Marktingleute haben Schwierigkeiten mit digitalem Marketing

3. April 2014

In Zeiten zunehmender Bedeutung von Social Media und digitalen Inhalten tun sich Marketingleute noch immer schwer damit, ihre Rolle anzupassen und sich neue Kenntnisse anzueignen. Zu diesem Ergebnis kommt die Adobe-Studie Digital Roadblock: Marketers Struggle to Reinvent Themselves, zu der Adobe mehr als 1.000 Marketing Professionals in den USA befragt hat. Ich kann dies bestätigen. In vielen meiner Seminaren sitzen so genannte Marketingspezialisten, die zwar von Social Media und Co etwas gehört haben, die Arbeit aber lieber netzaffine Praktikanten machen lassen. Es ist doch so schwer umzudenken. Ich sage voraus, dass sich diese Leute bei der Arbeitsagentur wieder treffen werden. Angst und Unsicherheit reagieren bei vielen Verantwortlichen. Zaudern statt Entscheiden ist angesagt, obwohl sie wissen, dass sich die Welt ändert.

Nahezu die Hälfte der Befragten (40 Prozent) gab an, ihr Aufgabenfeld den Anforderungen der digitalen Entwicklung entsprechend neu strukturieren zu wollen; jedoch erklärten nur 14 Prozent dieser Marketingleute, einen konkreten Plan für die Neugestaltung im Kopf zu haben.

Die rapide Veränderung im heutigen Marketing wird von einer Mehrheit der Befragten bestätigt: Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Marketingleute gehen davon aus, dass sich die Anforderungen an ihren Job im nächsten Jahr stark verändern werden; 81 Prozent glauben an eine solche Veränderung innerhalb der nächsten drei Jahre. Der Weg zur Erneuerung ist jedoch steinig. Dafür machen die Teilnehmer vor allem mangelnde Weiterbildung zu neuen Marketing-Skills sowie fehlende Flexibilität der eigenen Organisation (jeweils 30 Prozent) verantwortlich.

Cloud ist auch im Marketing im Kommen.

Cloud ist auch im Marketing im Kommen.

Risikovermeidung als Hemmschuh

Auf die Frage, wie der erfolgreiche Marketingtyp von morgen (in zwölf Monaten) aussehen könnte, erklärte mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent), dass dieser mehr Risikobereitschaft zeigen sollte. 45 Prozent wünschten sich zudem, selbst risikofreudiger zu handeln. Bezüglich neuer Technologien sind sie dagegen eher zurückhaltend. So gaben 65 Prozent an, dass sie neue Technologien erst dann nutzten, wenn diese zu Mainstream-Tools geworden sind.

Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen zudem einen Unterschied zwischen Marketingleute in Unternehmen, die mehr als 25 Prozent des Budgets für digitale Kampagnen aufwenden und solchen, die weniger als 10 Prozent der Marketingausgaben für digitales Marketing ausgeben. Marktingverantwortliche in Unternehmen, die viel im Bereich Digital investieren, sind mehrheitlich überzeugt davon, dass sie sich neu strukturieren müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben (82 Prozent). Bei Unternehmen mit geringen Digital-Ausgaben kommen lediglich 67 Prozent zu dieser Erkenntnis. Deutlich mehr Marketer von – nach eigener Aussage – gut performenden Unternehmen gaben an zu wissen, wie die Erneuerung im Marketing aussehen soll (23 Prozent), verglichen mit Marketingfachleuten von niedrig performenden Unternehmen (8 Prozent).

„Der Wechsel hin zu digitalem Marketing erfordert den Einsatz neuer Technologien, Ansätze und Tools, sowie in vielen Fällen einen kompletten Rollenwechsel im Marketing“, so Ann Lewnes, Chief Marketing Officer bei Adobe. „Die gute Nachricht ist, dass Marketer die Notwendigkeit zur Veränderung selbst erkennen und verstehen, dass Big Data, Personalisierung und die Arbeit über die Kanäle Social, Web und Mobile zunehmend bedeutend für sie werden. Sie müssen jetzt nur noch loslegen.“

Daten gelten allgemein als wichtig, werden aber nur selten entsprechend genutzt

Die Mehrheit der Marketingleute betont, dass sie sich stärker auf Daten fokussieren müssen, um erfolgreich zu sein. Allerdings vertraut noch immer fast die Hälfte der Fachleute (49 Prozent) bei der Entscheidungsfindung zur Investition ihres Marketingbudgets auf das eigene Bauchgefühl. 72 Prozent der Experten stimmen darin überein, dass ihr Langzeiterfolg davon abhängig gemacht wird, wie es ihnen gelingt, den Return on Investment ihrer Marketinginvestitionen nachzuweisen.

