Archive for the ‘Medien’ Category

Holzauge sei wachsam – Vorsicht beim Black Friday

25. November 2022

Heute ist Black Friday (25. November) und es folgt am 28. November der Cyber Monday. Es ist Im vergangenen Jahr gaben Konsumenten in Deutschland an diesem Shopping-Event 4,7 Milliarden Euro aus. Wie in den Jahren zuvor ruft der Black Friday jedoch auch Cyberkriminelle auf den Plan, die versuchen die Kauflust der Verbraucher für ihre Zwecke auszunutzen, warnt Kaspersky.

Die Kaspersky-Telemetrie zeigt, dass in den ersten drei Novemberwochen dieses Jahres weltweit 351.800 Spam-Mails mit dem Stichwort „Black Friday“ von Kaspersky-Produkten blockiert wurden. Das ist mehr als das Fünffache als noch im Oktober (65.608). Im Vergleich zum September beträgt das Wachstum sogar über 437 Prozent. Cyberkriminelle versuchen mit entsprechend aufbereiteten Spam- und Phishing-Mails, arglose Verbraucher in die Irre zu führen und Nutzerdaten zu Online-Banking und Online-Shops abzugreifen. Von Januar bis Oktober nutzten sie vor allem folgende Techniken und Aufhänger:

12.787.534 Phishing-Webseiten, die die beliebtesten Einkaufsplattformen Apple, Amazon, eBay, Walmart, Aliexpress und Mercado Libre nachahmten.
16.424.303 Financial-Phishing-Versuche, die sich als beliebte Einkaufsplattformen tarnten.
Apple war der beliebteste Köder unter den Online-Shopping-Plattformen mit 9.858.254 Phishing-Versuchen.
19.519.490 Angriffe durch Banking-Trojaner, die Online-Zahlungsdaten abgreifen wollten – ein Zuwachs von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Kaspersky-Tipps gibt ein für sicheres Online-Shopping am Black Friday, die ich gerne weiterverbreite.

Natürlich empfiehlt Kaspersky erst einmal ihre eigene Sicherheitslösung wie Kaspersky Premium, die schädliche Anhänge erkennt und Phishing-Seiten blockiert – sowohl auf dem Computer als auch auf mobilen Geräten.
Anhänge oder Links in E-Mails von Banken, E-Payment-Apps oder Shopping-Portalen nicht anklicken, insbesondere wenn der Absender dazu aufruft. Es empfiehlt sich, auf die offizielle Website zu gehen und den dortigen Anmeldungsprozess zum eigenen Konto zu nutzen.
Überprüfen, ob das Format einer URL oder die Schreibweise des Firmennamens korrekt ist. Darüber hinaus sollten Verbraucher Bewertungen und Registrierungsdaten der Domain lesen, bevor persönliche Informationen eingegeben werden.
Besonders günstige Angebote immer mit Vorsicht betrachten.
Und dann kann es losgehen mit dem Shopping. Persönlich halte ich mich dieses Jahr aufgrund der schlechten Auftragslage zurück beobachte die Angebote.

Freshtorge live in München Circus Krone

20. November 2022

Funktioniert ein YouTube-Star im Real Life? Vor dieser Herausforderung stand ich beim Besuch eines Live-Auftritts von Freshtorge im Münchner Circus Krone. Trotz des sympathischen und engagierten Einsatzes des millionenfach geklickten Entertainers, dessen Videos ich regelmäßig genieße, war ich von der Show in mancher Hinsicht enttäuscht.

Ich war überrascht, wie viele Kinder Eintrittskarte für Freshtorge hatten bei einem Preis von etwas unter 50 Euro. Um dieser kindlichen Zielgruppe gerecht zu werden, senkte Freshtorge das Niveau seines Auftritts deutlich. Die gesellschaftlichen Spitzen, die vieler seiner Videos ausmachen, waren im Live-Programm kaum vorhanden. Zurück blieb Klamauk, der das Potential des Video-Künstlers absolut nicht ausschöpft. Da geht mehr lieber Freshtorge und das schreibe ich als Fan.

