Als Kind schaute ich mir die deutschen Karl May-Verfilmungen um Winnetou gerne im heimischen Grundig Fernseher an. Mir hat es gefallen, wenn Lex Barker und Pierre Brice zur Musik von Martin Böttcher die Bösen in ihre Schranken gewiesen haben.
Ich muss so zehn oder zwölf Jahre alt gewesen sein, als mir diese Art von Western gefallen haben. Und ich musste Mitte 50 werden, dass ich den letzten Film der damaligen Reihe Winnetou und Old Firehand aus dem Jahre 1966 mir angeschaut habe. Es war der Übergang vom harmlosen deutschen Western in den härteren Italo-Western, weiterhin gedreht im ehemaligen Jugoslawien.
Die Geschichte basierte nur noch auf der Idee von Karl May, hatte aber keinerlei literarische Grundlage mehr als Vorlage. Und auch die Musik war anders: Statt Martin Böttcher und seine Streicher kam nun Peter Thomas und seine Bläser. So richtig überzeugt hat mich der Film nicht, aber dagegen um so mehr seine Musik. Es ist der einzige Soundtrack, den Peter Thomas für die Rialto-Winnetou-Reihe geschrieben hat. Er war geschäftlich eingespannt in die Vertonung von Jerry Cotton und Edgar Wallace.
Wer diesen Blog kennt, der weiß, dass ich eine Schwäche für den deutschen Komponisten Peter Thomas habe. Jetzt kam zum ersten Mal der Soundtrack von Winnetou und sein Freund Old Firehand (aka: Thunder at the Border, Winnetou and Old Firehand) auf Vinyl in zwei Versionen auf den Markt. Einmal im klassischen schwarzen Vinyl von Winnetou und Sein Freund Old Firehand, einmal in 500 Auflage im türkisen Vinyl. Ihr könnt euch denken, welche Version ich gewählt habe.
Die ebenso erschienene CD umfasst zwar mehr Stücke von Peter Thomas und vielleicht werde ich sie mir irgendwann einmal zusätzlich zulegen. Aber als Freund des wieder entdeckten Vinyls sollte es die türkise Ausgabe sein. 42 Titel gibt es im typischen Peter Thomas-Sound zu hören, darunter freilich auch sehr kurze Stücke. Ein Sound, der mir einfach Spaß macht, während ich das LP-Cover mit dem Artdesign von Adrian Keindorf in den Händen halte. Es ist Unterhaltung pur und nimmt mich mit auf eine Zeitreise in die deutsche Film- und Musikgeschichte. Hörenswert und der Sammler braucht natürlich die limitierte LP. Danke an All Score Media für einen solchen Schatz.
Japanische Horrorfilme sind anders als ihre US-amerikanischen Vertreter, ganz anders. Sie sind intensiver und reflektieren die Kultur des Landes. Als ich zum ersten Mal Ju-on: The Grudge im Jahr 2002 sah, hatte ich mich wirklich gefürchtet. Die Herangehensweise der Geschichte um ein verfluchtes Haus war anders als was ich bisher gesehen hatte. Regisseur Takashi Shimizu lieferte in meinen Augen ein wahres Meisterwerk ab. Aber ich habe auch so manche Andeutung im Film nicht verstanden, weil ich nicht den kulturellen Background Japans habe. Und damit war ich wohl nicht allein. Vielleicht war die japanische Version in Hollywood nicht so richtig vermittelbar.
So ging es an ein US-Remake. Die amerikanische Neuverfilmung des Stoffes heißt Der Fluch – The Grudge und wurde soeben als Doppel-Bluray veröffentlicht: The Grudge – Der Fluch 1 & 2. Regisseur Takashi Shimizu durfte auch hier im Jahre 2006 auf dem Regiestuhl Platz nehmen und brachte dem Zuschauer eine versoftete Version der japanischen Geschichte näher. Um die US-amerikanischen Zuschauer nicht zu überfordern wurde Vampirjägerin Buffy Sarah Michelle Gellar für die Hauptrolle engagiert. Der ganze Stoff wurde für den westlichen Markt angepasst, was einerseits unseren Sehgewohnheiten entgegen kommt, andererseits den kulturellen Zauber des japanischen Originals zum Teil nimmt. Ich habe das Mediabook The Grudge – Der Fluch 1 & 2dankenswerterweise vom Verleih zur Besprechung erhalten.
