Persönlicher Nachruf auf Uli Stein

5. September 2020

Seine Maus begleitete mich an den Lüftungsschlitzen meiner ersten beiden Autos. Es war eine Maus in der Lederjacke, die ich liebgewonnen hatte. Sie stammte von Uli Stein, der vor kurzem im Alter von 73 Jahren in Hannover verstorben ist.

Ich mochte die Figuren von Uli Stein. Ich hatte neben der Stoffmaus im Auto auch einen Eierbecher im Mausdesign von ihm. Der ist im Zuge von Umzügen verloren gegangen, die Maus mit Lederjacke existiert heute noch – im Keller.
Und ich mochte seine Comics mit seinen Mäusen, Pinguinen, Schweinen und mehr. Seine Menschen hatten immer dicke Nasen – das fand ich sympathisch.
Als das Internet noch absolutes Neuland war, bekam ich ein Comicbuch mit seinen Zeichnungen geschenkt, die sich rund um das WWW drehten. Es waren einige gelungene Witze darunter – ich glaube das Buch hieß Notebook. Das Covers der schwarzen Buches war eine Zeichnung mit zwei Mäusen. Eine am Computer, eine mit Schild in der Tür stehend: Auf dem Schild die Aufschrift: http://www.ab-ins-Bett.de Das ist in unserer Familie zu geflügelten Satz geworden, wenn meine Kinder mal wieder zu lange vor der Kiste sitzen.
Vielen Dank lieber Uli Stein, du hast unser Leben bereichert und ich wünsche dir, dass du dort oben weiter so viel Freude verbreitest.

Kamera im Kühlschrank

4. September 2020

Nachdem ich gerne fotografiere, Co-Admin einer Fotogruppe bin und das eine und andere Mal für das bayerische Justizministerium als Referent tätig bin, will ich euch ein Urteil des Amtsgerichts München nicht vorenthalten. Es ist schon interessant, mit was sich die Juristen beschäftigen müssen. Und mir stellt sich die Frage, wann ich das letzte Mal meine Kameras im Kühlschrank hatte.

