Kennen Sie Heidemarie Stefanyshyn-Piper? Sie ist ein Astronaut und Pechvogel und muss sich jetzt Macho-Sprüche gefallen lassen. Beim Großputz auf der Raumstation ISS hat die Astronautin Stefanyshyn-Piper eine Tasche mit Werkzeug verloren. Klar, es musste eine Frau sein, die mit Werkzeug nicht umgehen kann. Die Werkzeugtasche entglitt ihr, als sie Fett entfernte, das aus einer Werkzeugpistole ausgetreten war. Flutsch und weg war die Tasche. Und das Gelächter ging los.
Aber allen Stammtischbrüdern sei gesagt, es war keine Frau, die zuerst Gegenstände im all verlor: Eben Lost in Space. Wer auf der Nasa-Website recherchiert, stellt fest: Die Herren der Schöpfung haben schon öfters was im All verloren. Zuletzt im September 2006 verlor der Astronaut Joe Tanner bei Arbeiten an der ISS einen Bolzen, eine Feder und eine Dichtung. Während eines Einsatz im Juli 2006 verloren Piers Sellers und Michael Fossum einen 35 Zentimeter langen Spachtel, als sie eine Reparaturmethode für die Raumfähre testeten. Im März 2001 löste sich beim Astronauten Jim Voss bei Arbeiten an der ISS eine Halterund für die Sicherung der Raumfahrer vom Roboterarm des Space Shuttles und trieb ins All. Etwas später mussten bei dieser Mission die Triebwerke der Discovery gezündet werden, um sie in eine andere Umlaufbahn zu bringen, um einem Stück Weltraumschrott auszuweichen. Während eines Außenbordeinsatzes im Dezember 1998 an der ISS verlor der Astronaut Jerry Ross ein Stück einer Isolierung und zwei Werkzeuge.
Aber dennoch: Es passt so schön ins Bild unserer Machos, das eine Frau Werkzeug verliert. Die Blogosphäre war voll von Häme und Spott über das Missgeschick. Irgendwann finden Außerirdische dann die Werkzeugtasche von Stefanyshyn-Piper. Was war denn wohl darin? Hammer, Schraubenzieher, Zange? Was braucht denn so ein Astronaut im Weltall? Scheinbar lässt sich bei ISS noch etwas reparieren. Bei meinem Audi ist es vorbei. Unter der Motorhaube ist eine schwarze Box und wenn die Karre nicht geht, dann muss ich mit dem Auto in die Werkstatt. Gut, dass es bei der ISS anders ist und die Schrauber noch etwas machen können.
Update (25.11.08 14:11 Uhr): Die Werkzeugtasche ist im All aufgetaucht. Diese Website bietet die Überflugzeiten der Tasche über die Erde. Also Fernglas raus.
Am Samstag jährte sich der Todestag von JFK zum 45. Mal. Nein, ich weiß auch nicht wer der wirkliche Mörder war oder wer dahinter steckte. Lee Harvey Oswald? Wenn es denn so einfach wäre. War es die Mafia, die Kubaner, die Russen, die CIA, die Militärs? Spekulationen gibt es viele und ich hab mir zur Erinnerung die Verfilmung von Oliver Stone angeschaut. Ja, ja, es ist Hollywood, aber könnte nicht da doch ein Funken Wahrheit drinnen stecken. Die Spekulationen um das Attentat hören nie auf und besonders an solchen Jahrestagen kochen sie immer wieder hoch. In Arte und Phoenix liefen einige gute Dokus über JFK.
Immer wieder habe ich mir bei YouTube den Zapruder-Film angeschaut und voller Entsetzen gesehen, wie der Hoffnung Amerikas das Hirn weggeschossen wurde. Es gibt den Spruch meiner Eltern: „Weißt du noch, wo du warst, als du vom Tode Kennedys erfahren hast?“ Das hat sich in diese Generation eingebrannt. Ich bin erst Jahre nach JFKs Tod geboren. Daher war mein Trauma eher der 11. September und die Spekulationen darüber.
Trotzdem hat Kennedy in den drei Jahren seiner Regierung viel bewegt. Eindrucksvoll seine Leistung in der Kuba-Krise, stark seine Reden zum Aufbruch zum Mond oder seine „Ich bin ein Berliner“-Rede. Im Januar kommt in den USA die neue Hoffnung Obama an die Macht. Hoffentlich spinnen die Amis nicht wieder und versuchen diese Hoffnung auch wieder zu killen.