The Grudge 1 war sehenswert und machte mir Spaß. Auch wenn ich das japanische Original emotional eindringlicher empfinde, hat mir der Teil 1 der US-Version einen vergnüglichen Horror-Abend bereitet. Der zweite Teil könnte dagegen auch überschrieben werden mit dem Titel Ein Gespenst reist nach Amerika. Der Horror wurde zum Teil nach Chicago versetzt und macht den Horror austauschbar, vorhersehbar und irgendwie langweiliger. Das ist mir bei zweiten Teil der japanischen Version nicht passiert, vielleicht weil dieser Kulturkreis für meine Augen doch fremd und ungewöhnlich ist. Da hilft es auch nichts, dass Takashi Shimizu auch im Teil 2 der US-Fassung wieder Regie führte. Die japanische und US-amerikanische Fortsetzung in Teil 3 habe ich nicht gesehen und im Grunde wird die Geschichte wohl weiter ausgewalzt.
The Grudge – Der Fluch 1 & 2 ist die Geschichte der Geister Mutter Kayako und Sohn Toshio, die in einem Haus in Tokioter Stadtbezirk Suginami spuken. Ich mag so Spukhäuser und Mutter und Sohn leisten ganze Arbeit. Jeder der das Haus betritt, erleidet einen körperlichen und seelischen Schaden. Vor allem wenn sich die Geister durch ein einzigartiges Sounddesign ankündigen, dann weiß man als Zuschauer, dass es unheimlich zur Sache gehen wird.
Das Buch Godzilla: History of Formative Arts 1954-2016 habe ich mir aufgrund von zwei Gründen aus Japan schicken lassen: Zum einen liebe ich Godzilla und seine japanischen Monsterkollegen und freue mich, wenn ich was neues aus dem Godzilla-Universum finde. Zum anderen habe ich es (bisher) immer aus Platzgründen vermieden in die Merch-Figurensammlung von Godzilla-Figuren einzusteigen, weil mir schlichtweg der Platz zum Aufstellen fehlt. Und dennoch hätte ich gerne Godzilla um mich herum.
Und daher klopfte das Fan-Herz schneller als ich das Buch Godzilla: History of Formative Arts 1954-2016 auspackte. Da mein Japanisch nicht vorhanden ist, hatte ich Befürchtung, dass das teure Buch eine Fehlanschaffung ist, aber die wenigen Texte liegen auf Englisch vor und es handelt sich bei Godzilla: History of Formative Arts 1954-2016 im Grunde um ein Bilderbuch, ein besonders schönes Bilderbuch.
Das Witzige: Das Bilderbuch im ungewöhnlichen Querformat umfasst im Grunde nur ein durchgehendes Motiv: Godzilla und seine Auftritte in den Filmen 1954 bis 2016 – und wir reden nur von den japanischen Filmen. Godzilla ist der absolute Superstar in diesem Werk – und Godzilla ist einfach fotogen, wenn er Eisenbahnen zermalmt, Stromleitungen durchbricht, ganze Städte niedertrampelt, sich mit anderen Monsterkollegen prügelt, seinen Atomstrahl aussendet – also alles, was unser Godzilla eben so den ganzen Tag macht. Es gibt auch ein paar Fotos hinter den Kulissen, aber den Schwerpunkt machen Fotos von Godzilla in seinen zahlreichen japanischen Verfilmungen aus. Es zeigt sich, dass unser Held mal in der Größe variiert, mal dick, mal schlank ist, auch mal seine Augenfarbe wechselt – jeder Regisseur hatte seine Interpretation, die hier wunderbar dokumentiert ist.
Wer braucht das Buch Godzilla: History of Formative Arts 1954-2016? Nun, nur der Fan, der Sammler, der Fanatiker. Selbst der klassische Filmfreund mit einem gewissen Interesse an Godzilla wird sich kopfschüttelnd abwenden. Und Otto Normalverbraucher versteht bei einem solchen Buch die Welt nicht mehr. Für mich dagegen: Go Go Godzilla
Bald zeigt sich, ob sich das Warten auf Peter Jackson gelohnt hat, wenn er bei Disney+ die überarbeitete Langfassung von Let it be unter dem Titel Get back präsentieren wird. Natürlich werde ich mir die Beatles ansehen und ich freu mich wie en Schnitzel (wie freut sich ein Schnitzel?). Als Sammler hoffe ich, dass es eine Box mit allen Filmen auf Datenträger Bluray oder 4K geben wird.
Hier meine Laserdiscs mit den Beatles
Jackson hat das Material überarbeitet und optisch das Beste herausgeholt. Ich will aber heute einen Schritt zurückgehen und das optisch und akustisch Beste der alten digitalen Zeit präsentieren. Meine Beatles auf Laserdisc.
