Ein Ausweg aus der Krise des Buchhandels

Die Sanierung der Immobilie am Marienplatz 22 bedeutet das Ende der Hugendubel-Zweigstelle am Münchner Marienplatz. Der Ort, an dem ich als Jugendlicher in den Leseinseln viel Zeit verbracht habe, wird schließen. Ende 2015 kommt die Telekom in drei Geschosse hinein, der Rest wird Büros. Mein Internationaler PresseClub wird bei der Sanierung ausquartiert, kommt aber wieder zurück.

Vorbei ist es mit den Büchern am Marienplatz. Das Konzept eines Buchhandels in dieser Form hat sich wohl überholt. Es ergeht dem Hugendubel wie dem WOM World of Musik. Amazon und Co haben gewonnen. Bücher, CDs und Videos bestelle ich im Internet – und wenn ich ehrlich bin, dann nicht mal als Atome, sondern als digitale Datei. Die Wirtschaft im 21. Jahrhundert schlägt gnadenlos zu.

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Jetzt beginnt wieder das Geschrei der Kulturpessimisten. Das Buch als Kulturgut wird sterben. Nein, tut es nicht. Aber der Buchhandel in dieser Form hat sich erledigt. Das Buch wird es immer gehen, wobei wir mal die Frage stellen müssen, was überhaupt ein Buch ist? Dieser Frage gehe ich in Kürze auf einem Seminar zum Thema digitalen Buch nach. Anfragen zum Programm gerne an mich.

Felsenfest

Aber ich denke, dass es eine Nische für den Buchhandel gibt. Nicht in der Größenordnung eines Hugendubel, aber ein, zwei Nummern kleiner. Ich habe im niederbayerischen Straubing neulich so eine Variante getroffen, die aktiv auf den Kunden zugehen. Die Buchhandlung Rupprecht in der Stadtmitte von Straubing bietet Events an und verkauft nicht nur Bücher.

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So gibt es am 12. April eine musikkabarettistische Krimilesung mit dem Autoren Jörg Maurer. Zum Preis von schlappen 10 Euro kann der Interessierte der Veranstaltung beiwohnen. Er liest dort seinen Alpenkrimi-Roman Felsenfest. Jörg Maurer stammt aus Garmisch-Partenkirchen. Er studierte Germanistik, Anglistik, Theaterwissenschaften und Philosophie und wurde als Autor und Musikkabarettist mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Kabarettpreis der Stadt München (2005), dem Agatha-Christie-Krimi-Preis (2006 und 2007), dem Ernst-Hoferichter-Preis (2012), dem Publikumskrimipreis MIMI (2012 und 2013) und dem Radio-Bremen-Krimipreis 2013.

Das Krimi-Kabarettprogramm von Jörg Maurer ist Kult. Die Buchhandlung ist die Event-Location. Die Schaufenster dienen als Werbefläche für das Buch. Stopper vor der Buchhandlung machen zudem auf die Veranstaltung aufmerksam.

Ich bin mir sicher, dass dies der richtige Weg ist. Der sympathische Jörg Maurer wird an dem Abend nicht nur Lesen und Spielen, sondern auch Autogramme geben. Die Bücher und die Hörbücher zum Autogramm liefert die Buchhandlung Rupprecht. Es wird eine Win-Win-Situation werden. Das Publikum bekommt einen tollen Abend, ein gutes Buch und ein Autogramm, der Fischer-Verlag bekommt Umsätze, die Buchhandlung ist im Gespräch und verkauft Bücher und Autor Jörg Maurer bekommt ein Podium und ein direktes Feedback vom Leser.

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2 Antworten to “Ein Ausweg aus der Krise des Buchhandels”

  1. Johannes Müller Says:

    Ich denke auch, dass es weg von den Buchketten hin zu den Nischen-Buchhandlungen und – wie in deinem Beispiel – „Event“-Buchhandlungen gehen wird. Wenn sich die kleinen Buchhandlungen schnell genug aufraffen können.

    Bestseller und allgemein Literatur wird sicher immer öfter im Netz gekauft werden. Da brauche ich keine Beratung, die Bestsellerlisten finde ich auch im Netz.

    Wenn es aber um Fachbücher geht, dann ist eine persönliche Beratung oft/meist sehr wichtig. Diese bekomme ich in den großen Ketten nicht. Die dortigen Verkäufer haben oft keine Ahnung von der Materie und können noch nicht mal die internationalen Bestseller beschreiben/erklären/empfehlen. Geschweige denn mit den ihnen gestellten technischen Gerätschaften zur Suche etc umgehen.

    Dafür braucht es Verkäufer und Geschäfte mit Herz. Und wenn die kleinen Buchhandlungen es schaffen, sich da entsprechend (wieder) hinein und weiter zu entwickeln, haben sie eine gute Chance.

    Wenn man dein Vergleich mit WoM nimmt: die kleinen Plattenläden, die noch das „altmodische“ Vinyl verkaufen sind zwar weniger geworden, aber werden nicht aussterben.

  2. mons7 Says:

    Kann nur in die selbe „Kerbe schlagen“. Während ich zwischendurch mit Amazon abtrünnig wurde, bin ich jetzt – dank https://twitter.com/TurmBuchOch – in Gefielde zurückgekehrt, die mir liegen.
    Das Buch ist to? Lang lebe das Buch! 😉

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