Archive for the ‘Musik’ Category

Tanzvideo, das Spaß verbreitet: Where the hell is Matt?

1. Juli 2012

Auch wenn meine Frau es nicht glauben mag, ich mag tanzen. Ok, ich bin sicher kein Fred Astaire und ich bewege mich eher wie ein Holzklotz. Aber egal. Tanzen bringt Freude. Leute beim Tanzen zu zusehen, ist immer ein Erlebnis. Und ich liebe Matt Haring und seinen Tanz. Ursprünglich war Matt ein Spieleprogrammierer aus Australien. Sein Traum war aber immer Tanz. Er fand einen Sponsor und tanzte sich durch die Welt. Großartig welchen Spaß dieser Kerl verbreitet. Wo Matt auftaucht, ist gute Laune angesagt. Er beobachtet die Tanzformen seiner Gastländer und arbeitet sie in seinen Tanz ein. In Wien und Dresden war Matt Haring vor Ort und tanzte um die Wette. Inzwischen ist Matt Haring durch das Internet mit seiner Serie „Where the hell is Matt?“ ein Star geworden. Und es freut mich, dass wieder einer seinen Traum verwirklichen konnte. Das gibt Mut und das Betrachten des Videos macht Spaß. Die Musik ist „Trip the Light Fantastic“ und heißt etwa „das Tanzbein schwingen“.

Buchkritik: Fotoband Boy George von Didi Zill

16. Juni 2012

Als Kind wurde meine Begeisterung für Fotografie geweckt, als ich mit meinen Onkel einmal den Star-Fotografen der deutschen Bravo Didi Zill besuchte. Mein Onkel musste Zill, der in einer Villa in München Grünwald residierte, etwas bringen und ich kleiner Knirps war dabei. Es war Winter und ich hatte einen roten Schal um. Zill, der gerade in einer Fotosession mit der englischen Band The Sweet war, wollte wohl freundlich sein und lud mich ein, die Session zu beobachten. Irgendwann nahm Sweet-Sänger Brian Connolly meinen Schal und setzte sich in Szene. So kam mein roter Schal auf ein Titelbild der Bravo.

Didi Zill machte auch Musik, nahm ein paar Single und LPs auf und irgendwo hab sie ich wohl auch noch. Viel wichtiger waren mir seine Fotos. Und neulich entdeckte ich einen schönen Fotoband aus dem Verlag Schwarz & Schwarzkopf: Didi Zill Boy George Photos 1982-83
Er zeigte Didi Zill-Fotos von Boy George aus den Jahren 1982/83. Damals schlug die Band Culture Club mit Frontmann Boy George in England und später in Deutschland ein. Die ersten Songs waren ‚Do you really want to hurt me‘, ‚Time‘ oder ‚Karma Chameleon‘. Didi Zill öffnete in seinem Buch sein Archiv und zeigte wunderbare Fotos dieser Zeit. Viele davon wurden im Zentralorgan der Jugend, der deutschen Bravo veröffentlicht.

Boy George ist heute Geschichte, Culture Club hatte ein paar erfolgreiche Songs. Später driftete Boy George in Techno und Drogen ab. Aber 1982 war der schillernde Musiker noch voller Elan. Er entwickelte seinen weiblichen Stil und ich erinnere mich noch an einen Auftritt von Culture Club im deutschen Fernsehen. Die TV-Nation stritt anschließend darüber, ob der Sänger vielleicht doch eine Frau sei und was man gerade gesehen hatte. Boy George war schillernd und er liebte es, sich zu inszenieren. Die Fans, vor allem die weiblichen Fans, liebten Boy George, der sich auf Fotos wunderbar in Szene setzte. Bund, Farbenfroh, ein wenig verrückt und viel, viel Schminke.