Symbolbild: Beim Fotografieren

Symbolbild: Beim Fotografieren

Hier der Originaltext der Justizpressestelle: Das Amtsgericht München wies mit Urteil vom 18.06.2020 (Aktenzeichen 191 C 4038/17) die Klage eines Münchners gegen einen Fotofachhandel nahe Osnabrück auf Rückabwicklung eines Kaufvertrages über eine Digitalkamera wegen Sachmangels ab.
Die Beklagte betreibt u.a. einen Internethandel mit Fotoapparaten. Der Kläger bestellte bei ihr eine Digitalkamera mit Objektiv für 1.799,00 Euro. Die Ware wurde am 25.07.2016 geliefert.
Der Kläger behauptet, dass bei niedrigen Temperaturen nach Antippen des Auslöseknopfes ein Pfeifen ertöne und das Objekt vibriere, begleitet von einem Wackeln in Sucher und Display. Die Probleme würden nur dann nicht auftreten, wenn der Bildstabilisator deaktiviert sei. Er habe die Kamera aber gerade auch für winterliche Wildtieraußenaufnahmen gekauft. Die Beklagte bestreitet, dass die verkaufte Kamera mangelhaft sei.
Das Gericht hatte zunächst nach Vorschlag der Industrie- und Handelskammer einen Sachverständigen aus Bremen mit der Erstellung eines Gutachtens zu den vom Kläger behaupteten Mängeln beauftragt. Nach dessen Feststellungen trat der behauptete Fehler auch nach Lagerung der Kamera im Kühlschrank bei 6 Grad Celsius von 3, 5, 7, 9 und 12 Stunden und insgesamt 50 Tests nicht auf. Nach Vorlage des schriftlichen Gutachtens, dessen Kosten sich auf 869,70 Euro bei angesetzter Arbeitszeit von 9,5 Stunden beliefen, lehnte der Kläger den Sachverständigen, dessen Gutachten er inhaltlich und methodisch in Zweifel zog, wegen Besorgnis der Befangenheit erfolgreich ab. Der Sachverständige hatte nämlich nach Erstellung seines schriftlichen Gutachtens, aber noch vor seiner ergänzenden gerichtlichen Anhörung sein Fotobedarfsgeschäft an die Beklagte veräußert. Der daraufhin bestellte zweite Sachverständige aus dem Raum Starnberg, der wegen Krankheit und besonders großem Arbeitsanfall an der Bearbeitung länger gehindert war, erstattete am 02.03.2020 sein schriftliches Gutachten, dessen Kosten sich nun bei einer Arbeitszeit von 20 Stunden auf 2.395,55 Euro beliefen.
Die zuständige Richterin am Amtsgericht München gab der Beklagten Recht: „Das Gericht folgt dem Kläger schon nicht darin, dass die von ihm erworbene Digitalkamera einen Sachmangel (§ 434 BGB) aufweist (…). In tatsächlicher Hinsicht geht das Gericht davon aus, dass die vom Sachverständigen (SV) in dessen schriftlichen Gutachten vom 02.03.2020 (…) festgestellten „Effekte“/“Fehlerbilder“ (Pfeifen, Summen und Vibrieren) beim Gebrauch der Kamera bei niedrigen Temperaturen (…) in unregelmäßigen Fällen zufällig und nicht vorhersehbar auftreten. (…) Eine besondere Verwendungseignung wurde im Vertrag nicht vereinbart. Insbesondere wurden weder die Naturfotografie noch die bevorzugte Verwendung im Freien bei niedrigen Temperaturen als Anforderungen an das Produkt angesprochen. (…) Allein aus dem Preis lässt sich auch keine „professionelle“ Verwendung ableiten, da auch Laien oder Hobbyphotografen sich solche Produkte kaufen. Zudem steht eine lange Verwendung der Kamera im Freien bei niedrigen Temperaturen in keinem Zusammenhang mit dem Preis, da Kameras auch nur zur Nutzung in Räumen (z.B. für Studioaufnahmen) erworben werden können. (…)​
Das Fehlerbild war nur (teilweise) reproduzierbar, nachdem die Kamera mit Objektiv über einen Zeitraum von 14 Stunden auf 4 Grad Celsius oder über 24 Stunden auf 3 Grad Celsius abgekühlt wurde. Keinen Nachweis der Effekte konnte der SV dagegen bei einer Kühlungsdauer von 17 Stunden feststellen. Die Einsatzbedingungen unter denen überhaupt Fehlerbilder erzeugt werden konnten, gehören nach Auffassung des Gerichts aber nicht mehr zu den „gewöhnlichen Nutzungsbedingungen“, denen das Produkt gewachsen sein muss. Eine Einschränkung der Nutzung bei „kalten Orten“ ergibt sich schon aus dem Bedienungshandbuch, das auf allgemeine Probleme in diesem Temperaturbereich hinweist. Die Beklagte hat auch unbestritten vorgetragen, dass es üblich ist und empfohlen wird, eine Kamera nicht über lange Zeit bei kalten Außentemperaturen zu benutzen, diese im Winter über Nacht im Auto liegen zu lassen und bei Nutzung in Kälte warm zu halten (…). Nach den Feststellungen des Sachverständigen kann die Kamera auch bei Temperaturen um 3 Grad Celsius benutzt werden; erst wenn sie dieser Temperatur mehr als 14 Stunden ausgesetzt ist, kann es zu den Auffälligkeiten kommen. Eine jederzeitige problemlose Verwendung der Kamera unter diesen Bedingungen kann ein Käufer aber nicht mehr erwarten. (…) Für das Gericht ist nicht erkennbar, dass sich ein durchschnittlicher Käufer in unseren Breiten und den damit verbundenen Lichtverhältnissen im Winter ohne Unterbrechung länger als 12 Stunden im Freien zum Zweck von Fotoaufnahmen aufhalten wird. Dies gilt auch, wenn er ein technisch und preislich hochwertiges Produkt verwendet.“

Vertrauen in Corona-App wächst, aber …

3. September 2020

Gleich vorweg: Ich halte die Corona-Warn App für ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen die Pandemie. Es ist ein Teil einer Aktionskette wie auch Hygiene, Masken oder Abstand halten. Immer wieder darf ich Webinare zur Warn-App halten und dieses Wochenende sogar ein Vor Ort-Seminar. Da kommt die neue Studie zu Nutzung und Akzeptanz der Corona-Warn-App genau zum richtigen Zeitpunkt.

