Matthias fragt nach bei … Wilfried Scharnagl über Friedrich Zimmermann

17. September 2012

Vor kurzem verstarb der ehemalige CSU-Politiker Friedrich Zimmermann. Als junger Journalist durfte ich ein paar Mal über den Hardliner Zimmermann berichten. Beispielswiese wie er 1983 sich mit Herbert Achternbusch wegen der Filmförderung zu dessen Film „Das Gespenst“ anlegte. Zimmermann verweigerte aufgrund der Blasphemie eine Rate der Förderung. Das machte den schlechten Film unverdient berühmt. Neben all den politischen Entscheidungen wie Vermummungsverbot, Kronzeugenregelung oder Einführung von Katalysator im Auto blieben mir persönlich zwei Dinge über „Old Schwurhand“ in Erinnerung, wie Zimmermann spöttisch nach der bayerischen Spielbankenaffäre genannt wurde.

  1. Zimmermann erklärte 1986, dass zu keiner Zeit Gefahr für die deutsche Bevölkerung bestanden hatte, nachdem den Sowjets ihr Reaktor in Tschernobyl um die Ohren geflogen ist.
  2. Als Verkehrsminister posierte Zimmermann vor laufenden Kameras auf einem Mofa. Allerdings beherrschte er das Gefährt nicht und bretterte durch den Vorgarten und blamierte sich. Bei Rudis Tagesshow und anderen Pannensendungen lief damals der Spot rauf und runter.

Ich traf mit Wilfried Scharnagl einen politischen Weggefährten Friedrich Zimmermanns zu einem Kurzinterview. Scharnagl kannte Zimmermann u.a. als ehemaliger Chefredakteur des Bayernkuriers. Im Interview würdigte er den Menschen und Politiker Zimmermann.

iPhone 5: Sexhotline statt Telekom

15. September 2012

Ich habe das erste Mal in meinem Leben eine Sexhotline angerufen. Warum? Ganz einfach, ich hatte ein Bedürfnis – ein Bedürfnis nach einem iPhone 5. Wer den Zusammenhang zwischen Sexhotline und iPhone 5 nicht versteht, sollte die Deutsche Telekom fragen. Weil die Telekomiker bei der Bestellnummer für das iPhone 5 einen Fehler machten, riefen Hunderte, Tausende – darunter ich bei einer Sexhotline an.

Was ist passiert? Als braver Apple-Jünger besorgte ich mir im Vorfeld der iPhone 5-Vorstellung ein so genannten Premierenticket. Ich bleibe bei der Telekom mit meinen iPhone, weil die Netzabdeckung prima ist und ich vor allem die Hotspots kostenlos nutzen kann. Ich ging nach gefühlten Jahrhunderten in einen Telekom-Laden und ließ eine Beratung über mich ergehen, bekam aber wunschgemäß die Zuteilung auf ein Premierenticket. Das kam auch einige Tage bei mir per Post ein, eine schön gestaltete Plastikkarte mit meinen Premierencode. Gleichzeitig werde ich via SMS von der Telekom auf dem Laufenden gehalten, wann und wie ich bestellen könnte.

Als dann Tim Cook und Kollegen das iPhone 5 präsentierten, stand für mich fest: Ich will haben. Und auch die Telekom dachte an mich. Via SMS. Am 12. September um 21:26 Uhr schickte mir die Telekom: „Apple hat das iPhone 5 vorgestellt, nur bei uns mit LTE! Ihre Vormerkung liegt uns vor. Sie brauchen nichts weiter zu tun. Details in Kürze – Ihre Telekom“ – Cooler Service, also tat ich nichts.

Cooler Service von der Telekom. dachte ich mir.

Cooler Service von der Telekom. dachte ich mir.

Am 14. September saß ich um 9:32 Uhr beim Frühstück (Freiberufler) und die Telekom meldete sich wieder per SMS. „Sichern Sie sich jetzt Ihr iPhone 5 unter XXXXX. Lösen Sie Ihr Premierenticket bis 18.9 ein und steigern Sie die Chance einer der Ersten zu sein.“ Also Kaffee heruntergeschluckt und die angegebene Nummer mit dem vorhandenen iPhone 4 gewählt. Es war eine 0800-Mehrwegnummer, wie sie von verschiedenen Unternehmen verwendet wird. Aer statt der Deutschen Telekom meldete sich eine Stimme, die mir „Frauen aus deiner Umgebung“ anbot. Und ich bekam via SMS eine eindeutige Einladung zum „heißen Flirt“ für „nur 99 Cent die Minute“. Spinn ich?

