Archive for the ‘Medien’ Category

Neue 3D-Jobs im DOSCH Career Guide

16. Dezember 2010

Im Rahmen der animago CONFERENCE gab DOSCH Design eine Weltpremiere bekannt: Der DOSCH Career Guide (DCG) ist ein Webportal, das speziell für Kreativ-Berufe geschaffen wurde. Zielgruppe sind Schüler und Studenten, die auf der Suche nach einer geeigneten Ausbildung oder Praktikum sind, ebenso wie Berufstätige, die sich verändern oder weiterbilden möchten und nach konkreten Job-Angeboten suchen.

Kaum ein Berufszweig ist so schnelllebig, komplex, aber auch unübersichtlich wie die Kreativ-Branche. Hier finden sich klassische Berufsbilder wie Designer, Architekten oder Fotografen, aber aufgrund der rasanten technischen Entwicklung und den damit verbundenen Anforderungen auch viele Autodidakten und neu geschaffene Jobbezeichnungen, für die es noch gar keine fundierte Ausbildung gibt.

„Bei der täglichen Arbeit auf der Suche nach neuen Kunden und Interessenten aus dem CG Bereich sind wir auf unzählige Foren im In- und Ausland gestoßen“, sagt Gisela Reger, Marketing Leiterin von DOSCH DESIGN. Was jedoch fehlt, ist ein netzumspannendes Medium, das die unterschiedlichen Bereiche vereint und vor allem aktuell ist. Ein Sprachrohr für Schüler und Studenten, ebenso wie für Bildungseinrichtungen oder Arbeitgeber.

Die Idee dazu hatte Sebastian Dosch schon länger im Kopf – ein Bindeglied zu schaffen, das sich rein auf die Vernetzung von (Aus-)Bildung und Beruf konzentriert. Als Geschäftsführer von DOSCH DESIGN kennt er die Branche. Sein Unternehmen, das er 1995 gründete, entwickelt Computergrafik Produkte für den professionellen Einsatz in den Bereichen 3D-Design, Visualisierung, Animation und Desktop Publishing und ist weltweit tätig. Während seiner Laufbahn hat er zahlreiche Kontakte zur Industrie, Bildungseinrichtungen, Agenturen oder Filmstudios geknüpft, die ihm nun hilfreich sind, die Idee zu verwirklichen.

„Grundbedingung ist, dass es ein neutrales Netzwerk ist, in dem keine Werbebanner und Promotions das Bild bestimmen und dass der Enduser kostenlos darauf zugreifen kann. Nur so können wir glaubwürdig sein“ so der Initiator. „Ganz uneigennützig ist das Projekt für uns natürlich nicht – denn wir wissen aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, geschulte Fachkräfte zu finden und erhoffen uns von dem Projekt einen gut ausgebildeten Nachwuchs. Wir werden aber auf keinen Fall unsere Produkte dort vermarkten oder Kunden anwerben. Und eine gehörige Portion Idealismus steckt natürlich auch darin, denn der Nachwuchs liegt uns am Herzen.“

Herzstück des DOSCH Career Guide (DCG) ist eine umfangreiche Datenbank mit Kontakt-Daten der wichtigsten Universitäten, Schulen und Weiterbildungseinrichtungen – und das weltweit. Die Nutzer können sich detailliert über die Angebote informieren, inklusive Details zu Degrees und Kursen/Studiengängen. Eine individuelle Suchfunktion ermöglicht die Zusammenstellung eines eigenen Berufs/Ausbildungs-Profils und garantiert bestmögliche Ergebnisse. „Der Weg des DOSCH Career Guide hat gerade erst begonnen – entwickeln wir ihn gemeinsam zu einem echten Leitfaden für die Kreativbranche. Wir sind dankbar für jeden, der mithilft den DCG – und somit die ganze Branche voranzubringen“, so Sebastian Dosch.