Ein Webinar zur Corona-App vor Greenscreen.

Ein Webinar zur Corona-App vor Greenscreen.

Die Erhebungen zum Start der App im Juni und zuletzt im August zeigen, wie sich die Einstellungen der Bürger in Deutschland zur App gewandelt haben. Das Vertrauen in die Funktion und den Datenschutz steigen – aber rund die Hälfte zweifelt an der Wirksamkeit.
Knapp 30 Prozent der Onliner in Deutschland nutzen die Corona-Warn-App des Bundes, das sind rund 17 Millionen Menschen und damit mehr als sich im Juni sicher waren, die App zu nutzen. Doch insgesamt gelang es nicht, in größerem Umfang Personen für die App zu gewinnen, die ihr vorher unentschlossen oder ablehnend gegenüberstanden; rund die Hälfte bezweifelt die Wirksamkeit zur Eindämmung der Pandemie. Das Vertrauen in die Funktionsweise und den Datenschutz der App hat sich jedoch erhöht. Das ergab eine Erhebung der Initiative D21 und der Technischen Universität München, durchgeführt von der Agentur Kantar.

Vertrauen in Corona-Warn-App steigt
Seit dem Erscheinen ist das Vertrauen der Bevölkerung in die App gestiegen und die Bedenken hinsichtlich staatlicher Überwachung durch die App und Datenschutz weniger geworden. Insgesamt zeigt die deutsche Online-Bevölkerung allerdings nach wie vor Skepsis gegenüber den Funktionen der App: Zu viel Überwachung befürchten gegenwärtig 44 Prozent (Juni: 57 Prozent). Angst vor Datenmissbrauch haben aktuell 51 Prozent, im Juni waren es noch 58 Prozent. Dass die jetzige Lösung geltende Datenschutzregelungen einhält und die Daten gut aufgehoben sind, denkt nach wie vor eine Minderheit, allerdings Tendenz steigend: 40 Prozent im August, 35 Prozent im Juni. Von den Nutzer der App finden hingegen nur zwölf Prozent, dass ihre Privatsphäre gefährdet ist.

Dazu sagt Bundes-CIO und Schirmherr des „eGovernment Monitors“ Markus Richter: „Die Corona-Warn-App arbeitet umso zuverlässiger, je mehr Menschen sie nutzen. Das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer ist daher für ihren Erfolg entscheidend. Ich wünsche mir, dass noch mehr Bürgerinnen und Bürger die App nutzen und damit dazu beitragen, das Ansteckungsrisiko für uns alle zu senken.“

Hoffnung auf positive Wirkung der Corona-Warn-App sinkt
Dass die Corona-Warn-App einen positiven Effekt auf ein Ende der Pandemie in Deutschland haben wird, denkt nur eine Minderheit – und weniger als noch im Juni. Eine Reduzierung der Neuinfektionen erwarten nur noch 23 Prozent (Juni: 29 Prozent). Die Hälfte der deutschen Online-Bevölkerung geht davon aus, dass die Corona-Warn-App nichts ändern wird, das ist ein Anstieg um zehn Prozentpunkte (August: 51 Prozent, Juni: 41 Prozent). Die Befürchtung, dass der Staat die App nutzen könnte, um das Verhalten zu sanktionieren, sinkt dagegen etwas auf 15 Prozent (Juni: 18 Prozent).

