Nachdem die Sky-/HBO-Serie Chernobyl bei den 2019 Emmys mit 10 Auszeichnungen und 19 Nominierungen der große Abräumer war, kaufte ich mir die sechs Teile Chernobyl auf Bluray und schaute sie mir gefesselt in einem Rutsch durch. Spannend und erschreckend und eine klare Empfehlung von meiner Seite.
Das Thema Reaktorunfall in der Ukraine hat mich sehr betroffen gemacht, damals und heute. Ich hatte die Vorfälle um Tschernobyl als Jugendlicher hautnah miterlebt, ich spielte draußen als der große Regen kam. Die Angst ging um, obwohl doch laut Politik „zu keiner Zeit die Bevölkerung gefährdet war“. Alles Lüge.
Die Mini-Serie brachte nur die Hilflosigkeit der Sowjets an den Tag. Der große Reformer Michail Gorbatschow reagierte zunächst nach alter sowjetischer Devise: Alles leugnen und klein reden, so wie es Apparatschiks in Diktaturen gerne machen. Es ist im Film nur die Sichtweise der Sowjets dargelegt, vielleicht etwas eindimensional, aber so ist nun mal Hollywood.
Natürlich handelt es sich bei Chernobyl um eine Unterhaltungsserie, da muss schon ein wenig Dramatik rein. Schöpfer war Craig Mazin und Regie führte Johan Renck und entstand Fernsehunterhaltung mit viel Realität und viel Fiktion.
Aber ich wollte mich nicht mit der Serie zufriedengeben und suchte nach mehr Stoff. Dr. Johannes Grotzky, ein Bekannter über all die Jahre, schickte mir sein Buch Tschernobyl: Die Katastrophe samt Widmung. Grotzky war Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks, lange Jahre Moskaukorrespondent und ist heute für mich immer noch der Russland-Experte schlechthin. Ich durfte als junger Journalist den Auslandskorrespondenten Johannes Grotzky bei seiner Arbeit begleiten und habe sehr, sehr viel von ihm gelernt. Vielen Dank dafür. Immer wieder kreuzen sich unsere Wege und so schickte er mir sein Buch Tschernobyl – die Katastrophe.
Dr. Johannes Grotzky in meiner Heimatstadt.
Journalistisches Vorbild: Dr. Johannes Grotzky
Mittlerweile gibt es viel Literatur zum Thema Tschernobyl, aber interessant für mich war, wie ein Journalist hinter dem eisernen Vorhang über den Reaktorunfall berichten konnte. Es gab kein Internet, keine sozialen Netze. Die Kommunikation war streng überwacht. Die Berichte über die Reaktorkatastrophe waren wie die Berichte über einen Krieg. „Die wirkliche Berichterstattung findet erst nach Abschluss des Krieges statt, wenn alle Quellen zugänglich sind und alle Seiten gehört wurden“, so Grotzky. Mich haben die Dokumente der damaligen Zeit besonders interessiert. Grotzky hat viele davon gesammelt: Ticker-Meldungen unterschiedlicher Sichtweisen, Zeitungsausschnitte, Briefe, Fernschreiben und vieles mehr. Russische Quellen werden übersetzt. Grotzky erläutert die Dokumente und setzt sie ins Verhältnis zueinander – und das hat der Journalist gelernt. Dabei fließt viel Hintergrundwissen über die handelnden Personen ein, denn Grotzky ist lange im Nachrichten- und Berichterstatttergeschäftund weiß, über was er spricht. Genau diese Infos haben für mich das Buch Tschernobyl lesenswert gemacht. „Die Zurückhaltung sowjetischer Medien bei Katastrophen im eigenen Land ist typisch. Meist werden nur solche Ereignisse gemeldet wie Erdbeben oder größere Umweltverschmutzungen, die ohnehin durch internationale Messungen erkennbar sind. Dagegen gibt es in der Regel keine Hinweise auf Flugzeug- oder Bahnunglücke“, beschreibt Grotzky die Situation.
Widmung im Buch.
