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Zwischen Krisen, Kraft und klaren Kanten: Markus Söder wirbt für ein starkes Bayern in unsicheren Zeiten

18. März 2026

Beim Internationalen PresseClub München hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor Journalisten und Gästen zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Stellung genommen. Im Mittelpunkt seines Auftritts standen die Folgen internationaler Krisen, die Lage der deutschen und bayerischen Wirtschaft, die Kommunalwahlen in Bayern sowie Fragen zur Energiepolitik.

Zu Beginn ging Söder auf die Kommunalwahlen ein und zeigte sich mit dem Abschneiden der CSU zufrieden. Trotz Zugewinnen der AfD habe sich die CSU in Bayern stabil gehalten. Zugleich betonte er, dass die Grünen in vielen Teilen Bayerns deutlich verloren hätten. In München verwies Söder auf die laufende Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt und erklärte, dass er sich persönlich heraushalte, zugleich aber Verständnis für die Empfehlung der Münchner CSU habe, Amtsinhaber Dieter Reiter zu unterstützen. Kommunalwahlen seien heute stark von Persönlichkeiten geprägt. Die CSU könne in jeder Stadt gewinnen, aber auch in jedem Dorf verlieren, sagte Söder. Hier die komplette Veranstaltung

Mit Blick auf die AfD bekräftigte der Ministerpräsident seine ablehnende Haltung gegenüber einer Zusammenarbeit. Es gebe in Bayern keine Kooperation mit der AfD, weder auf kommunaler noch auf anderer Ebene. Zur Begründung verwies er nicht nur auf programmatische Unterschiede, sondern vor allem auf das Demokratieverständnis, die Sprache und das Personal der Partei. Gleichzeitig warnte Söder davor, die AfD allein mit moralischer Abgrenzung bekämpfen zu wollen. Wer Probleme nicht löse, sondern nur über die AfD rede, stärke sie am Ende eher. Entscheidend sei es, bei Themen wie Migration, innerer Sicherheit und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit konkrete Lösungen anzubieten.

Ein zentrales Thema seines Auftritts war die wirtschaftliche Lage. Söder zeichnete das Bild einer Welt im Dauerkrisenmodus, verwies aber zugleich darauf, dass Krisen auch früher zum politischen Alltag gehört hätten. Neu sei heute vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich Entwicklungen zuspitzen und medial verbreiten. Mit Sorge blickte er auf die Belastungen für die exportorientierte bayerische Wirtschaft. Zölle, hohe Energiepreise, internationale Konflikte und strukturelle Schwächen der deutschen Industrie träfen Bayern besonders, weil der Freistaat stark von Maschinenbau, Autoindustrie und Chemie geprägt sei. Söder warnte vor Steuererhöhungen und sprach sich stattdessen für Steuersenkungen aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken.

Ausführlich äußerte sich Söder auch zur Energiepolitik. Deutschland brauche mehr Energie, nicht weniger, sagte er. Angesichts von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Rechenzentren, Elektromobilität und neuer industrieller Entwicklungen werde der Strombedarf in den kommenden Jahren weiter deutlich steigen. Deshalb dürfe sich Deutschland nicht auf einzelne Energieformen beschränken. Söder sprach sich zwar für einen weiteren Ausbau erneuerbarer Energien aus, verwies aber zugleich auf Gaskraftwerke, neue Technologien und die Notwendigkeit, alle Optionen offen zu halten. Dabei warb er auch für eine neue Debatte über sogenannte Small Modular Reactors, also kleine modulare Atomreaktoren. Die klassischen großen Kernkraftwerke seien aus seiner Sicht kein realistisches Zukunftsmodell mehr, bei kleineren Reaktoren und neuen Formen der Kerntechnik wolle Bayern aber in Forschung und Entwicklung vorn mit dabei sein. Auch auf Kernfusion setzte Söder große Hoffnungen. Bayern wolle hier eine führende Rolle einnehmen und strebe an, Standort für neue Demonstrationsprojekte zu werden.

Im Zusammenhang mit den stark gestiegenen Spritpreisen infolge der Krise im Nahen Osten sprach Söder sich für schärfere kartellrechtliche Eingriffsmöglichkeiten aus. Es sei nicht akzeptabel, dass die Preise schon stiegen, bevor sich eine tatsächliche Verknappung beim Rohstoff bemerkbar mache. Zugleich verteidigte er die von ihm durchgesetzte Erhöhung der Pendlerpauschale und brachte erneut ins Gespräch, staatliche Mehreinnahmen aus höheren Energiepreisen an die Bürger zurückzugeben. Die CO2-Bepreisung sei davon allerdings zu unterscheiden. Hier sprach sich Söder grundsätzlich dafür aus, zusätzliche Belastungen für Unternehmen zu begrenzen, um Wettbewerbsnachteile gegenüber China und den USA zu vermeiden.