Die silbernen Scheiben in der Größe einer Langspielplatte waren das Highend-Übergangsmedium zwischen VHS und DVD. Noch heute gibt es eine aktive Sammlerszene, zu der ich auch gehöre. Im Laufe der Zeit haben sich ein paar Beatles LD angehäuft, die ich hier gerne vorstelle. Die Aufnahmen habe ich in der Regel auch noch auf anderen Datenträger, wobei ich einen Konzertfilm Washington Coliseum, Washington, DC, USA von 1964 auf Super 8 am Liebsten mag. Aber Super 8 war nochmals eine ganz andere Zeit.
Kommen wir zu meinen Laserdiscs. Ich habe sie in diesem kleinen Video vorgestellt. Es handelt es sich um Making of Hard Day’s Night, zwei Versionen von Help, The Magic Mystery Tour, Japan-Pressung von Yellow Submarine und die seltene Fassung von Let ist be. Zudem habe ich die Dokumentationen The Compleat Beatles und die Achtfach-Laserdisc-Box Anthology. Der vollständige Film wurde am 5. September 1996 auf acht VHS-Kassetten und auf acht Laserdiscs veröffentlicht.
Im Moment hat ein Kollege sein Godzilla-Buch upgedatet und ein anderer wird sein ultimatives Godzilla Buch im Februar 2022 veröffentlichten. Bis dahin ordne ich meine Godzilla-Literatur neu und mir fiel mal wieder das wunderschöne Buch Asiatische Monster- und Science-Fiction-Filme: Das deutsche Werbematerial von 1956-2011 von Detlef Claus in die Hände.
Es umfasst das deutsche Werbematerial der Jahre 1956 bis 2011, eine Fundgrube für Sammler, Fans und Filminteressierte – und Verrückte. Ich liebe die Godzilla-Community, die auf der einen Seite sehr streitbar und diskussionsfreudig ist, wenn es um die Verteidigung ihres Monsters geht. Aber auf der anderen Seite sind die Fans sich in der Liebe und Zuneigung zum Monster einig. Und das spürt der Fan, wenn das kiloschwere Buch Asiatische Monster und Science Fiction Filme in die Hand nimmt. Ausdrücklich möchte ich mich bei Detlef Claus bedanken, der dieses Buch im Eigenverlag herausgebracht hat und uns Fans somit an seiner Sammlung teilhaben lässt.
Ich durfte als Jugendlicher jeden Samstag die Jugendvorstellung des örtlichen Kinos genießen und dort liefen in der Regel japanische Monsterfilme. So lernte ich die verschiedenen Varianten meines Lieblingsmonsters kennen und vor allem lieben. Als kritischer Filmfreund nehme ich gerne schlechte Filme auseinander, aber bei Godzilla und Co bin ich gleichmütig und stehe der ganzen Sache monstermäßig wohlwollend gegenüber.
Und als ich zum ersten Mal das Buch von Detlef Claus in die Hände bekam, konnte ich mich gar nicht sattsehen. Wichtig: Es werden nicht nur japanische Monster- und SF-Filme behandelt, sondern asiatische Filme. Einige Filme kamen ja aus Korea oder China. Nachdem ich selbst ein paar Plakate und Lobbycards sammle, habe ich in Detlef Claus meinen Sammlermeister gefunden. Ich kann nicht beurteilen, ob er alles aus den Jahren von 1956 bis 2011 in seinen Besitz hat, aber er hat auf jeden Fall eine ganze Menge. Ich habe meine Lobbycards und Filmprogramme aus dem Archiv geholt und verglichen. Ergebnis: Detlef Claus hat es veröffentlicht. Seine Sammlung ist enorm und absolut eindrucksvoll. Damit wird es zum Standardwerk des asiatischen Science-Fiction-Kinos, das Maßstäbe setzt, jeden Filmfan begeistert und es darf in keiner Filmbibliothek oder Filmsammlung fehlen.
Eine Bitte: Wenn jemand einen Überblick über das gesamte Merchandise-Universum hat, bitte in die Kommentare schreiben. Ähnliches gilt für die veröffentlichte Musik auf Vinyl oder Datenträger. Ich liebe die Mucke dieser Filme.
Das Buch von Detlef Claus umfasst das in erster Linie reine Werbematerial der Kinoverleiher und ist damit aus alten Print-Zeiten. Hinzu kommt noch interessantes Material aus dem Bereich Super 8, Video und DVD-Veröffentlichungen. Bluray oder 4K waren 2011 freilich nicht am Horizont zu sehen. Heute ist der Markt ja explodiert, nachdem Hollywood Godzilla wieder entdeckt hat.
