„Neilich sitz i umma hoiba zwa im Hawelka
Bei a poa Buchteln und bei an Bier
Auf amoi gibts beim Eingang vuan an Mordstrara
Weu a Nackerter kummt eine bei der Tür“
Na, wer erinnert sich noch an diese Zeilen des österreichischen Sängers Georg Danzer? Sie stammen aus dem Ohrwurm „Jö schau“ aus dem Jahre 1975 und sind eine Verbeugung vor dem Wiener Kaffeehaus Hawelka. Hier hing Danzer mit seinen Künstlerfreunden ab, hier hängt heute gegenüber der Theke eine Zeichnung mit Widmung Danzers.
Widmung Georg Danzer
Wer ein wenig Kultur im Sinn hat, der muss zum Hawelka hereinschauen. So tat ich es, um mit meiner Familie eine Melange zu trinken, Apfelstrudel und Sachertorte zu essen und vor allem Atmosphäre zu genießen. Buchteln gab es erst abends. Innerhalb von Sekunden sog ich die Atmosphäre auf. Und ich finde es genial, dass ein Kaffeehaus so im kulturellem Interesse steht.
Meine Kinder saßen in der Sitzgruppe, auf der damals auch Georg Danzer in seinem Musikvideo saß. Und so hatten wir den Raum des Kaffeehauses im Blick. Es hatte sich eigentlich nicht viel seit 1975 verändert. An den Wänden Fotos, Bilder, Zeichnungen, am Eingangsbereich Plakate und die Stühle/Tische konnten so geschoben werden, wie die Gäste Platz brauchten. Renoviert wurde im Kaffeehaus nur das nötigste. Es gibt das Zitat des Gründers, das die Situation beschreibt. „Der Kaffee wär’ ned besser, wenn das Lokal moderner wär.“ Heute stehen Leopold und Josefine Hawelka mit zwei Büsten an der Seite und wachen über ihr Kaffeehaus.
Wir trafen auf Günter Hawelka, dem Sohn des legendären Cafetier Leopold Hawelka, der 2011 verstarb. Günter hat das Kaffeehaus inzwischen an seine Söhne übergeben, nimmt aber gerne die Rolle des Cafetier ein, wie einst sein Vater. Er begrüßt die Gäste, oftmals mit Handschlag, spricht, scherz, erzählt. Auch wir haben das kurze, aber intensives Gespräch mit der Wiener Legende genossen.
Ich hab ihn gefragt, wo denn Kraftwerk saß, als sie im Hawelka weilten. Da wurde er etwas verlegen und deutete in den Raum. Nicht nur Danzer, sondern auch die wichtigste Elektroband überhaupt erwähnten das Hawelka in dem Song Trans Europa Express, wenn auch nur indirekt in den Zeilen „In Wien sitzen wir im Nachtcafé.“ In einem Interview von 2004 sagte Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter: „Wir machen Alltagsmusik. »Trans-Europa-Express«, »Autobahn«, »In Wien sitzen wir im Nachtcafé« – das ist übrigens das Café Hawelka, den Namen haben wir nie genannt, 1976 war das. Musik zum Alltag.“ In einem frühen Video von Kraftwerk gibt es eine Aufnahme der Band vor dem legendären Café Hawelka.
Hier noch ein paar Eindrücke aus dem wunderbaren Café.
Wer Wien besucht, der absolviert auch einen Besuch im Stephansdom. Das haben wir bei unserem Wien-Tripp freilich auch gemacht. Uns ging es um den Hahn auf dem Dach des Doms. Meine Gattin sammelt Hähne (ja ich weiß) und betreibt den Blog Hahnologie. Und weil der Hahn auf dem Stephansdom eine nette Geschichte hat, brauchten wir ein Bild vom Hahn. Die Geschichte gibt es beim Blog der Gattin nachzulesen.
Der Hahn auf dem Stephansdom .
Das Wetter war neblig, es schneite und wir hatten nur das Smartphone als Fotoapparat dabei – also war die ganze Fotografiererei eher unterirdisch. Nächstes Mal wird die Drohne eingepackt und der Hahn näher fotografiert.