Wie eine Art Tagebuch stellt der Journalist den Informationsfluss dar, der von sowjetischer Seite geliefert wurde. Er zeigt, wie Zug um Zug, Andeutung um Andeutung das Unglück durchsickert, das aus sowjetischer Sicht noch als „lokaler Unfall“ dargestellt wird. Interessant auch die Reaktionen von offizieller sowjetischer Seite auf westliche Berichterstattung. Man sprach vom „Gefühl der Bitterkeit“ beispielsweise von einem sowjetischen Ingenieur. Die westlichen Berichte wurden als „reine Provokation“ bezeichnet. Eine Berichterstattung von westlichen Medien, wie Journalist Johannes Grotzky in der Sowjetunion war zudem stark von offizieller Seite eingeschränkt.
Interessant war auch die Informationspolitik der deutschen Botschaft an die deutschen Landsleute in Moskau, „deutsche Kolonie“ genannt. Grotzky hat die Originaldokumente aufgehoben und abgedruckt. Es dreht sich dabei vor allem, welche Obst- und Fleischprodukte man essen kann und wie hoch die Verstrahlung war. er zeigt, wie Amerikaner und Engländer in Moskau reagierten und welche Maßnahmen sie trafen.
Ich möchte dieses Buch allen Medieninteressierten empfehlen. Es zeigt hervorragend, wie schwierig die Berichterstattung in einer Diktatur ist und wie genau sich man als Journalist an die Faktenlage halten muss. Ich bin wieder Johannes Grotzky dankbar, denn ich habe durch sein Buch Tschernobyl wieder viel gelernt.
Meine Gattin ist ein großer Fan von Alexander von Humboldt und dieser Universalgelehrte ist wirklich ein Genie. Wir schauen immer wieder die Ergebnisse seiner Reisen an und bewundern die Erkenntnisse dieses Mannes. Er brachte von seinen Reisen zahlreiche Skizzen und Zeichnungen von Flora und Fauna mit. Das gefällt mir – und als Filmfan hab ich ähnliches erlebt. Ich habe vor kurzem wieder Bücher zum Ridley Scott Film Alien Covenant zusammengetragen. Darunter auch das Buch Alien Covenant: David’s Drawings. Das 1,9 Kilogramm schwere Buch beinhaltet die kompletten Zeichnungen von David, die zeigen, wie ein Android langsam verrückt wird. Ich habe dieses Buch in London bei Forbidden Planet erstanden.
Im Grunde ist das Buch wie ein wissenschaftliches Nachschlagewerk aufgebaut. Eigentlich befinden sich in dem eleganten Schuber zwei Bücher zum gleichen Thema. Das dünnere ist ein Interview-Sammelband mit den Künstlern Dane Hallett und Matt Hatton, die das Werk von David für den Film geschaffen haben. In den Gesprächen geht es sehr darum, wie die Zusammenarbeit mit Regisseur Ridley Scott war und welche Anforderungen er an die Künstler stellte. Die Zeichnungen wirkten alt, sind aber zumeist digital erstellt. Das Interessante: Obwohl die beiden unterschiedlichen Zeichner an Davids Zeichnungen gearbeitet haben, wirken sie so, als seien sie aus einem Guss. Hier haben die Concept-Artists wirklich Großartiges geleistet. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich gerne so eine signierte Zeichnung von den beiden Künstlern. Sie bekäme einen Ehrenplatz in meiner Sammlung.
Das zweite Buch im Schuber ist das Hauptwerk. Es enthält die Zeichnungen von David, die wir im Film sehen. Huschte die Kamera in Alien Covenant über die Bilder nur hinweg und zeigte uns eine viktorianische Hexenküche, so haben wir nun die Gelegenheit, die feinen Zeichnungen im Detail zu bewundern. Und es ist wirklich eine Abenteuerreise in die verrückte Gedankenwelt von David. Die Zeichnungen, die freilich digital erstellt wurden, zeigen die Feingliedrigkeit, die Details und die Tiefe der von David gesammelten Exponate. Es ist wie das Blättern in einem Anatomieatlas oder in einem Bestimmungsbuch für Pflanzen. Es ist eine Art visueller Führer durch eine unbekannte Welt, in der es immer wieder Neues zu entdecken gilt. Beim Durchblättern des Buches erschaudert es mich immer wieder, denn die Zeichnungen haben eine unglaubliche Tiefe – hier sieht man als Zuschauer, wie wichtig Ridley Scott ein perfektes Setdesign gewesen ist. Es wäre nur schön gewesen, wenn er beim Drehbuch von Alien Covenant auch so eine Tiefe an den Tag gelegt hätte bzw. den Film nachträglich nicht beschnitten hätte. Also klarer Buchtipp für Alien Covenant: David’s Drawings
Mein Buchtipp: The Art and Making of Alien Covenant
Komisch, ein Film, der mir immer wieder im Kopf herumgeht, ist Alien Covenant von Ridley Scott. Es ist der jüngste Ableger der Alien-Reihe aus dem Jahr 2017 und hat damit schon ein paar Tage auf den Buckel. Ich habe mir nach der Bluray nun auch die 4K-Version des Film Alien: Covenant gekauft.
