Der Film Harold & Maude ist kein gewöhnliches Kinoerlebnis – er ist ein poetischer Befreiungsschlag für Herz und Geist. Zum Tode von Bud Cort veranstaltete ich im Scala-Fürstenfeldbruck eine Sondermatinee am Samstag, 21. Februar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Regisseur Hal Ashby erschafft hier eine Welt, in der Morbidität und Lebenslust ein unwahrscheinliches, aber vollkommen harmonisches Paar bilden. Was zunächst wie eine schräge schwarze Komödie beginnt – die Geschichte eines todesfaszinierten jungen Mannes und einer lebenshungrigen 79-jährigen Frau – entfaltet sich schnell zu einer tief berührenden Feier des Daseins selbst.
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Die Magie des Films liegt in seiner scheinbaren Leichtigkeit. Mit trockenem Humor, surrealen Einfällen und einer zärtlichen Menschenliebe erzählt er von Freiheit, Individualität und dem Mut, gegen gesellschaftliche Erwartungen zu leben. Ruth Gordon spielt Maude mit einer warmen, unbändigen Lebensenergie, die jede Szene zum Leuchten bringt, während Bud Cort als Harold eine wunderbar skurrile Mischung aus Melancholie und Staunen verkörpert. Ihre gemeinsame Chemie wirkt nicht konstruiert, sondern wie ein kleines Wunder – als hätte das Kino selbst beschlossen, zwei Seelen füreinander zu erfinden.
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Besonders bezaubernd ist die Atmosphäre: getragen von der Musik von Cat Stevens, durchzogen von leisen philosophischen Gedanken und gespickt mit Bildern, die zugleich absurd und zutiefst menschlich sind. Harold & Maude ist ein Film, der nicht nur unterhält, sondern verwandelt. Wer ihn sieht, verlässt ihn selten unverändert – meist mit einem Lächeln, einem Kloß im Hals und dem leisen Wunsch, das Leben ein bisschen mutiger, freier und liebevoller zu leben. Hier ein Nachruf von mir zum Tode von Burt Cox. Karten gibt es hier. Powered by filmreport.
Die Facebook-Seite „Filmreport“, die seit dem 17. November 2015 besteht, geht in neue redaktionelle Hände über. Künftig liegt die Verantwortung bei dem Journalisten Matthias J. Lange, der die Seite weiterführen und mit neuen inhaltlichen Konzepten ausbauen wird.
Gegründet wurde „Filmreport“ von Markus Elfert, der die Seite über viele Jahre hinweg mit großem persönlichem Engagement aufgebaut, kontinuierlich gepflegt und erfolgreich etabliert hat. Mit seinem Einsatz, seiner Leidenschaft für Film und seinem Gespür für Themen hat er den „Filmreport“ zu einer festen Größe für Filminteressierte gemacht. „Markus Elfert ist eine feste Größe in der Filmberichterstattung und es war eine große Ehre mit ihm über Jahre hinweg zusammenzuarbeiten“, erklärt Matthias J. Lange. Er führe die Seite seit über vier Monaten kommissarisch.
Dem Gründer Markus Elfert gilt ein besonderer und herzlicher Dank. Sein unermüdlicher Einsatz, seine Kreativität und seine Begeisterung haben die Seite geprägt und eine lebendige Community entstehen lassen. Ohne seine langjährige Arbeit, seine Ausdauer und seine persönliche Handschrift wäre „Filmreport“ nicht das, was es heute ist. Für dieses außergewöhnliche Engagement gebührt ihm große Anerkennung und aufrichtiger Dank.
Mit Matthias J. Lange von redaktion42 übernimmt nun ein erfahrener Journalist die redaktionelle Leitung. Er wird die erfolgreiche Arbeit fortsetzen und „Filmreport“ zugleich mit neuen Ideen und Konzepten weiterentwickeln. Ziel ist es, die inhaltliche Vielfalt auszubauen und die Seite als Plattform für fundierte Filmberichterstattung weiter zu stärken.
„Erbarmungslos“ steht wie kaum ein anderer Western für die späte Selbstabrechnung eines Genres mit seinen eigenen Mythen. Clint Eastwood erzählt nicht mehr vom heldenhaften Revolvermann, sondern vom gebrochenen, alternden Killer, der erkennt, dass seine eigene Legende auf Blut, Alkohol und Zufall gebaut ist. Ich besprach diesen Film in meiner Western-Matinee im Scala. Die nächste Western-Matinee ist am Sonntag, 22. Februar der Film „Die glorreichen Sieben“. Karten gibt es hier.
Der Film kehrt die klassische Moralordnung des Westerns um: Der Mann des Gesetzes, Sheriff Little Bill, verkörpert nicht Gerechtigkeit, sondern Eitelkeit, Grausamkeit und die Gewalt des Staates, der sich selbst nicht reflektiert. Dem gegenüber stehen ausgerechnet Prostituierte als moralischer Motor der Handlung, die aus einer ökonomischen Kränkung – der Verstümmelung einer Kollegin ohne echte Strafe – eine eigene Form von Gerechtigkeit organisieren und damit das Gewaltmonopol der Männer infrage stellen. Schon darin steckt eine bittere Diagnose: Recht ist käuflich, Würde nicht. Hier mein Referat:
Zugleich ist „Erbarmungslos“ ein Film über das Scheitern von Erlösung. William Munny hat dem Alkohol abgeschworen, versucht sich als jämmerlicher Schweinefarmer, als Witwer, der den Kindern ein anderer Mensch sein will – und doch reicht ein Bündel Geld, um ihn zurück in die Hölle zu ziehen. Jeder Schritt zurück zur Waffe ist von Unbeholfenheit, körperlicher Schwäche, Angst und schlechtem Gewissen geprägt; Eastwood inszeniert das Töten als mühsame, hässliche Arbeit, ohne Spur von Glanz oder heroischer Choreografie. Dass Munny am Ende wieder zur eiskalten Tötungsmaschine wird, macht ihn nicht zum Helden, sondern zum Beweis dafür, dass manche Vergangenheiten sich nicht abstreifen lassen.
