Es war mein erstes Mal in doppelter Hinsicht. Zum einen das erste Mal ein längerer Besuch in der Südpfalz, zum anderen der Besuch des dreitägigen Weinfests der Winzerei Graßmück in Birkweiler. Beides war ein Volltreffer.
Nach nerviger Autofahrt (Fahr mit dem Auto haben sie gesagt) mit Sperrungen, Staus und Hitze genossen meine Frau und ich Birkweiler und quartierten uns bei der Alten Scheune ein, eine absolut empfehlenswerte Ferienwohnung, die ich Depp in meinem Video als Alte Mühle bezeichnet habe.
Wir folgten einer Einladung von Winzer Simon Graßmück. Wir hatten ihn und seine exklusiven Weine bei einer Verkostung im Gasthof Heinzinger kennengelernt. Was Gastronom Denis Kleinknecht empfiehlt, dem kann man blindlings folgen.
Bühne, Bänke und Bands waren drei Tage angesagt. Wir genossen den Wein, lauschten den dicken Kindern (so der Name der Band des ersten Abends). Harald Schmidt und seine dicken Kinder von Landau waren für uns allgegenwärtig. Der Entschluss war schnell gefasst, nach dem Weinfest noch ein paar Kisten vom Muskateller ins Auto zu laden.
Nahe der französischen Grenze liegt das idyllische Winzerdorf Birkweiler, eingebettet in Südpfalz, das für seine hervorragenden Weinlagen und seine lange Weinbautradition bekannt ist. In dieser malerischen Weinregion befindet sich das familieneigene Weingut Graßmück, gegründet im Jahr 1667, und somit mit über 350 Jahren Erfahrung in Sachen Weinherstellung. Heute wird das Weingut in der zwölften Generation, derzeit von Simon Graßmück, geführt. Die Familie bewirtschaftet etwa rund 11 Hektar Rebfläche.
Die Reben gedeihen auf exzellenten, oftmals steilen Lagen wie dem Birkweiler Kastanienbusch, Mandelberg, Rosenberg und Königsgarten – Lagen, die nicht nur in der Region, sondern auch weit darüber hinaus als Spitzenlagen gelten. Die Böden sind vielfältig: Rotliegende Schichten, Buntsandstein, Schiefer sowie Löss‑Lehm bieten ideale geologische Voraussetzungen und spiegeln sich in der aromatischen Tiefe und Mineralität der Weine wider. Wir konnten nach dem Trubel die Winzerei besichtigen.
Mit viel Feingefühl, Geduld und moderner Technik, aber stets mit Blick auf bewährte Tradition, entstehen im Weingut Graßmück charaktervolle und facettenreiche Weine. Je nach Sorte und Stil werden die Weine im Barriquefass oder im Edelstahltank ausgebaut – von trockenem Riesling, über fruchtigen Weißherbst, edelsüße Beerenauslesen, bis hin zu Dornfelder, Spätburgunder und spritzigem Sekt.
Der moderne Betrieb hat sich einen Namen als sogenanntes „Birkweiler Burgunder-Wunder“ gemacht: Simon Graßmück versteht es scheinbar mühelos, das Terroir seiner besten Lagen in detailreiche, frisch-jugendliche und authentische Weine zu übersetzen. Auch Fachmagazine wie Falstaff loben seine Innovationsfreude – etwa mit der Cuvée „Quantum S“, einer ungewöhnlichen Barrique‑Assemblage aus Chardonnay, Sauvignon Blanc und Scheurebe, die sowohl Dichte als auch fruchtigen Charme vereint.
Birkweiler ist eine malerische Ortsgemeinde im Landkreis Südliche Weinstraße, im Bundesland Rheinland-Pfalz. Der Weinbau prägt ebenso wie die sanften Landschaften das Bild dieses typischen Winzerdorfs.
Das Dorf liegt im idyllischen Siebeldinger Tal, eingebettet zwischen romantischen Weinbergen und am Fuß des 552 Meter hohen Hohenbergs mit seinem markanten Aussichtsturm. Das Klima ist mild und fast mediterran—ideal für Wein-, Mandel- und Kastanienbau. Erstmals wurde Birkweiler 1285 urkundlich erwähnt – ursprünglich als Teil der kurzlebigen reichsfreien Dörfer des Siebeldinger Tals. Heute leben rund 750 Menschen hier. Der Ortskern besticht durch historische Sandstein- und Fachwerkhäuser, zwei neugotische Kirchen (katholische Bartholomäus- sowie evangelische Kirche), einen liebevoll gestalteten Dorfmittelpunkt mit modernem Platz und altem Weinpresse-Haus sowie eine Spiel- und Begegnungsanlage.
