Filmkritik: Return to Silent Hill

28. Januar 2026

Wenn ein Film mit einem Ford Mustang beginnt, kann es kein schlechter Film sein. So will es das Gesetz. Ich habe mich bei Return to Silent Hill getäuscht. Der Mustang reicht nicht. Die Spieleverfilmung von Christophe Gans („Pakt der Wölfe“) ist eine Tour de France von atemberaubenden, surrealistischen Szenen, die als einzelne Szene grandios wirken, aber auf Dauer nicht erschrecken, sondern ermüden. Zudem hat die ganze Sache mit dem Spiel kaum etwas zu tun. Und genau das ist das Problem bei diesen und vielen anderen Spieleverfilmungen.

Was dich als Spiel über Stunden oder Tage packt, funktioniert in diesem Fall nur bedingt auf der großen Leinwand als Film. Die Gamer werden diesen Film hassen, der die Faszination des Spiels zerstört. Damit reiht sich Return to Silent Hill in die Reihe der gescheiterten Videospielverfilmungen ein. Dabei wurde der Film inspiriert vom kreativen Geist des japanischen Videospiele-Visionärs Keiichiro Toyama.

„Return to Silent“ ist ein Film, der große Ambitionen erkennen lässt, diese aber in nahezu allen Bereichen verfehlt. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass Regie und Drehbuch keine gemeinsame Sprache finden: Während die Inszenierung sich in bedeutungsschweren Bildern verliert, die offenbar Tiefe suggerieren sollen, stapft das Drehbuch unbeholfen durch eine Aneinanderreihung von Klischees und unbegründeten Stimmungswechseln. Das Setdesign gibt sich alle Mühe, aber es reicht einfach nicht. Statt Spannung oder emotionale Wucht entsteht nur Verwirrung, und zwar der langweiligsten Sorte.
Die Figuren wirken wie aus Pappmaché geschnitten – flache Archetypen ohne erkennbare Motivation, die ihre Dialoge herunterleiern, als warteten sie nur auf den nächsten Szenenwechsel. Auch schauspielerisch bleibt alles blass: Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Eve Macklin, Evie Templeton – niemand scheint wirklich an das zu glauben, was dort erzählt wird. Was haben die Drehbuchautoren nur aus dieser psychologischen Geschichte des Videospiels gemacht?

Musikalisch steigert sich das Desaster – der Score arbeitet gegen den Film, statt ihn zu tragen. Laute, pathetische Einsätze sollen fehlende Emotion ersetzen und betonen nur noch stärker, dass hier keine Geschichte zu erzählen ist. Selbst die Momente, die Spannung oder Atmosphäre andeuten, scheitern an ihrer aufgesetzten Symbolik. Die einzige Ausnahme bleibt natürlich nur Johann Sebastian Bach mit der Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur, BWV 1068: Air, das der geneigte Filmfreund bereits aus Sieben kennt
Am Ende bleibt Return to Silent Hill ein Film, der so verzweifelt versucht, Bedeutung zu konstruieren, dass er über seine eigene Leere stolpert. Wenn man sich an das Spiel wirklich gehalten hätte, wäre alles gut geworden. Die Monster als Manifestation der Schuld des Helden wäre ein tolles Thema. Pyramid Head als Richter käme gut, aber hier geistert er nur herum. Der Film ist weder emotional noch intellektuell überzeugend, wirkt wie ein missglücktes Experiment, das seine Zuschauer mit der unangenehmen Frage zurücklässt, wie so viel Getöse um so wenig Inhalt entstehen konnte. Dabei habe ich so auf eine gute Videospielverfilmung gehofft.

Die erste „Silent Hill“-Verfilmung des französischen Regisseurs Christophe Gans spielte im Jahr 2006 weltweit über 100 Millionen Dollar ein und erreichte ebenso wie die zugrunde liegende Videospielreihe von Konami Kultstatus. Nun kam das Spiel Silent Hill 2 vor die Kamera und scheiterte, schade.

Besonders zu bemängeln ist die wirre und schwer nachvollziehbare Handlung sowie die fehlende emotionale Tiefe, obwohl sich der Film stark am psychologisch geprägten Silent Hill 2 orientieren soll. Statt subtiler Spannung setze der Film laut Kritik vor allem auf oberflächlichen Fanservice, etwa durch bekannte Figuren wie Pyramid Head, ohne deren Bedeutung sinnvoll in die Geschichte einzubetten. Positiv hervorzuheben ist die visuelle Gestaltung, das Setdesign und die grundsätzliche Atmosphäre, die stellenweise an die beklemmende Stimmung der Spiele erinnert. Insgesamt überwiegt mein Eindruck, dass „Return to Silent Hill“ sein Potenzial deutlich verfehlt hat und sowohl Neueinsteiger als auch viele langjährige Fans enttäuschen wird.

Eiskratzen oder Knöllchen? Warum dein Morgen sonst teuer endet

26. Januar 2026

Frostige Temperaturen sorgen aktuell überall für vereiste Autoscheiben. Für viele heißt das: früher aufstehen, kalte Finger und nasse Hände. Trotzdem sollte man sich die Zeit fürs Eiskratzen nehmen – denn wer mit schlecht freigekratzten Scheiben losfährt, riskiert ein Bußgeld. Hier ein paar Tipps.

Der Klassiker: Eiskratzer
Am zuverlässigsten ist nach wie vor der Eiskratzer. Wichtig ist dabei das richtige Modell: Metallschaber können Scheiben und Lack zerkratzen und sind tabu. Besser sind Kunststoffkratzer mit glatter Kante für dünnes Eis und gezackter Kante für dickere Vereisung. Praktisch sind Kombigeräte mit Besen – denn auch Schnee auf Dach, Motorhaube, Scheinwerfern und Kennzeichen muss runter.

Wichtig: Ein kleines „Guckloch“ auf der Frontscheibe reicht nicht! Wer nicht richtig freikratzt, kann mit 10 bis 35 Euro Bußgeld rechnen. Auch Seitenscheiben und Außenspiegel müssen frei sein. Die Heckscheibe ist zwar nicht zwingend nötig, wenn beide Außenspiegel frei sind – empfohlen wird aber trotzdem, alle Scheiben komplett zu enteisen.