Nutzer schätzen einfache Handhabung und wollen gesellschaftlichen Beitrag leisten
Wer sich dazu entschieden hat, die App zu benutzen, ist damit überwiegend auch zufrieden. 88 Prozent der Nutzer bewerten die Bedienung der App als einfach. Über zwei Drittel haben durch die Verwendung der Corona-Warn-App das Gefühl, dass sie einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten. „Die Corona-Warn-App hat international positive Anerkennung gefunden. Das ist selten für ein deutsches E-Government-Angebot und ein Erfolg.“, sagt Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21. „Ihre Wirkung hängt allerdings von der kritischen Masse an Nutzer ab. Um diese Mannschaftsleistung der Menschen muss der Staat mit Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit aktiv werben – gerade auch bei den weniger digital-affinen Menschen.“
Genau hier setzen meine Seminare an. Die Zielgruppe sind keine IT-Spezilaisten, sondern Otto-Normalverbraucher. Hier gibt es aus meiner Sicht einen großen Informations- und Schulungsbedarf.

Dracula im Film (10): Herzogs Nosferatu – das Phantom der Nacht (1979)

31. August 2020

Werner Herzog hat nie kleine Brötchen gebacken: Es musste immer großes Kino auf seine Art sein. Und als er sich 1979 an seine Neuinterpretation von Dracula gemacht hat, musste sich Herzog mit einer der besten Dracula-Verfilmungen messen lassen.
Herzogs Nosferatu – das Phantom der Nacht ist eine Neuinterpretation von Murnaus Nosferatu – eine Symphonie des Grauens – Klaus Kinski contra Max Schreck. Für mich ist der Stummfilm von Murnau noch immer der bessere Film, aber Herzogs Verfilmung des Stoffes hat seine großen Momente. In Ermangelung einer Laserdisc habe ich mir die Bluray angesehen, was dem Film Nosferatu technisch nicht gutgetan hat. Optisch bietet die Abtastung für Bluray allerdings dramaturisch interessante Elemente. Der Film versinkt in manchen Teilen in eine gewisse Unschärfe und wirkt für mich wie ein Fiebertraum beim Betrachten. Ob es Herzog so gewollt hat, kann ich nicht sagen. Die DVD in meinen Besitz erzeugt diesen Effekt nicht.


Herzog wollte nie ein Remake von Murnaus Klassiker machen, wozu auch. Er liefert uns eine Verbeugung vor dem Stoff. Heutigen Sehgewohnheiten kommt die Verfilmung nicht entgegen – er kommt sperrig daher, langatmig und langweilig für viele Zuschauer. Das Tempo des Films ist europäisch. Deutschland kann nicht mit Hollywood konkurrieren und Herzog will auch kein Coppola sein, dessen Dracula sich fulminant breitmacht und einer jüngeren Generation als Maßstab dient. Herzog orientiert sich dagegen am Stummfilm – und diese Verbeugung vor dem deutschen Expressionismus ist wunderschön. Die Nebendarsteller agieren kaum, sondern füllen den Raum, seien es Zigeuner oder Stadträte. Isabelle Adjani, eine große Schauspielerin, interpretiert die Lucy einfach göttlich und könnte sofort als Star des Expressionismus durchgehen.
Bruno Ganz ist Harker und was soll man über das Talent von Ganz schreiben, was nicht schon geschrieben wurde? Er war einfach ein großer Schauspieler.
Und der Graf selbst? Klaus Kinski als unbarmherziger Blutsauger ist wirklich unheimlich. Vor Max Schreck hatte ich schaurige Angst, vor dem Terror von Klaus Kinski habe ich mich gefürchtet. Die Kamera von Jörg Schmidt-Reitwein, der auch für Kluge und Achternbusch arbeitete, ist sein Partner. Kinski spielt mit diesem Partner Kamera, umgarnt sie, zischt sie an – großes Schauspielkino. Von Schreck kamen die Zähne und Ohren, der Mantel und der Hut, aber Kinski erfüllt den Charakter mit seinem eigenem Schauspiel. Mir hat es großen Spaß gemacht – vor allem die Szenen mit Isabelle Adjani sind ergreifend.
Van Helsing ist ein Mann der Wissenschaft, der sich zum Pfählen hinreißen lässt, und dann mit der deutschen Polizeiverwaltung in Konflikt gerät – wunderbar humorvoll von Herzog gelöst. Und ähnlich wie bei Polanskis Tanz der Vampire siegt das Böse und verbreitet sich über die Welt.