Das Material wurde von Detlef Claus optisch aufbereitet, die Löcher von Nadeleinstichen bei Plakaten und Lobbycards oder Knicke von Foldern oder Filmprogramme wurden technisch per Photoshop optimiert. Am Ende des Buches gibt es noch einen kleinen Überblick über die japanischen Monster, eine Art Steckbrief wer wo wann auftauchte und wie in der deutschen Fassung genannt wurde. In dem Buch Asiatische Monster- und Science-Fiction-Filme: Das deutsche Werbematerial von 1956-2011habe ich buchstäblich stundenlang geschmökert und mich an alte Zeiten als Jugendlicher erinnert. Und ich muss mich ganz schön zusammenreißen, damit ich nicht ein neues Sammelgebiet eröffne. Detlef Claus fixt mich mit seiner Sammlung regelrecht an, das ist der einige Vorwurf, das ich dem gewaltigen Buch machen kann.
Der Kauf einer Vinyl-Platte ist für mich immer noch etwas besonderes. In der Regel leiste ich mir Jazz als Langspielplatte. Aber auch Soundtracks kommen bei mir wieder verstärkt auf den Plattenteller.Sonst haben sich CD und Streams durchgesetzt. Und weil Vinyl irgendwie besonders ist, habe ich meine aktuellen Neuerwerbungen in Sachen Filmmusik mal zusammengestellt.
Mit dem neuen James Bond Film Keine Zeit zu sterben habe ich ja meine Probleme und habe auch darüber geschrieben. Probleme habe ich auch mit dem Komponisten des Scores: Hans Zimmer – ich mag seine Musik einfach nicht. Aber ich muss eingestehen, die Musik ist dieses Mal das Beste an dem Bond-Film (neben den Autos). Ich habe mir die verschiedenen Ausgaben der Picture Disc gekauft und ich habe mir den Score No Time to Die als Doppel-LP mit goldenen Vinyl angeschafft, der mehr Titel umfasst als die CD oder das Download-Angebot.
Ich habe zwei Videos zu dem Thema gedreht. Das erste zeigt den Überblick über die verschiedenen Versionen von No Time to Die.
Das zweite Video zeigt ein Unboxing meiner ersten Picture Disc des Films.
Ach ja, weil wir gerade bei James Bond sind. Ich mag die Titelsongs der Filme im Großen und Ganzen. Als Jugendlicher hatte ich mir eine Schallplatte mit diesen Songs gekauft, die allerdings beim Roger Moore Bond Octopussy (1983) geendet hatte. Also wurde es Zeit für ein Update. 1983 kaufte ich mir eine LP mit den 13 bisher erschienen Titelsongs der James Bond Filme. Im Jahre 2021 sind inzwischen 26 James Bond Titelsongs erschienen und es wurde Zeit für eine 3fach-LP mit den besten Bond Liedern. Also hier ein Unboxing von The Best of Bond…James Bond.
Der neue Bond war für mich ja Horror, aber kommen wir besser zu einer wirklichen Horrorfilmreihe. Kommen wir zu Halloween. Der Killer Michael Myers ist seit 1978 unterwegs, als John Carpenter diesen Slasher in die Kinos brachte. Es gab zahlreiche Fortsetzungen und es kam zu einem Reboot. Von diesen Reboot kaufte ich mir die Vinyl-Platten zu Halloween und Halloween Kills. Bei beiden hat Familie Carpenter in die Tasten gegriffen. Bei Halloween habe ich eine Sonderausgabe ergattern können als Doppel-LP. Eine Scheibe kommt in kürbisfarbenen Orange daher. Halloween Kills ist klassisch in schwarzen Vinyl. Hier das Video.
Vorbemerkung: Dieser Blogpost erschien heute in der wunderbaren Facebook-Gruppe Erdbeben 1974, zu der ich euch herzlich einlade:
Für mich gab es ihn lange nur zu zweit, obwohl er als Solokünstler auch erfolgreich war und ist. Art Garfunkel war für mich immer verbunden mit seinem Kumpanen Paul Simon. Zusammen schufen sie wunderschöne Songs und prägten mit ihrem Harmoniegesang die Musik einer ganzen Generation. Heute feiert der Sänger und Schauspieler seinen 80. Geburtstag.
