Posts Tagged ‘WOM’

Heute ist RECORD STORE DAY

18. April 2015

Heute ist der RECORD STORE DAY. Jede Branche hat ihre Feier- und Gedenktage und heute am 18. April 2015 ist eben der RECORD STORE DAY. Ich komme noch aus einer Ära, in der wir Schallplatten gehört haben. Kassetten waren nicht so mein Ding, ich mochte die Langspielplatte und die Covers.

Plakat zum RECORD STORE DAY in Coburg.

Plakat zum RECORD STORE DAY in Coburg.

Meine Bezugsquelle für Schallplatten war der Sound in Fürstenfeldbruck, der aber trotz RECORD STORE DAY vor Jahren schließen musste. Ich habe darüber gebloggt. Eine andere Quelle war der damalige Saturn Hansa (so hieß der Laden damals noch). Er befand sich auf der Theresienhöhe in München und das Schallplattenangebot war enorm. Und es gab in München noch zweimal den WOM – World of Music. Der Laden in der Münchner Sonnenstraße hatte die Billigplatten à la Nice Price für 10 Mark und in der Fußgängerzone war im Keller der hochpreisige Dealer. Ein guter Freund arbeitete dort und versorgte mich immer mit Infos über Neuerscheinungen – so lief Kommunikation damals. Später kam für mich dann der Drogeriemarkt Müller als Quelle für LPs hinzu. Im Bereich des Sendlinger Tors und in Schwabing waren die Second Hand-Händler, bei denen ich so manche D-Mark für Schallplatten ließ. Berüchtigt waren auch die Fahrten als Schüler nach London, um eine Woche die Second Hand-Läden unsicher zu machen, um vor allem britische Singles zu kaufen.

Nein, Vinyl ist kein Massenmarkt.

Nein, Vinyl ist kein Massenmarkt.

All das ist vorbei. Der Schallplattenmarkt ist zusammengebrochen. Musik ist digital. Es gibt ein gewisses Revival des Vinyls, aber wir sprechen hier nicht von einem Massenmarkt. Wenn jemand meint, seine Karriere als Plattenhändler steht aufgrund des RECORD STORE DAY bevor, kann man ihn nur warnen. Das Zeitalter der Schallplatte als Massenmarkt ist vorbei und kommt auch nicht wieder. Geblieben ist der Liebhabermarkt und ein paar Audiophile, die über richtig Geld verfügen. Der Spiegel spricht sogar von einem „Vinyl-Boom“ und das zeigt die journalistische Qualität des Magazins. Es gibt wieder Vinyl-Charts und der Spiegel veröffentlicht sie auch – für mich ein Sturm im Wasserglas.
In Zahlen heißt es: Der Bundesverband Musikindustrie meldet für 2014 insgesamt 1,8 Millionen verkaufte Schallplatten. Das sind die Zahlen von 1992. Aber um realistisch zu bleiben: Der Marktanteil des Vinyls an allen Musikverkäufen beträgt nur schlappe 2,6 Prozent.


Ab und zu gehe ich noch auf Börsen, kaufe die eine oder andere CD oder sogar noch seltene Schallplatten. Erst neulich habe ich für einen Soundtrack in Vinyl viel Geld hingelegt. Es handelte sich um den Soundtrack zum Kubrick-Film The Shining von 1980. Der wunderbare Score von Wendy Carlos mit der Musik von György Ligeti, Béla Bartok und Krzysztof Penderecki ist meines Wissens nie auf CD erschienen. Also musste die analoge Scheibe für viel Geld her und sie wurde dann gleich digitalisiert. Die letzte Schallplatte, die ich mir gekauft habe, war eine Single von den Kinks für meine Rock-o-la.
Am heutigen RECORD STORE DAY werde ich mich auf meine schwarzen Scheiben besinnen. Ich werde dieser Tage in mein Archiv hinabsteigen und meine Schallplatten durchschauen. Vielleicht finde ich den ein oder anderen Schatz zum Digitalisieren. Gerade Bootlegs von Bob Dylan hatte ich einige auf Vinyl, die ich ins digitale Zeitalter retten möchte.
Und endlich konnte ich Gladsax nutzen. Gladsax ist kein spezielles Saxophon, sondern ein Bilderrahmen für Schallplatten von IKEA. Bei meinem jüngsten IKEA-Besuch habe ich drei Gladsax-Rahmen mitgenommen. Ich rahmte drei Picture Disc, über die schon einmal gebloggt habe. Gladsax hat die Größe von 32×32 Zentimeter und ist ideal für Schallplatten. Also kamen unlängt Bob Dylan, Elvis Presley und Jimi Hendrix hinter Glas. Die Herrschaften hängen jetzt zum RECORD STORE DAY  an den Wändern zum Archiv.