Zudem war das Programm ziemlich gestreckt und Anheizer Klaus wollte durch Plattitüden das Publikum anheizen. Es gab Quizfragen mit Geschenken an das Publikum, wie in billigen US-Shows. Das streckt schön Zeit damit weniger für die Show übrig bleibt, langweilt aber ziemlich. Das mag in kleinen Clubs funktionieren, aber nicht in einer etwas größeren Halle wie dem Circus Krone. Auch das Umschmeicheln des Publikums war zu dick aufgetragen und hat wieder etliche Minuten gekostet, in denen ich lieber eine Show gesehen hätte. Und als dann noch Freshtorge und Klaus die uralte Rudi Carrell-Show Herzblatt von 1987 mit drei Zuschauern aufführten, sollte sich Freshtorge fragen, warum die Carrell Show im Jahre 2005 abgesetzt wurde. Vielleicht weil sie aus der Zeit gefallen ist.

Und dann gab es wiederum grandiose Momente, die vor allem bei Marianne und Helga (Bist du da Helga?) aufblitzten. In der ersten Runde wurde Marianne alias Freshtore in vorgefertigten Video zugeschaltet und man trällerte gemeinsam ein Liedchen, wobei die PA sich überschlug. Nach der Pause wurde eine Dame aus dem Publikum ausgewählt, die Marianne in Originalkostüm samt Perücke spielen dufte. Hier gelang ein Glücksgriff, denn die Publikumsmarianne hatte mit einem Caipirinha schon leicht einen im Tee und spielte ihre Rolle hervorragend. Das war für mich der Höhepunkt des Abends.

Für mich steht fest: Eine Show mit Feshtorge ist nett, ein YouTube-Video mit ihm gibt mir deutlich mehr.

Übrigens noch ein Wort zum Veranstaltungsort Circus Krone, dem Ort in dem die Beatles, Bob Dylan und Johnny Cash gespielt haben: Wie kann man so ignorant sein und keine Kartenzahlung für Getränke und Bratwurst 5 Euro) anbieten. Haben die Betreiber durch Corona nichts gelernt?

Oh, der strenge Wolf Schneider ist tot

12. November 2022

Es gibt zwei Bücher, die mich als Nachwuchsjournalist massiv geprägt haben. Das eine war die gelbe Bibel von Walther von La Roche Einführung in den praktischen Journalismus und das zweite Buch war Deutsch für Profis von Wolf Schneider. La Roche ist 2010 verstorben, nun ist Wolf Schneider ihm gefolgt. Die schauen den Journalisten von oben nun auf die Finger – und haben viel zu tun.

Wie seine Familie mitteilte, starb er im Alter von 97 Jahren in Starnberg. Schneider wurde in Erfurt geboren und leitete mehr als zwei Jahrzehnte lang die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Er prägte damit eine ganze Generation von Nachwuchsjournalisten und die gesamte Branche. Ich habe Schneider nie persönlich getroffen, aber durch sein Werk war er immer präsent. Kein Einsteigerseminar über Journalismus, wo ich nicht seine Bücher empfahl. Kollegen nannten ihn in ihren Nachrufen den Sprachpapst. Der Titel hätte ihm garantiert nicht gefallen, denn ich denke, Schneider war ein strenger Pedant der deutschen Sprache und Sprachpapst hätte er abgelehnt.

Schneider war stets auf korrekte Sprache und Stil bedacht und schrieb zahlreiche Sachbücher, etwa „Deutsch für Profis“. Immer wieder nehme ich das Buch zur Hand. Er war in Sachen journalistischer Sprache ein Monument und ich muss mal recherchieren, ob er sich zum Gendern im Journalismus geäußert hat.

Buchtipp: Und plötzlich sind da Kameras von Maximilian von Rossek

4. November 2022

Es ist an allen Ecken und Enden zu spüren. Der Landtagswahlkampf in Bayern nimmt Fahrt auf. Zur Wahlkampfstrategie eines Kandidaten, egal welcher politischer Ebene, gehört nicht nur eine klassische Mediaplanung, sondern es gehört auch viel Übung bei öffentlichen Auftritten dazu. Der Druck auf den Kandidaten steigt, wenn auf einmal Kameras vor Ort sind.

Blickt man in TV-Kameras mit Mikro und Licht, gerät auch so mancher Profi ins Schwitzen. Aber der Druck erhöht sich auch schon, wenn man einen Aufsagen vor dem Smartphone sagen muss. Wer das kennt, für den habe ich Abhilfe gefunden in Form des wunderbaren Buches Und plötzlich sind da Kameras von Maximilian von Rossek.

