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Mein persönlicher Jahresrückblick 2025

31. Dezember 2025

Das Jahr 2025 war ein Jahr der drastischen Veränderung. In diesem Jahr verstarb meine geliebte Mutter überraschend. Ich konnte sie in ihren letzten Momenten nicht begleiten, weil ich an der Ostsee weilte. Zehn Stunden Rückfahrt waren lang. Ich konnte nicht bei ihr sein. Jetzt bin ich nach dem Tod meines Vaters zur Corona-Zeit wirklich das Familienoberhaupt und ich trage schwer an dieser Bürde. Die Bürokratie bei einer Erbschaft frustete mich gewaltig. Aber ganz herzlichen Dank an meine Frau und meine Kinder, die hier immer zur Seite standen.

Monster Bürokratie
Aufgelöst haben wir einen Verein BEST, den meine Kollegin Maria Filina und ich mit Unterstützung der Landtagsabgeordneten Barbara Becker gegründet hatte. Er sollte russischsprachigen Menschen eine Eingliederung in das deutsche Gesundheitswesen ermöglichen. Meine persönliche Erkenntnis: Das bürokratische Gesundheitswesen in Deutschland ist oftmals an keiner Lösung interessiert. Den engagierten Leuten werden Hürden in den Weg gelegt. Das frustrierte mich, obwohl wir mit BEST natürlich auch Erfolge hatten. Danke an alle, die sich engagiert haben.

15 Jahre redaktion42
Aber es ging auch aufwärts im vergangenen Jahr. Ich feierte im März den 15. Geburtstag meines Unternehmens redaktion42. Eigentlich ist es schon älter, weil ich es neben meiner damaligen Festanstellung mein Unternehmen parallel dazu aufgebaut habe. Aber seit 15 Jahren bin ich wirklich selbstständig.

Es gelang 2025 mir neue Kunden zu gewinnen, nachdem bestehenden Kunden unter massiver Finanznot zu leiden haben. Für politische Bildung ist trotz finsterer Zeiten immer weniger Geld vorhanden. Die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel. „Du musst den Gürtel enger schnallen“ habe ich immer wieder gehört von Leute in einer soliden Festanstellung. Aber zurücklehnen und zu jammern ist nicht mein Ding, sondern ich versuche aktiv den Markt zu bearbeiten.

BistroTalk nimmt Fahrt auf
Dazu gehört auch eine gewisse Investitionsbereitschaft, die sich nicht sofort in bare Münze auszahlt. So hieß es 2025 experimentieren, zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Eines der Experimente war das Live-Streaming BistroTalk in YouTube aus meinem zweiten Wohnzimmer, der Bar Sixtyfour in Maisach. Gastronom Uwe Flügel und seine Frau Ruby stellten mir ihr Bistro als Streamingstudio zur Verfügung. Ganz herzlichen Dank und auch Dank für eure Freundschaft.

Ich lud lokale Prominenz aus meinem Wohnort Maisach zu diesem Videopodcast ein, sprach mit ihnen vor Publikum und streamte die Veranstaltung live ins Netz mit drei Kameras und einem ATEM-Mischer. Dieses Experiment, das 2026 fortgesetzt wird, brachte dem Bistro und mir neue Kunden und den Gästen lokale Aufmerksamkeit. Also eine Win-Win-Win-Situation für alle. Vielleicht gibt es 2026 die Möglichkeit für den BistroTalk einen lokalen Sponsor zu finden.

Fortbildung zum Digitalbegleiter
Als ich vor Jahren Pressereferent der Handwerkskammer in München und Oberbayern war, schrieb ich in die Reden meines Präsidenten zum Thema Weiterbildung den bekannten Ausspruch von Laozi: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“ Das hab ich mir gemerkt und immer Augen und Ohren offen gehalten, um Bildung zu erhalten. Dieses Jahr stand vor allem das Thema KI an, denn aus meiner Sicht verändert Künstliche Intelligenz unsere Welt drastisch und nachhaltig. Ich saugte Wissen auf, transformierte es in Vorträge und Seminare, um dieses Wissen weiterzugeben. Das habe ich als Journalist gelernt: Komplizierte Sachverhalte zu recherchieren, zu bewerten und weiterzugeben. So oft habe ich erlebt, dass so genannte Experten unfähig sind, ihr Wissen zu vermitteln.

Und ich habe dieses Jahr einen Fortbildung zum Digitalbegleiter gemacht. Im Hinblick auf eine älter werdende Gesellschaft ist es wichtig, dass Senioren den Anschluss an die digitale Welt nicht verpassen. Und so habe ich auch neue Kunden durch diese Fortbildung gewinnen können.

52 Newsletter verschickt
Jeden Sonntag morgen verschicke ich zuverlässig meinen Newsletter. Der dient in erster Linie dazu, meine Seminare und Veranstaltungen zu bewerben. Aber er liefert zudem Informationen aus den Bereichen Internet, KI, Social Media und unterhaltende Elemente wie Film-, Buch- und Musiktipps wobei Links zu meinen Blogposts der vergangenen Woche. Der Newsletter macht ziemlich Arbeit und das gewünschte Ziel, Leute für Seminare zu begeistern, gelingt.

Rund 1000 Interessierte haben den kostenlosen Newsletter abonniert. Sie können gerne auch dabei sein. Vielleicht gelingt es mir 2026 sogar einen Sponsorpartner dafür zu finden, denn das Newsletter-System geht ziemlich ins Geld. Aber ich mache auch 2026 mit meinem wöchentlichen Newsletter weiter. Das Abo gibt es hier.

Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck
Etabliert hat sich auch meine Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Regelmäßig bespreche ich Filmklassiker vor Publikum. Die Fangemeinde wächst und wächst. Zusammen mit dem Geschäftsführer des Scalas Markus Schmölz haben wir mit phantastischen Filmen gestartet und die Matineen um Komödien und Western erweitert.

Das Programm für das erste Halbjahr 2026 steht fest und ich bin davon überzeugt, dass es angenommen wird. Die Kombination Film und Populärkultur ist meine Leidenschaft. Danke an das Scala für den Mut und die Bereitschaft neue Wege zu gehen.

