Archive for the ‘Film’ Category

Filmtipp: King Kong und die weiße Frau als Special Edition

15. Februar 2022

Seit ich Kind war, bin ich ein Fan von Kong. Irgendwann sah ich die Verfilmung von Merian C. Cooper im Fernsehen und war angetan vom Affen, der New York zerlegte und sich vom Empire State Building zu Tode stürzte. Es kamen nach Kong viele Monster, aber Kong blieb mein King.

Nun kam von Filmjuwelen vor kurzem die ultimative Kong-Fassung King Kong – Das achte Weltwunder auf Bluray heraus. Ich empfehle ausdrücklich die Special Edition. Selbstverständlich musste ich zugreifen und ich hab es nicht bereut. Ich feierte einen ganzen Tag lang die hervorragende Veröffentlichung, die ich jeden Filmfreund ans Herz legen möchte. Der Inhalt der Doppel-Bluray King Kong – Das achte Weltwunder kann sich sehen lassen: Enthalten sind die Filme King Kong und die weiße Frau (1933), King Kongs Sohn (1933) und Panik um King Kong (1949). King Kongs Sohn hatte ich bisher nur auf Super 8 und die Tricks sind prima. Panik um King Kong finde ich eher schwach. Zudem ist die colorierte Kong-Fassung enthalten, die ich bisher in besserer Version auf US-Laserdisc hatte und als besonderes Schnäppchen die verschollen geglaubte deutsche Fassung von 1933 Die Fabel von King Kong in toller Sychro mit deutscher Einleitung.

Ich genoss Szene für Szene des Hauptfilms von 1933. Was muss für ein Raunen durchs Kino von damals gegangen sein, als Kong die weiße Frau auszieht, die Eingeborenen zertrampelt oder wie Kong auf dem Dach des damals gerade fertiggestellte Empire State gegen die Flugzeuge kämpft. Die Tricks von Willis O’Brien fesseln mich noch heute. Stop Motion at his best. Willis O’Briens Erbe wurde später vom großen Ray Harryhausen fortgesetzt.

Und bevor jemand einen Kommentar schreibt: Die legendäre Spinnen-Szene ist nicht aufgetaucht und damit nicht enthalten. Wir erinnern uns: Bei der Jagd auf Kong stürzen Seeleute von einem Baumstamm in eine Schlucht und wurden von Spinnen gefressen. Merian C. Cooper schnitt diese Szene nach Testvorführungen aus dem Film, weil die Zuschauer schockiert über die Spinnen als weniger über Kong sprachen. Diese Szene ist bis heute verschwunden. Kong-Fan Peter Jackson drehte die Szene neu mit der damaligen Tricktechnik aufwendig nach und diese neue Spinnen-Szene ist auf der Bluray enthalten – schon alleine das ist der Grund für den Kauf.

Es sind noch einige Juwelen als Extras auf King Kong – Das achte Weltwunder mit dabei. Beispielsweise Dokus über die Stop Motion-Technik von Trickpionier Willis O’Brien, Creation (Fragment eines Filmprojekts) und die komplette Filmmusik von Max Steiner, für mich eines der großen Werke der Filmmusik. Zudem gab es Audiokommentare, darunter von Rolf Giesen – zu gerne würde ich den großen Mann der deutschen Filmkritik gerne einmal persönlich treffen.

Douglas Trumbull – ein Zauberer ist abgetreten

9. Februar 2022

Ein Zauberer, einer der großen Meister seines Fachs, ist von uns gegangen. Douglas Trumbull verstarb an Krebs, einem Hirntumor und einen Schlaganfall im Alter von 79. Jahren. Seine Tochter gab den Tod des Vaters via Facebook bekannt.

Sicherlich ist sein Name nur Insidern bekannt, sein Werk dagegen haben viele Menschen bewundert. Douglas Trumbull schuf die Tricks von vielen stilprägenden Filmen, allen voran 2001: Odyssee im Weltraum, Blade Runner, Andromeda (1971), Unheimliche Bewegung der Dritten Art oder Star Trek – der Film.

