Das jüngste Update von ChatGPT lässt mich sprachlos zurück. Die Fortschritte der Bildgenerierung hauen mich vom Hocker. Im Moment gibt es das neue Feature in Sprachmodell 4o und bisher nur in der Pro-Version. ChatGPT-4o ist das neue Multimodal-Modell von OpenAI. Es kann Text, Bild, Audio und Video verarbeiten – und nun auch Bilder erstellen.
Jetzt kommt es natürlich auf den richtigen Prompt an und die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. In meinen Seminaren vermittle ich das notwendige Praxiswissen zu Promst, da kommt mir meine Erfahrung als Bildjournalist zu gute. Ich probierte gleich mal ein paar neue Stile aus – hier verwandelte ich ein Foto von mir in den Gibli-Stil.
Beim Herumspielen und Testen des neuen Features kam mir eine Idee: Wie wäre es, wenn ich anloge und digitale Technologie mit meinem Fotos verbinde – so als eine Art Kunstprojekt.
Im Moment arbeite ich viel mit Polaroids. Ich habe meine alte Polaroid SX 70 wieder im Einsatz. Sie stammt aus dem Jahre 1974. Für mich zeichnen sich Polaroid-Fotos durch ihre Einzigartigkeit und Unmittelbarkeit aus. Jedes Bild ist ein Unikat – direkt nach der Aufnahme entwickelt, ohne Nachbearbeitung oder Filter. Die analoge Technik verleiht den Fotos eine besondere Ästhetik mit charakteristischen Farben und Bildfehlern, die den Moment authentisch und unverfälscht festhalten. In einer zunehmend digitalen Welt bieten Polaroids für mich ein haptisches, entschleunigtes Erlebnis der Fotografie.
Ich habe beispielsweise ein Selfie mit einer meiner Polaroid SX 70 gemacht.
Dann habe ich das Papierfoto mit dem Smartphone abfotografiert und ein wenig optimiert, ohne den Charakter zu verändern.
Der nächste Schritt war es, das Foto in die neue Version von ChatGPT hochzuladen und ein Vintage-Bild daraus zu genieren.
Im nächsten Schritt kam per Prompt das Einfärben des braunen Hutes (ein Barbisio von 1940) in einen roten Hut.
Der letzte Schritt war wiederum das Einfärben des Bildes. Aus den durchsichtigen Gläsern wurden gelbe Gläser, wie ich sie in Wirklichkeit trage.
Und weil es so schön war, noch ein Morphing-Film dazu:
Ich liebe mystische Geschichten und freue mich immer, wenn interessierte Gesprächspartner dazu finde. So unlängst geschehen in der Münchner Frauenkirche, als ich Touristen den Teufelsabdruck zeigen konnte. Es regnete an diesem Tag und so suche ich Schutz in dem Gotteshaus und stieß auf Tourist, denen ich ein Ohr abkauen konnte.
Der Münchner kennt freilich die Geschichte des Teufelsabdruck als ein faszinierendes und mysteriöses Detail, das seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen beflügelt. Die Frauenkirche, auch bekannt als Dom zu Unserer Lieben Frau, ist ein bedeutendes Wahrzeichen meiner Geburtsstadt München und ein Meisterwerk der spätgotischen Architektur. Der Teufelsabdruck, der sich im Eingangsbereich der Kirche befindet, ist ein besonderes Merkmal, das zahlreiche Legenden und Geschichten hervorgebracht hat.
Die Geschichte der Frauenkirche Die Frauenkirche wurde im 15. Jahrhundert erbaut und ist die Kathedrale des Erzbistums München und Freising. Der Bau der Kirche begann 1468 unter der Leitung des Architekten Jörg von Halsbach und wurde 1488 vollendet. Die Kirche ist bekannt für ihre beeindruckenden Türme, die die Skyline von München prägen, und ihre prächtige Innenausstattung. Die Frauenkirche ist nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein bedeutendes kulturelles und historisches Denkmal.
Der Teufelsabdruck: Legende und Mythos Der Teufelsabdruck ist ein Abdruck, der sich im Boden des Eingangsbereichs der Frauenkirche befindet. Es handelt sich um eine Vertiefung im Stein, die die Form eines Fußabdrucks hat. Dieser Abdruck ist von zahlreichen Legenden umgeben, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben.
Eine der bekanntesten Legenden besagt, dass der Teufel höchstpersönlich die Kirche besucht habe, um sich über die Pracht und Schönheit des Bauwerks zu ärgern. Der Teufel soll versucht haben, die Kirche zu zerstören, aber er scheiterte. In seiner Wut stampfte er mit dem Fuß auf den Boden und hinterließ dabei seinen Abdruck. Eine andere Version der Legende erzählt, dass der Teufel versuchte, die Kirche zu betreten, aber von einem Engel daran gehindert wurde. In seinem Zorn hinterließ er seinen Fußabdruck im Eingangsbereich.
Die beste Geschichte Der Mythos besagt, dass der Baumeister der Frauenkirche, Jörg von Halspach, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen habe. Der Teufel versprach, beim Bau nicht zu stören, wenn das Gebäude fensterlos bliebe – wohl in der Annahme, dass es dann ein dunkler, gottloser Ort werden würde. Als die Kirche schließlich fertiggestellt war, trat der Teufel neugierig in das Gotteshaus und stellte sich genau an den Punkt, an dem sich heute der Abdruck befindet. Von dort aus konnte er tatsächlich keine Fenster sehen, da sie von den Säulen verdeckt wurden. Doch als er einen Schritt weiter ging, entdeckte er, dass der Baumeister ihn getäuscht hatte und die Kirche sehr wohl über viele Fenster verfügte.
Vor Wut stampfte der Teufel so heftig auf den Boden, dass sein Fußabdruck im Stein hinterblieb. Danach versuchte er, das Gebäude mit einem Sturm zum Einsturz zu bringen, doch die massiven Mauern hielten stand. Der Wind, der oft um die Türme der Frauenkirche weht, soll laut Legende ein Überbleibsel seines zornigen Versuchs sein.
Historische und kulturelle Bedeutung Unabhängig von den Legenden hat der Teufelsabdruck eine bedeutende historische und kulturelle Bedeutung. Er ist ein Symbol für die mittelalterliche Vorstellung von Gut und Böse und die ständige Präsenz des Teufels in der Welt. Der Abdruck erinnert die Besucher der Kirche daran, dass das Böse immer gegenwärtig ist, aber auch, dass der Glaube und die göttliche Macht stärker sind.
Der Teufelsabdruck ist auch ein Beispiel für die reiche Folklore und die mündlichen Überlieferungen, die in Europa weit verbreitet sind. Solche Geschichten und Legenden tragen dazu bei, die kulturelle Identität und das Erbe einer Region zu bewahren.