Bankkarte? Nur im Notfall
Wenn gerade kein Eiskratzer zur Hand ist, kann im Notfall eine Bankkarte helfen. Ob sie das unbeschadet übersteht, ist allerdings fraglich. Parkscheiben oder andere harte Plastikteile mit scharfen Kanten sind keine gute Idee – sie können die Scheibe ggf schnell zerkratzen.

Heißes Wasser und Hausmittel: Finger weg!
Heißes oder warmes Wasser auf die vereiste Scheibe zu kippen ist ein No-Go. Durch den Temperaturunterschied kann das Glas springen. Auch selbst gemixte Hausmittel mit Wasser, Spülmittel oder Spiritus sind keine gute Lösung: Sie schmieren, verschlechtern die Sicht und können Gummis und Kunststoffteile angreifen.

Enteiserspray: Nur bei leichtem Frost
Bei dünner Eisschicht kann ein Enteiserspray helfen. Es taut das Eis an und verhindert, dass es sofort wieder festfriert. Aber: Die Qualität ist unterschiedlich, manche Sprays hinterlassen Schlieren. Bei dickem Eis oder Schnee kommt man ums Kratzen nicht herum.

Motor warmlaufen lassen? Verboten!
Den Motor im Stand laufen zu lassen, um Scheiben und Innenraum aufzuwärmen, ist verboten, laut und schlecht für die Umwelt. Dafür können bis zu 80 Euro Bußgeld plus Gebühren fällig werden.

Warme Luft als Alternative
Spezielle, fürs Auto zugelassene Heizlüfter können helfen, Eis von innen aufzutauen. Normale Haushalts-Heizlüfter sind dafür ungeeignet und können brandgefährlich sein. Komfortabler – aber teuer – ist eine Standheizung. Sie taut die Scheiben vorab und wärmt den Motor vor, kostet aber meist deutlich über 1.000 Euro.

Vorbeugen spart Zeit
Am besten ist es, Eis gar nicht erst entstehen zu lassen. Abdeckfolien für die Windschutzscheibe verhindern das Vereisen über Nacht. Wichtig: richtig befestigen, damit keine Tür- oder Fenstergummis beschädigt werden.

Vorsicht beim Kratzen
Beim Eiskratzen lieber vorsichtig sein. Unter dem Eis können Schmutzpartikel sitzen, die feine Kratzer verursachen. Die stören vor allem bei tief stehender Sonne oder Gegenverkehr. Auch die Scheibenwischer nicht vergessen: Vereiste oder verschmutzte Wischer können die Scheibe beschädigen. Es gibt spezielle Eiskratzer, mit denen sich auch die Wischerblätter vom Eis befreien lassen.

Wikipedia mit 25: Zwischen Stabilität und kulturellem Druck durch KI

25. Januar 2026

Wikipedia ist 25 Jahre alt geworden – und steht zugleich so stabil wie nie zuvor im Netz und doch unter einem neuen, subtilen Druck durch KI, der weniger technisch als kulturell ist. Die Plattform ist zum unsichtbaren Rückgrat der Wissensinfrastruktur geworden, während KI-Systeme beginnen, genau dieses Rückgrat zu überblenden und zu vereinnahmen.

Seit dem 15. Januar 2001 hat sich Wikipedia von einem anarchisch wirkenden Freiwilligenprojekt zu einer globalen Referenzmaschine entwickelt, auf die sich Schulen, Redaktionen, Suchmaschinen und längst auch große Sprachmodelle stützen. In über 300 Sprachen, mit mehr als 65 Millionen Artikeln, bildet sie eine Art evidenzbasiertes Grundrauschen, gegen das sich jede Behauptung im Netz zumindest gedanklich messen lassen muss. Dieser Erfolg ist paradoxerweise genau das Einfallstor für jene KI-Dienste, die ihren Nutzerinnen und Nutzern in Sekundenbruchteilen Antworten liefern, ohne noch sichtbar zu machen, dass in ihrem Schatten eine ehrenamtliche Infrastruktur aus Menschen steht, die seit Jahrzehnten Quellen prüfen, editieren, streiten, löschen, belegen.

Am 15. Januar 2001 startete Gründer Jimmy Wales an seinem Windows-Rechner nicht nur das Projekt selbst, sondern legte auch unmittelbar die ersten Einträge der Online-Enzyklopädie an. Bereits am ersten Tag entstanden Artikelseiten zu Begriffen wie WikiPedia, PhilosophyAndLogic und UnitedStates, und nur fünf Tage später waren schon mehr als 100 Einträge verfügbar. Eine Übersicht der ersten 100 über Wikipedia abrufbaren Seiten zeigt, wie rasant sich das Projekt entwickelte: Anfangs ausschließlich englischsprachig, folgte schon kurz darauf der erste Ableger in einer anderen Sprache. Nur zwei Monate nach dem Start der englischen Version ging am 16. März 2001 die deutsche Wikipedia als erste lokale Variante online. Ich habe auch meinen Beitrag geleistet und Artikel verfasst. Heute umfasst die englischsprachige Originalseite mehr als sieben Millionen Artikel, während die deutsche Wikipedia mit über drei Millionen Einträgen ebenfalls eine beeindruckende Informationsfülle bereithält. Ein zentraler Aspekt bleibt dabei die Finanzierung des Projekts: Neben den vertrauten Spendenaufrufen gibt es zum Jubiläum im Wikipedia Store eine Sonderkollektion, deren Erlöse die Arbeit an der Enzyklopädie unterstützen sollen.

In den Reaktionen auf das Jubiläum spiegelt sich die besondere Rolle, die Wikipedia im digitalen Alltag vieler Menschen einnimmt. Nutzerinnen und Nutzer gratulieren, bezeichnen die Plattform als bevorzugte Informationsquelle und hoffen, dass sie sich erfolgreich an neue Rahmenbedingungen anpassen wird. Zugleich tauchen in den Kommentaren auch kritische Stimmen auf, die von Zensur sprechen oder auf Filterblasen hinweisen, während andere dem widersprechen und die Moderation als notwendigen Teil der Qualitätssicherung sehen. Immer wieder wird betont, wie wichtig regelmäßige Spenden sind, um Wikipedia langfristig zu erhalten, und auf eine Easter-Egg-Seite zum Jubiläum hingewiesen. Denn wenn Menschen sagen, sie würden etwas „googeln“, landen sie meist – oft unbewusst – bei Wikipedia, sei es über die ersten Treffer in Suchmaschinen, über Instant Answers oder über Antworten von LLM-Chatbots, die ebenfalls auf diese Inhalte zurückgreifen. Fiele Wikipedia plötzlich weg, wüsste das Web spürbar weniger, lautet der warnende Unterton, verbunden mit dem Appell, zu spenden, bevor dieses Fundament des Wissens verschwindet.