In der Jobbörse präsentieren Arbeitgeber aus der Digital-Content-Creation Branche ihre freien Job-Angebote und Praktika-Möglichkeiten.

  • Freelancer und Arbeitnehmer können ihr persönliches Profil potentiellen Arbeitgebern präsentieren. Hierbei bleibt es dem User überlassen, wie viele Informationen er auf der Seite preisgeben möchte.
  • Das Advisory Board ist ein Gremium wichtiger Persönlichkeiten aus der Kreativ-Industrie, den Medien oder der Politik. Es berät den DCG und hilft, marktgerechte Lösungen innerhalb des DCG zu entwickeln. Übrigens, ich bin Mitglied dieses Advisory Boards.
  • Ein Event-Kalender weist auf wichtige Schulungen, Kongresse, Seminare, Road-Shows oder Messen hin – auch hier geht der Blick über die Grenzen hinaus und das Angebot gilt weltweit.
  • Der DCG Blog informiert aktuell über wichtige Neuerungen, neue DCG-Funktionen, sowie Veranstaltungen bei denen man den DCG „live“ antreffen kann.
  • In der Partner-Rubrik präsentieren sich Unternehmen aus den Bereichen Medien, Soft- und Hardware mit besonderen Angeboten für die Nutzer

Initiator und verantwortlich für den Career Guide ist die Firma DOSCH DESIGN mit ihrem Geschäftsführer Sebastian Dosch. Hier laufen die zahlreichen Kontakte zusammen und werden in die richtigen Bahnen gelenkt. „Uns ist es ein Anliegen, kein anonymes Netzwerk zu sein und es ist auch nicht als Konkurrenz zu Facebook, LinkedIn oder Xing zu verstehen. Hinter dem  DCG stehen „echte Menschen und Namen“. Ich verstehe mich lediglich als Fadenzieher, der die zahlreichen Kontakte bündelt, so dass ein Team entsteht, das die Nutzer bestmöglich auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet.“ sagt Sebastian Dosch.

Tatsache ist, dass es ein so umfassendes Internetportal, das weltweit aufgestellt ist, bisher nicht gibt. Der DCG wird werbefrei betrieben, es werden keine den Nutzer störenden und ablenkenden Werbebanner gezeigt. Darüber hinaus werden keine Nutzerdaten gesammelt und für Marketing-Zwecke weitergeleitet, ausgewertet oder verkauft. Der sensible Umgang mit den Daten ist auf jeden Fall gewährleistet.

Bereits im Boot sind die wichtigsten Schulen und Universitäten mit Ausbildungsprogrammen im DCC Bereich aus dem In- und Ausland. Ebenso wichtige Medienpartner und Fachleute aus  der Branche. Der DCG hat das Ziel, gezielt mit Handwerkskammern, IHKs, Arbeitsagenturen und anderen Institutionen zusammen zu arbeiten, um die Anforderung der DCC Branche bestmöglich in aktuellen Ausbildungsberufen darzustellen. Hier findet zwischen allen Beteiligten ein reger Austausch statt.

Langfristiges Ziel ist es, bereits allgemeinbildende Schulen als Partner zu gewinnen und dort Basisarbeit zu leisten. Der DCG möchte die Schüler bei der Wahl ihrer Ausbildung beraten und über die verschiedenen Berufsmöglichkeiten in der CG Branche informieren.

Die Nutzung des DOSCH Career Guides ist für die User kostenlos. Sie müssen sich lediglich registrieren, um an die Informationen zu gelangen. Partner, Job-Anbieter und Schulen müssen eine Gebühr zahlen, die abhängig von der Menge der veröffentlichten Informationen ist. Langfristig soll sich der DOSCH Career Guide somit selbst tragen.