Die Aufgabe war klar: Es galt für unseren Microlino die alten Onkels und alten Tanten zu besuchen und unsere Referenz zu erweisen. So wurden wir erzogen. Der Anlass ist klar: In Fürstenfeldbruck findet vom 22.-24. August das 48. Isetta Club Treffen auf dem Volksfestplatz statt.
Über 180 Oldtimer aus ganz Deutschland haben sich angemeldet und auch der Mirolino Stammtisch Schwaben wird mit einer Abordnung ihrer Mircolinos vorbeischauen. Schließlich ist die Isetta die Urmutter des Microlinos. Mit diesem BMW-Vorfahren hat alles begonnen.
Wir haben den Aufbau und das erste Eintreffen der Isettas beobachtet und unseren Microlino Pioneer einfach mal in die Reihe mit den alten Isettas gestellt. Und wir haben so viel Liebe und Freundlichkeit erfahren von den Isetta-Piloten, aber auch von Passanten, die unsere Fahrzeuge rumrundeten.
Die BMW Isetta ist weit mehr als nur ein Auto – sie ist ein Stück bewegte Geschichte, das bis heute Herzen höherschlagen lässt. Mit ihrer kugelrunden Form, der charmanten Fronttür und den kompakten Abmessungen wirkt sie fast wie ein rollendes Spielzeug, dabei war sie in den 1950er-Jahren für viele Menschen der erschwingliche Einstieg in die Mobilität. Nach den harten Nachkriegsjahren brachte die Isetta Freiheit auf vier Rädern und ein Lächeln ins Gesicht ihrer Besitzer. Ihr fröhliches Design, das Platz für zwei Personen bot, machte sie zum Symbol des Wirtschaftswunders: praktisch, bezahlbar und voller Optimismus. Bis heute fasziniert sie Sammler und Oldtimerfreunde, weil sie nicht nur Technik, sondern auch Lebensgefühl verkörpert – die Isetta ist eben kein gewöhnliches Auto, sondern ein liebevoller Begleiter, der den Geist einer ganzen Epoche in sich trägt. Und dann kommen wir mit unserem Elektrofahrzeug Microlino.
Die Isetta und der Microlino passen wunderbar zusammen, weil sie wie zwei Seelenverwandte aus unterschiedlichen Zeiten wirken. Die Isetta, Ikone des Wirtschaftswunders, steht für Aufbruch, Leichtigkeit und die Freude an der neu gewonnenen Freiheit. Sie brachte damals die Menschen zum Träumen – ein Auto, das klein war, aber dennoch die große Welt eröffnete. Der Microlino knüpft Jahrzehnte später genau dort an, nur mit den Mitteln unserer Zeit: elektrisch, nachhaltig und modern, doch mit dem gleichen Charme und derselben verspielten Eleganz.
Beide Fahrzeuge teilen die Idee, dass Mobilität nicht groß und protzig sein muss, sondern Herz, Stil und Lebensfreude ausstrahlen darf. Wer den Microlino sieht, fühlt sofort die liebevolle Erinnerung an die Isetta – und gleichzeitig die Hoffnung, dass dieses Gefühl von Freiheit auch in einer umweltbewussten Zukunft weiterlebt. Es ist, als hätten sich Vergangenheit und Gegenwart verabredet, um gemeinsam die Straßen mit einem Lächeln zu erobern.
Mal sehen, wie sich die Kontakte zwischen Isetta- und Microlino-Piloten entwickelt. Eins ist aber schon jetzt klar: Diese Fahrzeuge haben Charakter, Charme und Charisma.
Im Moment bin ich auf einem Ampelmännchen-Trip. Nach dem Brezelbu in Speyer habe ich in Primasens ein weiteres lokales Ampelmännchen gesehen.
In Pirmasens sorgen seit 15. Dezember 2020 besondere Ampelsymbole für Aufmerksamkeit: An mehreren zentralen Fußgängerüberwegen ersetzt die Figur des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt das klassische Ampelmännchen. Der Landgraf gilt als Stadtgründer von Pirmasens und prägte deren Entwicklung im 18. Jahrhundert maßgeblich. Mit diesem speziellen Ampelmotiv will die Stadt nicht nur den Verkehr sicher regeln, sondern zugleich ein Stück ihrer eigenen Geschichte in den Alltag integrieren.