Von großer Bedeutung ist auch, wie der Film mit dem Mythos des Revolverhelden umgeht. In der Figur des schreibenden Biografen, der aus banalen, chaotischen Schießereien glatte Heldengeschichten formt, zeigt „Erbarmungslos“, wie Legenden gemacht werden: durch Auslassungen, Übertreibungen, den Wunsch nach klaren Gut-und-Böse-Erzählungen. Die Realität, die der Film zeigt, ist dagegen schmutzig, feige, zufällig: Männer, die vor Angst zittern, schlecht zielen, in den Rücken schießen und sich selbst belügen, um mit dem, was sie getan haben, leben zu können. Der Western erinnert sich so an seine eigene Funktion als nationaler Gründungsmythos – und zerlegt sie.
Damit wird „Erbarmungslos“ zu einem Spätwerk, das zugleich Testament und Widerruf ist. Eastwood, der jahrzehntelang das Gesicht des stoischen, unfehlbaren Schützen war, hält diesem Bild gewissermaßen die Waffe an den Kopf und zeigt, was hinter der Pose liegt: Schuld, Reue, Angst vor dem Sterben, aber auch die verführerische Einfachheit von Gewalt, wenn alle anderen Ordnungen versagen. In einer Zeit, in der der klassische Western bereits aus dem Mainstream verschwunden war, formuliert „Erbarmungslos“ so etwas wie den letzten, ernüchterten Satz des Genres – ein düsteres Resümee, das sowohl die Faszination wie die Lüge des Western-Mythos sichtbar macht. Die nächste Western-Matinee ist am Sonntag, 22. Februar der Film „Die glorreichen Sieben“. Karten gibt es hier.
„Cold Storage“ ist ein herrlich altmodischer Genre-Spaß: ein Sci-Fi-Horrorfilm über einen mutierenden Pilz, der in einem Selfstorage-Komplex ausbricht – und dabei erstaunlich leichtfüßig, witzig und ansteckend kurzweilig bleibt. Für mich eine Version von Andromeda tödlicher Staub aus dem All auf Ecstasy, ohne natürlich die Tiefe des Klassikers zu erreichen.
Ausgangspunkt ist ein scheinbar banaler Nachtschicht-Job in einem Lagerhaus, das praktischerweise auf einem ehemaligen US-Militärstützpunkt errichtet wurde. Tief darunter lagert ein hochgefährlicher, mutierender Pilz, der einst als zu riskant für die Vernichtung eingestuft und einfach „eingefroren“ wurde./ Er kam mit dem Skylab auf die Erde und wütete in Australien. Als steigende Temperaturen das Sicherheitssystem aus dem Gleichgewicht bringen, entweicht der Erreger, breitet sich rasend schnell aus und verwandelt die Nacht in eine groteske Überlebensfarce.
Dabei findet der Film eine reizvolle Balance: Er ist blutig und „goopy“, scheut sich nicht vor Körperhorror à la Cronenberg, spielt das Szenario aber mit einem deutlich spürbaren Augenzwinkern als Horror-Komödie durch. Das Resultat ist weniger deprimierender Pandemiethriller als vielmehr ein spaßiges Creature-Feature, das auf gemeinsame Reaktionen im Kinosaal zielt – Schrecken, Gelächter, angewidertes Keuchen. Filmfreunde finden immer wieder kleine Anspielungen auf Genrebeiträge wie Dawn of the Dead oder Return of the Living Dead.
Im Zentrum stehen Travis „Teacake“ Meacham (Joe Keery) und Naomi Williams (Georgina Campbell), zwei eher niedere Angestellte der Anlage, deren Nacht plötzlich zur Apokalypse auf Probe wird. Keery legt seinen Teacake als charmanten Großmaul-Protagonisten an, dessen vorlaute Energie den Horror rhythmisiert und den Humor glaubwürdig aus der Figur heraus entstehen lässt. Campbell kontert ihn mit einer geerdeten, klugen Naomi, die als moralischer und emotionaler Ruhepol dient und der eskalierenden Absurdität ein menschliches Gewicht verleiht.
Liam Neeson stößt als Robert Quinn dazu, ein in den Ruhestand gedrängter Bioterror-Experte mit Rückenschmerzen, der die Vorgeschichte des Pilzes kennt und als gezeichnete, aber handfeste Autoritätsfigur den Plot in Richtung größerer Bedrohung öffnet. Um sie herum versammelt der Film ein Ensemble aus starken Nebendarstellerinnen und -darstellern – darunter Lesley Manville, Sosie Bacon, Vanessa Redgrave und weitere –, das jedem Auftritt einen Hauch von Charakter und Eigenheit gibt, selbst wenn die Screentime begrenzt ist.