 

Wikileaks ist wie beim Derbleck’n

14. Dezember 2010

Irgendwie ist der Trubel um Wikileaks wie beim Derbleck’n am Aschermittwoch. Für die Nichtbayern: Derbleck’n findet zur Starkbierprobe auf dem Münchner Nockherberg statt. Dort wird in einer Art Kabarett satirehaft bayerischen und bundesdeutschen Politikern der Spiegel vorgehalten. Die Betroffenen reagieren staatsmännisch und lassen den Spott über sich ergehen. Natürlich sind sie gekränkt, lassen sich aber nichts anmerken. Aber das Schlimmste ist: Wenn man als Politiker beim Derbleck’n nicht erwähnt wird. Dann ist man aus bayerischer Sicht unwichtig und der Politiker sollte sich ernsthaft Sorgen um seine Popularität machen.

Ähnlich ist es bei Wikileaks. Ich kenne Politiker – Namen tun nichts zur Sache – die haben ihre Mitarbeiter beauftragt, die Dokumente von Wikileads nach ihren Namen zu durchsuchen. Grund: Man habe ja ein hervorragendes Verhältnis zu den USA und man sei schließlich wichtig. Und dann das große Geschrei: In Wikileads gibt es keinen Eintrag, keinen Bezug, keinen Verweis. Das ist eine Schande. Vielleicht ist es mit dem guten Verhältnis zur USA doch nicht so toll bestellt oder der Politiker muss einfach einsehen: Ich bin nicht wichtig.

 

Bedingt abwehrbereit im Jahre 2010

13. Dezember 2010

Als Medienmacher haben wir uns ganz schön blamiert. So meine Meinung, wenn ich mir die Diskussionen um Wikileaks ansehe. Dabei geht es mir nicht darum, ob Julian Assange schuldig ist oder nicht. Wir als Medien sind schuldig, weil wir uns ausgeruht haben, weil wir noch zu fett sind – so schlimm kann unsere Krise gar nicht sein.

Ich bin unter anderem in diesen Beruf gegangen, weil ich fasziniert war von Carl Bernstein und Bob Woodward, den Watergate-Aufdeckern. Ich habe alles verschlungen, was ich darüber lesen konnte und welche Rolle die Tageszeitungen gespielt haben. Viel wurde von Zeitungen in den vergangenen Jahren aufgedeckt: Erinnern wir uns nur an das Veröffentlichen der Pentagon-Papiere oder wie der Spiegel die Flick-Affäre oder den Barschel-Skandal publiziert hatte. Ach ja, da gab es auch noch die Spiegel-Affäre und der Artikel „Bedingt abwehrbereit“. Strauß ging gegen Augstein vor, die Mächtigen gegen die Medien.

Und heute? Da müssen sich die hochgerüsteten, vernetzten Medienkonzerne von einer Horde von Aktivisten vorführen lassen. „Liebe Print-Journalisten, diese Art von Storys aufzudecken ist euer Job!“ Da gründet Assange eine Plattform im Netz und veröffentlicht brisantes Material. Und die klassischen Massenmedien schauen zu, springen auf den Zug auf. Aber wo ist bitte eure investigative Leistung? Warum schicken wir euch auf ruhmreiche Journalistenschulen? Warum üben wir den Unterschied zwischen kommentierender und meinungsbildender Form? Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen – aufgewacht. Bitte nicht nur wichtig auf Konferenzen herumhängen und den Niedergang der Branche beklagen, sondern Aktion ist gefragt. Nicht zum 1000 Mal in der dpa-Meldung wichtig herumredigieren, sondern „geht raus und spielt Fußball“, wie der Trainer sagen würde. Wir sind zu lange in den Redaktionen mit Meetings und Konferenzen beschäftigt. Wir sollten mehr raus, mehr ran an die Quellen.