Die Bedrohung für die Reichweite von Wikipedia durch KI ist daher weniger ein plötzlicher Exodus der Leserschaft als eine schleichende Umleitung der Aufmerksamkeit: Wenn Chatbots Fragen direkt beantworten, entfällt der Klick auf die Quelle, und damit das, was die Wikipedia schlicht zum Leben braucht – die Begegnung zwischen Text und Leser. Erste Auswertungen deuten auf spürbare Rückgänge beim menschlichen Traffic hin, während der automatisierte Zugriff für Trainingsdaten und Scraping massiv zunimmt, also genau jener Zugriff, der keine Spenden generiert, keine neuen Autoren hervorbringt und keine Diskussionsseiten bevölkert. KI isst sich durch die Wissensbestände, an deren Pflege sie selbst nicht beteiligt ist, und verwandelt das mühselig Kuratierte in einen glattgebügelten, personalisierten Antwortstrom, in dem die ursprünglichen Kontexte, Konflikte und Korrekturen verschwinden.

In dieser Verschiebung liegt auch eine neue Dimension der Verlässlichkeit: Wikipedia hat nie behauptet, unfehlbar zu sein, aber sie ist strukturell überprüfbar – jede Version, jede Quelle, jeder Konflikt ist transparent dokumentiert und im Idealfall rückverfolgbar. Obwohl ich das Gefühl habe, die deutsche Ausgabe der Wikipedia ist zum Teil ideologisch.
Fehler sind hier nicht verborgenes Scheitern, sondern im Grunde Teil einer öffentlichen Lernkurve, die über Edits, Reverts und Diskussionsarchive nachgezeichnet werden kann; das System baut auf Misstrauen als produktiver Kraft, auf der ständigen Möglichkeit der Korrektur. KI-Systeme dagegen präsentieren ihre Ausgaben mit der glatten Souveränität eines fertigen Textes, dessen Herkunft sich bestenfalls in allgemeinen Modellkarten, nicht aber konkret im Satz nachprüfen lässt, und der sich zudem auf Trainingsdaten stützt, deren Lizenzlage und Aktualität häufig unklar bleiben.

Gerade hier verschränken sich Erfolg und Krise: Weil Wikipedia in vielen Bereichen eine der zuverlässigsten offenen Datenquellen geworden ist, fließt sie massenhaft in KI-Modelle ein, die ihr wiederum Nutzer abspenstig machen und einen Teil der Legitimität absorbieren, ohne den Aufwand der Qualitätssicherung zu teilen. Der Unterschied in der Verlässlichkeit ist deshalb nicht nur eine Frage der Fehlerquote, sondern der Verantwortungskette: Wikipedia institutionalisiert Zweifel und kollektive Aushandlung, KI institutionalisiert Plausibilität und Komfort – und je mehr sich die Öffentlichkeit an letzteres gewöhnt, desto größer wird die Gefahr, dass das sichtbare Ringen um Wahrheit, das Wikipedia ausmacht, unter einer Schicht von friktionslosen Antworten verschwindet. In diesem Sinn ist der 25. Geburtstag nicht nur ein Jubiläum, sondern auch eine Erinnerungsmarke: an ein Netz, in dem Wissen als Prozess sichtbar war – und an die Entscheidung, ob man diesen Prozess den Maschinen überlässt oder weiter öffentlich führt.

Fankritik: Star Trek Starfleet Academy

24. Januar 2026

„Star Trek: Starfleet Academy“ ist eine glatt produzierte, aber extrem formelhafte Jugendserie im Star‑Trek‑Gewand, die eher für Paramounts Zielgruppe „Teens mit Handy in der Hand“ gebaut wurde als für Fans, die mit Kirk, Picard oder Sisko älter geworden sind. Gerade als langjähriger Trekkie fühlt man sich hier weniger angesprochen als höflich ausgeladen.

Worum es eigentlich geht
Die Serie spielt im 32. Jahrhundert, also in der fernen Zukunft der Discovery‑Ära, und begleitet die erste neue Klasse von Kadetten an der wiedereröffneten Sternenflottenakademie. Auf der USS Athena und dem Campus in San Francisco sollen sie nicht nur zu Offizieren geformt werden, sondern natürlich auch „Freundschaften, Rivalitäten, erste Liebe und einen neuen Feind“ durchstehen.

Im Zentrum steht Caleb Mir, ein junger Mann mit Kriminellen‑Backstory, der über einen Deal – Akademieplatz gegen Hilfe bei der Suche nach seiner Mutter – an die Sternenflotte gerät. Als moralische und institutionelle Gegenfigur fungiert Nahla Ake, eine ehemalige Richterin, die nach einem fragwürdigen Prozess zur Commandantin der neuen Akademie wird und damit gleichsam das beschädigte Ideal der Föderation verkörpert.

Die Klischeemaschine im Föderationsblau
„Starfleet Academy“ packt nahezu jedes YA‑Klischee in die Uniform. Ein YA-Klischee bezeichnet ein häufig wiederkehrendes, vereinfachtes oder vorhersehbares Handlungsmuster, eine Figurenkonstellation oder ein Motiv in der sogenannten Young-Adult-Literatur.
Da wären: Der rebellische Protagonist mit tragischer Kindheit, der „eigentlich ein gutes Herz“ hat.
Die bunte WG aus Zimmergenossen: der Außenseiter‑Klingone, der überhebliche Rich Kid, die Admiralstochter mit Leistungsdruck, das exotische Alien, das „anders denkt“.
Die obligatorische Mischung aus Schulhof‑Drama, Insta‑kompatiblen Romanzen und „explosiven Rivalitäten“, als hätte jemand „Euphoria light“ ins 32. Jahrhundert exportiert.
Selbst der Plot der Auftaktfolge – traumatische Vorgeschichte, Zeitsprung, Rekrutierung durch eine moralisch ambivalente Autorität, anschließender Angriff im Anflug auf die Akademie – wirkt wie ein Baukasten aus bekannten Coming‑of‑Age‑Mustern, an den nur die Hülle der Sternenflotte geschraubt wurde. Der „neue Feind“, der gleichzeitig die Akademie und die Föderation bedroht, erfüllt ebenfalls exakt die Funktion des saisonalen Big Bad, der primär den emotionalen Lernkurven der Kids Struktur gibt.