Ein Wort zur Musik: Hauptsächlich stammte er Score Nosferatu von Florian Fricke und Popol Vuh. Die Krautrocker aus München arbeiteten oft mit Herzog zusammen und schaffen mit ihrer elektronischen Musik eine besondere Atmosphäre für Nosferatu. Der Film beginnt mit Aufnahmen vom Museum der Mumien von Guanajuato (aus México) und das Musikstück „Brüder des Schattens“ zieht uns sofort in ihren Bann. Dann setzt Herzog noch auf Wagners Rheingold und am Ende auf das Sanctus der Cäcilienmesse von Charles Gounod.
Die Vision Nosferatu von Werner Herzog ist absolut gelungen. Seine Bilder von gewaltig, die Atmosphäre ist unheimlich – das 12000 Töten der Ratten aus Ungarn brachte dagegen Tierfreunde auf die Barrikaden.
Für mich ist Herzogs Nosferatu – das Phantom der Nacht eine gelungene Dracula-Verfilmung mit leichten Schwächen im Drehbuch. Aber es ist vor allem ein bildgewaltiges Schauspielerkino.

Heute vor 48 Jahren: John Lennon Live in New York City

30. August 2020

Als Beatles-Fan höre ich heute wieder und wieder das Album Live in New York City von John Lennon. Die Aufnahmen stammen vom 30. August 1972, also genau vor 48. Jahren. John Lennon gab mit Yoko Ono und der Band Elephant’s Memory in New York zwei Wohltätigkeitskonzerte für Blinde, bei denen dieses Album entstand.
Ich stelle mir dabei zwei Fragen: Können Tontechniker dieses Konzert nicht besser abmischen? Es klingt schon sehr seltsam. Und: Nachdem es ja zwei Konzerte waren, können wir nicht endlich die kompletten Aufnahmen haben? Oder wartet Yoko Ono bis sich die Konzerte zum 50. Mal jähren? So viele Konzertmitschnitte von Lennon gibt es ja nicht. Weitere Teile des Konzerts davon liegen ja beim Boxset John Lennon Anthology vor.

das letzte eigene John Lennon Konzert - heute vor 48. Jahren live in New York City.

das letzte eigene John Lennon Konzert – heute vor 48. Jahren live in New York City.

1986, zwei Jahre vor meinen Abi, erschien die Schallplatte, die ich unbedingt haben musste. Ich höre die Scheibe rauf und runter – es waren zumeist die Aufnahmen des Nachmittagskonzertes auf Vinyl gepresst. Später erschien dann noch eine VHS-Cassette von dem Konzert, das von ABC mitgefilmt wurde. Wir führten den Film in der Schule auf. Als Jugendliche war ich von der Militärjacke von Lennon irritiert und von der Tatsache, dass Lennon das gesamte Konzert über Kaugummi kaute. Das sollte wohl lässig wirken.
Jahre später kaufte ich mir das Konzert auf Laserdisc und stellte beim mehrmaligen Anschauen fest: Yoko Ono kann nicht singen und die ganze Band war nicht so richtig in Form. Der Meister entschuldigte sich selbst. Er stammelte etwas wie „ Willkommen zur Probe!“, „nächstes Mal kriegen wir’s richtig hin“ oder „ich hab‘ mich an fast alle Worte erinnert!“ Improvisation war angesagt. John Lennon musste bei Come Togehter sich ganz schön was aus den Finger saugen.
Nun: 48 Jahre ist es her – und es war eigentlich das letzte eigene Konzert von John Lennon. Und das wird heute gefeiert – in Bild und Ton. Die Vinyl-Platte meiner Jugend ist verschwunden, die CD Live in New York City wurde nicht überarbeitet und bietet den gewöhnungsbedürftigen Klang von früher. Mir fällt auf: Ich weiß gar nicht, ob eine DVD oder Bluray erschienen ist.