Regisseur Jonny Campbell erzählt eine bewusst einfache, geradlinige Geschichte, die eher auf Tempo und Setpieces als auf komplexe Verschwörungsplots setzt. Die klaustrophobische Architektur des Selfstorage-Komplexes – Gänge, Türen, unterirdische Ebenen – wird zu einer Art Horrorspielplatz, in dem sich Suspense-Momente, slapstickhafte Eskalationen und drastische Schockbilder abwechseln. Dass der Film seine eigene Künstlichkeit kennt und lustvoll überzeichnet, macht ihn gerade reizvoll: Er will nie das ultimative Statement zum Thema Pandemie sein, sondern eine „wildeste Nachtschicht aller Zeiten“, durchgespielt bis zur Extinktion als Party-Gag.
Die Effekte setzen stark auf schleimige, mutierende Pilz-Bilder und groteske Infektionen, wobei digitale Effekte manchmal dominieren, wo man sich praktisches Make-up wünschen würde. Dennoch entfaltet das visuelle Design genug Einfälle, um die Kreatur(en) über den ganzen Film hinweg interessant zu halten, inklusive immer neuer mutierter Stadien und räumlich clever platzierten Infektionsmomenten. Musikalisch und rhythmisch schlägt der Film oft den Ton eines „Date-Night-Horrors“ an – zugänglich, mit klar gesetzten Spannungsbögen, aber immer bereit, einen Gag oder eine überraschende Reaktion einzustreuen.
„Cold Storage“ versteht sich als nostalgischer Rückgriff auf eine Ära von genrehybriden B-Movies, in denen Einfallsreichtum, Figurenchemie und ein gewisser anarchischer Humor wichtiger waren als Logik oder thematische Tiefenschärfe. Kollegen nach der Pressevorführung betonten, dass der Film zwar nicht alle Erwartungen an den großen Namen vor und hinter der Kamera erfüllt, aber genug Charme, Ekel, Spannung und Leichtigkeit mitbringt, um „lohnenswert“ zu sein. Man könnte sagen: Er erfindet das Rad nicht neu, er sprengt es, lässt es mutieren und schleudert es dem Publikum vergnügt ins Gesicht – und genau in dieser Überdrehtheit liegt seine Stärke.
Dass der Film klar als gemeinschaftliches Erlebnis gedacht ist, spürt man in der Art, wie er auf kollektive Reaktionen hin inszeniert ist: Die besten Momente leben davon, dass man sie nicht allein, sondern mit einem Publikum erlebt. „Cold Storage“ ist damit weniger ein filigranes Horror-Kleinod als ein robustes, liebevoll gröliges Genre-Vergnügen – perfekt für eine laute Vorstellung, die man mit einem Grinsen verlässt und nicht weiter darüber nachdenkt.
„Bootlace Cinema: Collecting Horror, Science Fiction & Exploitation Movies on Super 8!“ ist ein leidenschaftliches, bisweilen obsessives Liebhaberbuch über eine fast versunkene Übergangsform der Kinokultur – die gekürzte Super‑8‑Fassung, die aus dem Wohnzimmer meiner Eltern einen kleinen Privatsaale machte. Mark Williams gelingt es dabei, ein hochspezialisiertes Thema so mit Erinnerungsenergie aufzuladen, dass das Buch weit über den engeren Kreis der Sammler hinaus als kulturhistorische Miniatur des frühen Heimkinos lesbar wird.
Williams spannt seinen Text aus der Perspektive eines Insiders auf, der selbst jahrzehntelang mit Filmkopien, Projektoren und Fan‑Kreisen zu tun hatte, und genau diese gelebte Erfahrung ist die verborgene Dramaturgie des Buches. Er erzählt von der Zeit „vor VHS, vor Betamax, vor Laserdisc“, als Super 8 die erste ernstzunehmende Möglichkeit war, Horror‑, Science‑Fiction‑ und Exploitation‑Filme aus dem Bannraum des Kinos zu lösen und in den privaten, oft improvisierten Vorführraum zu holen. So entsteht ein Strom aus Anekdoten, Hintergrundwissen und konkreten Editionen, der eher einem projizierten Erinnerungsfilm gleicht als einer nüchternen Technik‑Chronik.
Formal ist „Bootlace Cinema“ ein Hybrid aus Nachschlagewerk, Bildband und persönlicher Erinnerungsschrift. Auf der einen Seite strukturiert Williams sein Material mit enzyklopädischem Ehrgeiz: Er verzeichnet die verschiedenen Firmen, die in Großbritannien und anderswo Super‑8‑Schnittfassungen auf den Markt brachten, gibt technische Daten, Release‑Informationen und knappe Wertungen zu unzähligen Titeln – von „Alien“ und „The Incredible Melting Man“ bis hin zu erotischen oder randständigen Exploitation‑Sneakern, die heute fast nur noch in Kisten auf Sammlerbörsen auftauchen. Auf der anderen Seite erlaubt er seinem Text immer wieder, ins Essayistische und Nostalgische auszubrechen, wenn er die eigenartige Mischung aus Vorfreude, Frust und Kino‑Magie beschreibt, die mit diesen manchmal arg verstümmelten 200‑ oder 400‑Fuß‑Rollen verbunden war.