74 Prozent der Befragten gaben an, dass das Sammeln und Nutzen von Daten für eigene Aktivitäten die neue Realität im Marketing darstellt. Zwei Drittel sind sich einig, dass der „hyper personalization“ (der Nutzung von Daten zur Bereitstellung von passenden Angeboten, Services und Inhalten zur passenden Zeit) heute eine ganz besondere Bedeutung zu kommt. Allerdings gaben gerade einmal 39 Prozent der Befragten an, dass sie Konsumentendaten und Verhaltensmuster von Kunden in den vergangenen zwölf Monaten für ihre Marketingstrategien genutzt haben; 45 Prozent planen immerhin, im kommenden Jahr hier mehr zu tun.

 

Mobile, Multi-Channel und Personalisierung gewinnen an Bedeutung

69 Prozent der Marketingfachleute sehen im Bereich Mobile ein entscheidendes Element erfolgreicher Marketingaktivitäten. In Punkto Medientypen und Plattformen sehen 61 Prozent der Experten Social Media als die bedeutendste Plattform für die nächsten 12 Monate an, gefolgt von Mobile mit 51 Prozent. Print und TV fallen dagegen mit 9 beziehungsweise 7 Prozent deutlich ab. 63 Prozent der Befragten sagen, sie machen mehr Social Media Marketing als noch im vergangenen Jahr; mehr als die Hälfte benutzt zudem E-Mail-Kampagnen und digitale Analysemethoden für eine verbesserte Kundenansprache noch stärker als 2013.

Diese Entwicklung führt zu einem Wechsel hin zu mehr Investment in digitale Marketing-Aufgaben innerhalb eines Unternehmens. Marketingkeute bezeichnen Digital/Social Marketer (47 Prozent), Data Analysten (38 Prozent), kreative Services (38 Prozent), und Mobile Marketer (36 Prozent) als zentrale Rollen, in die Unternehmen in den nächsten 12 Monaten investieren sollten.

Im Rahmen der Umfrage wurden sie zudem gefragt, welche bestimmten Eigenschaften den größten Unterschied in Punkto Effektivität machen. Die Ergebnisse: Die Fähigkeit, besser kanalübergreifend zu arbeiten, liegt mit 21 Prozent an vorderster Stelle, gefolgt von der Fähigkeit, die Effektivität einer Kampagne messen und bewerten zu können (16 Prozent).

Bei der Frage, welche Fähigkeit am wichtigsten ist, um das eigene Marketing nach vorne zu bringen, wurde die Personalisierung am höchsten bewertet. 63 Prozent der besonders gut performenden Unternehmen gaben an, einen kompletten oder sehr starken Fokus auf personalisierte Kundenerfahrungen zu legen. Bei den niedrig performenden Unternehmen sagten dies nur 53 Prozent.

Ein Ausweg aus der Krise des Buchhandels

2. April 2014

Die Sanierung der Immobilie am Marienplatz 22 bedeutet das Ende der Hugendubel-Zweigstelle am Münchner Marienplatz. Der Ort, an dem ich als Jugendlicher in den Leseinseln viel Zeit verbracht habe, wird schließen. Ende 2015 kommt die Telekom in drei Geschosse hinein, der Rest wird Büros. Mein Internationaler PresseClub wird bei der Sanierung ausquartiert, kommt aber wieder zurück.

Vorbei ist es mit den Büchern am Marienplatz. Das Konzept eines Buchhandels in dieser Form hat sich wohl überholt. Es ergeht dem Hugendubel wie dem WOM World of Musik. Amazon und Co haben gewonnen. Bücher, CDs und Videos bestelle ich im Internet – und wenn ich ehrlich bin, dann nicht mal als Atome, sondern als digitale Datei. Die Wirtschaft im 21. Jahrhundert schlägt gnadenlos zu.

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Jetzt beginnt wieder das Geschrei der Kulturpessimisten. Das Buch als Kulturgut wird sterben. Nein, tut es nicht. Aber der Buchhandel in dieser Form hat sich erledigt. Das Buch wird es immer gehen, wobei wir mal die Frage stellen müssen, was überhaupt ein Buch ist? Dieser Frage gehe ich in Kürze auf einem Seminar zum Thema digitalen Buch nach. Anfragen zum Programm gerne an mich.