Mit Blick auf die internationale Lage äußerte Söder Verständnis für das Vorgehen Israels im Nahen Osten und bezeichnete das iranische Regime als eines der schlimmsten der Welt. Zugleich zeigte er sich unsicher, welche Strategie die USA in der Region langfristig verfolgten. Die Sperrung der Straße von Hormus und die daraus resultierenden Folgen für die Energiepreise bereiteten ihm Sorgen. Unabhängig davon mahnte er, den Krieg in der Ukraine nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Leistungen der Ukrainer bezeichnete er als nahezu übermenschlich. Deutschland und Europa müssten deshalb weiter an ihrer Verteidigungsfähigkeit arbeiten und insbesondere den Schutz der östlichen Partner ernst nehmen.

Auch auf innenpolitische und gesellschaftliche Fragen ging Söder ein. Er betonte die Bedeutung von Ehrenamt, Vereinen, Feuerwehren und kommunalem Engagement in Bayern. Die Vorstellung eines weitgehenden gesellschaftlichen Rückzugs in private Räume teile er nicht. Bayern sei nach wie vor stark von bürgerschaftlichem Engagement geprägt. Zugleich hob er die Bedeutung direkter Begegnungen hervor und verteidigte seine starke Präsenz in sozialen Medien als zeitgemäße Form politischer Kommunikation. Diese könne das persönliche Gespräch nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen.

Kritisch äußerte sich Söder erneut zum Länderfinanzausgleich. Bayern trage dort eine aus seiner Sicht überproportionale Last. Der Freistaat zahle inzwischen den größten Teil des Volumens und wolle deshalb weiter rechtlich gegen die bestehende Regelung vorgehen. Bayern sei wirtschaftlich stark genug, um eigenständig bestehen zu können, sagte Söder in einem scherzhaft formulierten, aber bewusst zugespitzten Seitenhieb auf die bundesstaatlichen Finanzstrukturen.

Insgesamt präsentierte sich Söder im PresseClub als Politiker, der auf technologische Modernisierung, wirtschaftliche Stärke und politische Handlungsfähigkeit setzt. Er warb für mehr Mut zu Zukunftstechnologien, schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und eine Politik, die Probleme nicht verwalte, sondern aktiv löse. Seine zentrale Botschaft lautete, dass Bayern in einer unsicherer gewordenen Welt nur dann stark bleibe, wenn es wirtschaftlich leistungsfähig, technologisch mutig und politisch entschlossen handle.

Estland (17): Widerstand gegen Russland lohnt sich

26. Januar 2025

Wenn ich durch die Straßen von Tallinn spaziere, erkenne ich ein klares Statement der Esten zu ihren ukrainischen Nachbarn. Estland steht uneingeschränkt der Ukraine zur Seite.
Dies wird besonders am Freiheitsplatz deutlich.

Eine übergroße ukrainische Fahne weißt auf die ungebrochene Solidarität der Esten mit dem ukrainischen Volk hin. Kein Wunder, denn die Esten wissen was es heißt, von den Russen überfallen und unterdrückt zu werden. Zweimal marschierte die Sowjetunion in dem baltischen Staat ein und hielten gefälschte Wahlen ab. So lag die offizielle Zustimmung 1940 zur von Stalin eingesetzten Marionettenregierung zwischen 90 und 110 Prozent. Die Sowjets betrieben Wahlfälschung im großen Stil und verkündeten bereits die Endergebnisse obwohl die Wahllokale noch eine Stunde geöffnet waren. Die estnische Intelligenz wurde verurteilt und in Arbeitslager nach Sibirien deportiert, in den so genannten Gulag. Nur wenige kehrten davon zurück.

Viele Esten flohen, einige nahmen Fischerboote übe die Ostsee. Das kleine Land blutete als Vasall der Sowjetunion aus. Man war vor allem Lebensmittellieferant für Moskau.

Freiheitskampf
Zuvor wurde das Gebiet von Estland vom russischen Zar besetzt. 1710 erklärte Zar Peter der Große nach der Besetzung „Jetzt sollen sie alle Russen werden“. Und diese Angst hält bis heute an.
Widerstand gegen Russland lohnt sich, dass zeigte das geschichtliche Beispiel der Finnen gegenüber den Intervention der Sowjetunion. Und diese Einstellung haben die Esten heute noch und unterstützen den Freiheitskampf der Ukrainer gegen die russische Besatzung.

1991 kam es zur Unabhängigkeit. Für die Esten ist Jelzin der große Mann. Michael Gorbatschow wird in Estland kritisch gesehen. Seine Truppen des Innenministeriums griffen im Baltikum hart durch. Die Esten antworteten 1991 mit einer Menschenkette durch das ganze Land als eindrucksvolles Symbol. Der Putsch gegen Gorbatschow und die Machtergreifung durch Jelzin war die Rettung für Estland.

Russische Minderheit
In Estland gibt es bis heute eine starke russische Minderheit. In Tallinn gibt es ein Stadtviertel mit gewaltigen Hochhausbauten aus der Sowjetzeit und in diesen Wohnsilos wohnt diese russische Minderheit. Bei den Wahlen beträgt der Stimmenanteil über 10 Prozent der gesamten Stimmen. Ein Stadtteil mit russischer Minderheit kann bei den Wahlen in Estland wahlentscheidend sein. Bedenklich für viele Esten: Die Minderheit ist seit über 40 Jahren im Land und kann kaum die estnische Sprache. Die russische Minderheit ist vom Militärdienst befreit, darf aber bei den Kommunalwahlen die Stimme abgeben. Putin lockt diese Minderheit mit der russischen Staatsbürgerschaft.