Wahrscheinlich ist der Abdruck das Werk eines Künstlers oder Baumeisters, das über die Jahrhunderte mit einer Legende verwoben wurde, um das Bauwerk mystischer wirken zu lassen. Die besondere architektonische Anordnung der Säulen, die die Sicht auf die Fenster verdeckt, ist ein beeindruckendes Detail der Frauenkirche und könnte die Grundlage für die Sage geliefert haben.
Touristische Attraktion Der Teufelsabdruck ist nicht nur ein historisches und kulturelles Artefakt, sondern auch eine beliebte touristische Attraktion. Jährlich besuchen Tausende von Touristen die Frauenkirche, um den berühmten Abdruck zu sehen und die Legenden zu hören, die sich darum ranken. Der Teufelsabdruck ist ein fester Bestandteil der Führungen durch die Kirche und wird oft in Reiseführern und touristischen Broschüren erwähnt.
Wissenschaftliche Erklärungen Neben den Legenden gibt es auch wissenschaftliche Erklärungen für den Teufelsabdruck. Einige Historiker und Archäologen vermuten, dass der Abdruck möglicherweise während des Baus der Kirche entstanden ist. Es könnte sich um eine natürliche Vertiefung im Stein handeln, die durch Abnutzung oder andere natürliche Prozesse entstanden ist. Andere Theorien besagen, dass der Abdruck absichtlich von den Baumeistern der Kirche geschaffen wurde, um die Legenden und Geschichten zu fördern und die Kirche noch mystischer und anziehender zu machen.
Es war das vorerst letzte Konzert der Caligari-Tour von Karl Bartos. Zum zweiten Mal gastierte das ehemalige-Kraftwerk-Mitglied mit Mathias Black im Münchner Prinzregententheater und genoss sichtlich den Applaus des Publikums.
Im vergangenen Jahr absolvierte Bartos die ausgiebige Tour und zeigte seine musikalische Version des Robert Wiene Stummfilm-Klassikers das Cabinet des Dr. Caligari. Nun wurden 2025 die letzten Konzerte absolviert und weil Münchner im Herbst 2024 so gut lief, wiederholte Bartos sein Engagement im Prinzregententheater gleich nochmal.
Ich genoss Musik und den Film in seiner 4K-Version außerordentlich. Bartos und Black standen auf der Bühne hinter ihrem technischen Equipment. Keine Techniktürme wie bei TD, sondern minimalistisch wie man es von Kraftwerk kennt. Im Grunde hätte die Mensch-Maschine das Konzert ohne menschliche Beteiligung geben können, aber das Duo Bartos/Black spielten live. Das das Duo harmonierte perfekt, so dass ein perfekter Sound bei uns im Publikum ankam. Die Musik drückt den Irrsinn von Caligari aus, der einst als expressionistisches Meisterwerk in der Weimarer Republik entstanden ist. Bartos hat schon Humor, dieses Chaos von Weimar vor der Bundestagswahl aufzuführen, aber die Terminüberschneidung kommt wohl eher überraschend und ohne Vorsehung.
Ich habe bei Erscheinen das Album samt DVD angeschafft. Die Musik habe ich genossen, die Version des Films nicht, trotz 4K-Umsetzung. Ich hatte die DVD zweimal angeschaut und dann genervt in der Verpackung verschwinden lassen. Nicht weil der Film schlecht war, sondern die Interpretation. Ich bevorzuge die offizielle Version der Murnau-Stiftung auf Bluray oder die geniale Version in 4K
Zumutung Was ich schon auf den DVD vom vergangenen Jahr schrecklich fand und in München live es auch als Zumutung empfand, war die Soundkulisse von Stimmen, Effekten und Schritten, die das Ensemble of Sounds dazu gemischt hat. Das ist ein Verbrechen an einem Meisterwerk des deutschen Expressionismus. Herr Bartos, Sie haben ein Sakrileg gegangen.
Zur Klarstellung: Bartos Musik und Wienes Film sind jeder auf ihre Art ein Meisterwerk, aber auf die beigesteuerten Effekte konnte ich getrost verzichten. Es gab schon in der Filmgeschichte immer wieder Versuche den Caligari durch Effekte zugänglicher zu machen – alle sind gescheitert und auch Bartos ist der Versuchung erlegen und musste einfach scheitern. Finger weg von dem Meisterwerk Caligari als Stummfilm. Da bin ich absoluter Purist.
Mord und Wahnsinn Das Cabinet des Dr. Caligari ist ein legendärer, vielleicht der berühmteste deutsche Stummfilm. Entstanden kurz nach dem Ersten Weltkrieg, erzählt er eine doppelbödige Geschichte über Mord und Wahnsinn. Seine außergewöhnliche Gestaltung in schrägen, expressionistischen Kulissen machte ihn zum Kunstwerk – und zur Sensation des Jahres 1920. Die Filmkritik damals: „Es gilt, eine neue Seite in der Geschichte des Films zu beginnen: ‚Das Cabinet des Dr. Caligari‘ hat sich als eine künstlerische Einheit und ein Aufwärts in der Entwicklung des Filmspiels erwiesen; es stellt zum ersten Male die bildende Kunst ebenbürtig neben die darstellende.“
Aus dem Kaiserreich der Ordnung, ein Reich aus Eisen und Feuer, kam die deutsche Demokratie. Caligari bedeutete Aufbruch: Männer sind wie Künstler, die Krawatten waren schief, die Hüte saßen schief.
Die Geschichte ist in eine Rahmenhandlung gebettet, in der am Ende alles auf den Kopf gestellt wird. Dabei ist die Binnengeschichte schon aufregend genug: Franzis ermittelt wie ein Detektiv der populären Kriminalliteratur. Er observiert den Verdächtigen, entdeckt Geheimnisse in uralten Büchern. Der Film präsentiert seine Geschichte in einer unwirklichen, expressionistisch verzerrten Welt, geschaffen durch drei Kulissenmaler der Decla-Film-Gesellschaft: Hermann Warm, Walter Reimann und Walter Röhrig. Die expressionistische Gestaltung ist es, die den Film berühmt gemacht hat. Und die Musik von Karl Bartos passt hervorragend dazu. Sie zieht den Zuschauer in den Bann.
Vor der Bundestagswahl kamen mir Gedanken: Caligari der Verführer – er warf einen Blick in die Tiefen der deutschen Seele. Später wurde das ganze deutsche Volk verführt durch den Verführer Hitler. Die Tyrannenfigur Caligari, der Unheil über den Ort und Hitler der Unheil über die Welt verbreitete.