Bei YouTube gibt es Szenen, die nicht im Film verwendet wurden, die die Geschichte noch klarer machen. Die Fortsetzung spielt zehn Jahre nach den Ereignissen in Prometheus. Es ist mir unverständlich, warum Ridley Scott diese Szenen geschnitten hat.
Der Prolog mit David und dem Schöpfer ist schlichtweg genial, mit dem eindrucksvollen Klavierauszug von Wagners Entrance of the Gods into Valhalla und es gibt eine wunderbare Fan-Interpretation dazu auf YouTube, die ich euch nicht vorenthalten will.
Besonders die Eingangsszene des Films und die Entwicklung Davids faszinieren mich. Eigentlich ist Alien Covenant ein zutiefst negativer Film und ich war beim Buch The Art and Making of Alien: Covenant von Simon Ward neugierig, wie auf David eingegangen wird. Das Buch zeigt die üblichen Making of-Bilder und auch zahlreiche Sketches von Raumschiffe, Städten und Waffen. Faszinierend natürlich die Entwicklungsformen des Aliens, die hier klar gezeigt werden. Es ist weniger der Zauber von Giger als vielmehr detailreiche Darstellung eines der schrecklichsten Monster der Filmgeeschichte. Als 3D-Fan sah ich, wie Z-Brush als Gestaltungssoftware wunderbar eingesetzt wurde, um das Alien zu formen. Der Alien-Kopf ziert auch das Cover des Bildbandes.
Aber dieses Mal stand David im Mittelpunkt meines Interesses. Michael Fassbender spielt den Androiden eindrucksvoll in einer Doppelrolle – David und Walter. Leider wird das Ende des Films im Buch nur angedeutet, wenn David die Kinder ins Bett bringt. Schade, ich hätte mehr von Alien und den Kolonisten gesehen, wenn diese Szene ging mir nach meinen Kinobesuch nicht aus dem Kopf.
Und es wird im Buch ein wenig die Zeichnungen Davids angerissen. Über Jahre hinweg studierte er die Körper des Menschen, der Aliens, der Bewohner und der Flora. Es sieht ein wenig aus wie in der Bibliothek von Frankenstein. Das Buch gibt einen kleinen Einblick dieser Welt und bei einem Besuch von Forbidden Planet in London stieß ich auf das Buch mit allen David Zeichnungen. Der Titel Alien Covenant: Davids Drawings und ich musste das schwere Buch sofort kaufen und werde es in den nächsten Tagen besprechen.
Fazit: Also Alien-Fans werden beide Bücher brauchen. Hier das Unboxing der Art of Buches The Art and Making of Alien: Covenant:
Ab und zu treffe ich Menschen, die mich absolut flashen. Sie beeindrucken mich von ihrer Persönlichkeit oder ihrer schöpferischen Kraft. Und so war es auch dieses Mal als ich auf Georg Stefan Troller traf. Troller ist einer der Männer, die mich bewogen, den Beruf des Journalisten zu ergreifen. Jahrelang wollte ich den großen Erzähler Georg Stefan Troller kennenlernen und jetzt ergab sich die Möglichkeit.