Douglas war ein Genie in seinem Metier und revolutionierte die Tricktechnik mit seinen Modellen, lange bevor es CGI gab. In Andromeda führte er das erste Mal CGI im Film ein. Wir die Zuschauer, aber auch die Filmschaffenden in aller Welt haben ihn so viel verdanken. Sein letzter Geniestreich war wohl der Trailer zu Amazons Herr der Ringe-Serie. Sonst arbeitete er für IMAX und entwickelte das Showscan-Verfahren mit 60 fps.

Aber Trumbull führte auch Regie, einmal bei Öko-SF Lautlost im Weltraum (1972) und vor mich sein wegweisendes Werk Projekt Brainstorm. Beide Filme floppten, aber sie fanden dennoch den Weg in mein Herz. Brainstorm war für mich eine Vorausschau auf VR und das Metaverse.

Trumbull habe ich nur einmal live gesehen. Ich glaube es war 2021 in Stuttgart auf der fmx. Leider kam ich nicht nah genug an ihm ran, keine Fotos und vor allem kein Interview. Ich war den Veranstaltern wohl nicht so wichtig, so dass ich nur ein Zuschauer und vielen war.
Das erste Mal las ich den Namen Douglas Trumbull als ich ein junger Kinofan war und mir den Sonderband Die Tricks der Kinozeitschrift cinema kaufte. Dort wurde ein wenig über den Zauber von 2001 berichtet und wer die großartigen Tricks schuf. Seitdem war ich ein Fan von ihm.

90. Geburtstag von François Truffaut

8. Februar 2022

Wenn ich ans französische Kino denke, fallen mir viele berühmte Regisseure ein: Claude Chabrol, Georges Méliès, Jaques Tati, Jean-Luc Godard und immer wieder François Truffaut.

Das Geniale an der Person François Truffaut war für mich: Er vereinigte in einer Person Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Journalist, Buchautor und Schauspieler. Am 6. Februar 1932 wurde er in Paris geboren und feierte soeben seinen 90. Geburtstag.
Als Filmkritiker, der das legendäre Les Cahiers du cinéma leitete, wechselte er auf die andere Seite. Er schrieb nicht nur über Film, sondern er schrieb Filmgeschichte indem er Mitbegründer der Nouvelle Vague war. Seine Meisterwerke waren sicherlich Sie küssten und sie schlugen ihn, Jules und Jim, Geraubte Küsse und Die amerikanische Nacht, die derart leichtfüßig auf der Leinwand liefen.

Von den siebziger Jahren bleiben mir drei unterschiedliche Ereignisse von Truffaut in Erinnerung. Da wäre zum einen sein Film die amerikanische Nacht von 1973, die deutsche Veröffentlichung des Interview-Klassikers Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? und sein Schauspielauftritt in Steven Spielbergs Unheimliche Begegnung der Dritten Art.

Der Regisseur: Die amerikanische Nacht (1973)
Der Film lebt vom Blaufilter. Die Liebeskomödie wurde bei Tag gedreht, aber durch einen Blaufilter entsteht für den Zuschauer der Eindruck einer Nachtaufnahme, eben eine amerikanische Nacht. Der Film ist ein humorvolles Psychogramm von Dreharbeiten – unterschiedliche Charaktere prallen aufeinander. Ein Filmprojekt droht zu scheitern, doch die Liebe zum Film schweißt die Protagonisten zusammen und sie ziehen gemeinsam ihr Filmprojekt durch. Ein schöner Film für Filmfreunde, der die Differenzen in einem künstlerischen Prozess sehr gut darstellt und Mut macht. Die amerikanische Nacht wurde sowohl 1974, als auch 1975 für den Oscar nominiert. Zunächst als französischer Beitrag in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film, in der er sich gegen die Konkurrenz durchsetzen konnte, und im folgenden Jahr in den Kategorien Beste Regie und Bestes Originaldrehbuch sowie mit der Schauspielerin Valentina Cortese in der Kategorie Beste Nebendarstellerin.