Der Autogrammjäger Ich hatte im Vorfeld bei der Agentur von Bartos angefragt, ob der Meister dieses Mal auch Autogramme geben würde. Es wurde verneigt und trotzdem harrte ich mit ein paar Hardcore-Fans am Künstlerausgang des Prinzregententheater aus. Über eineinhalb Stunden in der eisigen Kälte, während im Inneren wohl der Tourabschluss gefeiert wurde, was ja auch sein musste. Doch die Feierrunde hatte nicht mit der Münchner Bürokratie gerechnet. Der Pförtner machte das Prinzregententheater um 23 Uhr dicht, Überstunden werden nicht in der derzeitigen Haushaltslage nicht bezahlt. Also kam der Künstlertross um Karl Bartos heraus und gab vereinzelt Autogramme. Selfies waren untersagt. Freundlich, aber bestimmt ging dann das Ehepaar Bartos seiner Wege. Zurück blieben eine Handvoll Fans mit ihren signierten musikalischen Schätzen. Ich sag ganz artig danke.
Ich mag es, wenn Künstler verschiedener Genre zusammenarbeiten. So einstmals geschehen bei einer meiner Lieblingsbands Emerson, Lake & Palmer (ELP) und dem Schweizer Künstler HG Giger für das Plattencover des wegweisenden Albums Brain Salad Surgery.
Ähnliches geschah bei der Zusammenarbeit von Debbie Harry mit Giger für das Album KooKoo aus dem Jahr 1983. Endlich habe ich ein Buch Metamorphosis gefunden, dass die Zusammenarbeit der beiden Künstler mit vielen Fotos zeigt. Es enthält alle Bilder des visuellen Konzeptes, das vom Fotografen Chris Stein dokumentiert wurde.
Gerne wäre ich bei der Zusammenarbeit Mäuschen gewesen und hätte die Kooperation beobachtet. Debbie Harry, die Frontfrau der amerikanischen Band Blondie, und HR Giger, der renommierte Schweizer Künstler, der für seine biomechanischen Kunstwerke und das Design des Aliens im Film „Alien“ bekannt ist, hatten eine bemerkenswerte Begegnung, die in der Musik- und Kunstwelt Wellen schlug. Diese Zusammenkunft zweier kreativer Geister aus unterschiedlichen Disziplinen führte zu einer faszinierenden Kollaboration.
Debbie Harry: Die Punk-Ikone Debbie Harry, geboren als Angela Tremble, stieg in den späten 1970er Jahren mit ihrer Band Blondie zu einer der bekanntesten Figuren der Punk- und New-Wave-Bewegung auf. Mit Hits wie „Heart of Glass“ und „Call Me“ eroberte Blondie die Charts weltweit. Harrys charismatische Bühnenpräsenz und ihr unverwechselbarer Stil machten sie zu einem Symbol für die rebellische Energie der Zeit.
HR Giger: Der Meister des Biomechanischen HR Giger, geboren als Hans Rudolf Giger, war ein Schweizer Maler, Bildhauer und Designer, der für seine düsteren, surrealen und biomechanischen Kunstwerke bekannt ist. Sein Design des Aliens im gleichnamigen Film von Ridley Scott brachte ihm 1980 einen Oscar für die besten visuellen Effekte ein. Gigers Arbeiten sind geprägt von einer faszinierenden Mischung aus organischen und mechanischen Elementen, die oft als verstörend und gleichzeitig hypnotisierend beschrieben werden.
Die Begegnung Die Begegnung zwischen Debbie Harry und HR Giger fand in den frühen 1980er Jahren statt, als beide auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren waren. Harry, die sich schon immer für Kunst und visuelle Ästhetik interessierte, war fasziniert von Gigers Arbeiten. Die beiden trafen sich in Gigers Studio in der Schweiz, wo Harry die Gelegenheit hatte, seine Werke aus nächster Nähe zu betrachten und sich von seiner einzigartigen Vision inspirieren zu lassen.
Die Kollaboration Aus dieser Begegnung entstand eine kreative Zusammenarbeit, die in mehreren Projekten mündete. Eines der bekanntesten Ergebnisse dieser Kollaboration ist das Albumcover von Debbie Harrys Soloalbum „KooKoo“ aus dem Jahr 1981. Das Albumcover von KooKoo (1981) von Debbie Harry, gestaltet von HR Giger, ist ein ikonisches Kunstwerk, das surrealistische und biomechanische Elemente kombiniert.
Das Cover zeigt ein nahes Porträt von Debbie Harrys Gesicht, das eine fast skulpturale, glatte Qualität hat. Ihr Gesicht ist durchstochen von vier langen Nadeln – zwei an den Schläfen und zwei an den Wangen. Diese Nadeln wirken wie chirurgische oder rituelle Instrumente, die durch ihre Haut gedrungen sind, aber es gibt keine sichtbaren Wunden oder Blutspuren, was dem Bild eine unheimlich sterile, aber auch hypnotische Atmosphäre verleiht. Der Hintergrund und die gesamte Komposition erinnern an Gigers typische biomechanische Ästhetik: fließende, metallisch-organische Strukturen, die eine Mischung aus Fleisch und Maschine andeuten. Die monochrome Farbgebung in silbrigen, grauen und blauen Tönen verstärkt den futuristisch-düsteren Look. Das Bild ist ein perfektes Beispiel für die Verschmelzung von Musik und Kunst, die beide Künstler anstrebten.
Die Anzüge Im Rahmen der Zusammenarbeit für das Album KooKoo (1981) entwarf H.R. Giger nicht nur das ikonische Cover, sondern auch biomechanische Anzüge für Debbie Harry. Diese Anzüge wurden speziell für die Musikvideos und eine Fotoserie konzipiert, um Gigers unverwechselbare Ästhetik mit Harrys futuristischer Vision zu verbinden.
Giger schuf hautenge Anzüge, die Debbie Harrys Körper vollständig umhüllten und mit seinen charakteristischen biomechanischen Mustern verziert waren. Diese Designs bestanden aus fließenden, organisch-mechanischen Strukturen, die den Eindruck erweckten, als würde ihr Körper mit einer außerirdischen oder maschinellen Lebensform verschmelzen. Die Anzüge waren mit skelettartigen Rippen, metallischen Segmenten und symmetrischen Ornamenten versehen, die oft an seine Arbeiten für Alien erinnerten.
Diese Anzüge kamen besonders in den Musikvideos zu KooKoo zum Einsatz, darunter Backfired, das ebenfalls von Giger visuell mitgestaltet wurde. In diesem Video sieht man Debbie Harry in einer surrealen, albtraumhaften Umgebung, in der sie sich durch eine dystopische Szenerie bewegt – ein Zusammenspiel von Gigers dunkler Ästhetik und Harrys ikonischem Stil.
Für eine spezielle Foto-Session mit Chris Stein, ihrem Bandkollegen und damaligen Partner, wurde Debbie Harry in diesen Anzügen abgelichtet. Die Bilder zeigen sie in skulpturalen Posen, fast wie eine lebendige Giger-Kreation, inmitten von metallisch-organischen Strukturen. Diese Bilder sind komplett in dem Buch Metamorphosis abgebildet und erläutert.