Estland (10): Der Cyberangriff auf Estland 2007 – Der erste digitale Krieg

14. Januar 2025

„Man ist vorsichtig bei einem Nachbarn, die einem mehrmals schon die Türe eingeschlagen haben.“So lässt sich das Verhältnis Estland zu seinen Nachbarn Russland auf den Punkt bringen. Die Esten haben schlechte Erfahrungen mit den Sowjets und später mit den Russen gemacht. Für Estland begann der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall Stalins auf das unabhängige Land.

Aber auch nach dem Zerfall der UdSSR sind die Esten misstrauisch gegenüber Moskau. Putin lässt immer wieder die Muskeln spielen. Im Frühjahr 2007 erlebte Estland einen der ersten groß angelegten Cyberangriffe in der Geschichte, der weltweit Aufmerksamkeit erregte und als ein Wendepunkt in der Wahrnehmung von Cyberkriegsführung gilt. Der Vorfall, der sich zwischen April und Mai 2007 ereignete, legte weite Teile der digitalen Infrastruktur Estlands lahm und hatte weitreichende Folgen für die Sicherheitspolitik und das internationale Bewusstsein für Cybergefahren.

Der Streit um die „Bronzestatue“
Der Cyberangriff auf Estland fand vor dem Hintergrund politischer Spannungen zwischen Estland und Russland statt. Der Auslöser war die Entscheidung der estnischen Regierung, die Bronzestatue des sowjetischen Soldaten – ein Denkmal, das den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg symbolisiert – aus dem Stadtzentrum von Tallinn zu entfernen und auf einen Militärfriedhof zu verlegen.

Für viele Esten symbolisierte die Statue die sowjetische Besatzung und Unterdrückung während des Kalten Krieges. Gleichzeitig war sie für viele Russischsprachige und für Russland ein Symbol des antifaschistischen Sieges und der sowjetischen Opfer im Zweiten Weltkrieg. Die Entscheidung der estnischen Regierung führte zu heftigen Protesten in Estland und einer Welle der Empörung in Russland, begleitet von diplomatischen Spannungen.

Der Ablauf des Cyberangriffs
Kurz nach Beginn der Proteste startete eine koordinierte Serie von Cyberangriffen, die Estland für mehrere Wochen heimsuchte. Die Angriffe umfassten verschiedene Formen von Cyberbedrohungen und richteten sich gegen Schlüsselbereiche der estnischen Infrastruktur.

Es gab verschiedene Arten von Angriffe:
Distributed Denial of Service (DDoS)-Angriffe: Diese Angriffe überfluteten Server mit einer massiven Anzahl an Anfragen, sodass sie unter der Last zusammenbrachen und nicht mehr erreichbar waren.
Manipulation von Webseiten: Regierungswebseiten, einschließlich der des Parlaments und des Büros des Premierministers, wurden gehackt und mit Propaganda oder manipulativen Botschaften versehen.
Angriffe auf Banken und Medien: Auch Banken und Medienunternehmen waren betroffen, wodurch es zu Unterbrechungen bei Online-Zahlungsdiensten, der Kommunikation und dem Zugang zu Nachrichten kam.
Die Angriffe trafen fast alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens in Estland:
Regierungsstellen: Ministerien, Regierungswebseiten und das estnische Parlament (Riigikogu) waren Ziel von Cyberangriffen.


Finanzsektor: Estlands Banken, die stark digitalisiert waren, sahen sich massiven Angriffen ausgesetzt, die den Zugang zu Online-Banking-Diensten und Zahlungen blockierten.
Medien und Kommunikation: Nachrichtenseiten und Telekommunikationsanbieter waren betroffen, was die Verbreitung von Informationen erheblich erschwerte.
Bildungs- und Gesundheitswesen: Auch die IT-Systeme von Schulen und Krankenhäusern wurden gestört.

Koordination und Ausmaß
Die Angriffe wurden durch Botnetze durchgeführt, bei denen Hunderttausende infizierte Computer weltweit benutzt wurden, um die Server Estlands zu überlasten. Viele der Angriffe wurden auf Online-Foren und Plattformen koordiniert, die auf russischsprachige Nutzer ausgerichtet waren.

Verdacht auf russische Beteiligung
Estland beschuldigte Moskau, direkt oder indirekt hinter den Angriffen zu stehen. Zwar wurde nie ein offizieller Beweis erbracht, dass die russische Regierung den Angriff befohlen hatte, doch es gab deutliche Hinweise darauf, dass die Attacken aus russischsprachigen Netzwerken koordiniert wurden. Zudem heizten die politischen Spannungen um die Bronzestatue die Vermutung an, dass der Cyberangriff Teil einer hybriden Strategie Russlands war, Druck auf Estland auszuüben.
Russland wies jede Verantwortung zurück und erklärte, dass die Angriffe von privaten Akteuren ausgegangen seien. Dennoch bleibt der Vorfall ein frühes Beispiel für die Nutzung von Cyberkriegsführung in geopolitischen Konflikten.