Der Ärger steckt weniger darin, dass die Serie Klischees benutzt – das haben auch TNG oder DS9 getan –, sondern darin, wie transparent sie dem Algorithmus der Gegenwart folgt: ein „Content Package“ mit Diversity‑Häkchen, Teen‑Identifikationsfiguren und gerade so viel Star‑Trek‑Lore, dass das Franchise‑Logo gerechtfertigt bleibt.

Momente, in denen Star Trek durchscheint
Trotzdem gibt es Momente, in denen der Geist von Star Trek kurz aufblitzt.
Die Grundidee, nach einem zerrütteten Jahrhundert wieder eine Akademie zu eröffnen und junge Menschen an das Ideal einer besseren, solidarischen Zukunft heranzuführen, trägt eine schöne, fast klassischen Trek‑Optimismus in sich.
Wenn die Kadetten im Piloten die USS Athena gemeinsam gegen den Piratenangriff verteidigen, blitzt etwas von jenem Teamgeist auf, der früher Brückencrews zusammengeschweißt hat – inklusive der Erkenntnis, dass Kooperation und kluge Improvisation wichtiger sind als Testnoten.

Auch die Besetzung älterer Figuren – etwa eine, von der Inszenierung deutlich als „Mentorenfigur“ angelegte Commandantin – verschafft der Serie gelegentlich Tiefe, die über Teen‑Dialoge und Hologramm‑Gags hinausweist. Man merkt in solchen Szenen, wie stark „Starfleet Academy“ sein könnte, würde es sich stärker für Ethik, Komplexität und Ambivalenz interessieren und weniger für das nächste Shipping‑Hashtag.

Dass ich mich als alter Star‑Trek‑Fan „zu alt“ für diese Serie fühle, liegt weniger an mir als an der Konstruktion des Formats.
Die emotionalen Konflikte sind fast ausschließlich auf das Level von Pubertät und frühem Erwachsenwerden kalibriert: erster Herzschmerz, Identitätskrisen, Leistungsdruck vor Prüfungen. Wer mit „In the Pale Moonlight“, „The Inner Light“ oder „Duet“ sozialisiert wurde, sucht hier vergeblich nach moralischen Grenzgängen, philosophischen Dilemmas oder politischer Tiefe.
Die Serie versteht sich explizit „nicht als Star Trek deiner Eltern“, wie Marketing und frühe Kritiken betonen – eine freundliche Umschreibung dafür, dass man die ältere Fanbasis bewusst zugunsten einer jüngeren Streaming‑Zielgruppe verschiebt.

Hinzu kommt der Ton: Wo früher Debatten über die Prime Directive geführt wurden, stehen jetzt Dialoge, die wie polierte Social‑Media‑Captions wirken und selten über den Moment hinausreichen. Als Zuschauer, der Jahrzehnte mit dem Franchise verbracht hat, merkt man, dass hier zwar derselbe Kanon zitiert wird, aber ein anderes emotionale Betriebssystem geladen ist: weniger Staunen, weniger Neugier, mehr Selbstbespiegelung.

Am Ende sitze ich vor „Starfleet Academy“ wie ein ehemaliger Kadett, der heimlich auf den Campus zurückkehrt und feststellt, dass zwar noch dieselben Gebäude stehen, aber eine andere Generation mit anderen Codes und anderen Problemen die Flure füllt. Nicht ich bin „zu alt“ für Star Trek – diese Serie ist schlicht nicht mehr für die Star‑Trek‑Version gemacht, mit der ich erwachsen geworden bist.

The Shining (1980) – Rückblick auf die Matinee

23. Januar 2026

Stanley Kubricks „Shining“ von 1980 ist weniger klassische Stephen‑King-Gruselgeschichte als ein kalter Blick auf Familie, Männlichkeit, Geschichte und Raum – ein Horrorfilm, der sein eigentliches Grauen in Struktur, Bildgestaltung und Atmosphäre verbirgt. Ich besprach und zeigte den Film in meiner Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee befasst sich am Sonntag, 1. Februar mit John Carpenters Film „Sie leben“. Karten für das Scala Fürstenfeldbruck gibt es hier.

Das Werk Shining entfaltet sich wie ein Labyrinth aus Bedeutungen, in dem der Zuschauer sich ebenso verirrt wie Jack Torrance im Schnee – und genau darin liegt seine anhaltende Faszination. Hier meine Aufzeichnung des Vortrags:

Handlung als Kammerspiel der Zersetzung
Im Zentrum steht der gescheiterte Lehrer und Möchtegern-Schriftsteller Jack Torrance, der mit Frau Wendy und Sohn Danny den Winter über als Hausmeister im abgelegenen Overlook Hotel arbeitet. Aus der scheinbar idealen Gelegenheit zum Neuanfang wird ein schleichender Albtraum, in dem Isolation, Alkoholismus, unterdrückte Gewaltfantasien und die Geister des Hotels sich gegenseitig verstärken.

Der Film verweigert einen klaren Verursacher des Schreckens: Die übernatürlichen Erscheinungen können gleichermaßen als reale Geister, als Projektionen psychischer Abgründe oder als Bild gewordene Gewaltgeschichte des Ortes gelesen werden. Dadurch bleibt das Grauen strukturell „offen“ – ein Horror, der sich eher in Andeutungen und Mehrdeutigkeiten als in eindeutigen Erklärungen organisiert.