Auf Vermittlung von meiner Twitter-Kollegin Catharina Wilhelm besuchte ich eine Lesung des 97jährigen Trollers im jüdischen Gemeindezentrum in München. Er stellte sein neues Buch Liebe, Lust und Abenteuer: 97 Begegnungen meines Lebens vor. 97 Begegnungen weil 97 Jahre. Ich nutzte die Gelegenheit und sprach einfach mein journalistisches Vorbild an. Ein Interview war nicht möglich.
Georg Stefan Troller ist ein Journalist der alten Schule. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war ein hervorragender Fernsehjournalist, Dokumentarfilmer und ein Vorläufer eines Talkmoderators. Er erzählte perfekte Geschichten. Der Österreicher Troller ist Jude und entkam nur knapp den Nationalsozialisten, emigrierte in die USA und berichtete nach dem Krieg aus Paris. 1962 begann er Sendungen seines Pariser Journals. Er porträtierte damalige Prominente in seinen Sendungen. Ich habe noch eine Erstausgabe des Pariser Journals und ließ es mir von Troller signieren. Mir wurde das Buch von Walther von La Roche, dem großen Mann der Ausbildungsredaktion des BR, empfohlen und ich habe das Buch verschlungen. Es sind auf der einen Seite Interviews zu lesen, aber es ist vor allem zu lesen, wie Troller seine Interviews vorbereitete, wie er sie führte und wie er arbeitete.
Jedes Jahr bringt Troller Bücher auf den Markt. Sein neuestes Buch ist Liebe, Lust und Abenteuer: 97 Begegnungen meines Lebens. Entstanden ist eine Mischung aus intimen Interviews, Aphorismen, Anekdoten, Bonmots, Fotografien und Geschichten, die in vielfältiger Form das Kernthema der menschlichen Existenz umkreisen: den Eros, unsere Trieb- und Antriebskraft. Die Liebe in ihrer körperlichen und geistigen Gestalt, der Sprung vom petite mort zu dessen großem Bruder, die latente Gefahr des Lebens und der Liebe selbst: Dies ist der Stoff des ewig alten aber ständig neuen Abenteuers mit seinen 97 Jahren, unwiderstehlich dargeboten von prominenten Protagonisten.
Ich habe mir auf der Veranstaltung neben dem Pariser Journal noch ein anders Buch signieren lassen. Es war Paris geheim – hier beschreibt Troller interessante Orte in Paris abseits der Touristenströme. Im Grunde ist der Pionier Troller ein moderner Reiseblogger. Gerne hätte ich mit ihm ein Interview zum Thema Blogs gemacht, doch leider hat der Verlag das Interview abgelehnt. Schade, denn ich hätte gerne eine Einschätzung von ihm gehabt. Vielen Dank an Ellen Presser vom Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde, die sich redlich bemüht hatte.
Interessant war seine Meinung über die Vergänglichkeit von Büchern. Der Buchautor, der daran zweifelt, ob Buch als Darstellungsform eine Zukunft hat. Damit haben viele Besucher der Lesung sicherlich nicht gerechnet. Schließlich ist das Schlitzohr Georg Stefan Troller ja auch langjähriger Dokumentarfilmer.
Ich habe viele seiner Werke und seiner Interviews in YouTube gefunden und sie wenden sich an eine ganz andere Generation. Es gibt ein tolles Interview mit ihm, dass ich jedem empfehlen möchte.
Troller ist ein genialer Storyteller. Ich hänge an den Lippen bei seinen Erzählungen. Und auch wenn diese Erzählungen schockierend sind. Er berichtete von der Befreiung des KZ Dachau als US-amerikanischer GI und von den Verhören der Bevölkerung.
Er erzählt noch der Nachkriegszeit und von seiner Anfangszeit als Journalist. Er machte seine ersten journalistischen Schritte in München. Berichtete von dem Vorwurf: „Ihr Juden seid am Krieg Schuld“ und wie er die Frauenkirche gerettet hat.
Heute ist der 13. November – heute ist der Tag des Bloggens. So steht es zumindest im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt. Und gerne will ich diesen Feiertag begehen, denn für mich als Blogger gehören Blogs eindeutig zu den modernen Massenmedien und zur Massenkommunikation.