Spinn ich? Die Telekom verschickt eine Sexhotline-Nummer. Nummer hab ich unkenntlich gemacht.

Spinn ich? Die Telekom verschickt eine Sexhotline-Nummer. Nummer hab ich unkenntlich gemacht.

Mein erster Gedanke: Ich bin einem großangelegten Schwindel aufgesessen. Zweiter Gedanke: Die Telekom hat meine Nummer verkauft. Dritter Gedanke: Ich rufe mal bei der Pressestelle der Telekom an. Hier nahm man meine Beschwerde auf.

Stunden später kam die Korrektur von der Telekom. Da hatte ich schon bei der Sexhotline angerufen.

Stunden später kam die Korrektur von der Telekom. Da hatte ich schon bei der Sexhotline angerufen.

Um 13:06 Uhr kam dann eine SMS von der Telekom: „Die richtige Rufnummer zur Einlösung Ihres Premierentickes lautet 0800 3308844. Ihre Telekom.“ Die Schnarcher hatten eine Ziffer vergessen. Menschlicher Fehler, der passieren kann, aber bei so einer Aktion wie der Einführung des iPhones 5 nicht passieren darf. Und das ausgerechnet bei Apple. Wir wissen doch, dass Cupertino nicht gerade locker ist, wenn es um Sex geht und dann verschickt der deutsche Vertragspartner von Apple an Apple-Jünger eine Nummer einer Sex-Hotline. Ich bin mal gespannt, welche Konsequenzen dies hat. Interessant ist aber auch, dass in der SMS der Telekom keinerlei Entschuldigung vorkommt. Sauerei.

Update: Apple hat am 17. September bekannt gegeben, dass die Vorbestellungen für das iPhone 5 innerhalb der ersten 24 Stunden die Zwei-Millionen-Grenze überschritten haben, dass sind doppelt so viel als die bisherige Rekordmarke von einer Million Stück beim iPhone 4S. Die Nachfrage nach dem iPhone 5 übertrifft den ursprünglichen Vorrat und während der Großteil der Vorbestellungen am 21. September an die Kunden ausgeliefert wird, müssen einige Auslieferungen bereits auf den Oktober geschoben werden

 

Filmtipp: Feuer und Eis

12. September 2012

Bis der kleine Hobbit in die Kinos kommt, brauch ich ein wenig Fantasy-Stoff zum Überbrücken: Als kleinen Happen hab ich mir den Zeichentrickfilm Feuer und Eis – 3-Disc Limited Collectors Edition angeschaut. Ich habe den Film seinerzeit 1982 im Kino gesehen und hatte schon immer ein Fabel für Ralph Bashki. Hier arbeitete er mit dem großen Frank Frazetta zusammen.

Heute wirkt das Rotoskop-Verfahren antiquiert und auch die Handlung des Films ist eher seicht. Rotoskopie bedeutet, dass der Film mit realen Darstellern gefilmt und anschließend Bild für Bild übermalt wurde. Eine gute Idee, die Bashi schon bei seiner Verfilmung von Herr der Ringe anwandte. Bei Feuer und Eis wurde sie verfeinert, rasante Schwertkämpfe vor schöner Kulisse, dennoch was der Film damals ein finanzieller Misserfolg. Daher ist es bemerkenswert, dass der Streifen in einer liebevoll gemachten Metalledition von Capelight auf den Markt gekommen ist. Sammler werden/müssen zugreifen, denn im Laufe der Zeit wird das Teil unter Sammler einen hohen Wert haben.

