Archive for the ‘Medien’ Category

Buchkritik: Andrej Tarkovskij: Schriften, Filme, Stills

18. Januar 2013
Chance vertan - das Buch über Tarkovskij ist eine Frechheit.

Chance vertan – das Buch über Tarkovskij ist eine Frechheit.

Es gibt ein paar Regisseure, die ich wirklich verehre. Dazu gehört mit Abstand Stanley Kubrick, dicht gefolgt von Alfred Hitchcock und der dem Massenpublikum meist verborgene Russe Andrej Tarkovski. Seine Filme wie Stalker, der Spiegel, Solaris oder das Opfer (um nur einige zu nennen) gehören zu den schönsten und eindringlichsten Werken, die je auf Film gebannt wurden. Dazu kommt eine poetische und persönliche Auseinandersetzung mit Kunst. Dieser großartige Künstler verstarb mit 54 Jahren in Paris. Einen guten Überblick auf DVD liefert diese DVD Collection.

Ich kann mich nicht sehr gut, an seinen letzten Film 1985 das Opfer erinnern. In einem vollbesetzten Studentenkino in München sah ich das Meisterwerk. Vor mir saß ein Paar: Sie eine intellektuelle Studentin, die sich für den Film interessierte. Er war mehr an ihr interessiert und ging ihr zuliebe wohl in den Film mit – ohne zu wissen, auf was er sich da einließ. Als seine Hand immer wieder zu seiner Freundin wanderte und sie seine Hand mit den Worten „Ich will den Film sehen!“ wegstieß. Das ging einige Zeit so und irgendwann platze ihm der Kragen. Sie gerieten in Streit. Er: „Du immer mit diesen komischen Filmen“. Sie: „Ich will nicht immer das Actionzeug von dir sehen!“ Schreierei im Kino und dann Trennung unter Applaus des gesamten Kinopublikums. Endlich konnten wir das Opfer wieder in Ruhe genießen.

Inzwischen hab ich viel Material über Tarkovski gelesen und gesehen. Immer wieder tauchen Bücher zu diesem visionären Genie auf. So auch das Buch Andrej Tarkovskij: Schriften, Filme, Stills beim renommierten Schirmer/Mosel-Verlag. Ich freute mich wirklich darauf und war sauer, als ich das Buch in den Händen hielt. Auf 319 Seiten werden zwar sehr interessante Familienfotos und Texte angeboten, aber die abgebildeten Filmbilder sind eine Frechheit. Das Buch ist mit 68 Euro nicht gerade ein Billigprodukt und wird sowieso nur von Tarkovski-Sammlern gekauft. Die kann ich über die Bildqualität nur warnen. Es sind kaum bessere Screenshots von DVD und das seitenweise. Unscharf, Farbverschiebungen – lächerlich. Bei der Produktion wurde nicht das 35 Millimeter Material verwendet. Die Auflösung der DVD-Prints reicht nicht für den hochwertigen Druck, den ich bei Schirmer/Mosel gewohnt bin und leider macht der Bildteil einen Großteil des Buches aus. Das ist schlampig und einem Andrej Tarkovski nicht würdig.

Szene aus Stalker - wunderbares Set, wunderbarer Film.

Szene aus Stalker – wunderbares Set, wunderbarer Film.

Buchhandel – das Sterben geht weiter

17. Januar 2013
Steve Jobs Biografie als gedrucktes Buch.

Steve Jobs Biografie als gedrucktes Buch.

Auf einem meiner jüngsten Seminare erneuerte ich meine These, dass der Buchhandel in der jetzigen Form sterben wird. Der Börsenverband des Deutschen Buchhandels setzt mit der Aktion Buy Local dagegen, um zu retten, was noch zu retten ist. Vor kurzem hatte ich dazu eine Diskussion mit einem engagierten Buchhändler auf Facebook, der sich massiv gegen den Kauf bei Amazon und Co wehrt – verständlich.

