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Mit Herz und Kruste: Zwei Podcasts feiern die Leidenschaft fürs Brot

19. März 2026

Gleich zwei Podcasts durfte ich für die Handwerksbäckerei Martin Reicherzer in Fürstenfeldbruck und Aubing produzieren. Und beide Podcasts drehen sich um Brot.

Im Mittelpunkt des ersten Podcasts stand diesmal das Roggenbrot, das zum Brot des Jahres 2026 gewählt wurde. Hier zum Anhören:

Für Martin Reicherzer war diese Auszeichnung zwar eine Überraschung. Aus seiner Sicht geht der Trend im Verkauf derzeit eher in Richtung Weizenbrot und verschiedener Weizenbrotsorten, etwa mit Urgetreide. Umso bemerkenswerter sei es, dass nun gerade das Roggenbrot in den Mittelpunkt des Zentralverbandes der Bäcker rücke. Vielleicht, so seine Einschätzung, wolle man damit auch wieder stärker auf die besonderen Qualitäten dieses wertvollen Roggen-Getreides aufmerksam machen.

Was ein gutes Roggenbrot ausmacht, erklärt der Bäckermeister sehr anschaulich. Entscheidend sei vor allem die richtige Versäuerung des Teiges sowie das scharfe Anbacken im Ofen. Dadurch entstehe eine kräftige Kruste, während das Innere, die Krume, besonders wattig und saftig werde. Genau daran könne auch der Kunde ein hochwertiges Roggenbrot erkennen. Roggenmehl nehme deutlich mehr Wasser auf als andere Mehlsorten. Gleichzeitig seien seine Backeigenschaften anders, da bestimmte Inhaltsstoffe die Ausbildung des Klebergerüsts hemmen. Deshalb neige Roggenbrot stärker dazu, etwas auseinanderzulaufen, wenn es nicht fachgerecht verarbeitet werde.

In der deutschen Brotkultur spielt Roggenbrot nach den Worten Martin Reicherzer eine große Rolle. Historisch hänge das vor allem mit den Anbaubedingungen zusammen. Weizen lasse sich nur bis zu einer bestimmten Höhenlage wirklich ertragreich und in guter Qualität anbauen. In höheren Lagen sei deshalb häufig Roggen die bessere Wahl gewesen. Daraus habe sich über die Zeit eine große Vielfalt an Broten entwickelt, vor allem an Sauerteig- und Mischbroten. Roggenbrot ist damit nicht nur ein traditionelles Brot, sondern ein wichtiger Teil der deutschen Brotkultur.

Fast immer wird Roggenbrot mit Sauerteig hergestellt. Auch dafür gibt es einen guten Grund. Roggen ist ohne Säuerung nur schwer backfähig. Die Versäuerung sorgt dafür, dass sich der Teig stabilisiert und überhaupt zu einem guten Brot verarbeitet werden kann. Gleichzeitig bringt Sauerteig ein ganz eigenes Aroma mit, das für viele erst den typischen Geschmack eines Roggenbrotes ausmacht.

Wer wissen möchte, wie viel Zeit in einem echten Roggenbrot steckt, bekommt von Martin Reicherzer ebenfalls einen Einblick. In seiner Bäckerei wird täglich Sauerteig angesetzt. Dieser müsse mindestens 15 Stunden reifen, damit er richtig durchsäuert sei und die nötige Reife erreiche. Roggenbrot brauche also vor allem eines: Zeit. Industrielle Abkürzungen seien für ihn als Handwerksbäcker keine Alternative. Zwar gebe es Backmischungen und künstliche Säuerungsmittel, die etwa auf Zitronensäure oder anderen industriell hergestellten Bestandteilen basierten. Doch das sei aus seiner Sicht kein Vergleich zu einem natürlich geführten Sauerteig. Gerade beim Roggenbrot zeige sich, wie wichtig handwerkliche Herstellung und Geduld seien. In der Bäckerei komme hinzu, dass das Brot in Bio-Qualität hergestellt werde. Viele künstliche Teigsäurungsmittel seien dort ohnehin nicht erlaubt.