Feuer und Eis hatte er eigentlich alles, was so ein Zeichentrickfilm abseits von Disney so alles brauchte: Edle Recken, leichtbekleidete Prinzessinnen, ganz böse, verrückte Fieslinge, den geheimnisvollen Rächer und viel blutige Klopperei. Die Handlung war seicht, aber straff, schnell erzählt und klar strukturiert. Als Kind habe ich die versteckte Ironie und Anspielungen (auch sexueller Art) nicht verstanden, heute grinse ich darüber. Fans des Genres können unbesorgt zugreifen, aber immer bedenken: Dieser Film kommt aus den achtziger Jahres des vorigen Jahrhunderts ohne CGI und Animationssoftware. Der Film Feuer und Eis – 3-Disc Limited Collectors Edition wurde von Capelight in einer exzellenten Fassung auf den Markt gebracht. Sowohl Blu ray als auch DVD sind technisch astrein und mit viel Zusatzmaterial angereichert. Viel Infos über die schöne Zusammenarbeit von Ralph Bakshi und Frank Frazetta.

Als Kind war ich von dem Plakat beeindruckt, bei dem ein einsamer Reiter mit Akt auf seinem Pferdchen sitzt und grimmig dreinblickt. Die Südstaatenkapelle Molly Hatchet hatte das Motiv als Schallplattencover ihres ersten Albums Molly Hatchet gewählt. Aufgrund des martialischen Covers wurde die Schallplatte von meiner Mutter immer als Heavy Metal identifiziert und natürlich als wilde Männer-Musik abgekanzelt.

Buchtipp: Porträt- und Aktfotografie. Von der Aufnahme zum fertigen Bild von Günter Hagedorn & Gero Gröschel

11. September 2012

Nackte Haut vor der Kamera ist immer eine Herausforderung für Fotograf und Model. Aktfotos können ästhetisch oder einfach nur peinlich sein. Viele Faktoren kommen bei dieser Spezialkategorie der Fotografie zusammen: Licht, Stimmung, Location, Vertrautheit und natürlich Ausrüstung, Modelposen, Bildgestaltung und, und, und.

Einer, der es richtig drauf hat, ist mein Kollege Günter Hagedorn. Ich habe mit ihm lange wegen dem animago AWARD zusammengearbeitet und kann ihn als verlässlichen und kompetenten Partner empfehlen. Ein anderes Standbein von Günter Hagedorn ist die Porträt- und Aktfotografie.

Zusammen mit Gero Gröschel hat er sein Wissen in dem Buch Porträt- und Aktfotografie. Von der Aufnahme zum fertigen Bild. Mit großem Workshop zum Nachfotografieren zusammengefasst. Er gibt handfeste Praxistipps, die mit zahlreichen Fotos illustriert sind. Ich weiß, Fotobücher gibt es viele und warum ist gerade dieses Buch ein Juwel? Weil es der Hagedorn einfach kann. Und wer seine Website oder Veröffentlichungen betrachtet, wird es sofort wissen. fotocommunity-Mitglied Hagedorn gibt Fotoseminare, die gerade wegen seines praktischen Ansatzes beliebt sind. Und diese Tipps gibt er in seinen Büchern weiter. Kamera, ISO, Blende, Zeit – die Grundlagen werden ausführlich erklärt. Fortgeschrittene Techniken wie Studioblitze kommen mir etwas zu kurz, aber im Moment stehe ich nicht vor dem Problem eine Studioblitzanlage anzuschaffen. Die technischen Tipps sind Grundlage. Wichtiger für mich waren die kompositorischen Tipps in diesem Buch: Wie setze ich ein Model am besten in Szene? Wie leuchte ich die Szene aus? Wie verlaufen die Linien? Wie kommt Spannung auf? Und welche Wirkung kann ich damit erzielen?

Neben den rein fototechnischen und bildgestalterischen Aspekten hat mich vor allem die juristischen Tipps gefreut. Besonders der Modelvertrag ist gerade für den Einsteiger wichtig: Was darf ich und vor allem, was darf ich nicht als Fotograf mit den Bildern anstellen?

Der Workshop-Teil des Buches Porträt- und Aktfotografie. Von der Aufnahme zum fertigen Bild. Mit großem Workshop zum Nachfotografieren ist einfach wunderbar. Verschiedene Fotografen zeigen wie es, berichten aus ihrer Praxis und das anhand ihrer Fotos. Und interessant: Jeder Fotograf geht an anders an die Sache heran. Absolute Kaufempfehlung.