Der Autor: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?
Der Journalist Truffaut hatte die Gelegenheit den Altmeister des Kinos Alfred Hitchcock mehrmals zu interviewen. Heraus kam ein Standardwerk der Filmliteratur, das jeder Filmfan gelesen haben muss. Truffaut stellt die richtigen Fragen und Hitchcock beantwortete sie ausführlich und detailreich. Herausgekommen ist kein oberflächliches PR-Buch, sondern spannende Filmliteratur. Das Buch Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? ist in Deutschland 1973 erstmals bei Hanser erschienen, zwei Jahre später kam es bei Heyne heraus. Das französische Original erschien 1966 und basiert auf einer rund 50-stündiges Interview-Session.


Hier gibt es die original Interviews zum Nachhören.

Der Schauspieler: Unheimliche Begegnung der dritten Art 1977
Truffaut spielt den Sprachwissenschaftler Claude Lacombe, der Kontakt zu Außerirdischen herstellt. Die Spielbergsche Allegorie auf die Bibel ist heute ein Klassiker des Science Fiction-Films, der nochmals in einer erweiterten Version herauskam. Für mich ist die Beteiligung Truffauts, der im Film Französisch spricht, eine Verbeugung Spielbergs vor dem großen europäischen Autorenfilmer. Spielberg bezeichnete ihn 1978 in einem Interview des American Film Institute als „simple Man“ im Sinne von unkompliziert. Er sei genauso wie seine Filme: Leicht und unbeschwerlich. Und ich denke, diese Unbeschwerlichkeit zeigt sich hervorragend in Unheimliche Begegnung.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Facebook-Gruppe ERDBENEN‘74 – Filme und Stars der 70er

Filmwissen online – Digitalprojekt für Filmfans gestartet

3. Februar 2022

Als Filmfan und Bildungsmanager liebe ich Archive, Datenbanken, Bibliotheken und dergleichen mehr, die sich mit dem Medium Film beschäftigen. Und ich freue mich, wenn eine neue Wissensdatenbank zum Thema Film online gegangen ist, so wie jetzt, denn digitale Bildung im Netz ist genau der richtige Weg.

Mit der gelaunchten interaktiven Plattform FILMWISSEN ONLINE bieten sieben Institutionen aus der deutschen Filmbildungslandschaft Filmfans einen interaktiven und spielerischen Einstieg in die Filmgeschichte und Filmsprache, gepaart mit jeder Menge kurioser Fakten zu Film und Kino. Mir gefällt dieser digitale Weg der Filmbildung, den ich noch selbst als Jugendlicher in Büchereien, eigenen Archiv und Filmfesten mühsam beschritten habe.

Es werden Fragen aus 120 Jahre Filmgeschichte beantwortet wie: Wie wahr kann ein Dokumentarfilm sein? Wer war die erste Animationsfilmregisseurin in Deutschland? Was hat es mit Western „Made in Germany“ auf sich? Was haben Stummfilme und Comics gemeinsam? Und was hat Kino mit Schokolade zu tun?
Das Themenspektrum ist vielfältig: Es geht um wegweisende Filmemacher, um Genre und Gattungen, um Vorläufer der Filmkamera und ungeliebte Zwischentitel, um den Wahrheitsanspruch im Dokumentarfilm, um stereotype Darstellungen und kolonialistische Perspektiven im Film, um frühe Animationsfilmtechniken und das Entstehen einer ganzen Branche. Gerade das Thema Animationsfilm fasziniert mich als ehemaliger Chefredakteur der wichtigsten deutschen 3D-Zeitschrift. Aus der neuen Website ziehe ich gleich Anregungen für meine monatlichen Online-Schulungen aus dem Bereich Populärkultur.