Und Didi Zill war ein Meister seines Fachs. Er zeigte uns die Band Culture Club mit Auftritten in der Londoner Diskothek Blitz und vor allem privat. Heute muss ich feststellen, dass die meisten der Musiker der Band keinen Geschmack hatten. Ihre Wohnungen waren grausam eingerichtet, was man auf den Bildern aus den 80ern sehen kann. Stil war nicht gerade das Markenzeichen dieser Zeit. Aber wir sehen in den Bildern von Zill junge Leute, die hungrig sind, die etwas erreichen wollen. Und wir sehen einen Boy George, der die Chance wahrnahm und wusste, was Didi Zill konnte. Vor allem die wunderbaren Ägyptenfotos zeigen einen entspannten Boy George, geschminkt, inszeniert und wunderbar anzusehen. Was Zill fotografierte, sahen später Millionen deutscher Jugendlicher und kauften die Schallplatten und Singles der Band.

Mir hat der Bildband Didi Zill Boy George Photos 1982-83 sehr viel Spaß gemacht und wer sich an die Jahre 1982/82 erinnern will, sollte einen Blick riskieren.

Social Media-Appell: Paul McCartney soll Museum Beatlemania retten

15. Juni 2012

Als Beatles-Fan muss ich jetzt Farbe bekennen. Das Hamburger Beatles Museum soll Ende Juni 2012 geschlossen werden, weil die Besucherzahlen nicht ausreichen. Statt der erwarteten 200.000 Fans kamen jährlich nur 50.000 nach Hamburg. Damit beträgt nach Museumsangaben der jährliche Verlust bei 500.000 Euro. Somit soll Ende Juni Schluss mit dem Museum sein. Das ist schade, sehr schade. Für mich geht damit ein Teil unserer Populärkultur verloren.

Jetzt haben die Mitarbeiter einen Aufruf via YouTube gestartet. Gerichtet ist er an uns alle, aber vor allem an Sir Paul. Mit den Worten „Dear Paul“ appellieren die Mitarbeiter des Museums an Paul McCartney und bitten um Hilfe. Ganz nach dem Motto der Beatles-Songs „With a Little Help from My Friends“ und „Help“.

Das Museum Beatlemania liegt auf Reeperbahn und erinnert an auf fünf Etagen an die Fab Four und ihre Hamburger Zeit. In Liverpool lebt eine ganze Industrie von den Beatles, in Hamburg schafft es nicht einmal ein Museum mit rund 1000 Exponaten. Das ist für mich eine Schande. Dabei war Hamburg mit dem Star Club doch eigentlich die Wiege der Beatles.

Da ich nicht glaube, dass Paul meinen Blog auf dem Schirm hat, gilt es doch für mich als Beatles-Fan diese Videopetition zu verbreiten. Am Ende des Videos heißt es: „Bitte, wenn Du irgendeine Möglichkeit siehst, uns zu unterstützen, lass es uns wissen“ Vielleicht schafft es Social Media ja, das Museum Beatlemania zu retten oder eine Lösung zu finden. Also Retweeten und teilen. All together now!

Joan Baez live in Concert in München

13. Juni 2012

Diese Frau ist ein Phänomen. Mit ihren 71 Jahren füllt die US-amerikanische Folksängerin Joan Baez immer noch große Konzertsäle und dies obwohl sie sich seit Jahrzehnten nicht weiterentwickelt. Mit einem Repertoire eines gewöhnlichen Lagerfeuer-Entertainers schafft sie es ihr Publikum zu verzaubern. Ihr Publikum sind für mich Leute, die noch am Tropf der sechziger Jahre hängen. Nach dem Motto „Weißt du noch, wie wir damals dagegen waren …“ versammeln sich die Jünger um die Hohepriesterin des Folks, obwohl ihr Einfluss kaum noch vorhanden ist und ihre Bewegung längst verstummt ist. Wie in der Münchner Philharmonie gilt es zusammenzurücken und gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzusingen und dann in den Mercedes SLK einzusteigen und nach Hause zu fahren. Ok, ich übertreibe.