Hörenswert: Lego Ninjago – das Jahr der Schlangen Teil 3

10. September 2012

Um Zeit bis zum 21. September zu überbrücken, bis Teil 4 des neuen Ninjago-Albums erscheint, wird die dritte CD der zweiten Staffel rauf und runter gehört. Die Zielgruppe lauscht gebannt den Ausführungen der Lego Ninjagos – Das Jahr der Schlangen 2.Staffel (CD 3) und sofort wird das Geschehen mit den vorhandenen Lego-Figuren live nachgespielt. Die TV-Serie gefällt mir nicht so richtig, aber die bisher erschienen Hörspiele sind einsame klasse. Sauber produziert, die Sprecher kommen bei der Jugend an.

Und was geht es in der dritten Folge? Lloyd Garmadon, der böse Erzfeind der vier Ninja-Helden, hat vier uralte  Schlangenstämme entfesselt, doch er muss erkennen, dass auch er Schlangen nicht  trauen kann: Die fiesen Dinger haben ihn zu ihrem Gefangenen gemacht. Ihr Anführer Pythor hat die vier Völker unter sich vereinigt und verfolgt einen gemeinen Plan: Mithilfe des legendären Schlangenmeisters, einer fetten Riesenschlange mit beeindruckenden Reißfängen, plant er, Ninjago in ewige Finsternis zu stürzen. In dieser brenzligen Situation fasst Sensei Wu einen Entschluss: Er will sich mit dem ehemaligen Feind Lloyd Garmadon verbünden, doch ist ihm zu trauen?

Die vier Ninjas geraten unterdessen von einem Abenteuer ins nächste. Sie stellen fest, dass einer von ihnen ein Roboter ist, und nehmen sogar an einem Gesangswettbewerb teil. Die Roboter-Variante kam zu Hause übrigens gut an. Wie es ausgeht, wird nicht verraten. Bitte selbst anhören auf Lego Ninjago Das Jahr der Schlangen 2.Staffel (CD 3)

Richard Wagner in Bayreuth 2012: Verstummte Stimmen

10. September 2012

So sehr ich die Musik von Richard Wagner genieße, desto sehr verachte ich seine antisemitische Einstellung. Wagner politisch abzulehnen, fällt mir nicht schwer. Ich kann die Frage nicht beantworten, ob Wagner der Wegbereiter zu Auschwitz war. Wagner sah nicht nur die Musik und die „deutsche  Kultur“, sondern die ganze Welt durch den „zersetzenden“ Einfluss des „Judentums“ im Zustand der Degeneration. Gegen diese Gefahr müsse man sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen – soweit Wagner.

Daher: Wagner muss aufgearbeitet werden und daher begrüße ich ausdrücklich die Ausstellung „Verstummte Stimmen“, die im Festspielpark am Grünen Hügel auch noch 2013 zu sehen ist. Die Ausstellung arbeitet den braunen Spuk auf dem Grünen Hügel auf und geht auch auf die Zeit vor den Nazis ein. Die Stadt Bayreuth und die Richard-Wagner-Stiftung gratuliere ich für den Schritt in die richtige Richtung. Sehr gut ist, dass die Ausstellung im Wagner Jahr 2013 auch zu sehen sein wird. Chapeau.

Dabei ist die Ausstellung keine neue Konzeption. Die Ausstellung „Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ,Juden‘ aus der Oper 1933 bis 1945“ wurde 2006 von dem Historiker Hannes Heer, dem Musikpublizisten Jürgen Kesting und dem Gestalter Peter Schmidt erstmals Harnburg präsentiert. Danach wurde sie an den Staatsopern in Berlin, Stuttgart, Darmstadt und Dresden gezeigt. Die Ausstellung widmet sich einem kaum untersuchten und nie zusammenhängend dargestellten Kapitel aus der Nazizeit- der „Säuberung“ der deutschen Opernhäusern  von jüdischen und „politisch untragbaren“ Ensemblemitgliedem. Dieser Eingriff bedeutete für Tausende Berufsverbot, Exil oder Deportation.

