Buchkritik: Fotoband Boy George von Didi Zill

Als Kind wurde meine Begeisterung für Fotografie geweckt, als ich mit meinen Onkel einmal den Star-Fotografen der deutschen Bravo Didi Zill besuchte. Mein Onkel musste Zill, der in einer Villa in München Grünwald residierte, etwas bringen und ich kleiner Knirps war dabei. Es war Winter und ich hatte einen roten Schal um. Zill, der gerade in einer Fotosession mit der englischen Band The Sweet war, wollte wohl freundlich sein und lud mich ein, die Session zu beobachten. Irgendwann nahm Sweet-Sänger Brian Connolly meinen Schal und setzte sich in Szene. So kam mein roter Schal auf ein Titelbild der Bravo.

Didi Zill machte auch Musik, nahm ein paar Single und LPs auf und irgendwo hab sie ich wohl auch noch. Viel wichtiger waren mir seine Fotos. Und neulich entdeckte ich einen schönen Fotoband aus dem Verlag Schwarz & Schwarzkopf: Didi Zill Boy George Photos 1982-83
Er zeigte Didi Zill-Fotos von Boy George aus den Jahren 1982/83. Damals schlug die Band Culture Club mit Frontmann Boy George in England und später in Deutschland ein. Die ersten Songs waren ‚Do you really want to hurt me‘, ‚Time‘ oder ‚Karma Chameleon‘. Didi Zill öffnete in seinem Buch sein Archiv und zeigte wunderbare Fotos dieser Zeit. Viele davon wurden im Zentralorgan der Jugend, der deutschen Bravo veröffentlicht.

Boy George ist heute Geschichte, Culture Club hatte ein paar erfolgreiche Songs. Später driftete Boy George in Techno und Drogen ab. Aber 1982 war der schillernde Musiker noch voller Elan. Er entwickelte seinen weiblichen Stil und ich erinnere mich noch an einen Auftritt von Culture Club im deutschen Fernsehen. Die TV-Nation stritt anschließend darüber, ob der Sänger vielleicht doch eine Frau sei und was man gerade gesehen hatte. Boy George war schillernd und er liebte es, sich zu inszenieren. Die Fans, vor allem die weiblichen Fans, liebten Boy George, der sich auf Fotos wunderbar in Szene setzte. Bund, Farbenfroh, ein wenig verrückt und viel, viel Schminke.

Und Didi Zill war ein Meister seines Fachs. Er zeigte uns die Band Culture Club mit Auftritten in der Londoner Diskothek Blitz und vor allem privat. Heute muss ich feststellen, dass die meisten der Musiker der Band keinen Geschmack hatten. Ihre Wohnungen waren grausam eingerichtet, was man auf den Bildern aus den 80ern sehen kann. Stil war nicht gerade das Markenzeichen dieser Zeit. Aber wir sehen in den Bildern von Zill junge Leute, die hungrig sind, die etwas erreichen wollen. Und wir sehen einen Boy George, der die Chance wahrnahm und wusste, was Didi Zill konnte. Vor allem die wunderbaren Ägyptenfotos zeigen einen entspannten Boy George, geschminkt, inszeniert und wunderbar anzusehen. Was Zill fotografierte, sahen später Millionen deutscher Jugendlicher und kauften die Schallplatten und Singles der Band.

Mir hat der Bildband Didi Zill Boy George Photos 1982-83 sehr viel Spaß gemacht und wer sich an die Jahre 1982/82 erinnern will, sollte einen Blick riskieren.

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