Posts Tagged ‘New York’

Persönlicher Nachruf auf Lou Reed

28. Oktober 2013

Das erste Mal als ich Lou Reed gehört habe, war ich ein Teenager auf der Suche nach neuen musikalischen Ufern. Bei einem Kumpel hörte ich die VU-Aufnahmen mit Nico. Die Stimme der schönen Deutschen faszinierte mich, aber noch mehr der Sound der Band. Ungemein rhythmisch, doch zugleich kalt und hart. Mein Popmusikhimmel geriet ins Wanken, als ich von der Band die ersten Bilder sah. Internet gab es damals nicht und so musste ich in Rockalmanachs stöbern, um einen Eindruck von den Kerlen zu bekommen. Typen in Lederjacken mit Sonnenbrillen – das war anders als die Sunnyboys, die ich kannte.

Ich hörte mich in VU ein und musste erst einmal schlucken. Die besungene Welt war ganz anders als die heile Welt in der ich aufgewachsen sind. Ich wartete nie auf einen Freier und spritze mir kein Heroin, machte einen Entzug oder experimentierte nicht mit Sadomaso. Obwohl ich nichts mit der Welt von VU gemeinsam hatte bis auf die Vorliebe für Andy Warhol gefiel mir der Sound. Erst auf LP und später auf CD kaufte ich mir alles von VU. Zuletzt bekam ich von meiner Frau die Bananen-Box geschenkt. Ich glaube, sie weiß gar nicht, welche Freude sie mir gemacht hat.

Box

Als Lou Reed auf Solopfaden wandelte, folgte ich ihm. Zwar war ich kein Transvestit, der von Miami nach NYC kam, sich die Beine rasierte und einen Walk of the wild Side antrat. Klar die Transformer war wichtig, aber persönlich noch wichtiger war das New York Album. Ich hatte es bei meinen Streifzügen durch Big Apple im Ohr, verschenkte die CD ein paar Mal. Das war für mich das Meisterwerk von Lou Reed. Die Gosse, die dunklen Seiten – welch Faszination.

Dann verlor ich Reed aus den Augen bzw. aus den Ohren. 1993 kam er für mich zurück als er mit Fool of Pride eine der besten Nummern des 30th Anniversary Concert Celebration von Bob Dylan ablieferte. Da war es wieder das alte Feuer, der hypnotische Sprechgesang. Ich kramte meine alten Scheiben hervor und lauschte den Worten. Reed studierte einstmals Kreatives Schreiben an der Syracuse University, und der Dichter Delmore Schwartz war sein Lehrer – das merkt man.

Von jüngeren Aufnahmen gefielen mir die Poe-Aufnahmen von 2000. Ich wollte nach Hamburg, um mir die Aufführungen anzusehen, kam aber nie dazu. Jetzt ist es vorbei. Da die CD ohne Textbuch auskam, besorgte ich mir die Buchversion The Raven mit Zeichnungen von Lorenzo Mattotti, um das alte Englisch von Edgar Allan zu verstehen. Die Worte hab ich dann verstanden, ob es mir mit dem Sinn auch so ging, sei dahingestellt.

Auch blieb mir die Sinnhaftigkeit in der Zusammenarbeit mit Metallica bei Lulu zunächst verborgen. Zu radikal war die Wendung Reeds. Rückblickend gesehen, ist es ein großartiges Album geworden. Aber sehr gewöhnungsbedürftig. Gerne hätte ich dich oder Auftritte mit seiner Frau Laurie Anderson gesehen. Sie war jahrelang ein absoluter Geheimtipp für mich. Oh Superman und Home of the Brave gehören für mich zu den Klassikern der Performanceart.

11. September: Here is New York: A Democracy of Photographs

11. September 2013

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Zwölf Jahre sind nach den erschütternden Ereignissen zum 11. September nunmehr ins Land gegangen. Immer wieder wurde damals gesagt: die Welt wird nicht mehr die gleiche sein. Diese Mahner sollten Recht behalten: die Feldzüge in Afghanistan und anschließend im Irak haben die Welt verändert. Auch die USA haben sich komplett verändert: aus dem Land der Freiheit ist ein Land des Misstrauens geworden. Die heutigen Affären um die NSA zeigen, wohin Überwachung führen kann.