In schlichten Tafeln zeigt die Ausstellung, welche Künstler wegen ihres jüdischen Glaubens diffamiert und sogar umgebracht wurden. Auf silbergrauen Tafeln werden, nah an Brekers berühmter Wagner-Büste, 53 Sänger, Instrumentalisten, Dirigenten und andere Mitwirkende in Erinnerung gebracht, die während der braunen Diktatur in Bayreuth in Ungnade gefallen sind, 13 wurden ermordet. Antisemitismus war in Wagners Bayreuth von 1876 bis 1945 an der Tagesordnung, wie die Ausstellung von Hannes Heer zeigt. Herr war einst auch der Kurator der Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht. Während Wolfgang Wagner das Thema nicht im Fokus hatte, stellt sich Katharina Wagner am Grünen Hügel der Geschichte. Die ersten Schritte zur Aufarbeitung sind getan. Bei meinem Besuch in Bayreuth anlässlich des Lohengrin war die Ausstellung sehr gut besucht und wurde diskutiert. So muss es sein.

Richard Wagner in Bayreuth 2012: Rituale

9. September 2012

Wagner Opern gehören nicht gerade zur leichten Kost in der klassischen Musik. Je nachdem wer dirigiert, kann eine Oper in Bayreuth schon seine fünf bis sechs Stunden dauern. James Levine brauchte in seiner Bayreuther Zeit schon immer etwas länger. Die Zuhörer der Wagnerschen Kunst bringen daher Sitzpolster in das Festspielhaus mit. Ich habe mich gewundert, warum so mancher Konzertbesucher eine Plastiktüte verschämt mit sich herumträgt. Darin verpackt finden sich die Sitzpolster wieder, die den Allerwertesten beim Wagner Marathon schützen sollen. Der Innenraum des Festspielhauses besteht aus Holz wegen der genialen Akustik. Die Opernbesucher müssen sich in schmale Holzsitze pressen und ausharren. In jedem Kino würde der Zuschauer bei so wenig Komfort rebellieren, bei Wagner gehört Leiden einfach dazu. Mit den Sitzpolstern sieht es allerdings aus, als ob der Zuschauer zum Picknick erscheint.

Wer bei Wagner schnell Geld braucht, bekommt hier Hilfe.

Wer bei Wagner schnell Geld braucht, bekommt hier Hilfe.

Ein weiteres Ritual ist der Pausensnack. Während es überall bei Opernfestspielen überteuerte Schnittchen gibt, finden sich in Bayreuth neben diese Kulturkost auch ordinäre Bratwürste. Wir sind schließlich in Franken. Wer es nobel haben will, der greift zur Bratwurst mit Garneleneinlage. Guten Appetit.

Aber am meisten genieße ich in Bayreuth das Ende der Pausen. Das Musikvolk versammelt sich unter dem Balkon des Festspielhauses über dem die weiße Fahne mit dem W weht. Die Pausen auf dem grünen Hügel in Bayreuth werden von Bläsern beendet, die das Publikum wieder in den Festspielsaal rufen. Bei mir war es ein Motiv aus Lohengrin. Wunderbar, ich liebe Rituale.

Wagner-Fans unter dem Balkon. Gleich kommt das Pausenläuten.

Wagner-Fans unter dem Balkon. Gleich kommt das Pausenläuten.

Richard Wagner in Bayreuth 2012: Wagner in Bronze

8. September 2012
Künstler Gabriele Plössne und ich.

Künstlerin Gabriele Plössne und ich.

König Ludwig II hätte sie geliebt, diese Bronze-Skulpturen „Figuren vom Hügel“ aus der Welt von Richard Wagner, geschaffen von Gabriele Plössner. Aus zahlreichen Wagner-Opern hat die Bayreuther Künstlerin Figuren und Szenen aus Bronze geschaffen, die sie im Juli und August im Steigenberger Festspielrestaurant am grünen Hügel ausstellte. „Meine Bronzeskulpturen spiegeln überwiegend Ausdruck und Aussage sowie die menschlichen Befindlichkeiten der Figuren aus den Opern von Richard Wagner wieder. Die Musik und die Welt der Wagner-Opern begleiten mich in meinem Schaffen und inspirieren mich immer wieder neu“, sagte die Künstler Gabriele Plössner.

Der Schwanenritter aus Lohengrin.

Der Schwanenritter aus Lohengrin.

1953 im Sauerland geboren studierte sie an der Deutschen Meisterschule für Mode, arbeitete als Designerin und Bildhauerin. Seit 1996 ist sie in Bayreuth auf dem grünen Hügel mit dabei, zeigt und verkauft ihre Kunst. Neben Bronze-Skulpturen schuf sich auch Schmuck nach Motiven von Wagner, wie Anhänger, Ringe und Schwäne aus 925er Stirling Silber. Heute lebt Gabriele Plössner in Bayreuth.