Themen: Familie, Wahnsinn, Vergangenheit
„Shining“ ist ein Film über die Zerbrechlichkeit der bürgerlichen Kleinfamilie, der das Ideal der „intakten“ Familie systematisch zerlegt. Jack erscheint von Beginn an als innerlich leerer, frustrierter Mann, der den Hoteljob als Flucht vor einem Leben begreift, das ihn demütigt und das er zugleich nicht verantwortungsvoll gestalten kann. Die Gewalt, die sich im Overlook Bahn bricht, ist dabei weniger plötzliches Böse als Eskalation bereits angelegter Aggression – das Hotel verstärkt, was schon da ist.

Zugleich verhandelt der Film die Macht der Vergangenheit: Die Geister des Overlook sind Manifestationen einer Geschichte von Mord, Ausbeutung und kollabierter Männlichkeitsfantasien. Die berühmten Blutwellen aus dem Fahrstuhlschacht lassen sich als Bild einer verdrängten Gewaltgeschichte lesen, die immer wieder in die glatte Gegenwart einbricht.

Raum, Labyrinth und Blick
Kubrick baut das Overlook Hotel als labyrinthischen Raum, dessen Architektur bewusst inkonsequent ist: Korridore führen ins Nichts, Fenster liegen an unmöglichen Stellen, räumliche Kontinuität löst sich auf. Diese räumliche Unlogik erzeugt ein permanentes Unbehagen, weil der Zuschauer sich nie sicher orientieren kann – ein filmischer Zustand, der Jacks mentaler Desorientierung entspricht.

Der Außen-Labyrinthgarten spiegelt diesen inneren Architektur-Wahnsinn: Tagsüber wirkt die Hecke wie ein touristischer Gag; in der Nacht wird sie zum Schauplatz eines existenziellen Verfolgungsspiels, bei dem Danny den Vater nur durch kluge Spurentäuschung austrickst. In der berühmten Vogelperspektive, in der die Kamera über das Modell der Hecke fährt und nahtlos in die „realen“ Figuren übergeht, verschmelzen Miniatur, Plan und Wirklichkeit – der Mensch als Figur in einem längst vorgezeichneten Plan.

Zentral ist auch Kubricks Einsatz der Steadicam: Die scheinbar schwebende Kamera, die Danny auf seinem Dreirad durch die Gänge verfolgt, gibt dem Hotel eine unheimliche Subjektivität, als würde der Raum selbst blicken. Dieses „gleitende Sehen“ macht das Overlook zum eigentlichen Protagonisten – ein Ort, der die Figuren beobachtet, prüft und schließlich verschlingt.

Ambivalentes Übernatürliches
Kubrick übernimmt zwar zentrale übernatürliche Elemente der Vorlage – das „Shining“ Dannys, die Geister, die Visionen –, weigert sich aber, diese eindeutig zu verankern. Viele Erscheinungen lassen sich als subjektive Halluzinationen deuten, andere (etwa das geöffnete Kühlhaus) scheinen eine objektive Existenz der Geister nahezulegen, ohne sie zu bestätigen.

So entsteht ein Schwebezustand zwischen psychologischem und metaphysischem Horror, in dem das Übernatürliche ebenso psychische Metapher wie reale Bedrohung sein kann. Das macht „Shining“ schwer einzuordnen: Er erfüllt die Kriterien eines Horrorfilms und unterläuft sie zugleich, indem er nie die eine, endgültige Erklärung anbietet.

Stil, Rezeption und Nachwirkung
Stilistisch bevorzugt Kubrick kalte Kompositionen, strenge Symmetrien und eine Musikgestaltung, die mehr verstört als „emotionalisiert“. Die langen, gleitenden Einstellungen, die minimalistische Montage und der Einsatz atonaler Klänge erzeugen eine distanzierte, fast klinische Atmosphäre, in der Affekte nicht ausgestellt, sondern wie unter einem Glassturz beobachtet werden.

Bei seiner Premiere stieß „Shining“ auf gemischte bis ablehnende Reaktionen; Kritiker warfen dem Film Überlänge, emotionale Kälte und Unklarheit vor, selbst Stephen King distanzierte sich deutlich von der Adaption. Inzwischen gilt der Film als Schlüsselwerk des modernen Horrorkinos, dessen experimentelle Verbindung von Raumarchitektur, psychologischer Zersetzung und offener Bedeutung eine ganze Generation von Filmemachern geprägt hat.

In dieser Spannung aus Eindeutigkeit und Rätsel, aus familiärem Drama und ungreifbarer Bedrohung liegt die besondere Qualität von „Shining“: Der Film erklärt seinen Horror nie, sondern lässt ihn als unabschließbares Echo in Bildern, Räumen und Blicken weiterarbeiten.

Die nächste Matinee befasst sich am Sonntag, 1. Februar mit John Carpenters Film „Sie leben“. Karten für das Scala Fürstenfeldbruck gibt es hier.

„Dicke Wampe, gute Vorsätze – und warum Geduld der wichtigste Trainingspartner ist

22. Januar 2026

Zum Jahresbeginn 2026 dreht sich im Podcast „Dombo bewegt“ alles um ein Thema, das viele Menschen beschäftigt: gute Vorsätze. Ich sprach mit Norman Dombo vom Zentrum für Gesundheit in Maisach darüber, warum Neujahrsvorsätze oft scheitern, welche Rolle Bewegung und Struktur dabei spielen – und warum Geduld wichtiger ist als der schnelle Blick auf die Waage.

Der Jahreswechsel ist für viele der Moment, in dem Verzicht, Gewichtsreduktion oder der Einstieg in regelmäßige Bewegung ganz oben auf der Liste stehen. Ob „Dry January“, Abnehmen oder der lange aufgeschobene Sportbeginn – die Motivation ist da, zumindest in den ersten Wochen des Jahres. Noch sei der große Ansturm im Zentrum für Gesundheit nicht spürbar, erklärt Norman Dombo, doch die Erfahrung zeige: Die Vorsätze kommen – meist begleitet von dem Wunsch, die Spuren der Feiertage wieder loszuwerden.

Gerade hier setzt das Konzept des Zentrums an. Statt unkontrolliertem Training oder Aktionismus wird ein strukturierter, überwachter Einstieg angeboten. Zu Beginn steht eine ausführliche Anamnese mit verschiedenen Tests, die Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft erfassen. Auf dieser Basis wird ein individueller Trainingsplan erstellt. Nach vier bis sechs Wochen lassen sich die Werte erneut messen und vergleichen – ein objektiver Nachweis dafür, ob das Training wirkt. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle, so Dombo, zeigen sich klare Fortschritte.