Auch Regionalität spielt in der Bäckerei eine große Rolle. Das Mehl bezieht Martin Reicherzer nach wie vor von der Weiss-Mühle. Diese arbeitet mit Vertragsbauern aus der Umgebung zusammen, sodass die Rohstoffe sehr regional sind. Für Reicherzer ist das ein großer Vorteil, denn der Müller kann gezielt bestimmte Sorten anbauen lassen und verschiedene Mehle so miteinander verschneiden, dass eine konstant hohe Qualität entsteht. Das sorge für Verlässlichkeit und ein hochwertiges Endprodukt.

So zeigt das Gespräch, dass Roggenbrot weit mehr ist als nur ein klassisches Alltagsbrot. Es ist ein Stück deutscher Brotkultur, ein handwerklich anspruchsvolles Produkt und für Martin Reicherzerein Brot, das Zeit, Können und gute Zutaten braucht.

Goldregen fürs Brot

Der zweite Brot-Podcast drehte sich um besonderen Erfolg bei der Brotprüfung der Bäckerinnung Fürstenfeldbruck, bei der die Brote der Bäckerei ausgezeichnet wurden. Hier zum Anhören:

Bäckermeister Martin Reicherzer berichtet von einem echten „Goldregen“. Insgesamt wurden fünf Brote zur Prüfung eingereicht. Zwei davon erhielten Gold, drei weitere wurden sogar überdurchschnittlich bewertet. Dabei erreichten die Brote 88, 87 und 82 Punkte. Martin Reicherzer erklärt, dass früher 80 Punkte bereits für Gold standen. Alles, was darüber liege, sei deshalb noch einmal eine ganz besondere Auszeichnung und zeige, was in diesen Broten steckt.

Gold gab es für das „Brot der Bayern“ und für das Kartoffelbrot. Besonders herausragend war jedoch das Urkornbrot, das mit 88 Punkten die höchste Bewertung erhielt. Dieses Brot ist auch als „36-Stunden-Brot“ bekannt, weil es mit einer extrem langen Teigführung hergestellt wird. Hinzu kommen ein Kochstück und ein Brühstück, was die Herstellung besonders aufwendig macht. Für Reicherzer ist diese Bewertung deshalb ein absolutes Spitzenergebnis. 87 Punkte erhielt außerdem das Gröbenzeller Brot, ein kerniges und kräftig gewürztes Sauerteigbrot mit 70 Prozent Roggen und 30 Prozent Weizen, wobei auch der Weizen in Schrotform verarbeitet wird. Das Kartoffelbrot kam auf 82 Punkte und wurde ebenfalls stark bewertet.

Gefragt nach einer Feier anlässlich der Auszeichnungen bleibt Martin Reicherzer sachlich. Für ihn steht weniger das Feiern im Vordergrund, sondern vielmehr die Überprüfung der eigenen Qualität. Er betont, wie wichtig es sei, die eigenen Brote regelmäßig auch von außen bewerten zu lassen. Denn was man selbst täglich herstelle, schmecke einem natürlich immer gut. Gerade deshalb könne man mit der Zeit betriebsblind werden. Eine unabhängige Prüfung helfe dabei, mögliche Fehler frühzeitig zu erkennen und die Qualität konstant hochzuhalten.

Ein besonderes Gewicht haben die Auszeichnungen auch deshalb, weil die Prüfung von Brotprüfer und Brotsommelier Manfred Stiefel vorgenommen wurde. Reicherzer beschreibt ihn als absoluten Fachmann, der seit vielen Jahren in ganz Deutschland unterwegs ist, um Brote zu prüfen. Stiefel kenne die deutsche Brotlandschaft bis ins Detail und könne oft schon anhand eines Brotes einschätzen, aus welcher Region es stamme und welche Tradition dahinterstehe. Dass ein so erfahrener Prüfer der Bäckerei diese hohen Bewertungen verleiht, ist für Reicherzer eine echte Ehre.