Persönlich: Mein Buch-Tipp 2025
Mein Buch des Jahres war Ikigai von Ken Mogi. Ken Mogis Ikigai. Die japanische Lebenskunst ist ein schmales, leicht zugängliches Sachbuch, das den japanischen Begriff „Ikigai“ – sinngemäß das, wofür es sich zu leben lohnt – einem westlichen Publikum näherbringen möchte. Mogi, selbst Neurowissenschaftler, verbindet dabei persönliche Beobachtungen, kulturelle Einordnungen und einfache Lebensweisheiten zu einer Art philosophischem Essay über Sinn, Achtsamkeit und Lebensfreude.

Im Zentrum stehen fünf Grundpfeiler des Ikigai: klein anfangen, sich selbst loslassen, Harmonie und Nachhaltigkeit leben, die Freude an kleinen Dingen entdecken und ganz im Hier und Jetzt sein. Diese Prinzipien werden nicht systematisch wissenschaftlich hergeleitet, sondern eher erzählerisch entfaltet. Mogi greift auf Beispiele aus dem japanischen Alltag zurück – von Sushi-Meistern über Handwerker bis hin zu alltäglichen Routinen – und zeigt, wie Sinnstiftung weniger aus großen Lebensentwürfen als aus beständiger Hingabe an das eigene Tun entsteht.

Die Stärke des Buches liegt für mich in seiner ruhigen, unaufgeregten Tonalität. Ikigai lädt zur Entschleunigung ein und wirkt gerade durch seine Einfachheit. Der Autor vermeidet dogmatische Ratschläge und vermittelt stattdessen eine Haltung: Aufmerksamkeit für das Kleine, Respekt vor Prozessen und Geduld mit sich selbst. Ich bekam sogar von einer netten Kollegin ein entsprechendes T-Shirt geschenkt. Vielen Dank Anita.

Persönlich: Mein Album-Tipp 2025
Ich hatte neulich schon über mein Album 2025 ausführlich gebloggt. Nebraska von Bruce Springsteen in der Extended Version. Mit Nebraska zeigte Bruce Springsteen 1982 eine radikale, bis heute verstörend wirkungsvolle Seite seines Schaffens. In der Extended Version entfaltet sich dieses Album noch deutlicher als karges Gegenstück zum Pathos späterer Stadionhymnen. Die Songs, ursprünglich als rohe Heim-Demos aufgenommen, erzählen von Verlierern, Außenseitern und moralischer Leere im amerikanischen Alltag. Springsteens Stimme klingt brüchig, fast dokumentarisch, begleitet nur von Akustikgitarre, Mundharmonika und gelegentlichen düsteren Klangflächen.

Gerade in der erweiterten Fassung wird Nebraska weniger als Sammlung einzelner Lieder, sondern als geschlossenes Stimmungsbild erfahrbar: ein Amerika der leisen Verzweiflung, fern von Glanz und Erlösung. Die zusätzliche Laufzeit verstärkt den Eindruck von Trostlosigkeit und Konsequenz, ohne das Album zu verwässern. Nebraska bleibt damit eines der mutigsten und nachhaltigsten Werke Springsteens – unbequem, reduziert und gerade deshalb von zeitloser Kraft.

Persönlich: Meine Konzerte 2025
Durch den überraschenden Tod meiner Mutter hatte ich eine neue Freiheit gewonnen, die mir durch Pflege meiner Mutter verwehrt gewesen blieb. Nun konnte ich mit meiner Frau wieder reisen und auf Konzerte gehen, in einem Ausmaß, das ich früher nicht machen konnte.

Ich besuchte zahlreiche Privatkonzerte in München mit beispielsweise Dominik Plangger, reiste u.a. zu Neil Young nach Berlin, hörte Kruger und Dorfmeister und auch Karl Bartos, aber die wichtigsten Konzerte für mich im Jahre 2025 waren auf den Stuttgarter Jazz-Festival als ich Kraftwerk, Jean-Michel Jarre und Martin Kohlstedt lauschen durfte. Über all die Konzerte habe ich gebloggt. Kraftwerk bleibt für mich die wichtigste deutsche Band. JMJ begleitet mich seit meiner Jugend und ich wollte diesen einstigen Vertreter der Musique Concrete unbedingt mal live sehen: Überwältigend.

Martin Kohlstedt gehört für mich zu den eigenständigsten Stimmen der zeitgenössischen Instrumentalmusik. Seine Kompositionen bewegen sich zwischen Minimal Music, Neoklassik und elektronischer Offenheit und entwickeln eine große emotionale Tiefe, ohne je pathetisch zu wirken. Besonders charakteristisch ist sein modulares Konzept: Stücke sind keine abgeschlossenen Werke, sondern lebendige Systeme, die sich in Konzerten immer wieder neu formen.

Und ich traf wieder den großartigen Schriftsteller Tim Pröse bei einer seiner emotionalen Buchvorstellungen.

Persönlich: Meine Reisen
Ich genoss dieses Jahr meine Reise nach Schottland , nach Bayreuth oder auch ins wunderschöne Lübeck. Dieses Jahr war aber meine wichtigste Reise nach Estland. Mitten im Winter zeigte sich dieser baltische Staat von einer Schönheit, die ich so nie erwartet hatte. Und ich habe die Angst der Esten vor einer drohenden russischen Invasion kennengelernt. Die Esten waren mehrmals von Deutschen und Sowjets besetzt und litten darunter. Sie mussten den ersten Cyberkrieg der Russen erleben und sind achtsam. Ich bewundere zudem die weitreichende Digitalisierung. „Die Deutschen denken zuerst nach und handeln dann – nicht!“ Dieser Satz ist mir hängen geblieben. Ich habe die Reise ausführlich mit schwarzweiß Fotos dokumentiert. Dabei habe ich festgestellt, wie stark SW wirkt.

Zum Leidwesen meiner Frau habe ich auch wieder angefangen analog zu fotografieren. Und zwar mit einer SX-70 von Polaroid von 1974. Ja, ganz richtig: Ich habe wieder mit Sofortbilder begonnen. Das war noch Fotografie, wie ich sie liebe.

Eine große Freude und Inspiration war es, den Sohn der großartigen Fotografin Lee Miller Antony Penrose und den renommierten Leica-Fotografen Herbert Piel zu treffen und zu sprechen.