Der erste Schritt sei dabei oft überraschend banal, aber psychologisch wichtig: der Entschluss, anzufangen. Neue Sportkleidung könne helfen, wichtiger seien jedoch bequeme Kleidungsstücke, in denen Bewegung überhaupt möglich ist. Der Vergleich mit dem Schuljahresbeginn liegt nahe – neue Materialien symbolisieren einen Neuanfang. Entscheidend ist jedoch nicht der Kauf, sondern die Umsetzung.

Spontane Besuche im Zentrum sind grundsätzlich möglich, etwa um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Für den eigentlichen Trainingsstart ist jedoch ein Termin notwendig. Die Eingangstests und Kraftmessungen benötigen Zeit und lassen sich nicht nebenbei durchführen. Eine telefonische Terminvereinbarung reicht aus, alternativ kann der Termin auch direkt vor Ort vereinbart werden.

Wer auf schnelle sichtbare Ergebnisse hofft, wird allerdings zur Geduld ermahnt. Messbare Veränderungen zeigen sich meist nach sechs bis acht Wochen. Besonders beim Thema Gewichtsreduktion sei Vorsicht geboten. Zu Beginn des Trainings verändert sich vor allem der Stoffwechsel: Fett wird abgebaut, Muskelmasse aufgebaut. Da Muskelgewebe schwerer ist als Fett, kann es vorkommen, dass sich auf der Waage zunächst wenig tut – obwohl sich der Körperumfang bereits reduziert hat. Hosen oder Blusen passen wieder besser, ohne dass das Gewicht deutlich sinkt. Die eigentliche Gewichtsabnahme folgt oft erst später.

Neben den allgemeinen Neujahrsvorsätzen wird es im Podcast auch persönlich. Norman Dombo formuliert seinen eigenen Vorsatz für das neue Jahr: weniger Stress, mehr Ruhe und eine bewusste Vorbereitung auf ein späteres, entspannteres Leben. Stress, so betont er, sei keineswegs zu unterschätzen – auch wenn es positiven und negativen Stress gebe. Ein zentrales Thema dabei ist die Organisation des Personals. Gelinge es, hier stabile Strukturen zu schaffen, könne er selbst einen Gang zurückschalten.

Dass ihm dieses Bedürfnis nach Entschleunigung nicht neu ist, räumt Dombo offen ein. Von außen sei ihm schon öfter gespiegelt worden, dass er zu viel arbeite. Sein eigener Anspruch sei jedoch stets „ganz oder gar nicht“ gewesen. Gerade deshalb sei es umso wichtiger, bewusst gegenzusteuern.

Auch Stressabbau lässt sich trainieren, betont Dombo. Bewegung wirkt dabei nicht nur körperlich, sondern auch mental. Das Angebot im Zentrum umfasst neben klassischem Gerätetraining auch Dehnübungen und spezielle Trainingsformen wie das Skillcord-Training, bei dem Bewegung und Konzentration kombiniert werden. Ziel ist es, Programme so zu gestalten, dass sie nicht nur Fitness, sondern auch Stressbewältigung unterstützen.

Seinen persönlichen Vorsatz konkretisiert Dombow am Ende des Gesprächs: Die Wochenenden sollen künftig häufiger arbeitsfrei bleiben – stattdessen möchte er Zeit in der Natur verbringen, etwa im Bayerischen Wald, und bewusst zur Ruhe kommen. Ob ihm das gelingt, soll in künftigen Podcastfolgen überprüft werden.

Zum Abschluss richtet sich der Blick wieder nach außen. Die Hörerinnen und Hörer sind eingeladen, ihre eigenen Vorsätze zu teilen oder sich zu melden, wenn sie diese im Zentrum für Gesundheit umsetzen möchten. Ich als Moderator gebe offen zu, dass ich selbst Neujahrsvorsätze inzwischen aufgegeben habe – zu oft seien sie schnell wieder verworfen worden. Umso mehr setzt der Podcast auf realistische Ziele, Begleitung und Nachhaltigkeit statt kurzfristiger Motivation.

Podcast: Entbürokratisierung muss spürbar werden – Kassenbon bei Bäckerei abschaffen

21. Januar 2026

In meinem Podcast „Aus der Backstube der Bäckerei-Konditorei Reicherzer“ spricht Martin Reicherzer, Bäckermeister aus Leidenschaft, ungewöhnlich offen über ein Thema, das viele Handwerksbetriebe seit Jahren beschäftigt: die Bonpflicht. Was politisch als Maßnahme gegen Steuerbetrug gedacht war, empfindet Reicherzer im betrieblichen Alltag vor allem als unnötige Belastung.

Die Einführung der Bonpflicht habe ihn überrascht, sagt Reicherzer – nicht wegen der Regelung an sich, sondern wegen ihres tatsächlichen Ausmaßes. Erst im laufenden Betrieb sei deutlich geworden, wie viel Papier täglich anfällt. Bei jedem Verkauf, selbst bei einer einzelnen Breze oder Semmel, wird automatisch ein Kassenbon ausgedruckt, den nach seiner Erfahrung kaum ein Kunde haben möchte. Die Bons müssten dennoch ausgegeben, gesammelt und am Ende des Tages entsorgt werden – ein Verwaltungsakt ohne erkennbaren Mehrwert. Hier der Podcast zum Anhören.

Besonders kritisch sieht Reicherzer die Umwelt- und Kostenfrage. Das verwendete Thermopapier ist nicht recyclingfähig und muss im Restmüll entsorgt werden. Jede Rolle kostet Geld, verursacht laufende Ausgaben und produziert Abfall, der aus seiner Sicht vermeidbar wäre. Kunden, die tatsächlich einen Beleg benötigen – etwa Firmen oder größere Einkäufe – könnten diesen jederzeit bekommen, auch nachträglich. Für den täglichen Kleinstverkauf hält er die Pflicht jedoch für vollkommen unverhältnismäßig.