Folgen für Estland
Der Cyberangriff hatte weitreichende Konsequenzen für Estland und die internationale Gemeinschaft:
Digitale Verteidigung: Estland war eines der digitalisiertesten Länder der Welt, mit umfangreicher E-Governance und Online-Diensten. Der Angriff zeigte jedoch Schwachstellen in der Cyberabwehr auf.

Aufbau von Cybersicherheitsstrukturen: Nach dem Angriff investierte Estland massiv in Cybersicherheit und wurde zu einem Vorreiter in diesem Bereich. Heute ist Estland Gastgeber des NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence (CCDCOE), das 2008 in Tallinn gegründet wurde.

Der Fall Estland war ein frühes Beispiel für hybride Kriegsführung, bei der Cyberangriffe als Mittel der politischen und wirtschaftlichen Destabilisierung eingesetzt werden. Diese Strategie wurde später in Konflikten wie in der Ukraine weiterentwickelt.

Der Angriff als Wendepunkt in der Cybersicherheit
Der Cyberangriff auf Estland 2007 gilt heute als Meilenstein in der Geschichte der Cybersicherheit. Er zeigte, dass Angriffe auf digitale Infrastrukturen genauso zerstörerisch sein können wie physische Angriffe und dass die Abhängigkeit von digitalen Systemen neue Verwundbarkeiten mit sich bringt.

Estlands Reaktion auf den Angriff – vom Aufbau robuster Cybersicherheitsmaßnahmen bis hin zur Förderung internationaler Zusammenarbeit – hat das Land zu einem globalen Vorreiter gemacht. Der Vorfall bleibt ein eindringliches Beispiel für die Bedrohung durch Cyberkriegsführung und die Notwendigkeit, sich gegen diese modernen Angriffe zu wappnen.

Und die Ukraine rüstet auf. In der ersten Januar-Woche 2025 griffen ukrainische Hacker an. Der in St. Petersburg ansässige russische Internetprovider Nodex ist Ziel eines Cyberangriffs geworden, der Hackern aus der Ukraine zugeschrieben wird. „Das Netzwerk ist zerstört“, gab der Provider selbst auf der russischen Social-Media-Plattform VKontakte bekannt.

Technik, die verbindet, damit sich Kundin und Verkäufer verstehen – ein Beispiel

4. November 2023

Kommunikation unter Menschen ist enorm wichtig, um Missverständnisse auszuräumen und sich über Gemeinsamkeiten klar zu werden. Wenn die Menschen mehr miteinander statt übereinander reden, dann klappt es mit der Menschheit auch. Ich nutze beispielsweise Übersetzungssoftware bei meinen Medienkompetenzschulungen für Kinder mit Migrationshintergrund. Meine bevorzugte Software ist dabei deepl.

Bei meinem jüngsten Einkauf bei meinen Lieblingsfischhändler in Fürstenfeldbruck, dem Brucker Hafen, konnte ich eine wunderbare Situation beobachten und genießen. Eingekauft hatte eine Dame aus der Ukraine, die kein Deutsch sprach – zumindest nicht, wenn es um Fische geht. Sie zückte ihr Smartphone und sprach auf Russisch in ihre Übersetzungssoftware.

Mein Fischhändler Koray Menekseoglu ist Türke, der ein perfektes Deutsch spricht. Der Brucker Hafen hat 2011 den Gründerpreis der örtlichen Sparkasse Fürstenfeldbruck verliehen bekommen in der Kategorie StartUp. Also Koray Menekseoglu schaut auf die deutsche Übersetzung der Ukrainerin, spricht seine Antworten auf Deutsch und das Software übersetzt sie auf Russisch zurück. So geht es eine ganze Weile und beide Beteiligten haben sichtlich ihren Spaß. Ich frage mich, warum die Ukrainerin den Text nicht auf Türkisch ausgibt, aber egal. Irgendwann fängt Koray Menekseoglu dann zu scherzen an und das Gespräch endet in einem großen Gelächter. Vielleicht hat die Software Humor nicht richtig verstanden, aber auf jeden Fall haben sich Kundin und Verkäufer gut verstanden und gelacht.

Ich saß auf einen Stuhl und genoss die Szene und die Kommunikation. Technik im Alltag, die verbindet und das ist großartig. Ich versuchte dann meinen Fisch auf Russisch zu bestellen, was allerdings scheiterte. Ich blieb beim Deutsch.

Die Arbeit als Kriegsberichterstatter in der Ukraine

24. Juni 2023

„Das System Putin hat tiefere Risse als viele wahrhaben wollten“, erklärte Ibrahim Naber, Kriegsberichterstatter der Welt in der Ukraine auf einem Vortrag in Kloster Banz.