Sean Connery, nachträglich alles Gute

29. August 2020
Nachträglich alles Gute zum Geburtstag Mr. Bond

Nachträglich alles Gute zum Geburtstag Mr. Bond

Nachträglich wünsche ich Sean Connery alles Gute zum 90. Geburtstag. Seitdem ich als Kind mit dem James Bond-Virus infiziert wurde, bin ich ein Fan des Schotten. Und ja: Connery ist der beste Bond von allen. Ich mag sie fast alle gerne: Roger Moore, George Lazenby, Timothy Dalton, David Niven und Pierce Brosnan, aber ich mag vor allem Sean Connery. Und nein, den Bauern Daniel Craig mag ich nicht.
Der beste Bond ist für mich Liebesgrüße aus Moskau, weil es ein schöner kalter Krieger ist. Und ich mag natürlich Goldfinger.
In der Nach-Bond-Phase hat Sean Connery sich als Schauspieler etabliert und mit großartigen Regisseuren gearbeitet: Ich will nur Sir Alfred Hitchcock (Marnie) und John Huston (Der Mann, der König sein wollte) nennen. Connery lieferte ein schönes Schauspiel in Robin und Marian, das rote Zelt und der Wind und der Löwe ab – wobei ich beim letzten grinsen musste als der dargestellte Araberfürst mit schottischen Akzent sprach. Filme wie Outland oder Zardoz haben starke Momente und auch in den Nebenrollen wie in Time Bandits lieferte Sean Connery eine solide Leistung.
Im Alter kamen dann die Charakterrollen wie Name der Rose, Highlander und vor allem als Vater von Indiana Jones. The Rock war mir ein wenig zuviel, aber Wiege der Sonne traf meinen Geschmack.
Ich habe ein kleines Geburtstagsvideo mit allerlei Schätzen aus meinem Archiv gedreht und wünsche euch viel Spaß beim Ansehen. Und falls Sean Connery reinklicken sollte: Alles Gute nachträglich zum Geburtstag.

Neustart: Kino Scala hat wieder geöffnet

28. August 2020
Das Scala in FFB hat wieder geöffnet.

Das Scala in FFB hat wieder geöffnet.

Endlich hat „mein“ Kino wieder geöffnet – gemeint ist das Scala Kino in Fürstenfeldbruck. Seit März war der Filmpalast Coronabedingt geschlossen, die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Aber jetzt geht es mit einem strengen Hygienekonzept im Scala wieder los. Das gibt Mut für die ganze deutsche Kinobranche.
Ich habe mich deshalb mit dem Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz getroffen – Abstand gewahrt und ihn zur Wiedereröffnung befragt. Die Erleichterung war ihm deutlich anzumerken. Zum Start wurden alle Mitarbeiter gleich mal mit Lederhosn als Zeichen des Neustarts ausgestattet.
Der Neustart bedeutet aber nicht das Besucherniveau der alten Zeiten. Aufgrund der Abstandsregeln darf jeder Saal im Scala nur zu etwa einem Fünftel besetzt werden. Das bedeutet für ein Kino massive finanzielle Einbußen. Und dennoch: „Wir brennen darauf loszulegen“, so Schmölz, der einen genauen Blick auf die Zahlen hat. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ein kostendeckender Betrieb eines Kinos möglich sei. „Wir haben treue Fans und ich hoffe, ich kann auf unsere Fans zählen.“

Der Mindestabstand im Kino wird eingehalten, was die Anzahl der Sitzplätze reduziert, denn nicht nur links und rechts gelten die 1,50 Meter, sondern natürlich auch nach vorne und hinten. Zudem wurde die Lüftungsanlage hoch geschaltet, so dass der Luftaustausch im Kino permanent ist. Unter den Sitzen wird Frischluft eingeblasen und an der Decke die Luft wieder abgesaugt. Der Kinobesucher merkt davon nur ein laues Lüftchen, aber das gehört zum Hygienekonzept wie die Registrierung der Besucher am Eingang. Zudem stehen überall Desinfektionspender im Kino. Masken müssen im Foyer getragen werden, können im Kino und im Cafe-Bereich beim Konsumieren von Getränken aber abgenommen werden. Natürlich gibt es Popcorn, Nachos und Snacks sowie die gängigen Getränke.