Das Album KooKoo (1981) Mit KooKoo wagt sich Debbie Harry auf solistisches Terrain, bleibt dabei aber stark in den New-Wave- und Funk-Einflüssen verwurzelt, die Blondie bereits erforschte. Produziert von Nile Rodgers und Bernard Edwards von Chic, bringt das Album eine Mischung aus funkigem Post-Disco-Sound, experimentellen Pop-Elementen und düsteren Synthesizer-Klängen.
Die Single Backfired ist ein treibender Funk-Track mit markanten Gitarrenriffs und einer energiegeladenen Produktion, während The Jam Was Moving mehr nach Blondies Dance-Rock-Wurzeln klingt. Jump Jump und Chrome zeigen die mutigere, avantgardistischere Seite des Albums, die jedoch nicht immer ganz ausgereift wirkt. Die futuristische, fast dystopische Atmosphäre, die durch Gigers Coverkunst angedeutet wird, findet sich in Songs wie Now I Know You Know wieder, bleibt aber musikalisch eher subtil.
Obwohl das Album innovative Momente hat und Debbie Harrys charismatische Stimme immer überzeugt, fehlt ihm ein klarer Fokus. Es wirkt fragmentierter und weniger eingängig als Blondies beste Werke, was vermutlich auch ein Grund für den mäßigen kommerziellen Erfolg war. Trotzdem ist KooKoo ein spannendes Zeitdokument, das Harrys Experimentierfreude und die musikalische Wandlungsfähigkeit der frühen 80er-Jahre widerspiegelt. Ich muss zugeben, dass ich das Album eher schwach finde und es vor allem aus ätherischen Gründen gekauft habe. Die Arbeit, die aus dieser Begegnung hervorging, ist ein bleibendes Zeugnis ihrer kreativen Visionen und ihres Einflusses auf die Popkultur.
Der Einfluss Die Zusammenarbeit zwischen Debbie Harry und HR Giger hatte einen nachhaltigen Einfluss auf beide Künstler und ihre jeweiligen Disziplinen. Für Harry bedeutete es eine Erweiterung ihres visuellen Stils und eine Vertiefung ihrer künstlerischen Identität. Für Giger war es eine Gelegenheit, seine biomechanischen Visionen nach dem ELP-Album von 1974 in einem neuen Kontext zu präsentieren und ein breiteres Publikum zu erreichen.
Kurz nachdem ich ein Online-Seminar zu Lee Miller durchgeführt habe, gib es nun im Rahmen der Münchner Veranstaltungsreihe „Stunde Null“ eine faszinierende Ausstellung über die berühmte Fotografin im Amerika Haus. Die Eröffnung machte u.a. ihr Sohn Anthony Penrose, der die Bilder der 1977 verstorbenen Fotografin auf dem Dachboden fand und der Nachwelt erhielt. Bis zum 31. Juli 2025 ist die fantastische Ausstellung im Amerika Haus München am Karolinenplatz zu sehen.
Für mich war Elizabeth „Lee“ Miller (1907–1977) eine der faszinierendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Sie begann ihre Karriere als Model, wurde später eine gefeierte Fotografin und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Kriegsberichterstatterinnen ihrer Zeit. Ihr Leben war geprägt von Kunst, Fotografie, Reisen und einem unermüdlichen Drang, die Welt mit der Kamera festzuhalten. Die Schrecken des Krieges und die Befreiung der Konzentrationslager konnte die Frau nicht verkraften und verfiel nach dem Krieg dem Alkohol. Ihr Sohn Anthony Penrose fand nach dem Tod ihre Bilder auf dem Dachboden und baute das Lee Miller Archiv auf. Hier die Ansprache von Anthony Penrose bei der extrem gutbesuchten Vernissage.
Frühe Jahre und Modelkarriere Lee Miller wurde am 23. April 1907 in Poughkeepsie, New York, geboren. Schon früh kam sie mit der Fotografie in Berührung, da ihr Vater, ein Amateurfotograf, sie häufig als Modell für seine Porträts nutzte. Nach einer kurzen Zeit an der Kunstschule in New York begann Miller in den 1920er-Jahren eine vielversprechende Karriere als Model. Sie wurde von Condé Nast, dem Herausgeber der Vogue, entdeckt, nachdem sie zufällig auf der Straße beinahe von einem Auto überfahren worden war. Diese Begegnung führte zu einem Engagement als Covergirl für die Vogue, wodurch sie schnell zum gefragten Model in der Modewelt avancierte.
Doch die passive Rolle als Model genügte ihr nicht. Sie wollte hinter die Kamera wechseln, um selbst kreativ zu arbeiten. 1929 zog sie nach Paris – damals das Zentrum der künstlerischen Avantgarde – und suchte den Kontakt zu Künstlern und Fotografen. In der Ausstellung sind frühe Modefotos mit ihr zu sehen.
Paris und die Begegnung mit Man Ray In Paris wurde Miller Schülerin, Assistentin und Muse des surrealistischen Fotografen Man Ray. Sie lernte nicht nur die technischen Grundlagen der Fotografie, sondern auch künstlerische Ausdrucksformen, insbesondere die experimentelle Dunkelkammertechnik Solarisation, die sie gemeinsam mit Man Ray weiterentwickelte. Neben der Modefotografie schuf Miller eindrucksvolle surrealistische Werke, die bis heute als Meisterwerke dieser Strömung gelten. Ich sah zum ersten Mal diese Bilder im Original in München.
Doch Miller war nicht nur Muse – sie wollte als eigenständige Künstlerin anerkannt werden. 1932 kehrte sie nach New York zurück und eröffnete ihr eigenes Fotostudio. Sie arbeitete als Porträt- und Werbefotografin, etablierte sich in der Kunstszene und fotografierte prominente Persönlichkeiten wie Charlie Chaplin.
Kriegsfotografin und Berichterstatterin Der entscheidende Wendepunkt in Millers Karriere kam während des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde Kriegsfotografin für die Vogue und berichtete über die dramatischen Ereignisse in Europa. Anfangs dokumentierte sie das Kriegsgeschehen aus London, wo sie während der deutschen Luftangriffe das Leben der Bevölkerung und die Zerstörung durch die Bombenangriffe festhielt.
1944 begleitete sie die Alliierten nach Frankreich und fotografierte die Befreiung von Paris. Sie dokumentierte eindrucksvoll das Leiden der Zivilbevölkerung, das Elend der Kriegsgefangenen und das Grauen der Konzentrationslager. Ihre Bilder aus Dachau und Buchenwald zählen zu den erschütterndsten Fotografien dieser Zeit. Eine der bekanntesten Aufnahmen zeigt sie selbst in der Badewanne von Adolf Hitlers Münchner Wohnung, kurz nach der Befreiung der Stadt durch die Alliierten. Dieses Bild steht symbolisch für das Ende des Nationalsozialismus und Millers mutige Präsenz an den Brennpunkten der Geschichte. Das Bild ist natürlich zu sehen.
Ihre Kriegsfotografien waren bahnbrechend und schockierend zugleich. Sie zeigte die Realität des Krieges ungeschönt, ihre Bilder von befreiten Konzentrationslagern wurden weltweit veröffentlicht und dokumentierten die Schrecken des Holocausts in einer Weise, die nicht ignoriert werden konnte.