Das Herzstück des Buches ist freilich nicht der bloß registrierende Text, sondern die visuelle Flut: Williams präsentiert eine „Explosion“ an Cover‑, Sleeve‑ und Box‑Art – rare, grellfarbige, oft handgezeichnete Motive, die einst in Fachmagazinen und Versandkatalogen um die Aufmerksamkeit der Fans buhlten. Diese grafische Geschichte der „package movies“ macht deutlich, wie stark Marketing‑Fantasien und filmische Imagination ineinandergriffen: Plakative Monster, suggestive Taglines, Versprechen von „uncut“, „X‑Rated“ oder „Super Thrill Version“ – all das verdichtet sich zu einer Bildchronik der analogen Begierde. Die Reproduktion dieser Motive verleiht dem Buch den Charakter eines Archivs der kollektiven Genre‑Träume, das sich zugleich wie ein eigenes, nie gedrehtes Exploitation‑Epos blättert.
Inhaltlich konzentriert sich Williams auf Horror, Science‑Fiction und Exploitation – also genau jene Bereiche, in denen Verdichtung und Fragmentierung dem Stoff keineswegs schaden müssen. Die gekürzten Fassungen, die meist auf ein Viertel der Laufzeit zusammenschrumpften, sind in seiner Lesart nicht bloß kastrierte Versionen der Originale, sondern eigentümliche Remix‑Artefakte, in denen Dramaturgien verschoben, Gewaltspitzen betont oder romantische Subplots komplett amputiert werden. Das Buch macht sichtbar, wie diese „Bootlace Cinemas“ – der Name spielt auf das improvisierte Heimkino mit Billig‑Projektor, Leinwand und Kabelsalat an – zugleich Verlängerung und Verfremdung des offiziellen Kinobetriebs waren: halb passioniertes Fandom, halb graue Zone der Rechte‑ und Schnittpolitiken.
Spannend ist, wie stark sich Williams’ Super‑8‑Universum mit anderen Phasen der Heimkino‑Geschichte spiegelt. Wenn Rezensentinnen Parallelen zum frühen DVD‑Import ziehen – als US‑Discs teils lange vor deutschen Kinostarts verfügbar waren, mit zusätzlichen Szenen oder härteren Fassungen – dann gewinnt „Bootlace Cinema“ eine fast medienarchäologische Dimension: Es erzählt von einer wiederkehrenden Dynamik, in der die Technik den Fan temporär zum privilegierten Zuschauer macht, der „seinen“ Film exklusiv besitzt, wenn auch nur in fragmentierter Form. Gerade in diesem Vergleich wird spürbar, dass es Williams nicht um nostalgische Verklärung, sondern um das genaue Hinschauen auf ökonomische, technische und kulturelle Bedingungen einer Sammler‑Subkultur geht.
Die Sprache des Buches ist dabei bewusst unprätentiös, manchmal geradezu plaudernd. Kritische Stimmen bemängeln, dass dem Text ein strengeres Lektorat gutgetan hätte – kleinere Fehler und redaktionelle Ungenauigkeiten ziehen sich durch das Buch und können beim genauer lesenden Publikum irritieren. Gleichzeitig liegt gerade in dieser leichten Unwucht eine gewisse Authentizität: „Bootlace Cinema“ liest sich wie das Produkt eines Autors, der lieber eine weitere Seite mit Cover‑Art oder Editionstabellen füllt, als den eigenen Stil glattzubügeln. Für eine Szene, die selbst von Do‑it‑yourself‑Mentalität, Fanzines und Kleinauflagen geprägt ist, wirkt diese Rauheit fast folgerichtig.
Als Referenzwerk für Sammler erfüllt der Band seinen Zweck mit überraschender Souveränität. Die Vielzahl an Titelaufzählungen, Abbildungen und Hintergrundinfos macht das Buch in Fachkreisen zu einem bereits hoch geschätzten „must have“, nicht zuletzt, weil es bislang kaum vergleichbare Publikationen gibt, die sich so konzentriert mit diesem Segment der Super‑8‑Geschichte beschäftigen. Zugleich ist „Bootlace Cinema“ durch seine Struktur eher zum Blättern und gezielten Nachschlagen als zum linearen Lesen geeignet – es lädt ein, sich fallweise an einem bestimmten Studio, einer Reihe oder einem Kulttitel entlangzuhangeln, statt von vorne bis hinten durchmarschiert zu werden.
Für ein breiteres, vielleicht eher cinephil geprägtes Publikum ohne spezifische Super‑8‑Erfahrung bietet das Buch vor allem einen emotionalen Zugang zu einer beinahe vergessenen Rezeptionsform. Williams’ Begeisterung für die Projektion im abgedunkelten Schlafzimmer, für das Rattern des Projektors und das leicht flackernde Bild, das Monster, Raumschiffe und Schmuddelkinos im Miniaturformat heraufbeschwört, macht die Lektüre ansteckend – gerade weil diese Praxis heute weitgehend von Streaming‑Flatrates und lückenlosen 4K‑Remasters überformt wurde. Wer sich für Medien‑ und Kinogeschichte interessiert, liest „Bootlace Cinema“ somit auch als melancholische Erinnerung an eine Zeit, in der der Besitz eines 15‑Minuten‑Ausschnitts von „Alien“ bereits wie ein unerhörtes Privileg wirkte.
Kritisch lässt sich anmerken, dass die starke Genre‑Fokussierung und der britisch‑zentrierte Blick den Horizont des Buches begrenzen. Andere Einsatzfelder von Super 8 – etwa Amateurfilme, politischer Aktivismus oder experimentelles Kino – tauchen höchstens am Rand auf, obwohl sie für eine umfassende Geschichte des Formats wichtig wären. Doch „Bootlace Cinema“ erhebt diesen Anspruch ausdrücklich nicht: Es will die Geschichte der „package movies“ erzählen, jener käuflichen Verdichtungen des Kinofilms, die an der Schnittstelle zwischen Commerce, Fan‑Kultur und privater Filmarchäologie siedeln, und genau das leistet es mit großer Intensität.