 

Das Sterben von Redakteursarbeitsplätzen

12. Dezember 2010

Als ich Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends als Schüler erste Zeitungsjobs bekommen hatte, war die meine berufliche Ausgangsposition gut. „Medien zu machen“ waren in, Zeitung lag voll im Trend. Das Internet war noch für uns Sterbliche weit entfernt. Erste Erfahrungen mit Mailboxen, Akustikkoppler und Terminalprogrammen hatte ich und war gut gerüstet. Der Computer zog in die Redaktionen ein. Doch sie killte die Belegschaft der Druckvorstufe. Das böse XPress ersetzte die Monteure. DTP begann den Siegeszug und Redaktionen waren gut besetzt. Zeitungen waren florierende Wirtschaftsobjekte und große Anzeigenschlachten von Mannesmann und Vodafone brachten gutes Geld in die (Verleger-)Kassen. Ich habe erlebt, wie man Anzeigen ablehnte mit den Worten „Verzeihung, wir sind voll, aber nächste Woche haben wir noch Platz.“ Den Redaktionen ging es gut. Natürlich hatten wir immer was zu meckern, aber rückblickend war es eine gute Zeit. Ich hatte im Lokalen Zeit mich um meine Geschichten zu kümmern, während ein Kollege meine Seite übernahm. Qualität stand im Vordergrund und die Kollegialität war aus meiner Sicht ideal.

Das ist vorbei. Heute sterben Zeitungen. Die US-Blätter machen den Anfang, die deutschen werden sicher folgen. Doch bevor die Zeitungen sterben, kommen die Controller zum Einsatz. Sie setzen den Rotstift an und sparen ein. So mancher spart sein Objekt kaputt. Immer kleinere Redaktionen müssen den Overhead eines Verlages tragen. Festangestellte Redakteure werden entlassen. Der Druck auf die Redaktionen wird größer und größer. Einerseits müssen schrumpfende Anzeigenerlöse durch neue Ideen aufgefangen werden, anderseits sind die vorhandenen Vertriebserlöse nicht gerade rosig, wenn sie mit früheren Umsätzen verglichen werden. Und dann will der Leser noch Qualität für sein Geld. Reduzierung der Fixkosten lautet das Programm, also Entlassungen in der Redaktion und Verlagerung auf freie Strukturen – freilich mit weniger Kosten. ich habe eine eindrucksvolle US-Grafik gefunden. Sie zeigt das dramatische Reduzieren der festangestellten Verlagsmitarbeiter.

Natürlich hinkt die Grafik, denn neue Jobs wurden geschaffen. Online-Redaktionen wurden aufgebaut, können aber den Verlust an Arbeitsplätzen in Print oder gar den Rückgang an Anzeigen nicht kompensieren. Der Umbau geht voran.

 

Zu schnell und falsch: Zeitung veröffentlichte Artikel über gelungene „Wetten dass …“-Show

6. Dezember 2010

Was soll das ganze Gerede von Qualitätsjournalismus, wenn folgender Fall immer wieder vorkommt? Der Fall „Wetten das …“ hat gezeigt, unter welchen Bedingungen Tageszeitungsjournalismus heute produziert wird. Die österreichische Tageszeitung Österreich veröffentlichte eine TV-Kritik in einer Auflage von einer halben Millionen Exemplaren mit einer Geschichte über den TV-Auftritt von Take That bei „Wetten dass …“. Nur dumm, dass der Auftritt niemals stattfand. Die Show wurde nach einem Unfall abgebrochen. Der Artikel „So rockte Robbie Gottschalk“ erschien dennoch auf zwei Seiten, darunter die Seite 1. Bilder von dem Artikel gibt es hier bei Politikblogger.

Der Artikel war also vorproduziert und der Drucktermin war wohl lange vor Sendetermin und so kam eine absolut falsche Berichterstattung ins Blatt, eine Mischung aus Daily Mirror, Kronen Zeitung und Bild. Peinlich und zugleich ein Spiegelbild des aktuellen Printjournalismus, der gegen Online verliert, aber noch auf die Rezepte von gestern setzt. Die Zeitung Österreich ist oft schon übers Ziel hinausgeschossen. Mit der jüngsten Veröffentlichung zeigt man den Leser, wie gearbeitet wird.