Nachkriegszeit und Rückzug aus der Fotografie Nach dem Krieg zog Miller mit ihrem zweiten Ehemann, dem britischen Künstler Roland Penrose, nach England. Sie litt unter den psychischen Folgen ihrer Erlebnisse im Krieg, heute würde man es als Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bezeichnen. Die Verarbeitung der Kriegsgräuel fiel ihr schwer, und sie zog sich zunehmend aus der Fotografie zurück. Stattdessen widmete sie sich der Kunst, kochte leidenschaftlich gerne und wurde eine bekannte Gastgeberin für die britische Bohème.
Erst in den 1970er-Jahren wurde ihr fotografisches Werk wiederentdeckt. Ihr Sohn Antony Penrose spielte eine entscheidende Rolle dabei, ihre Arbeiten zu archivieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich konnte ein kurzes Gespräch mit diesem Mann führen.
Vermächtnis und Bedeutung Lee Millers Einfluss auf die Fotografie ist enorm. Sie war nicht nur eine herausragende Mode- und Porträtfotografin, sondern auch eine der ersten Frauen, die als Kriegsberichterstatterinnen an vorderster Front arbeiteten. Ihr Mut, ihre künstlerische Vision und ihr unbestechlicher Blick auf die Realität machten sie zu einer Pionierin der Fotojournalistik.
Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Ihre Arbeiten sind in renommierten Museen und Sammlungen weltweit zu sehen, und ihre Kriegsfotografien haben sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Lee Miller hat sich von einer Muse zur Meisterin der Fotografie entwickelt – und ihr Vermächtnis lebt weiter.
Ich geb es ja zu, ich habe Peter Zemann ziemlich genervt und möchte mich für meine Penetranz in den vergangenen Jahren entschuldigen. Ich war immer auf der Suche nach Ausgaben meiner Lieblingscomic-Reihe Die Gruft des Grafen Dracula und Peter Zemann war als Betreiber der Comic Company mein erster Anlaufpunkt in München, wenn es um Comics ging. Das hat nun ein Ende. Die Comic Company im Münchner Glockenbachviertel hat seit Ende Januar 2025 geschlossen. Peter Zemann hat nach 36 Jahren sein Geschäft aufgegeben.
Ich habe seinen Laden über die Jahre gerne besucht und bin auch Ende Januar nochmal da gewesen, um mich zu verabschieden. Als Erinnerung habe ich noch ein Mad-Heft mit meiner Lieblings-TV-Serie Lou Grant mitgenommen. Es war mir wichtig, dass ich nochmals aufschlage. Ich wollte mich persönlich verabschieden und Dankeschön für all die zurückliegenden Jahre sagen.
Das Haus in der Fraunhoferstr. 21, in dem sich die Comic Company befindet, wurde verkauft, aber Zemann habe vom neuen Besitzer keine Kündigung erhalten. Er habe immer wieder nach ernsthaften Interessenten gesucht, die den Laden weiterführen wollten. Vergeblich, denn viele der möglichen Interessenten seien wohl naiv gewesen, was es bedeutet, ein Unternehmen zu führen. Ein Geschäft zu führen ist ein Business, auch wenn es sich um so schöne Sachen wir Comics handelt. Also blieb nur noch der Schlussverkauf mit satten Rabatten und das Schließen des Ladens.
Schon als Kind habe ich gerne Comics gelesen. Superhelden, Yps, die Maus und meine Eltern haben keinen Aufstand gemacht. Meine Kinder lesen eher Manga, schauen aber hin und wieder in klassische Comics rein. Während ich so durch die Comic Company schlendere und mir die Auslagen anschaue, gehe ich auch auf eine Reise durch die Geschichte der Comics in Deutschland.
Die Anfänge der Comics Die Ursprünge des Comics in Deutschland reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bereits in satirischen Zeitschriften wie dem „Fliegenden Blätter“ (gegründet 1844) oder dem „Simplicissimus“ (gegründet 1896) erschienen Bildgeschichten mit humoristischen oder politischen Inhalten. Diese frühen Formen von Comics waren oft Karikaturen oder Bildergeschichten mit begleitendem Text unter den Bildern.
Ein entscheidender Meilenstein war Wilhelm Busch, dessen „Max und Moritz“ (1865) als eine der ersten sequentiellen Bildergeschichten gilt und einen bedeutenden Einfluss auf spätere Comicentwicklungen weltweit hatte. Buschs Werk prägte das Erzählen mit Bildfolgen und inspirierte spätere Generationen von Comic-Künstlern. Ich denke, in meiner Generation hat jeder noch die beiden Lausbuben gelesen und ich hab Max und Moritz auch meinen Kindern näher gebracht. Wir haben eine schöne Ausgabe von Wilhelm Busch zu Hause stehen.
Die Entwicklung des Comics im 20. Jahrhundert Nach dem Ersten Weltkrieg blieben Comics in Deutschland zunächst vor allem auf satirische und humoristische Inhalte beschränkt. Erst in den 1930er Jahren wurden Comics als eigenständiges Medium populärer. Eine der ersten erfolgreichen deutschen Comic-Serien war „Strizz“ von Erich Ohser (unter dem Pseudonym e.o. plauen), der in den 1930er Jahren mit „Vater und Sohn“ humorvolle und oft rührende Kurzgeschichten in Bildform schuf.
Während der NS-Zeit gerieten Comics in Deutschland unter Druck, da sie als „undeutsch“ galten. In dieser Zeit wurden amerikanische Comics weitgehend verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen durch die US-amerikanische Besatzung zahlreiche amerikanische Comics nach Deutschland, darunter „Superman“, „Mickey Mouse“ und „Donald Duck“. Besonders die Übersetzung der Disney-Comics durch den Egmont Ehapa Verlag ab den 1950er Jahren trug zur Popularität bei. Über den Egmont Ehapa Verlag habe ich immer wieder geschrieben, vor allem wenn es um die Maus und Entenhausen ging. Gleichzeitig gab es deutsche Versuche, eigene Comic-Traditionen zu etablieren. Rolf Kaukas „Fix und Foxi“ (1953) war der erste große Erfolg eines deutschen Comics, der sich über Jahrzehnte großer Beliebtheit erfreute. Auch „Lupo modern“ und später „Yps“ mit seinen berühmten Gimmicks prägten Generationen von Lesern. Ich bin durch die Höhen und Tiefen von Yps gegangen. Auch bei der Wiederauflage und der Neuausrichtung war ich mit dabei.