Und weil wir gerade da waren, schauten wir in den Dom auch hinein. Im Moment läuft ein großer Spendenaufruf „Rettet die Riesenorgel“. Die Orgel heißt Riesenorgel, aber nicht weil das Instrument so groß ist, sondern wegen des darunterlegenden Riesentors, dem Hauptportal von St. Stephan.
Warum muss die Orgel gerettet werden? Nun, seit 1991 ist die Orgel stumm. Der Kulturschatz soll wieder zum Leben erweckt werden.
Beim Dombrand vom April 1945 wurde die alte Riesenorgel aus dem Jahr 1886 zerstört. Sie stammte übrigens aus der gleichen Werkstatt wie die Orgel des Doms zu Riga über die ich unlängst gebloggt habe. Die Nachfolgeorgel von Johann Kaufmann wurde 1960 geweiht, doch es gab akustische Probleme und 1991 ging dann gar nichts mehr. Die Orgel blieb stumm.
Und nun soll Ostern 2020 die Orgel wieder spielen. Sie bekommt ein neues Klangkonzept und eine optimierte technische Anlage der Orgelbaufirma Reger. Durch den Zusammenschluss der Domorgel (55 Register) und der Riesenorgel (125 Register) wird es erstmals in der Geschichte des Doms möglich sein, den Raum von einem Zentraltisch klanglich auszufüllen. Die Premiere soll am 12. April 2020 sein.
Bis dahin wird Geld gesammelt. Ich hab ein paar Euro in die Büchse geworfen. Wer übrigens mehr als 500 Euro spendet, der kann eine Originalorgelpfeife erhalten, die beim Umbau ausgebaut und ersetzt wurde. Die Pfeifen sind aus Metall und zwischen 20 Zentimeter und 2 Meter groß.
Wenn sich der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz jährt, dann poste ich in meinem Blog in der Regel Bilder von meinem Besuch in Auschwitz zum Gedenken.
Zum heutigen 75. Jahrestag zur Befreiung von Auschwitz werde ich keine dokumentarischen Aufnahmen posten, sondern ich erinnere mich an den Tag als ich den Film Schindlers Liste zum ersten Mal im Kino gesehen hatte. Der Steven Spielberg Film nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Keneally hatte mich tief berührt und tut es immer noch. Daher schaue ich mir den Film heute wieder an.
Als ich 1994 ins Kino ging war ich neugierig. Ich war ein Fan von Steven Spielberg und liebte seine unterhaltsamen Filme wie der weiße Hai, Indiana Jones, Unheimliche Begegnung oder E.T. der Außerirdische. Dass sich der Jude Spielberg des Themas Judenverfolgung annahm war nur konsequent, aber konnte er dieses Thema wirklich auf die Leinwand bringen? Ja, und wie er es konnte. Dass hat auch mein Filmidol Stanley Kubrick gesehen, der in der Vorbereitung des Films Aryan Papers arbeitete – eine Verfilmung des Romans Lügen in Zeiten des Krieges von Louis Begley. Kubrick brach die Vorbereitungen ab, die kurz vor dem Drehstart standen. Nach Schindlers Liste würde das Publikum keinen weiteren Film über den Holocaust mehr sehen wollen.
Als ich damals die ersten Minuten von Schindlers Liste im Kino sah, wunderte ich mich, warum der Film in Schwarzweiß gedreht wurde. Aber richtig: Für mich war der Holocaust, der Zweite Weltkrieg und die ganze Thematik schwarzweiß. Es gab zwar Farbfilme in der Zeit, doch diese Geschichte wurde in meinem Kopf in Bildern in Schwarzweiß eingebrannt. Und so traf mich die Szene mi dem roten Mantel des kleinen Kindes um so mehr. Die Emotionen brachen im Kino hervor. Mit welches Brutalität die Mörder vorgingen war ekelerregend. Jedes Mal, wenn ich die Szene auch heute noch sehe, kommen bei mir die Gefühle des Mitleids und des Zorns wieder hoch. Spielberg verstand es, auf der Klaviatur meiner Gefühle zu spielen. Das war seine Kunst in seinen Filmen, die er meisterlich beherrschte. Hinzu kam sicherlich auch der Score von John Williams. Williams weigerte sich anfangs die Filmmusik zu Schindlers Liste zu schreiben. Es gäbe dafür bessere Leute, sagte er zu Spielberg. Der antwortete sinngemäß. „Ja, ich weiß, aber sie sind alle tot.“
Der Film bewegte mich auch auf eine andere Weise. Er zeigt, dass es Menschen gibt, die Unrecht erkennen und sich auf ihre Art zur Wehr setzen. Im Film ist es die Liste der 1200 Schindler-Juden und deren Dank an Oskar Schindler mit dem Ring aus Zahngold auf dem der Talmud-Spruch eingraviert ist: „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.“
Zum 75.Jahrestag der Befreiung von Auschwitz nimmt der Hass gegen Juden in Menem Deutschland wieder zu. Ich nenne nur Halle als Stichwort. Dagegen müssen wir uns alle stellen, dagegen muss ich mich stellen. Ich möchte keine Wiederholung der deutschen Geschichte. Wir haben eine Verantwortung. Ich konnte nicht verhindern, welche Verbrechen damals gegen die Menschlichkeit passierten. Aber ich kann durch meinen Einsatz verhindern, dass sich solche Verbrechen wiederholen.