Art wurde als Arthur Ira Garfunkel in Forest Hills, New York City geboren. Mit seinem Gesangspartner Paul Simon steuerte er einige wichtige Lieder der Popmusik der sechziger und siebziger Jahre bei. Aber das Medium Film reizte den Musiker mit seiner wunderschönen Stimme schon lange. Im Frühjahr 1968 erschien von Simon & Garfunkel das Soundtrack-Album The Graduate zum gleichnamigen Film (deutscher Titel: Die Reifeprüfung) mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle. Der Titelsong Mrs. Robinson war bis dato der erste Popsong, der als Filmmusik verwendet wurde. Mrs. Robinson ist bis heute eines der populärsten Stücke von Simon & Garfunkel. 1970 trennten sich die beiden Streithälse aus unterschiedlichen Gründen. Garfunkel zog es zur Schauspielerei, hatte aber nur begrenzten Erfolg. 1979 hatte er wiederum einen enormen musikalischen Erfolg mit einer Filmmusik. Er sang das Titellied des Animationsfilms Watership Down (Unten am Fluß) mit dem Titel Bright Eyes, geschrieben von Mike Batt. Es wurde 1979 die meistverkaufte Single des Jahres in Großbritannien. Bis 2010 wurden 1,7 Millionen Tonträger in Großbritannien verkauft. Insgesamt war der Soundtrack in sechs verschiedenen Ländern an der Spitze der Charts. Immer wieder versuchte sich Art Garfunkel an der Schauspielerei. Dabei spielte er Rollen in den Filmen Catch-22 – Der böse Trick (Catch 22) aus dem Jahre 1970, Die Kunst zu lieben (Carnal Knowledge) von 1971, Black out – Anatomie einer Leidenschaft (Bad Timing) von 1980, Good to Go (auch bekannt als Short fuse) von 1986, Boxing Helena (1993) und zuletzt 2009 in Lieber verliebt (The Rebound). Der vielleicht größte schauspielerische Erfolg war wohl sein erster Film Catch-22 – Der böse Trick, ein US-amerikanischer Antikriegsfilm von Mike Nichols. Die schwarze Komödie basiert auf dem Roman Catch-22 von Joseph Heller. Catch-22 spielt im Jahre 1944 auf der fiktiven Mittelmeerinsel Pianosa und schildert die Leidensgeschichte einer modernen Schwejk-Figur des Bombenschützen Captain Yossarián (Alan Arkin). Garfunkel spielt einfühlsam die Rolle des Captain Nately.
Als John Carpenter 1998 Vampire drehte, legte er einen harten Horrorfilm vor, der wenig mit den subtilen Filmen der Vergangenheit des Meisters zu tun hatte. Aber Vampire hatte seine Freunde gefunden, so dass aus der Produktionsschmiede zwei Fortsetzungen erschienen. 2002 kam John Carpenter’s Vampires: Los Muertos auf den Markt, der nur in den spanischen Kinos lief, in den USA und bei uns nur auf Video veröffentlicht wurde. Nun kam es zur exzellenten Bluray Veröffentlichung in Deutschland. Der Verlieh stellte mir dankenswerterweise den Film als Media Book zur Verfügung. 2005 folgte dann noch Vampires: The Turning, den ich nicht kenne.
Der Nachfolgefilm von Vampire ist prominent besetzt: Der Sänger Jon Bon Jovi spielt den Vampirjäger Derek Bliss. Auf dem Regiestuhl saß der Carpenter-Vertraute und Horror-Routinier Tommy Lee Wallace, der Halloween (1978) und the Fog geschnitten hatte und zudem Stephen Kings Es (1990) Halloween III inszenierte. Die Geschichte ist schnell erzählt: der freischaffende Vampirjäger Derek Bliss muss im Auftrag des Vatikans seine Truppe neu formieren und geht nach einem Anschlag der blutrünstigen Vampirkönigin Una auf ein Kloster wieder auf die Jagd nach den Beißern. Im Mittelpunkt steht das Schwarze Kreuz, das wir schon in Carpenters Vorgängerfilm zu sehen bekamen. Hier setzte Tommy Lee Wallace auf Kontinuität, nachdem er bei Halloween III genau diese missachtete und der Druidenfilm statt Michael Myers beim Publikum floppte – keine Experimente sagte schon Adenauer.
