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Markthallen in Riga – der Zentralmarkt als Paradies

17. Januar 2020

Fischers Fritze isst frische Fische, frische Fische isst Fischers Fritze – dieser Zungenbrecher kam mir sofort in den Sinn als ich die Fischhalle auf dem Zentralmarkt in Riga betrat. Fisch, wohin man schaut – ein Paradies.

Leider waren wir ziemlich spät in der Halle und konnten so das komplette Angebot optisch nicht genießen, viele Händler packten bereits zusammen. Aber was ich gesehen habe, erfreute mein Herz als Fischliebhaber. Kurzzeitig überlegt ich mir, Fisch zu kaufen und einschweißen zu lassen, damit ich sie zu Hause zubereiten kann. Aber das wäre zu kompliziert.

Interessant war, dass in der Markthalle zu Riga der Neuaugen verkauft wird. 2012 wurden sie zum „Fisch des Jahres“ gewählt, dabei sind sie taxonomisch gesehen gar keine Fische, sondern die ursprünglichste Gruppe der Wirbeltiere.


Neunaugen genießen europaweit Schutz nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, für die als Arten des Anhangs II besondere Schutzgebiet ausgewiesen worden sind. Zudem unterliegen sie in Deutschland dem Schutz nach der Bundesartenschutzverordnung und sind nach den Fischereiverordnungen der Länder ganzjährig geschont. Davon scheint in Riga keiner etwas zu wissen oder wissen zu wollen. Der Neuaugen wird gefischt und verkauft. Wie Neuaugen schmeckt kann ich nicht sagen, denn in den Restaurants wurde die einstige Spezialität der Reichen nicht angeboten.

Dabei ist die Fischhalle nur eine des weitreichenden Marktareals von Riga, das 1997 in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Die Hallen waren einst als Zeppelin-Hangar gedacht, samt unterirdischer Versorgungsstadt. Nun, der Zeppelin hatte sich ja bald erledigt, 1930 wurden die Hallen als eine der modernsten Markthallen Europas eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurden aus den die Hallen erstmal Werkstätten. Nach dem Krieg unter Sowjetzeit wurde aus den Markthallen dann der Zentrale Kolchosenmarkt und von der roten Propaganda hochgejubelt.
Wie das lettische Fremdenverkehrsamt mitteilte, gehe aus einer Statistik aus dem Jahr 1961 hervor, dass hier jährlich bis zu 200 000 Tonnen Fleisch, 768 000 Liter Milch, 7 Millionen Eier, mehr als 9000 Tonnen Kartoffeln, 8000 Tonnen Gemüse und fast 5000 Tonnen Obst verkauft wurden – und wir sprechen von Sowjetzeiten.
Heute ist der Markt eine Art kulinarisches Schlaraffenland. An Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Fisch, Gewürze – vieles kann man probieren und in der Gastrohalle werden die Speisen frisch zubereitet. Ich wollte frische Austern essen, wurde aber durch die hohen Preise abgeschreckt. Austern aus der Ostsee habe ich keine gesehen, es gab welche aus Frankreich. In der Gastrohalle gab es zudem viele asiatische Garküchen – sicherlich gut gemeint, aber für mich als Riga-Tourist uninteressant.
Preiswert dagegen Honigschnaps von dem Freunde von mir sehr angetan waren und Kaviar. Ich versorgte mich mit entsprechenden Leckereien. Zudem habe Lorbeerblätter in größeren Mengen gekauft, die ich für Muscheln und Tintenfischgerichte brauche.
Beeindruckt hat mich in der Fleischhalle die Füllen an Innereien wie Zunge und Herz, aber auch Kalbsbäckchen, Schweineschnauze und -Ohren.