Ich selbst blogge seit Juni 2008 und das nahezu täglich für redaktion42.com. Ich bin hin und wieder als Corporate Blogger für Mittelständler tätig. Ich schule Interessierte zum Thema Blogs. Un ich war Gründungsmitglied und eine zeitlang Vorsitzer des Bloggerclubs und halte es für enorm wichtig, dass Blogger eine Interessenvertretung haben.
Habe ich als Blogger Vorbilder? Klar, denn ich bin gelernter Tageszeitungsjournalist und komme aus der Tradition des journalistischen Bloggens. Viele berühmte Journalisten wären Blogger gewesen, wenn es die Technik früher gegeben hätte: Heinrich Heine, Martin Luther oder auch Spaziergänger Siegfried Sigi Sommer. Sommer war Autor der Blasius-Kolumne. Sie war in meiner Heimatstadt München sehr erfolgreich, sie erschien ununterbrochen fast vierzig Jahre lang in der AZ, die letzte von ungefähr 3500 Kolumnen kam am 2. Januar 1987 heraus. Im Grunde wäre der Sigi ein Blogger gewesen.
Ich gehe immer wieder an einer lebensgroßen Bronzestatue Sommers vorbei, die vom Bildhauer Max Wagner gestaltet wurde. Sie zeigt ihn als Spaziergänger mit einer Zeitung unter dem rechten Arm. Die Statue wurde von der Verlegerfamilie R. S. Schulz gestiftete Standbild gestiftet. Sie steht in der Fußgängerzone am Roseneck in der Rosenstraße beim Apple Store und wurde am 28. Juli 1998 enthüllt.
In wenigen Wochen kommt Star Wars IX in die Kinos und ich hoffe, ich bete, ich flehe, dass es ein guter Film werden wird. Je mehr ich über den achten Teil nachdenke, desto mehr Wut steig in mir auf. Nun, warten wir es ab und bis the Rise of Skywalker im Dezember in die Kinos kommt, schau ich mir das Art of-Book des siebten Teils an.
Ich habe die deutsche Ausgabe des Panini-Buches The Art of Star Wars: Das Erwachen der Macht aus dem Archiv geholt. Normalerweise habe ich ja immer die englischen Bücher, aber hier habe ich zur deutschen Ausgabe gegriffen. Star Wars VII war für mich ein guter Film, ein Wiedersehen mit Freunden, eine Art Klassentreffen. Und so lese ich auch das Art of Buch. Beim Durchblättern war mir klar, welch großartige Saga es in den nächsten Teilen werden könnte und Disney hat es bisher vergeigt.
Als ich den Band zum ersten Mal durchblätterte, erkannte ich Symbole des Nationalsozialismus. Im Buch wird als Vorlage des Kreativen die Olympischen Spiele im Dritten Reich angegeben. Aber wer sich nur ein wenig auskennt, sieht die wirkliche Vorlage: Der Parteitag der Nazis in Nürnberg, gefilmt von Leni Riefenstahl. Die Bilder wirken eindrucksvoll, aber ich weiß nicht, ob es mir gefällt. Das Imperium im Film ist böse, aber ein Vergleich zu den Nationalsozialisten ist dann doch heftig. Dennoch wusste Leni Riefenstahl wie ihre Bilder wirken.
J.J. Abrams sagte neulich in einem Interview, er werde die Ideen von Star Wars VII in Star Wars IX aufnehmen – ggf. meinte er, Star Wars VIII zu überspringen. Egal was es heißt. Für mich bedeutet es, die Konzeptzeichnungen von Star Wars VII genauer anzuschauen. Vielleicht erkenne ich dann im Dezember 2019 beim Kinostart von Skywalker gewisse Parallelen. Im Moment ist es ja nur ein Herumstochern im Nebel.
Ich habe vor Jahren die Zeichnungen von Ralph McQuarrie – Star Wars Art: Ralph McQuarrie erworben und stelle im Vergleich zum vorliegenden Buch fest, welches Genie Ralph McQuarrie wirklich war. Ohne ihn hätte es Lucas und Krieg der Sterne nie gegeben. Bei den neuen Büchern fehlt mir eine gewisse Linie. Die Ideen der Zeichner sind gut, sogar sehr gut, aber die klare Linie vermisse ich, obwohl es einen Supervisor gibt. Regisseur J.J. Abrams gab vor, dass das Design die Story nicht überdecken sollte. Ich finde bei Erwachen der Macht ist dies gelungen, weil es im Grunde ein Familienfest war. Nun Han Solo biss ins Gras, aber die neuen Figuren waren interessant. Teil VIII machte dann alles kaputt.