Natürlich stellt sich auch die Frage, wie diese Erfolge an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden. In der Bäckerei sind die Urkunden gut sichtbar im Schaufenster ausgestellt. Besonders im Laden in Fürstenfeldbruck ziehen sie die Aufmerksamkeit auf sich. So wird für die Kundschaft unmittelbar sichtbar, dass hier handwerklich auf höchstem Niveau gearbeitet wird. Auch im Verkauf werde darauf hingewiesen, dass die Brote ausgezeichnet wurden. Für Reicherzer sind diese Urkunden ein schöner Beleg nach außen, dass die Handwerksbäckerei ihr Handwerk beherrscht.

Zugleich sieht er in den Auszeichnungen nicht nur eine Bestätigung für sich selbst, sondern ausdrücklich auch für sein Team. Denn die Qualität der Brote hängt davon ab, dass alle im Betrieb präzise arbeiten und die Abläufe genau eingehalten werden. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei es ebenfalls eine Auszeichnung, in einer Bäckerei zu arbeiten, die solche Ergebnisse erzielt. Gleichzeitig wachse damit aber auch der Anspruch, bei der nächsten Brotprüfung wieder auf diesem hohen Niveau abzuschneiden. Schlechter wolle man natürlich nicht werden. Reicherzer sieht darin jedoch vor allem einen Ansporn. Das Team lerne, worauf es ankomme, eigne sich wichtiges Wissen an und wisse genau, an welchen Stellschrauben gedreht werden müsse, um die Qualität immer wieder auf Spitzenniveau zu bringen.

So bleibt am Ende nicht nur die Freude über die ausgezeichneten Brote, sondern auch das gute Gefühl, dass handwerkliche Sorgfalt, Erfahrung und Teamarbeit in der Bäckerei Martin Reicherzer sichtbar Früchte tragen. Die Rückmeldungen der Kunden sind seit Langem sehr positiv, und nun kommt auch noch die Anerkennung durch einen erfahrenen Brotprüfer und das Deutsche Brotinstitut hinzu. Für Martin Reicherzer ist das ein Grund, rundum zufrieden zu sein — mit seinen Broten, mit seinem Team und mit dem Weg, den seine Bäckerei geht.

Hanf, Herzblut und Hochgenuss – Denis Michael Kleinknecht kocht sich auf der Food & Life in die Herzen des Publikums

9. März 2026

Wenn Denis Michael Kleinknecht auf der Food & Life in München die Bühne betritt, dauert es nicht lange, bis der Funke überspringt. Da steht keiner, der einfach nur ein Rezept nachkocht. Da kocht ein Mensch, der für gutes Essen brennt, der mit jeder Bewegung, mit jedem Satz und mit jedem Handgriff zeigt, wie viel Leidenschaft in seiner Küche steckt.

Der Küchenchef vom Gasthof Heinzinger aus Rottbach nimmt sein Publikum nicht nur mit an den Herd, sondern hinein in eine kulinarische Haltung, bei der Genuss, Handwerk und Begeisterung untrennbar zusammengehören. Und genau das wurde bei seiner Show eindrucksvoll spürbar. Hier die Aufzeichnung der Show von der Food & Life in München.