Einen echten Nutzen der Bonpflicht kann der Bäckermeister nicht erkennen. Moderne Kassensysteme verfügten bereits über mehrere Sicherungsmechanismen, jede Buchung sei digital nachvollziehbar. Der zusätzliche Papierbeleg ändere daran nichts. Stattdessen sieht Reicherzer darin ein weiteres Beispiel für ausufernde Bürokratie und wachsende Kontrollstrukturen, die Betriebe Zeit und Geld kosten, ohne einen spürbaren Beitrag zur Wertschöpfung zu leisten.

Die Bonpflicht ist für ihn dabei nur ein Symptom. Mindestens ebenso belastend empfindet er die umfangreichen statistischen Meldepflichten, etwa vierteljährliche Angaben zum Mehlverbrauch und zum damit erzielten Umsatz. Den Sinn dieser Erhebungen könne ihm niemand erklären, Ergebnisse seien für die Betriebe nicht einsehbar. Für Reicherzer erinnert dieses System eher an Planwirtschaft als an eine praxisnahe Wirtschaftspolitik.

Insgesamt summiert sich der bürokratische Aufwand in seinem Betrieb auf rund zehn Stunden pro Woche – Zeit, die weder dem Handwerk noch den Kunden zugutekommt. Es ist Zusatzarbeit, die er selbst leisten oder seinen Mitarbeitern bezahlen muss. Sein Appell an die Politik fällt daher deutlich aus: Weniger Schlagworte, mehr Taten. Entbürokratisierung müsse spürbar werden – gerade für das Handwerk, das ohnehin unter Fachkräftemangel, steigenden Kosten und wachsendem Druck steht.

Ich habe den Blogpost an die Bundesregierung in das Portal https://einfach-machen.gov.de gepostet.

Erinnern, um zu verstehen – warum Orte wie das Dokumentationszentrum Obersalzberg unverzichtbar sind

20. Januar 2026

Das Dokumentationszentrum Obersalzberg ist eine zentrale Einrichtung der politischen Bildung und Erinnerungskultur in Deutschland. Ich habe es besucht und kann den Besuch ausdrücklich empfehlen. Ich habe bereits mehrere Blogpost dazu verfasst, wie zum Kampfhäusl, zur geraubten Madonna und das Bunkersystem.

Das Dokumentationszentrum befindet sich an einem historisch hoch belasteten Ort: dem Obersalzberg bei Berchtesgaden, der in der Zeit des Nationalsozialismus zu einem wichtigen Machtzentrum des NS-Regimes ausgebaut wurde. Hier befanden sich unter anderem der Berghof Adolf Hitlers sowie weitere repräsentative und strategische Bauten der nationalsozialistischen Führung. Hier ein paar Eindrücke als Video.

Das Dokumentationszentrum wurde mit dem Ziel eingerichtet, diesen Ort nicht unkommentiert der Geschichte oder gar einer romantisierenden Betrachtung zu überlassen, sondern ihn kritisch einzuordnen und historisch aufzuarbeiten. Die Dauerausstellung informiert umfassend über die nationalsozialistische Diktatur, ihre Ideologie, ihre Machtstrukturen sowie über die Verbrechen des Regimes. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Rolle des Obersalzbergs als Rückzugs- und Inszenierungsort der NS-Führung und auf der bewussten Propagandawirkung, die von diesem Ort ausging.

Die sachliche, quellengestützte Darstellung richtet sich an ein breites Publikum und verbindet historische Dokumente, Fotografien, Texte und audiovisuelle Medien. Ziel ist es nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern auch zur kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte anzuregen. Dabei wird deutlich gemacht, wie eng persönliche Machtansprüche, ideologische Verblendung und staatlich organisierte Gewalt miteinander verknüpft waren.

Die Bedeutung des Dokumentationszentrums liegt vor allem darin, dass es hilft, historische Verantwortung wachzuhalten. Gerade an authentischen Orten wird erfahrbar, dass der Nationalsozialismus kein abstraktes Phänomen war, sondern konkrete Orte, Akteure und Entscheidungen hatte, deren Folgen millionenfaches Leid verursachten. Das Zentrum leistet damit einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Bildung, zur Prävention von Geschichtsverfälschung und zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Antisemitismus in der Gegenwart.

In einer Zeit, in der Zeitzeugen zunehmend fehlen und historische Zusammenhänge vereinfacht oder relativiert werden, kommt Einrichtungen wie dem Dokumentationszentrum Obersalzberg eine besondere Verantwortung zu. Sie bieten Orientierung, fördern kritisches Denken und erinnern daran, wie fragil demokratische Strukturen sein können. Damit ist das Dokumentationszentrum nicht nur ein Ort der Information, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der aktiven Erinnerungskultur und der politischen Bildung in Deutschland.
Gerne würde ich ein Seminar zur politischen Bildung dort machen.

Zwischen Fachkräftemangel und Integration: LIV-Podcast beleuchtet Migration im Friseurhandwerk

19. Januar 2026

Im Podcast des Landesinnungsverband Friseure & Kosmetiker Bayern sprach ich mit Christian Hertlein, Bildungsexperte des Landesinnungsverband Friseure und Kosmetiker, über ein Thema, das weit über das Friseurhandwerk hinausreicht: Migration und Zuwanderung. Der Podcast markiert zugleich den Auftakt einer neuen Podcast-Staffel für das Jahr 2026 – nach erfolgreichen ersten Folgen ein bewusst gesetztes Signal zur Fortsetzung des Formats.

Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Frage, welche Rolle Migration für das Friseurhandwerk heute spielt – und in Zukunft spielen muss. Hertlein macht deutlich: Zuwanderung ist kein neues Phänomen, sondern seit Jahrzehnten Teil der Branche. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren prägten Anwerbeabkommen und die sogenannte Gastarbeitergeneration den deutschen Arbeitsmarkt. Auch das Friseurhandwerk profitierte später von deren Kindern, die in Deutschland aufwuchsen, die Sprache beherrschten und sich selbstverständlich integrierten.

Die heutige Situation sei jedoch nur bedingt vergleichbar. Während frühere Zuwanderung gezielt arbeitsmarktpolitisch gesteuert war, kommen heute viele Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland. Diese brächten oft traumatische Erfahrungen mit und benötigten deutlich mehr Unterstützung. Gerade im Friseurhandwerk, das Hertlein treffend als „Mundwerk“ beschreibt, stellen Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede eine besondere Herausforderung dar – sowohl im Kundenkontakt als auch im Teamalltag.