Aber jetzt gibt es neue Zahlen vom kränkelnden Buchmarkt. Freunde, es sieht nicht gut aus. Der Gesamtumsatz 2012 von Büchern sinkt in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 1 %. Trotz der Aktion Buy Local sind die Verlierer die Buchläden. Im Ladengeschäft ging der Umsatz sogar um 3,7 Prozent zurück. Die Zahlen stammen vom Börsenverein des deutschen Buchhandels selbst.

Zu den Verlieren gehört das Fachbuch. Hier hatten Verlage einen Rückgang von 3 Prozent zu verzeichnen. Und nur wegen des Mami-Pornos (wie es die Twitterkollegin @langnauerin) das Buch Shades of Grey bezeichnete, ist die Belletristik leicht um 0,8 Prozent gewachsen. Der Strukturwandel geht weiter. Übrigens: Im Januar 2013 sind drei große Ketten vom Struktur- und Medienwandel erwischt worden – nicht bei uns, sondern im englischsprachigen Ausland: Nach Virgin Megastores und HMV stirbt nun Blockbuster UK.

Witziger ecco bubble-Werbespot mit Bär

16. Januar 2013
Ein Bär stört die Dreharbeiten zum Werbespot.

Ein Bär stört die Dreharbeiten zum Werbespot.

Samsung macht sein Geld nicht nur mit dem Galaxy und anderen Android-Phones, sondern auch mit Weißware, spricht Kühlschränke oder Waschmaschinen. Aus dem Bereich Waschmaschinen kommt ein netter Spot, der in die Winterzeit passt. Zunächst angelegt als Dokumentation zeigt er ein Kamerateam, das von einem Bären überrascht wird. Die Filmcrew, die einen Waschmaschinenspot zur ecco bubble drehen sollte, zieht sich vorsichtig zurück und überlässt den Bären das Feld. Der Bär entdeckt die Maschine und … Schaut euch den Spot an, er ist wirklich lustig und er wird sich sicherlich viral verbreiten.  Die Vfx sind schön gemacht.

Vierschanzentournee: Drahtlos vom Schanzentisch

12. Januar 2013
Vierschanzentournee 2013

Vierschanzentournee 2013

Als Sportfan im Fernsehen würde ich mich nicht gerade bezeichnen. Ich finde es einfach langweilig. Dennoch habe ich neulich in die Vierschanzentournee gezappt. Ich war fasziniert, nicht von der sportlichen Leistung, sondern von der technischen Leistung. Die Übertragung des Sportereignisses war rundweg perfekt und das in HD.

Während der diesjährigen Vierschanzentournee übertrug HDwireless die Signale von sechs Sony HDC-Kameras vom Boden und aus der Luft drahtlos in den Ü-Wagen von Host-Broadcaster TopVision.

HDwireless, die sowohl für die technische Planung als auch die Umsetzung des Wireless-Parts der Live-Produktion des Skispringens zuständig waren, nutzen für die mobilen Kameraeinheiten eine Sony HDC-1500, eine HDC-P1 und vier HDC-2400. Während die HDC-1500 an einem Helikopter für die Aufnahme der Stadiontotale befestigt war, lieferten die weiteren Kameras Bilder direkt vom Schanzentisch, dem Servicebereich, Springerlager, Exit-Gate und auf Wunsch der Regie auch verschiedene Motive aus dem Event-Areal.

Zur drahtlosen Übertragung errichtete HDwireless ein zellulares Asi-Netzwerk mit zentralen Empfängerpunkten, von denen aus das Signal per Glasfaserkabel in die Regie von Topvision gelangte. Durch eigens von der Bundesnetzagentur zugeteilte Funk-Frequenzen war das Setup vor Störungen geschützt.