Natürlich ist ein digitales Archiv nicht abgeschlossen, kann es auch gar nicht sein. Es muss wachsen, wenn die Betreiber neuen Content einstellen. Der erste Schritt ist gemacht. Das kostenfreie Angebot unter www.filmwissen.online wird stetig wachsen und im Lauf des Jahres um Module zu filmischen Gestaltungsmitteln ergänzt. Diese neuen Wege der digitalen Filmbildung unterstütze ich ausdrücklich.
Entwickelt wurde diese Themenwelt von der Deutschen Filmakademie, dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt, dem Filmmuseum Düsseldorf, CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung, dem Haus des Dokumentarfilms Stuttgart, der Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen sowie dem Filmmuseum Potsdam. Vielleicht kommen ja noch andere renommierte Sammlungen wie mein geliebtes Filmmuseum München oder die legendäre Murnau-Stiftung dazu.

In einzelnen Modulen – einer Mixtur aus Ausstellungen und Kursen – wird mit kurzen Texten, Filmausschnitten, Originaldokumenten, Fotos und Audiofiles ein anschaulicher und stark visueller Einstieg in die Welt des Films geboten. Interaktive Werkzeuge ermöglichen es, sich Wissen zu erschließen: Hotspots in Filmausschnitten geben Detailwissen preis, Pop-Up-Boxen erläutern filmsprachliche Elemente, Image-Slider setzen Bilder ins Verhältnis und in Quiz-Formaten können die Nutzer ihr neugewonnenes Wissen testen.

Dracula im Film (21) – Dracula: The Dark Prince / Dracula – Prince of Darkness (2013)

18. Januar 2022

Wenn man sich für den Grafen mit den spitzen Zähnen interessiert, muss man sich durch allerlei filmischen Müll durchbeißen. Dies ist soeben geschehen bei dem Film Dracula: The Dark Prince oder auch Dracula – Prince of Darkness aus dem Jahre 2013. Die Regie führte Pearry Reginald Teo aus Singapore.

Die US-Produktion wurde in Rumänien gedreht, was ein gutes Omen für einen Dracula-Film hätte sein können. Aber hätte, hätte, Fahrradkette – es war es nicht. Es wurde ein durchschnittlicher Horrorfilm mit starken Fantasyanleihen.

Der Prolog in Comicmanier sah noch ganz gut aus, doch sobald menschliche Darsteller das Set betreten, ging die Geschichte steil bergab. Die Darsteller spielen in Lederkostümen, die hübsch anzusehenden Damen in etwas weniger Leder dafür mit durchscheinenden Negligé. Die rechte Hand von Dracula sieht ein wenig aus als ob er geradewegs aus Conan der Barbar entsprungen ist. Die alte Geschichte von Bram Stoker wurde durch die Mangel gedreht, Dracula und sein hübscher Waldläufer Lucian (nein, das war ne andere Geschichte), sein hübscher Strauchdieb Lucian sind die Nachfolger von Kain und Abel und es gibt noch eine Superwaffe von damals, den Lichtbringer, der das Böse zerstört. Irgendwie hab ich das bei Krull auch schon gesehen.

Dracula – Prince of Darkness sieht die Herrschaft seines Reichs am Rande des Abendlandes gefährdet, als die Moslems angreifen. Doch während sich der Prinz in die Schlacht stürzt, wird in seiner Heimat ein Putsch organisiert und dabei seine Frau ermordet. Schwer getroffen von der Verschwörung rächt er sich grausam. In seiner Trauer und Rachsucht schwört er dem Christentum ab und wendet sich der schwarzen Magie zu.
Dracula ist auf der Suche nach seiner Elisabeth, findet sie in der Kreuzritterin Alina (Moment, waren Ritter nicht nur Männer, egal), entführt sie in das protzige CGI-Schloss, wird von seinem Diener Renfield zum zweiten Mal hintergangen, alles haut sich die Birne ein und das liebende Paar liebt für immer. Da kommt noch ein Leonardo Van Helsing daher und erklärt allerlei Mystizismus und ein Kämpfer aus dem Norden, der gerne mit der Axt um sich haut und den Namen Andros trägt, darf auch unter den bösen Vampiren und Untoten aufräumen.