Der ausgebildete Journalist war sechsmal in der Ukraine und berichtete aus erster Hand von seinen Erfahrungen von der Front.
Der Vortrag überschnitt sich mit den aktuellen Ereignissen, die dazu führten, dass Naber seinen Vortrag über Nacht aktualisierte. „Wir wissen noch relativ wenig“, so Naber, der als Berichterstatter nicht spekulierte, sondern versuchte die Fakten einzuordnen. „Gegebenenfalls wird das System Putin neu aufgestellt“, aber die Ereignisse überschlagen sich. Der Chef der Söldnergruppe Wagner, Prigoschin, hat sich offen gegen die russische Militärführung und Verteidigungsminister Schoigu gestellt. Seine Einheiten griffen Einrichtungen des offiziellen Militärs im Süden des Landes an. Zunächst erlangten sie die Kontrolle über Stellungen in Rostow am Don, gegen Mittag laut BBC wohl auch über solche in der Region Woronesch, rund 500 Kilometer weiter nördlich. Die Stadt liegt auf halbem Weg zwischen Rostow und Moskau. In der Hauptstadt wurde der Anti-Terror-Notstand verhängt. Schon seit der Nacht sind Militärfahrzeuge auf den Moskauer Straßen unterwegs. Präsident Putin sprach im Fernsehen von einer tödlichen Bedrohung und kündigte an, die Aufständischen würden als Verräter bestraft.

Der Welt-Journalist wollte nicht von einem Putsch sprechen. Er hörte allerdings von Memes aus der Ukraine, die besagen: „Das Popkorn ist ausverkauft“. Dennoch mahnte er, alle Informationen mit Vorsicht zu genießen. Er geht davon aus, dass die Aktion von Wagner-Chef Prigoschin keine spontane Aktion gewesen sei. Putin stehe hinter seinem Verteidigungsminister und habe sich klar positioniert.

Mit eindrucksvollen Bilder berichtete Ibrahim Naber von seinen Erlebnissen als Kriegsreporter, zeigte Live-Schaltungen aus einem Rettungsboot nach der Sprengung des Staudamms in Cherson. Nach Recherchen der New York Times hätten wohl die Russen den Staudamm gesprengt und das Land überflutet. Für Ibrahim Naber war klar: „Wir stehen vor entscheidenen Monaten – es wird ein Sommer der Entscheidung.“

Naber positionierte sich in einem Kommentar: „Trotz allem rechne ich persönlich fest damit, dass das ukrainische Militär die russischen Verteidigungslinien an bestimmten Frontabschnitten durchbrechen wird. Ich halte es für realistisch, dass wir wie im Herbst 2022 erneut eine Art „Charkiw-Moment“ erleben, also eine Situation, in der russische Truppen an bestimmten Abschnitten plötzlich blank dastehen.

Hoffnungen auf einen überwältigenden ukrainischen Vorstoß, der in wenigen Monaten zur Rückeroberung weiter Teile der bislang besetzten Gebiete führt, halte ich derzeit für unwahrscheinlich. Eigentlich gibt es nur ein Szenario, in dem dies denkbar wäre: Wenn unter russischen Soldaten auf breiter Front Panik ausbricht und die Ordnung verloren geht.“
Und eindeutig: „Deutschland, Europa und die USA müssen grundsätzlich klären, was aus ihrer Sicht das Ziel dieser Gegenoffensive ist. Soll die Ukraine am Ende aller Kämpfe irgendwie überleben – oder soll sie wirklich gewinnen, also weite Teile der derzeit besetzten Gebiete zurückerobern? Für Letzteres liefern wir zu langsam und zu wenig.“ Die Luftüberlegenheit der Russen sei enorm. Die möglichen F16 würde punktuell eine Hilfe bringen. „Wenn wir es ernst meinen, müssen wir diese Dinge liefern.“ Und der Journalist meinte auch: „Ich sehe keine Bereitschaft bei den Ukrainern Land für Frieden einzutauschen.“

Anschließend habe ich mit Ibrahim Naber ein Interview über die Arbeit eines Kriegsberichterstatters geführt, das mehr über die Arbeitsweise als über die tagesaktuellen Ereignisse geht.

Ukraine-Krieg: Videogame gilt geflüchteten Kindern

24. Februar 2023

Heute jährt sich der brutale Überfall Russlands auf den Nachbar Ukraine und das ist das Thema des Tages in allen Medien. Enorme Flüchtlingsströme zogen nach Europa und die Gemeinden und Städte haben Probleme die Familien unterzubringen. Ich stelle hier ein Projekt vor wie sich Kindern aus der Ukraine in Zürich zurecht finden können. Und das gelingt anhand des Videospiels Where Am I?

Ein Videogame soll geflüchteten ukrainischen Kindern und Jugendlichen in Zürich helfen, die Stadt in einem vertrauten Rahmen zu entdecken. Das interaktive Spiel wurde von der ZHAW zusammen mit Blindflug Studios lanciert.

Krieg und Zerstörung bedeuten insbesondere für Kinder einen schlagartigen Verlust von Vertrautem. Ukrainische Kinder und Jugendliche müssen sich fern von ihrer Heimat in einer oft fremden Umgebung zurechtfinden. Deshalb hat die ZHAW ein Videogame entwickelt, mit dem sie sich mit der Stadt Zürich vertraut machen können und gleichzeitig einen Bezug zu ihrer Heimat schaffen können. „Де я знаходжуся?“ lautet der Titel des Spiels auf Ukrainisch, zu Deutsch „Wo bin ich?“. Es wurde im Rahmen des „Umgangs mit Notsituationen als Folgen des Kriegs gegen die Ukraine“ von der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH) gefördert.