Im Mittelpunkt stand ein Produkt, das für Kleinknecht weit mehr ist als eine Zutat: Hanf. Mit spürbarer Überzeugung sprach er über eine Pflanze, die für ihn ein echter Gamechanger ist – in der Küche, in der Landwirtschaft und in der Ernährung insgesamt. Hanf, so machte er deutlich, ist für ihn kein Randthema und schon gar kein Klischee, sondern ein außergewöhnlich vielseitiges Lebensmittel mit großem Potenzial. Immer wieder war zu hören, wie sehr ihn dieses Produkt begeistert: die nussigen Aromen der Hanfnuss, die floralen, grasigen Noten des Hanfkrauts, die ernährungsphysiologischen Qualitäten und die vielen Möglichkeiten, Hanf kreativ und selbstverständlich in den Alltag zu holen. Kleinknecht wirbt dafür, Hanf endlich aus der Schmuddelecke zu holen und als das zu sehen, was er ist: eine uralte Kulturpflanze mit erstaunlicher Kraft. Kleinknecht bezieht seinen Hanft beim Bio-Ackerbaubetrieb Salabaur bei Moorenweis, geführt von der charmanten Familie Rottenkolber.

Wie lebendig und genussvoll das werden kann, zeigte er mit seinem Gericht: Kartoffel-Hanf-Knödel mit Paprikasauce von gerösteten Paprika. Schon beim Zubereiten war seine Begeisterung ansteckend. Er erklärte, verrührte, würzte, formte und sprach mit sichtbarer Freude über die Besonderheiten seines Teigs, über den richtigen Umgang mit Kartoffeln und über die Kunst, aus wenigen guten Zutaten etwas Besonderes zu schaffen. Dabei wurde schnell klar: Hier kocht einer nicht nur mit Erfahrung, sondern mit echter Hingabe. Besonders eindrucksvoll war, wie selbstverständlich Hanf in dieses Gericht eingebunden wurde – nicht als Effekt, sondern als geschmacklich tragendes Element. Die geröstete Hanfnuss brachte Tiefe und Wärme, die Hanfasche verlieh dem Gericht eine besondere Würze, und die Knödel bekamen dadurch genau jenen eigenständigen Charakter, den Kleinknecht so leidenschaftlich beschrieb.

Diese Begeisterung übertrug sich auch auf das Publikum. Die Hanfknödel wurden mit Neugier, Offenheit und sichtlicher Freude probiert, und in der Atmosphäre lag genau das, was gutes Kochen ausmacht: Gemeinschaft, Entdeckung und echter Genuss. Kleinknecht vermittelte dabei nicht nur Wissen, sondern auch eine Haltung. Er sprach über Nachhaltigkeit, Regionalität und handwerkliche Qualität, über die Slow-Food-Idee und über die enge Verbindung zu Erzeugern aus der Region. Doch bei aller fachlichen Tiefe blieb vor allem eines in Erinnerung: seine spürbare Freude am Kochen. Er wirkte wie jemand, der jede Zutat ernst nimmt, der Lebensmittel mit Respekt behandelt und der es liebt, andere mit seiner Begeisterung anzustecken.

So wurde diese Kochshow zu weit mehr als einer Vorführung. Sie war ein leidenschaftliches Plädoyer für bewusstes Essen, für kreative Küche und für Hanf als wertvolle, geschmackvolle und zukunftsweisende Zutat. Denis Michael Kleinknecht zeigte auf eindrucksvolle Weise, wie viel Genuss, Wissen und Emotion in einem Teller Hanfknödel stecken können – und dass Kochen dann am schönsten ist, wenn einer vorne steht, der nicht nur sein Handwerk beherrscht, sondern es von Herzen liebt.

Erstes Trek-Dinner in Fürstenfeldbruck und ich war dabei

18. Januar 2026

Star Trek fasziniert seit Jahrzehnten nicht nur durch ferne Galaxien, futuristische Technik oder ikonische Raumschiffe, sondern vor allem durch eine Idee, die heute vielleicht aktueller ist denn je: die Kraft von Gemeinschaft. Im Herzen von Star Trek steht immer das Miteinander. Es geht nicht um den einen Helden, sondern um eine Crew, die nur gemeinsam funktioniert – mit all ihren Unterschieden, Stärken, Schwächen und Zweifeln.