Die einzige interessante Darstellung im Film Dracula – Prince of Darkness liefert Jon Voight als Leonardo Van Helsing ab. Er hat zumindest eine gewisse Hollywood-Filmerfahrung und gibt dem ganzen Dracula-Film eine gewissen Stabilität. Neues brachte uns die Verfilmung des schönen Stoffs nicht, die 96 Minuten waren eine Qual und jetzt ist es vorbei.

Gedanken zum 65. Todestag von Humphrey Bogart

14. Januar 2022

„Louis, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“ So lautet der Schlussatz in Casablanca. Dieser und viele andere Sätze sind in unseren Sprachgebrauch übergegeben. Sie kamen alle aus dem Mund des großen Schauspielers Humphrey Bogart, der heute seinen 65. Todestag begeht.

Wenn mir das Leben übel mitspielt, dann ist Humphrey Bogart zur Stelle. Er hat für alle Lebenslagen die richtige Aussage – und diese war durch und durch cool. Es ist nicht ganz so wie bei Woody Allens Komödie Mach’s noch einmal, Sam von 1972 wo Boogy (eine Double versteht sich) dem schüchternen Filmkritiker Allan Felix mit männlichen Sprüchen zur Seite steht. Aber Humphrey Bogart ist sicherlich eine Ikone der Popkultur geworden.

Mein erster Buchkontakt mit Bogart war im Jahr 1984. Ich war Schüler und kaufte mir das Das Humphrey Bogart Fan-Buch der Autoren Berndt Schulz, Adolf Heinzelmeier und Jürgen Menningen (Autor). Es hatte viele Bilder und war mit viel, viel Herzblut geschrieben. Das Buch gibt es nur noch antiquarisch.
Humphrey Bogart ist für mich einer der großen Stars des alten, vergangenen Hollywoods, der wenige gute Filme in seiner langen Karriere mit vielen schlechten Filme gedreht hat. Für mich sind seine wichtigsten Filme: 1941: Die Spur des Falken (The Maltese Falcon), 1942: Casablanca, 1944: Haben und Nichthaben (To Have and Have Not), 1946: Tote schlafen fest (The Big Sleep), 1948: Der Schatz der Sierra Madre (The Treasure of the Sierra Madre), 1948: Gangster in Key Largo (Key Largo), 1951: African Queen (The African Queen) und 1954: Die Caine war ihr Schicksal (The Caine Mutiny).

Humphrey Bogart ist einfach ein cooler Typ gewesen. Harte Schale, weicher Kern, der das Herz am richtigen Platz hat. Ich habe mich über meinen Lieblings-Bogart in Casablanca schon 2019 in meinem Blog ausgelassen, als Casablanca 77 Jahre alt wurde.

An Bogarts Todestag schaue ich mir Tote schlafen fest an: Das Drehbuch zu Howard Hawks Film noir, der Verfilmung des ersten Marlowe-Romans von Raymond Chandler, stammt übrigens vom späteren Literatur-Nobelpreis-Träger William Faulkner. Bogart spielt den Privatdetektiv Philip Marlowe. Seine kongeniale Partnerin an seiner Seite ist Lauren Bacall, die später Bogarts Frau bis zu seinem Todestag am 14. Januar 1957 in Los Angeles) war.

Dracula im Film (20): Vampire Hunter D Bloodlust

12. Januar 2022

Gleich vorweg: Dracula spielt in diesem Film nicht mit, aber Vampire, viele Vampire, und daher erscheint dieser Beitrag in meiner Dracula-Reihe.