Gestaltet wurde die Figur vom Pirmasenser Grafiker Uwe Jörg. Bei Rot zeigt sie den Landgrafen in wartender Haltung, mit einer Hand in die Hüfte gestützt – eine Pose, die zugleich Autorität und Gelassenheit ausstrahlt. Bei Grün ist er in seitlicher Schrittbewegung zu sehen, der lange Gehrock weht im Wind, wodurch die Darstellung eine gewisse Dynamik erhält. Gefertigt wurden die individuellen Ampelscheiben von Siemens Mobility in spezieller Einzelproduktion.
Installiert wurden die besonderen Signale zunächst an fünf stark frequentierten Standorten, unter anderem in der Schlammstraße und an weiteren zentralen Übergängen im Stadtgebiet. Die Finanzierung erfolgte zu gleichen Teilen durch die Verkehrswacht Pirmasens und den Lions Club Pirmasens, die das Projekt als Beitrag zu Verkehrssicherheit und Stadtidentität verstanden.
Mit der Einführung des „Landgrafen-Ampelmännchens“ reiht sich Pirmasens in die Riege jener Städte ein, die ortstypische Figuren für ihre Fußgängersignale nutzen – ähnlich wie das Mainzelmännchen in Mainz oder der Brezelbu in Speyer oder Pumuckl in München. Das Motiv verbindet Verkehrstechnik mit lokalem Geschichtsbewusstsein und schafft so eine kleine, aber prägnante Sehenswürdigkeit im Alltag der Stadt.
ABER: In Pirmasens gibt es tatsächlich keine offiziellen Kühlschrankmagnete, die die besondere Ampelfigur zeigen.
Über 1000 Jahre ist er alt – was für ein Alter. Älter als die Vereinigten Staaten und was hat dieses Bauwerk nicht schon alles gesehen. Der Dom zu Speyer erhebt sich nicht einfach in den Himmel – er wächst aus der Geschichte selbst.
Schon von weitem, wenn die Silhouette auftaucht, wirkt er wie ein steinerner Herzschlag der Pfalz, aber auch der wechselvollen deutschen Geschichte. Dieses Bauwerk atmet seit fast tausend Jahren die Größe menschlicher Visionen und die Tiefe gläubiger Hingabe. Seine Mauern, aus warmem, rötlichem Sandstein geschichtet, tragen das Licht der Sonne wie eine Reliquie, als wollten sie jeden Strahl bewahren, der je auf sie gefallen ist. Ich bin fürwahr kein religiöser Mensch, aber der Besuch des Doms hat mich berührt: Spirituell und geschichtlich als Grab vieler deutscher Kaiser. Wie müssen die Menschen des Mittelalters auf so einen Bau reagiert haben? Hier ein VR 360 Grad Rundgang durch den Dom.
Wer durch das Hauptportal tritt, betritt nicht nur einen Raum, sondern eine andere Zeit. Die Luft ist schwer von Geschichte, und in ihr liegt ein leises Raunen – höre ich gar das Flüstern von Kaisern, die hier begraben liegen? In Gedanken sehe Pilger, die in Demut ihre Hände über kalten Stein gleiten ließen, ich höre im Geiste die unzähligen Gebeten, die wie unsichtbare Mosaike unter das gewaltige Gewölbe steigen. Der Blick folgt den Pfeilern hinauf, immer weiter, bis er sich im Kreuzrippengewölbe verliert – ein Weg für die Augen, wie das Gebet ein Weg für die Seele ist. Ich habe Platz genommen und beobachtet – und auch Kraft getankt. Ich begebe mich auf eine Gedankenreise.
Hier riecht es nach Kerzenwachs und kühlem Gestein, und jedes Echo der Schritte hallt wie ein stiller Chor. Das Licht, gefiltert durch die hohen klaren Fenster, bricht sich in feinen Staubpartikeln, die im Raum schweben wie goldene Funken der Ewigkeit. Zwischen den massiven Säulen fühlt man sich klein, doch nicht verloren – eher gehalten von einer unsichtbaren Hand, die größer ist als jede irdische Macht. Ärgerlich, dass ich als Besserwisser so manchen männlichen Besucher ermahnen muss, seine US-Kopfbedeckung abzunehmen. Das ärgert mich wirklich und ja, nennt mich einen Spießer.