Comics in der DDR und in der Bundesrepublik Während Comics in Westdeutschland durch Disney, Asterix und Marvel-Importe florierten, hatte die DDR ihre eigene, sozialistisch geprägte Comic-Kultur. „Mosaik“ von Hannes Hegen, später mit den Digedags und ab 1975 mit den Abrafaxen, war das bekannteste Comic-Magazin der DDR und erfreute sich großer Beliebtheit. Die Verwandtschaft aus dem Ostern versorgte mich zu DDR-Zeiten mit Lesestoff, obwohl mir die Sachen eigentlich zu sozialistisch waren, gelesen hab ich sie trotzdem.
In Westdeutschland entwickelten sich in den 1970er und 1980er Jahren zunehmend erwachsenere Comics. Zeichner wie Walter Moers („Das kleine Arschloch“, „Adolf“) oder Brösel („Werner“) fanden mit ihren Werken ein breites Publikum. Die 1980er Jahre sahen zudem eine Blütezeit des frankobelgischen Comics in Deutschland, mit Serien wie „Spirou und Fantasio“ oder „Lucky Luke“.
Der moderne deutsche Comic Seit den 1990er Jahren erlebt der deutsche Comic eine neue Renaissance. Verlage wie Carlsen und Reprodukt förderten anspruchsvolle Werke, darunter Graphic Novels mit tiefgehenden Erzählungen. Autoren wie Flix, Reinhard Kleist oder Mawil haben das Medium auf ein neues Niveau gehoben. Besonders Graphic Novels wie Kleists „Der Boxer“ oder „Nick Cave – Mercy on Me“ zeigen, dass Comics mehr sind als nur Unterhaltungsliteratur.
Die Comic-Kultur ist mittlerweile fester Bestandteil der deutschen Kulturlandschaft. Jährlich finden Comic-Messen wie die Leipziger Buchmesse oder der Comic-Salon Erlangen statt, die zeigen, dass Comics längst nicht mehr nur für Kinder sind. Gerade Erlangen kann ich jedem Comic-Fan näher bringen.
Würdigung des Mediums Comic Comics sind eine einzigartige Kunstform, die Bild und Text auf eine Weise verbindet, die kein anderes Medium in dieser Form kann. Sie ermöglichen es, Geschichten auf visuelle und emotionale Weise zu erzählen, sodass sie oft mehr sagen können als reine Prosa.
Comics sind dabei nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein Spiegel der Gesellschaft. Sie greifen politische und soziale Themen auf, kommentieren das Zeitgeschehen und können sogar als Bildungsmedium dienen. Graphic Novels wie „Maus“ von Art Spiegelman oder „Persepolis“ von Marjane Satrapi haben gezeigt, dass Comics historische und persönliche Schicksale tiefgründig darstellen können.
In Deutschland hat sich die Wertschätzung für Comics in den vergangenen Jahrzehnten enorm gewandelt. Sie sind längst nicht mehr nur „Kinderkram“, sondern ein ernstzunehmendes Medium, das sich zwischen Literatur, Kunst und Film bewegt. Die Vielfalt der Comics reicht von humorvollen Strips über actionreiche Superhelden-Abenteuer bis hin zu tiefgehenden, autobiografischen Erzählungen.
Die Zukunft des Comics in Deutschland ist vielversprechend. Die Zukunft von Comic-Läden allerdings eher nicht. Mit der Digitalisierung entstehen neue Möglichkeiten für interaktive und animierte Comics, während Webcomics eine neue Generation von Künstlern hervorbringen. Egal ob als traditionelle Printausgabe oder als digitales Erlebnis – Comics haben ihren festen Platz in der deutschen Kultur und werden weiterhin Leser aller Altersgruppen begeistern. Nur leider werden sie nicht mehr von der Comic Company in München vertrieben.
Für mich ist das Olympische Dorf in München ein städtebauliches Juwel, das wie eine Insel in der Landeshauptstadt liegt. Es gibt so viele interessanten Ecke und Stellen an diesem Ort zum Entdecken. Daher veranstalte ich einen FotoWalk an diesem Samstag, 9. November von 14-16:30 Uhr.
Zunächst gibt es bei unserem FotoWalk eine Führung von Joachim Schmölz, einem ehemaligen Bewohner des Dorfes, der heute noch immer mit dem Studentenleben verbunden ist. Dann ziehen wir los und setzen das Olympiadorf fotografisch um, egal ob mit Smartphone oder Kamera. Die Anmeldung bitte hier.
Nach der verbindlichen Anmeldung erhalten Sie von uns eine Teilnahmebestätigung und die PayPal-Adresse. Wenn die Seminargebühr von 23,80 Euro (inkl. MwSt) bei uns eingetroffen ist, erhalten Sie von uns den genauen Treffpunkt. Die Anmeldung bitte hier.
Städtebauliche Vision Das Olympische Dorf in München, das für die Olympischen Sommerspiele 1972 errichtet wurde, ist ein ikonisches Beispiel für städtebauliche Visionen und moderne Architektur. Es spiegelt die optimistische Aufbruchsstimmung der 1970er-Jahre wider und verkörpert das damalige Verständnis von innovativem und menschlichem Städtebau. Nach den tragischen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs war es ein Projekt mit dem Ziel, München als weltoffene und zukunftsorientierte Stadt darzustellen und die Olympischen Spiele 1972 unter dem Motto “Die heiteren Spiele” zu feiern.
Planung und Idee hinter dem Olympischen Dorf Die Planung des Olympischen Dorfs begann in den 1960er-Jahren und war Teil eines umfassenden urbanen Konzepts, das den gesamten Olympiapark umfasste. Das Architekturbüro Behnisch & Partner gewann den Wettbewerb zur Gestaltung der Olympia-Anlagen und setzte die Idee um, das Gelände als Landschaftspark zu gestalten. Das Olympische Dorf sollte ein Wohnraum für die Athleten bieten und gleichzeitig ein nachhaltiger Bestandteil der Stadtentwicklung bleiben. Der Gedanke war, ein Dorf für die Athleten zu schaffen, das nach den Spielen als Wohnraum für Münchner Bürger erhalten bleibt.
Die Architektur des Olympischen Dorfs Die Architektur des Olympischen Dorfs gilt als revolutionär und markiert einen Wendepunkt im Städtebau der damaligen Zeit. Die Architekten planten ein Wohnkonzept, das auf Gemeinschaft und Nachhaltigkeit setzte, und sie legten Wert darauf, dass die Gebäude sich harmonisch in die Umgebung des Olympiaparks einfügen. Die Gebäude wurden im sogenannten Terrassenstil errichtet, was bedeutet, dass sie treppenförmig angeordnet sind und Terrassen mit Grünflächen bieten. Diese gestaffelte Bauweise sollte ein Gefühl von Offenheit und Gemeinschaft erzeugen und zugleich jedem Apartment eine individuelle Grünfläche bieten.
Ein weiteres markantes Element der Architektur ist die Verwendung von Stahlbeton und die Farbgebung der Gebäude. Die Fassaden wurden bewusst schlicht gehalten, während bunte Akzente wie Balkongeländer und Fensterläden für Fröhlichkeit und Lebendigkeit sorgen sollten. Auch die Nähe zur Natur war den Architekten wichtig: Zwischen den Wohnblöcken entstanden grüne Innenhöfe und Plätze, die als Treffpunkte für die Bewohner gedacht waren.