Ich kenne Maximilian von Rossek aus dem PresseClub München seit Jahren und kann ihn als seriösen Journalistenkollegen absolut empfehlen.

Bücher dieser Art gibt es natürlich viele, aber dennoch möchte ich gerade dieses Buch meines Kollegen empfehlen, denn von Rossek weiß, wovon er schreibt. Er ist seit Jahren erfahrener Programmleiter von TV BAYERN LIVE und Videojournalist durch und durch.

Dieses Buch erklärt auf lockere Weise mit vielen Beispielen, wie sich der Kandidat oder Amtsinhaber in der Öffentlichkeit von seiner besten Seite präsentieren kann, sei es im Fernsehen oder in Social Media-Kanälen. Von Rossek weiß genau: Ein guter Auftritt ist oft auch viel wert und manchmal sogar zielführender in der Politik, als ein gutes Wahlprogramm.

Damit ist das Buch Und plötzlich sind da Kameras eine wertvolle Hilfestellung für alle Neupolitiker und alte Hasen, welche die Ambition haben, sich selbst im besten Licht der Welt darzustellen. Aber es eignet sich natürlich auch für alle Personen und Berufsgruppen & Medieninteressierte, denn unser Wirken vor der Kamera können und müssen wir alle erst erlernen. Auch den Profis empfehle ich einen Blick in das Buch, denn Reflexion gehört einfach dazu.

Foto-Buchtipp: Der Spleen von Berlin von Jutta Voigt und Rolf Zöllner

3. November 2022

Ich will, nein ich muss wieder mehr fotografieren. Überall sehe ich Motive und ich muss sie einfach ablichten, sei es mit dem Smartphone oder mit dem klassischen Fotoapparat. Zu lange habe ich meine Mission vernachlässigt.

Inspiration habe ich auch von einem Flohmarkt-Buch bekommen mit dem seltsamen Titel Der Spleen von Berlin. Die Bilder zeigen das neue Berlin in schwarzweiß, eigentlich geht es um Berlin Mitte und die Fotos wurden 1999 veröffentlicht, also schon ein paar Jahre her.

Jutta Voigt sorgte für die beschreibenden, zum Teil literarischen Texte und Rolf Zöllner steuerte die Fotos dazu. Eine schöne Kombi, die zum Nachdenken und Betrachten einlädt. Die Fotos zeigen ein Berlin, was es wahrscheinlich so nicht mehr gibt. Abgedrehte Typen, alternative Ort, nicht die strahlende Hauptstadt.

Woher stammt der Titel des Buches? Ich vermute, er orientiert sich an Charles Baudelaire. Und sein Werk Der Spleen von Paris mit dem Zitat: „Wo alles Ungeheure so wie eine Blume sprießt“. Baudelaire gilt heute als Begründer der modernen Großstadtpoesie und als Prototyp des modernen Dichters – und ich sage mal, das Duo Voigt/Zöllner orientiert sich an dieser literarische Vorlage – wozu hat man Ziele?

Das Buch ist ein Blick zurück in vergangene Zeiten mit einer genauen Ortskenntnis, wie mir (Ost-)Berliner bestätigen, die diese Zeit noch erlebt haben. Dabei schwingt eine gewisse Wehmut in Text und Bild – also vielleicht auch eine Art Selbstmitleid. Ich sehe das Buch als Aufforderung mehr Fotos zu machen. Also gehts raus und macht Fotos.

Bücherflohmarkt im Pfarrzentrum Gernlinden

27. Oktober 2022

Ich hatte eigentlich meiner Frau versprochen, dieses Mal keine Bücher zu kaufen, aber ich habe mein Versprechen gebrochen als ich im Pfarrsaal von Bruder Konrad in Gernlinden im Landkreis Fürstenfeldbruck stand und die Schätze vor mir sah. Ein Paradies voller Bücher.

Einmal im Jahr findet der Bücherflohmarkt in Gernlinden statt, organisiert vom Ortskartell der Vereine. Das ist so eine Art Überverein bei dem alle Vereine des Maisacher Ortsteils Mitglied sind. Das ganze Jahr über werden Bücher gesammelt und dann an zwei Tages den Publikum zum Kauf angeboten. Die Preise sind niedrig, die Auswahl ist groß und der Erlös kommt einem guten Zweck zugute. Der große Spielplatz in Gernlinden profitiert von den Einnahmen.Was also will man mehr?