Stimmlich ist Joan Baez ihrem Alter noch sehr gut auf der Höhe. Natürlich klappen die hohem Tremolos nicht mehr so ganz wie früher, und auch eine Erkältung in München sorgte nicht immer für astreine Töne, aber was soll es. Die Frau ist 71 Jahre alt und macht ihren Job, so gut sie ihn kann. Und das ist das Dilemma von Joan Baez. Sie hatte immer etwas zu sagen, aber sie musste meist die Werke anderer bemühen, um ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen. Joan Baez war eine begnadete Sängerin, aber sie war leider nie eine begnadete Songwriterin. Ihre selbst geschriebenen guten Songs lassen sich an zwei Händen abzählen.

Und sie ist es wohl leid, dass sie immer wieder auf ihre Beziehung zu Bob Dylan angesprochen wird. Sie hat den jungen Mann entdeckt, holte ihn auf die Bühne, verliebte sich in ihn und er ließ sie fallen und machte Karriere. Aber noch immer singt sie seine Songs, voller Inbrunst. Und sie äfft ihn nach bei „Love ist just a four letter Word“. Es muss nach all den Jahren noch weh tun. Aber sie wehrt sich. In ihrem eigenen Song „Diamond & Rust“ änderte sie in München eine Textzeile: Aus „Er schoss direkt in mein Herz“ machte sie einfach „er schoss mir direkt in die Augen“. Auf ihren anderen berühmten Lover Steve Jobs geht sie nicht ein, obwohl zeitgleich während ihres Konzertabends in München die WWDC von Apple in San Francisco läuft, aber ohne Jobs, der im Oktober verstarb.

Naja, aber Joan Baez ist eine Überlebende. Sie war zwar Teil der Gegenkultur, aber immer auf der braven Seite zu finden. Sie wagte viel, aber bleib immer noch im Rahmen. Keine Revolution wie Hendrix, Morrison oder Joplin, dafür lebt sie noch und sieht hervorragend aus. Sie sang immer Lieder, die sich um den Tod drehen. Sie erinnerte an den Ehemann ihrer 2001 verstorbenen Schwester Mimi: Der Schriftsteller und Sänger/Songwriter Richard Fariña kam 1966 bei einem Motorradunfall ums Leben.

Ihre Karriere begann mit Folk-Standards, die sie auch in München wieder darbot. Und der Tod zog sich durch den Abend: Robbie Robertson und auch John Lennon und das Publikum sang brav mit. Und genau das ist das Langweilige, Vorhersehbare. Sie singt Jahr ein, Jahr aus die gleichen Lieder. Ob ich 1984 Joan Baez gesehen habe, oder 2012 – es ist von der Interpretation und der Auswahl der meisten Songs egal. Und das ist eigentlich das Tragische. Immer wieder holt sie Nachwuchsleute wie einstmals Dylan auf die Bühne und gibt ihnen ein Forum. In München war es die französische Sängerin Marianne Aya Omac. Freilich muss die Dame barfuß die Bühne betreten – wir erinnern uns: Joan Baez gab früher auch ihre Konzerte ohne Schuhe und fuhr dann in ihren Rolls Royce davon. Marianne Aya Omac brachte auch Stimmung in den Kulturtempel Gasteig. Gypsi-Klänge, lateinamerikanische Musik, ja das mag das Münchner Publikum, das brav mitklatschte und sich auf seine Art richtig gehen ließ. Immer brav die Gegenkultur vorantreiben.

Die Setliste zeigt Standards: Setlist God Is God | Be Not Too Hard | Lily Of The West | Railroad Boy | Scarlet Tide | Hard Times | Jerusalem | Catch The Wind | Swing Low, Sweet Chariot | [3 spanische Songs mit Marianne Aya Omac] | The House Of The Rising Sun | Long Black Veil | Suzanne | Gracias A La Vida | Diamonds & Rust | The Night They Drove Old Dixie Down | Imagine | Sag mir wo die Blumen sind | Donna Donna

Zu Beginn und am Ende des Konzerts bedankte sich Joan Baez mit den Worten: „Sie machen es mir leicht.“ Das ist richtig. München liegt der Grand Dame des Folkssongs zu Füßen, obwohl es eigentlich nichts neues gab.