Der Wohnpark Olympiadorf und die Unterbringung der Athleten Das Olympische Dorf bestand aus zwei Bereichen: dem “Männerdorf” und dem “Frauendorf”. Während die männlichen Athleten in Hochhäusern untergebracht waren, wohnten die weiblichen Athleten in den Bungalows. Diese kleinen, eingeschossigen Gebäude waren funktional und einfach ausgestattet, boten aber dennoch den Komfort, den die Sportler während der Spiele benötigten. Nach den Spielen wurde das “Frauendorf” in den “Wohnpark Olympiadorf” umgewandelt und beherbergt seitdem Studenten und junge Leute. Viele der ehemaligen Bungalows wurden mit farbenfrohen Fassaden bemalt und sind heute ein beliebter Wohnort für Münchner Studenten.
Die Vision eines verkehrsfreien Dorfs: Unterirdische Verkehrswege Ein zentrales Element des Olympischen Dorfs ist die Trennung von Fußgänger- und Fahrzeugverkehr. Die Architekten entschieden sich dafür, den gesamten motorisierten Verkehr in eine unterirdische Ebene zu verlegen, um das Dorf verkehrsberuhigt und kinderfreundlich zu gestalten. Sämtliche Straßen für Autos sowie die Parkplätze und Zufahrtswege befinden sich unter der Erde. Diese unterirdische Ebene besteht aus einem weitläufigen Tunnelsystem, das von den Bewohnern für Anlieferungen, Parkplätze und technische Versorgungen genutzt wird.
Diese Verlagerung des Verkehrs hatte nicht nur praktische Vorteile, sondern auch ästhetische und städtebauliche. Durch den Wegfall von Straßen und Parkplätzen konnte das Olympische Dorf großzügige Grünflächen und Fußgängerzonen bieten, was zu einer ruhigen und angenehmen Wohnatmosphäre beiträgt. Die Bewohner können sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewegen, ohne sich um den Autoverkehr sorgen zu müssen, was das Dorf zu einem der ersten autofreien Wohnprojekte seiner Art machte.
Nachnutzung und Bedeutung Nach den Olympischen Spielen wurde das Olympische Dorf umgebaut und in eine reguläre Wohnsiedlung umgewandelt. Heute leben hier rund 10.000 Menschen, und das Gebiet hat sich zu einem lebendigen Stadtviertel entwickelt, das aufgrund seiner einzigartigen Architektur und der verkehrsfreien Gestaltung sehr beliebt ist. Auch der Gedanke der Gemeinschaft ist erhalten geblieben: Viele Bewohner organisieren gemeinsame Feste und Aktivitäten und nutzen die Gemeinschaftsflächen intensiv. Die ehemaligen Sportstätten, darunter das Olympiastadion und die Olympiahalle, sind noch heute Veranstaltungsorte für Konzerte, Sportveranstaltungen und Festivals.
Architektur als Symbol des Aufbruchs Das Olympische Dorf in München ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch ein Symbol für die gesellschaftlichen Veränderungen der 1970er-Jahre. Die Idee, Menschen in einem “autofreien” Wohnumfeld und in enger Nachbarschaft zur Natur wohnen zu lassen, war ein zukunftsweisender Gedanke, der bis heute inspiriert. Die Trennung der Verkehrswege sowie die soziale und ökologische Ausrichtung des Olympischen Dorfs gelten noch heute als visionär und vorbildlich. Das Dorf ist nicht nur ein Stück Architekturgeschichte, sondern auch ein lebendiger Beweis für die positive Wirkung von durchdachtem Städtebau und nachhaltiger Planung.
So bleibt das Olympische Dorf in München ein einzigartiges Beispiel dafür, wie Sport, Architektur und gesellschaftliche Visionen zusammenkommen können und wie die Planung eines einmaligen Events eine dauerhafte Bereicherung für eine Stadt und ihre Bewohner schaffen kann.
Ich würde mich freuen, wenn Sie an unserem FotoWalk teilnehmen und das Olympische Dorf mit uns fotografisch erkunden wollen. Fotoapparat oder Smartphone nicht vergessen. Die Anmeldung bitte hier.
Neulich hatte ich ein Videointerview mit dem großen deutschen Leica-Fotografen Herbert Piel und seitdem nagt das schlechte Gewissen in mir. Piel war eine Inspiration. Ich muss wieder mehr fotografieren.
Zwar mache ich Tag ein, Tag aus Fotos mit der Fujifilm X100V oder mit dem iPhone, aber diese sind entweder für Kunden oder fürs Archiv, damit ich bei Produktionen schnell auf eigene Schmuckfotos zurückgreifen kann ohne Agenturen zu bezahlen. Aber ich fotografierte in letzter Zeit weniger, um meiner selbst willen – und das wurde mir durch das Interview mit Herbert Piel wieder klar. Das musste ich ändern.
Motive liegen eigentlich auf der Straße – und da ich im Einzugsgebiet von München wohne, haben wir eine touristische Weltattraktion, die auf jeden Fall tolle Motive hergibt: Die Wiesn – das Oktoberfest.
Ich hatte einen Termin beim Käfer und packte die Kamera ein und machte auf Streetfotografie. Und ich erinnerte mich an alte Zeiten, als ich mit dem Schwarzweiß-Film unterwegs war. Also die Kamera auf SW umgestellt, dass ich nicht in die Verlegenheit komme, doch in Farbe zu fotografieren. Notfalls kann ich das iPhone zücken. Jetzt verstehe ich, warum Leica die Leica M10 Monochrom herausgebracht hat.
Im Grunde bin ich kein Wiesn-Fan. Es ist mir zu voll, zu laut, zu teuer, aber fotografisch ist das Oktoberfest eine Herausforderung. Klar ist, dass man aufgrund des Paparazzi-Paragrafs keine Menschen im Suff ablichtet. § 201a regelt die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen. Also machte ich mich auf Motivsuche. Ich will positive Atmosphäre einfangen: Spaß, Überraschung, Genuss – Menschen, die sich amüsieren und dabei Mensch bleiben. Ich will niemanden bloßstellen.
Ich verwende meine Fujifilm X100V mit dem eingebauten Reportageobjektiv 23 mm Festbrennweite. Das Nachfolgemodell X100VI ist seit Frühjahr bestellt, aber noch immer nicht angekommen. Die ISO ist auf 12800 hochgedreht, schließlich bin ich abends unterwegs. Kein Blitz oder Stativ als Hilfsmittel – alles aus der Hand geschossen. Bild erkennen, einatmen, fixieren, abdrücken, ausatmen, so hab ich es gelernt.