Der Herr der Bücher Christian Kemether

Der Herr der Bücher Christian Kemether, Gemeinderat und Mitglied des Ortskartells, und das Team machen hier eine vorbildliche Arbeit, die ich gerne unterstütze. Nächstes Jahr möchte ich an der Organisation gerne mitarbeiten, denn ich finde den sozialen Gedanken sehr gut.

Es gab allerhand Arten von Büchern, die grob vorsortiert waren. Das meisten Bücher waren natürlich Romane aller Art – darunter viele Thriller und klassische Unterhaltung. Ich hab auch die Biografie von Jan Fedder gesehen, die von Tim Pröse verfasst wurde. Der Spiegel Bestseller-Autor war vor kurzen zu einer genialen Lesung in unserer Gemeindebücherei. Es gab leider nur ein wenig SF und Fantasy, Horror habe ich keine gesehen – oder sie waren schon weg. Professionelle Buchhändler waren gleich zu Anfang da und haben die Schätze geplündert, aber wer sich die Zeit nahm die Hunderte, nein Tausende von Bücher in mehreren Räumen durchzuschauen, der wurde fündig.

Auch Tim Pröse gab es zu kaufen.

So wie ich, der zwei Taschen voller Bücher heranschleppte. Mich interessierte das politische Buch, ausgewählte Fotobücher, ein wenig Biografien und ich ließ mich treiben und inspirieren. Meine Ausbeute habe ich in einem Video zusammengefasst.


Nochmals Gratulation für ein solches Engagement in meiner Wohnortgemeinde und ihr habt viele Bücherfreunde glücklich gemacht mit dieser Aktion.

Wie arbeitet der Journalist Tim Pröse?

21. Oktober 2022

Wann hat man denn schon mal die Chance einen Spiegel Bestsellerautoren zu interviewen? Ich hatte sie: Nicht auf der leeren Buchmesse in Frankfurt, sondern bei uns im Dorf als ich mit Tim Pröse in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck bei seiner Lesung über Sophie Scholl traf.

Jede Lesung von Tim Pröse ist ein Genuss und auch diese war es wieder. Sein Vortragsstil ist eindringlich, er weiß die Pause und Betonungen richtig zu setzen, so dass aus einer einfachen Lesung eine Inszenierung wird. Die Amerikaner sagen dazu den positiven Begriff Show dazu, was in Deutschland eher den Beigeschmack der leichten Unterhaltung hat. Nein, das war es auf keinen Fall und dennoch passt für mich der Begriff Show perfekt. Rund vierzig Zuhörer wollten sich diese Chance in der örtlichen Gemeindebücherei nicht entgehen lassen.

Ich kenne Tim Pröse schon ein paar Tage, durfte mit ihm auch schon Veranstaltungen durchführen und habe sein neuestes Buch Der Tag, der mein Leben veränderte verschlungen. Ich liebe als ehemaliger Textchef den Stil des Autoren.

Aber Tim Pröse ist auch Kollege. Er ist gelernter Journalist, arbeitete unter anderem für die Münchner Abendzeitung und den Focus. Und so wollte ich in einem Videointerview mehr wissen, wie der Journalist Tim Pröse an ein Thema herangeht. Wie recherchiert er? Wie haben sich die Bedingungen gegenüber seinem prominenten Publikum mit all ihren Managern und Medienberater verändert? Ist Pröse ein Einzelgänger oder hat er ein Rechercheteam? Wer sind seine Vorbilder? Und natürlich, was sind seine nächsten Projekte? All diese Fragen und noch mehr habe ich in diesem Videointerview gestellt:

BAF: Medienbranche klagt über Fachkräftemangel

10. Oktober 2022

Als ich vor gefühlten hundert Jahren mich für den Beruf des Journalisten entschied, war dies für mich eine Berufung, eine Passion. „Irgendwas mit Medien“ lautete damals der Wunsch vieler junger Leute. Was bei vielen unklar war, war für mich konkret: Klassischer Print-Journalismus mit Fotografie. Und bei der jüngsten Festveranstaltung der BAF Bayerische Akademie für Fernsehen und Digitale Medien in Unterföhrung musste ich hören, dass genau diese Medienbranche auch an einem Fachkräftemangel leiden – unglaublich.