Musiktipp: Timm Thaler von Christian Bruhn

3. Juni 2012

Natürlich war ich als Kind ein Fan der ZDF-Weihnachtsserie Timm Thaler. Der Erfolg der Serienfigur war lange Zeit der Fluch des Hauptdarstellers Thomas Ohrner. Den Erfolg der Serie machte nicht nur die nette Geschichte von James Krüss, die schauspielerischen Leistungen von Ohrner und vor allem Horst – es ist der Teufel – Frank aus, sondern auch die fabelhafte Musik von Christian Bruhn. Er schrieb 1980 den legendären deutschen Soundtrack zu Captain Future, der ihn in die Herzen der Fans katapultierte und weitere Aufträge sicherte. Ein Jahr zuvor spielte Bruhn, der übrigens von 1991 bis 2009 Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA war und heute Musikprofessor in Nürnberg ist, den Soundtrack zu Timm Thaler in seinen Münchner Studie ein.

Das Kölner Label Diggler veröffentlichte dankenswerter Weise im Jahre 2004 den Soundtrack Timm Thaler mit vier Bonus-Tracks, 16 Seiten Booklet und einem Grußwort von Christian Bruhn. Beim Reinhören erkenne ich wieder, dass Captain Futureund Timm Thaler nahezu Geschwister sind. Ideen von Timm Thaler werden bei Captain Future wieder aufgegriffen und perfektioniert. Jeder, der den Space-Sythni-Sound von Captain Future mag, sollte unbedingt den Soundtrack von Timm Thaler hinein hören. Vor allem das melancholische Thema der Serie in G-Moll mit Moog-Flöten von Kristian Schulze geht ins Ohr und erinnert an die Jugendtage vor dem Fernseher. Aber auch die andere Musik des Albums zeigt das Können von Bruhn. Wunderbare analoge Synthi-Musik, warm, technisch, leicht jazzig – und trotz des hohen Alters ist die technische Qualität der Aufnahme ein wahrer Hörgenuss.

Bruns hat dafür gesorgt, dass ich als Kind gerne vor der Glotze gesessen habe und hat meine persönliche TV-Geschichte geprägt. Ohne Bruhn wäre meine TV-Erfahrung eine andere gewesen, sie wäre langweilig. Bruhn schuf den Sound zu Wickie, Silas, Sinbad, Jack Holborn, die Wicherts von nebenan. Aber auch Bruhn war zu seiner Zeit ein moderner Sounddesigner. Er schuf die Jingels für u.a. die LBS „Wir geben ihrer Zukunft ein zu Hause LBS!“ und Milka „die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt“. Dafür ein herzliches Dankeschön von meiner Seite an Christian Bruhn.

Musiktipp: Princess Mononoke von Joe Hisaishi

29. Mai 2012

Als Bewunderer von Hayao Miyazaki schaute ich mir vor kurzem mal wieder Prinzessin Mononoke auf DVD an. Der Film – inzwischen ein Klassiker des Animie-Kinos – haute mich wie jedes Mal vom Hocker. Dieses Mal achtete ich aber mehr auf die Musik als auf die eindrucksvollen Bilder. Und der Soundtrack Prinzessin Mononoke steht dem Film um nichts nach. Was mich verwunderte, er orientiert sich mehr an Hollywood als an seinen japanischen Wurzeln. Klar, ein Joe Hisaishi steht im Schatten eines John Williams oder Jerry Goldsmith, aber dieser Mann versteht sein Handwerk, das hörbar von Philip Glass beeinflusst wurde. Die Soundtracks von Joe Hisaishi haben nie den Erfolg gehabt, den sie eigentlich haben sollten. Dies liegt wohl daran, dass er Insidern bekannt ist, aber durch seine Kompositionen für andere Animie-Filme dem breiten Publikum unbekannt bleibt. Ein Hans Zimmer wird er nicht und das ist gut so.

Hisaishis Musik hat Atmosphäre und ihren Reiz. Das musikalische Thema des Soundtracks „The Legend of Ashitaka“ hat Größe, ist eingängig und wird facettenreich variiert. Der Wechsel zwischen opulenter Kraft und musikalischer Leichtigkeit ist wunderbar. Großes Orchester und einzelne Instrumente sowie drei Vocal-Stücke – alles wird eine solide Einheit.