Der Speyerer Dom ist mehr als ein UNESCO-Welterbe, mehr als romanische Architektur von vollendeter Klarheit. Er ist ein Monument des Willens, eine Kathedrale der Hoffnung, gebaut in einer Zeit, in der Steine zu Zeilen im Buch des Glaubens wurden. Er ist ein stiller, unerschütterlicher Zeuge, der Kriege, Kaiser und Jahrhunderte überdauert hat – und der auch heute noch jedem, der innehält, eine leise Wahrheit zuflüstert: dass wir Teil von etwas sind, das größer ist als wir selbst.
Und wenn man den Dom verlässt, zurück in das Licht der Speyerer Straßen, bleibt dieses Gefühl noch lange – wie ein sanftes Nachhallen im Herzen, das sagt: „Ich war da, wo Ewigkeit greifbar wurde.“
Als Vater eines Bäckers achte ich auf gute Backwaren und auf Backsymbole in meiner Umgebung. Als ich dem Dom zu Speyer besuchte fiel meiner Frau der Brezelbu auf. In Speyer wurde erstmals ein ortstypisches Ampelmotiv eingeführt, das bekannteste Maskottchen der Stadt – der „Brezelbu“, traditionell mit einer charakteristischen angebissenen Brezel – erstrahlt seit Juli 2023 auf ausgewählten Fußgängerampeln.
Die Idee geht auf einen Antrag der Speyerer Wählergruppe (SWG) zurück, der bereits im März 2022 aufgegriffen und in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein sowie dem Grafiker Roland Brönner weiterentwickelt wurde.
Am 5. Juli 2023 wurden die ersten Ampeln mit dem Brezelbu-Motiv am Schillerweg zwischen Domgarten und Rhein offiziell in Betrieb genommen. Das Projekt wurde von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler begleitet, zeitgerecht zum Beginn des Brezelfestes. An insgesamt zunächst sieben Standorten – darunter Kreuzungen in der Bahnhofstraße (Untere Langgasse, Obere Langgasse, Hirschgraben, Wormser Landstraße), Fußgängeranlagen am Hauptbahnhof sowie im Schillerweg und an der Kreuzung Karl-Leiling-Allee/Industriestraße – wurde das neue Ampelsymbol integriert. Auch der Postplatz war vorgesehen. Die Auswahl der Ampeln richtete sich insbesondere entlang der Strecke des Brezelfest-Umzugs.
Technisch wurde der Brezelbu im Rahmen der geltenden Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) realisiert – Rot zeigt den Brezelbu stehend mit ausgestreckten Armen und Brezel, Grün zeigt ihn gehend mit der Brezel. Die Umsetzung erfolgte durch die Firma Yunex nach den Vorgaben des Designs . Parallel zum Leuchtdesign wurde der Brezelbu auch als Souvenir etabliert: Kühlschrankmagnete mit dem Motiv wurden – zeitweise – in der Tourist-Info sowie auf dem Brezelfest verkauft.
Wir hatten Schwierigkeiten diese Kühlschrankmagnete zu erhalten. Die Damen im Tourismusamt zierten sich ziemlich, wollten gar nicht über den Brezelbu reden, denn das Brezelfest sei schließlich im Juli und nun sei August. Mit etwas Beharren, rückten die Damen dann noch Kühlschrankmagnete heraus, einen Prospekt zum Brezelfest gab es auch. Aber nochmals mit der Betonung, dass das Brezelfest vorbei sei – egal.
Diese ortsspezifische Gestaltung trägt zur Identifikation mit der Stadt bei – analog zu anderen Städten, die lokale Figuren wie das Weinkönigin-Motiv in Neustadt oder das Mainzelmännchen in Mainz nutzen, findet der Brezelbu zunehmend Beachtung. Verkehrspsychologische Überlegungen legen nahe, dass solche originellen Ampelmotive die Aufmerksamkeit erhöhen – das Signal wird bewusster wahrgenommen und emotional verankert. Ich wurde beim Fotografieren fast von einem Radfahrer über den Haufen gefahren, soviel zur erhöhten Aufmerksamkeit.
Letztlich verdeutlicht die Einführung des Brezelbu-Ampelmännchens nicht nur die Verbindung zwischen Stadtgeschichte, Festkultur und Alltagsleben, sondern steht auch für eine kreative städtebauliche Maßnahme zur Stärkung der lokalen Identität und zur Besucheransprache (aber nur zum Brezelfest, bitteschön).