In der Summe steht Mark Williams’ Buch als eigenwilliges, hochgradig subjektives Standardwerk da: ein liebevoll gestalteter Katalog der Obsession, der Super 8 nicht museal konserviert, sondern als gelebte, bis heute nachwirkende Praxis begreifbar macht. Wer sich in der Geschichte des Heimkinos, der Fan‑Kulturen und der Genre‑Filmästhetik bewegt, findet hier einen Fundus, der theoretische Fragen anregt, ohne je den Charakter einer persönlichen Liebeserklärung zu verlieren. „Bootlace Cinema“ ist damit weniger bloßes Sachbuch als eine Art Projektionsfläche für die Frage, was vom Kino bleibt, wenn die Leinwand ins Wohnzimmer schrumpft – und wie stark selbst ein 200‑Fuß‑Streifen noch in der Lage ist, imaginäre Räume zu öffnen.
Ich bin auf meinem Super 8-Tripp. Und ich habe einen meiner Lieblingsfilme Nosferatu von 1921 auf diesem wunderbaren Trägermedium.
Revue nahm die Träume der Kinozeit mit nach Hause, auf ratternde Projektoren und flackernde Leinwände im Wohnzimmer, und machte aus großen Stoffen kleine, greifbare Schätze für Sammler und Filmverliebte. In dieser Welt entstand auch die stark gekürzte Super‑8‑Fassung von „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“, die Anfang/Mitte der 1970er Jahre als schwarzweiße Stummfassung mit rund 66 Metern Länge in Deutschland erschien und als erster Titel die Reihe „Graf Draculas Gruselkabinett“ beim Label Revue eröffnete. Wo Murnaus Original von 1922 voller Schatten, Stimmungen und langsamer, unheilvoller Bilder ist, verdichtet die Super‑8‑Version das Grauen auf wenige Minuten – wie ein destillierter Alptraum, der nur die wichtigsten Szenen bewahrt und sie in ein neues, fast intimes Format überführt.
Die Schachteln dieser Reihe, beworben unter dem Namen Revue (Deutschland), wirkten wie Eintrittskarten in ein eigenes, kleines Parallelkino: Cover, Titel und Reihenname versprachen eine ganze Galerie des Schreckens, in der Nosferatu Seite an Seite mit anderen Monstern und Kreaturen stand. „Graf Draculas Gruselkabinett“ war weniger bloß eine Produktlinie als vielmehr ein Versprechen – dass man für ein paar Minuten im ratternden Lichtstrahl des Projektors den Alltag hinter sich lassen und in eine Welt aus Fledermäusen, Spukschlössern und fremden Welten eintauchen konnte.
Besonders reizvoll war die Art, wie Revue seine Titel kombinierte: Der gekürzte „Nosferatu“ wurde im Handel gemeinsam mit Filmen wie „Godzilla on Monster Island“ angeboten.
Wer eine solche Revue‑Fassung von „Nosferatu“ in Händen hielt, hielt nicht nur eine gekürzte Version eines Filmklassikers, sondern ein Stück gelebter Kinogeschichte fest – ein Relikt aus einer Zeit, in der man Filme nicht streamte, sondern sie als fragile Filmrollen besaß, sie vorsichtig einfädelte, den Raum abdunkelte und darauf wartete, dass der erste Lichtkegel die Leinwand traf. Jede Vorführung war ein kleines Ritual: das Klicken des Schalters, das langsam steigende Surren, die ersten flackernden Bilder des Vampirs mit seinen langen Fingern und dem gespenstischen Schatten, der sich über die Wand schiebt. In diesen wenigen, zusammengedampften Minuten lebten die Figuren weiter – und noch heute ist jede dieser Rollen ein stiller Zeuge dafür, wie groß die Sehnsucht der Menschen war, sich das Kino in die eigenen vier Wände zu holen.
Sie leben (They Live, 1988) ist mehr als nur ein Science-Fiction-Film – es ist ein bissiger, hochaktueller Kultklassiker von Horror- und Action-Legende John Carpenter. Ich bespreche und zeige den Klassiker in meiner phantastischen Matinee am Sonntag, 1. Februar im Scala Kino Fürstenfeldbrzck. Karten gibt es hier.
Mit scharfem Humor, ikonischen Bildern und einer unvergesslichen Prämisse entlarvt der Film auf provokante Weise die versteckten Mechanismen von Macht, Konsum und Manipulation.
Als der Wanderarbeiter Nada (gespielt von Wrestling-Ikone Roddy Piper) eine mysteriöse Sonnenbrille findet, sieht er plötzlich die Welt, wie sie wirklich ist: Hinter Werbetafeln, Medienbotschaften und scheinbar normalen Menschen verbergen sich außerirdische Strippenzieher, die die Menschheit kontrollieren. Die verborgenen Befehle sind unmissverständlich: GEHORCHE. KONSUMIERE. SCHLAFE.