Technisches Novum der Drahtlos-Übertragung waren die vier Sony HDC-2400, die HDwireless mittels Vislink-RF-Modul zu „SonyHDwirelessCams“ umrüstete. Auf der NAB 2012 noch als Prototyp vorgestellt, entwickelte HDwireless gemeinsam mit Sony und weiteren Partnern eine leistungsfähige Übertragungstechnik mit Telemetriesteuerung, die dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Der Clou: Die Sony HDC-2400 kann mittels eines abnehmbaren Seitenteils innerhalb weniger Minuten von einer Glasfaserkamera auf eine integrierte Wireless-Kamera umgerüstet werden. Das macht die Kamera in der Verwendung sehr flexibel. Das seitliche Andocken des RF-Moduls bringt eine Gewichtsersparnis von rund einem Kilo im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen. Durch die kompakte Bauform ist die WiCam als Hand- und Steadicam einsetzbar. Mit einer Datenrate von bis zu 40 MBit erzielt die Lösung eine Latenz von maximal 60ms und bietet volle RCP Kontrolle sowie Ethernet-Integration.

„Ohne das Wireless-System wären viele Aufnahmen nicht oder nur mit sehr großem Aufwand möglich gewesen“, berichtet Patrick Nußbaum, Geschäftsführer von HDwireless. „Ohne Kabel arbeiten zu können, eröffnet Kameramännern und Regisseuren bei der Live-Produktion viele neue kreative Möglichkeiten.“

Live in HD bei der Vierschanzentournee 2013

Live in HD bei der Vierschanzentournee 2013

LaCie Blade Runner – Festplatte als Kunstwerk

10. Januar 2013

lacie

Ist eine Festplatte ein Kunstobjekt oder nicht? Natürlich, das Wichtigste einer Festplatte sind die inneren Werte wie Haltbarkeit, Kapazität, Geschwindigkeit oder Anschlüsse. Das Aussehen steht bei einer Festplatte nicht so im Vordergrund. Zudem werden bei mir Festplatten alle zwei Jahre spätestens ausgetauscht und durch neue ersetzt.

Aber jetzt kaufe ich mir vielleicht eine Festplatte auch wegen des Aussehens. LaCie und der Designer Philippe Starck haben die Blade Runner angekündigt. Blade Runner war schließlich der wichtigste Science Fiction-Film der achtziger Jahre. Starck, der vor kurzem die Jacht des verstorbenen Steve Jobs entwarf und baute, hat jetzt eine interessant aussehende Festplatte vorgestellt. Sie vereint ein anthropomorph anmutendes Inneres aus Metall mit einem kantigen, käfigähnlichen Gehäuse. Das Modell soll die Frage aufwerfen, wie viel Kontrolle wir wirklich über die Technik haben.

Von der Festplatte LaCie Blade Runner wurde eine limitierte Auflage von 9.999 Stück für Designliebhaber hergestellt. Vom komplexen Designkonzept bis hin zum Herstellungsprozess in der Praxis – Starcks Einfluss ist unübersehbar. Jede Einheit ist zur Gewährleistung von formidabler Form und Funktion eine Spezialanfertigung. Sie setzt in jedem Heimbüro, Studio oder Medienraum ein Statement und wird mit dem Rechner über UBS 3.0 verbunden.

Der Künstler sagt selbst über seine Festplatte (und nochmal: Wir reden von einer Festplatte): „Bei meinen Designs hat alles seinen Sinn und Zweck – Stil, Symbolik oder Funktionalität. In der Blade Runner ist die Wärme abgebende Elektronik in einem mystifizierenden Gehäuse eingebettet, und die Lamellen sorgen für effiziente Kühlung. Die Aufhängung bietet Raum für die Luftzirkulation um die Festplatte, und das Material – Metall – erhöht die Wärmeleitung.”

Die durch stabiles Aluminium geschützte LaCie Blade Runner ist die widerstandsfähigste und eleganteste auf dem Markt erhältliche Festplatte für Verbraucher. Das robuste Äußere schützt die Festplatte vor dem Überhitzen und sorgt so für höchste Zuverlässigkeit, sodass sie auch für die Speicherung extrem wichtiger Dateien eingesetzt werden kann. Die LaCie Blade Runner hat einen LED-Netzschalter in Form von Starcks Signatur, der bei Aktivität der Festplatte leuchtet.