Auf der Brücke der Enterprise begegnen sich Menschen und Außerirdische, Rationalisten und Emotionale, Skeptiker und Idealisten. Sie streiten, sie irren, sie scheitern – und genau das macht sie glaubwürdig. Doch am Ende finden sie immer wieder zusammen. Entscheidungen werden diskutiert, Perspektiven abgewogen, Verantwortung geteilt. Star Trek erzählt von einer Zukunft, in der Vielfalt nicht trennt, sondern verbindet, in der gegenseitiger Respekt wichtiger ist als Macht, und in der Zuhören genauso zählt wie Handeln.

Diese Vorstellung von Gemeinschaft wirkt weit über den Bildschirm hinaus. Sie schafft Identifikation, Trost und Hoffnung. Für viele Fans ist Star Trek ein Ort, an dem man gelernt hat, dass Anderssein kein Makel ist, sondern eine Bereicherung. Dass Konflikte lösbar sind, wenn man bereit ist, den anderen ernst zu nehmen. Und dass eine bessere Zukunft nicht durch Perfektion entsteht, sondern durch Zusammenarbeit.

Dass sich diese Idee nun im echten Leben fortsetzt, zeigt das erste Zusammentreffen des Trek-Dinners in Fürstenfeldbruck. Im Gasthof auf der Lände trafen sich über 30 SF-Interessierte rund um Star Trek, Star Wars, Harry Potter und mehr zum Austausch. Menschen, die sich vielleicht vorher nie begegnet wären, sitzen an den rustikalen Tischen – verbunden durch ihre Begeisterung zu Star Trek und durch die Werte, die die Serie vermittelt. Wie eine kleine Crew entsteht Gemeinschaft nicht durch Uniformität, sondern durch geteilte Begeisterung, Gespräche, Lachen und gegenseitige Neugier. Für ein paar Stunden wird aus Fans eine Gemeinschaft, aus Fremden ein Miteinander. Ich war zusammen mit Markus Schmölz, Geschäftsführer des Scala Kinos Fürstenfeldbruck, vor Ort und diskutierten über die Serien unserer Jugend. Wir folgten einer Einladung von Tom und Chris, den Organisatoren des Trek-Dinners.

Genau darin liegt das Faszinierende an Star Trek: Es bleibt nicht Fiktion. Es inspiriert dazu, im Hier und Jetzt Brücken zu bauen, offen zu sein, Unterschiede auszuhalten und Gemeinsamkeiten zu feiern. Star Trek zeigt, wie die Zukunft aussehen könnte – und erinnert uns gleichzeitig daran, dass Gemeinschaft immer dort beginnt, wo Menschen sich an einen Tisch setzen und einander mit Respekt begegnen.

Ich gehe auf das nächste Treffen im Februar und wer auch mit dabei sein möchte, der folge der Facebook-Gruppe. Mir hat es Spaß gemacht und vielleicht entsteht im Landkreis Fürstenfeldbruck eine Community.

Ach ja: Damit die Frage geklärt ist, unter welchem Captain ich dienen würde, lautet meine Antwort Jean-Luc Picard und Kathryn Janeway.

Schöne Bescherung (1989) – Rückblick auf meine Matinee

9. Januar 2026

„Schöne Bescherung“ ist nicht einfach nur eine Weihnachtskomödie, sondern ein liebevoll-chaotischer Spiegel all dessen, was dieses Fest so magisch – und so nervenaufreibend – macht. Ich besprach und zeigte den Film bei meiner Weihnachtsmatinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Komödie ist Die Glücksritter am Sonntag, 18. Januar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Clark Griswolds verzweifelt optimistischer Versuch in „Schöne Bescherung“, das ultimative Weihnachtsfest zu erzwingen, trägt einen Traum in sich, den fast alle kennen: einmal alles richtig machen, Harmonie herstellen, Glück planbar machen – koste es, was es wolle. Hier mein Vortrag