Vampire Hunter D Bloodlust ist ein Anime aus dem Jahre 2000 und ich wurde in einem Anime-Forum auf den Film aufmerksam. Anime sind japanische Zeichentrickfilme und haben auch in Deutschland eine riesengroße Fanbase. Ich schätze Animes für ihre visionäre Ausdrucksweise, die anders als amerikanische Animationsfilme deutlich emotionaler und wandlungsfähiger sind.

Vampire Hunter D: Bloodlust spielt in der Zukunft in der Vampire nahezu ausgerottet sind. Die schöne, viktorianisch anmutende Schönheit Charlotte wird von Vampirbaron Meier Link entführt. Der Bruder setzt ein Lösegeld auf und Vampire Hunter D geht auf die Jagd. D selbst ist ein Halbvampir oder Dhampir. Hier greifen die Japaner die südosteuropäische Folklore auf, dass ein Dhampir das Kind eines Vampir-Vaters und einer menschlichen Mutter ist. In der westlichen Welt wurden die Wesen in Filmen wie der Blade Trilogy mit Wesley Snipes bekannt.

D findet Charlotte und erkennt, dass die Entführte freiwillig geflohen ist, um mit ihrer Liebe zusammen zu sein. Weitere Söldner, unter ihnen Leila, komplizieren freilich die Situation und es taucht noch eine Vampirherrscherin Carmilla auf. D und Leila schließen einen Pakt: Wer von den beiden länger lebt soll am Grab des anderen Blumen ablegen. Leila fürchtet, dass sie allein und unbeweint sterben wird.

Wir erinnern uns: Carmilla ist eine 1872 erschienene Novelle des irischen Autors Sheridan Le Fanu, in der die Begegnung einer jungen Frau mit einem weiblichen Vampir namens Carmilla erzählt wird. Die Japaner greifen diese Tradition auf, bauen sie in ihr Anime ein und interpretieren die alte Geschichte neu. Gleichzeitig gibt es auch ein Raumschiff im Schloss, dass die Geliebten in die Stadt der Nacht bringt. Alles schön romantisch, ziemlich blutig und hübsch anzusehen. Der ganze 102minütige Film Vampire Hunter D: Bloodlust ist ein Spaß aus blutigem Horror, Liebesgeschichte, Vampirfilm, Kopfgeldjäger-Film und Action-Kino.

Happy Birthday David Bowie – 75. Geburtstag

8. Januar 2022

Es gibt in der Welt der Pop- und Rockmusik viele Stars, aber es gibt nur wenige wirkliche Genies. David Bowie war eines davon. Heute würde David Robert Jones, wie Bowie einstmals hieß, seinen 75. Geburtstag feiern. Leider ist der Musiker und Schauspieler, der Innovator im Bereich Musik, Mode, Maskerade am 10. Januar 2016 verstorben. Sein Todestag jährt sich in wenigen Tagen.

Die Todesmeldung von David Bowie auf der Facebookseite.
Die Todesmeldung von David Bowie auf der Facebookseite.

Das Lebenswerk von David Bowie zu beschreiben, bedeutet Eulen nach Athen zu tragen. Er erfand sich immer wieder selbst, schuf archetypische Figuren, löste musikalische Stile und Richtungen aus, zerstörte seine Schöpfungen und war immer auf der Suche nach Grenzen, um sie einzureißen. Er führte mit seinem Glamour Rock eine Jugendbewegung an, er stieß mit Major Tom in den Weltraum vor, war wegweisend mit seinen kalten Elektronikalben der Berliner Phase und eroberte den Pop-Himmel in seinen späteren Jahren ohne kitschig oder rein kommerziell zu werden und sich anzubiedern. Und Bowie förderte andere Künstler, wie den Deutschen Klaus Nomi, Lou Reed oder seinen Berliner Wohnungsgenossen Iggy Pop. Die Wohnung in der Hauptstraße 155 in Berlin-Schöneberg ist heute noch ein touristischer Höhepunkt von musikalischen Berlinbesuchern.