Die LaCie Blade Runner wird mit 10 GB kostenlosem sicheren Wuala Cloud-Speicher und benutzerfreundlicher Backup-Software geliefert. Die Blade Runner mit 4 TB Kapazität kostet 244,99 Euro.

 

Buchtipp: Extrablatt von Michael Graeter

3. Januar 2013

Extrablatt

Klatsch gehört zu den Medien einfach dazu. Jeder Zeitungsmacher weiß um die richtige Mischung aus Klatsch, Sex, Gesundheit und Geld. Wer das richtige Verhältnis kennt, der hatte zumindest früher eine Goldgrube. Und der Klatschreporter schlechthin war für mich immer Michael Graeter.

Sein Buch und Autobiografie Extrablatt ist für mich ein Lehrbuch für angehende Klatschkolumnisten oder Dekolleté-Detektive wie sich Graeter selbst bezeichnet. Das Lesen des unterhaltsamen Buches war für mich wie eine Reise in die Vergangenheit. Graeter berichtet von seinen Anfängen als Volontär bei der Mindelheimer Zeitung. Richtig, im Lokaljournalismus lernte man das Schreiben, das Produzieren und Recherchieren. Immer wieder erinnerte mich die Ausführungen von Graeter an meine eigene Zeit bei der Lokalzeitung. Es war eine harte Schule, aber es hat unglaublich Spaß gemacht. Und das scheint es Graeter auch gemacht zu haben. Er wechselte dann zum Boulevard und durfte nach dem Verleger Curt Frenzl nun mit Werner Friedmann und Schreiberlegende Sigi Sommer zusammenarbeiten. Es war eine schöne Zeit, das liest man aus jeder Zeile heraus.

Die Münchner Zeit war auch die Vorlage für die Helmut Dietl-Serie Kir Royal, die ich damals im TV und später auf DVD verschlungen haben. In seinem Buch Extrablatt  berichtete Graeter viele schlüpfrige Details aus der Welt der Reichen und Schönen und begeht immer wieder Streifzüge in die Politik (soweit sie das Thema Klatsch betrifft). Vielleicht liegt darin auch ein Fehler des Buches: Es sind zu viele Namen, es ist eine Marathon der damaligen Größen. Auch wenn der eine oder andere in der Versenkung verschwunden ist, der Graeter-Stil ist gut zu lesen.

Graeter berichtet stolz in seinem Buch, dass er bei seinen Verträgen darauf achtete, dass ein Graeter nicht redigiert wird. Ja, aus seiner Sicht verstehe ich das. Dennoch kann ich aus meiner Erfahrung als Textchef für zahlreiche Publikationen sagen: Besser wäre es gewesen, wenn das Buch besser lektoriert gewesen wäre. Es schleichen sich einfach Fehler ein, die nicht sein müssten. Beispiel gefällig? So behauptet Graeter, dass der legendäre Steve McQueen zu Beginn seiner Karriere mit dem Film „Gesprengte Ketten“ in der Münchner Bavaria mit dem Regisseur Stanley Kubrick gearbeitet habe. Das ist definitiv falsch. Regisseur von „Gesprengte Ketten“ war John Sturges und nicht Kubrick. Der McQueen-Film wurde 1963 in Bayern gedreht. Kubrick drehte 1957 zum letzten Mal in München seinen Wege zum Ruhm. Solche Fehler müssen nicht sein. Wenn man aber solche Sachen bemerkt, wirft das kein gutes Licht auf das Buch. Könnte es vielleicht sein, dass die eine oder andere Geschichte auch nicht stimmt?

Viel erfahren wir von seiner Cafe-Kette „Extrablatt“. In der Leopoldstraße saß ich auch als Student und war von der Atmosphäre des französischen Cafes begeistert. Endlich erfahre ich die Hintergründe, wie es zu dem Cafe kam und warum die heutige Gattin von Christian Ude, die SPD-Stadträtin Edith von Welser, nie eine Freundin von Graeter wurde. Von seinen Knast-Erfahrungen und Problemen mit der bayerischen Justiz handelt das Buch ebenso.