Persönlich: Meine Anschaffung
Ich habe dieses Jahr investiert und mir eine Apple Vision Pro zugelegt. Die Apple Vision Pro ist mehr als ein technisches Wunder – sie ist für mich ein Tor zu einer Welt, in der Arbeit nicht länger an starre Grenzen gebunden ist, sondern sich wie ein lebendiger Strom um den Menschen herum entfaltet. Allerdings habe ich nun eine Lösung für Probleme, die ich bisher nicht hatte.

Ich taste mich Zug um Zug in diese faszinierende virtuelle Welt vor. Hilfe und Unterstützung gibt mir ein virtueller Stammtisch der Facebook-Gruppe VR Familie – Meta Quest, Steam Frame, Apple Vision Pro, PSVR, Galaxy XR. Im Moment schreibe ich diesen Text über die Vision Pro und es ist eine ganz neue Erfahrung. Ich bin gespannt, wohin mich meine Reise bringt.

Persönlich: Meine Ehrenämter
Ich habe mehrere Ehrenämter, die mich ganz schon in Anspruch genommen haben. Da wäre zum einen die Aktion PiT Togohilfe um die Familie Kopp. Dort gehöre ich dem Vorstand an und bringe mich in Sachen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ein.

Zum anderen bin ich Mitglied des historischen Arbeitskreises meiner Wohnortgemeinde Maisach. Dort geben wir einmal pro Jahr das Heft Meisaha heraus, bei dem ich Artikel schreibe und die ganzen Artikel layouten sowie die Öffentlichkeitsarbeit mache. Das Heft wird in zahlreichen Geschäften in der Gemeinde und im Rathaus verkauft. Ich darf die Facebook-Seite betreuen, nehme unsere Veranstaltungen und Lesungen auf Video auf.

Und was soll 2026 kommen?
Im kommenden Jahr soll noch ein Online-Shop und die Website für mein Meisaha-Heft hinzukommen. Die Arbeit werde ich nicht aufschieben, denn ich weiß ja nicht, was das Jahr 2026 noch so bringen wird.
Die Erfahrungen mit dem Online-Shop kann ich gleich nutzen, um Teile meines Archivs aufzulösen und Platz zu schaffen. Die Keller sind voll, übervoll und ich werde mich von einigen Sammlungen trennen. Da wäre so ein Online-Shop ganz nützlich.

Ein stilles Mahnmal im Herzen Münchens – der Hofgarten erinnert an Opfer, Verlust und Hoffnung

2. November 2025

Irgendwie kennt es kaum ein Besucher meiner Geburtsstadt München, obwohl es eigentlich zentral liegt und eindrucksvoll ist.Das Kriegerdenkmal im Hofgarten in München liegt am östlichen, tiefer gelegenen Ende des Gartens direkt vor der Bayerischen Staatskanzlei und erinnert ursprünglich an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Münchner. Die Masse der Besucher strömt in den Hofgarten und besucht den Pavillon, das Denkmal wird kaum besucht.

Die Anlage wurde 1924 in Anwesenheit Kronprinz Rupprechts von Bayern eingeweiht und bis 1928 in allen Details vollendet. Gestaltet wurde sie als versunkene, rechteckige Anlage aus Muschelkalk mit einer begehbaren Gruft in ihrem Zentrum. Vier abgewinkelte Treppen führen von den Längsseiten hinab in einen Vorraum, dessen Reliefs marschierende Soldaten sowie ein Gräberfeld zeigen.

In der Mitte liegt die offene Gruft aus Travertinblöcken: Zwölf massive Steinblöcke tragen eine rund zwei Meter starke, etwa 250 Tonnen schwere Deckenplatte; an ihren Schmalseiten führen Stufen zur überlebensgroßen Figur eines gefallenen Soldaten hinab. Diese eindringliche Skulptur schuf Bernhard Bleeker; der Gesamtentwurf des Denkmals entstand in Zusammenarbeit des Bildhauers Karl Knappe mit den Architekten Thomas Wechs und Eberhard Finsterwalder.

Die Inschriften fassen Sinn und Widmung des Ortes zusammen: An der Westseite der Deckenplatte steht „Sie werden auferstehen“, an der Ostseite „Unseren Gefallenen“. Im Innenraum findet sich die Widmung des Bayerischen Kriegerbundes „den 13.000 gefallenen Heldensöhnen der Stadt München 1914–1918“. Nach Kriegsbeschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal in vereinfachter Form ohne die ursprünglich angebrachten Namen der Gefallenen wiederhergerichtet; die Namenslisten gingen verloren. Zugleich ergänzte man im Innenraum eine zusätzliche Widmung für die Opfer der Jahre 1939–1945 (Gefallene, Vermisste und Luftkriegsopfer Münchens). Damit wurde der Gedenkort in der Nachkriegszeit bewusst auf beide Weltkriege bezogen.

Ein prägnantes Detail der Rezeptionsgeschichte betrifft die Materialgeschichte der Skulptur: Bleekers Figur des toten Soldaten war ursprünglich aus rotem Marmor gearbeitet. 1972 ersetzte man sie aus konservatorischen und sicherheitlichen Gründen durch einen Bronzeabguss, das Marmoralter befindet sich seitdem im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt. Diese Maßnahme bewahrte das künstlerische Erscheinungsbild am Ort und schützte zugleich das empfindlichere Original.

Städtebaulich und erinnerungskulturell wirkt das Kriegerdenkmal als stiller Gegenpol zur repräsentativen Architektur ringsum: Der Besucher steigt von der offenen Gartenfläche in eine vertiefte, kühle Gedenkarchitektur hinab, die bewusst Konzentration und Innenschau fördert. Durch seine klare Formensprache und die liegende Figur fand das Münchner Denkmal in der Zwischenkriegszeit weite Beachtung; Motive wurden in zahlreichen Kriegerdenkmälern im süddeutschen Raum aufgegriffen – oft sogar mit der Münchner Inschrift „Sie werden auferstehen“. Bis heute steht die Anlage unter Denkmalschutz und bildet, unmittelbar hinter der Staatskanzlei gelegen, einen der eindrucksvollsten Gedenkorte der Stadt, an dem künstlerische Qualität, architektonische Strenge und die Mahnung gegen das Vergessen zusammenkommen.