Schon vom ersten Moment an ist es eine Trash-Produktion. Großes Kino sieht anders aus, was wohl auch an der Filmoptik liegt. Low Budget, aber mit sehr soliden Spezialeffekten. Freunde des Blutes werden auf die Gore-Kosten kommen, wenn die Vampirkönigin gleich zu Filmbeginn dem Opfer die Zunge aus dem Rachen reißt. Vorsichtig erweitert Tommy Lee Wallace die Story um eine infektiöse Übertragung des Vampirviruses und gibt ihm dadurch ein neues Element – ein interessanter Gedanke.
Wir haben bei John Carpenter’s VAMPIRES: LOS MUERTOS die ungewöhnliche Mischung aus Western, Road Movie und Vampirfilm. Mexiko eignet sich als Location eines direct-to-videoo-Vampirfilms ebenso wie London oder Transsilvanien. Das Blut unter heißer Sonne gibt dem Film einen besonderen ungewöhnlichen Flair. Für mich macht das den Reiz des Films aus, denn diese Mischung bekommt der Zuschauer nicht so oft auf der heimischen Beamerleinwand zu sehen. From Dusk Till Dawn von 1996 belebte dieses Genre einst wieder, das in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre zarten Anfänge im Horrorkino des Wilden Westens hatte.
Inzwischen gibt es einige Perlen in diesem Bereich, wobei für mich der Kannibalen-Western Bone Tomahawk von 2015 in jüngster Zeit absolut heraussticht. Dem Media-Book von John Carpenter’s VAMPIRES: LOS MUERTOS liegt übrigens ein absolut lesenswertes Booklet von Christoph N. Kellerbach bei, das es zu diskutieren gilt. Er ordnet den Film sehr gut in die Veröffentlichung des Wildwest-Horrors ein und gibt uns ein paar Produktionshintergründe. Und als Freund der Filmmusik sollte man Komponist Brian Tyler auf jeden Fall erwähnen, der ganze Arbeit geleistet hat. Leider ist meines Wissens, dieser Score offiziell nicht als Datenträger erschienen, es gibt aber eine nichtautorisierte Version auf CDR.
Der zweite Teil einer Trilogie hat es immer schwer. Während im ersten Teil die Story aufgebaut und die Figuren eingeführt werden und im dritten die Geschichte mit einem großen Knall endet, so muss im Sandwich-Teil die Spannung gehalten und die Story weitergesponnen werden. Dies gelingt in wenigen Ausnahmen in der Filmgeschichte. Und es gelingt bei Halloween Kills. Es ist zwar nicht so, dass Halloween Kills in die Filmgeschichte als Meisterwerk eingehen wird, aber es ist ein solides Storytelling um Michael Myers und seine blutigen Taten.
Der Film hält, was der Filmtitel verspricht. Kills en masse, im Grunde alles was zwei Beine hat, wird vom absoluten Bösen gemeuchelt, erstochen, zerhackt, erwürgt, erschlagen – einfach gekillt. Der Film schließt dort an, wo sein Vorgänger Halloween aufgehört hat. Wer den nicht gesehen hat oder gar nicht weiß, wer Michael Myers überhaupt ist, der hat schlichtweg verloren. Aber Halloween hat seine Fans, wie Jason oder Freddy ihre Fans haben und sie wissen, was an Halloween in Haddonfield passiert wird. Also ohne lange Vorrede geht es an den Bodycount, Zack Rübe ab. Zimperlichkeiten oder gar Rücksichtnahme gibt es bei Halloween Kills nicht – der Name ist Programm.
Halloween Kills ist mehr Aber Halloween Kills ist mehr als ein brutaler Slasher. Er hat eine tiefere Ebene, die interessant ist. Er stellt die wichtige Frage, von wem geht eigentlich der Terror aus? Im Film wird mehrmals darauf hingewiesen, dass der Staat versagt habe, die Bürger von Haddonfield zu schützen. Die Konsequenz ist das Aufstellen einer Bürgerwehr, die Jagd auf Michael Myers macht. Dabei geraten die besorgten Bürger in einen wahren Blutrausch. Die Staatsgewalt, in Form des schwarzen Sheriffs mit Stetson-Hut, bleibt erschöpft auf der Treppe zurück. Die Bürger nehmen ihr Schicksal alleine in die Hand und wehren sich.