Tristan und Isolde

Tristan und Isolde

Die Kunstwerke sind sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Ich habe in Bayreuth Stimmen gehört, die das Werk mehr als Fantasy-Kunst gesehen. Andere Besucher berichteten mir, dass sie schon einige Skulpturen zu Hause hätten. Die Preis liegen zwischen 1000 und 8000 Euro, je nach Größe und Komplexität der Skulptur. Gerne berichtet Gabriele Plössner über den langen und mühevollen Weg bis ein Kunstwerk fertig gestellt ist. Dazu sind neun Schritte notwendig, die ausführlich auf der Website der Künstlerin beschrieben werden.

Szene aus Tannhäuser.

Szene aus Tannhäuser.

Richard Wagner in Bayreuth 2012: Lohengrin

7. September 2012

Gleich vorweg: Es ist zulässig, Richard Wagner als Person und seine Musik abzulehnen. Ich habe mich aber vor langer Zeit entschieden, diesen Komponisten näher zu entdecken und beschränke mich dabei einzig auf seine Musik. Den Antisemiten Wagner lehne ich ab. Und wo lässt sich Wagner musikalisch besser erfahren als bei den Wagner-Festpielen in Bayreuth?

Und da stellt sich gleich das Problem: Zum grünen Hügel kann man nicht einfach hingehen, am Schalter eine Karte kaufen und dann die Musik im Festpielhaus Bayreuth genießen. Warten ist angesagt, jahrelanges Warten, um eine der begehrten Karten zugeteilt zu bekommen. Leider ist Warten ist nicht eine meiner Haupteigenschaften.

Durch einen glücklichen Zufall bekamen meine Frau und ich aber Karten für Lohengrin. Ein Kollege Peter Gress, hervorragender Friseurmeister aus Baden Württemberg, besaß zwei Karten, konnte aber nicht nach Bayreuth und bot via Facebook die Karten an. Ich griff sofort zu und bin Peter auf Knien dankbar. Vielen, vielen Dank.

Und was für Karten: 6 Reihe Mitte, ein absoluter Traum. Sitznachbarn um uns herum, erzählten, dass sie zwischen sieben und neun Jahren auf ihre Karten warten mussten. Ich habe ein Wochenende gewartet, bis die Post da war, aber das verriet ich den Wagnerianern besser nicht.

So ganz unbeleckt kam ich nach Bayreuth nicht. Ich erinnere mich an meine Wagner-Erweckung. Es war der Trauergottesdienst des großen Wagner-Biografen Martin Gregor-Dellin, der 1988 in Gröbenzell starb. Die Trauerrede hielt ein ergriffener Walter Jens, der immer wieder Wagner zitierte. Seitdem hat mich der Wagner-Virus infiziert. Ich las die Biografie von Gregor-Dellin und kaufte mir zahlreiche Wagner-Aufnahmen. Den Ring besitze ich in zwölf verschiedenen Einspielungen, wobei natürlich die Fassung von Loriot/Karajan wunderbar humorvoll ist. Den besten Zugang zur Musik von Wagner bekam ich durch den Holländer und Tannhäuser, sicherlich die besten Opern für Neulinge. Die beste Fassung von Lohengrin ist für mich die Einspielung von Rudolf Kempe mit den Wiener Philharmonikern.

Ich bin sicher kein Wagnerianer, war daher auf diese besondere Spezies von Menschen gespannt. Auf dem Festgelände auf dem grünen Hügel wird vor und nach der Aufführung gefachsimpelt. Dabei gehen die Zuhörer sehr kritisch mit den Interpretationen um. Nachdem Lohengrin von Altmeister Hans Neuenfels in diesem Jahr zum dritten Mal gegeben wurde, war das Publikum wohl an die Ratten auf der Bühne gewohnt. Laborratten stellten in der Inszenierung das Volk da und der Fötus am Ende war noch immer eine Provokation. Aber das Publikum wusste ja, auf was man sich einließ und reagierte gelassen. Die Bravo-Rufe galten vor allem der exzellenten Leistung des Schwanenritters Klaus Florian Vogt und der Sopranistin Annette Dasch.

Das Festspielhaus am grünen Hügel.

Das Festspielhaus am grünen Hügel.