Ich war diese Woche auf einer coolen Bustour mit dabei. Eine völlig neuartige VideoBustour wird ab Dezember berühmte Drehorte in München anfahren – eine cineastische Sightseeingtour für Einheimische und Gäste, aber auch für Kenner des Filmgeschäfts. Ich wollte selbst mal so eine Serie schreiben: Ich an berühmten Drehorten. Nun gibt es als Bustour. Mist, schon wieder eine Geschäftsidee verschlafen.
Von Beginn der Filmgeschichte an gehörte München zu den Schauplätzen bedeutender Kinofilme. Ausschnitte und Kulissen aus Lola Montez, Zur Sache, Schätzchen, Sophie Scholl – Die letzten Tage und Im Winter ein Jahr, um nur einige zu nennen, bieten einen Einblick in die Inszenierung der Stadt auf der Leinwand. Ein für die Tour mit Monitoren und DVD-Technik ausgestatteter Bus wird künftig reale Kulissen der Stadt anfahren. Vor Ort können die Fahrgäste auf den Bildschirmen im Bus diejenigen Spielfilmszenen sehen, die an dem jeweiligen Ort gedreht worden sind. Initiiert wurde die Tour von der FFF Film Commission Bayern und der Berliner Agentur VideoBustour. Unterstützt wird sie vom Kulturreferat der Stadt München und vom FilmFernsehFonds Bayern.
Die VideoBustour „Filmstadt München“ begibt sich auf die Suche nach Orten der bedeutendsten Filme mit München-Bezug. Dazu zählen z. B., „Zur Sache Schätzchen“ (1968, May Spills – Drehorte: Schwabing); „Männer“ (1985, Dorris Dörrie -, Drehorte: Stachusbrunnen, Theresienwiese); „Rossini“ (1996, Helmut Dietl – Drehorte: Ehem. Romagna Antica und Reichsbahnausbesserungswerk); „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (2005, Marc Rothemund – Drehorte: Ludwig-Maximilian-Universität, Jusitzpalast); „Shoppen“ (2007, Ralf Westhoff – Drehort: Nationaltheater) oder der in Kürze startende Film von Oscar Preisträgerin Caroline Link „Im Winter ein Jahr“. Vor allem die Dietl-Filme kommen gut weg. Ich habe ein wenig Argento vermisst, aber die Tour ist ja noch im Aufbau. Gesucht werden vor allem Filme, die am Münchner Hauptbahnhof spielen.
Übrigens, auch das braune Haus (Foto) kommt in der Tour vor. Einst als NSDAP-Parteizentrale, beherbergte das Haus anschließend das Amerikahaus und heute die Hochschule für Musik.
Die Tour findet erstmals morgen, am Samstag, 22. November, sowie am 6. Dezember und am 20. Dezember, jeweils 11.30 Uhr bis ca. 14 Uhr, statt. Treffpunkt ist am Hauptbahnhof (vor dem Kaufhaus Karstadt), das Ticket kostet 25 Euro pro Person. Reservierungen sind über VideoBustour möglich.
Wenn ich mit dem Auto nach München fahre, dann muss ich in der Regel an der stark befahrenen Kreuzung bei der Nymphenburgerstraße warten. Hier ist auch ein kleiner Friseursalon an der Ecke. Mit einer klassischen Laufschrift macht er auf seine Dienstleistungen aufmerksam. Einfach und genial!
Machmal braucht es nicht kostspielige Aktionen, sondern es reicht eine Kleinigkeit. So eben hier. Wenn ich mit dem Auto halte, dann schaue ich immer auf die rote Schrift des Laufbandes. Jetzt weiß ich, dass der Friseur Langhaarmodelle sucht oder Wimpernfärben anbietet. Und allzu teuer ist so ein Laufband auch nicht.