Aber das Wichtigste sind für einen Journalisten doch die sieben W-Fragen: Wer, was, wann, wo, wie, wie und warum gemacht und welche Quelle haben wir. Die Quelle war immer Michael Graeter selbst, der sich in der Society wunderbar bewegt, die Durchwahlnummern seiner Kontakte hat. Herrlich, wie er das Verhältnis von Caroline mit Ernst August von Hannover aufdeckt. Und auch interessant zu lesen, wie Graeter so manchen Promi auf die Füße tritt und Verhältnisse aufdeckt, sei es Edmund Stoiber, Franz Beckenbauer usw. Endlich weiß ich die Graeter-Variante, warum der Stoiber nicht nach Berlin wollte/durfte.

Graeter ist auch ein Medienmensch. Er kopierte die Idee einer täglichen TV-Seite. Aber noch besser: Seine Idee, das Format Seitenblicke vom ORF in abgewandelter Form in die ARD vor der Tagesschau zu bringen, wäre revolutionierend gewesen. Stattdessen wählte die ARD einen Quatsch wie die Börse im Ersten. Dabei habe ich die Seitenblicke oder der bayerische Ableger Leo‘s Magazin mit Leo Lukoschik geliebt. Die Saat wurde damals von Graeter gelegt, die Ernte fahren aber andere ein. Heute haben wir Boulevard-Magazine wie Brisant, Leute heute oder private Ableger Exklusiv. Ich denke, ein Graeter hätte mehr daraus gemacht.

Und heute? Graeter ist noch immer im Geschäft. Allerdings haben sich die Zeiten für Journalisten geändert. Promis twittern selbst, Whistleblower verraten Geheimnisse. Eher halbherzig betreut Michael Greater einen WordPress-Blog. Es wäre viel Potenzial mit Klatsch auch im Web 2.0. Aber Graeter tut sich wohl mit Technik schwer, wie sich am fälschlichen Ausdruck Fotoshop in seinem Buch zeigt. Ein Extrablatt  im Web wäre ein interessanter Format, vielleicht wäre Michael Graeter der richtige Mann dafür.

Welche Herr der Ringe-Übersetzung ist die beste?

2. Januar 2013
Zahlreiche Ausgaben von Herr der Ringe gibt es auf dem Markt.
Zahlreiche Ausgaben von Herr der Ringe gibt es auf dem Markt.

Die Herr der Ringe-Trilogie als Filme und jetzt die Hobbitverfilmung bringt hat bei vielen Bekannten das Interesse an den Büchern von J.R.R. Tolkien geweckt. Immer wieder kommt die Frage: Welche Ausgabe der Bücher soll ich mir denn kaufen? Welche Übersetzung ist die beste?

Und mit dieser Frage treffen sich einen wunden Punkt in der ganzen Diskussion unter den Mittelerde-Fans, denn es gab im Laufe der Zeit mehrere Ausgaben der beliebten Bücher. Natürlich ist das englische Original am besten: Hier kommt die Sprache von Tolkien natürlich hervorragend zur Geltung. Wer aber des Englischen mächtig ist, sich aber dennoch bei rund 1000 Seiten Herr der Ringe dann doch nicht so sicher ist, der greift auf eine der zahlreichen deutschen Übersetzungen zurück. Und hier der klare Tipp: Schaut euch den Übersetzer an und wann das Buch erschienen ist. 

Ich selbst bin mit der Herr der Ringe-Übersetzung von Margaret Carroux eingestiegen. die das Buch 1970 vom Englischen übertrug. Für mich die beste Übersetzung, die auch zeitweise von Tolkien selbst verfolgt wurde. Es gelang ihr, die Sprache Tolkiens ins Deutsche zu übertragen. Für junge Mittelerde-Fans mögen die Worte und Formulierungen etwas anstrengend sein, dennoch Freude: Da muss man durch.

Beim Herr der Ringe-Kauf bitte genau auf die Übersetzung achten.
Beim Herr der Ringe-Kauf bitte genau auf die Übersetzung achten.