Es ist eine bedrückende Geschichte, aber es ist auch eine Geschichte nach dem Ruf nach Freiheit. Die Geschichte des Baltikums ist eine Geschichte der Besatzungszeit von Deutschland und Russland. Bei meinem Besuch in der lettischen Hauptstadt Riga war es mir ein Anliegen, das lettische Okkupationsmuseum zu besuchen.
Im Moment ist das Museum in der ehemaligen amerikanischen Botschaft untergebracht. Das neue Okkupationsmuseum wird gerade gegenüber dem Rathaus und Schwarzhäupterhaus im Zentrum von Riga gebaut.
Das Okkupationsmuseum ist eines der größten privaten Museen in Lettland und wird von einer NGO geführt. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der 50 Jahre andauernden Besetzung Lettlands. Unter Ausnutzung des Hitler-Stalin-Paktes besetzte und annektierte die Sowjetunion Lettland am 17. Juni 1940. Ein Jahr später marschierte Nazi-Deutschland in die UDSSR ein und besetzte damit auch Lettland. Die sowjetischen Truppen eroberten zum Ende des Zweiten Weltkriegs das Land zurück und gliederten es gewaltsam in die UDSSR ein. Lettland verlor im Zweiten Weltkrieg ein Drittel seiner Einwohner, sei es im Kampf, sei es in Konzentrationslagern der Nazis, sei es im Gulag der Sowjets. Es folgte in der Nachkriegszeit Säuberungen unter Stalin und Verfolgungen.
Erst am 21. August 1991 wurde Lettland wieder ein unabhängiger Staat und ist heute Mitglied der Europäischen Union. Die Letten können endlich ihre Freiheit genießen.
Ich habe mehrere Stunden in dem Museum verbracht und auch den Museumsführer gekauft. Es gibt eine Ausgabe, die unser Reiseführer Maik Habermann ins Deutsche übersetzt hat. Ich kann dieses Buch ausdrücklich empfehlen. Es wurde von der Deutschen Botschaft finanziell gefördert, ist reich bebildert und schildert eindrucksvoll den Freiheitskampf des lettischen Volkes.
Eigentlich ist es nur Show, aber eine ziemlich detailreiche und authentische Show. Gemeint ist das Schwarzhäupterhaus im Zentrum von Riga.
An dem Haus ist eigentlich nur der Keller noch original. Das restliche Haus mit seiner eindrucksvollen Fassade und Räumlichkeiten ist im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen zerstört worden. Die siegreichen Sowjets sprengten dann nach dem Krieg die Reste des Gildehauses im Jahr 1948 wohl aus ideologischen Gründen in die Luft. Erst 1993 bis 1998 baute man das Haus in der lettischen Hauptstadt detailreich wieder auf. Bis dahin war nur eine Rasenfläche mitten in der Stadt Riga zu sehen.
Hier der Rundgang durch den Originalkeller.