Wochentags nehme ich die S-Bahn von meinem Wohnort zur Arbeitsstelle in München. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen habe ich den Bahnhof sowohl zu Hause als auch in München in Laufweite, zum anderen ist das Autofahren mir zu teuer. Andere Argumente sind Umweltbelastung, Bequemlichkeit und Anstrengung. Im Großen und Ganzen fahre ich ganz gerne Zug. Allerdings stört mich, dass die Züge morgens ziemlich voll sind. Klar, alle wollen früh in die Arbeit, Schule oder Studium. Was mir aber wirklich stinkt, sind die Raucher. Und ich meine die Herrschaften, deren Klamotten morgens stark nach Rauch stinken. Hier sitzt in den Mäntel, Jacken oder Anoraks der Gestand tief. Wahrscheinlich lüften diese Stinker ihre Kleidung nie aus und sie hängen in vollgequalmten Wohnungen aus. Eklig. Und weil die Züge morgens zu voll sind, kann man vor den Stinker in der S-Bahn nicht ausweichen. Die beste Kombination ist noch, Rauch und Alkohol. Wenn man sich gegen 8 Uhr den ersten Underberg oder das Bier reinzieht. Ich habe gesehen, dass es in Japan Zugreisende gibt, die eine Maske tragen. Diese soll Mitreisende vor Bakterien schützen. Vielleicht gibt es auch Masken, die vor Gestank schützen? Hm, ich verbuche es mal als Geschäftsidee.
Genau in diesem Moment steht es fest: Barack Obama ist der 44. Präsident der USA. Ich habe die halbe Nacht vor dem Rechner verbracht und mir die Wahlauszählung angeschaut. Vor allem muss ich die Berichterstattung in ARD und ZDF loben. Die ganze Nacht Material live gesendet. Die Amerikaner haben mit CNN natürlich eine top-Medienleistung angeboten. Wegweisend fand ich eine Aussage von Claus Kleber vom ZDF: „Diese Wahl wurde durch das Internet entschieden.“ Und recht hat er. Konsequent ging das ehrwürdige ZDF neue Wege und es wurde die ganze Nacht gebloggt und berichtet. Da hat Claus Kleber einen wirklich coolen Job gemacht. Der ZDF-Moderator ging zur US-Wahl war online und berichtete die ganze Nacht, was im Netz passiert: live auf heute. de. Wer liegt vorn? Was wird gebloggt? Welche Videos kursieren bei Youtube? Unter den Stichworten „gucken“, „reden“, „mitsurfen“ und „mitmachen“ gab es wertigen Content auf der ZDF-Website. So stell ich mir eine Berichterstattung im Online-Zeitalter vor. Gratulation an Claus Kleber und sein Online-Team. Und gute Nacht ihr einst so mächtigen Print-Zeitungen, die nicht berichtet haben. Die Zeiten ändern sich, auch ohne euch!
Langsam mache ich mir echte Sorgen um Avid. Avid war für mich ein faszinierendes Medienunternehmen mit vielen, wohl zu vielen Standbeinen. Doch wenn man die jüngsten Entwicklungen ansieht, stellt man fest: Avid hat handfeste Probleme. Jetzt besinnt man sich wieder auf die Kernkompetenz. Die Krise begann sicherlich mit der Übernahme von Pinnacle. Im März 2005 zahlte man 462 Mio. US-Dollar in Bargeld und Aktien für Pinnacle. Das war wohl ein Knapppunkt in der Erfolgsgeschichte. David Krall, der große, feinsinnige CEO von Avid legte im Juli 2007 sein Amt nieder. Ich hatte einmal die Chance, diesen Visionär auf der IBC zum Interview zu treffen. Großartiger Visionär, ein ganz feiner, leiser Mann. Der neue CEO ist Gary Greenfield, ein ganz anderer Typ. Bullig, ein Mann der Zahlen. Wahrscheinlich braucht es so einen handfesten Typen, um die Krise zu meistern. Auf der diesjährigen IBC konnte ich ein Interview mit Greenfield führen: Seine Vision ist klar: Avid wieder auf Kurs zu bringen. Und jetzt geht es Schlag auf Schlag: Mitten in der Weltwirtschaftskrise verkauft Avid einige Unternehmensteile. Es begann vergangene Woche mit dem Verkauf von Softimage mit seiner Software XSI an den Erzrivalen Autodesk. Am Rande der fmx in Stuttgart gab es im Frühjahr ein XSI-Usertreffen. Dort unterhielt ich mich mit Marc Stevens, dem Chef von XSI. Auf die Frage, ob er sich in der Avid-Familie wohl fühle, meinte er: In jeder Familie gäbe es mal Krach. Wahrscheinlich hing damals der Haussegen schon schief. Softimage wurde vergangene Woche an Autodesk verscheuert, für nur 35 Mio. US-Dollar. Jetzt wieder ein Knaller. Am 28. Oktober wurde auch Pinnacle verkauft. Käufer ist Hauppauge Digital. Über den Kaufpreis wurde nichts veröffentlicht. Wie gesagt, im März 2005 zahlte man 462 Mio. US-Dollar. Diesen Preis wird Avid nicht erzielt haben. Ist Avid damit wieder auf Kurs? Im Portfolio gibt es noch die Audiotöchter wie M-Audio und Digidesin. Warten wir mal ab.