Ich mag den britischen Landhausstil in der Kleidung und bei meinem Besuch in Schottland deckten meine Frau und ich uns mit Tweed in allen Formen ein.
Für mich ist der gehobene britische Kleidungsstil mit Tweed mehr als nur Mode – er ist Ausdruck einer Lebenshaltung, die Tradition, Qualität und Understatement vereint. Ursprünglich in den ländlichen Regionen Großbritanniens beheimatet, diente Tweed einst als robuster Stoff für Jagd, Reitsport und Outdoor-Aktivitäten. Heute steht er für mich für eine zeitlose Eleganz, die sowohl auf dem Land als auch in der Stadt geschätzt wird. Mit Tweed fühle ich mich nie falsch angezogen.
In Schottland besuchte ich zahlreiche Herrenausstatter, aber am wohlsten fühlte ich mich in Glasgow bei Walker & Slater. Leider hatte ich nicht die Zeit, um Maß zu nehmen, also kaufte ich nur ein Einstecktuch, aber bei einem längeren Aufenthalt, ist das mein Laden.
Zentrales Element dieses Stils ist das Tweed-Sakko – meist maßgeschneidert, aus schwerem Wollstoff gefertigt und häufig in klassischen Mustern wie Fischgrat, Hahnentritt oder dem berühmten Prince of Wales Check gehalten. Farblich dominieren natürliche, gedeckte Töne wie Moosgrün, Graubraun, Rostrot oder Senf, die sich harmonisch in das britische Landschaftsbild fügen und eine warme, geerdete Wirkung entfalten.
Der typische Look kombiniert das Sakko mit einer passenden Weste, einem Hemd – oft mit Button-Down-Kragen oder dezenter Musterung – sowie einer Krawatte oder Fliege. Dazu werden hochwertige Lederschuhe getragen, etwa Brogues oder Chelsea Boots, die den traditionellen Charakter des Outfits unterstreichen. Wer den Stil vollständig leben möchte, ergänzt ihn mit klassischen Accessoires wie Schiebermütze, Einstecktuch, Tweed-Cape oder sogar einem Gehstock – stets mit Bedacht gewählt, niemals übertrieben.
Was diesen Stil für mich besonders macht, ist seine Haltung: Er wirkt gepflegt, aber nicht affektiert; distinguiert, aber nicht protzig. Er transportiert eine Form von Noblesse, die nicht auf Etikette, sondern auf Charakter beruht. Tweed erzählt Geschichten – von alten Herrensitzen, Teestunden am Kamin, verregneten Herbstjagden und Spaziergängen über nebelverhangene Felder.
Für mich bleibt britische Kleidungsstil mit Tweed aktuell – nicht als Trend, sondern als beständiger Ausdruck von Stil, Qualität und Persönlichkeit. Wer ihn trägt, wählt bewusst: gegen Schnelllebigkeit, für Authentizität.
Bei uns im Dorf dürfen sich Schüler an der dunklen Bahnunterführung mit ihren Malkünsten austoben, damit bei diesen traurigen Zustand optisch etwas ändert. Ähnliches hab ich auf meiner Schottland-Tour durch Glasgow beobachtet.
Glasgow gilt heute als eine der bedeutendsten Street-Art-Städte Europas – ein Ruf, der nicht aus Vandalismus oder willkürlicher Schmiererei hervorgegangen ist, sondern aus einem bewussten Wandel in der Stadtentwicklung und Kulturpolitik. Die vielen Graffitis und Wandbilder, die sich über Häuserfassaden, Unterführungen, Brückenpfeiler und ganze Gebäudewände ziehen, sind Ausdruck einer kreativen Auseinandersetzung mit dem städtischen Raum, seiner Geschichte, den Menschen und sozialen Themen. Es macht unheimlichen Spaß durch diese Stadt zu spazieren und immer neue Graffitis zu entdecken.
Ein wesentlicher Grund für die Vielzahl an Graffitis liegt in der gezielten Förderung durch die Stadt selbst. Seit den 2000er Jahren unterstützt Glasgow aktiv Street-Art-Projekte, nicht zuletzt im Rahmen größerer Stadtverschönerungs- und Revitalisierungsmaßnahmen. Früher für Industrie und Schwerarbeit bekannt, hat sich Glasgow in den vergangenen Jahrzehnten neu erfunden – als Kulturstadt, Kreativmetropole und Zentrum für Design, Musik und zeitgenössische Kunst. Graffiti und Mural Art wurden dabei nicht als Problem, sondern als Potenzial gesehen: als Möglichkeit, leere oder heruntergekommene Flächen zu beleben und Identität zu stiften.