Die demographische Entwicklung holt auch die Medien ein. Viele Stellen werden in den nächsten Jahren frei. Medienunternehmen suchen nach Fachkräfte und seien auch bereit auf neue gesellschaftliche Entwicklungen Rücksicht zu nehmen: HomeOffice, remote Arbeiten, Vier-Tagewoche. Und dennoch, da kann ich Thomas Hinrichs vom BR nur beipflichten: Es geht ums harte Arbeiten und um solides Handwerkszeug, das anzuwenden ist. Technik kommt und geht, aber der Journalismus als Handwerkszeug bleibt.

Die BAF ist eine private Ausbildungseinrichtung nach dem Motto „Sowenig Theorie wie möglich, soviel Praxis wie möglich.“ Ich darf einmal im Jahr als Dozent für die BAF tätig sein. Leider bin ich gar nicht auf der Website als Dozent gelistet, wie ich bei dem Festakt in Unterföhring feststelle – schade. Mein Unterricht, der in den vergangenen zwei Jahren online stattfand, macht mir Spaß und hilft hoffentlich auch den jungen Studierenden. Das neue Vollzeitstudium hat gerade erst begonnen und ich wünsche den jungen Kolleginnen und Kollegen viel Erfolg in der schönen neuen Medienwelt, die scheinbar nur auf sie wartet.

Natürlich befinden sich Medien in der Krise. Zeitungs- und Zeitschriftenverlage leiden unter dem ausbleibenden Anzeigengeschäft, die Öffentlich-Rechtlichen haben Finanzprobleme und machen sich durch Intendanten-Aktionen selbst das Leben schwer. Der Rubel rollt nicht mehr so wie früher und Plattformen wie Apple, Facebook und Google machen die große Kasse. Also sind neue Content-Modelle bei den Medien gefragt. Wer eine Idee hat, der ist Sieger.

Interessant ist, dass viele Festgäste beim BAF-Festakt immer noch von Fernsehen, im Sinne von klassischen Broadcast reden. Ich würde eher von Bewegtbildmedien sprechen, denn Geschichten in Form von bewegten Bildern ist längst das Kriterium im Internet. Die TikToks, Instas, YouTubes und wie sie alle heißen gieren nach bewegten Bildern – und die BAF hat diese Zielgruppe für die kostenpflichtige Ausbildung wohl richtig erkannt und ihre Lehrinhalte angepasst. Im Moment entwickle man sogar einen Studiengang GameDesign, den mein Kind K2 bei einer anderen privaten Hochschule gerade aufgenommen hat.

Es werden Zahlen präsentiert, dass Fernsehen noch riesige Zuschauerzahlen haben. Das mag sicher sein. Doch meine Familie gehört nicht dazu. Für uns ist lineares TV tot, mausetot. Aber jeder soll nach seiner Art glücklich werden und sein gutes Geld verdienen. Allerdings frage ich, warum ich die Rundfunkgebühren für Soaps und Fußball bezahlen soll. Mehr Information, weniger Entertainment für nicht bitte. Und bevor die Diskussion aufkommt: Ich bin ein Fan der Öffentlich-rechtlichen Medien, aber mit mehr Information und weniger Blabla.

Ich habe nun selbst zwei Revolutionen erlebt, die mein Berufsfeld auf den Kopf gestellt haben: DTP und Internet – bei beiden habe ich mich gut geschlagen und war bei den Innovativen mit dabei. Gleich war aber immer meine Rolle des Geschichtenerzählers. Und ich habe für mich entschieden, weiterhin Geschichten zu erzählen – heute heißt es wohl Storytelling. Ich vermute, dass die nächste technische Revolution AR und VR sein wird. Auch da brauchen wir neue Geschichtenerzähler, die das Medium kennen und die Story sehen und erzählen können.

Es tat gut, bei diesem BAF-Festakt in Unterföhring viele Kolleginnen und Kollegen aus vergangenen und aktuellen Zeiten zu sehen und auch zu sprechen: Hans-Peter Niedermeier (ehemals HSS), Uwe Brückner (PresseClub), der erste Akademieleiter Ulrich Berls (er saß damals im PresseClub-Vorstand neben mir oder besser ich neben ihm), Thomas Hinrichs (BR), BAF-Präsident Erwin Huber, Renate Hermann (Hochschule Ansbach), Christopher Tusch (BAF), Wolf-Dieter Ring (ehemals BLM) und viele viele mehr.

