Jugendliche zu Opfern werden“, sagte der Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. „Niemand möchte den Menschen die Möglichkeit nehmen, Silvester ausgelassen zu feiern. Aber für einen schönen Jahreswechsel braucht es kein Schwarzpulver. Es ist an der Zeit, neue Silvestertraditionen zu begründen, um friedlich und sicher ins neue Jahr zu starten.“

Deutsches Museum: Der erste Moog-Synthesizer in Deutschland

29. Dezember 2023

Robert Moog gehört ein Denkmal gesetzt. Für mich hat er mit seinen Erfindungen die Musikwelt revolutioniert. Bands wie meine Liebslingsband Emerson, Lake and Palmer wären ohne Robert Moog und seinem Moog-Synthi nie möglich gewesen.


Ich kam neben ELP auch über Wendy Carlos zum Moog und träumte immer davon so ein Wunderwerk an Elektronik zu besitzen. Nun, heute habe ich die Smartphone-App vom Moog, die ähnliches leistet, aber natürlich nicht an die Faszination des Moog herankommt.

Im Deutschen Museum München traf ich auf den ersten Moog, der in Deutschland gespielt wurde. Er wurde von Eberhard Schoener gestiftet. Leider war ich damals bei der Übergabe nicht dabei, denn auch Schoener ist einer meiner musikalischen Helden. Zu den frühesten Synthesizern zählt der Moog IIIp. Der Physiker Robert Moog entwickelt ihn 1967. Das Instrument besteht aus vielen einzelnen elektronischen Funktionseinheiten, den Modulen. Diese können über mehrere Kabel beliebig miteinander verbunden werden. Dadurch bietet dieser analog-modulare Synthesizer maximale Flexibilität, ist aber schwierig zu bedienen. Die Beatles verwenden einen Moog IIIp für ihre Schallplatte „Abbey Road“. Das Exponat kauft der Komponist Eberhard Schoener 1969 in den USA. Es war der erste Moog-Synthesizer in Deutschland.

Später kam dann der Synthesizer Minimoog, Typ D. „Here it is!“ – so kündigt die Firma Moog 1970 ihren ersten preiswerten Mini-Synthesizer an. Die kompakte Bauweise macht ihn zu einem völlig neuen Instrument. Die Signalwege sind fest verdrahtet, so dass nur die grundlegenden Klänge eines modularen Synthesizers möglich sind.

Das Konzept zielt auf einfache Bedienbarkeit und Verwendung auf der Bühne. Bis 1981 werden insgesamt über 12 000 Exemplare des vierten Modells, des Typs D, in Serie gebaut. Durch Keith Emerson wird der Minimoog zum Standardinstrument der Rockmusik.

Der Moog-Synthesizer verkörpert eine entscheidende Phase in der Evolution der Rockmusik und hat diese nachhaltig geprägt. Entwickelt von Robert Moog in den frühen 1960er Jahren ermöglichte dieser Synthesizer erstmals die Erzeugung und Manipulation elektronischer Klänge. Seine markante Fähigkeit, vielfältige Klänge von warmen Bässen bis zu experimentellen Tönen zu erzeugen, eröffnete Musikern eine neue Welt kreativer Möglichkeiten.

Insbesondere im Progressive Rock und Psychedelic Rock der 1960er und 1970er Jahre etablierte sich der Moog-Synthesizer als Instrument der Wahl. Bands wie Pink Floyd und Emerson, Lake & Palmer integrierten seine expressiven Möglichkeiten, um epische Klanglandschaften zu schaffen. Dies trug zur Entstehung von Musik bei, die nicht nur hörbar, sondern erlebbar war.
Der Moog-Synthesizer beeinflusste nicht nur das Klangspektrum, sondern prägte auch das Sound-Design und die Innovationskraft in der Rockmusik. Künstler experimentierten mit dem Instrument, schufen einzigartige elektronische Texturen und erweiterten so die kreative Palette der Rockmusik.

Darüber hinaus hatte der Moog-Synthesizer einen maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung der elektronischen Tanzmusik und Ambient-Musik. Die Integration des Moog in Produktionen von Bands wie Kraftwerk ebnete den Weg für die elektronische Musikrevolution der 1980er Jahre.

In der Rockgeschichte hat der Moog-Synthesizer einen unverkennbaren, ikonischen Sound hinterlassen. Sein warmer, analoger Klang wurde zu einem Markenzeichen für viele Bands und trug dazu bei, einige der unvergesslichsten Songs zu schaffen. Kurz gesagt, der Moog-Synthesizer ist nicht nur ein Instrument, sondern ein kreativer Meilenstein, der die Grenzen der Rockmusik erweitert und eine neue Ära des Klanges eingeleitet hat.