Dann veröffentlichte der deutsche Verlag von der Herr der Ringe, Hobbit-Presse/Klett-Cotta 2000 die Übersetzung von Wolfgang Krege. Krege war deutscher Tolkien-Experte und übersetzte in meiner Jugend das Silmarillion. Allerdings waren viele Fans sauer über seine Herr der Ringe-Übersetzung. Die Sprache wurde an die moderne Zeit angepasst und es fanden sich – meiner Meinung nach – zu viele flapsige Übersetzungen darin. So wurde Master Frodo (Englisch) mit Chef übersetzt. Nein, das geht nicht. Ich liebe meiner Übersetzung von Margaret Carroux treu, auch wenn sie noch in alter Rechtschreibung vorlag.

Der Streit innerhalb der Tolkiengemeinde zwischen Traditionalisten und Anhängern der Moderne wurde heftiger. Und so entschloss sich Klett-Cotta die Kuh zu melken. Im Jahre 2012 wurden sowohl die Carroux- als auch die Krege-Übersetzung überarbeitet und neu veröffentlicht. Und siehe da: Beide Übersetzungen sind prima. Die Carroux wurde an die neue Rechtschreibung angepasst und beim Krege wurden die Sünden der ersten Übersetzung herausgestrichen. Hier gibt es ein paar Versionen bei Amazon.

Tipp: Unbedingt auf die Ausgaben des Jahres 2012 achten. Wer eine etwas gedrechselte Sprache mag, der greift auch künftig zur Version von Carroux. Wer es etwas moderner haben möchte, der nimmt sich die Krege-Ausgabe.

UPDATE 28. Dezember 2021

Vor nunmehr 8 Jahren verfasste ich einen Blogpost, über die beste Herr der Ringe-Übersetzung. Nun sind doch ein paar Tage ins Land gegangen und Hobbit-Presse legte die Tolkien-Bücher in verschiedenen Versionen neu auf. Und daher ist es Zeit für die im Moment beste Herr der Ringe Ausgabe in Deutsch. Der Herr der Ringe: mit Illustrationen des Autors

Sie kam bei Klett Cotta im Oktober 2021 auf den Markt und ist für mich als Tolkien-Fan die mit Abstand beste Ausgabe unseren Lieblingsbuches: Es ist eine luxuriöse Gesamtausgabe in einem Band in der Übersetzung von Margaret Carroux in neuer Rechtschreibung und mit den gesamten Illustrationen von J.R.R. Tolkien. Dabei handelt es sich um: Einbändige Ausgabe im Schuber, vierfarbig gedruckt, mit 32 Illustrationen gebunden mit gestanztem Schutzumschlag und zweifarbiger Prägung, zwei Lesebändchen, Rundumfarbschnitt, Fadenheftung, überzogener Schuber mit Prägung, Karte, Anhänge und Register. Mein Video zeigt die Version. Die Illustrationen waren bisher nur in einem eigenen Band veröffentlicht – jetzt ist alles zusammen.

Als Fan will ich aber natürlich auch einen Wunsch äußern. Diese Ausgabe Der Herr der Ringe: mit Illustrationen des Autors ist nahezu perfekt, aber sie besitzt als einbändige Ausgabe ein hohes Gewicht. Das Lesen im Bett ist mühsam. Mir wäre die bisherige dreibändige Ausgabe, die im August 2019 erschien, lieber mit den Ergänzungen des Jahres 2021. Aber es soll bitte nicht weitere acht Jahre dauern, bis mir dieser Wunsch erfüllt wird.

Buchtipp: Game of Thrones von Bryan Cogman und George R.R. Martin

31. Dezember 2012

game

Über die Romane von George R.R. Martin braucht man nicht mehr viel verlieren. Richtig populär wurden sie aber erst durch die HBO-Verfilmung. Fans wollen mehr wissen, über die Charaktere, die Produktion und das ganze Drumherum. Das ist dann die Chance für Fan-Bücher. Ein schönes Produkt aus der Hinter den Kulissen-Bücher ist das Buch Inside HBO’s Game of Thrones von Bryan Cogman. Es beinhaltet Informationen zur ersten Staffel.