Wetten dass …: Respekt vor Thomas Gottschalk und dem ZDF

5. Dezember 2010

Ich habe großen Respekt vor Thomas Gottschalk und dem ZDF. Nach dem Unfall in der Unterhaltungssendung „Wetten dass …“ brach der Moderator die Sendung ab. Das war die richtige Entscheidung und dafür mein Respekt und Anerkennung. Unterhaltung hat seine Grenzen, vor allem wenn jemand zu Schaden kommt und das ist hier passiert. „Wir im ZDF fühlen uns verantwortlich nicht auf heiter zu machen, wenn wir nicht auf heiter sind“, sagte Gottschalk und brach die Dezember-Sendung 2010 ab.

Nun werden die Diskussionen beginnen, ob die Wetten zu gefährlich waren, ob die Sicherheit stimmte und es werden sich die Medienpädagogen zu Wort melden, die ihre Anmerkungen zu Sensationswetten haben. So einen Vorfall hat es innerhalb der 30 Jahre von „Wetten dass …“ nicht gegeben. Hinterher wird das Gejammer groß sein und die Besserwisser werden aufstehen nach dem Motto „Ich hab es doch schon immer gewusst“. Als Kind hatte „Wetten dass …“ und die große Samstagabend-Show für die ganze Familie ihren Reiz. Aber ich schau mir seit Jahren keine Show mehr an und erfuhr von dem Unfall auch erst über Twitter und schaute mir in YouTube die Aufzeichnung an.

Was war passiert? Ein Wettkandidat hatte versucht, mit angeschnallten Sprungfedern ein entgegenkommendes Auto zu überwinden. Er stürzte und blieb regungslos auf dem Boden liegen.

Hätte das ZDF eine solch gefährliche Wette überhaupt zulassen sollen? War der ganze Zirkus nicht schon bei der Planung zu gefährlich? Und vielleicht grundsätzlich: Müssen solche Außenwetten live sein? Bei einer Familienshow wie „Wetten dass …“ nun mal ist, erwarte ich Familienunterhaltung. Es ist schon ein seltsames Menschenbild, wenn man gefährliche Wetten live vor einem Millionenpublikum aufführt. Was war der Wetteinsatz? Gewinnen oder Genick brechen?

Ein klares Lob an die Regie von „Wetten dass …“: Nach dem Sturz wurde nicht auf den Verletzten draufgehalten, sondern es wurde das geschockte Saalpublikum gezeigt. Hier hat die Studioregie richtig gehandelt. Und es war Michelle Hunziker, die sofort nach einem Arzt rief. Respekt.

Noch in der Nacht meldete sich das ZDF mit einer offiziellen Stellungnahme zu Wort: ZDF Programmdirektor Thomas Bellut sagte: „Unter dieser Voraussetzung konnten und wollten wir die Unterhaltungssendung nicht fortsetzen.“ Und weiter: “Unsere Redaktion und Produktion legen immer größten Wert auf die Sicherheit aller Beteiligten. Wir werden diesen Unfall gründlich untersuchen und Lehren daraus ziehen. Thomas Gottschalk ist mit dieser schwierigen Situation sehr gut umgegangen, hat die Zuschauer informiert und den Abbruch der Sendung begründet.“

Dem Entertainer Gottschalk sah man bei der Begründung an, dass er sich unwohl fühlte. Der sonst geübte Medienprofi schlackerte mit dem Armen und begründete den Sendeabbruch. Hier war der Mensch Gottschalk zu sehen.

Woody Allen wird 75: Happy Birthday, Woody

1. Dezember 2010

Woody Allen wird am 1. Dezember 75 Jahre alt. Und jedes Jahr kommen immer neue Verfilmungen des Altmeisters in die Kinos. Die Filme spielen keine Unsummen mehr ein, aber die Produktionskosten sind gering – also scheint es ein Geschäft zu sein.