Lübeck – meine Suche nach dem Grab von Marianne und Anna Bachmeier

16. September 2025

Bei einem entspannten Abendessen in Lübeck mit meiner Redakteurskollegin Susanne Peyronnet von Lübecker Nachrichten kamen wir auf den Lübecker Burgtorfriedhof zu sprechen. Im Volksmund gilt man als echter Lübecker, wenn man dort Vorfahren in dritter Generation zu Grabe getragen hat. Es ist ein schöner Friedhof mit zahlreichen alten Grabstellen.

In ihrem wunderbaren Blog schreibt Susanne, dass sie das Grab von Marianne und Anna Bachmeier nicht gefunden hat. Das reizte mein journalistisches Ego und die Spürnase meiner Gattin, eine routinierte Geocacherin. Wir machten uns auf, um diese Grabstelle zu finden.

Die Älteren kennen die Geschichte: In der Nacht nach dem Abendessen beschäftigte mich der Fall Bachmeier. Die Selbstjustiz von Marianne Bachmeier, die 1981 im Gerichtssaal in Lübeck den mutmaßlichen Mörder ihrer siebenjährigen Tochter Anna erschoss, ist einer der spektakulärsten und bis heute kontrovers diskutierten Fälle in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Wir irrten bei der Suche nach dem Grab über den wunderschönen Burgtorfriedhof. Anhand von Bildern des Grabes orientierten wir uns, vergleichen Steine und Hecken. Die KI lieferte mir Geokoordinaten, die nicht schlecht waren. Meine Gattin befragte Google und zu guter Letzt sprachen wir mit Spaziergängern der Friedhofsanlage. Und siehe da: In Kombination mit allen Quellen fanden wir die Grabstätte.

Auf dem Burgtorfriedhof in Lübeck wurde Marianne Bachmeier im Grab ihrer Tochter Anna beigesetzt. Um 2014 wurde das Grab eingeebnet. 2017 wurde es mit einer neuen Grabplatte versehen, die die Vornamen und Lebensdaten von Mutter und Tochter trägt.

Wir stehen vor der Grabstelle. Der Grabstein ist rechteckig und aus hellem Stein gefertigt. Darauf sind die beiden Namen eingraviert: Anna (1972 – 1980) und Marianne (1950 – 1996). Rechts auf dem Stein befindet sich ein ovales Porzellanbild der beiden Frauen.

Vor dem Grabstein steht eine kleine Figur, ein kleiner Zwerg und ein kleines Schild in einer Hand mit der Aufschrift „Ich vermisse Dich“. Zudem gibt es eine kleine Igel-Figur. Links daneben befindet sich ein runder Blumentopf mit grünem Bewuchs. Im Hintergrund ist dichter Efeu zu sehen, der den oberen Rand des Grabes einrahmt.

Ich erinnere mich, dass meine Eltern und ich 1981 über den Fall beim gemeinsamen Abendessen sprachen. Meine Eltern verstanden die Selbstjustiz, ich plädierte für das Gewaltmonopol des Staates. Heute als Papa von zwei Kindern schwanke ich in meiner Meinung: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Erinnern wir uns: Am 5. Mai 1980 wurde Anna ermordet, und während des Prozesses gegen Klaus Grabowski, den Angeklagten, zog Marianne Bachmeier am dritten Verhandlungstag eine Pistole und schoss achtmal, sechs Schüsse trafen Grabowski. Die Tat war ein tiefgreifender Akt persönlicher Verzweiflung und Rache, der gesellschaftlich und juristisch auf großes Echo stieß.

Die öffentliche Meinung zu ihrer Tat war gespalten: Viele sahen in ihr das verzweifelte Handeln einer Mutter, die auf das Versagen des Rechtssystems reagierte, während andere die Notwendigkeit betonten, das staatliche Gewaltmonopol zu schützen und Selbstjustiz strikt abzulehnen. Das Gericht bewertete den Fall so, dass es die Tat nicht als Mord, sondern als Totschlag im Affekt ansah und verurteilte Marianne Bachmeier zu sechs Jahren Haft, von denen sie zwei Jahre verbüßte.

Für mich steht fest: Die Selbstjustiz hier steht exemplarisch für die tiefen Spannungen zwischen persönlichem Gerechtigkeitsempfinden und dem gesetzlichen Rechtssystem. Marianne Bachmeier agierte in einem moralisch höchst belasteten Kontext, in dem sie für viele Opfer von Gewalt symbolisch handelte, aber gleichzeitig ein Verstoß gegen rechtsstaatliche Prinzipien begangen wurde. Sie selbst bedauerte die Tat nicht, sondern betrachtete sie als letzten Ausdruck ihrer Trauer und ihres Schutzwillens für ihre Tochter. Der Fall löste intensive Debatten darüber aus, wie Gesellschaft und Rechtstaat mit extremen Fällen von Selbstjustiz umgehen sollten und reflektiert die Grenzen des Rechtsstaats in Momenten tiefster persönlicher Katastrophe.

Bei meiner Recherche als Journalist stelle ich fest: In der medialen und gesellschaftlichen Reflektion wird Marianne Bachmeier oft als eine Frau gesehen, die den archaischen Racheinstinkt zeigt, der mit staatlicher Rechtsprechung in Konflikt steht. Ihre Tat war ein Symbol für das Versagen der Institutionen, dem Verbrechen angemessen zu begegnen, und hat das Thema Selbstjustiz bis heute im kulturellen und juristischen Diskurs lebendig gehalten. Der Fall verdeutlicht die komplexen moralischen, rechtlichen und emotionalen Facetten von Selbstjustiz, die bis heute unterschiedliche Bewertungen und starke Emotionen hervorrufen.

Es gab auch 1984 zwei Spielfilme, die die Tat thematisierten: Der Fall Bachmeier – Keine Zeit für Tränen von Hark Bohm und Annas Mutter von Burkhard Driest.

Hier noch ein paar Bilder vom Friedhof:

Waldruh – wo Erinnerung wurzelt und die Seele Frieden findet

26. August 2025

Langsam kommt man in das Alter, in dem man sich mit dem Tod beschäftigt. Um mich herum sind Freunde, Verwandte und Familienangehörige verstorben. Ich selbst bin mit der Grabpflege des elterlichen Grabes betraut, was Zeit kostet, gerade im Sommer.