Architektur und Vertrautheit
Das Videogame Where Am I? greift die baukulturellen Aspekte einer Flucht auf. Nicht nur werden Gebäude in der ukrainischen Heimat beschädigt und zerstört, auch der neue Ort ist fremd. Durch das virtuelle Einbetten von ukrainischen Gebäuden in die Stadt Zürich wird ein Teil der Heimat in die unbekannte Stadt integriert. Unter der Leitung von ZHAW-Forscher Andri Gerber bauten Studierende detailliert berühmte Wahrzeichen aus Kyiv und Zürich als Modelle nach und fügten diese in eine bunte 3D-Version der Zürcher Innenstadt ein. Mithilfe vom Schweizer Game-Entwickler Blindflug Studios wurde daraus ein Handyspiel erstellt, in dem die Spieler:innen Zürich erkunden und dabei die Wahrzeichen beider Städte auffinden können.

Zürich digital erkunden
Die Spielwelt erstreckt sich entlang der Limmat bis zur ETH Zürich und Hauptbahnhof, und wird mit Hilfe einer Karte und eines Scooters erkundet. Einige Zürcher Gebäude lösen sich während dem Spiel in Luft auf und die Spieler haben die Aufgabe, in der Stadt verteilte Puzzlestücken in die Gebäude zurückzubringen. Am Ende jedes Puzzles erscheint jedoch nicht das Zürcher Bauwerk, sondern ein Wahrzeichen aus Kyiv wie die St. Andreas Kirche, die Schewtschenko-Universität oder das Hotel Saljut.

Where Am I? im Apple App Store

Where Am I? im Google Play Store

Amerikaner schauen immer vorwärts – Hintergrundgespräch mit US-Generalkonsul Timothy Liston

25. Januar 2023

„Die Welt hat sich geändert seitdem ich in Deutschland bin“,  stellte der US-Generalkonsul Timothy Liston  fest. Der ranghöchste Vertreter der Vereinigten Staaten in Bayern ist seit 2021 in der bayerischen Landeshauptstadt und mit einer Münchnerin verheiratet. In einem Hintergrundgespräch im PresseClub München erläuterte er die US-amerikanische Position. Die Veranstaltung wurde von Anita Bauer-Duré moderiert.


Bei seinem Eintreffen in München war seine Aufgabe das Engagement der USA für Bayern und die transatlantische Partnerschaft zu bekräftigen. „Doch heute haben wir wieder Krieg in Europa durch den rechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine.“

Über die Trump-Zeiten wollte Liston nicht sprechen. Er meinte diplomatisch im besten Deutsch mit bayerischem Akzent: „Amerikaner schauen immer vorwärts.“ Die Themen Verteidigung und Sicherheit sind seit Februar 2022 ganz präsent. „Es zeigt sich, wie wichtig die NATO ist.“ Die neutralen Staaten Finnland und Schweden stellen in der neuen Weltlage eine Beitrittsanfrage zur NATO.


„Die Partnerschaft zwischen Deutschland und den USA ist so stark wie nie zuvor“, erklärte der US-Generalkonsul. Seine Regierung unterstütze das ukrainische Volk in seinem Kampf gegen die russischen Invasoren mit Waffen, „mit denen sie sich nicht nur verteidigen, sondern siegen können.“  Liston betonte: „Die Ukraine kämpft für uns, freien Handel und die Menschenrechte.“
Der US-Generalkonsul lobte das deutsche Engagement. „Wir stehen Schulter an Schulter.“ Deutschland habe eine erhebliche Summe beigetragen und leiste eine enorme humanitäre Hilfe bei der Unterbringung der Flüchtlinge. „Ich könnte mir keinen besseren Partner als Deutschland vorstellen“, so Timothy Liston.
Um die transatlantischen Beziehungen kümmert sich Liston aber weiterhin. Die American-Football-Liga NFL hatte im November 2022 München als Ausrichter für ihr erstes reguläres NFL-Spiel in Deutschland ausgewählt. Damals trafen die Tampa Bay Buccaneers und die Seattle Seahawks aufeinander. Liston bestätigte, dass Deutschland zwei weitere NFL-Spiele 2023 ausrichten soll. Ob München wieder mit von der Partie ist, könne er nicht sagen.
Aber auch in rechtlichen Angelegenheiten wie Rechtsextremismus oder Antizionismus müssten Deutschland und die Vereinigten Staaten wieder stärker zusammenarbeiten. „Ohne Zusammenarbeit können wir unsere Probleme in Deutschland und USA nicht lösen.“ Dies sagte Liston sicherlich auch in Richtung Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die der Veranstaltung im Münchner PresseClub beiwohnte.