Es gab Ehrungen, die ich im verwackelten Video festgehalten habe – ich sollte einen Videokurs bei der BAF besuchen.

Buch oder Film? New York 1999 oder Jahr 2022 … die überleben wollen

4. Oktober 2022

Als Fan des Films der siebziger Jahre und Mitglied in einer dazugehörigen diskussionsfreudigen Facebook-Gruppe habe ich einen Klassiker zu Gemüte geführt, zu dem ich unbedingt im Jahr 2022 meinen Senf dazugeben muss: Jahr 2022 … die überleben wollen

Buch oder Film?

Ich habe mir den Film mit Charlton Heston und Edward G. Robinson wieder auf Bluray angesehen, nachdem ich ihn gefühlt vor Jahrzehnten mal im Fernsehen gesehen hatte. Damals fand ich Soylent Green, wie der Film im Original hieß, sehr spannend und bewegend. Nach wiederholten Ansehen meine ich, dass es nach wie vor ein guter Film der siebziger Jahre ist – das Jahr der Veröffentlichung war 1973 und die grünen Kekse verfolgen mich seit dem ersten Betrachten des Films. Das dies so ist, zeigt mir, welche Wirkung dieser Film auf mich und andere gemacht hat. Allerdings ist der Film von Richard Fleischer recht konventionell inszeniert. Und dennoch gilt er als einer der ersten Filme der Ökodystopien, wie auch Lautlos im Weltraum, den ich für sehr unterschätzt halte. 2022 ist auch als Sammler-Edition erschienen.

Nachdem ich den Film aus dem Archiv gezogen habe, wollte ich auch die literarische Vorlage von Harry Harrison lesen, der unter dem Titel New York 1999 erschienen ist. Film und Buch haben nur bedingt etwas gemeinsam. Die grünen Kekse kommen nur am Rande vor und in einem anderen Zusammenhang. Soylent Green gibt es gar nicht im Buch. Nach zwei Tage Lektüre und zweimaligen Ansehen des Film ziehe ich für mich Bilanz: Der Roman ist bei weitem besser.

Die Beschreibungen von Harry Harrison aus dem Jahre 1966 halte ich für realistischer und grausamer. Die Systemkritik, vor allem die Kritik an der katholischen Kirche und ihrer Politik zur Empfängnisverhütung, ist klarer und deutlicher formuliert. Die Dystopie im Film ist nur ein Hintergrund für eine spannende Detektiv- und Enthüllungsstory. Die Dystopie im Buch geht viel tiefer, viel weiter und viel radikaler – und leider viel aussichtsloser.

Fans des Buches werden beim Betrachten des Films enttäuscht sein. Allerdings gibt es wohl weniger Menschen, die das Buch überhaupt gelesen haben und stattdessen den Film ansahen. Ich bin mal auf eure Meinung gespannt.

Persönliche Eindrücke vom Landesparteitag der Grünen in Landshut

26. September 2022

Für mich war es nach langer Zeit wieder mein erster Parteitag, den ich für einen Kunden als Pressebeauftragter zu betreuen hatte. Mein Kunde, der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, mietete sich über die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft einen Stand auf dem Landesparteitag der bayerischen Grünen in Landshut.

Das bedeutete einen Tag Stress pur. Im Vorfeld arbeiten wir ein zweiseitiges Positionspapier der bayerischen Friseure aus. Ich hab es hier zum Download. Unser wichtiges Anliegen war es auf dem Parteitag, mit den Politikern ins Gespräch zu kommen, zum Teil den Erstkontakt herzustellen, ihnen ein Gesprächsangebot zu machen und unsere Forderungen des Mittelstandes zu vermitteln. Dieses Vorhaben ist uns voll und ganz gelungen. Von den einigen Gesprächspartnern war es auch wichtig ein Foto für die Kommunikation des Friseurverbandes zu bekommen.