Natürlich geht ein Kartenverkauf vor Ort, aber besser ist der Online-Kartenkauf. So sieht der Besucher, ob im Saal seines Wunschfilms überhaupt noch Platz ist und welcher Sessel noch frei ist. „Wer online seine Karten bucht, weiß genau, wo er sitzt“, so Markus Schmölz. Ein Wechsel des Sitzplatzes während der Film läuft, wird von den Scala-Mitarbeitern nicht geduldet. „Unser Hygienekonzept basiert auch auf Vernunft.“


Trotz Kurzarbeit lief die Arbeit hinter den Kulissen weiter. Die Theke erstrahlt wieder im ursprünglichen Glanz. Und es wurden zwei neue digitale Projektoren angeschafft. Damit sind alle Kinosäle auf dem neuesten Stand.
Kino braucht aber Content. Das Scala startet mit Christopher Nolans Tenet. Von dem Film wird es abhängen, ob Kino in der Cornona-Zeit erfolgreich ist. Ein Agent wird rekrutiert, um einen besonderen Auftrag auszuführen. Er soll den 3. Weltkrieg verhindern. Diesmal ist jedoch keine nukleare Bedrohung der Grund. Es muss eine Person gestoppt werden, die die Fähigkeit besitzt, die Zeit zu manipulieren. Zudem gibt es ein paar Kinderfilme und die bayrische Produktion Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas – da passen die neuen Lederhosn beim Scala-Team ideal. Schön, dass das Scala auch kleinen Filmen eine Chance gibt.
Es braucht aber die großen Blockbuster, der Zuschauerzahlen bringen, verschieben ihre Starttermine. Gestern wurde bekannt, dass der deutsche Kinostart von The King‘s Man: The Beginning auf den 25. Februar 2021 verschoben wurde. Der alte Kinostart-Termin am 17. September 2020 ist somit nicht mehr gültig.
Das Drama von Mulan ist bekannt. Disney hat den Kinostart komplett gestrichen und streamt den Streifen in seinem Streamingkanal Disney+ gegen Aufpreis. Ich bin gespannt, wie dieses Vorhaben ankommt. Das Kino wird als Vermarktungskette übersprungen. Das Wohnzimmer soll die Kinoleinwand ersetzen.
Ich wünsche persönlich dem Scala alles Gute.

Dracula im Film (9): Dracula 2013 TV-Serie

24. August 2020
Langweilig: Dracula 2013

Langweilig: Dracula 2013

Ich bin als Fan des Grafen Dracula viel Schund gewöhnt. Aber selten habe ich so etwas langweiliges Filmdrama, wie die britisch-amerikanische Serie Dracula – Die komplette Serie aus dem Jahre 2013 gesehen. Kein Wunder, dass die Serie nach der ersten Staffel von Universal abgesetzt wurde – wahrscheinlich sind die Produzenten vor Langeweile verstorben.
Okay, ein paar gute Ideen sind bei Dracula 2013 vorhanden. Dieses Mal ist Dracula ein amerikanischer Industrieller mit Namen Alexander Grayson, der den Strom nach London bringt. Van Helsing kämpft an der Seite von Dracula gegen den einen Orden des Drachen kämpft. Dieser Drachenordens war so gemein, unseren Helden Dracula vor Jahrhunderten in einen Vampir zu verwandeln und zudem seine große Liebe lebendig verbrannt zu haben. Das macht man aber auch nicht. Im Grunde ist es eine Rache-Geschichte mit Figuren aus Bram Stokers Dracula.
Renfield ist ein Schwarzer Rechtsanwalt und keineswegs verrückt. Mina ist Medizinstudentin, Lucy Westenra ein intregantes Biest und Jonathan Harker ein Zeitungsjournalist. Mir war alles einfach zu gestelzt in Dracula – Die komplette Serie

Der ehemalige Tudors-Star Jonathan Rhys Meyers spielt die Hauptrolle des Dracula recht schön, kam aber gegen das faserige Drehbuch auch nur die Zähne flechten. Bei uns lief die Serie auf Vox, ich habe mir aber als Dracula-Fan die Bluray der ersten Staffel gekauft. Da gab es ein paar nette Postkarten dazu.
Nun, es gibt für eine TV-Produktion überraschend viel Blut, aber dafür weniger Drive zu sehen. Bissattacken reichen nicht aus für eine ganze Serie, dabei hätte Dracula doch so viel zu bieten.