Zur Person Timothy Liston
Seit Juli 2021 vertritt US-Generalkonsul Timothy Liston sein Land in München. Er ist der ranghöchste Vertreter der Vereinigten Staaten in Bayern und wird in den nächsten Jahren die vielfältigen bayerisch-amerikanischen Aktivitäten leiten. Deutschland kennt er schon von früher als er Austauschstudent und Bundestagsstipendiat war. Er spricht fließend Deutsch mit bayerischem Akzent. Da er mit einer Münchnerin verheiratet ist, hat er eine besondere Beziehung zu Bayern und München. Seine diplomatischen Stationen waren unter anderem Vietnam, Wien, Berlin und Vilnius.

Disclaimer: Da es sich um ein Hintergrundgespräch im PresseClub München handelte, lag dieser Text der Pressestelle des US-Generalkonsulats zur Freigabe vor.

Informationskrieg Putins entgegen wirken durch Medienkompetenz

26. Juli 2022

In meinem wöchentlichen kostenlosen Newsletter gehe ich auch immer auf dem Informationskrieg in der Ukraine ein. Als Journalist habe ich die Schwierigkeit, welcher der beiden Kriegsparteien soll ich glauben, wenn ich die Informationen nicht überprüfen kann. Das ist ein echtes Problem. Also heißt es kritisch sein und wenn möglich, die Informationen auf ihre Plausibilität checken.

Olga Kotlytska betreibt mit Kolleginnen den Sender „Radio Wahrheit für Russland“

Diese Chance hat die russische Bevölkerung nicht, nachdem in Russland die Medien einer Zensur unterliegen. Dennoch gibt es Möglichkeiten auch unter Putin an unabhängige Informationen zu kommen. Wie diese hier: Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, die ukrainische Reporterin Olga Kotlytska zu treffen, die mit Kolleginnen zusammen den Radiosender „Radio Wahrheit für Russland“ betreibt. Zusammen mit meiner Kollegin Maria Filina habe ich Olga Kotlytska nach Geretsried eingeladen, um bei unserer Veranstaltung „Wir müssen reden“ sich vorzustellen.

Russische und ukrainische Journalistinnen haben in München den Sender „Radio Wahrheit für Russland“ gegründet. Olga Kotlytska erzählte mir von dem Senderkonzept. Mit unabhängigen Berichten über den Krieg wollen sie der russischen Propaganda entgegenwirken. Sie machen ein Radioprogramm aus München in russischer Sprache. Einmal pro Woche zeichnen sie in München auf und gehen auf Sendung – und zwar neben Youtube und Telegram vor allem auf Kurzwelle. Anders als Websites werden diese nur zum Teil von Russland geblockt und haben eine hohe Reichweite. Die Hörer lassen sich anders wie im Netz nicht nachverfolgen. Radio an und fertig. Kein Stream im Netz, dessen IP-Adresse für russische Behörden nachvollziehbar ist, wer was wann gehört hat.

„Radio Wahrheit für Russland“ will mit Interviews und Berichten gegen die russische Propaganda wirken – und das mit kleinen Erfolg, wie Mails beweisen, so Olga Kotlytska.

Auch die Bitkom in Berlin schaut auf die Berichterstattung im Ukraine-Krieg. Ob über Blogs, Messenger-Kanäle oder Video-Plattformen: Kremltreue Nachrichtenangebote und selbst ernannte „alternative Medien“ verbreiten nicht erst seit Beginn des Ukraine-Krieges pro-russische Propaganda und gezielte Desinformation im Netz. Die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger zeigt sich dafür allerdings nicht empfänglich, so die Bitkom: So geben lediglich 4 Prozent an, russische Medien für vertrauenswürdig zu halten, wenn es um den Wahrheitsgehalt von Informationen zum Krieg in der Ukraine geht. 3 Prozent sagen dies über die russische Regierung. Im Gegenzug halten 87 Prozent die russische Regierung für wenig bis überhaupt nicht vertrauenswürdig und 80 Prozent sagen dies über russische Medien. Die übrigen können die Vertrauenswürdigkeit nicht beurteilen oder machen dazu keine Angabe. Das ist das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 1.004 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren. Umgekehrt wird der ukrainischen Regierung (78 Prozent) und den ukrainischen Medien (70 Prozent) von einem deutlichen größeren Teil der Befragten Vertrauen geschenkt. Insbesondere der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldet sich nahezu täglich in sozialen Medien, um seine Sichtweise auf den Krieg gegen sein Land zu teilen. „Der rechtswidrige russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wird von einer massiven Desinformationskampagne begleitet, mit der der Kreml destabilisierend wirken und in westlichen Ländern bewusste falsche Narrative setzen will. Die allermeisten Menschen trauen russischen Medien nicht. Viele erkennen die zahlreichen Inhalte und Posts, die direkt oder mittelbar auf den Kreml zurückgehen, allerdings als solche nicht. Es wird immer wichtiger und dringender, die Medienkompetenz in der gesamten Breite der Gesellschaft zu entwickeln“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Da stimme ich ihn zu. Zusammen mit meinen Kollegen Maria Filina und Thomas Gerlach führe ich Seminare zum Thema Fake News durch, um die Medienkompetenz zu verbessern.
Fast drei Viertel der Deutschen (72 Prozent) sorgen sich über die Verbreitung von Falschinformationen in sozialen Medien zum Krieg in der Ukraine. 57 Prozent finden es schwierig, Informationen über den Krieg in der Ukraine richtig einzuordnen und 62 Prozent der Internetnutzer prüfen die Vertrauenswürdigkeit einer Quelle, bevor Informationen im Netz geteilt werden. Das werte ich als großen Aufklärungserfolg.
Jeder und jede sechste (17 Prozent) konsumiert seit dem Krieg in der Ukraine auch mehr internationale Nachrichten als zuvor.