Bowie ist in erster Linie Musiker, aber er zog seine Inspiration auch aus dem Kino. Sein Major Tom ist die Verneigung vor Stanley Kubricks Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum. Hunky Dory ist eine Verbeugung vor der großen Greta Garbo. Und der deutsche Expressionismus zeigt sich in Thin White Duke.
Bowie als Schauspieler begann 1973 als seine eigene Kunstfigur Ziggy Stardust: The Motion Picture mit einem eindrucksvollen Abschiedskonzert. Doku-Filmerstellung DA Pennebaker drehte den Film – Bowie setzte sich in Szene.

Mit seinem wichtigem Album The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars (1972) baute er sich diese Kunstfigur Ziggy Stardust auf, die bei weiblichen und männlichen Fans gleich gut ankam und die Gesellschaft sexuell schockierte. Er hatte mit seinem androgynen, manchmal fast femininen Auftreten sich ein einmaliges Image geschaffen.
Von Drogen ausgezehrt spielte er einen androgynen Außerirdischen in Der Mann, der vom Himmel fiel (1976) von Nikolas Roeg, dem wir 1973 auch den Klassiker Wenn die Gondeln Trauer tragen zu verdanken haben. Der Mann, der vom Himmel fiel ist Melancholie pur. Der überlegende Außerirdische zerbricht aber an der Rücksichtslosigkeit, Oberflächlichkeit, Schnelllebigkeit und Brutalität der menschlichen Zivilisation. Die 138 Minuten sind perfektes Arthouse-Kino mit einem ausgezehrten Bowie, der eigentlich kein Schauspieler war. Er ergriff die Rolle, um sein Starman-Image aus Ziggy Stardust-Zeiten verändert weiter zu pflegen. Bei David Bowies 1976 entstandenem Album Station to Station wird die Filmszene, als Bowie als Außerirdischer Thomas Jerome Newton das Innere der Raumkapsel betritt, als Cover-Foto verwendet. Film, Musik, Mode bildet bei Bowie eine Einheit. Der Film war riskant, hat zunächst keine klassische Erzählweise und verwirrt den Zuseher auf den ersten Blick. Wer den Film nicht gesehen hat, sollte sich die Zeit nehmen und ihn genießen.

In den Achtziger Jahren stachen bei seinen unter anderem heraus Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Bowie spielt hier Bowie bei einem Konzert), Begierde, Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence, Die Reise ins Labyrinth und der umstrittene Die letzte Versuchung Christi.

Ich habe ihn meinem Blog zahlreich über Bowie geschrieben. Bitte einfach die Suche auf der Startseite betätigen. Mein jüngsten Video über ihn war zur Veröffentlichung der Box Brilliant Adventure (1992-2001). Besonders: Erstmal ist das bisher nichtveröffentlichte Album Toy enthalten.

Dieser Beitrag erschien zunächst in der Facebook-Gruppe Erdbeben‘74.

Filmtipp: Das letzte Ufer (1959)

7. Januar 2022

Ein Film, auf den ich immer wieder traurig und nachdenklich zurückblicke, ist Stanley Kramers Produktion Das letzt Ufer aus dem Jahr 1959.

Es ist ein leiser Film vom Ende der Menschheit. Ein Atomkrieg hat die Menschheit fast vollständig ausgelöst. Die letzten Menschen warten in Australien auf die tödliche radioaktive Wolke. Das Ende ist unausweichlich. Der Tod kommt Tag für Tag näher und die Gesellschaft zerbricht. Ein amerikanisches U-Boot in Australien fängt noch ein mögliches rettendes Signal aus dem Norden auf, startet eine Reise dorthin und wird enttäuscht. Die Mannschaft tritt desillusioniert die letzte Reise ins strahlenverseuchte San Francisco an. Die Menschen in Australien bereiten sich derweil auf ihren Tod vor.