Ein zentrales Problem sieht Hertlein in der mangelnden Bündelung von Unterstützungsangeboten. Zwar existierten Sprachkurse, sozialpädagogische Begleitung und Förderprogramme, doch vielen Betrieben fehle der Überblick. Eine klare zentrale Anlaufstelle, etwa über Handwerkskammern oder Berufsschulen, könnte hier Abhilfe schaffen. Gleichzeitig kritisiert er, dass vorhandene Angebote von Betrieben nicht immer ausreichend genutzt werden – oft aus Zeit- und Organisationsgründen.

Ein weiteres großes Thema des Podcasts ist die kontrovers geführte Debatte um Barbershops. Hertlein warnt eindringlich vor Pauschalurteilen. Nicht jeder Betrieb mit migrantischem Hintergrund sei automatisch illegal oder problematisch. Vielmehr müsse klar unterschieden werden zwischen regulär geführten Betrieben mit Meisterqualifikation und solchen, bei denen tatsächlich rechtliche Defizite bestehen. Populistische Verkürzungen schadeten nicht nur dem Handwerk, sondern der gesamten gesellschaftlichen Debatte.

Gleichzeitig plädiert Hertlein für mehr Geduld. Integration sei kein kurzfristiger Prozess, sondern brauche Zeit – oft eine ganze Generation. Positive Beispiele gebe es jedoch viele: junge Menschen mit Migrationshintergrund, die eine Ausbildung absolvieren, die Meisterprüfung ablegen und sich erfolgreich selbstständig machen. Solche Entwicklungen zeigten, dass das System grundsätzlich funktioniere, wenn Unterstützung, Eigeninitiative und klare Regeln zusammenkämen.

Zum Ende des Gesprächs richtet sich der Blick nach vorn. Migration biete nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen – etwa durch neue Dienstleistungen, zusätzliche Kompetenzen und eine stärkere Vielfalt im Handwerk. Entscheidend sei, differenziert zu diskutieren, Ruhe in die Debatte zu bringen und sich nicht von populistischen Stimmen treiben zu lassen.

Der Podcast macht deutlich: Das Friseurhandwerk steht exemplarisch für viele gesellschaftliche Fragen rund um Migration, Integration und Fachkräftesicherung. Lösungen sind komplex – einfache Antworten gibt es nicht. Genau darin liegt die Stärke des Gesprächs: Es setzt auf Einordnung, Erfahrung und Dialog statt auf Schlagworte.

Erstes Trek-Dinner in Fürstenfeldbruck und ich war dabei

18. Januar 2026

Star Trek fasziniert seit Jahrzehnten nicht nur durch ferne Galaxien, futuristische Technik oder ikonische Raumschiffe, sondern vor allem durch eine Idee, die heute vielleicht aktueller ist denn je: die Kraft von Gemeinschaft. Im Herzen von Star Trek steht immer das Miteinander. Es geht nicht um den einen Helden, sondern um eine Crew, die nur gemeinsam funktioniert – mit all ihren Unterschieden, Stärken, Schwächen und Zweifeln.

Auf der Brücke der Enterprise begegnen sich Menschen und Außerirdische, Rationalisten und Emotionale, Skeptiker und Idealisten. Sie streiten, sie irren, sie scheitern – und genau das macht sie glaubwürdig. Doch am Ende finden sie immer wieder zusammen. Entscheidungen werden diskutiert, Perspektiven abgewogen, Verantwortung geteilt. Star Trek erzählt von einer Zukunft, in der Vielfalt nicht trennt, sondern verbindet, in der gegenseitiger Respekt wichtiger ist als Macht, und in der Zuhören genauso zählt wie Handeln.

Diese Vorstellung von Gemeinschaft wirkt weit über den Bildschirm hinaus. Sie schafft Identifikation, Trost und Hoffnung. Für viele Fans ist Star Trek ein Ort, an dem man gelernt hat, dass Anderssein kein Makel ist, sondern eine Bereicherung. Dass Konflikte lösbar sind, wenn man bereit ist, den anderen ernst zu nehmen. Und dass eine bessere Zukunft nicht durch Perfektion entsteht, sondern durch Zusammenarbeit.

Dass sich diese Idee nun im echten Leben fortsetzt, zeigt das erste Zusammentreffen des Trek-Dinners in Fürstenfeldbruck. Im Gasthof auf der Lände trafen sich über 30 SF-Interessierte rund um Star Trek, Star Wars, Harry Potter und mehr zum Austausch. Menschen, die sich vielleicht vorher nie begegnet wären, sitzen an den rustikalen Tischen – verbunden durch ihre Begeisterung zu Star Trek und durch die Werte, die die Serie vermittelt. Wie eine kleine Crew entsteht Gemeinschaft nicht durch Uniformität, sondern durch geteilte Begeisterung, Gespräche, Lachen und gegenseitige Neugier. Für ein paar Stunden wird aus Fans eine Gemeinschaft, aus Fremden ein Miteinander. Ich war zusammen mit Markus Schmölz, Geschäftsführer des Scala Kinos Fürstenfeldbruck, vor Ort und diskutierten über die Serien unserer Jugend. Wir folgten einer Einladung von Tom und Chris, den Organisatoren des Trek-Dinners.

Genau darin liegt das Faszinierende an Star Trek: Es bleibt nicht Fiktion. Es inspiriert dazu, im Hier und Jetzt Brücken zu bauen, offen zu sein, Unterschiede auszuhalten und Gemeinsamkeiten zu feiern. Star Trek zeigt, wie die Zukunft aussehen könnte – und erinnert uns gleichzeitig daran, dass Gemeinschaft immer dort beginnt, wo Menschen sich an einen Tisch setzen und einander mit Respekt begegnen.

Ich gehe auf das nächste Treffen im Februar und wer auch mit dabei sein möchte, der folge der Facebook-Gruppe. Mir hat es Spaß gemacht und vielleicht entsteht im Landkreis Fürstenfeldbruck eine Community.

Ach ja: Damit die Frage geklärt ist, unter welchem Captain ich dienen würde, lautet meine Antwort Jean-Luc Picard und Kathryn Janeway.