Die Geschichte des Hauses ist eindrucksvoll. Es wurde als Gildehaus der unverheirateten männlichen Kaufleute ohne Stadtrecht in Riga gegründet. Der Titel war „Neue Haus der Großen Gilde“. Das war etwa im 13. Jahrhundert und war damit so eine Art Wohngemeinschaft im jungen Mittelalter. Die Compagnie der Schwarzen Häupter war aus der Ende des 13. Jahrhunderts tätigen Bruderschaft des Heiligen Georg hervorgegangen und sie gründeten das Haus – heute ist die Vereinigung noch in Bremen zu finden. Der Heilige Georg war der Schutzpatron der Ritter. Später übernahm diese Rolle des Schutzherrn der Heilige Mauritius, dessen Mohrenkopf-Symbol im Haus zu finden ist und das Wappen der Schwarzhäupter ist. Der Name „Schwarzhäupterhaus“ wurde 1687 eingeführt.
Heute ist es ein Muss für jeden Riga-Besucher dieses Gebäude zu besichtigen.
Im Obergeschoss sind Veranstaltungsräume untergebracht. Im Aufgang zum Großen Festsaal des Hauses befinden sich die Büsten von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Richard Wagner und Johannes Brahms. Im Konzertsaal hatte auch Richard Wagner dirigiert.
Die Schmuckstücke sind teilweise Originale, teilweise eine Kopie.
Ich habe zwei VR 360 Grad Videos vom dem eindrucksvollen Konzertsaal gedreht. Zu sehen sind auch die Gemälde der schwedischen Könige Gustav Adolf II., Karl XI. und Karl XII., der Königin Christine sowie der russischen Zarin Katharina II., dem Zaren Peter I. und dem Großfürsten Paul I.
In Riga habe ich den größten Schatz der Letten gesehen. Nein, es geht nicht um Gold und Silber oder Juwelen oder Geschmeide. Es geht um Kultur in Form von Versen und Liedern, so genannte Dainas.
Ein Daina ist in der Regel vier Zeilen lang und kann Jahrhunderte alt sein und, was ganz wichtig ist, sie sind in lettischer Sprache verfasst. Sie beschreiben das Leben der einfachen Leute und die Daina-Verse gibt es zu allen Bereichen des Lebens.
Die einzigartige Sammlung dieses kulturellen Schatzes gibt es in der lettischen Nationalbibliothek zu bewundern. In dem eindrucksvollen Bau steht hinter dickem Glas der Daina-Schrank mit vielen, vielen Schubladen. Dort sind die Dainas katalogisiert und fein säuberlich abgelegt – heute sind die Verse freilich digitalisiert.
Warum sind die Dainas so wichtig? Nun, sie sind ein Symbol der lettischen Identität. Das Land war lange von der deutschen Oberschicht geprägt. Deutsch war Amtssprache und die Sprache der gehobenen Gesellschaft. Auf dem Land sprach man dagegen Lettisch. Eine lettische Hochkultur mit eigener Sprache war damit ausgeschlossen.
Die Dainas wurden mündlich von Generation zu Generation übergeben. Als der Nationalismus im 19.Jahrhundert auch in Lettland Fuß fasste, wurden sich die Letten ihrer Kultur mehr und mehr bewusst. Der lettische Schriftsteller Krišjānis Barons machte es sich zur Lebensaufgabe, die Dainas zu sammeln. Er gilt als „Vater der Dainas“. Er archivierte die Zettel, auf denen er je eine Daina notierte, in einem von ihm selbst für diesen Zweck entworfenen und von einem deutschen Schreiner in Moskau gefertigten Schrank. Er ist 160 cm hoch, 66 cm breit und 42 cm lang. Dieses Heiligtum hab ich in der lettischen Nationalbibliothek bewundert. 2001 nahm ihn die UNESCO in die Liste des Weltdokumentenerbes auf.
In den 70 Schubladen des Schranks befinden sich mehr als 350.000 handbeschriebene Zettel in einer Größe von 3 × 11 cm. Insgesamt gibt es 218.000 Dainas, die zwischen 1998 und 2006 digitalisiert wurden. Hier sind sie zu finden.
Eindrucksvoller Bau der lettischen Nationalbibliothek
Das Schränkchen ist in der neuen lettischen Nationalbibliothek. Sie ist optisch sehr eindrucksvoll und wurde nach einem Entwurf des 1925 in Riga geborenen US-amerikanischen Architekten Gunnar Birkerts gebaut. Baubeginn war im Jahre 2008. Die Bibliothek hat 13 Stockwerke und ist 68 Meter hoch. Die Kosten wurden mit 193 Millionen Euro angegeben, so eine Information in Shop des Gebäudes, das am 29. August 2014, dem 95. Gründungstag der Nationalbibliothek, eröffnet wurde.