Der Weg führte mich von der S-Bahnhaltestelle Hackerbrücke zur Theresienwiese. Im Moment hielt das Wetter, aber Regen lag schon in der Luft. Das Sicherheitskonzept funktionierte, ich hatte keinen Rucksack dabei, also keine Probleme. Schmerzlich ist für mich immer das Mahnmal zum Wiesn-Attentat 1980. Ich war damals als kleiner Bub mit meinen Eltern einen Tag vorher auf der Wiesn. Wenn ich auf die Wiesn gehe, dann lege ich hier immer und meine wirklich immer eine Gedenkminute ein.
Dann streifte ich durch die Gassen und Wege und sog die Eindrücke auf: Musik, Lachen, Hendl, gebrannte Mandeln. An den Buden blieb ich stehen, hielt mich im Hintergrund und suchte. Ich hatte mir dieses Mal vorgenommen, meine Aufnahmetechnik zu ändern. Von meiner journalistischen Fotoausbildung habe ich immer versucht, meine Motive im Vollformat zu fotografieren. Das heißt, ich hab gelernt nicht nachträglich zu schneiden oder herauszuvergrößern. Darauf verzichtete ich dieses Mal bewusst. Die Auflösung der Kamera gibt es her, dass ich aus den Dateien einzelne Bildschwerpunkte herausvergrößere und auch den Bildausschnitt ändere. Unbewohnt und bei der Nachbearbeitung aufwendiger. Die Bilder selbst habe ich nicht nachbearbeitet. Also viel Spaß mit meinen Wiesnbildern.
In München ist seit Jahren ein UFO gelandet und jedes Mal, wenn ich daran vorbeigehe, schlägt mein Herz als Science-Fiction Fan höher. Dabei ist das Objekt einfach nur eine Architektur der besonderen Art: Das FUTURO Haus UFO vor der neuen Sammlung München.
Mit einem Durchmesser von acht Metern und einer Gesamthöhe von knapp sechs Metern bietet das Gebäude eine ca. 25m² große Wohnfläche, die in weniger als 30 Minuten mit Strom beheizt werden kann. Das Gebäude ruht auf einem stabilen Stahlrohrgestell. Seine Ausführung ist so gestaltet, dass das Haus auch in unwegsamem Gelände aufgebaut werden kann und extremen Temperaturen genauso standhält wie Erdbeben oder Stürmen.
Die Tür fungiert gleichzeitig als ausklappbare Treppe, ähnlich jener von kleinen Privat-Jets, über die man das auf seinem Stahlfundament schwebende FUTURO betritt.
Das FUTURO wurde von der finnischen Firma Polykem Ltd. als eines der ersten serienproduzierten Kunststoffhäuser der Geschichte hergestellt und international vertrieben. Wie cool wäre es, wenn man sich so ein Gartenhäuschen leisten kann. Danke an die Verantwortlichen der neuen Sammlung München und die Einladung zum Träumen.
Ich hab mich geärgert, dass ich die Ausstellung in Regensburg zur Satire-Zeitschrift „Pardon“ verpasst habe. Ein lieber Kollege brachte mir den Flyer mit und ich bestellte daraufhin den Katalog. Interessant war, so berichtete er, dass junge Menschen mit den Zeichnungen nichts anfangen konnten, weil ihnen wohl der politische Hintergrund fehlte, von der Zeit in der die satirischen Zeichnungen entstanden sind.
Die Satire-Zeitschrift „Pardon“ war eine bedeutende deutsche Publikation, die von 1962 bis 1982 erschien und in dieser Zeit großen Einfluss auf die deutschsprachige Medienlandschaft hatte. Gegründet von Hans A. Nikel, Erich Bärmeier und Gerhard Kromschröder, positionierte sich „Pardon“ als humoristisches und zugleich kritisches Magazin, das politische, gesellschaftliche und kulturelle Themen aufgriff. Das erste Titelbild schuf übrigens kein Geringerer als Loriot.
Gerne hätte ich die Ausstellung gesehen. So bleibt mir nur das Lesen im begleitenden Ausstellungskatalog Teuflische Jahre: Pardon: Die deutsche satirische Monatsschrift 1962–1982. Für mich ist „Pardon“ ein Beispiel dafür, wie Satire als Mittel zur Reflexion und Kritik gesellschaftlicher Zustände genutzt werden kann. Die Zeitschrift zeigte, dass Humor und Ernsthaftigkeit keine Gegensätze sein müssen, sondern sich ergänzen können, um wichtige Botschaften zu vermitteln und Veränderungen anzustoßen. Bis heute erinnert man sich an „Pardon“ als eine Pionierin des deutschen Satirejournalismus und als eine Zeitschrift, die den Mut hatte, unbequem zu sein und Tabus zu brechen.
Kein Blatt vor den Mund „Pardon“ war bekannt für seinen bissigen Humor und seine scharfsinnigen Karikaturen, die oft kontroverse Themen behandelten. Die Zeitschrift nahm kein Blatt vor den Mund und kritisierte sowohl politische Entscheidungsträger als auch gesellschaftliche Missstände. Besonders in den 1960er und 1970er Jahren, einer Zeit großer politischer und sozialer Umbrüche in Deutschland, spielte „Pardon“ eine wichtige Rolle. Die Zeitschrift diente als Sprachrohr für eine Generation, die sich gegen das Establishment stellte und Reformen forderte.
Ein Markenzeichen von „Pardon“ war die enge Zusammenarbeit mit bekannten Künstlern und Schriftstellern. Zu den regelmäßigen Beiträgern gehörten prominente Persönlichkeiten wie Robert Gernhardt, F.W. Bernstein und F.K. Waechter. Diese Autoren und Illustratoren prägten den Stil und das Erscheinungsbild der Zeitschrift maßgeblich. Ihre Werke waren nicht nur humorvoll, sondern regten auch zum Nachdenken an und forderten die Leser heraus, bestehende Normen und Werte zu hinterfragen.
Kunst der Karikatur Ein bemerkenswertes Element von „Pardon“ war die Kunst der Karikatur. Die Zeitschrift setzte diese Form der Illustration meisterhaft ein, um komplexe politische und soziale Themen auf eine leicht verständliche und zugängliche Weise darzustellen. Karikaturen von namhaften Künstlern wie Chlodwig Poth und Hans Traxler wurden zu einem integralen Bestandteil des Magazins und trugen erheblich zu dessen Popularität bei.
Das Ende Trotz ihres Erfolgs und ihrer Bedeutung geriet „Pardon“ im Laufe der Zeit in finanzielle Schwierigkeiten. Der Wandel in der Medienlandschaft und das Aufkommen neuer Satireformate führten schließlich zur Einstellung der Zeitschrift im Jahr 1982. Dennoch bleibt „Pardon“ ein wichtiger Teil der deutschen Mediengeschichte. Ihre Rolle als kritisches und humorvolles Sprachrohr einer ganzen Generation hat nachhaltigen Einfluss auf nachfolgende Satiremagazine und die deutschsprachige Satirekultur insgesamt.