Ein Paradebeispiel dafür ist das Projekt City Centre Mural Trail, das von der Stadt in Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern und Organisationen wie Art Pistol Projects initiiert wurde. Es handelt sich dabei um einen offiziell ausgewiesenen Rundgang durch die Innenstadt, auf dem man über 25 großformatige Wandbilder entdecken kann – von detailreichen Porträts über surrealistische Kompositionen bis hin zu politischen oder sozialkritischen Werken. Viele dieser Murals sind nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern erzählen Geschichten aus Glasgow: über lokale Berufe, Migration, Musikgeschichte oder den Alltag im Viertel.
Hinzu kommt, dass Glasgow eine lebendige Underground-Kunstszene hat. In Vierteln wie Finnieston, Trongate oder entlang des Clyde findet man viele kleinere, nicht offiziell geförderte Werke, die oft ebenso eindrucksvoll und gesellschaftlich relevant sind. Die tolerante Haltung der Stadt gegenüber Street Art hat dazu beigetragen, dass Künstler aus ganz Großbritannien und darüber hinaus Glasgow als Bühne nutzen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen „legaler“ und „illegaler“ Graffiti zunehmend – in vielen Fällen werden einst illegale Arbeiten heute als kulturelles Kapital betrachtet.
Nicht zuletzt spiegelt die Fülle an Graffitis in Glasgow auch den Stolz und den Humor seiner Bewohner wider. Die Wandkunst ist oft augenzwinkernd, manchmal melancholisch, aber fast immer geprägt von einem starken Lokalbezug. Sie macht die Straßen der Stadt zu einem offenen Museum und bringt damit Kunst dorthin, wo sie jeder sehen kann – ohne Eintritt, ohne Schwelle, mitten im Alltag.
Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich ein sehr religiöser Mensch im Sinne der Amtskirche bin, aber dennoch fasziniert mich das Mysterium des Glaubens. Etliche Male bin ich an der Autobahnkapelle vorbeigefahren und habe mir immer mal gedacht, wie es dort wohl aussieht. Nun sind meine Frau und ich herausgefahren und haben zum ersten Mal die Autobahnkapelle „Maria am Wege“ in Windach, Landkreis Landsberg am Lech besucht.
Sie ist ein bedeutendes architektonisches und spirituelles Bauwerk an der Autobahn A96 nahe der Ausfahrten Schöffelding und Windach. Erbaut wurde die Kirche zwischen 1968 und 1971 nach den Plänen des renommierten Architekten Josef Wiedemann aus München. Die Weihe erfolgte im Jahr 1971 durch den damaligen Diözesanbischof Josef Stimpfle.
Ich muss sagen, die Architektur hat mich beeindruckt. Ursprünglich wurde das Gebäude als katholische Pfarrkirche für die örtliche Gemeinde geplant. Aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage an einer stark Frequentierten Autobahn wurde die Kirche 1992 auch offiziell als Autobahnkapelle für Reisende geöffnet.
Die Architektur der Kapelle verzichtet auf Prunk und Symbolüberladung und setzt stattdessen auf Schlichtheit, Offenheit und Natürlichkeit. Das hat mich beeindruckt und fasziniert.
Architektonisch zeichnet sich „Maria am Wege“ durch ihre außergewöhnliche Zeltform aus – ein Symbol für das Unterwegssein, das die Nähe zur Reisebewegung der Autobahnreisenden betont und im Namen „Maria am Wege“ seine Entsprechung findet. Die Kapelle wirkt von außen schlicht und modern, während der Innenraum von sakraler Stille und ausgewählten Kunstwerken geprägt ist. Die Tageslichtführung durch einen schmalen Lichtschlitz an der Decke lenkt den Blick nach oben und schafft eine ruhige, spirituelle Atmosphäre. Die Innenausstattung ist bewusst schlicht gehalten – ein Holzkreuz, reduzierte Bänke und eine Statue der Maria laden zum stillen Verweilen und Gebet ein.
Besonders auffällig ist die Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert, die einen direkten Bezug zur Namenspatronin und zur langen Tradition der Marienverehrung herstellt. Ergänzt wird die Ausstattung durch einen ebenso romanischen Ambo und einen Taufstein, die auf die historischen Wurzeln der Kirche hinweisen.