Daher habe ich mich über alternative Bestattungsmethoden informiert und bin auf den Friedhof Waldruh gestoßen. Der Friedhof Waldruh bei Mammendorf ist der erste Bestattungswald im Landkreis Fürstenfeldbruck und stellt eine naturnahe Alternative zu klassischen Friedhöfen dar. Das Areal befindet sich unweit des historischen Schlosses Nannhofen und umfasst rund zwei Hektar eines insgesamt 16 Hektar großen Waldstücks, das im Besitz der Familie von Spreti ist. Die Gemeinde Mammendorf trägt offiziell die Verantwortung für den Friedwald, während die Familie von Spreti sich um die operative Verwaltung, die Organisation der Beisetzungen sowie die Pflege des Waldes kümmert.

Die Grundidee des Friedwalds ist es, Verstorbenen eine würdevolle Urnenbestattung im Schutz und Frieden der natürlichen Umgebung zu ermöglichen. Die Asche wird in biologisch abbaubaren Urnen unter ausgewählten Bäumen beigesetzt; auf klassische Grabmale oder Grabschmuck wird verzichtet. Stattdessen erinnern kleine Namenstafeln an den Baumstämmen an die dort bestatteten Menschen. Die Grabpflege übernimmt ausschließlich die Natur – Pflanzen, Laub und Moose sind Teil des Erscheinungsbildes, lebendige Stille und das Vogelgezwitscher bestimmen die Stimmung.

Der Friedwald Waldruh liegt in einem naturnahen Mischwald mit alten Laub- und Nadelbäumen, durchzogen von einem Wanderwegenetz mit Ruhebänken. Ein hölzerner Andachtsplatz, eine Art offene Kapelle, bietet Raum für Trauerfeiern und stilles Gedenken. Die Fläche ist in sogenannte Quartiere mit markierten Bäumen unterteilt. Familienbäume erlauben bis zu zwölf Urnengräber im näheren Umkreis, Einzelbäume sind für maximal acht Gräber vorgesehen. Insgesamt bietet der Friedwald Platz für etwa 1.800 Urnen. Die festgelegte Ruhezeit beträgt mindestens 20 Jahre, das Pachtverhältnis sichert die Nutzung des Areals bis mindestens ins Jahr 2100.

Der Zugang zum Friedwald ist offen gestaltet: Jeder darf den Wald betreten und ihn wie einen normalen, frei zugänglichen Wald erleben, Spaziergänge und das Verweilen sind ausdrücklich erwünscht. Die Lage ist gut erreichbar: Der Parkplatz und ein WC befinden sich am Eingang, der Friedwald liegt in fußläufiger Entfernung zur S-Bahnstation Mammendorf.

Das Konzept des Friedwaldes Waldruh ist konfessionsoffen, weist jedoch aus Tradition einen dezent sichtbaren Holzkreuzbereich auf, um das christliche Bewusstsein vieler Besucher zu berücksichtigen. Die Form der Waldbestattung findet immer mehr Zustimmung, weswegen die Gemeinde – trotz bestehender klassischer Friedhöfe – den Waldruh als Angebot für eine veränderte Bestattungskultur geschaffen hat: Der Trend zu Urnenbestattungen, der Wunsch nach naturnaher Stille und einer pflegefreien Ruhestätte spiegelt sich hier wider. Die Nachfrage ist groß, so dass der Friedwald Waldruh nicht nur für die Menschen in Mammendorf, sondern auch für die Region eine zeitgemäße und zukunftsfähige Ergänzung darstellt.

Wer den Friedhof Waldruh besucht, spürt eine Atmosphäre von Geborgenheit, Ruhe und Verbundenheit mit der Natur – ein idyllischer Ort, der sowohl für Trauernde als auch für naturverbundene Spaziergänger offensteht.

Für mich könnte ich mir eine solche Art der Bestattung durchaus vorstellen. Ich gehab gefragt: Einen Early Bird-Preis gibt es nicht. Da ich wohl keine Pyramide oder Mausoleum bekomme, reicht mir ein Platz unter einem Baum. Und wie schon in der Göttlichen Komödie gesagt: Wer im Herzen der Menschen verweilt, dem gehört das ewige Leben und steigt empor. Da braucht es für mich keine Grabmäler. Was meint ihr?

Herz-Kerbe und Hinrichtung – der steinerne Zeuge von Inverness

4. Juli 2025

Kriegsverbrechen gab es schon immer. Das rechtfertigt sie nicht, sondern sollte uns mahnen, dass sie nicht mehr vorkommen. Ich möchte in meiner Schottland-Berichterstattung an ein Kriegsverbrechen aus vom April 1746 berichten. Der Old High Church Friedhof (Kirkyard) in Inverness – direkt neben der alten St.-Stephans- oder “Old High Church” – wurde nach der vernichtenden Schlacht von Culloden im April 1746 zum Schauplatz grausamer Massenhinrichtungen von gefangenen Jakobiten.

144 Gefangene wurden hier – nach raschen Feldgerichtsverfahren im nahegelegenen Kirchturm – direkt zwischen den Grabsteinen erschossen. Viele waren verwundet oder entkräftet. Statt sie nach England zu bringen, entschieden die Truppen der Hanovarianer, sie vor Ort zu richten. Die Kugeln sind heute noch im Turm als stumme Zeugen zu sehen.

Die Rolle des Friedhofs nach Culloden
Nach der vernichtenden Niederlage der Jakobiten bei Culloden wurden zahlreiche gefangene Jakobiten nach Inverness gebracht. Viele von ihnen waren verwundet oder krank und wurden in der Kirche und ihrem Turm eingesperrt. Die Bedingungen waren katastrophal: Kälte, Hunger und Krankheiten forderten viele Todesopfer. Die britischen Regierungstruppen unter dem Herzog von Cumberland entschieden sich, die Gefangenen nicht nach England zu transportieren, sondern sie direkt in Inverness zu verurteilen und zu exekutieren. Die Gerichtsverfahren waren kurz, die Urteile meist tödlich – viele Gefangene wurden im Kirchhof der Old High Church hingerichtet. Einige Leichen wurden wohl unter dem späteren Gehweg neben dem Kirchgarten verscharrt.