Einen Tag nach seinem Geburtstag kommt in Deutschland sein 41. Film in die Kinos „Ich sehe den Mann deiner Träume“, sicher wieder eine leichte Komödie voller Tiefgang. Und Stars wie Anthony Hopkins, Naomi Watts, Antonio Banderas, Freida Pinto und Josh Brolin sind dabei. Mir stellt sich die Frage: Wie bekommt so ein Außenseiter wie Allen solche Stars und – vor allem – wie kann er sie bezahlen? Aber egal.

Woody Allen bedeutete mir in meiner Jugend viel. Es ging um Klamauk, um Slapstick, es ging um die Marx Brothers. Ich habe die Filme geliebt und sie mir auf Video wieder und wieder reingezogen. Bis ich irgendwann „Innenleben“ sah. Seitdem war Schluss mit lustig. Woody Allen hieß für mich Woody Bergmann und ich erkannte – sicherlich gereift durch die Jahre – die Ausweglosigkeit. Woody nannte Bergmann immer als Vorbild. Mit Innenleben verstand ich ihn. Wo war mein Gaudi-Allen geblieben, der jüdischen Humor so hervorragend vertrat? Ich traf den Schweden Woody Allen und ich war tief erschüttert.

Doch die besten Filme kamen noch: Manhattan und Stadtneurotiker. Beide Filme das Beste was je über New York gemacht wurde. Diese Filme sagten viel über das Leben. Es imponierte mir, dass Allen den Big Apple nie verließ und muszierte. Heute drehte er mit „Ich sehe den Mann deiner Träume“ seinen vierten Film in London. Woody Allen gehört nicht nach London, sondern nach NYC und zwar in Schwarzweiß – basta.

Mag sein, dass Woody Allen sich weiterentwickelt hat. Ich schau mir hin und wieder einen seiner neueren Filme an und noch immer mag ich die Jazz-Musik in seinen Filmen. Aber so leid es mir tut: Woody Allen ist entweder der jüdische Sohn von Bergmann oder er ist der Stadtneurotiker in Manhattan.

Woody, alles Gute zum Geburtstag.

 

Frust beim Cyber Monday

30. November 2010

Die Gier ist etwas Gutes – so sagt es Gordon Gekko in Wallstreet. Wie gierig die User waren, zeigte sich am Montag beim Cyber Monday von Amazon. Nachdem Apple am vergangenen Freitag zum Black Friday aufgerufen hat und seine Produkte zum Teil für einen Tag reduziert angeboten hatte, war jetzt Amazon an der Reihe.

Und ich geb es zu: Ich war auch dabei und wollte ein, zwei Schnäppchen machen. Wir ging es um Beamer. Aber obwohl ich zur richtigen Angebotszeit auf Kaufen klickte, waren die Waren schon weg – schade. Aber es ging wohl nicht mir so: Durchs Netz schwappte eine Welle der Empörung. Vermutungen, dass Amazon nur ein paar Artikel auf Lager habe und die Aktion nur zu PR-Zwecke nutze, waren noch die harmlosesten Aussagen. So etwas zu behaupten ist fahrlässig. Ich glaube vielmehr, dass Amazon selbst von dem Run ihres Cyber Mondays überrascht war. Die Aktion wurde einem Monat zuvor durch Aufrufe beworben: Die Kunden sollten aus 100 Produkten selbst wählen, welche 30 Waren sie zu reduzierten Preisen einkaufen wollen.

Ob zu 100 Prozent auf diese Wahl zurückgegriffen wurde, weiß ich nicht. Laut Amazon Deutschland haben Hunderttausend in den 25 Tagen bei der Wahl mitgemacht. Es waren beim Cyber Monday einige Produkte dabei, die aus dem Lager mussten, weil die nächste Generation von Technikprodukten anstehen. Aber egal. Wie der Branchendienst Turi2 berichtet, haben die Amerikaner bis zu 1 Mrd Dollar beim „Cyber Monday“ ausgegeben haben. Der Umsatzrausch liegt rund 15 Prozent über den Vorjahreszahlen. Zahlen von Deutschland habe ich nicht gefunden.