Der Soundtrack berührt, genauso wie der Film und wenn wie bei „Tatara Women Work Song“ dann doch die japanische Kultur durchbricht, dann ist das ein absoluter Gewinn für den Soundtrack. Das Flair der asiatischen Kultureinflüsse ist auch für westliche Ohren eine Bereicherung und reicht Gott sei Dank über die Weichspülmusik in asiatischen Restaurant hinaus. Ich bring es mal auf den Punkt: Wer die Filme von Hayao Miyazaki mag, der wird auch die Musik von Joe Hisaishi mögen und den Soundtrack zu Prinzessin Mononoke im Besonderen.

Die Alien-Soundtracks

20. Mai 2012

Im Moment freue ich mich auf den Kinosommer, wenn endlich Prometheus von Ridley Scott in die Kinos kommt. Es ist das Prequel zu Alien und die Bilder machen Lust auf großes Vfx-Kino. 1979 hieß es so schön: „Im Weltraum hört dich niemand schreien!“ Ich bin sehr gespannt, was uns erwartet. Ich habe schon hier darüber geschrieben und mir auch die Blu rays näher angeschaut.

Und ich bin auf den Soundtrack von Marc Streitenfeld gespannt. Die Soundtracks zu Alien waren unterschiedlich, wie die Filme. Jerry Goldsmith leistete mit der Musik zum ersten Teil ganze Arbeit. 2007 ist eine Doppel-CD Alien erschienen, die keine Wünsch offen lässt. Leider haben sich Goldsmith und Scott verkracht, so dass das orchestrale Werk in seiner Gesamtheit erst spät erschien und nicht komplett im Film verwendet wurde. Wie bekannt, verstarb Goldsmith im Jahre 2004 und seine Erben können nun profitieren. Meine erste Aufnahme von Alien war nur rund 35 Minuten lang und eindeutig zu kurz. Die Doppel-CD  Alien bringt das gesamte veröffentlichte und unveröffentlichte Material zu Tage. Für mich steht Goldsmith in der Liga wie John Williams.

Im zweiten Teil Aliens durfte James Horner ans Dirigentenpult. 2001 erschien eine Aliens (The Deluxe Edition) von Colosseum. Regie führte damals James Cameron, der später auch Horner zu dem Soundtrack zu Titanic engagierte. In der Soundtrack-Version von 2001 können wir endlich nichtveröffentlichte Tracks hören. Horner zeigt hier, was er wirklich kann. Im ursprünglichen Soundtrack kam dieses Schaffen zu kurz. Nach dem mehrmaligen Anhören der 2001-Fassung muss ich sagen: Horner, du bist ein guter Mann und verstehst deinen Job. In der alten kurzen Fassung war mir die Musik zu oberflächlich. Jetzt geht sie in die Tiefe und schafft ein facettenreiches Kopfkino. Es ist komplett neue Musik zu hören, die es in sich hat.

Die Musik des umstrittenen dritten Alien-Teils stammt aus der Feder von Elliot Goldenthal und Alien III bedarf eines mehrmaligen intensiven Hören. Bei den ersten paar Mal anhören überzeugte mich die Musik nicht und die CD wanderte ins Archiv. Doch wie der Film bei mir reifen musste, musste auch die Musik reifen. Jetzt habe ich einen perfekten Horror-Soundtrack in meinen Kopfhörern. Gänsehaut ist garantiert, die Atmosphäre des Films gibt die Musik perfekt wider. Die Mischung aus Angst, Beklemmung, religiösen Fanatismus und nackter Terror wirken.

Den Teil IV Alien Resurrection und die Musik Alien Resurrection will ich vergessen. Film ist schauderhaft und die Musik ist es auch. Es ist der lauter Score für einen belanglosen Actionfilm und John Frizzel hat kein Glanzstück abgegeben. Mir hat das Teil überhaupt nicht gefallen.