Die Show zur Eröffnung hatte etwas ergreifendes, denn es wurden die Bewohner Rigas eingeladen, um mitzumachen. Bei einer Aktion im Rahmen des Programms der Stadt Riga als Kulturhauptstadt Europas wurden am 18. Januar 2014 ausgewählte Bestände aus dem derzeitigen Hauptgebäude der Nationalbibliothek durch eine Menschen- und Bücherkette symbolisch in den Neubau gebracht. Im Shop des Gebäudes gibt es umfangreiches Bildmaterial in Büchern, allerdings auf lettisch.
Wo sind die meisten Jugendstilhäuser zu besichtigen? In Prag lautet oft die Antwort. Falsch! Es ist in der lettischen Hauptstadt Riga. Die meisten Prachtbauten findet man im so genannten Stillen Zentrum.
Der Jugendstil oder Art nouveau ist eine kunstgeschichtliche Epoche an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und hat heute noch viele Anhänger. Unter dem Einfluss deutscher Architekten ist in t Riga in Lettland der Jugendstil zu einer der noch heute das Stadtbild wesentlich prägenden Architekturrichtungen geworden. Riga gehört zu den glänzendsten Perlen des Jugendstils und wurde 1997 als „hochwertigste Konzentration an Jugendstilgebäuden“ auf die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes gesetzt.
Es gibt Hunderte von Häusern in diesem Baustil, aber das bekannteste ist sicherlich das Wohnhaus in der Elizabetes iela 10b, Elisabethstraße. Es stammt von Michael Eisenstein, was mich als Filmfreund sehr interessiert. Michael Eisenstein ist der Vater von Sergei Michailowitsch Eisenstein, einem der wichtigsten Regisseure Russlands. Von ihm stammen Klassiker wie die Revolutionsfilme Panzerkreuzer Potemkin und Oktober.
Michael Eisensteins Architekturstil wurde als „verrückter Zuckerbäcker“ verspottet, weil seine Fassaden mit Blumen, Tieren, Verzierungen aufmotzte. Detailreichtum an der Fassade, die exakt geplant waren, sind sein Markenzeichen. Und das Rigaer Wohnhaus in der Elisabethstraße ist sein Meisterstück, obwohl er 50 weitere Häuser in Riga plante.
Dieses Gebäude wurde 1903 erbaut und im Jahr 2000 restauriert. Seine Fassade ist eine prunkvolle Kompositionen von Masken, Pfauen, Skulpturköpfen und geometrischen Figuren in der Fassadenkrone fallen auf, wie auch die mit blauen Keramikplättchen verkleideten Fassadenflächen der oberen Stockwerke. Diese Fassade ist übrigens eine Kopie und Ergänzung der Fassadenzeichnung des Leipziger Architekten Georg Wünschmann und Hans Kozel, so das lettische Fremdenverkehrsamt. Diese Zeichnung wurde in einer Sammlung von Fassadenzeichnungen in Petersburg veröffentlicht.
Auswahl meiner Star Wars-CDs.
Leider ist das Treppenhaus für die Öffentlichkeit gesperrt, aber kleiner Tipp: Ein paar Meter weiter ist ein sehenswertes Jugendstilmuseum in einem anderen Jugendstilhaus. Wer im Gebäude nicht ins Museum abbiegt, sondern sich der Treppe zuwendet, findet noch ein prachtvolles Treppenhaus. Aber bitte nicht hochgehen: Es wohnen Leute in den Wohnungen, die sicherlich nicht begeistert sind, wenn Touristen durch die Hütte marschieren.
Aber Augen auf, wer durch Riga spaziert. Es gibt wunderschöne Häuser zu entdecken.
Fischers Fritze isst frische Fische, frische Fische isst Fischers Fritze – dieser Zungenbrecher kam mir sofort in den Sinn als ich die Fischhalle auf dem Zentralmarkt in Riga betrat. Fisch, wohin man schaut – ein Paradies.