Mit seinem markanten Synthesizer-Score, der legendären Prügelszene und seiner kompromisslosen Gesellschaftskritik ist Sie leben heute aktueller denn je. Der Film verbindet knallharte Action mit subversiver Satire und ist ein Muss für Fans von Science-Fiction, Horror und politischem Kino. Setz die Brille auf. Sieh die Wahrheit. Sie leben. Karten gibt es hier
„Melania“ ist kein Film, der leise in den Kinos verschwindet – er steht da wie ein gleißender Scheinwerfer, den niemand bestellt hat, und beleuchtet gnadenlos eine Präsidentschaft, die längst aus den Fugen geraten ist. Drinnen laufen hochglänzende Bilder einer First Lady, die in zwanzig Tagen angeblich Geschichte schreibt, draußen zählen Menschen jeden Dollar, stehen vor leeren Kühlschränken, arbeiten sich in Krankenhäusern kaputt – und irgendwo dazwischen feiert das Weiße Haus Premierenabend, als wäre das Elend nur ein dekorativer Hintergrund für eine perfekt ausgeleuchtete Nahaufnahme.
Auf der Oberfläche funkelt alles: Amazon-Millionen, ein Budget, das mit rund 75 Millionen Dollar mehr nach Superhelden-Blockbuster als nach Dokumentarfilm klingt, rote Teppiche, schwerelose Kamerafahrten, ein Regisseur wie Brett Ratner, zurückgeholt aus dem Exil der MeToo-Vorwürfe, um genau jenen Film zu drehen, der nichts dem Zufall überlassen will – außer der Wahrheit. „Melania“ verspricht Intimität, einen „privaten, unzensierten Blick“, eine Reise durch die 20 Tage vor der zweiten Amtseinführung Donald Trumps, doch je länger man hinschaut, desto deutlicher spürt man, wie sich der Vorhang nicht öffnet, sondern schwerer vor die Realität legt, samten, dick, gemacht dafür, alles zu verschlucken, was weh tun könnte.
Und dann sind da diese Bilder, die nicht im Film vorkommen, sondern in den Kinosälen: eine Nachmittagsvorstellung in London mit einem einzigen verkauften Ticket, zwei am Abend, ganze Reihen, die niemand jemals berührt, Kassensysteme, die nichts zu tun haben – während der Präsident im Netz „MUST WATCH“ schreibt und behauptet, die Tickets seien „selling out FAST“. Die Wirklichkeit antwortet mit einem beinahe grausamen Schweigen, mit leeren Sälen in Boston, Jacksonville, Los Angeles, mit Zahlen, die den teuer verkauften Mythos in Echtzeit zerbröseln lassen. Es wirkt, als hätte das Publikum instinktiv verstanden, dass hier nicht erzählt, sondern ausgelöscht werden soll – Zweifel, Verantwortung, die Kälte eines Systems, das sich selbst wie mit Weichzeichner überzieht.
Die Reaktionen draußen klingen wie ein zersprungener Chor: Auf der einen Seite Influencer und Anhänger, die den Film als überwältigenden Geschichtsakt feiern, als längst fälligen Liebesbrief an eine Frau, die sie zur makellosen Heldin stilisieren; auf der anderen Seite Kritiker, die von einem 40-Millionen-Liebesbrief sprechen, von Reputationswäsche, von einem politischen Geschäft, bei dem Amazon weniger einen Film als Zugang und Einfluss gekauft hat. In ihren Worten liegt Wut, Ekel, aber auch eine tiefe Ermüdung: „Niemand hat nach diesem Film gefragt“ – und doch ist er da, schwer, teuer, laut, als würde ein ganzes Machtgefüge verzweifelt um eine neue Erzählung kämpfen.
Besonders schneidend sind jene Stimmen, die aufzählen, was gleichzeitig passiert: ein erschossener Veteranenpfleger, ein geschwächtes Katastrophenschutzsystem, Menschen, die sich vor einer Eissturmfront fürchten – und dann die Frage, fast ein Schrei: „Und was macht der Präsident? Er veranstaltet einen Filmabend im Weißen Haus.“ In diesem Moment reißt „Melania“ aus der Komfortzone von Popcorn und Kritiksternen heraus: Es geht nicht mehr um Geschmack, sondern um Moral, um die Zumutung, dass ein Filmabend zur Priorität wird, während ein Land taumelt.
Gleichzeitig breitet sich über allem eine bittere, ironische Stille aus: Memes über leere Säle, Spott über Karten, die niemand kaufen will, Screenshots von Sitzplänen, auf denen das Nichts fast schmerzhaft sichtbar wird. In dieser Häme steckt etwas Trauriges, denn Bilder haben Macht, selbst wenn kaum jemand sie sieht – für jene, die sie brauchen, erfüllt „Melania“ längst seinen Zweck: als Prestigeobjekt, als Signal der Loyalität, als weiterer Baustein in einem Netz aus Deals, Zugängen und stillen Abhängigkeiten.
Und dann sitzt man gedanklich doch in diesem dunklen Saal, umgeben von leeren Reihen, und sieht auf der Leinwand ein Leben, das plötzlich zur Opfergeschichte ummontiert wird – ein Leben, das zugleich Teil jener Macht war, die so viele Risse, Verletzungen, Spaltungen in dieses Land getrieben hat. In diesem Moment ist „Melania“ weniger Film als Spiegel, aber keiner, der sie zeigt, sondern uns: wie bereitwillig wir glatte Erzählungen akzeptieren, wie sehr wir uns nach einfachen, schönen Bildern sehnen, selbst wenn sie uns eine alternative Wirklichkeit verkaufen. Dass dieser Film nun an den Kassen scheitert, ist kein Happy End, sondern ein leiser, schmerzhafter Hinweis darauf, dass sich Wahrheit nicht unbegrenzt überstrahlen lässt – und dass die eigentliche Frage nicht ist, ob wir dieses Mal wegsehen, sondern wie viele solcher Bilder wir uns noch leisten wollen, bevor etwas in uns endgültig sagt: genug.