Und nun? Im Sommer startet Prometheus. Die Musik in den Trailern klingt gut. Der Soundtrack Prometheus stammt aus der Feder von Marc Streitenfeld. Der Deutsche arbeitet bereits mehrmals mit Ridley Scott und kennt die Arbeitsweise des Meisters. Was mich nervös macht, ist die Tatsache, dass Streifenfeld aus der Schule von Hans Zimmer kommt. Zimmer ist erfolgreich, aber meine Musik ist es nicht. An Zimmer scheiden sich die Geister und ich hoffe bei Prometheus auf eine hervorragende musikalische Arbeit des Münchners Marc Streitenfeld. Am 3. August halte ich den Soundtrack in den Händen und bin gespannt.

Peter Gabriels New Blood live in Concert: München Olympiahalle

3. Mai 2012

Live hatte ich Peter Gabriel bisher noch nie gesehen. Ich kenne zwar einige Super 8-Aufnahmen aus Zeiten von Genesis, als sich das damalige Haupt der Superband als Fuchs oder Blume in Frauenkleider verkleidet hatte und eine geniale „Lamb lay down on broadway“-Show ablieferte. Den neuen Peter Gabriel kenne ich nur von CDs oder von seinen kommerziellen Knaller wie Sledgehammer oder Red Rain. Ein Konzertbesuch hatte sich nie ergeben – bis jetzt.

Peter Gabriel ist ein Künstler. Und er ist ein wahrer Künstler. Er zelebrierte mit seinem New Blood-Orchester eine wunderbare Bühnenshow in der mit 6000 Besuchern schlecht verkauften Münchner Olympiahalle. Gabriel setzt auf seine eindrucksvolle Stimme und moderne Lightshow und Bühnenzauber. An seine Show mit seinem 46-köpfigen New Blood Orchestra muss sich der Zuschauer erst gewöhnen. Alte Songs in neuer Verpackung und nicht nur Songs von Peter Gabriel. Erste Überraschung: Der Künstler führt durch sein Programm auf Deutsch. Mit Spickzettel bewaffnet sagt er die einzelnen Songs an, erläutert die Hintergrunde zu den Liedern und findet so zu seinem Publikum. Den Start der Show ist auch eine Verbeugung an Deutschland. Er bringt den Bowie-Klassiker „Heros“. Bowie schrieb den Song in Berlin und hier wurde er durch Christiane F. bekannt. „We can be Heroes“, geht dem zumeist älteren Konzertbesuchern runter wie Öl.

Die Interpretation seiner Songs durch ein klassisches Orchester unter der Leitung von von Ben Foster war für viele Ohren gewöhnungsbedürftig. Gabriel wendet sich vom Rock ab und transformiert seine musikalischen Geschichten eher in eine Art Weltmusik. Der Kommerz muss außen vor bleiben. Hier gibt es nichts zum Mitwippen, obwohl das Münchner Publikum auf Gelegenheiten zum Klatschen sucht. Den Gefallen tut der Künstler Gabriel mit seinen komplizierten Songgemälen kaum. Erst als Solsbury Hill ertönt, springen die Oldies von den Stühlen und finden ihren Klatschrhythmus. In seinen Erläuterungen geht Gabriel Immer auf die Macht von sozialen Netzwerken ein, die die Welt verändern. Leute nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand – so etwas gefällt mit Künstler und dem Publikum. Das wird spätestens bei Biko klar, wenn zahlreiche Fans die Faust erheben. Hier kommt irgendwie der Spirit von Heros wieder durch: We can beat them, For ever and ever, Oh we can be Heroes, Just for one day.