Bei den Bundespolitikern war es ein ziemliches Gerangel unter den Fotografen, um die besten Fotoplätze. Aber gelernt ist gelernt und kein Shot ging in die Hose. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) hatte 21 Partner an Bord und wir waren in einer Reihe mit unseren Ständen aufgereiht. Die Friseure standen neben dem Stand der bayerischen Metzger und ihrem engagierten Geschäftsführer Lars Bubnick. Wir spielten uns großartig die Bälle (und die Politiker) zu – das Handwerk hält eben zusammen. Die Metzger haben als wichtigste Thema die Energiepreise.

Die erste Schwierigkeit war es, den Mandatsträger in der Masse zu erkennen und ihn dann an den Stand der Friseure zu bringen. Natürlich kenne ich viele der Prominenten Landes- und Bundespolitiker der Grünen, aber mit jeden einzelnen Landtags- und Bundestagabgesordneten der Grünen bin ich nicht vertraut. Hilfe boten Kopien aus dem Landtags- und Bundestagshandbuch. Also Gesprächspartner identifizieren und dann an den Stand losten, um sie mit den Positionen des Friseurhandwerks vertraut zu machen. Gleichzeitig galt es Gespräche mit den Delegierten und Gästen zu führen, sie sich über die Position der Friseure informieren wollten. Beispielsweise mit Jürgen Böhm, Vorsitzender des Realschullehrerverbandes.

Jürgen Böhm vom Realschullehrerverband.

Ich hatte als kleinen Eyecatcher neben unseren Banner auch ein Divoom Pixoo dabei, ein digitaler Bilderrahmen auf dem eine Friseurin in 8-Bit-Kunst zu sehen war. Das kam gut an.
Sobald ein Foto im Kasten war, postete ich die Aufnahmen mit kleinem Text in Instagram und Facebook und moderierte gleichzeitig die Reaktionen, um Gespräche in Gang zu bringen und den Algorithmus zu unseren Gunsten zu beeinflussen. So mancher Kommentartor verstand das Anliegen unserer Aktion nicht und wurde emotional. Uns ging es darum, die Position des Friseurhandwerks zu vermitteln. Wir führten u.a. Gespräche mit Spitzenkandidaten-Duo Katharina Schulze und Ludwig Hartmann, Landesschatzmeister Ulrich Lindner, Staatsministerin Claudia Roth, Stv Fraktionsvorsitzender Jürgen Mistol, MdB Dieter Janecek, MdL Johannes Becher, MdL Anne Franke, MdB Anton Hofreiter sowie dem bayerischen Vorsitzender der Grünen Thomas von Sarnowski.

In der Regel ging jede Stunde ein Post aus der Sparkassen-Arena von Landshut online. Das war aber zweitweise auch ein Problem, denn die rund 350 Delegierten waren alle mit Smartphone, einige auch mit Tablet und Laptop zum Parteitag angerückt. Das WLAN war schnell erschöpft und auch der einzige Funkmast kam schnell an seine Grenzen. Willkommen im digitalen Deutschland.
Dann schaute ich dann und wann in den großen Saal, um etwas von der politischen Atmosphäre mitzubekommen. Es ist ja im großen und ganzen eine Art Mitgliederversammlung nur ein größeren Dimensionen. Ich war dabei als der Landesparteitag der bayerischen Grünen Katharina Schulze und Ludwig Hartmann erwartungsgemäß zum Spitzenkandidaten-Duo für die kommende Landtagswahl gekürten. Mein persönlicher Eindruck war, dass die ganze Versammlung ohne größeren Streit ablief, aber ich war nur zeitweise anwesend. Ein wenig bekam ich die politischen Diskussionen mit. „Wir brauchen eine Regierung, die zusammenführt, nicht spaltet. Bayern ist das Land der Trachtenvereine und queeren Jugendtreffs,“ schwor Ludwig Hartmann die Landshuter Arena ein. Und Katharina Schulze rief: „Unterstützt uns! Wir wollen den Wahlkampf unseres Lebens führen.“

Als nächstes stehen die Parteitage der SPD und der CSU an, wobei ich die CSU wohl aufgrund eines eigenen Seminars nicht betreuen kann. Für mich war es wieder spannend zu sehen, wie Parteiendemokratie funktioniert und ich habe wieder viel gelernt. Und durch Zufall machte ich auch ein Selfie mit Katharina Schulze.

Spontanes Selfie mit Katharina Schulze.