Ein weiteres Highlight stellt der Osterkerzenleuchter dar, der ein mittelalterliches Steinfragment aus der Normandie beinhaltet. Dieses Steinfragment zeigt Christus, Maria und einen schützenden Engel und gibt dem Raum eine besondere spirituelle Tiefe. Die 17 eigens für die Kapelle angefertigten, farbenfrohen Kreuzwegbilder sind künstlerisch interessant und eröffnen den Besuchern einen Zugang zur Passion Christi. Die Orgel wurde 1976 aufgestellt, ein Werk der Firma Anton Staller, Grafing, mit 31 Registern, verteilt auf drei Manuale und Pedal.
Mit etwa 500 Sitzplätzen bietet die Kapelle ausreichend Raum für größere Gottesdienste und ist vollständig barrierefrei zugänglich. Dies macht sie sowohl für Gemeindemitglieder als auch für das breite Spektrum der Reisenden attraktiv. Als wir dort das Gotteshaus besuchten, war die Kirche leer. Besucher finden umfangreiche Parkmöglichkeiten direkt vor der Kapelle, darunter auch Stellplätze für Busse und Lastkraftwagen. Die ganztägigen Öffnungszeiten von 8:00 bis 18:00 Uhr ermöglichen es auch Reisenden mit engem Zeitplan, die Kirche zur Ruhe, Meditation oder zum Gebet zu nutzen.
Die Lage der Autobahnkapelle ist zudem landschaftlich reizvoll: Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Ammersee, rund 45 km westlich von München und nicht weit vom berühmten Benediktinerkloster St. Ottilien entfernt. Dadurch wird sie nicht nur zu einem geistlichen und architektonischen Anziehungspunkt, sondern auch zu einem touristisch interessanten Ziel in der Region. Die Kombination aus moderner Architektur, spiritueller Tiefe und praktischer Ausrichtung auf Reisende macht die Kapelle „Maria am Wege“ zu einem einzigartigen Ort, an dem Glaube, Kunst und Erholung zu einer harmonischen Einheit verschmelzen. Sie ist ein Beispiel für gelungene Integration sakraler Räume in den Kontext der Mobilitätsgesellschaft und leistet einen wichtigen Beitrag zur christlichen Präsenz im öffentlichen Raum der Gegenwart.
Es war der 21. Mai 1960, ein Samstagabend im noch frischen Frühsommer der schottischen Highlands, als eine junge Band namens The Silver Beetles im Northern Meeting Ballroom in Inverness auftrat. Niemand ahnte damals, dass diese fast namenlose Begleitgruppe wenige Jahre später die bekannteste Band der Welt werden sollte: The Beatles. An diesem Abend aber waren sie einfach nur fünf junge Männer auf Tour, erschöpft, schlecht bezahlt – aber voller Musik und Hoffnung. Durch Zufall stand ich bei meinem Streifzug durch das schottische Inverness vor diesem Veranstaltungsort, der heute ein Frühstückslokal ist.
Die Silver Beetles begleiteten den englischen Sänger Johnny Gentle auf einer einwöchigen Schottland-Tournee, die später unter dem Namen “The Beat Ballad Show” in die Popgeschichte eingehen sollte. Inverness war die zweite Station dieser kleinen Tour, die durch abgelegene Orte wie Fraserburgh, Forres, Nairn und Keith führte – fernab von Glanz, Ruhm oder großer Bühne.
Der Northern Meeting Ballroom war ein typischer Mehrzwecksaal seiner Zeit. Neben der Rock’n’Roll-Show mit Johnny Gentle und seinen Silver Beetles traten dort an diesem Abend auch Ronnie Watt & The Chekkers Rock Dance Band auf. In einem Nebenraum spielte eine Tanzkapelle traditionelle Musik für ein älteres Publikum – eine typische Doppelnutzung, wie sie für lokale Säle in Schottland damals üblich war. Der Eintritt kostete vor 20 Uhr drei Schilling, danach fünf. Der Abend begann um 19:30 Uhr und ging bis Mitternacht – Unterhaltung für jeden Geschmack.