Auf den Medientagen München konnte man zahlreiche Diskussionsrunde um Werbung und Marketing verfolgen. In der Pause zwischen den einzelnen Panels wurde uns ein ganz kleiner Marketingtrick in Erinnerung gerufen. Auf den Bistrotischen wurden in den Pausen farbige Visitenkarten ausgelegt. Ganz simpel. Was ist dann passiert? Die Teilnehmer der Medientage kamen aus den Diskussionsräumen und holten sich einen Kaffee. Man stellte sich an den Tischen zusammen und diskutierte über das eben Gehörte. Und: So mancher Teilnehmer nahm die ausgelegten Visitenkarten in die Hand, spielte damit herum und er las freiwillig den Text. Wenn jetzt die Botschaft der Karte gut war, dann hatte man die Chance, die Message an den Mann zu bringen. Macht man das gleiche Marketingexperiment mit größeren Flyern, dann gelingt es nicht so einfach. Schon ein Flyer in C4-Format wirkt scheinbar auf die Kaffeetrinker zu bedrohlich, zu werbisch, wird weggeschoben und bleibt liegen. Vielleicht ab und zu mal wieder an die kleinen Marketingtricks denken, die auch zum Erfolg führen.
In der Nacht zum 31. Oktober kehre ich von einer Veranstaltung der Münchner Medientage zurück und laufe durch die Innenstadt der Landeshauptstadt Richtung S-Bahn. Vor dem Traditionskaufhaus mit Stil, dem Ludwig Beck (am Rathauseck) traue ich meinen Augen nicht mehr. Ich habe mich an Nikoläusen und Weihnachtsmänner, Domino-Steinen und Glühwein im Oktober seit Jahren gewöhnt, aber ein Schaufenster mit Weihnachtsschmuck im Oktober? Freunde, das geht zu weit. Geschmackvoll hat der Beck ein Fenster dekoriert mit weißen Kugeln und Schnee. Geht´s noch? An den Eingängen ein Schild: „Besuchen Sie unseren Weihnachtsmarkt in der vierten Etage?“ Konsum ist eine feine Sache und Konsumanreize sind ebenso fein, aber dies ist einfach daneben. Es war 23 Uhr als ich beim Beck vorbeikam. Nicht auszudenken, es wäre die normale Geschäftszeit. Wahrscheinlich werde ich im Oktober mit feierlicher Weihnachtsmusik beschallt. Mein Klassiker: Rudolf das Rentier mit der roten Nase.
Jetzt beginnt die Zeit des Wartens am Bahnsteig. Es wird Herbst und die Blätter fallen. Und das bedeutet, dass die Züge, vor allem die S-Bahn einen längeren Bremsweg haben und sich so verspäten. Das gab es früher nicht. Früher hatte die Bahn noch Mitarbeiter eingesetzt, die sich um fallendes Laub gekümmert haben. Heute sind die Kosten optimiert, die Mitarbeiter damit entlassen und dem Arbeitskreislauf zugeführt. Ausbaden dürfen es wir Kunden, denn die Bahnticketpreise steigen ja sowieso. Ach ja, Bahn: Am Montag morgen um 8:12 Uhr hab ich meinen wöchentlichen Anfall bekommen. Ehefrau und ich sind gemeinsam zum örtlichen Bahnhof geeilt und stürmen die Treppe hoch, um die S-Bahn zu erreichen. Den Blickkontakt zum Fahrer gesucht, der besagt: „Wir wollen noch mit.“ Wir stehen vor der Tür und was macht der Mensch: „Bitte zurückbleiben.“ Die Türen sind gesperrt und der Zug fährt ab. Und das Höchste: Die Type im Zug grinst uns an. Er hat genau gewusst, was da abgeht. Glaub ich´s noch? Dieses ganze System heißt Dienstleistung und hier spielt die Bahn ganz, ganz weit hinten mit.