Als erstes beeindruckt die schöne Aufmachung. Durch den Volumeneinband wirkt es wie ein Buch aus alten Zeiten. Auch das Layout des Buches kann sich sehen lassen: Schöne Szenenbilder, ein paar Produktionsfotos, leider keinerlei CGI-Aufnahmen schön layoutet mit Texten. Die Typografie macht Spaß. Obwohl in der Verfilmung der Serie viel nackte Haut zu sehen ist, gibt es davon nichts zu sehen im Buch. Das war HBO als prüder US-Herausgeber wohl dann doch zu heiß. Die Serie wird perfekt kommerziell ausgeschlachtet: Tassen, Kalender, Spiele, Bücher und Fan-Artikel. Viel neues Material ist in dem Buch allerdings für den wahren Fan nicht zu finden. Wer die YouTube-Vidoes über die Produktion verfolgt hat, bekommt kaum etwas neues, aber kann sich die Informationen zumindest ins Regal stellen.

Mir persönlich kamen zu wenig die Techniker der Produktion zu Wort. Ab und zu darf der Produktionsdesigner was erzählen oder ein Locationscout, ich hätte gerne mehr von den CGI-Artists gehabt. Aber ob eine Szene mit Maya oder Max gemacht wurde, ist sicherlich nicht massentauglich, da ist leichte Kost für das Massenpublikum angesagt. Und das obwohl es für Gemma Jackson den Art Direction Emmy für Game of Thrones gab. Ein paar Ausführungen über Kostüme sind enthalten, aber für meinen Geschmack zu wenig.

Aber das Buch unterhält: Der Leser erfährt über die Stammbäume, wie sich der eine oder andere Schauspieler die Rolle vorgestellt hat. Interessant ist auch, wie die Schauspieler untereinander agieren oder ihre Rollen bis ins reale Leben hineinwirken.

Mir persönlich gefällt die englische Version besser als die deutsche. Layout und Produktion sind gleich, aber ich finde die deutsche Übersetzung Game of Thrones: Hinter den Kulissen im Panini-Verlag etwas hölzern. Daher fiel meine Wahl auf die UK-Ausgabe Inside HBO’s Game of Thrones. Sie ist auch billiger.

Marketing: QR-Code im Weihnachtsgewinnspiel

20. Dezember 2012

Vor dem Spielwaren Reindl in Fürstenfeldbruck bildete sich vor kurzem eine Traube von Kindern, die aufgeregt auf ihren Handys herumtippten. Beim näheren Hinschauen standen sie alle am Schaufenster und diskutierten über einen ausgehängten QR-Code. Von 6. bis 24. Dezember hatte sich der Fürstenfeldbrucker Einzelhandel entschlossen, auf mobile Kommunikation zu setzen und das örtliche Spielwarengeschäft machte mit. Wer einen QR-Reader besitzt (und das hatten die meisten Kinder vor dem Schaufenster) konnte den Code einscannen. Programmiert wurde es von einer flotten IT-Bude QR–Promotions in Fürstenfeldbruck, die sich u.a. auf QR-Codes spezialisiert haben.

QR-Code scannen und gewinnen - nette Idee des Fürstenfeldbrucker Einzelhandels.

QR-Code scannen und gewinnen – nette Idee des Fürstenfeldbrucker Einzelhandels.

Wer Glück hatte, bekam einen Einkaufsgutschein, den er im Laden einlösen konnte. Leider hatten die Kinder und auch ich kein Glück. Der Zufallsgenerator wählte uns nicht aus und so bekamen wir keinen Gutschein.

Leider Pech gehabt.

Leider Pech gehabt.