Felsenfest

Aber ich denke, dass es eine Nische für den Buchhandel gibt. Nicht in der Größenordnung eines Hugendubel, aber ein, zwei Nummern kleiner. Ich habe im niederbayerischen Straubing neulich so eine Variante getroffen, die aktiv auf den Kunden zugehen. Die Buchhandlung Rupprecht in der Stadtmitte von Straubing bietet Events an und verkauft nicht nur Bücher.

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So gibt es am 12. April eine musikkabarettistische Krimilesung mit dem Autoren Jörg Maurer. Zum Preis von schlappen 10 Euro kann der Interessierte der Veranstaltung beiwohnen. Er liest dort seinen Alpenkrimi-Roman Felsenfest. Jörg Maurer stammt aus Garmisch-Partenkirchen. Er studierte Germanistik, Anglistik, Theaterwissenschaften und Philosophie und wurde als Autor und Musikkabarettist mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Kabarettpreis der Stadt München (2005), dem Agatha-Christie-Krimi-Preis (2006 und 2007), dem Ernst-Hoferichter-Preis (2012), dem Publikumskrimipreis MIMI (2012 und 2013) und dem Radio-Bremen-Krimipreis 2013.

Das Krimi-Kabarettprogramm von Jörg Maurer ist Kult. Die Buchhandlung ist die Event-Location. Die Schaufenster dienen als Werbefläche für das Buch. Stopper vor der Buchhandlung machen zudem auf die Veranstaltung aufmerksam.

Ich bin mir sicher, dass dies der richtige Weg ist. Der sympathische Jörg Maurer wird an dem Abend nicht nur Lesen und Spielen, sondern auch Autogramme geben. Die Bücher und die Hörbücher zum Autogramm liefert die Buchhandlung Rupprecht. Es wird eine Win-Win-Situation werden. Das Publikum bekommt einen tollen Abend, ein gutes Buch und ein Autogramm, der Fischer-Verlag bekommt Umsätze, die Buchhandlung ist im Gespräch und verkauft Bücher und Autor Jörg Maurer bekommt ein Podium und ein direktes Feedback vom Leser.

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Stadtführung in Straubing: QR-Codes im Tourismus

1. April 2014
Pano vom Straubinger Rathaus.

Pano vom Straubinger Rathaus.

QR-Codes werden den Tourismus revolutionieren. In Gotha gibt es den Quick Response-Code im Straßenpflaster. Mir sind in der niederbayerischen Stadt Straubing neulich QR-Codes an zahlreichen markanten Orten begegnet. Mit Unterstützung des örtlichen Lion-Clubs wurde eine neuartige Form des Stadtführers ins Leben gerufen.

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So ist beispielsweise am Rathaus auf weißem Schild ein QR-Code angebracht. Wird er gescannt, höre ich die Straubinger Stimmen. Im Dialekt wird die Stadtgeschichte von Straubing von verschiedenen Sprecherinnen wie unter anderem Elena Koch oder Dorit-Maria Kenn erzählt. Ich höre am Smartphone die persönlich gefärbten, historischen Erzählungen. Es ist eine „vielstimmige Sammlung von historischen Ansätzen und persönlichen Sichtweisen der Stadt Straubing.“ Das örtliche Tourismusamt verleiht verkauft dazu Kopfhörer, falls jemand seine Kopfhörer vergessen haben sollte.
Der Lions Club wies mich auch darauf, dass unter dem QR Code auch ein Tastmodell für Blinde ist.

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Meine Apple Kopfhörer hatte ich dabei, mein iPhone 5s war voll geladen, LTE-Empfang in Straubing war gesichert und ich hatte ein wenig Zeit für eine Stadtführung, da ich eine Pause zwischen meinen Vorträgen hatte. Also machte ich mich auf, die sympathische Stadt zu entdecken. Einen offiziellen Stadtführer zu buchen, dazu hatte ich keine Lust, aber dank QR-Codes konnte ich mich auf meine eigene Entdeckungsreise machen und zwischendurch immer wieder einen Kaffee schlürfen und Agnes Bernauer-Torte im Cafe Krönner kosten.

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Ich startete bei Rathaus und ging die Sehenswürdigkeiten der Stadt ab. Es gab Straubinger Stimmen unter anderem zu Agnes Bernauer, Bürgerspital, Dreifaltigkeitssäule, Gäubodenmuseum und, und, und. Insgesamt 22 Stationen wurden angelegt.