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Ich habe aus meinen Archiv ein eindrucksvolles Fotobuch über den 11. September geholt. Es gibt viele Bücher, die die Ereignisse in New York dokumentieren und analysieren. Für mich ist das Buch Here is New York: A Democracy of Photographs eines der besten Bücher. Nach dem 11. September setzte die Bilderflut über die zusammenbrechen Türme ein. Die Organisation Here is New York wollte diese Bilderflut über den Schmerz und die Trauer der New Yorker in einem eindrucksvollen Werk festhalten. Sie riefen die New Yorker auf, ihre Bilder einzusenden: Und die Bewohner der angegriffenen Stadt folgten diesem Aufruf. Amateure und Profis schicken ihre Fotos, Dias und Ausdrucke. Viele von ihnen wurden in diesem Kilo schweren, 860 seitigen Buch abgebildet.

Das Buch zeigt unterschiedlichen Eindrücke, die unterschiedlichen Perspektiven, die unterschiedlichen Stile, und die unterschiedliche Trauer wie New York auf diesen Angriff reagierte. Wir sehen natürlich die einstürzenden Türme, wir sehen wie verzweifelte Leute aus dem Wolkenkratzer in den Tod springen und auf dem Boden aufschlagen. Wir sehen das Entsetzen in den Augen der Passanten, ihre Wut, ihre Verzweiflung und ihre Angst. Die Arbeit der Feuerwehrleute und Polizei wird ebenso dokumentiert wie die Arbeit der vielen freiwilligen Helfer. Nachdem die Türme eingestürzt sind, begann das Aufarbeiten: Leute suchten ihre Angehörigen. Und dieses Buch zeigt, wie New York auf diese Angriffe reagiert: Die einen schworen Rache, die anderen mahnten zu Besonnenheit: Wir brauchen keine Cowboys.

Der Titel des Buches Here is New York: ist auch gleichzeitig Programm: So wie New York ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, Strömungen, und Interessen ist, ist dieses Buch ein Schmelztiegel der Verarbeitung um den 11. September.

Zudem habe ich einige New York Bilder einer Reise vom August 2012 hier angefügt, die den 11. September im Straßenbild dieser Stadt zeigen.

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Für Lego- und NY-Fans: I love New York von Christoph Niemann

29. Juni 2013

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Ich liebe New York und ich liebe Lego. Was liegt also näher, als diese beiden Interessen miteinander zu verbinden. Leider kam mir Christoph Niemann zuvor. Sein phänomenales Buch I LEGO® New York hat mich wirklich zum Lachen gebracht.

Und ich kann es jeden New York-Fan und Lego-Fan wärmstens empfehlen. Das Buch ist ein dickes Bilderbuch im Format von kleinen Kinderbüchern. Auf wenigen Seiten lässt er aber meine Erinnerungen an New York in Kombination mit den bunten, dänischen Bauklötzen wieder aufleben. Niemann schuf seine Version von New York, indem er es mit Lego einfach nachbaute. Herausgekommen sind dabei nicht großartige Legobauwerke, wie wir sie im Legoland sehen können. Nein, vielmehr sind kleine, einfache Lego-Werke entstanden, aber mit viel, viel Emotionen und viel Detailliebe.

Christoph Niemann ist ein Meister seines Fachs. Illustriert er doch seit Jahren für die New Yorker, das Rolling Stone Magazin, WIRED und das New York Magazine. Er selbst nennt das Buch „eine spielerische Liebeserklärung an New York“, und ich muss ihn zu 100 % Recht geben. Es sind gerade die Details, die die Verliebtheit zu dieser Stadt erkennen lassen. Gerade Lego-Steine schaffen es, in unseren Köpfen Bilder zu erzeugen, sei es das Empire State Building am St. Patrick´s Day, Starbucks-Kaffee, Donald Trumps Frisur, Holland Tunnel. Den besten Beitrag finde ich aber eine Szene aus Taxi-Driver. Schaut euch das Video zu I LEGO® New York an, dann versteht ihr, was ich meine:

Vormerken: Am 20. April ist der Record Store Day (1)

17. April 2013

Am 20. April ist der Record Store Day, also der Tag der Schallplattengeschäfte. Während ich als Kind jeden Samstag im örtlichen Schallplattenladen Sound verbracht hatte, ist für mich heute die Zeit der Plattenläden vorbei. Der Record Store Day ist eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Im Grunde wird krampfhaft versucht, etwas Sterbendes am Leben zu erhalten.

Dazu zwei Geschichten aus meiner jüngsten Vergangenheit: Als ich vergangenes Jahr in New York weilte, wollte ich den Aufenthalt mit dem Kauf der Beatles-Box in Mono krönen. Ich dachte mir, naiv wie ich bin, wenn irgendwo die Beatles zu haben sind, dann wohl in New York. Denkste. Zusammen mit meiner Frau hielt ich Ausschau nach CD-Läden, konnte aber keinen größeren Stores mehr finden. Ich wollte so was wie Tower Records oder Virgin Mega Stores. Aber nichts fanden wir.

Hab ich schon mal etwas von Amazon gehört, wurde ich in NYC gefragt.

Hab ich schon mal etwas von Amazon gehört, wurde ich in NYC gefragt.

Als wir im ehemaligen Künstlerviertel in New York spazieren gingen, dem Greenwich Village, schaute ich bei der Bleecker Street vorbei und traf auf den legendären Bleecker Street Records (39 Bleecker St. zwischen Carmine und Leroy streets). Übrigens wird der Laden im April 2013 wohl schließen, weil der Vermieter die Miete auf  27.000 US-Dollar anheben will. Naja, dem Betreiber von Bleecker Street Records schilderte ich mein Beatles-Problem und fragte nach Stores in New York. Der Typ schaute mich kurz an und ordnete dann seine Vinyl-Schallplatten weiter. Er sagte lakonisch zu mir: „Hast du schon mal was von Amazon und iTunes gehört?“

Das nächste Erlebnis mit einem Schallplattengeschäft hatte ich in Köln. Neben dem Millowitsch Theater in der Aachener Strasse 5 ist der Parallel Schallplatten. Das Sortiment umfasst Jazz, Funk, Soul, HipHop, Reggae, Soundtracks, Entertainer, Easy Listening, Country, Rock, Pop, Indie, New Wave, Industrial, Avantgarde und Klassik. Der Online-Shop ist interessant. Ich verbrachte ein paar Stunden in dem Schallplattengeschäft, fachsimpelte und quatschte – und kaufte am Schluss eine CD mit Musik vom C64. Ja, ich geb es zu, ich schäme mich dafür. Ich wollte eigentlich eine paar Singles, wurde aber nicht mehr fündig.

Blick in eine Parallel-Welt bei Parallel Schallplatten in Köln.

Blick in eine Parallel-Welt bei Parallel Schallplatten in Köln.

Vielleicht bewege ich mich am Record Store Day doch noch in ein paar Shops. In München gibt es noch welche. Schließlich gibt es an dem Tag eine neue Dylan Single, die ich brauche. Columbia Records will eine neue Dylan-Single veröffentlichen: Es handelt sich um eine Demo-Version von Wigwam und damit ein Teil der anstehenden Bootleg Series Vol. 10. Auf der B-Seite gibt es eine unveröffentlichte Version von Thirsty Boots. Insgesamt handelt sich um Aufnahmen einer von Fans ungeliebten Dylan-Phase mit abgedroschenen Schlagern. Ich bin sehr gespannt auf die Aufnahmen.

Trotz einiger Vinyl-Platten und einer gewissen Szene halte ich den Schallplattenmarkt als Massenmarkt für tot. Dennoch kann ich mich nicht überwinden, meine Vinyl-Schätze im Keller zu verkaufen. Sie werden noch einige Jahre dort verstauben. Aber ich verspreche: Neue Schallplatten werde ich keine mehr kaufen, höchstens noch ein paar Singles.

Parallel Schallplatten in Köln.

Parallel Schallplatten in Köln.

New York: Rolltreppefahren bei Shoppen Macy‘s

19. März 2013

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New York heißt für mich auch immer Shoppen bei Macy‘s. Auch wenn sich für mich die Ära der Kaufhäuser sich dem Ende zuneigt, sollte der New York-Tourist das größte Warenhaus der Welt an der Ecke 34th Street und Broadway besichtigen. Unbedingt, denn auf rund 198.500 Quadratmeter arbeiten 3000 Menschen auf zehn Etagen. Wer dort einkauft will, sollte sich an der Information einen kostenlosen Macy‘s Visitor Saving Pass besorgen. Damit spart der preisbewusste Einkäufer und Schnäppchenjäger nochmals 10 Prozent.

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Das Ambiente ist toll. Im Parterre hängen große Kronleuchter von der Decke und zeugen von dem Erfolg vergangener Tage. Aber ich muss zugeben, am eindrucksvollsten fand ich bei alle dem Luxus das Fahren mit den alten hölzernen Rolltreppen. Sie verbinden Etage um Etage und sind in der Mitte des großen Gebäudes zu finden. Anders als heutige Metalltreppen, strahlen die Rolltreppen bei Macy‘s einen besonderen Flair aus: Es rumpelt schön, ein technisches Dahingleiten wie die moderne Treppen aus Metall. Sie sind zudem deutlich enger. Sie gelten als eine der ersten Rolltreppen überhaupt. Natürlich gab es Rolltreppen bereits früher schon. 1895 wurden eine Fahrtreppe als eine Attraktion in einem Vergnügungspark auf Coney Island erstmals betrieben. Diese Fahrtreppe wurde von Jesse W. Reno erfunden, dem am 15. März 1892 das beantragte Patent zugesprochen wurde. Aber die Rolltreppen in Macy‘s sind für mich etwas besonderes und jeder New York-Fan sollte sie sich einmal ansehen und darauf fahren – es kostet garantiert nichts.

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New York: Mein Empire State Building

18. März 2013

Natürlich gibt es höhere Gebäude, natürlich gibt es schönere Gebäude, aber für mich gehört das Empire State Building einfach zu New York dazu. Bei meinen Besuchen in Big Apple ließ ich immer wieder von der Magie des Gebäudes begeistern.

Der Zauber beginnt bereits in der Lobby. Sie gilt als Meisterwerk des Art Deco. Sobald ich die Türen des Empire State Buildings durch den Eingang an der Fifth Avenue betrete, wirkt der Zauber. Der Raum protzt mit 23 Karat Gold, Aluminium und viel, viel Marmor aus Belgien, Frankreich, Deutschland und klar Italien.

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Überall wird natürlich auf King Kong verwiesen. Der Affe ist überall anzutreffen. Das macht den Charme der USA aus. Sie verbinden klassische Architektur mit schriller Unterhaltung. Sicherlich war das Empire State Building schon vor King Kong berühmt. Aber sicher wurde es durch den Film aus dem Jahre 1933 weltbekannt. Der Riesenaffe hatte dort seinen letzten Auftritt. Nach seinem Engagement am Broadway zog es den Affen zu dem damals größten Gebäude New Yorks, schnappte sich seine weiße Frau und bestieg das Gebäude.  Doppeldecker schossen es von der Spitze des Empire State Buildings, doch wir Filmfreunde wissen es besser: Die Schöne hat die Bestie getötet.

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King Kong begegnet uns hinter Glas im Eingangsbereich und zum Zugang zum 86th Floor, wo die erste Besichtigungsplattform liegt. Wer Glück hat, trifft auf einen Schauspieler im Affenkostüm. Ein Typ mit Tropenhelm macht Fotos für uns Touris. Die Besichtigungsplattform in einer Höhe von 320 Metern (1050 ft). Hier hat man einen wunderbaren 360 Grad Blick über ganz New York- alle Stadtteile liegen im Blick. Bei guten Wetter können die Touristenmassen über 80 Miles weit blicken. Leider sind bei guten Wetter auch ein paar Touristen mehr anzutreffen. Bei schlechten Wetter bleibt der Außenbereich der Plattform geschlossen und es bleibt nur der Blick durch die Fenster.

Wer höher hinaus will und tiefer in die Tasche greift, der fährt zum 120. Stock zur nächsten  Besichtigungsplattform hoch. Mit 381 Meter ist es der höchste Punkt des Empire State Buildings für uns Touristen. Natürlich King Kong stieg höher hinaus, als er mit den Doppeldeckern kämpfte.

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Unbedingt sollte man das Gebäude auch in den Abendstunden besuchen. Die Spitze ist in verschiedenen Farben erleuchtet. Das kennen wir aus romantischen Hollywood-Filmen, wie beispielsweise Schlaflos in Seattle. Allerdings stellt man fest, der Film aus dem Jahre 1993 mit Tom Hanks und Meg Ryan ist nicht authentisch. Die beiden finden ihre große Liebe auf der Aussichtsplattform des Empire State Buildings. Allerdings müssen Tom Hanks und Meg Ryan nicht so viele Fahrstühle und Rolltreppen über sich ergehen lassen, um ihre Liebe zu finden. Die Filmemacher haben einfach ein paar Treppen weggelassen – Hollywood macht es möglich. Wer ein wenig Romantik trotzdem haben will: Für uns Touris spielt Donnerstag, Freitags und Samstags ein Saxophonspieler live oder im Zweifelsfall aus der Konserve.

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Abwärts lohnt sich natürlich der Besuch des Andenkenshops. Wer Kitsch in seiner reinsten Form mag, der findet hier sein Paradis. Allerhand Nippes gibt es in Regalen, Ständern und Magazinen. Das Modell des Empire State Buildings in verschiedenen Größen, aus verschiedenen Materialien, als Glaskugel oder Spieluhr. Mal mit Affe, mal ohne Affe, in Kristall mit Uhr, auf Tassen, Teller, Poster, DVDs und Bücher. Wenn King Kong das gesehen hätte, dann wäre er wohl gleich gesprungen. Filmfreunde finden neben der Verfilmung von 1933 auch zahlreiche Kong-Varianten sowie die Verfilmung von Peter Jackson. Natürlich fehlt die Verfilmung aus dem Jahr 1976 von John Guillermin mit einer schrecklichen Jessica Lange als weiße Frau. Warum? Ganz einfach – King Kong besteigt in dieser Verfilmung nicht das Empire State Building, sondern das World Trade Center und stürzt dort herunter. Beides, Film und World Trade Center, sind inzwischen Geschichte.

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Besuch im Lego Store New York City: Rockefeller Center

3. März 2013
Der Eingang zum Lego Store New York.

Der Eingang zum Lego Store New York.

Es ist wohl ein Trend im Einzelhandel, dass große Marken eigene Stores eröffnen. Apple hat es mit den Apple Retail Stores vorgemacht, dann kamen Nike, Sony und andere und natürlich Lego. Vor kurzem eröffnete in München Pasing der Lego Store. Er ist prima, aber natürlich überschaubar.

Das Rockefeller Center in Lego.

Das Rockefeller Center in Lego.

Bei meinem jüngsten NewYork-Besuch schaute ich natürlich in dem großartigen Lego Store am Rockefeller Center an. Zu finden ist er an 620 5th Ave, New York. Vor allem faszinierte mich das Schaufenster. Dort war die Szenerie des Rockefeller Centers in Lego nachgebaut. Die Besucher verglichen die reale Welt mit der Lego-Welt und versuchten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden. Wer sich ein paar Minuten Zeit nimmt, kann wunderbare Details entdecken – vor allem fand ich Darth Vader als Gärtner besonders nett. Der Platz vor dem Rockefeller Center ist hinlänglich bekannt aus zahlreichen Hollywood-Filmen. Im Winter ist die Fläche vor dem Center eine kleine Eisfläche zum Schlittschuhlaufen.

Im Store selbst ging es recht kuschelig zu. Viele Besucher fragten nach den dänischen Steinen. Am besten ging bei meinem US-Besuch die Star Wars-Serie.

Auch die New Yorker lieben Lego Star Wars.

Auch die New Yorker lieben Lego Star Wars.

Amtrak: WLAN zwischen Philadelphia und New York

23. Februar 2013
Reisen mit dem Amtrak

Reisen mit dem Amtrak

Aus verschiedenen Gründen fahre ich zu meinen Seminaren und Terminen mit dem Zug. Aber Arbeiten im Zug ist eher Fehlanzeige, weil ich zum Arbeiten in der Regel Internet brauche. Auf vielen Strecken der Deutschen Bahn ist damit tote Hose. Ab und zu habe ich Edge-Empfang, in manchen Bahnhöfen 3G und bei viel Glück LTE. WLAN ist komplette Fehlanzeige – und ehrlich gesagt: Es kotzt mich an – Verzeihung für den Kraftausdruck.

Da schwafeln wir über Zukunftsstandort Deutschland, in meinem Bayern über Laptop und Lederhosen und was machen wir: Wir verbieten offene WLAN wegen Störerhaftung und der Netzausbau ist im ländlichen Raum grauenhaft. Gute Nacht Deutschland.

Hot-Spot im Zug.

Hot-Spot im Zug.

Vor kurzem war ich in den USA zwischen Philadelphia und New York unterwegs und nutzte Amtrak. Seit 1971 wird in den Staaten der nationale Zugverkehr unter der Marke Amtrak geführt. Mir ahnte Schlimmes, hatte ich im Autoland wenig Gutes vom Zug gehört. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. „Your Seat is now a Hot Spot“ machte Amtrak mich mit Aufklebern am Fenster auf WLAN aufmerksam. Wow, wow, wow. Auf der kompletten Bahnstrecke zwischen den beiden Großstädten gab es leistungsstarkes, unterbrechungsfreies und kostenloses WLAN. Via Amtrakconnect konnte ich mich mit iPads und iPhone einklinken, Mails bearbeiten, auf die Cloud zugreifen – auf gut Deutsch: Ich konnte arbeiten.

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Jetzt bin ich wirklich nicht derjenige, der die USA über den grünen Klee lobt, aber dieser Service hat mich wirklich umgehauen. Das ist der Unterschied. Wir reden darüber und die Amerikaner machen es einfach. Kein Wunder, dass Amazon, Apple, Google und Co allesamt US-Firmen sind.

In New York angekommen in der Pennsylvania Station (auch als Penn Station bekannt) machte Amtrak im Bahnhof Werbung mit diesem Service. „You asked for Wi-Fi. You got it“ sinngemäß: Sie verlangten nach WLAN und Sie bekommen es. Große Plakate und Plakatwände zeigen die Zukunft.

Yoko Ono wird 80. Jahre – alles Gute von mir

18. Februar 2013

Heute feiert Yoko Ono ihren 80. Geburtstag. Da gratuliere ich natürlich der alten Dame in aller Form. Inzwischen habe ich meinen persönlichen Frieden mit Yoko Ono gemacht. Für uns Beatles-Fans war sie zeitweise ein Stein des Anstoßes. Galt sie doch als Trennungsgrund für die Beatles.

Heute wissen wir, es ist Quatsch. Zwischen Paul McCartney und John Lennon kriselte es schon länger. Vielleicht hat die starke Persönlichkeit Yoko Ono die Trennung der Fab Four beschleunigt, aber sie war sicherlich nicht der Grund für die Trennung. Ich möchte mich für den Groll, den ich Frau Ono entgegenbrachte aufrichtig entschuldigen. Ihr wird es wohl egal sein.

Sie als Künstlerin hatte die Herausforderung zu bewältigen mit John Lennon als großen Künstler an ihrer Seite zu bestehen. Sie war nicht ein Anhängsel, sondern eine eigenständige, starke Frau. Die Liebe zwischen John und Yoko war unheimlich stark und sie musste erleben, wie der Irre Mark Chapman die Liebe ihres Lebens erschoss. Am 8. Dezember 1980 tötete der Irre den Beatle und Yoko Ono musste diesen Mord mitansehen – grausam.

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Dass so ein Mord ein Leben prägt, ist nur verständlich. Als Beatles-Fan trauerte ich um den Tod von John Lennon. Ich hatte Mitleid mit der Familie. Kein Verständnis hatte und habe ich dafür, dass Yoko Ono die blutverschmierte Brille von John Lennon auf dem Cover ihres Albums Season of Glass abgebildet hat. Das Album war zugegeben hervorragend, nur das Cover war für mich eine Beleidigung und ein Schock. Das habe ich Frau Ono bis heute nicht verziehen, auch zum 80. Geburtstag nicht. Um es diplomatisch zu sagen: Yoko Onos Alben waren in der Regel nicht mein Fall. Ich habe mir die Lennon-Aufnahmen mit ihr gekauft, die Solo-Aufnahmen mied ich in der Regel bis auf Season of Glass, wahrscheinlich weil es mit den gleichen Musikern aufgenommen wurde wie Milk and Honey. Unlängst habe ich auch Signature wieder komplett durchgehört, wunderschön.

Hier meine Videoerinnerung an die Stawberry Fields:

Seit 1980 kämpft sie erfolgreich dafür, dass der Mörder Chapmann hinter Gittern bleibt – und das ist meiner Meinung nach gut so. Die Bewährungsgesuche Chapmanns lehnte sie immer wieder ab. Im August 2012 war es wieder einmal soweit. Mark Chapmann stellte zum siebten Mal ein Gesuch auf Entlassung aus der New Yorker Anstalt Wende Correctional Facility, aber die Witwe von John Lennon lehnte ab. Begründung: Sie habe Angst um ihr Leben. Ich war zufällig bei der Ablehnung des Antrags in New York und besuchte den Ort des Mordes: Das Dakota Building, in dem die Familie Lennon/Ono wohnte und in dem Roman Polanski auch schon sein grausames Rosemaries Baby gedreht hatte.

Der Ort des Mordes an John Lennon.

Der Ort des Mordes an John Lennon.

Um auf andere Gedanken zu kommen, besuchte ich mit meiner Frau die Strawberry Fields im nahegelegenen Central Park. Hier hat Yoko Ono ihrem Mann ein Denkmal hinterlassen. Beatles Fans aus aller Welt legen hier Blumen nieder, singen Lieder von John Lennon und gedenken seiner. Das wird heute am 80. Geburtstag seiner geliebten Frau Yoko Ono nicht anders sein. Also: Alles Gute zum Geburtstag liebe Yoko Ono und wie wir in Bayern sagen: Samma wieder guat.

Bei den Strwberry Field wird gefeiert.

Bei den Strwberry Field wird gefeiert.

New York-Ausstellung übers Mittagessen: Lunch Hour

6. Februar 2013
Lunch Poetry - Gedichte zum Mittagessen

Lunch Poetry – Gedichte zum Mittagessen

Wer zufällig in New York ist, der sollte sich unbedingt die (kostenlose) Ausstellung Lunch Hour in der New York Public Library ansehen. Es lohnt sich für alle, die gerne essen. Die Ausstellung dreht sich bis 17. Februar schließlich ums Essen, speziell ums Mittagessen der vergangenen 150 Jahre in New York.

Es ist kulturgeschichtlich interessant, wie und in welcher Form Mittagessen in dieser Stadt serviert wurde und wird. Die einen essen an einem Tisch, die anderen stopfen sich Fast Food im Gehen hinein. Durch den Schmelztiegel New York kamen unterschiedliche (Ess-)Kulturen zusammen und entwickelten immer wieder neue Formen. Heute interessant für mich die Pretzel-Stände mit Sauerkraut in den Straßenfluchten von New York. Diese Prezeln haben nur noch entfernt mit der bayerischen Brezn etwas zu tun. In der Ausstellung gibt es Gedichte zum Mittagessen (Lunch poetry) sowie eine umfangreiche Sammlung an Brotzeitboxen und Kochzeitungen. Ich erinnere mich an meine Jugend zurückversetzt, als meine Mutter Rezeptsammlungen von Dr. Oetker oder dem Meister Verlag sammelte.

Heinz hat auch Suppen zu bieten.

Heinz hat auch Suppen zu bieten.

Mein Herz als Ketchup-Fan schlug höher als ich Heinz entdeckte. Heinz ist in den USA eine Institution, spätestens nachdem Andy Warhol seine Heinz-Bilder als Kunst veröffentlichte. In den US-Supermärkten bietet Heinz nicht nur Ketchup an, sondern auch enorm viele Suppe. Die Reaktion der US-Besucher der Ausstellung war typisch nach dem Motto „erinnerst du dich an diesen Geschmack?“

Ein Original-Restaurantautomat

Ein Original-Restaurantautomat

Wunderbar ist ein aufgebautes Automatenrestaurant, das einst in den USA populär war. Der Automat war ein Wunder in New York. Als Joe Horn und Frank Hardart am 2. Juli 1912 ihr erstes Automatenrestaurant am Time Square eröffneten war es eine Sensation. In den 1940er Jahren gab es in New York einen regelrechten Boom in der Stadt. In den 1950er Jahren ebbte die Flut ab als die Kaufhäuser ihre eigenen Cafeterias eröffneten. Der Besuch der Ausstellung erinnerte mich so sehr an den Jacques Tati-Film Herrliche Zeiten (Playtime), als der französische Komiker 1967 ein Automatenrestaurant besuchte. Das letzte Automatenrestaurant in New York schloss 1991.

Münze rein, Klappe auf, Essen raus

Münze rein, Klappe auf, Essen raus

Also bevor die Ausstellung Lunch Hour in New York schließt, solltet ihr sie unbedingt in der New York Public Library besuchen oder mein Video ansehen.