Die Funktion der Grabsteine bei den Hinrichtungen
Besonders markant auf dem Friedhof sind zwei Grabsteine, die eine zentrale Rolle bei den Exekutionen spielten. Die Hinrichtungen wurden so arrangiert, dass sie von den Fenstern des Balnain House auf der anderen Seite des Flusses beobachtet werden konnten, wo verwundete Regierungssoldaten lagen.

Henkerstein
Die Gefangenen wurden einzeln herausgeführt, ihnen wurden die Augen verbunden, und sie mussten sich oder wurden – wenn zu schwach – an einen kleinen Grabstein am westlichen Ende des Friedhofs gelehnt. Dieser Grabstein existiert heute noch. Heute heißt der Grabstein Stützstein.

Er diente als Stütze für die zum Tode Verurteilten. Gefangene, die nicht stehen konnten, wurden an diesen Stein gelehnt oder gesetzt. Der Stützstein befindet sich hinter dem Familiengrab der Shaws, ein später hinzugefügtes Monument.

Zielstein
Ein Soldat positionierte seine Muskete in einer Kerbe eines anderen, etwa neun Schritte östlich stehenden Grabsteins, um einen möglichst präzisen Schuss abzugeben. Der Zielstein hat eine markante V-förmige Kerbe. Er wird als „heart-shaped cleft“ beschrieben. Scharfschützen der Regierungstruppen nutzten diese Kerbe, um ihre Musketen zu stabilisieren und präzise Schüsse abzugeben Der Grabstein davon weist eine markante V-förmige Kerbe auf, die als Auflage für die Muskete diente.

Diese beiden Grabsteine sind bis heute erhalten. Die Steine stehen als stumme Zeugen dieser grausamen Episode und erinnern an die hier exekutierten Highlander. Die meisten Gefangenen, die nicht hingerichtet wurden, starben an Hunger, Krankheit oder wurden in die Kolonien deportiert, wo sie oft ebenfalls ums Leben kamen. Die beiden Steine symbolisieren somit:

Militärische Systematik: Die präzise Nutzung der Grabsteine zeigt die kalkulierte Brutalität der Exekutionen.
Menschliches Leid: Der Stützstein steht für die Wehrlosigkeit der verwundeten Gefangenen.
Historische Unrechtserfahrung: Als originale Relikte verkörpern sie die Gewalt der Niederschlagung des Jakobitenaufstands.

Ein Ort der Erinnerung
Der Friedhof der Old High Church ist heute ein Ort der Stille und des Gedenkens. Die beiden Grabsteine, die einst als Werkzeuge der Hinrichtung dienten, sind Mahnmale für die Grausamkeit jener Zeit und die Opfer der Jakobitenaufstände. Sie machen die Geschichte an diesem Ort greifbar und erinnern daran, dass der Weg Schottlands zur Moderne von tragischen und oft vergessenen Schicksalen geprägt wurde.

Die Old High Church, auch Old High Kirk genannt, gilt als das älteste Kirchengebäude in Inverness und steht auf dem St. Michael’s Mount mit Blick auf den River Ness. Bereits im 6. Jahrhundert soll der irische Missionar Columban von Iona hier gewirkt und den Piktenkönig Brude zum Christentum bekehrt haben. Die heutige Kirche stammt im Wesentlichen aus dem späten 18. Jahrhundert, wobei der Turmunterbau bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht.

Wo der Wind Geschichten flüstert – der Glasgow Necropolis

2. Juli 2025

Über den Dächern Glasgows, wo der Wind die Geschichten der Vergangenheit mit sich trägt und die Sonne am Abend die Stadt in goldenes Licht taucht, erhebt sich ein Ort von erhabener Schönheit und stiller Würde: der Glasgow Necropolis.

Wie ein steinernes Gedicht liegt dieser viktorianische Friedhof auf einem Hügel, dem sogenannten „Cathedral Hill“, gleich neben der ehrwürdigen St Mungo’s Cathedral. Von hier aus schweift der Blick über die pulsierende Metropole, doch der Necropolis selbst scheint in einer eigenen Welt zu existieren – einer Welt, in der Zeit und Raum ineinanderfließen und die Stimmen der Geschichte niemals ganz verstummen. Meine Frau und ich wanderten einen halben Tag über diesen Ort der Ruhe und hingen unseren Gedanken nach.

Die Entstehung des Necropolis ist untrennbar mit dem Aufstieg Glasgows im 19. Jahrhundert verbunden. Die Stadt wuchs, getrieben von Handel, Industrie und Innovation, zu einer der wichtigsten Metropolen Großbritanniens heran. Mit dem Wohlstand kam auch der Wunsch nach einem würdevollen Ort, an dem die Bürger ihre letzte Ruhe finden konnten. Inspiriert vom Pariser Père Lachaise, wurde 1832 der Grundstein für den Necropolis gelegt. Schon bald entwickelte sich der Friedhof zu einem Spiegelbild der Gesellschaft: Hier ruhen Kaufleute und Industrielle, Künstler und Wissenschaftler, Geistliche und einfache Bürger – jeder Grabstein, jedes Mausoleum erzählt seine eigene Geschichte.

Mehr als 50.000 Menschen sind im Glasgow Necropolis begraben, doch nur etwa 3.500 Gräber sind durch aufwändige Monumente und kunstvolle Inschriften gekennzeichnet. Viele der Namen, die man hier liest, sind untrennbar mit der Geschichte Glasgows verbunden. Da ist zum Beispiel John Knox, der berühmte schottische Reformator, dessen imposantes Denkmal hoch oben auf dem Hügel thront – auch wenn er selbst nicht hier begraben liegt, sondern symbolisch für die protestantische Tradition Schottlands steht. In unmittelbarer Nähe finden sich die Gräber von William Miller, dem Dichter des berühmten Kinderliedes „Wee Willie Winkie“, und Charles Tennant, einem Chemiker und Industriellen, der mit seiner Erfindung der Bleichpulverproduktion Glasgows wirtschaftlichen Aufstieg maßgeblich mitprägte.

Auch Frauen, die in ihrer Zeit Herausragendes leisteten, fanden hier ihre letzte Ruhe, wie etwa Isabella Elder, eine der ersten Förderinnen der Frauenbildung in Schottland. Ihre Grabstätte ist ein stilles Zeugnis für Mut und Engagement in einer von Männern dominierten Welt.