Vor kurzem fand bei uns in der örtlichen Gemeindebücherei in Maisach im bayerischen Landkreis Fürstenfeld eine humorvolle Lesung statt. Ich mag solche Aktionen, um neue Literatur und neue Leute kennenzulernen. Autor Jan Birkholz hatte seinen Künstlerkumpel Stephan Groß dabei und lasen aus dem Buch „Die Vertriebenen“. Die beiden kennen sich vom Studium aus Berlin und treten immer wieder gemeinsam auf – auch als Musiker.
Das Buch „Die Vertriebenen“ ist noch nicht im Handel erhältlich – wir als Zuhörer waren also eine Art Betatester. Das neue Buch von Jan Birkholz „Der Obermieter“ wurde vergangenes Jahr in Maisach vorgestellt und ist rechtzeitig zur Buchmesse 2019 erschienen.
Ach ja Buchmesse. Ich rechne es dem Autor hoch an, dass er unsere kleine Gemeindebücherei Maisach der großen Frankfurter Buchmesse vorgezogen hat. Erst nach der Lesung in Maisach reiste das Duo nach Frankfurt weiter. Das stellte auch Büchereileiterin Beate Seyschab bei der Vorstellung heraus.
Zur Lesung nahm man mitten in der Bücherei Platz. Links gab es Bücher zur Heimatkunde Fürstenfeldbruck, rechts Literatur zur Pädagogik. Im Hintergrund standen Kochbücher über Saucen, 70 Saucen hatte ich die ganze Zeit im Blick.
Um richtig in Stimmung zu kommen, gab es auch allerhand inspirierende Getränke für die beiden Vortragenden: Eine Flasche Rotkäppchensekt, Augustiner aus dem Glas, mexikanisches Flaschenbier und eine Wasserkaraffe – also gut ausgerüstet für ne Party.
Die gemeinsame Lesung war eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Idee. Jan Birkholz las mit hochgeschobener Brille aus dem Tolino vor, während Stephan Groß vom Papier ablas. Die Geschichte ist ein humorvolles Drama aus dem Pott und durchaus unterhaltsam. Nein, keine große Literatur, aber ein unterhaltsamer Zeitvertreib. Und genau richtig für eine zweistündige Lesung in einer Gemeindebücherei.
Ich habe den Erstlingsroman von Jan Birkholz Deplatziert gelesen, eine wunderbare Studentengeschichte.
Nach der Lesung konnte man die aktuellen Bücher und CDs kaufen und signieren lassen. Ich habe mir vom Duo Jan Birkholz/Stephan Groß die Doppel-CD Das Leck Ferdydurke gekauft. Punk und Dada pur, so wie es sein muss. Hat wirklich Spaß gemacht. Ich habe folgenden Satz über das Werk gelesen, den ich allerdings nicht verstanden habe – klingt aber schon: „DAS LECK ist ein Oxymoron, nicht begreifbar, niemals vorhersehbar, daher unberechenbar und seltsam gefährlich im Sinne einer Rationalisierung des Kompositionsprozesses und der thematischen Verdichtung im Sinne einer Peripherisierung.“
Die nächste Lesung in der Gemeindebücherei Maisach findet am Mittwoch, 6. November 2019, statt. Zu Gast ist um 20 Uhr der Journalist Tim Pröse mit seinem Buch „Samstagabendhelden“. Wenn ich Zeit habe, schaue ich vorbei.
Der Wahlkampf ums Rathaus, wie hier Landshut, ist voll entbrannt.
Im Moment schule ich parteiübergreifend angehende und amtierende Kommunalpolitiker im Umgang mit Social Media. Im kommenden Jahr ist im März in Bayern Kommunalwahl und ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich ehrenamtlich für ihre Gemeinde, Stadt, Kommune oder Kreis zur Verfügung stellen und Demokratie leben.