Ist damit Halloween Kills eine Parabel über Trump und mit all seinen Konsequenzen wie den Sturm aufs Kapitol im Januar 2021? Vielleicht im Geiste, wobei der Film vorher schon im Kasten war. Und dennoch zeigt Halloween Kills die Verführbarkeit der Massen und der Ruf nach einem starken (An-)Führer. Und der Film zeigt die Fehlbarkeit: Statt Michael wird ein Unschuldiger gejagt, der vor dem wütenden Mob in den Tod springt. Und damit ist Halloween Kills bei Zitieren der Filmgeschichte. Natürlich darf Jamie Lee Curtis als Laurie Strode, die inzwischen aussieht wie Patti Smith, sich immer wieder selbst zitieren. Es macht Spaß, sie anzusehen, wobei ihr Schauspiel auf das Krankenhaus in Haddonfield beschränkt bleibt und damit wohl einen Ausblick auf den dritten Teil des Halloween-Gemetzels gibt, der Halloween Ends heißen wird. Der Kinostart von Halloween Ends steht schon fest: Der nunmehr 14. Film aus der „Halloween“-Reihe kommt am 13. Oktober 2022 in die Kinos, fast genau ein Jahr nachdem Halloween Kills in den Kinos startete. Ich vermute mal, dass Halloween Ends im Krankenhaus spielen wird und damit die Erinnerung an Halloween II – Das Grauen kehrt zurück von 1981 aufkommt.
Patti Smith? Nein es ist unsere Scream-Queen
Aber ein klares Filmzitat und große Verbeugung kommt von Regisseur David Gordon Green. Die Szenen mit den wütenden und schreienden Mob erinnern mich an die großen Frankenstein-Filme. Wenn sich die Dorfbewohner aufmachen und das Monster Frankenstein zur Mühle jagen, dann hat Regisseur David Gordon Green genau hingeschaut. Das macht Spaß anzusehen, dass Green hier die Klassiker zitiert. Und ebenso scheint er seinen Tolkien gelesen und die Herr der Ringe-Verfilmungen gesehen zu haben. Als Michael Myers im Park nach seinem Opfer Ausschau hält, verkriecht sich das weibliche Opfer unter einer Baumwurzel. Myers als Schwarzer Reiter aus dem HdR-Universum, der auf der Suche nach den Hobbits ist, sie aber nicht entdeckt und weiterzieht. Aber natürlich ist Halloween Kills nur ein Film für eingefleischte Fans der Reihe. Erinnert sei an dieser Stelle an den Halloween-Klassiker Halloween – Die Nacht des Grauens von John Carpenter von 1978, ein Slasher, der anders als Halloween Kills ohne Blut auskommt. Immer wieder sehenswert.
Seitdem ich ein kleiner Junge war, liebe ich das Kino. Die magische Welt der bewegten Bilder: Lichtspielhäuser, Filmtheater, Multiplexkinos, Programmkinos und wie die Formen der filmischen Präsentationen auch heißen mögen. In meiner Jugend gab es in meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck vier Kinos: Das Capitol, die Amperlichtspiele, das Lichtspielhaus und das Bundeswehrkino Luxor-Horst-Lichtspiele. In allen vier Kinos war ich gerne zu Gast und sie zeigten ein unterschiedliches Programm. Ich besuchte beispielsweise die Jugendvorstellungen am Nachmittag und zog mir die komplette Palette an Godzilla-Filmen rein. So bekam ich japanische Filmkultur unterhaltend mit.
Und auf diese Reise in die Kinovergangenheit begab ich mich wieder als ich die Ausstellung Lichtspiele. besuchte. Es ist eine Ausstellung zum Kino und Film im Brucker Land von den Anfängen bis zum Siegeszug des Fernsehens, die noch bis zum 31. Oktober 2021 im Bauernhofmuseum Jexhof gezeigt wird.
Die Ausstellung Lichtspiele. am Jexhof An den Exponaten sah ich Projektoren, Schaubuden-Guckkasten oder die legendäre Laterna magica, die ich aber auch schon in anderen Museen bestaunt habe. Mir war es aber wichtig, die Kinos der Vergangenheit zu sehen: Alte Fotos, alte Pläne, alte Verordnungen – kommunale Kinogeschichte pur. Was für Schätze waren hier zu sehen. So fanden manche Filmvorführungen in den Sälen von Wirtshäusern statt und bei fahrenden Wanderkinos. Dazu gab es spezielle mobile Projektoren.
Mobiler Projektor für das Wirtshaus.