Die Beatles, wie wir sie heute kennen, traten hier noch unter Pseudonymen auf: John Lennon nannte sich „Long John“, Paul McCartney war „Paul Ramon“, George Harrison firmierte als „Carl Harrison“, Stuart Sutcliffe als „Stuart de Staël“, und ihr damaliger Schlagzeuger Tommy Moore blieb schlicht Tommy. Sie waren unsicher, grün hinter den Ohren – aber hungrig auf Musik. Während sie Gentle begleiteten, improvisierten sie, lernten, wie man sich auf der Bühne verhält, wie man ein Publikum mitreißt – und wie hart das Musikerleben sein kann.
Johnny Gentle erinnerte sich später, dass John Lennon in Inverness abends in einem Hotelzimmer half, an einem Song zu schreiben: I’ve Just Fallen For Someone. Lennon bastelte spontan einen Mittelteil. Es war das erste Mal, dass er an einem „fremden“ Song mitarbeitete. Vielleicht war es auch der erste Moment, in dem seine Fähigkeit, andere mit seiner Kreativität zu inspirieren, in vollem Licht aufblitzte.
Doch hinter den Kulissen war nicht alles glänzend. Die Band war müde, das Tourmanagement chaotisch, die Bezahlung unregelmäßig. John Lennon soll in dieser Zeit wütend an ihren damaligen Promoter Larry Parnes geschrieben haben: “We’re fuckin’ skint up here. We haven’t got a pot to piss in. We need money, Larry!” – ein wütender Hilferuf aus der Realität des Musikeralltags.
Und doch war diese Nacht in Inverness ein Schritt. Einer von vielen, der zur Legende führen sollte. Es war ein Abend, an dem fünf junge Männer vor einem kleinen, ahnungslosen Publikum spielten – mit Gitarren, Energie und Träumen. Ein Abend, der heute kaum dokumentiert, aber nicht vergessen ist. Denn hier, im Schatten der Highlands, an den Ufern des River Ness, begann eine der größten Geschichten der Popmusik.
So sieht der Laden heute aus:
Und die Beatles spielen in GB noch immer medial eine Rolle.
Ich mag ja den besonderen Humor der Schotten. Er ist etwas eigen, wenn man sich darauf einlässt. Und als Star Wars-Fan hab ich diesen Humor im Botanischen Garten entdeckt.
Als wir eine Brücke überquerten und uns orientieren wollte, entdeckte ich Wegweiser und musste lachen. Dort stand Kessel → 20 parsecs / 12 parsecs, einmal für den X-Wing, einmal für den Rasenden Falken. Dann gab es noch Tatooine mit Cantina in der Stadt Mos Eisley 52 parsecs / 30 parsecs, Endor → 64 parsecs / 48 parsecs und dann noch Dagobah → 200 parsecs / 140 parsecs. Köstlich, ich hab mich prächtig amüsiert.
Zeichnungen von Robert Bailey Und in der Castle Fine Art fand ich wirkliche Star Wars-Schätze. Es waren Zeichnungen von Robert Bailey. Robert Bailey ist ein renommierter Künstler, der eine besondere Rolle im erweiterten Star-Wars-Universum spielt – nicht als Schauspieler oder Filmschaffender, sondern als offiziell von Lucasfilm autorisierter Illustrator.
Seine präzisen, von Hand gezeichneten Werke zeigen Szenen und Charaktere aus der klassischen Star-Wars-Trilogie in beeindruckender Detailtiefe. Besonders markant ist sein Stil: Bailey arbeitet fast ausschließlich mit Bleistift und feinen Schraffuren, wodurch seine Bilder eine besondere Tiefe und Textur erhalten. Beim nächsten Besuch werde ich zuschlagen.
Seine Verbindung zur Star-Wars-Welt reicht bis in das Projekt „Star Wars: Visions“ zurück, bei dem verschiedene Künstler ihre persönliche Interpretation des Franchise präsentierten. Seine Arbeiten überzeugten auch George Lucas persönlich, der mehrere Originale von Bailey erwarb. Auch Schauspieler wie Harrison Ford, Carrie Fisher und John Travolta zählen zu den Besitzern seiner Kunst.
Bailey lebt heute in Kanada und ist über seine Star-Wars-Motive hinaus für seine realistischen Darstellungen historischer Kriegsflugzeuge bekannt. Innerhalb der Star-Wars-Community gilt er als einer der gefragtesten Zeichner, dessen Werke nicht nur Sammler, sondern auch langjährige Fans der Saga begeistern. Seine Arbeiten sind in ausgewählten Galerien, etwa bei Castle Fine Art, erhältlich und verbinden cineastische Erinnerung mit handwerklicher Präzision.