Der Dialog mit den Bürgern vor Ort darf aber nicht nur Face to Face ablaufen, sondern muss auch auf den digitalen Plattformen geschehen. Das ist anders als in der klassischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Im Web 2.0 gibt es klare Spielregeln. Wer nur sendet, der wird nicht gehört. Kommunikation und Dialog sind angesagt – das kostet Zeit und Mühe.
Landshut ist eine eindrucksvolle Stadt, leidet aber unter dem Verkehrskollaps.
Dies wurde mir auch wieder von Kommunalpolitikern bei der Herbstreise des Münchner Presseclubs bestätigt. In Landshut trafen wir auf den zweiten Bürgermeister der Stadt Landshut Thomas Keyßner (die Grünen) und in Passau stießen wir spontan am Marktplatz auf den CSU-Bürgermeisterkandidaten Georg Steiner, der hauptamtlich Tourismusdirektor in Linz ist.
Hier die Videos mit den Gesprächen mit den Politikern.
Interessant ist, dass parteipolitische Diskussionen bei der Kommunalwahl weniger eine Rolle spielen als vielmehr das persönliche Auftreten. Kommunalwahl ist für mich eine Personenwahl, weniger eine Parteienwahl. Natürlich hat jede Kommune seine individuellen Herausforderungen. Allerdings stelle ich fest, dass gerade in den Zentren wie Landshut oder Passau die Verkehrsdiskussion eine große Rolle spielt. Die historischen Städte können den anfallenden Pkw-Verkehr nicht mehr bewältigen und die Infrastruktur ist nicht mitgemachten. Es kommt oftmals zum Kollaps. Zudem ist am Horizont die Transformation der Wirtschaft zu sehen und damit der Verlust oder die Umwandlung von Arbeitsplätzen.
Daher ist es meiner Meinung nach wichtig, den Dialog mit den Wählerinnen und Wählern in allen Formen zu suchen und sich wirklich mit ihm auszutauschen. Es gilt auch neue Wege des Dialogs zu suchen und auszuprobieren. Hier können soziale Medien eine große Rolle spielen. Twitter, Facebook, Instagram und YouTube dürfen nicht den Extremisten überlassen werden, sondern Volksparteien müssen sich endlich auch für diese Plattformen fit machen.
Ach ja, ich stehe gerne für Schulungen zur Verfügung (Werbeblock Ende)
Der Vorsitzende des Münchner PresseClubs Peter Schmalz /r.) fragt nach.
Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband ist immer für publikumswirksame Aktionen zu haben. Er setzt sich öffentlichtkeitswirksam für seine Mitgliedsbetriebe ein und haut gerne auf die Pauke. Im Moment läuft die bundesweite Aktion „Gleiche Steuern für Essen“, bei denen nicht nur Mitgliedsbetriebe mitmachen, sondern sich auch Politiker vor den Karren spannen lassen. Chapeau an die DEHOGA.
Bei meinem Aufenthalt bei der Herbstreise des Münchner Presseclubs nach Ostbayern machten wir auch in Passau Station und nahmen unser Abendessen in der Heilig Geist Stiftschenke ein. 1969 wurde auf Initiative des Pächter-Ehepaars Leni und Fritz Mayer in zwei Kellergewölben des ehemaligen Franziskanerklosters ein Weinkeller ausgebaut. Dort nahmen wir Platz, genossen das Essen. Ich hatte Schnecken und Wiener Schnitzel – interessante Kombi, ich weiß.
Irgendwann nach ein paar Bier musste ich mal austreten. Wir wissen ja, das Bier ist nur gemietet nicht gekauft. Also besuchte ich die Herrentoilette auf. Dort begegnete ist der DEHOGA-Aktion in einer ungewöhnlichen Weise. Über den Urinalen fand sich eine ausgedruckte E-Mail, die zum Mitmachen der DEHOA-Aktion aufrief. Hier handelte es sich um den Aufruf zu einer Online-Petition an den Deutschen Bundestag. Es wurde die Aktion erklärt, Abreißzettel mit der URL angehängt. Zudem gab es einen QR-Code, den man mit dem Smartphone scannen kann. Das führte in meinen Fall allerdings zu Missverständnissen. Als ich mein Smartphone zücken und den QR-Code testen wollte, reagierten meine Nachbarn an ihren Urinalen etwas nervös. Sie dachten wohl, ich wollte ihr bestes Stück fotografieren. Nein liebe Kollegen, kein Interesse.