Leider waren wir ziemlich spät in der Halle und konnten so das komplette Angebot optisch nicht genießen, viele Händler packten bereits zusammen. Aber was ich gesehen habe, erfreute mein Herz als Fischliebhaber. Kurzzeitig überlegt ich mir, Fisch zu kaufen und einschweißen zu lassen, damit ich sie zu Hause zubereiten kann. Aber das wäre zu kompliziert.
Interessant war, dass in der Markthalle zu Riga der Neuaugen verkauft wird. 2012 wurden sie zum „Fisch des Jahres“ gewählt, dabei sind sie taxonomisch gesehen gar keine Fische, sondern die ursprünglichste Gruppe der Wirbeltiere.
Neunaugen genießen europaweit Schutz nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, für die als Arten des Anhangs II besondere Schutzgebiet ausgewiesen worden sind. Zudem unterliegen sie in Deutschland dem Schutz nach der Bundesartenschutzverordnung und sind nach den Fischereiverordnungen der Länder ganzjährig geschont. Davon scheint in Riga keiner etwas zu wissen oder wissen zu wollen. Der Neuaugen wird gefischt und verkauft. Wie Neuaugen schmeckt kann ich nicht sagen, denn in den Restaurants wurde die einstige Spezialität der Reichen nicht angeboten.
Dabei ist die Fischhalle nur eine des weitreichenden Marktareals von Riga, das 1997 in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.
Die Hallen waren einst als Zeppelin-Hangar gedacht, samt unterirdischer Versorgungsstadt. Nun, der Zeppelin hatte sich ja bald erledigt, 1930 wurden die Hallen als eine der modernsten Markthallen Europas eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurden aus den die Hallen erstmal Werkstätten. Nach dem Krieg unter Sowjetzeit wurde aus den Markthallen dann der Zentrale Kolchosenmarkt und von der roten Propaganda hochgejubelt.
Wie das lettische Fremdenverkehrsamt mitteilte, gehe aus einer Statistik aus dem Jahr 1961 hervor, dass hier jährlich bis zu 200 000 Tonnen Fleisch, 768 000 Liter Milch, 7 Millionen Eier, mehr als 9000 Tonnen Kartoffeln, 8000 Tonnen Gemüse und fast 5000 Tonnen Obst verkauft wurden – und wir sprechen von Sowjetzeiten.
Heute ist der Markt eine Art kulinarisches Schlaraffenland. An Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Fisch, Gewürze – vieles kann man probieren und in der Gastrohalle werden die Speisen frisch zubereitet. Ich wollte frische Austern essen, wurde aber durch die hohen Preise abgeschreckt. Austern aus der Ostsee habe ich keine gesehen, es gab welche aus Frankreich. In der Gastrohalle gab es zudem viele asiatische Garküchen – sicherlich gut gemeint, aber für mich als Riga-Tourist uninteressant.
Preiswert dagegen Honigschnaps von dem Freunde von mir sehr angetan waren und Kaviar. Ich versorgte mich mit entsprechenden Leckereien. Zudem habe Lorbeerblätter in größeren Mengen gekauft, die ich für Muscheln und Tintenfischgerichte brauche.
Beeindruckt hat mich in der Fleischhalle die Füllen an Innereien wie Zunge und Herz, aber auch Kalbsbäckchen, Schweineschnauze und -Ohren.
Wer nach Riga kommt, der muss sich den Dom zu Riga ansehen. Daran führt kein Weg vorbei. Und wer schon mal da ist, der sollte sich um die Mittagszeit auch das kostenpflichtige Orgelkonzert anhören. Im eigentlichen Sinne ist der Dom zu Riga kein Dom, sondern eine Kathedrale. Das lettische Wort für „Kathedrale” ist „doms” und schon war es im Deutschen ein Dom.
20 Minuten Orgelkonzert und diese 20 Minuten haben es in sich. Die Orgel wurde am 31. Januar 1884 eingeweiht und war zu diesem Zeitpunkt das größte der Welt. Heute gibt es größere, mächtigere Orgel, aber bei mir hat das Musikinstrument in Verbindung mit dem Konzert einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. 1882/1883 baute die Orgelbauwerkstatt Walcker aus Ludwigsburg das jetzige Orgelwerk mit mechanischen Spieltrakturen, 6718 Pfeifen und 124 Registern auf 4 Manualen und Pedal. Der Klang ist wirklich mächtig.