Für mich war der lehrreiche Spaziergang durch Straubing ein Erlebnis, das mir Spaß gemacht hat. Ich war auf keine Gruppe oder offiziellen Guide angewiesen und konnte meine Zeit selbst einteilen. Hierin sehe ich einen optimalen Einsatz von QR-Codes im Tourimus.

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Legoland: Der Lego Star Wars X-Wing Starfighter in Originalgröße kommt

31. März 2014

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Es wird 2014 ein gutes Lego-Jahr für mich. Als Lego-verrückte Familie warten wir sehnsüchtig auf die Wiedereröffnung des Legolandes in Günzburg. Ich habe ja vergangenes Jahr spekuliert, was die neue Attraktion sein wird und lag dabei gar nicht so falsch. Jetzt ist es offiziell: Das größte Lego-Modell der Welt, ein Lego Star Wars X-Wing Starfighter in Originalgröße, landet exklusiv für die Saison 2014 im Familienfreizeitpark im bayerischen Günzburg. Yeah und ich werde mir das Teil genau ansehen. Ab 5. April öffnet das Legoland seine Pforten.

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Der X-Wing Starfighter ist ein Highlight unter den Raumfahrzeugen des Star Wars-Universums von George Lucas. Das Modell, gebaut in der Lego-Modellwerkstatt im tschechischen Kladno, wiegt mehr als 20.000 Kilogramm, ist über drei Meter hoch sowie 13 Meter lang und breit. Ein Team aus 32 Modelldesignern hat 17.336 Stunden benötigt, um 5.335.200 handelsübliche Lego-Steine zu der 42-mal größeren Nachbildung des Lego Star Wars Set 9493 zusammenzubauen. Ich hoffe, das Legoland hat genügend Sets zum Kauf auf Vorrat.

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Zerlegt in 32 Module und verpackt in sechs Containern, kam der aus 5,3 Millionen Lego-Steinen bestehende und 20.000 Kilogramm schwere Raumschiffjäger aus den USA im bayrischen Günzburg an. Damit das XXL-Modell wieder seine volle Größe erreicht, müssen die einzelnen Teile wieder zusammengesetzt werden, dabei ist von den Modelldesignern und Mechanikern des Parks Maßarbeit beim Aufbau gefragt. Mit einer Flügelspannweite von 13 Metern muss der Flieger millimeter-genau an seinem neuen Standort im Park aufgebaut werden, damit er in die Halle passt. Mit Hilfe von Gabelstaplern werden die tonnenschweren Teile an ihre entsprechenden Positionen gehoben und miteinander verbunden. Sobald der Aufbau abgeschlossen ist, geben die Elektriker dem Modell den finalen Schliff und installieren Beleuchtung und Animationen.

Der X-Wing Starfighter befindet sich erstmals auf europäischem Boden und ist exklusiv bis 2. November 2014 in der Lego Star Wars X-Wing Modellausstellung im Park zu bewundern. Ich wollte eigentlich den X-Wing Starfighter in New York ansehen, kam allerdings aus Zeitgründen nicht dazu. Nun werden wir es in Günzburg nachholen. Und mein Sohn fragte nach, wann denn der Todesstern aus Lego in Originalgröße gebaut wird? Gute Frage liebes Legoland – nun seid ihr am Zug.

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Musiktipp: Soundtrack Gravity von Steven Price

24. März 2014

Gravity

Seit zwei Tagen bin ich von einer Sucht befallen: es ist der Soundtrack zu Gravity. Der Film war ja die diesjährige Oscar-Überraschung. Der Soundtrack ist es noch viel mehr für mich. Den Score von Gravity komponierte Steven Price. Der 1977 geborene Price fiel mir das erste Mal als Musiceditor zum Soundtrack von Herr der Ringe auf.

Für die Musik zu den Film Gravity erhielt Steven Price unter anderem einen Oscar. Und hier hat die Academy richtig entschieden. Der Score ist sehr ungewöhnlich. Er basiert vor allem auf elektronischen Effekten. Dem großen Brian Eno wird im Booklet gedankt. Der klassische symphonische Score tritt etwas in den Hintergrund, ist aber vorhanden.