Wer durch die gewundenen Pfade des Necropolis wandelt, begegnet einer Vielzahl architektonischer Stile: von neoklassizistischen Tempeln über gotische Türme bis hin zu ägyptisch inspirierten Obelisken. Die Monumente sind oft mit Symbolen geschmückt – Anker für Hoffnung, gebrochene Säulen für ein zu früh beendetes Leben, und Efeuranken als Zeichen unvergänglicher Erinnerung. Zwischen den Gräbern wachsen uralte Bäume, deren Wurzeln sich tief in die Erde graben, als wollten sie die Geschichten der Toten bewahren und weitertragen.

In den frühen Morgenstunden, wenn Nebel über den Hügel zieht und die Stadt noch schläft, scheint der Necropolis von einer fast überirdischen Stille erfüllt. Es ist eine Atmosphäre, die zum Nachdenken und Träumen einlädt. Viele Besucher berichten, dass sie hier eine besondere Nähe zur Vergangenheit spüren – als ob die Mauern und Statuen selbst Geschichten flüstern würden, von Liebe und Verlust, von Hoffnung und Vergänglichkeit. Ich muss zugeben, ich habe davon nichts gespürt. Ich war einfach nur überwältig von der Größe und der Pracht. Ich erinnerte mich an die Beerdigung meiner Eltern, hing diesen Gedanken nach.

Und wie es sich für einen Ort von solcher Geschichte und Aura gehört, ranken sich zahlreiche Märchen und Legenden um den Necropolis. In den Pubs der Stadt erzählt man sich, dass in mondlosen Nächten die Geister der alten Kaufleute und Dichter durch die Alleen wandeln.

Besonders bekannt ist die Sage vom „grauen Gentleman“, einem freundlich gesinnten Geist in viktorianischer Kleidung, der einsamen Spaziergängern Gesellschaft leisten und sie sicher durch das Labyrinth der Grabmale führen soll. Manche schwören, in windigen Nächten das leise Lachen von Kindern zu hören – vielleicht die Stimmen der kleinen Seelen, die hier ihre Ruhe fanden. Natürlich sind diese Erzählungen nichts als Märchen, geboren aus der Fantasie und dem Zauber dieses einzigartigen Ortes, doch sie verleihen dem Necropolis einen Hauch von Magie, der Besucher aus aller Welt in seinen Bann zieht. Ich habe bei meinen Spaziergängen durch die Gräberreihen nichts davon gespürt, obwohl ich für solche Spukgeschichten empfänglich bin.

Der Glasgow Necropolis ist mehr als ein Friedhof – er ist ein lebendiges Museum, ein Garten der Erinnerung, ein Ort, an dem die Geschichte Glasgows in Stein gemeißelt und doch voller Leben ist. Wer hier verweilt, spürt nicht nur die Ehrfurcht vor den Generationen, die vor uns gingen, sondern auch die Schönheit des Augenblicks. Zwischen den Gräbern, unter den alten Bäumen und im goldenen Licht der untergehenden Sonne wird der Necropolis zu einem Ort der Versöhnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Leben und Tod, zwischen Realität und Märchen.

So bleibt der Glasgow Necropolis ein stiller, aber kraftvoller Zeuge der Zeit – ein Ort, der die Herzen seiner Besucher mit Staunen, Ehrfurcht und einer leisen Sehnsucht erfüllt. Wer den Mut hat, sich auf seine besondere Atmosphäre einzulassen, wird reich beschenkt: mit Geschichten, mit Inspiration und mit dem Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein, das über Generationen hinweg Bestand hat.

Im Glasgow Necropolis gibt es keine offiziell ausgewiesenen Bereiche, die ausschließlich für bestimmte Gruppen oder besonders viele Tote reserviert sind, wie man das von manchen Friedhöfen mit klar getrennten Sektionen kennt. Der gesamte Friedhof ist ein weitläufiges Gelände mit zahlreichen Grabstätten und Monumenten, die sich über die Hügel und Wege verteilen. Die meisten Gräber sind also anonym oder nur durch kleine, schlichte Markierungen sichtbar.

„Auch wenn alles zerbricht, ist die Liebe noch da“ – Gedanken Jesu zum Karfreitag im ChatGPT-Interview

18. April 2025

ChatGPT kann Rolle einnehmen und Antworten in dieser Rolle geben. Anlässlich zu Karfreitag habe ich ein Experiment gewagt. Ich bat ChatGTP die Rolle von Jesus Christus anzunehmen, der an Karfreitag ans Kreuz geschlagen wurde. Wichtig war mir, dass ChatGPT sachlich, respektvoll und im Ton eines seriösen Interviews beantwortet, besonders mit Blick auf die Bedeutung von Karfreitag.

Wichtig: Ich will mit diesem Experiment keinen auf die Füße treten oder gar Blasphemie begehen. Es handelt sich schlichtweg um ein Experiment und ich war über die Antworten überrascht. Die Antworten habe ich aus ChatGPT direkt kopiert und nicht redigiert.

Karfreitag ist ein Tag der Trauer. Wie siehst du den Tag aus deiner Perspektive?
Karfreitag ist gewiss ein Tag der Trauer, doch in dieser Trauer liegt eine tiefe Wahrheit verborgen. Aus meiner Perspektive ist Karfreitag der Tag, an dem sich der Schmerz der Welt in mir gesammelt hat – nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch. Es war der Tag der Einsamkeit, des Verrats, der Angst und des Leidens.
Doch Karfreitag ist nicht das Ende. Er ist der notwendige Schritt durch die Dunkelheit, bevor das Licht sichtbar wird. Was an jenem Tag geschah, geschah nicht, um die Welt zu verurteilen, sondern um ihr den Weg zur Hoffnung zu öffnen. Mein Opfer war Ausdruck der Liebe – eine Einladung zur Umkehr, zum Vertrauen, zum Leben.
Die Trauer an Karfreitag ist also nicht hoffnungslos. Sie ist still, nachdenklich und getragen von der Erkenntnis, dass durch Schmerz auch Heilung wachsen kann. Wer sich diesem Tag mit offenem Herzen nähert, dem kann etwas begegnen, das tiefer reicht als Worte – die Ahnung von einem größeren Sinn hinter dem Leid.