Als nach dem Abendessen die Heilig Geist Stiftschenke verließ, sah ich in der Lobby zahlreiche DEHOGA-Flyer, die für die Mehrwertsteueraktion warben. Zudem lang eine Unterschriftenliste für die Offline-Gäste der Gastwirtschaft aus. Datenschutz hin oder her – die Adressen waren offen einsehbar – aber das Engagement ist bemerkenswert.
Ich würde mich freuen, wenn andere Verbandsorganisationen auf ihre Interesse auch so intensiv aufmerksam machen und die Mitglieder so engagiert mitziehen. Nur schimpfen über Missstände reicht nicht, Aktion und (ehrenamtliches) Engagement ist gefragt.
Bis zum 8. März 2020 läuft im Haus der bayerischen Geschichte die Landesausstellung „100 SCHÄTZE AUS 1000 JAHREN“. Ich habe mir sie auf Einladung des Presseclubs München auf dessen Herbstreise in Regensburg angesehen und werde Zug um Zug ein paar Exponate vorstellen, die mich beeindruckt haben.
Die Idee der Landesausstellung gefällt mir: Einhundert spannende und hochrangige Exponate von Museen aus Bayern, Deutschland und Europa beleuchten in der Bayerischen Landesausstellung über ein Jahrtausend bayerische Geschichte zwischen dem 6. Jahrhundert und 1800. Bei 100 Exemplaren ist natürlich Streit vorprogrammiert, was in die Ausstellung kommt und was nicht.
Aufgenommen wurde ein Buch, das ich sehr gerne lese und mit dem ich mich lange Zeit damit beschäftigt habe: Das Nibelungenlied, das wohl um 1200 in Passau entstanden ist. Ich mag den Stoff in seiner vielfältigen Form: Ich verehre den Filmzweiteiler von Fritz Lang Die Nibelungen und Kriemhilds Rache, ich mag die Musik von Rolf Wilhelm zur Nachkriegsverfilmung und natürlich mag ich das Buch selbst. Im Haus der Bayerischen Geschichte habe ich endlich eine Originalausgabe dieses Klassikers vor mir. Hinter Glas kann ich Ausschnitte aus der Geschichte von Siegfried, Hagen, Kriemhild und dem Drachen lesen. Ein Moment, der mich wirklich elektrisiert hat. Das Nibelungenlied ist in elf vollständigen Handschriften überliefert. Vor mir liegt der „Prunner Codex“, der im 16. Jahrhundert in Schloss Prunn an der Altmühl entdeckt wurde. Die Handschrift ist mit farbigen Initialen gestaltet – ein absoluter optischer Schatz.
Klassiker Nibelungenlied
Das Nibelungenlied ist für mich ein Klassiker schlechthin. Der Verfasser ist unbekannt. Es entstand wohl um das Jahr 1200 aus dem Umfeld des Passauer Bischofs Wolfger von Erla. Der Text ist ein wahres Heldenepos und ich las es als Jugendlicher zum ersten Mal. Wahrscheinlich hat sich der Autor auf mündlichen Überlieferungen gestützt und die Ereignisse der Zeit aufgearbeitet. Dazu gehört in erster Linie die Völkerwanderung oder die Niederlage von Burgund durch die Römer mithilfe hunnischer Truppen um das Jahr 456.
Der Inhalt des Nibelungenliedes ist hinlänglich bekannt. Der Held Siegfried und Sein König Gunther, der böse Hagen, die rachsüchtige Kriemhild, die mithilfe der Hunnen von Etzel das Nibelungengeschlecht auslöscht. Bei der Reise der Nibelungen zur Hochzeit von Etzel und Kriemhild kommt die Reisegesellschaft durch das heutige Ostbayern entlang der Donau und die Gegend von Passau wird genau beschrieben. Vielleicht wäre eine Nibelungenreise mal ein interessantes Literaturreiseprogramm. Auf jeden Fall war das Buch mein erstes Highlight in der diesjährigen bayerischen Landesausstellung in Regensburg.