Die Stars des alten Hollywood liefern hier eine fantastische Darstellung ab: Gregory Peck, Fred Astaire, Anthony Perkins und eine begnadete Ava Gardner. Ich habe mir das Mediabook Das letzte Ufer mit Bluray und DVD angeschafft, wobei die Bluray mit 133 Minuten sieben Minuten länger ist als die DVD. Dazu gibt es ein Booklet, das zu weiten Teilen von Nando Rohner verfasst wurde.

Vorlage, Film und Neuverfilmung.


Der Film Das letzte Ufer war Wegbereiter für die Antiatomkriegsfilme Der Tag, an dem die Erde Feuer fing (1961), Angriffsziel Moskau (1964) und vor allem Stanley Kubricks Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben (1964). Das Thema wurde vom Publikum ernst genommen. On the Beach, wie das letzte Ufer im Original heißt, basiert auf dem gleichnamigen Buch Das letzte Ufer von Nevil Shute von 1957. Die Leser nahmen die Fiktionen des Autors ernst, der seine strahlende Zukunft im Jahr 1964 angesiedelt hatte. Damit war die Science Fiction nicht in eine weite Zukunft gerückt, sondern am Horizont. Der heutige Leser und Zuschauer müssen sich in die damalige Zeit versetzten, um die Wirkung der Geschichte zu verstehen. Die Welt stand aufgrund der Kuba-Krise 1962 kurz vor einem Atomkrieg. Das Gefühl der Verzweiflung wurde von Regisseur Stanley Kramer genial aufgenommen und in Filmbilder transportiert. Auch auf Deutsch wirkt der Film enorm, was sicherlich an der deutsche Dialogfassung unter Mitarbeit von Erich Maria Remarque lag.

Kramer, der sich im ideologischen Hollywood der 60er Jahre einen Namen mit eigenständigen Filmen gemacht hat, dreht nach On the Beach weitere Erfolge wie Wer den Wind sät (1961), Urteil von Nürnberg (1961) und 1963 Eine total, total verrückte Welt. Im Film stirbt die Menschheit, aber aus dem Off kommt die mahnende Stimme an den Zuschauer: „There is still Time … Brother“. Der Satz hat gesessen und riss mich beim Schauen des Films immer wieder vom Sessel.

Im Jahr 2000 drehte Russell Mulcahy das sehenswerte Remake USS Charleston – Die letzte Hoffnung der Menschheit, einen direkt für die Fernsehausstrahlung konzipierten Zweiteiler. Auch U.S.S. Charleston – Die letzte Rettung der Menschheit hat eine ähnliche Wirkung wie das letzt Ufer auf mich.

Filmtipp: The Lodge

4. Januar 2022

Im Genre des fanatischen Films mag ich eher die geheimnisvollen, spukhaften Vertreter der Zunft, die auf mich nachhaltig wirken. So ein Vertreter ist The Lodge, dessen Tipp ich aus einer Facebook-Gruppe über Horrorfilme erhalten habe.

The Lodge ist ein US-amerikanischer psychologischer Horrorfilm vom österreichischen Regieduo Veronika Franz und Severin Fiala. Im Film geht es um religiösen Wahn, Verlust der Mutter und Grausamkeiten von Kindern. Ein Grund, weshalb ich mir Lodge angeschafft habe, war, dass die britische Traditionsfirma Hammer mitproduziert hat. Ich bin ein Fan der alten und neuen Hammer-Studios.

Als ich den Film sah, erinnerte ich mich wieder an eine großartige Werbekampagne in Youtube. Dort wurde der Film als „unheimlichster Thriller aller Zeiten“ bezeichnet. Nun, das ist The Lodge nicht geworden, aber es ein unheimlich, psychologischer Genrebeitrag geworden, der in Kanada im verschneiten Bergen gedreht wurde. Die Aufnahmen von Kameramann Thimios Bakatakis verbeugen sich immer wieder vor Kubricks Shining. Das Duo war ja auch mal im Gespräch die Fortsetzung von Kubricks Film zu drehen, was aber im Schnee verlief.