Ich habe den Score Gravity erstmals in voller Lautstärke über Kopfhörer gehört. Und die experimentelle Kraft des Scores mich hinweggefegt. Klangfetzen, Stimmungen, Druck, Schwingungen – dies alles hat der Zuhörer in den ersten Minuten zu verkraften oder besser einzuordnen. Meine erste Reaktion: So klingt wahre Musik aus dem Weltraum. Als Kind gab es immer nette Synthie-Spielereien, die als Space Musik bezeichnet wurde. Alles Quatsch. Steven Price hat die Musik für einen Aufenthalt im Weltenraum komponiert: Dicht und komplex ist die Soundkollage, die das Gefühl des absoluten akustischen Vakuum mehr als deutlich machen. Musik für die Space Opera des 21. Jahrhunderts.

Während sich die großen Kollegen aus Hollywood, wie der verehrte John Williams oder Howard Shore, der Motivtechnik eines Richard Wagners bedienen, verzichtet Steven Price bei Gravity fast gänzlich auf Leitmotive. Taucht ab und zu eine Motivstruktur auf, wird sie relativ schnell von den experimentellen Toneskapaden aus dem Weltraum überdeckt. Einzelne Stücke enden erprubt. Der Hörer schreckt auf.

Dieser Soundtrack ist eher was für die einsamen Momente. Ich empfehle unbedingt diesen Score laut, sehr laut zu hören. Für mich steht fest: ich werde die Karriere von Steven Price weiterhin im Auge oder besser im Ohr haben. Ich bin gespannt auf seine nächsten Werke. Auf jeden Fall eine klare Kaufempfehlung für den Soundtrack von Gravity.

Mein TV-Auftritt zu Medienkompetenz bei doschauher.tv

20. März 2014

Schon vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit im Fernsehen aufzutreten. Es war bei Doschauher TV. Dies ist ein erfolgreicher Studentensender der Hochschule Deggendorf (THD) in Niederbayern und wer Doschauher richtig ausspricht, der versteht auch den Wortwitz. Die Sendungen sind live im hauseigenen Studio oder aber im Internet per Livestream zu sehen. Die Aufzeichnungen gibt es dann natürlich bei YouTube.

In Studio durfte ich mich den Fragen des Moderatorenteams Inka und Kevin stellen.

In Studio durfte ich mich den Fragen des Moderatorenteams Inka und Kevin stellen.

Die vortreffliche Studentin Rebecca Hoffmann hatte mich auf einem meiner Vorträge über Medienkompetenz gesehen und bat mich um einen Auftritt im Studio.  Ja, da hab ich doch gleich zugesagt und bin nach Deggendorf angereist.

Rebecca Hoffmann hat mich eingeladen.

Rebecca Hoffmann hat mich eingeladen.

Hochprofessionell wurde die ganze Sache organisiert, von der Kontaktaufnahme, über die Betreuung und die Sendeabwicklung. Ich darf ja ab und zu mit dem Thema Medienkompetenz vor der Kamera stehen, aber dieses Mal hat es mir besonders viel Spaß gemacht. Schließlich ist Doschauher TV Deutschlands einzige studentische Livesendung. Und sie hat Power. Hier die komplette Folge:

Und hier nur mein Auftritt:

Der ganze Ablauf zeigte mir, wie hoch professionell und praxisnah die Studenten ausgebildet werden. Und der Erfolg gibt der ganzen Idee von Prof. Ernst Jürgens recht. Chapeat Herr Professor – eine super Truppe haben Sie da herangezogen. Doschauher.tv ist der erste und bis dato einzige Internetfernsehsender, den eine Hochschule produziert und regelmäßig live im Internet sendet. Dabei werden alle Funktionen vor und hinter der Kamera, in Redaktion und Technik von Studenten des Studiengangs Medientechnik der Hochschule Deggendorf übernommen. Und mein Eindruck war, die Studenten hatten es im Griff, auch wenn ich mal mit Sonderwünschen daherkam.

Pano

Das Konzept der Hochschule geht voll auf. In zwei Semestern wird den Studenten anschaulich im Fach Film-Video-Design gezeigt, wie Film und Fernsehen gemacht wird. Das alles findet im vierten und fünften Semester bei doschauher.tv statt. Das Sendekonzept ist durchdacht. Zwei Moderatoren, Studio-Talkgäste und eine Live-Band. Als Band war in meiner Sendung die Flashbeat. Dazu Außenschaltungen via Google Hangout ins nahe Deggendorf – wenn das LTE Funknetz mitmacht.