Medienaktion für ukrainische Kinder

16. Juni 2022

Ich bin sehr angetan, was die deutsche Gesellschaft tut, um den geflüchteten ukrainischen Kindern vorübergehend eine Heimat zu geben. Nach der Fluchtbewegung 2015 ist Deutschland anders vorbereitet auf die Flüchtlinge aus der Ukraine. Jetzt sind es zumeist Frauen und Kinder, die Schutz suchen, während die Mehrzahl der Männer mit der Waffe in der Hand sich gegen die Invasion Putins stemmt.

Wenn ich ins Netz schaue, gibt es zahlreiche Initiativen, um ukrainischen Kinder den Einstieg in den Schulunterricht zu erleichtern. Zusammen mit einer Kollegin unterstützte ich Bildungsträger bei interkulturellen Herausforderungen in Schulen, Kirchen oder Vereinen.

Bild: NDR/Sesame Workshop

Aber auch Information und Unterhaltung darf nicht zu kurz kommen. Die Tagesschau und Springer Medien haben u.a. ihr Angebot in die ukrainische und russische Sprache übersetzt. Und auch die Sendung mit der Maus gibt es auf Ukrainisch. Aber es gibt noch mehr. Zwei Beispiele hab ich heute ausgewählt.
Die Sesamstraße bietet Kindern aus der Ukraine ein Programm in ihrer Muttersprache. Spots mit Elmo, Ernie und Bert und anderen beliebten Sesamstraßen Figuren sind jetzt neu in der ARD Mediathek und auf KiKA.de abrufbar. Auf beiden Kanälen ergänzen die kurzen Filme mit Elmo, Ernie, Bert und weiteren bekannten Puppen das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender, das speziell für vor dem Krieg geflüchtete Kinder aus der Ukraine geschaffen wurde.

Jetzt gibt es das Micky Maus-Magazin gibt es erstmals in ukrainischer Sprache. Egmont Ehapa Media hat die kostenlose Sonderausgabe mit Unterstützung von Mohn Media Mohndruck eigens für geflüchtete Kinder aus der Ukraine entwickelt und gedruckt. Mit dieser Aktion leistet Egmont Ehapa einen Beitrag, um ukrainischen Kindern ein Stück Vertrautheit, Freude und Leichtigkeit in ihrem neuen und noch ungewohnten Alltag in Deutschland zu bringen. Die ukrainische Sonderausgabe umfasst 36 Seiten und enthält beliebte Comics aus Entenhausen sowie lustige Witze, Tipps und Tricks aus der Redaktion.
Die Druckauflage des Sonderhefts umfasst 5.000 Exemplare. Schulen und soziale Einrichtungen können bei entsprechendem Institutionsnachweis anfordern. Der Versand der Sonderauflage erfolgt, solange der Vorrat reicht. Die Magazine und deren Versand sind kostenfrei.

Die letzten Fotos aus dem Stahlwerk Mariupol

24. Mai 2022

Die Schlacht um das Stahlwerk von Mariupol scheint erst einmal entschieden. Die 2439 ukrainischen Soldaten ergaben sich den russischen Aggressoren und gingen in Kriegsgefangenschaft. Unter ihnen der Soldat und Fotograf Dimitriy Kozatskiy. Er schoß eindringliche Bilder von den Verteidigern des Stahlwerks und verbreitete sie auf Twitter.

Seine letzten Worte sind verbunden mit einem Wunsch: „Nun, das ist alles. Danke aus der Zuflucht von Azovstal – dem Ort meines Todes und meines Lebens.“ Er postete einen Link zu seinen Fotos, zum Download „während ich in Gefangenschaft bin“. Seine Bitte: „Schickt sie an alle journalistischen Preisverleihungen und Fotowettbewerbe, wenn ich etwas gewinne, wird das nach der Freilassung sehr schön sein.“

Ich habe die Fotos von Dimitriy Kozatskiy aus Google Drive geladen, heruntergerechnet und hier veröffentlicht. Ich habe zwar keinen Fotowettbewerb, möchte mich aber an der Verbreitung dieser sensationellen Bilder via Social Media und meinem Blog beteiligen, um Gehör zu finden. Auf jeden Fall werde ich die Bilder in mein nächstes Fotoseminar für politische Fotografie einbauen.

So dramatisch die Lage für die Verteidiger des Stahlwerkes ist, so hervorragend sind die Fotos von Dimitriy Kozatskiy. Sie zeigen Menschen in Ausnahmesituationen, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben.