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Videodrome von David Cronenberg – Matinee am Sontag, 21. Mai im Scala

17. Mai 2023

Zum 80. Geburtstag des kanadischen Regisseurs David Cronenberg zeige ich in der Matinee des Scala Kinos Fürstenfeldbruck am Sonntag, 21. Mai den Film Videodrome. Karten gibt es hier.


Der fanatische Film aus dem Jahr 1983 ist noch ein Vertreter des Body Horrors von Cronenberg und beschreibt den zunehmenden Realitätsverlust von Max Renn, Betreiber eines privaten TV-Kanals, nachdem er wiederholt den gewaltpornografischen Ausstrahlungen eines Piratensenders ausgesetzt war.

„Videodrome“ ist ein Kultfilm des kanadischen Regisseurs David Cronenberg, der 1983 veröffentlicht wurde. Der Film wurde von der Kritik hoch gelobt und gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Filme der Cyberpunk-Bewegung. „Videodrome“ ist ein kühner und düsterer Film, der auf beunruhigende Weise den Zusammenhang zwischen Technologie, Medien, Macht und Körper thematisiert.

Die Handlung des Films dreht sich um den Besitzer eines TV-Senders namens Max Renn (dargestellt von James Woods), der verzweifelt nach neuen Inhalten sucht, um sein Programm zu verbessern. Eines Tages stößt er auf eine illegale Satellitenübertragung namens „Videodrome“, die Gewalt und Pornographie zeigt. Renn wird immer mehr von dieser Übertragung besessen, bis er selbst Teil des Programms wird und schließlich in eine surreale Welt voller Schmerz und Halluzinationen gerät.

Body-Horror
Cronenberg thematisiert in „Videodrome“ die Auswirkungen von Technologie und Medien auf die menschliche Psyche und Körper. Er zeigt, wie Fernsehen und andere Medien uns beeinflussen und verändern können. Der Film stellt die Frage, ob Technologie und Medien uns wirklich befreien oder ob sie uns in eine Art mentale Sklaverei führen.

Cronenberg verbindet diese Themen geschickt mit dem Körperhorror-Genre, das er in Filmen wie 1981 „Scanners“ und später mit „The Fly“ 1986 aufgegriffen hat. In „Videodrome“ zeigt er uns verstörende Bilder von menschlichem Fleisch und Technologie, die miteinander verschmelzen und eine neue Form der Existenz schaffen. Der Körper des Protagonisten Max Renn wird zum Schauplatz für diese Verschmelzung und er selbst wird zu einem Werkzeug in den Händen einer mysteriösen Gruppe, die versucht, ihn für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Die visuelle Ästhetik des Films ist ebenfalls bemerkenswert. Cronenberg arbeitet mit dunklen Farben und surrealen Bildern, um eine düstere Atmosphäre zu erzeugen. Die Special Effects sind für die damalige Zeit beeindruckend und tragen dazu bei, dass die verstörenden Bilder noch lange nach dem Ende des Films im Gedächtnis bleiben.

Ich freue mich, wenn Sie am Sonntag, 21. Mai im Scala Fürstenfeldbruck bei meiner Matinee dabei sind. Karten gibt es hier.

Mai-Folge von Filmriss online ist online

13. Mai 2023

Jeden Monat widme ich mich meinem Herzensprojekt: Filmriss online – ein Videoblog rund um das lokale Kino. Anfang Mai ging die neueste Ausgabe von Filmriss online wieder online und ich komme erst jetzt dazu, über die Folge zu bloggen.

Zusammen mit Markus Schmölz, Geschäftsführer des Scala Kino Fürstenfeldbruck, bespreche ich in lockerer Atmosphäre die aktuellen Filme des Monats. Besprochen werden folgende Filme Fast & Furious 10, Asterix & Obelix im Reich der Mitte, Guardians of the Galaxy Vol. 3.

Etwas ausführlicher besprechen wir Arielle, die Meerjungfrau, die in Kürze startet. Es gab bei dem Film eine Diskussion um die Hautfarbe der Meerjungfrau, die von Halle Berry dargestellt wird. Für die Rassisten unter euch: Eine Meerjungfrau ist ein Fantasiewesen und kann von jedem dargestellt werden. Die literarische Vorlage ist die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Anderson. Die Hautfarbe der Arielle ist mir egal, nicht egal ist mir allerdings, dass Hollywood keine neuen Ideen hat und nun Zeichentrickfilme in Realfilme umwandelt. Anschauen werde ich mir den Film aber auf jeden Fall, vor allem, weil ich Disney und Halle Berry mag.

Ich darf auch ein wenig Werbung für meine Matinee am 26. Mai machen. Dann bespreche ich anlässlich des 80. Geburtstag von David Cronenberg den Body Horror-Film Videodrome. Karten gibt es hier und ich freue mich, diese Filmperle aus Cronenbergs kanadischer Zeit präsentieren zu dürfen. Würde mich freuen, wenn sich Zuschauer dafür interessieren. Dazu habe ich extra einen Trailer geschnitten.

Dann sprechen Markus Schmölz über Müll im Kino (nicht Trash-Filme, sondern Abfall, der aufwendig getrennt und entsorgt werden muss). Und auch Jugendschutz wird von uns thematisiert.
Also viel Spaß bei meinem Herzensprojekt Filmriss online – und natürlich suchen wir immer Sponsoren, die uns unterstützen. Dieses Mal war es die Bäckerei Konditorei Martin Reicherzer in Fürstenfeldbruck und Aubing – Danke dafür.

Filmriss online – Ausgabe April ist online

11. April 2023

Eine weitere Episode meines Herzensprojekt Filmriss online ist wieder erschienen. Es ist die April-Ausgabe, die ich zusammen mit Markus Schmölz vom Scala-Kino in Fürstenfeldbruck auf die Beine gestellt habe. Eine habe Stunde Infos für Kino- und Filmliebhaber mit einem Blick hinter die Kulissen des Scala-Kinos.

Unser Film des Monats ist der Super Mario Bro Film auf den ich mich persönlich sehr freue. Die Macher von den Minions haben das Okay von Nintendo bekommen und duften die legendären Figuren auf die Leinwand bringen. Das ist das zweite Mal, dass Mario und Luigi auf der Kinoleinwand agieren. Es gab eine düstere Realverfilmung aus dem Jahre 1993 mit Bob Hoskins als Mario, John Leguizamo als Luigi und Dennis Hopper als König Koopa (Bowser). Der Film war grausam, weil er nicht die Nintendo-Welt widerspiegelte. Er hat vielleicht einen Reiz, aber ist für mich eine gescheiterte Videospielverfilmung. Da ist die Version von 2023 als Animationsfilm schon ansprechender.

Das Video gibt es hier

Unsere Familie liebt Anime und Thema ist auch Suzume no Tojimari von Makoto Shinkai. Für mich auch ein absolutes Muss den Film zu sehen, nachdem mich Your Name. – Gestern, heute und für immer (Kimi no Na wa.) und Weathering With You – Das Mädchen, das die Sonne berührte (Tenki no Ko) schon umgehauen haben.

Als Inside verrät Markus Schmölz welche Probleme das Kino mit PayPal gehabt hat und ich berichte ein wenig vom Peter Thomas Soundtrack Steiner, das eiserne Kreuz II, den ich im Moment rauf und runter höre. Gesponsert wurde Filmriss online von der Bäckerei Konditorei Martin Reicherzer aus Fürstenfeldbruck und Aubing – vielen Dank dafür.
Ach ja und ich mach noch ein wenig Reklame für meine Matinee am 30. April zum Film Wenn die Gondeln Trauer tragen. Karten gibt es hier.

„Ich treibe dich aus, unreiner Geist!“ – Meine Matinee zu Der Exorzist

29. März 2023

„Der Exorzist“ ist ein Horrorfilm, der im Jahr 1973 unter der Regie von William Friedkin veröffentlicht wurde und bis heute als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Horrorfilme der Filmgeschichte gilt. Vor kurzem durfte ich im Scala-Kino Fürstenfeldbruck eine Matinee zu diesem Klassiker halten.

Längst hat er sich als einer der unerschütterlichen Klassiker in der Filmwelt etabliert: Es Der Film von Friedkin, mit dem man den US-amerikanischen Künstler am ehesten verbindet, noch vor „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ oder etwa „Leben und Sterben in L.A.“. „Der Exorzist“ lässt nicht mehr aus der Filmgeschichte wegdenken, stilprägend hat Friedkin den wortwörtlichen ‚Horror‘ auf ein neues Level gehievt und darüber hinaus ein popkulturelles Monument geschaffen, welches sich oft hat parodieren lassen müssen, durch seine ikonischen Illustrationen (zum Beispiel: der berufene Exorzist als Schemen im nächtlichen Nebel vor dem Haus) aber selbst für die Menschen ein Begriff ist, die den Film nicht gesehen haben oder allgemein wenig mit Filmen am Hut haben.

Die nächste Matinee findet zum Film Wenn die Gondeln Trauer tragen am 30. April statt. Karten gibt es hier.

50 Jahre Der Exorzist – Matinee im Scala Kino am 12. März

7. März 2023

Einmal pro Monat darf ich im Scala-Kino Fürstenfeldbruck eine Matinee durchführen. Dieses Mal steht am Sonntag, 12. März um 10:45 Uhr der Klassiker Der Exorzist auf dem Programm.

Der Film „Der Exorzist“ (Originaltitel: The Exorcist) von William Friedkin ist ein Klassiker des Horrorfilms und hat seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1973 eine große kulturelle Bedeutung erlangt. Er wurde als schockierendster Horrorfilm angewiesen und diese Aussage gilt bis heute. Karten für die Matinee, also Vortrag und Film gibt es hier. Restkarten an der Tageskasse.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von William Peter Blatty und handelt von einem Mädchen namens Regan, das von einem Dämon besessen ist und von einem katholischen Priester exorziert werden muss. Hier der Trailer, den ich speziell für die Matinee geschnitten habe.

Der Film wurde für seine intensiven und schockierenden Darstellungen des Exorzismus und der Besessenheit sowie für seine beängstigende Atmosphäre und den Einsatz von Spezialeffekten und Make-up ausgezeichnet. Er wurde auch für seine kontroverse und provokante Darstellung von Religion und Spiritualität gelobt und kritisiert.

„Der Exorzist“ hat einen enormen Einfluss auf die Popkultur gehabt und zahlreiche andere Filme, TV-Shows und Bücher inspiriert. Er hat auch dazu beigetragen, den Horrorfilm als ernsthafte Kunstform anzuerkennen und hat viele weitere Horrorfilme beeinflusst. Und nach Exorzist war ich ein Fan der Musik von Mike Oldfield, dessen Tubular Bells in dem Film verwendet wird. Es war der Durchbruch von Linda Blair an der Seite des großartigen Max von Sydow und Jason Miller als Priester.

Insgesamt hat „Der Exorzist“ die Bedeutung, ein Meisterwerk des Horrorfilms zu sein und einen nachhaltigen Einfluss auf die Popkultur und die Filmindustrie zu haben.
Ich werde zu diesem Film später noch ein zweistündiges Online-Seminar durchführen. Infos dazu gibt es in meinem Newsletter.

Hier mein Vortrag von der Matinee im Februar. Sie drehte sich um Alfred Hitchcock Die Vögel.

Neues Projekt für Kinofans: Videopodcast Filmriss online

10. Februar 2023

Hurra ich freu mich – ein neues Projekt von mir ist online gegangen: Es nennt sich Filmriss online und ist ein monatlicher Videopodcast rund um die Welt des Kinos aus meinem Lieblingskino in Fürstenfeldbruck: dem Scala Kino

Gemeinsam mit Markus Schmölz, dem Geschftsführer des Scala, entwickelte ich die Idee, eine Community rund um das Kino allgemeine und dem Scala im besonderen aufzubauen für alle, die wie wir die Filme und das Kino lieben. Für uns ist Kino mehr als nur Filme schauen.

Nach ein bisschen Brainstorming und vielen Ideen haben wir uns an das Motto von Steve Jobs “Real artists ship” erinnert. Und wir haben angefangen zu drehen, zu schneiden, zu rendern und einfach zu machen. 10 GByte in 4 K sind online gegangen. Ich bin mir sicher, dieser Videopodcast wird sein Publikum finden.

Die erste Folge von Filmriss online dreht sich u.a. um die Filme Ein Mann names Otto, Sonne und Beton und Magic Mike – Last Dance, von dem ich nicht wusste, dass es der dritte Teil einer Reihe ist. Dann blicken wir auf Community-Maßnahmen des Scala-Kinos, die auf der Website gebündelt werden. Auch der Film Die Seele des Waldes von Naturfilmer Stefan Erdmann ist ein Community-Baustein. Markus berichtet von der Filmwoche München und erzählt ein paar Internas. Ich gebe einen Soundtrack-Tipp und stelle (m)eine Matinee vor, bei der ich Hitchcocks die Vögel präsentiere – auch diese regelmäßigen Matinee-Vorstellungen sind Teil von Community-Maßnahmen.

Im Moment verdienen wir mit Filmriss online keinen müden Cent, sondern machen es aus Idealismus. Auch die YouTube-Monitarisierung ist bei diesen Videos auf der Playlist Filmriss online auf meinem Kanal deaktiviert. Allerdings: Wenn sich das Format etabliert, freuen wir uns auf lokale Anzeigenkunden. Entsprechende Angebotslisten habe ich schon vorbereitet, bitte Kontakt aufnehmen.

Die Dreh- und Schnittarbeiten für die März-Ausgabe sind schon geplant. Also gehen wir beherzt weiter voran und hoffen auf viele Kinofans.

45. Todestag von Elvis Presley und welche Biopics von Musikern gibt es?

16. August 2022

Der King war immer der König in unserer Familie. Heute vor 45 Jahren verstarb Elvis Presley. Meine Mutter, mein Onkel waren große Elvis-Fans, ein Kumpel aus Jugendzeiten ist ein wandelndes Elvis-Lexikon und auch meine Frau und ich verehren den Sänger. Unser Repertoire an Elvis-Aufnahmen kann sich sehen lassen, sowohl auf Vinyl als auch auf CD.

Vor kurzem habe ich mir zweimal die neue Elvis-Verfilmung von Baz Luhrmann im Kino angesehen, einmal mit fettem Sound in meinem Lieblingskino Scala in Fürstenfeldbruck, einmal mit durchschnittlichen Sound im Kinosommer in Fürstenfeldbruck. Der Film hat mir außerordentlich gut gefallen, auch wenn er die Sichtweise von Colonel Tom Parker erzählt, genial von Tom Hanks verkörpert. Elvis wird hervorragend von Austin Butler gespielt. Optisch, musikalisch und schauspielerisch großes Kino. Ich mag auch die Biopic Elvis von John Carpenter mit Kurt Russell in der Hauptrolle. Es ist zwar nur eine TV-Produktion, die mir aber viel Spaß bereitet hatte. Die deutsche Version ist leider gekürzt.

Biopics über Musiker und Bands scheinen eine Geldquelle zu sein. Nach dem unglaublichen Erfolg der Freddie Mercury-Bio Bohemian Rhapsody, für die es zahlreiche Oscars gab, kam dann Rocket Man ins Kino Der Film zeigt den Aufstieg von Elton John.
Freddie Mercury und Elton John haben vieles gemeinsam. Beide haben ihre Namen geändert. Aus Farrokh Bulsara wurde Freddie Mercury, aus Reginald Kenneth Dwight wurde Elton John. Beide waren bzw. sind homosexuell, beide prägten maßgeblich die Musik ihrer Zeit. Queen eher mit lauten Tönen, Elton John eher mit Balladen. Und noch eine entscheidende Gemeinsamkeit haben die beiden Filmbiografien über die Musiker. Regie führte beide Male Dexter Fletcher. Das Drehbuch beim neuen Film schrieb Lee Hall, der das Buch zum Tanzfilm „Billy Elliot – I Will Dance“ verfasste.

Rocket Man
Der Film Rocket Man beleuchtet die wichtigsten Momente aus der Karriere des britischen Popmusikers Elton John. Ich mag Elton John sehr. Bereits im Alter von elf Jahren studierte er an der Royal Academy of Music und konnte schon kurz darauf erste Erfolge mit seiner Band Bluesology vorweisen. Sein erstes Album Empty Sky floppte und die Karriere Elton Johns war beinahe vorbei, ehe sie überhaupt begann. Aufhalten ließ sich der Ausnahmekünstler davon nicht. Vor allem durch die langjährige musikalische Partnerschaft mit seinem kongenialen Liedtexter Bernie Taupin gelang Elton John der Durchbruch. Das hat sich gelohnt: Elton John war im Jahr 2012 mit umgerechnet 80 Millionen US-Dollar der Musiker mit dem dritthöchsten Jahreseinkommen gewesen.

Gespielt wird Elton John in Rocket Man von Taron Egerton. Laut Egerton soll sein Rocket Man kein reguläres Biopic werden, sondern ein Fantasy-Musical, bei dem die live vor der Kamera eingesungenen Songs einige der größten Momente in Elton Johns Leben widerspiegeln sollen. Naja, hört sich ein wenig stark nach PR an. Übrigens, der Titel Rocket Man ist ein Songtitel aus dem Jahre 1972. Die Produktion des Musiktitels Rocket Man (I Think It’s Going to Be a Long, Long Time) übernahm der Brite Gus Dudgeon. 1969 arbeitete Dudgeon mit David Bowie zusammen, als dieser seinen Erfolgstitel Space Oddity einspielte. Da beide Lieder ähnliche Weltrauminhalte hatten, hielt sich lange das Gerücht, John und Taupin hätten von Bowie kopiert, was beide aber stets abstritten.

Sex & Drugs & Rock‘n Roll
Biopics von Musikern sind nicht neu. Es gab schon öfters solche Versuche, die Geschichte von Musikern und Bands auf Film zu bannen. Auf der Streaming-Plattform Netflix läuft die Bio The Dirt über Mötley Crüe, die ich nicht so sehr schätze. Der Film zeigt den Aufstieg der Glam-Metaller, bei der es hauptsächlich um das Posergehabe der Band geht. Sex & Drugs & Rock‘n Roll pur. Die Band wird gespielt von Douglas Booth, Colson Baker, Daniel Webber und Iwan Rheon. Großes Kino ist es allerdings nicht geworden, dafür viel nackte Haut und pubertäre Sprüche.

Deutsche Biopic Gundermann
Auch in Deutschland gab es eine musikalische Biopic. Es war Andreas Dresens Film Gundermann, der sechs Lolas Gewinner des Deutschen Filmpreises 2019 war. Der Liedermacher Gerhard Gundermann, dargestellt von Alexander Scheer, arbeitet tagsüber als Baggerfahrer im Braunkohletagebau in der Lausitz. Abends nach seiner Schicht steigt er als Sänger auf die Bühne und bewegt die Menschen mit seiner Musik. Die sehr persönlichen und authentisch wirkenden Texte machen Gundermann in den 1980ern zum Idol vieler Menschen in der DDR, was sogar den Mauerfall überdauert. Bis sich das Gerücht verbreitet: War er ein Stasi-Spitzel? Ich als Wessi habe Gundermann erst nach der Wende kennengelernt. Und für mich als Dylan-Fan interessant. Gundermann durfte ein paar Worte mit dem Meister wechseln.

Biocpics zur Country-Musik
Zwei Beispiele von Biopics aus dem Country-Umfeld ließen Film- und Musikfans aufhorchen. Zum einen Walk the Line, der Erlebnisse aus dem Leben von Johnny Cash darstellte und I Saw the Light aus dem Jahre 2015, der den legendären Countrystar Hank Williams portraitierte.

Walk the Line ist eine Filmbiografie aus dem Jahr 2005 über das Leben des Country-Sängers Johnny Cash. Regie führte James Mangold, der zusammen mit Gill Dennis auch das Drehbuch schrieb, das auf den Biografien Man in Black sowie Cash: The Autobiography basiert. Die Hauptrollen spielen Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon. Johnny Cash stimmte der Wahl von Joaquin Phoenix als Hauptdarsteller zu, er bewunderte ihn bereits für seine Darstellung im Film Gladiator. June Carter Cash stimmte ebenso der Wahl von Reese Witherspoon für ihre eigene Rolle zu. Leider konnten Johnny Cash und June Carter die Premiere des Films nicht erleben. Beide verstarben vor Beginn der Dreharbeiten. June Carter am 15. Mai 2003 und Johnny Cash am 12. September 2003. Der Film hatte einen großen finanziellen Erfolg: Die Produktionskosten werden auf rund 28 Millionen US-Dollar geschätzt. Der Film spielte in den Kinos weltweit etwa 186 Millionen US-Dollar ein, davon etwa 119 Millionen US-Dollar in den USA und circa 12,9 Millionen US-Dollar in Deutschland.

Bei der Hank Williams Verfilmung I Saw the Light führte Marc Abraham Regie, der ebenfalls das Drehbuch schrieb. Es basierte auf der 1994 erschienenen Biografie Hank Williams: The Biography von Colin Escort. Die Hauptrollen im Film spielten Tom Hiddleston und Elizabeth Olsen. Der Film erschien bei uns direkt auf DVD/Blu ray und kam erst gar nicht ins Kino, was wohl daran liegt, dass Hank Williams bei uns nicht so bekannt ist. Coal Miner’s daughter/Nashville Lady (1980) über Loretta Lynn, wofür Sissy Spacek einen Oscar bekam, ist eine hervorragende filmische Biografie geworden.

Die Türen aufstoßen
Meine erste Biopic, die ich bewusst im Kino gesehen hatte, war The Doors von 1991. Regie führte der Altmeister des Polarisierens, Oliver Stone. Den charismatischen Sänger Jim Morrison spielte Val Kilmer sehr eindrucksvoll. Ich mag die Musik der Doors und empfand den Musikfilm äußerst gelungen. Doors-Keyboarder Ray Manzarek kritisierte den Film. Ihm hat die Darstellung der Person Morrison nicht gefallen. Zu wenig authentisch war der Vorwurf. Ich war nicht dabei, fand das Schauspiel aber sehr gut, auch wenn sich der Doors-Film vor allem um Morrison drehte.

Nur für Fans
Schwer verdaulich war für Nichtfans der Film I‘m Not there, eine Interpretation über mein Genie Bob Dylan. 2007 von Todd Haynes in Szene gesetzt, zeigt er sechs verschiedene Episoden aus Dylans Leben, dargestellt von sechs verschiedenen Darstellern. Der Film war wie zu Zeiten der Novelle Vogue inszeniert und verwirrte das klassische Kinopublikum. Dylan wird dargestellt von Christian Bale, Cate Blanchett (absolut sehenswert), Marcus Carl Franklin, Richard Gere, Heath Ledger und Ben Whishaw. Wer eine Chance hat, den Film einmal zu sehen, sollte diesen Streifen ansehen und genießen. Cate Blanchett wurde 2007 für ihre Interpretation von Bob Dylan mit der Coppa Volpi, dem Darstellerpreis der 64. Filmfestspiele von Venedig, preisgekrönt.

Soul und Chanson
Eher konventionell, aber dennoch eindrucksvoll ging es bei Ray zu. Der Film von 2004 geht um den großen Ray Charles, der von Jamie Foxx dargestellt wird. Regie führte Taylor Hackford. Die Dreharbeiten wurden von Ray Charles begleitet, doch der Soulmusiker konnte die Premiere aufgrund seines Todes nicht mehr erleben.

Großes Schauspielkino war die Biopic über die kleine große Édith Piaf in La Vie en Rose von 2007. Ich muss zugeben, nach Genuss dieses Films habe ich wieder die Musik des Spatzes von Paris gehört. Marion Cotillard spielte die Rolle von Piaf und erhielt dafür einen Oscar. Der Film war natürlich in Frankreich sehr erfolgreich.

Klassik im Kino
Vielleicht die beste, größte und unterhaltsamste Biopic über einen Musiker ist Amadeus von Miloš Forman aus dem Jahr 1984. Es geht um die musikalische Auseinandersetzung von Wolfgang Amadeus Mozart (Tom Hulce) mit Antonio Salieri (F. Murray Abraham). Das wichtigste Verdienst des oscarprämierten Films ist es sicherlich, die Musik des Genies Wolfgang Amadeus Mozarts einem breiteren Kinopublikum bekannter zu machen, das sich nicht so für klassische Musik interessierte. Der Film gewann übrigens acht Oscars im Jahr 1985 und zahlreiche andere Filmpreise. 2002 kam Amadeus nochmals als Director’s Cut in die Kinos und ich hatte mir die 13 Minuten längere Version damals wieder angesehen. Salieri wurde 2002 von Joachim Höppner gesprochen, weil der ursprüngliche Synchro-Sprecher Gottfried Kramer 1994 verstorben war.

Noch viel mehr gibt es zu sehen. Sid und Nancy (1986) über den Sex Pistols-Bassisten Sid Vicious, Amy (2015) über Amy Winehouse, Control (2007) über den Joy Division-Sänger Ian Curtis und ganz stark Love & Mercy (2014) über das musikalische Mastermind der Beach Boys Brian Wilson.
Aber zurück zum King. Ich mag den frühen Elvis und ich mag den späten Elvis. Der Konzertfilm Elvis – That’s the Way It Is von 1970 unter der Regie von Denis Sanders ist ein Paradebeispiel für die enorme musikalische Wirkung von Elvis in Las Vegas. Wer diesen Konzertfilm ansieht und ihn mit der Elvis-Verfilmung von 2022 vergleicht, wird sehr viele Gemeinsamkeiten erkennen.

Mein Vortrtag über Nosferatu – Kino ist mehr als Filme abspielen

8. März 2022

In zweifacher Hinsicht war ich etwas angespannt als ich einen Einführungsvortrag zum Meisterwerk Nosferatu – eine Symphonie des Grauens als Matinee halten durfte. Zum einen bin ich es als Dozent und Rampensau zwar gewöhnt vor Publikum zu sprechen, aber dies war das erste Mal in meinem Lieblingskino dem Scala Fürstenfeldbruck. Zum anderen spreche ich über ein 100jähriges Meisterwerk der Filmkunst, wie es kein zweites gibt.

Im Großen und Ganzen verlief mein Vortrag zu meiner Zufriedenheit, ein paar kleine Zahlendreher waren aufgrund der Nervosität dennoch enthalten, die man mir verzeihen möge. Das Publikum und der Veranstalter waren sehr zufrieden und jetzt geht es daran, weitere Filme dort vorzustellen, wohin sie gehören: Ins Kino – denn auch Kino muss sich nach Corona verändern. Ich habe euch meinen Vortrag als Video angefügt.

Bei der Bewerbung des Vortrags testeten wir verschiedene Wege aus: Klassisch analog und digital. Markus Schmölz, der engagierte Geschäftsführer des Scala-Kino nahm die Matinee in die Plakatvorschau des Kinos auf und hängte sie im Kino und an verschiedenen Plätzen in de Umgebung auf. Er nahm ein paar Euro in die Hand und schaltete Instagram-Werbung, setzte den Vortrag auf die Website des Kinos und postete die Matinee in soziale Netzwerke. Ich nahm den 100. Geburtstag von Nosferatu zum Anlass und bloggte über den Film, berichtete viral in verschiedenen Facebook-Gruppen und verschickte einen Newsletter, der einmal wöchentlich erscheint.

In der Kombination waren unsere Bemühungen ein schöner Erfolg. Das Publikum kam und der Saal 5 des Scala-Kinos füllte sich. Uns wurde klar: Es gibt ein Publikum abseits vom Mainstream-Kino, das wir erreichen können. Und ich hab selbst viel gelernt über Kinotechnik, nachdem ich aus einer Zeit stamme, als es noch klassische Filmprojektoren im Kino gab und nicht Hochleistungsbeamer, die via Computer gesteuert wurden.
Wenn das Kino zustimmt, dann mache ich gerne weiter. Im Moment arbeite ich an einer Verfeinerung des Formats. Ideen hab ich so einige, denn für mich ist es wichtig, dass Kino weiterlebt, sich verändert und ein Ort der Community wird. Vielleicht irgendwann eine Convention, vielleicht eine Ausstellung – da geht noch mehr. Der Anfang ist gemacht, jetzt gehen wir (hoffentlich) den nächsten Schritt.

Dracula im Film (22): Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens

5. März 2022

Der Film ist die Mutter aller Vampirfilme. Nachdem Nosferatu am 4. März 1922 ins Kino kam, änderte sich die Welt des fantastischen Films. Friedrich Wilhelm Murnau schuf ein Meisterwerk des expressionistischen Horrorfilms – vielleicht nur mit dem Einfluss des Kabinetts des Dr. Caligari vergleichbar.

Und auch 100 Jahre nach seiner Premiere ist der Stummfilm Nosferatu – eine Symphonie des Grauens unheimlich. Das liegt zum einen an der Regiearbeit von Murnau, zum anderen an der Darstellung des Vampirs durch Max Schreck, der in Klaus Kinski, Willem Dafoe und Reggie Nalder seine Nachfolger hatte. Dabei hätten wir beinahe den Film nie zu Gesicht bekommen. Die Produktionsfirma Prana-Film von Enrico Dieckmann und des Okkultisten Albin Grau nahmen die Dracula-Vorlage von Bram Stoker ohne sich um die Rechte zu kümmern. Stokers Witwe klagte, bekam 1925 recht und alle Kopie sollten vernichtet werden. Das geschah allerdings nur teilweise und so wurde der Filmschatz bis in die heutige Zeit gerettet. Es tauchten Szenen von Nosferatu noch in dem Film „die zwölfte Stunde“ 1930 als erweiterte Raubkopie auf. Ich hab über diesen Film und eine Live-Klavierbegleitung von Richard Siedhoff mal gebloggt.

Ich sehe nach 100 Jahren Parallelen zur heutigen Zeit. Murnaus Nosferatu traf damals den Nerv der Zeit und tut es sicher heute auch noch. Das Ende des schrecklichen ersten Weltkriegs lag 1922 noch nicht lange Zeit. Europa lag in Trümmern, die Menschen hatten schwerste körperliche und seelische Verletzungen. Und auch die spanische Grippe hatte auf dem Kontinent gewütet und die Seuche forderte viele Todesopfer. Und es stand damals die gewaltige Inflation vor der Tür, die 1928 ausbrach und die wirtschaftliche Welt zusammenbrechen ließ. Weimar scheiterte und der Nationalsozialismus stürzte die Welt in den nächsten schrecklichen Krieg. Die eine oder andere Parallele gibt es zu heute: Krieg, Corona, Inflation. Und ich sehe den Einfluss des Übernatürlichen. 1922 war es der Okkultismus, heute ist es New Age oder Esoterik.


Ohne Nosferatu hätte es keinen Carl Theodor Dreyers Vampyr – Der Traum des Allan Grey gegeben, wir hätten nie Bela Lugosi in Tod Brownings Dracula 1931 genießen können, Christopher Lee hätte 1958 bei Hammer nie seinen Einstand gehabt und auch Werner Herzog hätte 1979 nie Kinski als Nosferatu die Kamera verführen dürfen, MTV wäre bei Coppola Dracula in Kostümen geschwelgt und auch Shadow of the Vampire hätte nie das Gedankenspiel durchspielen können, ob Max Schreck vielleicht doch ein Vampir war.

Hinweis: Zum Jubiläum des Films bin ich zu einem kleinen Filmsymposium eingeladen. Am Sonntag, 6. März, kehrt das Grauen nach 100 Jahren zurück. Mit einer Matinee ehren wir im Scala Kino Fürstenfeldbruck um 12 Uhr das Meisterwerk des Vampirfilms. Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens.

Filmkritik: James Bond 007 – keine Zeit zum Sterben / No Time to die

15. Oktober 2021

Der neue James Bond Film No time to die hat alles richtig gemacht und für mich viel falsch gemacht. Für mich als Traditionalist in Sachen Bond bricht dieser Bond zu sehr mit der Tradition und fügt sich dem modernen Zeitgeist. Dabei geht er weiter als die Vorgängerfilme. Daniel Craigs Interpretation des britischen Geheimagenten ist konsequent modern – und ich mag diese Interpretation nicht.

Keine Zeit zu sterben ist kein Bond in der Tradition der klassischen Filme. Zu viel hat das Produzentenduo Michael G. Wilson und Barbara Broccoli den Agent mit der Lizenz zum Töten weichgespült und dem Zeitgeist angepasst. Dadurch ist der Bond-Film auswechselbar geworden und unterscheidet sich nicht mehr von herkömmlichen Actionfilmen. Das Bond-Flair ist nur noch in Details vorhanden.

Der Film lebt von der Vergangenheit, von der Tradition ein Teil der erfolgreichsten Filmreihe der Welt zu sein. Nachdem der Start aufgrund von Corona immer wieder verschoben wurde, tut der fulminante Start den Kinos gut und dies begrüße ich. Zumindest in Deutschland ist der Film ein Kassenschlager. In den USA zündet Bond nicht so. Ich hab mir den langen Film in meinem Lieblingskino vor Ort dem Scala Fürstenfeldbruck angeschaut.

Einige Szenen von No Time to die erinnern mit Augenzwinkern an den Bond der Vergangenheit. Ich begrüße diese Verbeugung an die alten glorreichen Bond-Zeiten: Das wird gleich zu Beginn klar, als unser geliebter Aston Martin DB5 über die kurvigen Straßen von Italien rollt. Wir haben alle Zeit der Welt. Der Geheimdienst ihrer Majestät lässt grüßen. Ich sehe im Geiste die große Diana Rigg und mir wird klar, dass es aktuell Léa Seydoux als Madeleine Swann ist. Was für ein dramatischer Verlust an Schauspielkunst! Wir hören Louis Armstrongs Song am Ende des Films nochmal. Damit war schon zu Beginn klar, dass No Time to Die dramatisch enden wird.

Traditionspflege Aston Martin
Im Grunde waren die Aston Martins das Zeitlose an dem neuen Bond. Ich genoss das Erscheinen der Autos, die mehr Seele haben als die Schauspieler, die in ihm sitzen. Der Aston Martin DB5 ist das Auto, mit dem alles angefangen hat, als es 1964 im Bond-Film Goldfinger erstmals auf der Kinoleinwand erschien. Der DB5 machte einen solchen Eindruck, dass er danach in sechs weiteren Bond-Filmen zu sehen war: Feuerball, Golden Eye, Der Morgen stirbt nie, Casino Royale, Skyfall und Spectre. Sean Connery, Pierce Brosnan und Daniel Craig waren alle in dem Sportwagen aus den 1960er Jahren unterwegs.

Der DB5 der Gegenwart wird von der neuen MI6-Agentin Nomi, gespielt von Lashana Lynch, gefahren. Neue Agenten brauchen neue Autos. Das Flaggschiff des Aston Martin Portfolios legt im Film einen ganz großen Auftritt hin. Auch der Valhalla – der revolutionäre Mittelmotor-Sportwagen von Aston Martin – feiert in Keine Zeit zu sterben einen ganz besonderen Gastauftritt. Für mich neben dem DB5 kommt gleich der V8 Saloon, ähnlich dem Modell, das erstmals 1987 in Der Hauch des Todes einen Auftritt hatte. Der V8 Saloon feierte ein Jahrzehnt vor Timothy Daltons Bond sein Debüt und war sowohl das schnellste viersitzige Serienmodell seiner Zeit als auch das erste echte „Supercar“ Großbritanniens. Wer genau hinschaut, sieht am Nummernschild (B549 WUU), dass es sich um Daltons Auto handelt.

Erinnerung an große Zeiten
In der Basis des Schurken angekommen, sehen wir eine Verbeugung vor dem großen Ken Adam, der mit seinem Setdesign das Bond-Feeling prägte. Und wir sehen immer wieder das Set von Dr. No in dem Sean Connery als Bond startete. Ach ja, der gute alte Dr. No. Der Film spielte auf Jamaika und auch Keine Zeit zu sterben nimmt sich die Zeit, in Golden Eye, dem Anwesen von Ian Fleming, umherzustreifen. Das macht Laune, dass die Bond Macher solch einen historischen geschmackvollen Drehort zum Abschluss der Craig-Reihe gewählt haben.

In einer Zeit, in der Lieschen Müller sich als Pauschaltouristin die Welt ansehen kann, reicht es nicht mehr, dass James Bond Filme Exotik der Südsee und Flair der Ferne zeigen. Gedreht wurde in Süditalien, Kuba und London – alles Orte, die Lieschen Müller ansteuern kann. Die Welt von Bond ist eben kleiner geworden.
Achten Sie auf das Getränk in Jamaika. Es gibt keinen Wodka Martini. Stattdessen steht dort eine Flasche Blackwell Rum. Das ist nicht wie bei Bond-Filmen üblich ein Productplacement, sondern Blackwell Rum gehört Chris Blackwell, der bei Dr. No Location-Scout war und dann ins Rumgeschäft einstieg. Nette Spielerei für Bond-Fans und Alkoholiker.

Das letzte Mal Daniel Craig
Ich war nie ein Fan von Daniels Craig Interpretation des Helden, aber er spielt seinen Bond aus seiner Sicht konsequent. Auf der einen Seite zeigt er die Härte, die ein Agent mit der Lizenz zum Töten ausstrahlen muss. Er killt seine Gegner ohne Gnade. Aber auf der anderen Seite gibt Craig einen tiefen Einblick in Bonds Gefühlswelt. So haben wir unseren Bond noch nie gesehen – und wenn ich ehrlich bin, so wollte ich ihn auch nie sehen. Bond zeigt Wärme, Rücksicht, Verlangen – Softskills. Die Frauen, ich darf nicht mehr Bond-Girls schreiben, werden von Bond nicht mehr flachgelegt, sondern befördert. Nomi (Lashana Lynch) bekommt sogar die 007-Lizenz.

Übrigens: Im Hebräischen bedeutet Noomi „angenehm, erfreulich, liebenswürdig, die Liebliche“. Die meeto-Debatte hat Bond erreicht und die Kunstfigur James Bond neu geformt. Entstanden ist ein neuer Bond, der für mich aber auswechselbar, blasser wirkt, der seine Kanten verloren hat. Die kalten Krieger von Ian Fleming sind nicht mehr gefragt. Es ist auch nicht mehr die Figur, die Ian Fleming einstmals erdacht hatte. Bond wird in diesem Film ein Familienmensch.
Ist Ihnen aufgefallen, dass die Eröffnungssequenz fehlt, die uns immer begleitet hat: Bond dreht sich in die Kamera und schießt und dann setzt die Titelmusik ein. Bei Keine Zeit zu streben, darf Billie Eilish singen, aber diese ikonische Szene fehlt. Gegen Ende des Films im Showdown kommt eine Homage daran, als Bond an einer Wegkreuzung einen Terroristen umballert. Hier bricht der Film mit seinen Vorgängern und als Traditionalist in Sachen Bond mag ich das nicht.

Der böse Mann
Ungewohnte Härte und sogar Furcht gibt es gleich zu Beginn des Film. Bösewicht Lyutsifer Safin, von Rami Malik gut dargestellt, geht auf die Jagd nach einem Kind. Was geht da ab? Die Atmosphäre des Auftakts ist dicht, das Ganze ist spannend und brutal. So etwas zu Beginn eines Bond-Films, ohne dass der Held auftaucht, ist ungewöhnlich und bricht mit liebgewonnen Traditionen. Und da wir schon bei Bösewichten sind: Blofeld ist auch wieder da, Walz spielt ihn prima, doch seine Fesselung auf einem Stuhl ist einfach lächerlich und eines Bond-Bösewichts nicht würdig. Ein bisschen Schweigen der Lämmer im Hochsicherheitstrakt, das haben wir schon mal besser, viel besser gesehen.
Das Thema der biologischen Waffe ist in Corona-Zeiten hoch aktuell – da kam den Machern der Zufall zu Hilfe.

Mein Fazit: No Time to die ist ein emotionaler Actionfilm geworden, wie ihn das heutige Publikum zu schätzen weiß. Gut, dass die Ära Craig damit zu Ende gegangen ist und es eine Chance für einen Neuanfang gibt. Obwohl das Ende ja das Ende ist, geben uns die Produzenten die Hoffnung mit den Zeilen „James Bond will return“