Das Mathäser-Kino in München wird wohl wieder einmal umgebaut und verkleinert. Das ist schade, aber ist wohl der Lauf der Dinge. Kino ist ein emotionales, aber schweres Geschäft.
Es ist nicht der erste Umbau. Der ursprüngliche Mathäser-Komplex wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Im Jahr 1957 entstand nach dem Wiederaufbau die sogenannte Mathäser Bierstadt – gleichzeitig wurde der Mathäser Filmpalast neu eröffnet. Das gilt als der erste grundlegende Umbau bzw. Neuaufbau in der Kino-Geschichte des Standorts. Der Betrieb von Bierstadt und Kino wurde 1996 eingestellt und das Kino umgebaut. Daran kann ich mich noch erinnern als die gemalten riesigen Plakate im Hof des Komplexes verschwanden.
2003 wurde das heutige seelenlose Multiplex-Kinos wiedereröffnet und ist bis heute ein Zentrum des Münchner Filmwesens mit Premieren und Veranstaltungen. Ich bin oft zu Gast.
Jetzt geht es dem Kino wieder an den Kragen. Die Zurich Immobilien Deutschland AG & Co. KG, der das Gebäude gehört, hat bei der Stadt eine Bauvoranfrage gestellt, um anstelle des Kinokomplexes ein „Mixed-Use“-Quartier mit Büros, Wohnungen, Handel und Kulturflächen zu errichten. Der Kinobau würde in diesem Szenario abgerissen und durch mehrere neue Bauteile mit variabler Höhe, offenen Passagen und Grünflächen ersetzt. Auch ein kleineres Kino soll dann wieder kommen.
Was das für das Kino bedeutet Der Mathäser-Filmpalast dürfte voraussichtlich bis mindestens 2033 weiterlaufen, weil der Mietvertrag des Betreibers Kinopolis bis dahin läuft. In den Planungen ist zwar prinzipiell auch künftig wieder ein Kino vorgesehen, dieses wäre aber deutlich kleiner, sodass ein Großteil der heutigen knapp 4000 Sitzplätze in 14 Sälen verloren ginge.
Offiziell argumentiert der Eigentümer mit der „Weiterentwicklung“ des Standorts zu einem modernen Stadtquartier mit mehr Wohnraum und Arbeitsplätzen in zentraler Lage. Hintergründig spielen die hohe Wertschöpfung eines gemischt genutzten Neubaus und die deutlich besseren Renditechancen im Vergleich zu einem reinen Kinokomplex eine zentrale Rolle. Also es geht ums Geld.
Traurige Gegend Im Moment macht die Gegend um das Kino keinen guten Eindruck. Nach der Karstadt-Pleite verfällt das Areal. Die Einkaufsmöglichkeiten im Mathäser-Komplex reizen mich überhaupt nicht. Auch der Zugang vom Stachus Untergeschoss ist nicht attraktiv. Die riesige Baustelle des Münchner Hauptbahnhofes in der Nähe macht die Sache auch nicht besser. Auf gut deutsch: die Gegend macht keinen Spaß und wahrscheinlich ist die Rendite zu an dieser Stelle ausbaufähig.
Folgen für Münchens Kinolandschaft Stadträte und Vertreter der Filmbranche warnen, dass der Verlust des größten und besucherstärksten Kinos Deutschlands ein erheblicher Rückschlag für den Filmstandort München und die Attraktivität der Innenstadt wäre. Allerdings: Der Zustand heute ist kein Aushängeschild für München und es tut mir weh, wenn ich dieses Filmtheater besuche.
Neben der reinen Zahl der Kinositze ginge auch ein wichtiger Ort für Premieren, Branchenveranstaltungen und für große Leinwände mit spezieller Bild‑ und Tontechnik verloren. Das Mathäser beherbergt das erste Dolby Cinema Deutschland mit Duale 4K Laserprojektion (Dolby Vision HDR) mit hohem Kontrast und sehr tiefen Schwarztönen. Auch der Klang mit Dolby Atmos, ein 3D-Raumklang mit Deckenlautsprechern, faszinierte mich. Bei Action-Filmen ist dieser Saal ein Genuss.
Kinosterben in München Ich habe das Sterben des Kinos über Jahre verfolgt. Das James-Bond-Kino am Karstor, in dem ich meine Jugend verbrachte, wurde am 29. Februar 2004 geschlossen. Nach 54 Jahren Betrieb liefen an diesem Tag die letzten Vorstellungen in den vier Sälen des Traditionskinos am Stachus/Karlstor. Hintergrund waren unter anderem der zunehmende Druck durch neue Multiplex-Kinos (wie das Mathäser) sowie wirtschaftliche Gründe. Nur ein paar Meter weiter schloss das Tivoli. Das Tivoli Kino in München (Neuhauser Straße 3) wurde am 16. Januar 2011 endgültig geschlossen. Ich traf dort einen griesgrämigen Heinz Rühmann in Begleitung eines gut gebauten und fröhlichen Loriot.
Das Gabriel Filmtheater in München wurde im April 2019 endgültig geschlossen. Es galt bis dahin als eines der ältesten durchgehend betriebenen Kinos der Welt (Eröffnung 1907 in der Dachauer Straße 16). Die Schließung erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen, vor allem wegen sinkender Besucherzahlen und des hohen Immobilienwerts. Ich war bei der Schließung dabei.
Und dann traf es das Kino am Sendlinger Tor. Das Filmtheater am Sendlinger Tor in München wurde am 15. Januar 2025 offiziell geschlossen. Der letzte Spieltag war ebenfalls der 15. Januar 2025. Grund für die Schließung war ein langjähriger Pachtstreit mit den Hauseigentümern, der letztlich zur Aufgabe des Kinobetriebs durch die Betreiberfamilie Preßmar führte. Das Kino bestand seit 1913 und war eines der traditionsreichsten Lichtspielhäuser der Stadt.
Wenn ein Film mit einem Ford Mustang beginnt, kann es kein schlechter Film sein. So will es das Gesetz. Ich habe mich bei Return to Silent Hill getäuscht. Der Mustang reicht nicht. Die Spieleverfilmung von Christophe Gans („Pakt der Wölfe“) ist eine Tour de France von atemberaubenden, surrealistischen Szenen, die als einzelne Szene grandios wirken, aber auf Dauer nicht erschrecken, sondern ermüden. Zudem hat die ganze Sache mit dem Spiel kaum etwas zu tun. Und genau das ist das Problem bei diesen und vielen anderen Spieleverfilmungen.
Was dich als Spiel über Stunden oder Tage packt, funktioniert in diesem Fall nur bedingt auf der großen Leinwand als Film. Die Gamer werden diesen Film hassen, der die Faszination des Spiels zerstört. Damit reiht sich Return to Silent Hill in die Reihe der gescheiterten Videospielverfilmungen ein. Dabei wurde der Film inspiriert vom kreativen Geist des japanischen Videospiele-Visionärs Keiichiro Toyama.
„Return to Silent“ ist ein Film, der große Ambitionen erkennen lässt, diese aber in nahezu allen Bereichen verfehlt. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass Regie und Drehbuch keine gemeinsame Sprache finden: Während die Inszenierung sich in bedeutungsschweren Bildern verliert, die offenbar Tiefe suggerieren sollen, stapft das Drehbuch unbeholfen durch eine Aneinanderreihung von Klischees und unbegründeten Stimmungswechseln. Das Setdesign gibt sich alle Mühe, aber es reicht einfach nicht. Statt Spannung oder emotionale Wucht entsteht nur Verwirrung, und zwar der langweiligsten Sorte. Die Figuren wirken wie aus Pappmaché geschnitten – flache Archetypen ohne erkennbare Motivation, die ihre Dialoge herunterleiern, als warteten sie nur auf den nächsten Szenenwechsel. Auch schauspielerisch bleibt alles blass: Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Eve Macklin, Evie Templeton – niemand scheint wirklich an das zu glauben, was dort erzählt wird. Was haben die Drehbuchautoren nur aus dieser psychologischen Geschichte des Videospiels gemacht?
Musikalisch steigert sich das Desaster – der Score arbeitet gegen den Film, statt ihn zu tragen. Laute, pathetische Einsätze sollen fehlende Emotion ersetzen und betonen nur noch stärker, dass hier keine Geschichte zu erzählen ist. Selbst die Momente, die Spannung oder Atmosphäre andeuten, scheitern an ihrer aufgesetzten Symbolik. Die einzige Ausnahme bleibt natürlich nur Johann Sebastian Bach mit der Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur, BWV 1068: Air, das der geneigte Filmfreund bereits aus Sieben kennt Am Ende bleibt Return to Silent Hill ein Film, der so verzweifelt versucht, Bedeutung zu konstruieren, dass er über seine eigene Leere stolpert. Wenn man sich an das Spiel wirklich gehalten hätte, wäre alles gut geworden. Die Monster als Manifestation der Schuld des Helden wäre ein tolles Thema. Pyramid Head als Richter käme gut, aber hier geistert er nur herum. Der Film ist weder emotional noch intellektuell überzeugend, wirkt wie ein missglücktes Experiment, das seine Zuschauer mit der unangenehmen Frage zurücklässt, wie so viel Getöse um so wenig Inhalt entstehen konnte. Dabei habe ich so auf eine gute Videospielverfilmung gehofft.
Die erste „Silent Hill“-Verfilmung des französischen Regisseurs Christophe Gans spielte im Jahr 2006 weltweit über 100 Millionen Dollar ein und erreichte ebenso wie die zugrunde liegende Videospielreihe von Konami Kultstatus. Nun kam das Spiel Silent Hill 2 vor die Kamera und scheiterte, schade.
Besonders zu bemängeln ist die wirre und schwer nachvollziehbare Handlung sowie die fehlende emotionale Tiefe, obwohl sich der Film stark am psychologisch geprägten Silent Hill 2 orientieren soll. Statt subtiler Spannung setze der Film laut Kritik vor allem auf oberflächlichen Fanservice, etwa durch bekannte Figuren wie Pyramid Head, ohne deren Bedeutung sinnvoll in die Geschichte einzubetten. Positiv hervorzuheben ist die visuelle Gestaltung, das Setdesign und die grundsätzliche Atmosphäre, die stellenweise an die beklemmende Stimmung der Spiele erinnert. Insgesamt überwiegt mein Eindruck, dass „Return to Silent Hill“ sein Potenzial deutlich verfehlt hat und sowohl Neueinsteiger als auch viele langjährige Fans enttäuschen wird.