Bei der Sendung mit mir steuerte ich wohl den seriösen Part bei. Die beiden Moderatoren befragten mich im Umgang mit Facebook und Co. Ich war etwas gemein, denn ich wollte prüfen, ob mich die Moderatoren Inka und Kevin in meinem Redefluss bremsen würden. Taten sie nicht, also nutze ich die Chance und redete, redete und redete. Ok, ich entschuldige mich an dieser Stelle für mein Verhalten. Aber auch Moderatorentraining gehört dazu und dem Labersack von einem Gast das Wort abzudrehen.

Das Online TV Projekt steht unter der Leitung von Prof. Ernst Jürgens, der die “Redaktionsgruppe” konzeptionell-redaktionell betreut. Die “Technikgruppe” von doschauher.tv wird von M.Eng. Dipl.-Ing.(FH) Oliver Bauer wissenschaftlich-technisch betreut. Durch das Konzept “doschauher.tv” bekommen die Medientechnikstudenten einen praktischen Eindruck und können ihr Wissen aus allen Teilbereichen ihres Studiums anwenden.

Dramaturgisch und technisch war die Truppe hervorragend vorbereitet. Ein Einheizer pushte das zumeist studentische Publikum vor der Sendung auf. Ich durfte die Show auf einem Sofa vor der Bühne beobachten und wurde dann auf die Bühne geholt. Da wirkte ich ein wenig wie ein Fremdkörper: mit meinem Outfit Fliege, Einstecktuch und Sakko sowie bunte Schuhe sah mich der klassische Student etwas misstrauisch an. Aber ich baute Vertrauen auf und fühlte mich richtig wohl.

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Doschauher.tv ist inhaltlich eine unterhaltsame, unberechenbare und überraschende Webshow mit dem Schwerpunktthema “Medien”. Durch die Sendung führt ein, von Semester zu Semester wechselndes, Moderatoren-Paar. Sie unterhalten sich mit den Studiogästen, die aus den verschiedensten Bereichen stammen, interviewen die Liveband und kündigen die Einspieler (Kurzreportagen, humorvolle Clips, Parodien, journalistische Beiträge) an. Als Highlights waren die Woidboyz zu Gast. Diese Herrschaften entstammten der Hochschule und sind mittlerweile echte TV-Stars und sie sind wunderbar köstlich.

Einsatz von QR-Codes – mal so, mal so

18. März 2014

Wir leben gerade in einer interessanten Transformationsphase. Überall begegnen mir QR-Codes und ich begrüße das ausdrücklich. Für mich sind sie derzeit eine perfekte Verknüpfung der Online- und Offline-Welt. Vor kurzem bin ich auf zwei interessante Anwendungen für QR-Codes gestoßen, von denen ich berichten will.

Da wäre zum einen die QR-Codes im örtlichen Baumarkt Toom. Ich war dort, um ein paar Pflanzen für den heimischen Garten einzukaufen. Bei der Auswahl der Gewächse entdeckte ich ein Bild “Pflanzentipps immer zur Hand”. Ich sollte den QR-Code bei den Toom-Pflanzen einscannen und erhalte dann Pflege- und Pflanztipps. Eigentlich eine gute Sache, denn mir selbst fehlt der grüne Daumen. Für den Garten ist bei uns die bessere Hälfte zuständig.

Eigentlich eine gute Idee beim Toom.

Eigentlich eine gute Idee beim Toom.

Also zückte ich mein iPhone, aktivierte den QR-Code-Reader und begab mich auf die Suche nach scanbaren Material. Leider blieb es bei der Suche. Gefunden habe ich im Toom Gartencenter nichts. Die ausgestellten Pflanzen hatten zwar Schilder, aber ein QR-Code war nicht zu finden. Ich hoffe, es kommt noch was nach. Der Frühling kommt ja auch erst.

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Zum anderen waren es die QR-Codes auf einem Filmprogramm von Tracker Film. Ich bekam bei der jüngsten Bestellung bei diesem Online-Versender ein kleines Prospekt mitgeschickt. Hier enthalten sind die Filme, die Tracker Film im Angebot hat. Ich liebe das Angebot dieses Händlers, der sich auf Archivschätze aus TV- und Werbearchiven spezialisiert hat – Stichwort HB-Männchen.

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Besonders hat es mir die Nostalgiebox Werbefilm-Klassiker mit 350 Minuten Werbespaß aus alten Zeiten angetan. Der Händler setzt in seinem Prospekt voll auf QR-Codes. Auf einer Doppelseite gibt es 36 QR-Codes. Sie führen zu YouTube-Trailern der Filme. So stelle ich mir mobile Werbung für einen Filmversand vor.

Gute Idee bei Tacker Film.