 

Musiktipp: The Mandalorian auf Picture Disc von Ludwig Göransson

22. August 2020
Baby Joda - so süß

Baby Joda – so süß

Ich bin ein Fan des Digitalen, aber ich finde es eine Unsitte, Musik ausschließlich digital zum Download anzubieten. Als Sammler von Filmmusik möchte ich einen Datenträger wie eine CD in der Hand haben. Digitale Musik ist praktisch, aber es entwertet meine Sammelleidenschaft.

Als Fan der Star Wars Reihe hat es mich daher besonders gefreut, dass Walt Disney einen Teil der Musik von The Mandalorian jetzt auf Picture Disc veröffentlicht hat. Die Musik von Ludwig Göransson ist der Star Wars-Reihe würdig. Der Schwede hat es prima gemacht und bisher stand die Musik nur als Download zur Verfügung. Mit der Picture Disc als Single habe ich zumindest zwei Titel als Datenträger: Main Titel und The Child/Baby Joda.
Die Bilder zeigen einmal den süßen Baby Joda und einmal Baby Joda im Kinderwagen samt Mandalorian. Leider liegt der Picture Disc kein Downloadcode für die digitalen Dateien bei. Falls ich die Disc aufhängen sollte, dann wohl mit der Seite von Baby Joda. Mal sehen. Auf jeden Fall ist The Mandalorian eine Kaufempfehlung.

Kinderwagen von Baby Joda

Kinderwagen von Baby Joda

Buchtipp: MAD’s Meisterwerke: Star Wars – Das Beste aus 40 Jahren

21. August 2020

Das MAD-Magazin gehörte für mich als Jugendlicher zur Pflichtlektüre. MAD und sein legendärer Chefredakteur Herbert Feuerstein haben mich in vieler Hinsicht humortechnisch sozialisiert. Zu meiner Zeit behandelte MAD auch immer einen Film und zog ihn durch den Kakao. Und so war es für mich eine Freude, dass der Panini-Verlag mit das Buch MADs Meisterwerke: Star Wars – Das Beste aus 40 Jahren auf den Markt mir zur Verfügung stellte. So begann eine Reise in meine Star Wars-Jugend.

Meine MAD-Welt von Star Wars war in Schwarzweiß. Die Comics waren ohne Farbe – und der jetzige Sammelband ist coloriert. Was für ein Schock! Farbe im Comic – daran musste ich mich nach dem Unboxing erst einmal gewöhnen. Aber der heutigen Jugend ist wohl schwarzweiß nicht zumutbar.
Das Buch ist chronologisch nach dem Erscheinen der Star Wars-Filme und deren Spin-Offs geordnet. Als Jugendlicher habe ich mit der MAD-Version von Imperium schlägt zurück begonnen. Sie hieß War was? Das Imperium quält am Stück. Den Klamaukhumor, der oft unter der Gürtelline und jenseits des guten Geschmacks war, hatte ich als Schüler geliebt. Heute schüttel ich über so manchen Kalauer nur unverständlich den Kopf. Mein Humor hat sich weiterentwickelt. Dennoch machte diese Reise in die verrückte MAD-Star Wars-Welt mir einige riesige Freude und kann sie jeden Fan der Serie empfehlen. Stundenlanges Blödeln mit Don Martin über Dick DeBartolo, Mort Drucker, Sergio Aragonés, I. Astalos bis hin zu Matthias Kringe. Es sind (fast) alle Star Wars Beiträge aus den MAD-Heften seit über 40 Jahren in diesem Sammelband MADs Meisterwerke: Star Wars auf 276 Seiten vorhanden.