Der 62jährige Künstler liefert keine Greatest Hits-Show ab, sondern Neuinterpretationen vieler Werke. Und obwohl immer wieder Zwischenrufer nach Sledgehammer rufen, bleibt der Top Ten Hit außen vor. Gabriel verweigert sich und geht seinen Weg, den richtigen Weg. Er biedert sich nicht seinem Publikum an, sondern versucht über orchestrale Arrangements das Herz und das Hirn seines Publikums er erreichen. Berührend war die Magie, die von Gabriel-Songs ausgeht. Tränen in die Augen steigen dem Zuschauer, wenn Gabriel von seine hundertjährigem Vater singt und dazu unscharfe schwarzweiß Filmaufnahmen zeigt. Die Bühnenshow war großartig und zeigte, was moderne Präsentationstechnik so alles kann. Bei Folter-Song Wallflower bringt Gabriel erstmals die ganze Multimedia-Technik zum Einsatz. Lichter, Spots, wechselnde Farben, Computereffekte, Überblendungen, Animationen und ein Spiel mit der Bühnenkamera. Eine Show, die einem langen in Erinnerung bleibt. Bei Red Rain färbt sich die Bühne in Rot. Gänzlich unaufgeregt der Schluss, bei dem er sein Publikums in Bett schickt. „The Nest that sailed the Sky“ ist New Age-Stück pur, gänzlich ohne Gesang. Ein gelungener Konzertabend mit einem eigensinnigen Künstler. Jetzt kauf ich gleich mal die Doppel-CD zur Erinnerung Live Blood

Pflichttermin für Ballett-Freunde

9. April 2012

An Ballett muss ich mich langsam herantasten. Aber ich finde es großartig, welche künstlerische und sportliche Leistung Ballett-Tänzer jeden Alters darbringen. In der großen Kreisstadt Fürstenfeldbruck findet wieder ein interessantes Ballett-Event statt, den ich nicht verpassen will. Am Sonntag, 6. Mai lädt die Ballett-Schule Sinzinger zu einer Art Leistungsschau des Balletts ins Veranstaltungsforum Fürstenfeld ein. Alle zwei Jahre zeigen die kleinen und großen Ballett-Tänzer der Schulen in Fürstenfeldbruck und Gauting, was sie gelernt haben. Die ganzen Osterferien durch wurde nochmals geübt. Jetzt gilt es noch, das Veranstaltungsforum voll zu bekommen. Hier helfe ich gerne mit, schließlich kosten die Karten nur 10 Euro (ermäßigt 6 Euro) und was geboten wird, ist große Klasse. Ich habe mit Ludwig Sinzinger ein kleines Videointerview gemacht und freu mich auf das Ballett-Schaufenster.

Unter Leitung von Ludwig Maria Sinzinger präsentieren Schüler der Ballettschule Sinzinger für Künstlerischen Tanz aus Fürstenfeldbruck an diesem Ballettabend ihr vielfältiges Können. Die auch in Gauting ansässige Schule bietet professionellen Bühnentanzunterricht in klassischem Ballett, modernen Tanztechniken und tänzerischer Früherziehung für Kinder ab 4 Jahren. Bühnenauftritte sind dabei ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses, angefangen bei den Kleinsten bis hin zu erwachsenen Ballettschülern. Wer Freund des Ballett-Studios bei Facebook werden will, kann es auch.

Das Ehepaar Nathalie und Ludwig Maria Sinzinger beherrschen ihr Fach. Ludwig Sinzinger ist ebenso wie seine Frau Dipl. Bühnentänzer. Ludwig ist 1985 in München geboren, begann seine Ballettausbildung 1999 mit einem Stipendium der Heinz-Bosl-Stiftung an der Ballettakademie der Hochschule für Musik und Theater München. 2004 setzte er sein Studium an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden fort. Mit dem Hochschulabschluss zum Diplom Bühnentänzer beendete er 2007 sein Studium. Im gleichen Jahr debütierte er als Eleve des Dresdner Semperoper Balletts in Stücken wie „Sommernachtstraum (John Neumayer)“, „Feuervogel“ und „Petruszka“. In der Spielzeit 2007/08 erfolgte ein Engagement als Solotänzer am Stadttheater Magdeburg.
2009 übernahm er die Koordination der Abendveranstaltungen und Leitung des Theaterbetriebes  namhafter Clubhotels. Als Mitglied beim Deutschen Berufsverband für Tanzpädagogik liegt ein Schwerpunkt seiner Arbeit bei der von Prof. Martin Puttke entwickelten Danamos-Methode. Seit Oktober 2010 Übernahme der Leitung Ballettstudios Bruck und Gauting.