Schlitzohren wie es Kinder nun mal sind, wollten es gleich noch einmal probieren, doch Fehlanzeige. Erst nach 1,5 Stunden ist es wieder möglich, an diesem Weihnachtsgewinnspiel teilzunehmen. Über einen zeitlichen Cokie wurde es wohl gelöst. Wer es dennoch probiere, bekam einen entsprechenden Hinweis. Nun gut, bin ich also zum Einkaufen gegangen und meine 1,5 Stunden herumgebracht, Leider war die Glücksfee mir dann immer noch nicht hold und ich scannte wieder eine Niete. Enttäuscht zog ich ab, dennoch war die Aktion ein schönes Beispiel für den sinnvollen Einsatz von QR-Codes im Marketing. Übrigens, das Löschen der Cokies hatte auch nichts gebracht, ich hatte wohl einfach kein Glück.

Erst nach 1,5 Stunden kann ich wieder mitspielen.

Erst nach 1,5 Stunden kann ich wieder mitspielen.

Buchtipp: Der Herr der Ringe – die zwei Türme von Gary Russell – die Erschaffung eines Filmkunstwerks

17. Dezember 2012

kunstwerk

Der Hobbit muss sich noch setzen, zu stark sind die Eindrücke, die der neue Peter Jackson zurücklässt. Daher widme ich mich der Erschaffung eines anderen Filmkunstwerkes: Ich schaue mal auf das Artwork des zweiten Herr der Ringe-Teils: Die zwei Türme. Der mittlere Teil einer Trilogie hat es immer schwer. Die Faszination des ersten Teils besteht darin, die Figuren einzuführen und die Charaktere zu entwickeln. Der letzte Teil der Trilogie ist immer die große Schlacht, die große Auflösung, das Ramba Zamda. Teil 2 tut sich immer schwer, denn eigentlich werden die Figuren des ersten Teils aufgenommen und sie steuern auf den Höhepunkt von Teil 3 entgegen. So ist der zweite Teil einer Trilogie nur eine Art Durchlauferhitzer.

Tolkien schafft es in seinen Büchern eine neue Welt vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen. Diese Aufgabe widmete sich auch Peter Jackson in seiner Version der zwei Türme. Gary Russell lässt uns in seinem Buch Der Herr der Ringe. Die zwei Türme. Die Erschaffung eines Filmkunstwerks einen Blick hinter die Kulissen werden. Rund 500 Entwurfsskizzen und Bilder aus dem Film zeigen, mit welcher Akribie Weta vorgegangen ist, um die Welt von Tolkien auf die Leinwand zu bannen. 2002 ist das Buch erschienen und hat bis heute nichts von der Faszination verloren. Vielleicht wurden die CGI-Tricks in Hobbit besser, aber die Vorbereitung für die Erschaffung der Tolkienschen Welt war damals wie heute wunderbar detailreich. Um vieles haben sich die Kreativen in Neuseeland Gedanken gemacht: Sets, Kostüme, Bewaffnung, Monster. Sehr interessant die künstlerische Auseinandersetzung am Beispiel des Balrog. Von der ersten Bleistiftzeichnung bis hin zu Farbskizzen zeigt das Buch wunderbar das Ringen um die Figur.

Die zwei Türme lebt vor allem von den Sets. Und diese beherrschen das Buch auch. Aber es sind zumeist dunkle Orte. Spielte Teil 1 noch im grünen Auenland, wechselt im zweiten Teil die Beleuchtung. Erinnert sei an Emyn Mull, die Totensümpfe, das schwarze Tor, Ithilien oder Fangorn mit den Ents als seinen Bewohnern. Gerade bei den Ents habe ich Angst gehabt, dass die erhabenen Baumwesen nicht irgendwie lächerlich erscheinen. Sie sind in meiner Fantasie mächtig, weise und auch ein bisschen schrullig. Die Peter Jackson-Version ist überzeugend geworden – Gottlob. Erhaben auch die Festung Helms Klamm mit ihren mutigen Verteidigern.

Mir hat es Spaß gemacht hinter die Kulissen der zwei Türme zu schauen. Gary Russell hat in seinem Buch Der Herr der Ringe. Die zwei Türme. Die Erschaffung eines Filmkunstwerks ganze Arbeit geleistet.