Unter sowjetischer Herrschaft war das Gotteshaus ein schnöder Konzertsaal und die gottlosen Kommunisten haben den Alter entfernt, mehr Stuhlreihen eingeführt, um mehr Platz für Orgelkonzerte zu haben. Ich habe mein Orgelkonzert einmal auf Video mitgeschnitten.
Der Dom wurde im Jahre 1226 fertiggestellt und wirkt auf mich sehr eindrucksvoll, wie alle Gebäude des Mittelalters. Verschiedene Baustile greifen hier ineinander, so eine Kathedrale baut man nicht eben über Nacht. Das Nordportal ist gotisch, die Rundbögen sind romanisch.
Geplant waren zwei Türme, es wurde nur einer, der dann abbrannte und der Holz-/Steinturm später ersetzt wurde. Im Jahr 1776 kam dann der jetzige Barock-Turm mit von 90 Metern Höhe.
Mir hat vor allem der Taufstein gefallen. Er stammt aus dem Ende des 12. Jahrhunderts und kommt aus der Kirche in Ikšķile, der ersten Kirche im heutigen Lettland. Der Stein wurde bei der Renovierung des Domes 2009 im Mittelgang des Hauptschiffes aufgestellt.
Wenn man beim Betrachten richtig steht, spiegeln sich die wunderbaren Fenster der Kirche wider. Vier von ihnen stammen aus Bayern – ich vermute von der Mayer’sche Hofkunstanstalt aus München. Leider konnte ich keine genauen Angaben finden. Ein Fenster zeigt die Gründung des Gotteshauses durch Bischof Albert I., ein anderes den Schwedenkönig Carl Gustav.
Einen Blick sollte man auch auf die Kanzel werfen. Hier sehen wir sehr schöne Schnitzereien – sie zählen zu den wirklichen Kunstschätzen des Doms.
Für meine Frau, die den Blog Hahnologie betreibt, war sicherlich der Wetterhahn eine tolle Entdeckung. Er stammt aus dem Jahre 1595 und war bis 23. April 1985 auf dem Turm. Heute ist eine Kopie auf dem Dach.
Er soll gegen alles helfen außer gegen Liebeskummer und Alkoholismus: Der Schwarze Balsam aus Riga, auch Riga Black Balsam genannt.
In Lettland sieht der Besucher dieses Nationalgetränk an jeder Ecke. Keine Kneipe, kein Markt, kein Fest an dem der Kräuterschnaps nicht ausgeschenkt wird. Er wird pur getrunken oder mit allem gemixt, was flüssig ist: Cola, Tee, Kaffee, Saft – ich habe ihn im Winter mit heißem Johannisbeersaft angeboten bekommen.
Der Schwarze Balsam gilt als Allheilmittel. Der Rigaer Apotheker Abraham Kunze stellte Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals Kunzer Balsam her. Damit heilte er die Zarin Katharina die Große und das war die beste Werbung für sein schwarzes Produkt. In Windeseile verbreitete sich das Produkt durch das Russische Reich und der Rigaer Schwarze Balsam war bekannt – auch für seine abführende Wirkung.
In einem Selbstversuch habe ich den Schwarzen Balsam probiert – er schmeckt wie ein traditioneller Kräuterschnaps. Wer solch ein Getränk mag, wird am Balsam seinen Gefallen finden. Mit dem richtigen Marketing könnte das Teil auch bei uns zum Szenegetränk werden.
Im Balsam sind 25 Zutaten verarbeitet, die erste Lagerung erfolgt dabei in Eichenfässern.. Mein Reiseführer nannte darunter Lindenblüten, Birkenknospen, Honig, Arnika und Baldrian, Pfefferminze, Wermut, Kalmuswurzeln, Heidel- und Himbeeren, Eichenrinde und Orangenschalen, Ingwer, Muskat und Schwarzer Pfeffer. Ich muss zugeben, ich habe die Zutaten nicht herausgeschmeckt, wohl aber die 45 Prozent Alkohol bemerkt, die dem Riga Black Balsam inne wohnen. Mehr als zwei Gläschen tun mir nicht gut.