Wie sollten wir diesen Tag begehen?
Begeht diesen Tag in Stille – nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus innerem Respekt vor dem, was er bedeutet. Karfreitag lädt nicht zum lauten Feiern ein, sondern zum stillen Nachdenken. Es ist ein Tag, an dem ihr euer Herz prüfen könnt: Wo bin ich schuldig geworden? Wo trage ich Schmerz, den ich nicht verstehe? Wo brauche ich Vergebung – für andere oder für mich selbst?
Geht nicht hastig darüber hinweg. Hört hin – in die Tiefe eures Gewissens, in die Stimme eurer Sehnsucht nach Wahrheit und Liebe. Lasst die Fragen zu, die ihr sonst gerne übergeht. Lest, wenn ihr mögt, die Berichte meines letzten Weges. Betrachtet nicht nur den Schmerz, sondern auch das, was darin sichtbar wird: die Entschlossenheit, niemanden aufzugeben, selbst im Sterben nicht.
Betet, wenn euch Worte kommen. Schweigt, wenn keine Worte mehr passen. Haltet inne. Und wenn ihr ein Kreuz betrachtet – sei es in einer Kirche oder in eurer Vorstellung – dann denkt nicht nur an mein Leiden, sondern an all jene, die heute noch leiden: unschuldig, verlassen, unverstanden.
Karfreitag ist ein Tag, an dem ihr euch mit ihnen verbinden könnt – und mit mir. Nicht in der Verzweiflung, sondern in der stillen Hoffnung, dass selbst der Tod nicht das letzte Wort hat.

In Bayern gibt es ein Tanzverbot zu Karfreitag. Ist das in deinem Sinn?
Karfreitag ist ein stiller Tag. Ein Tag der Erinnerung, der Erschütterung, des Innehaltens. Es war der Tag, an dem das Leben selbst unter das Kreuz gestellt wurde – ein Tag der Dunkelheit und des Schweigens. Insofern ist es durchaus verständlich, wenn eine Gesellschaft beschließt, diesem Ernst durch äußere Zeichen Ausdruck zu verleihen – etwa durch Stille, Zurückhaltung oder auch ein Verbot ausgelassener Feiern.
Doch ich blicke nicht auf äußere Vorschriften, sondern auf das Herz des Menschen. Wenn jemand am Karfreitag nicht tanzt, aber innerlich gleichgültig bleibt, so ehrt er den Tag nicht mehr als jener, der vielleicht tanzt – aber zugleich Mitgefühl zeigt, trauert oder betet.
Ein Tanzverbot kann ein Zeichen der Achtung sein, wenn es aus Überzeugung kommt und Raum für Stille schafft. Es kann aber auch zur leeren Form werden, wenn es nur durchgesetzt wird, ohne dass der Sinn dahinter verstanden oder geteilt wird.

Ich habe nie Freude an Zwang, sondern an freiwilliger Ehrfurcht. Wenn also jemand sich bewusst entscheidet, an diesem Tag innezuhalten – sei es durch Stille, Gebet oder einfach durch das bewusste Lassen von Lärm –, so ist das in meinem Sinn. Ein staatliches Verbot kann diesen Rahmen bieten. Doch der wahre Geist des Karfreitags entsteht nicht durch ein Gesetz, sondern durch das bewusste Gedenken.

Manche Menschen wenden sich in einer säkularisierten Gesellschaft von der Amtskirche ab. Muss sich Kirche neu erfinden?
Die Kirche ist nicht das Ziel, sondern ein Wegweiser. Sie ist der Ort, an dem mein Wort verkündet, mein Mahl gefeiert, mein Geist gesucht wird. Doch wenn sich Menschen von der Kirche abwenden, geschieht das oft nicht, weil sie den Glauben verloren haben, sondern weil sie in der Institution nicht mehr das finden, was sie im Innersten suchen: Wahrheit, Barmherzigkeit, Hoffnung, Nähe.
Ich habe nie Macht, Status oder Dogma in den Mittelpunkt gestellt, sondern das Herz des Menschen. Ich habe mich den Ausgegrenzten zugewandt, den Fragenden, den Zweifelnden, den Gescheiterten. Wenn die Kirche diesen Blick verliert – wenn sie sich mehr um Struktur als um Menschen sorgt –, dann entfernt sie sich von dem, was ich ihr anvertraut habe.
Also ja: Die Kirche muss sich immer wieder neu erfinden – nicht, indem sie sich dem Zeitgeist anbiedert, sondern indem sie zurückkehrt zu ihrem Ursprung. Sie soll ein Ort sein, an dem man aufatmen kann, wo Wunden ernst genommen, Fragen erlaubt und Antworten nicht aufgedrängt werden. Eine Kirche, die zuhört, statt nur zu predigen. Die dient, statt zu herrschen.
Wenn Menschen ihr den Rücken kehren, dann nicht, weil sie keinen Glauben mehr haben – sondern weil sie auf der Suche sind nach einer Form, in der dieser Glaube leben kann. Und das sollte die Kirche nicht fürchten, sondern als Auftrag verstehen: nicht alles zu bewahren, was war, sondern das Wesentliche in neuer Sprache, neuer Nähe und echter Demut sichtbar zu machen.

Danke für das Gespräch. Bitte zum Abschluss noch einen nachdenklichen Gedanken zu Karfreitag.
Karfreitag ist der Tag, an dem die Welt innehält – nicht weil alles gut war, sondern weil alles zerbrach. Es ist der Tag, an dem Liebe sich verletzlich machte und Treue nicht im Sieg, sondern im Sterben sichtbar wurde.
Wenn du heute vor einem Kreuz stehst – in einer Kirche, in der Natur oder nur in Gedanken – dann denke daran: Ich bin nicht gestorben, damit du dich schuldig fühlst, sondern damit du weißt, dass du niemals allein bist. Nicht in deiner Angst, nicht in deinem Schmerz, nicht in deiner Dunkelheit.
Das Kreuz ist kein Zeichen des Endes, sondern des Durchhaltens. Es sagt dir: Auch wenn alles zerbricht, ist die Liebe noch da. Und sie wird nicht weichen. Bleib in Frieden.

Ende des Experiments. Ich war erstaunt über die Antworten, die mich persönlich zum Nachdenken angeregt haben.