Ein Ausweg aus der Krise des Buchhandels

2. April 2014

Die Sanierung der Immobilie am Marienplatz 22 bedeutet das Ende der Hugendubel-Zweigstelle am Münchner Marienplatz. Der Ort, an dem ich als Jugendlicher in den Leseinseln viel Zeit verbracht habe, wird schließen. Ende 2015 kommt die Telekom in drei Geschosse hinein, der Rest wird Büros. Mein Internationaler PresseClub wird bei der Sanierung ausquartiert, kommt aber wieder zurück.

Vorbei ist es mit den Büchern am Marienplatz. Das Konzept eines Buchhandels in dieser Form hat sich wohl überholt. Es ergeht dem Hugendubel wie dem WOM World of Musik. Amazon und Co haben gewonnen. Bücher, CDs und Videos bestelle ich im Internet – und wenn ich ehrlich bin, dann nicht mal als Atome, sondern als digitale Datei. Die Wirtschaft im 21. Jahrhundert schlägt gnadenlos zu.

Foto 1

Jetzt beginnt wieder das Geschrei der Kulturpessimisten. Das Buch als Kulturgut wird sterben. Nein, tut es nicht. Aber der Buchhandel in dieser Form hat sich erledigt. Das Buch wird es immer gehen, wobei wir mal die Frage stellen müssen, was überhaupt ein Buch ist? Dieser Frage gehe ich in Kürze auf einem Seminar zum Thema digitalen Buch nach. Anfragen zum Programm gerne an mich.

Felsenfest

Aber ich denke, dass es eine Nische für den Buchhandel gibt. Nicht in der Größenordnung eines Hugendubel, aber ein, zwei Nummern kleiner. Ich habe im niederbayerischen Straubing neulich so eine Variante getroffen, die aktiv auf den Kunden zugehen. Die Buchhandlung Rupprecht in der Stadtmitte von Straubing bietet Events an und verkauft nicht nur Bücher.

Foto 3

So gibt es am 12. April eine musikkabarettistische Krimilesung mit dem Autoren Jörg Maurer. Zum Preis von schlappen 10 Euro kann der Interessierte der Veranstaltung beiwohnen. Er liest dort seinen Alpenkrimi-Roman Felsenfest. Jörg Maurer stammt aus Garmisch-Partenkirchen. Er studierte Germanistik, Anglistik, Theaterwissenschaften und Philosophie und wurde als Autor und Musikkabarettist mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Kabarettpreis der Stadt München (2005), dem Agatha-Christie-Krimi-Preis (2006 und 2007), dem Ernst-Hoferichter-Preis (2012), dem Publikumskrimipreis MIMI (2012 und 2013) und dem Radio-Bremen-Krimipreis 2013.

Das Krimi-Kabarettprogramm von Jörg Maurer ist Kult. Die Buchhandlung ist die Event-Location. Die Schaufenster dienen als Werbefläche für das Buch. Stopper vor der Buchhandlung machen zudem auf die Veranstaltung aufmerksam.

Ich bin mir sicher, dass dies der richtige Weg ist. Der sympathische Jörg Maurer wird an dem Abend nicht nur Lesen und Spielen, sondern auch Autogramme geben. Die Bücher und die Hörbücher zum Autogramm liefert die Buchhandlung Rupprecht. Es wird eine Win-Win-Situation werden. Das Publikum bekommt einen tollen Abend, ein gutes Buch und ein Autogramm, der Fischer-Verlag bekommt Umsätze, die Buchhandlung ist im Gespräch und verkauft Bücher und Autor Jörg Maurer bekommt ein Podium und ein direktes Feedback vom Leser.

Foto 2