Gute Idee bei Tacker Film.

iPad sorgt für Verständigung

17. März 2014

Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind vom Universalübersetzer bei Raumschiff Enterprise begeistert war. Captain Kirk konnte mit den Romulanern sprechen und obwohl sie unterschiedliche Sprachen hatten, verstanden sie sich. Sie konnten sich dank des Universalübersetzer verständigen.

Daran hatte ich mich neulich erinnert, als ich bei einem Lehrerseminar mehrere Lehrkräfte von Förder- und Mittelschulen unterrichtete. Die Lehrer hatten das Problem, dass sie Schüler aus so manchem ausländischem Land einfach nicht verstanden. Sie behalfen sich mit Bilderbüchern, um eine grundlegende Kommunikation mit den Schülern aufrecht zu erhalten. Viele der Kinder kamen aus dem arabischen Raum. Sie waren zumeist Flüchtlinge und sprachen kein Deutsch. Aber ihre Eltern waren so stolz, dass in Deutschland Bildung bekommen.

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Hier fiel mir die Idee von Raumschiff Enterprise und dem Universalübersetzer ein. Mein persönlicher Universalübersetzer ist das iPad und Übersetzungssoftware iTranslate Voice. Ich zeigte den Lehrern die Software.Hier kann ich einfache Sätze in Deutsch (oder einer anderen Sprache) hinein sprechen und via Internet werden diese Sätze in eine vorher eingestellte Sprache umgewandelt. Natürlich lassen sich hier keine tiefgehenden Gespräche führen. Aber für die klassische Alltagskommunikation ist es prima. Die Lehrer probierten es aus. Sie sprachen in Deutsch in mein iPad hinein und siehe da, der Text kam auf Arabisch heraus. Wir probierten es, indem wir Deutsch Englisch, Deutsch Italienisch und Deutsch Französisch ausprobierten. Es klappte tadellos. Die Lehrer waren begeistert.

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Eine Woche später bekam ich ein hervorragendes Feedback per Telefon. Es klappte auch an der Schule. Die Flüchtlingskinder waren begeistert. Sie konnten den Lehrern antworten. Lehrer und Schüler konnten in ihrer Sprache kommunizieren. Natürlich ersetzt diese Software keinen ausgebildeten Dolmetscher. Aber sie hilft im Alltag und sie hat den Alltag in den Klassenzimmern der Förder- und Mittelschulen erleichtert. Wahrscheinlich sind wir gar nicht mehr weit entfernt, bis der Universalübersetzer von Raumschiff Enterprise im Alltag Wirklichkeit geworden ist.

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Grafic Novel: Wagner von Andreas Völlinger/Flavia Scuderi

16. März 2014

Wagner

Richard Wagner ist immer für einen Streit gut. So sehr ich seine geniale Musik liebe, so sehr verachte ich seine politischen Äußerungen. Richard Wagner ist immer ein Politikum unter den Bildungbürgern.Da verwundert es nicht, dass die Meldung in Fachkreisen diskutiert wird, dass die fast 70jährige Wagner-Urenkelin Eva Wagner-Pasquier im Jahr 2015 als Festspiel-Chefin aufhört. Sie darf als Beraterin weitermachen.

Was mich als Wagner- und Bayreuth-Fan interessiert (der übrigens für 2014 KEINE Karten bekommen hat), interessiert oftmals die Masse nicht so sehr. Und dennoch gibt es immer wieder Interessierte, die sich Wagner nähern wollen. Sie stehen aber vor einem unübersehbaren Berg an Material, Büchern, Aufnahmen und zugegeben seltsamen Leuten.

Diesen Interessierten lege ich nicht die zwar ausgezeichnete Biografie von Martin Gregor-Dellin ans Herz, sondern seit neuestem die Wagner: Die Graphic Novel von Andreas Völlinger.

Ein Comic für Wagnerfans aus dem Knesebeck-Verlag? Ok, das Bildungsbürgertum geht unter. Die alten Wagnerianer werden sich mit Abscheu abwenden und im Elfenbeinturm darüber diskutieren, welche Ring-Interpreation wohl die beste sei. Aber lasst euch sagen: Dieses Buch Wagner: Die Graphic Novel und die interaktive App für Tablets und Smartphone hat es in sich.