Seine Frau arbeitet in den Ballettstudios mit, ist aber derzeit in Elternzeit. Nathalie Sinzinger ist 1986 in Düsseldorf geboren, absolvierte ihre tänzerische Ausbildung von 1997-2004 in den Fächern klassisches Ballett, Modern, Jazz, Improvisationstechniken und Charaktertanz an der Rheinischen Musikhochschule Köln. Ihr Studium zur Diplom Bühnentänzerin setzte sie 2004 an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden fort, welches sie 2008 erfolgreich mit dem Diplom abschloss. Erste Bühnenerfahrung sammelte sie am Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt. Weitere Zusammenarbeiten mit Choreografen wie Silvana Schröder, Henriette Horn und Birgit Schertzer.
Während des Studiums Weiterbildung in Kindertanz, tänzerische Früherziehung und Pädagogik. Weitere Tätigkeiten als freischaffender Tänzerin, Choreografin und Regieassistentin. Seit Schuljahr 2010/11 Lehrtätigkeit an den Ballettstudios Bruck und Gauting.

Musiktipp: Richard Wahnfried: Tonwelle

8. April 2012

Es gibt Musik, die einfach Geschichte gemacht hat und selbst eine tolle Geschichte ist. Im Moment bin ich wieder auf meinem Klaus Schulze Tripp und ich habe dabei sein Projekt Richard Wahnfried wieder entdeckt. Wer auf elektronische Musik steht und die Tonwelle nicht kennt, der steht nicht auf elektronische Musik – so einfach ist das. Ich liebe Richard Wahnfrieds Tonwelle.

Dabei will ich nicht die alte Aufnahme hier in dem Mittelpunkt stellen, sondern die Neuauflage. Tonwelle war 1981 das zweite Richard Wahnfried-Album von Klaus Schulze mit interessanter Besetzung: Mit Gitarrist Manuel Göttsching arbeitete er erstmals seit seinem Ausstieg aus Ash Ra Tempel wieder zusammen. Den Gesang steuerte Michael Garvens bei und für den Beat sorgte der Santana-Drummer Michael Shrieve.

Die Tonwelle hatte bei uns eine nette Geschichte. Was aber bei uns als Jugendliche in den achtziger Jahren immer für Streit sorgte: In welcher Geschwindigkeit läuft die Platte? Natürlich spielte ich sie in 33 Umdrehungen pro Minute ab, schließlich war es eine Langspielplatte und die gehören in 33 abgespielt. Aber einmal haben wir vergessen, die Geschwindigkeit beim Single-Hören umzustellen und die Tonwelle spielte auf 45 Umdrehungen pro Minute. Das war der Hammer! Die Musik hatte eine Power – unglaublich. Es waren nur die beiden Stücke Schwung und Druck.

Und bei der Wiederveröffentlichung der CD sorgte Schulze für eine Überraschung. Er brachte ein Doppelalbum der Tonwelle heraus, eine CD in 33, die andere CD in 45. Das ist Kunst auf hohem Niveau. Schulze sagt selbst: „Ich habe die Aufnahmen zum ersten Mal nach 30 Jahre wieder gehört und finde die Aufnahme im langsameren Tempo sehr viel besser, obwohl ‚Schwung‘ und ‚Druck‘ nicht mehr so ganz passen. Aber wenn man die Titel auch noch verändern würde, würde es nur noch zu mehr Verwirrungen führen. Ich bin mir sicher, dass diese neuen Versionen den alten und neuen Fans gefallen werden.“

Der Schulze ist ein Schlitzohr und hat sich mal wieder seinen Platz in der Musikgeschichte gesichert. Natürlich geht der Streit unter den Hardcore-Fans los, schließlich heißt die Neuveröffentlichung: Richard Wahnfrieds Tonwelle und der Künstler Klaus Schulze. Es ist nicht Richard Wahnfried: Tonwelle – ein kleiner, aber feiner Unterschied. Mir ist es egal. Ich bin froh, dass ich meine LP nun ausmustern kann und laut, aber ganz laut den Klangteppich des Herrn Schulze auf CD lauschen kann.