Aber Amazon hat auch ein Geschäft mit mir gemacht. Für mehrere Stunden gab es die 14 Millionen mp3-Lieder aus den Amazon Archiven für die Hälfte billiger. Da hab ich zugeschlagen und ein paar Alben abgestaubt. So war die Enttäuschung über die nicht erhaltenen Beamer beim Cyber Monday dann doch erträglich und das Amazon Marketing hat bei mir funktioniert.

 

Buchkritik: „Willkommen am Mac – Für Umsteiger, Einsteiger und Neugierige“

27. November 2010

Die Strategie von Apple geht auf. Durch iPod, iPhone und iPad wechseln immer mehr Windows-User zur richtigen Seite. Von meiner ehemaligen Nischenmarke Apple ist nicht mehr viel übrig geblieben. Das Unternehmen ist den Weg von Sony gegangen und wurde zur Computer Electronics Company. Musste ich früher alle paar Wochen Leute beim Umstieg beraten, kommt es heute durch den Erfolg von Apple ständig vor. Immer die gleichen Fragen: „Gibt es denn überhaupt alle Programme auf dem Apple?“ Wenn ich das schon höre: „Auf dem Apple“ – das Ding heißt Mac. Und ich habe endlich eine Entlastung gefunden für meine Beratungen: Das Buch „Willkommen am Mac – Für Umsteiger, Einsteiger und Neugierige“ von Anton Ochsenkühn und Johann Szierbeck ist genau das richtige Buch für die wechselnde Zielgruppe. Das Autorenduo – in der Mac-Szene wahrlich keine Unbekannten – haben einen sehr lesenswerten Ratgeber geschrieben. Mac-User lassen besser die Finger weg, aber Wechselwillige sollten zugreifen. Es werden wunderbar die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Schneeleoparden und Windows 7 erläutert. Außerdem gibt es nützliche Tipps für den Mac-Einsteiger. Er erfährt was hinter den ominösen Worten wie Spotlight, Time Machine, Spaces, Dashboard, Exposé steht.

Für mich ist das Buch die erste Wahl, wenn wieder vermehrt Fragen zum Mac aufkommen. Es ist einfach geschrieben, schön illustriert und macht vor allem Lust auf den Mac – was will ich mehr?

 

Meine Beatles bei iTunes

18. November 2010
Weltveränderer Beatles

Weltveränderer Beatles

Der Tag, der die Welt verändern sollte, ist vorbei und für viele geht das Leben weiter wie bisher. Die vollmundige Ankündigung von Apple war eine ungeheure PR-Maßnahme und das Ergebnis fiel für viele enttäuschend aus. Die Beatles in Apple iTunes Store reißt die Massen nicht zu Begeisterungsstürmen hin.

Dennoch: Die Ankündigung von Apple bedeutet viel, sie sagt enorm viel über das Unternehmen aus Cupertino und die Haltung von Steve Jobs aus. Wir Apple-Fans erwarteten eine bedeutende technische Neuerung in der beliebten iTunes Software, wie eine Streaming-Möglichkeit. Aber mal ehrlich: Sind wir denn so verblödet, dass wir ein technisches Feature als weltverändernd ansehen würden. Nein, Steve Jobs hat höhere Ziele. Mit dem Verkauf der Beatles über seine Plattform ermöglicht er den Zugang zu modernen Kulturgütern ersten Grades an die digital natives. Die Beatles haben die Geschichte verändert und Apple verbeugt sich vor dieser Veränderung (und kassiert mit).