Andreas Völlinger (Text) und Flavia Scuderi (Illustration) haben Großartiges geleistet und machen den überlebensgroßen Mythos Richard Wagner für Interessierte greifbar, Schon dafür muss man den beiden dankbar sein. Sie zeigen das Leben Wagners als musikalischer und politischer Revolutionär. Die Geschichte wird aus der Sicht von Hans von Bülow erzählt, mit dessen Frau Wagner später durchbrannte. Aber die Novelle zeigt auch Wagners Leben als Doktrinär, Antisemit und Opportunist. Natürlich kann eine Grafic Novel mit 48 Seiten der Person Richard Wagner nie gerecht werden. Es können nur Ausschnitte, Sichtweisen, Eindrücke dargereicht werden. Aber das Buch und vor allem die App ist eine hervorragende Einführung für eine neue Generation von Wagnerianern.

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Und ich empfehle ausdrücklich die interaktive App fürs iPad. Der User hat verschiedene Möglichkeiten. Er kann die Graphic-Novel selbst lesen und blättern oder sie wird ihm vorgelesen und dies in drei Sprachen. Zudem gibt es die göttliche Musik von Richard Wagner und Zusatzinfos. Leider hab ich den Film, der zusätzlich gedreht wurde, noch nicht gesehen. Aber das nehme ich mir am Wochenende vor, den Film gibt es bei iTunes.

Peter Scholl-Latour: Nachträglich alles Gute zum 90.

15. März 2014

Im Grunde ist er heute ein störrischer alter Mann, aber ich bin immernoch ein Fan von ihm. Ich meine den Journalisten Peter Scholl-Latour, der vor kurzem seinen 90. Geburtstag feierte. Er war mit seinen Büchern jemand, der mir den Beruf Journalist schmackhaft gemacht hat.

Im Wohnzimmer meiner Eltern lag eines Tages die Ausgabe seinen Klassikers Der Tod im Reisfeld herum. Als Jugendlicher habe ich den Vietnam-Krieg mitbekommen, aber von Indochina wusste ich eigentlich nichts. Das änderte sich, als ich das Buch von Scholl-Latour zu lesen begann. Es fesselte mich und schlagartig war ich ein Fan dieses Mannes.

Ich habe ein Autogramm von dem jungen Peter Scholl-Latour im Arbeitszimmer.

Ich habe ein Autogramm von dem jungen Peter Scholl-Latour im Arbeitszimmer.

Ich kaufte mir weitere Bücher, war begeistert über die Afrika-Bücher wie Mord am großen Fluß und merkte auch, dass er zeitweise sogar Chefredakteur vom Stern war – nach der Hitler Tagebücheraffäre. Aber Scholl-Latour war wohl weniger der Blattmacher und Verwalter, sondern vielmehr aktiver Journalist und warf beim Stern hin. Als die islamische Revolution stattfand, sah ich ihn immer wieder im Interview mit Ayatollah Khomein. Ich sagte immer meinen Kollegen: Schaut mal, der Typ geht raus und kennt die Leute. Er redigiert nicht nur dpa und ap, sondern schafft Nachrichten und Reportagen. Diese Art von Geschichten liebe ich und finde es einen großartigen Journalismus: Raus zu den Leuten und Augen auf.

Und das ist sicherlich eine der Stärken von Peter Scholl-Latour. Er geht raus und spricht mit Menschen. So bekommen seine Artikel, Bücher und Filme natürlich eine subjektive Sichtweise, die andere ihm natürlich vorwerfen. Aber damit steht er für mich in der Tradition von Peter von Zahn oder Gerd Ruge, die ich beide auch sehr bewundere. Heute wird Reportage-Journalismus nicht mehr bezahlt. Billig muss es heute sein, aber ich glaube, ein junger Scholl-Latour wäre ein starker Blogger geworden.

Im heutigen Medienzeitalter ist Peter Scholl-Latour wahrscheinlich überfordert. Seine Welt ist nicht Google und Blogs, Tags und SEO. Er muss sich aber mit 90. Jahren nicht mehr beweisen. Obwohl ich gerne einen Scholl-Latour des 21. Jahrhunderts begegnen würde.

Immer wieder sehe ich ihn im Fernsehen bei Talkshows, wo er junge Grünschnäbel die Leviten liest. Mir gefällt sein barscher Ton, wenn er dem Moderator über den Mund fährt oder von alten Zeiten schwadroiniert. Der alte Mann hat heute sogar einen YouTube-Kanal und ich schau mir seine alten Sendungen gerne an. Der Scholl-Latour ist ein Original und das ist er auch mit 90 Jahren. Ich gratuliere von ganzem Herzen nachträglich.