Ich genoss die Atmosphäre, scherzte mit meinen Nachbarn aus Japan. Vor mir verschonte uns ein übergewichtigter Herr nicht damit, sein Jackett auszuziehen und ans an seinem Schweißgeruch teilhaben zu lassen., der durch die Fächerbewegungen seiner Gattin auch in der Umgebung verteilt wurde. Jeder soll was davon haben. Aber das machte nichts, schließlich lauschten wir der reinen Musik von Wagner.

Aber es gibt auch ein überdrehtes Bildungsbürgertum. Ungefragt stellen sie ihr Wissen zur Schau, mischen sich auch gerne ein. Manche der Herrschaften kennen sich wirklich aus (einige von ihnen sind auch mit Libretto oder gar Partitur ausgestattet), andere sind einfach nur dumme Wichtigmacher. Immer wieder denke ich da an meinen Monaco: „Dankbar und glücklich müssen wir sein, dass wir hier dabei sein durften.“

Meine Frau und ich bei Richard Wagner.

Meine Frau und ich bei Richard Wagner.

Doch was zieht man nun zu so einem Weihespiel an? Für meine Frau und mich stand fest: Wenn wir schon mal die seltene Ehre haben und einer Wagner Oper in Bayreuth beiwohnen können, dann muss die Klamotte auch stimmen. Meine Frau erschien im neuen, langen Abendkleid, war aufwendig beim Friseur, ließ sich schminken – rundum eine schöne Frau. Ich band die Fliege um und erschien im maßgeschneiderten Gehrock, den die Münchner Designerin Svenja Jander für mich anfertigte, und holte einen antiken Spazierstock aus New Orleans heraus.

Ich war ein wohl wahrer Blickfang war. Die Damenwelt, zumeist ältere Semester drehten sich nach mir um. Einige Herren gaben leise Kommentare ab. Gut, dass ich sie nicht verstanden habe. Die meisten Herren waren in langweiligen schwarzen Businessanzügen erschienen, einige aber feierlich im Smoking. Viele Damen trugen schöne Kleider. Aber es gab auch andere Erscheinungen. Die Mode der siebziger Jahre mag wieder modern sein, aber dann bitte im Look der Neuzeit. Nur weil Kleidung 40 Jahre im Schrank hängt, ist sie nicht automatisch wieder up to date. Diese Art von Vintage ist nicht sonderlich originell. Zudem kam noch: Viele Friseuren waren einfach schauderhaft, Raspelschnitt, Topfschnitt, nicht gerade feierlich – vielleicht nützlich beim Marathonlauf oder Arbeit auf einer Bohrinsel. Hier hat die Friseurinnung Bayreuth durchaus eine Chance Flagge zu zeigen und das Publikum auf zu stylen. Vielleicht geht ein kleines Zelt mit ein paar Frisiertischen – ich sollte mal mit den Wagnererben sprechen. Jetzt bin ich kein Friseur, arbeite aber für die Branche und kann durchaus unterscheiden, was Style ist und was nicht. Dazu kamen Gesundheitsschuhe, Treter, Ballerinas. Nein, dieser Anblick enttäuschte mich in Bayreuth. Da muss ich zugeben, dass mir die Wagnerfestspiele in München von der Kleidung lieber sind, trotz des Münchner Publikums, wie es der Monaco sagen würde.

Matthias fragt nach bei … Corinna Göring von Computent GmbH

6. September 2012

Ich hab von den VPN-Gefummel die Nase voll. Installation hier, IP-Adresse da, kryptische Anweisungen gibt es zudem noch. Ich mag nicht mehr. Da gibt es natürlich die wunderbare Lösung Teamviewer, die auch reibungslos funktioniert, doch so ganz sicher bin ich mir nicht, ob USA meinen Verkehr mitschneidet. Eine andere Lösung muss her und ich bin bei einem innovativen Unternehmen aus dem bayerischen Schwabenland fündig geworden. Der Hersteller Computent GmbH hat das VPN-Tool auf einem USB-Stick für mich. Im Moment gibt es noch die Windows-Variante. Aber schon die iPad-Lösung ist sensationell. Bald wird eine Mac-Lösung vorliegen und ich bin dabei. Ich traf Corinna Göring von Computent GmbH zu einem kleinen Interview.