Und natürlich schossen Kinos in vielen kleinen und großen Gemeinden aus den Boden. Und auf diese Filmtheater lag mein Hauptinteresse. Ich sah mir die Planungen und Kinos meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck an. Im Laufe der Jahre begann dann das Sterben der Orte meiner Jugend. Ich erinnerte mich, wie ich an Karten angestanden habe, wie ich mich in Filme gemogelt habe, die eigentlich gar nicht für mich geeignet waren. Bestes Beispiel: Ich sah als Teenager den Carpenter-Klassiker Das Ding aus einer anderen Welt 1981 alleine im Kino und machte mir fast vor Angst in die Hose. Heute gibt es nur noch zwei Kinos in Fürstenfeldbruck. Das Lichtspielhaus wird unter anderem von einer Kulturinitiative getragen. Das Scala-Fürstenfeldbruck ist ein modernes Kino mit modernen Projektoren und Sound. Das Luxor-Horst-Lichtspiele gibt es noch, ist aber geschlossen.
Mit Spannung verfolgte ich die Kinoentwicklung in meinem heutigen Wohnort Maisach. Die Gemeinde war einst reich an Kinos. Heute haben wir Netflix.
Absolut empfehlenswerter Katalog und Ausstellung
In dem hervorragenden Ausstellungskatalog, der für rund 17 Euro beim Jexhof zu beziehen ist, hat Ortsarchivar Stefan Pfannes vorbildliche Arbeit geleistet. Anhand von zahlreichen Fotos, Plänen und Briefen erzählt er die Kinogeschichte der Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck. Gerne würde ich mir einen Vortrag von ihm mal anhören – mal sehen, vielleicht biete ich ihm ein Webinar zum Thema an. Wie ist eure Meinung dazu?
Die Kinogeschichte in Maisach Das erste Kino in der Gemeinde gab es 1920 in Gerlinden. Michael Hornung gründete es zur Belustigung für Arbeiter eines nahegelegenen Torfwerkes. 1925 war mit dem Torfabbau und dem Kino dann auch schon Schluss. 1949 eröffneten die Bahnhofslichtspiele im Obergeschoss eines Gasthauses am Maisacher Bahnhof. Aber aufgrund von Steuerschulden und der nicht so gut gehenden Geschäfte wurde das Kino bereits 1953 wieder geschlossen. 176 Plätze hatten die Prinzess Lichtspiele an der Estinger Straße 6, das 1952 genehmigt wurde. Wie Pfannes berichtet, habe der Kinobetreiber Michael Ertl gut gewirtschaftet, übergab den Betrieb 1957. Der neue Betreiber hatte wohl nicht so ein glückliches Händchen und der Betrieb schloss 1964. Es folgte ein Getränkemarkt. Das Gebäude wurde 1993 abgerissen und überplant.
Und dann gab es noch das Filmtheater Maisach an der Aufkirchner Straße 8. Kinobetreiber Franz Haller eröffnete sein Lichtspielhaus 1965 mit dem Film Hochzeit lassen bitten. Hoheit lassen bitten ist eine deutsche Verwechslungskomödie von Paul Verhoeven aus dem Jahr 1954. Die Hauptrollen sind besetzt mit Hans Söhnker, Friedl Loor und Anne-Marie Blanc. Das musikalische Lustspiel basiert auf einer Operette von Walter Kollo. Ich kannte von alten Maisacher das Filmtheater Maisach als Hallerkino. Franz Haller betrieb gleichzeitig die Hallermühle am Ort. 1973 schloss er das Kino. Heute ist ein Haushaltswarengeschäft in dem Gebäude.
Der Pfarrer führt Buch über das Kinoprogramm.
Schön war in der Ausstellung eine Auseinandersetzung zwischen dem Kinobetreiber Haller und dem katholischen Pfarrer Betzl nachzulesen. Der Pfarrer stieß sich an einigen Filmen, führte genau Buch und regte sich beispielsweise über Tarzans Vergeltung (Originaltitel: Tarzan and His Mate) auf. Die MGM-Produktion hatte ein geschätztes Budget von 1,27 Millionen US-Dollar und spielte weltweit über 2,2 Millionen US-Dollar ein, ein paar Mark kamen aus Maisach. Es war der zweite Tarzan-Film mit Johnny Weissmüller. Tarzans Vergeltung war „mit Abstand der erotischste Tarzan-Streifen, der zugleich auch die realistischsten Kampfszenen beinhaltet“, so die damalige Filmkritik. Das ging dem Pfarrer zu weit. Die Kirche zeigte dafür für den gläubigen Maisacher dafür in Pfarrfilmstunden ein Alternativprogramm.
Wer noch Zeit hat, sollte sich unbedingt die Ausstellung anschauen. Sie lohnt sich auf jeden Fall. Der Katalog ist zu empfehlen und ergänzt meinen Ausstellungskatalog zur Kinogeschichte in Schwaben, die 1995 im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld gezeigt wurde.