Ein jahrzehntelanger Rechtsstreit zwischen Apple Plattenlabel und Apple Computer ist zu Ende und die Gewinner sind wir Fans. Natürlich haben die Beatles Liebhaber die Schallplatten, die CDs der ersten und zweiten Auflage und diverse CD-Sammlungen zu Hause. Aber Steve Jobs denkt an die zukünftige Generationen, die nicht mehr in Vinyl oder Datenträger denken. Beatles sind nach wie vor ein fettes Geschäft und in Sachen Geschäfte kennt sich Apple aus. Aber ich bin davon überzeugt, dass es wirklich ein persönliches Anliegen von Steve Jobs war, die Beatles auf seiner Plattform zu veröffentlichen. Jobs ist ein Kind der sechziger Jahre und liebt die Musik seiner Zeit. Er bekennt sich in seinen zahlreichen Keynotes zur Musik seiner Zeit, spielt Beatles und Dylan auf der Bühne einem jungen Publikum vor. Er selbst war in grauer Vorzeit sogar einmal mit Joan Baez leiert.

Zum Tode von Beatles George.

Zum Tode von Beatles George.

Ich erinnere mich daran, wie Steve Jobs die Website von Apple beim Tode von George Harrison änderte und einen Nachruf veröffentlichte. Welches Unternehmen – außer das Plattenlabel – hätte so etwas gemacht? Natürlich geht es Steve Jobs um seine Produkte. Er ist Geschäftsmann. Aber es geht ihm auch um seine Kultur. Dafür gebührt im Dank und wir bräuchten mehr Steve Jobs in Unternehmensführungen. Leute mit Visionen. In einer Pressemitteilung besteht Jobs auch: „Wir lieben die Beatles, fühlen uns geehrt und sind begeistert sie bei iTunes willkommen zu heißen. Es war eine ‚long and winding road‘ bis hier her. Dank den Beatles und EMI wird nun ein Traum für uns wahr, den wir seit dem Start von iTunes vor zehn Jahren hatten.“

Dazu passt auch das Statement von Ringo: „Es freut mich besonders, dass ich in Zukunft nicht mehr gefragt werde, wann die Beatles endlich in iTunes verfügbar sein werden.“ Ringo at his best.

Aber natürlich sind die Beatles auch ein großartiges Geschäft: Apple Corps Ltd. wurde 1968 von The Beatles gegründet, mit dem Ziel sich der eigenen Geschäfte der Band anzunehmen. Das Unternehmen mit Sitz in London hat den Katalog der Veröffentlichungen seit 1960 von The Beatles verwaltet, von denen bisher über 600 Millionen Langspielplatten, Kassetten und CDs verkauft wurden. Seit den Neunziger Jahren hat Apple neue Beatles-Projekte angeführt, die zum Maßstab für Pionierleistungen wurden, darunter das The Beatles Anthology-Projekt, das über 29 Millionen-fach verkaufte Album The Beatles 1, die The Beatles LOVE-Show und -CD und die 09/09/09-Veröffentlichung des The Beatles Remastered-Katalogs und das The Beatles Rock Band Spiel.

Neben der Musik gibt es auch einen Konzertfilm zum Ansehen und beim Kauf zum Download: Für Fans gibt es das spezielle digitale ‚Beatles Box Set‘ inklusive dem Konzertfilm ‚Live at the Washington Coliseum, 1964‘ – ein weltweit exklusiv über iTunes erhältliches Video, das das allererste US-Konzert der Beatles zeigt. Schön zu sehen in dem Film, wie Ringo sein Bühnenset selbst aufbaut. Was müssen das für Zeiten gewesen sein?

Maulen muss ich aber auch als Fan: handelt es sich bei dem ‚Beatles Box Set‘ nun um die Stereo- oder die Mono-Aufnahmen? Stereo hab ich auf CD, aber Mono würde ich mir glatt kaufen. Die Apple-Presseagentur gab dazu keine Antwort. 

Kreisch: Das US-Konzert der Beatles 1964.

Kreisch: Das US-Konzert der Beatles 1964.