Gerade deshalb trifft sein grandioses Scheitern mitten ins Herz. Wenn Lichterketten explodieren, der Baum zur Gefahr wird und die Familie am Rand des Nervenzusammenbruchs steht, wirkt das zwar urkomisch, aber immer auch schmerzhaft vertraut. Clark ist keine plumpe Witzfigur, sondern ein Getriebener: einer, der zu viel will, weil ihm seine Familie unendlich viel bedeutet, der sich verausgabt, weil er dieses eine perfekte Bild von Weihnachten im Kopf hat. Sein legendärer Ausraster ist weniger Slapstick als ein emotionaler Kurzschluss – der Moment, in dem all der Druck, die Enttäuschungen und die stummen Erwartungen mit einem Mal aus ihm herausbrechen.

Der Film erinnert daran, dass Weihnachten fast nie so läuft, wie wir es planen. Verwandte sind anstrengend, Pläne kippen, Gesten gehen schief – und doch schimmert inmitten des Durcheinanders etwas Kostbares auf. In den kleinen Momenten liegt die eigentliche Magie: im Leuchten in Clarks Augen, wenn das Haus endlich im Licht erstrahlt; im gemeinsamen Lachen nach dem größten Desaster; in diesem leisen Gefühl, trotz allem auf der richtigen Seite des Chaos zu stehen – nämlich beieinander. „Schöne Bescherung“ macht sich nicht über Familie lustig, er nimmt sie ernst, mitsamt all ihrer Macken, Verletzungen und wunderbar absurden Seiten.

Vielleicht ist der Film deshalb so zeitlos. Er erlaubt es, herzhaft über die eigenen Weihnachtskatastrophen zu lachen – und gleichzeitig Trost darin zu finden, dass man damit nicht allein ist. Am Ende bleibt die stille Erkenntnis: Liebe zeigt sich selten in perfekten Momenten, sondern in gemeinsamen Fehltritten, in Streit, Versöhnung und der Entscheidung, trotz allem zusammenzubleiben. Und wenn draußen die Lichter glitzern, drinnen das Chaos tobt und trotzdem alle irgendwie an einem Tisch landen, fühlt sich genau dieses unperfekte Weihnachten plötzlich erstaunlich richtig an.
Die nächste Komödie ist Die Glücksritter am Sonntag, 18. Januar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Meine Matinee im Scala FFB läuft weiter

23. Dezember 2025

Es freut mich sehr. Ich darf mit meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck im Jahr 2026 weitermachen. Zusammen mit dem Geschäftsführer Markus Schmölz habe ich ein abwechslungsreiches und interessantes Programm aus Unterhaltung, phantastischen Film und Western zusammengestellt. Dabei haben wir weniger auf eine Quote als vielmehr auf Qualität der Filme geachtet.
Die Matinee findet immer an einem Sonntag statt. Start ist um 10:45 Uhr und ich spreche zwischen 20 und 30 Minuten über den gezeigten Film.

Und das sind die Filme für das erste Halbjahr 2026. Der Kartenverkauf für alle Filme ist bereits online.

Am 18. Januar Die Glücksritter
„Die Glücksritter“ ist eine Komödie, die man einfach erlebt haben muss – spritzig, warmherzig und voll brillantem Schauspiel. Unter der Regie von John Landis, dem Meister hinter Klassikern wie Blues Brothers, entfaltet sich eine rasante Geschichte, die bis heute nichts von ihrem Charme verloren hat. Getragen wird der Film von den grandiosen Hauptdarstellern Eddie Murphy und Dan Aykroyd, deren perfektes Timing und Energie jede Szene zum Vergnügen machen.

Murphy glänzt als gewitzter Straßenkünstler Billy Ray Valentine, der plötzlich in die Welt des Reichtums katapultiert wird, während Aykroyd als versnobter Börsenprofi Louis Winthorpe III sein altes Leben verliert – und beide liefern eine Komik ab, die heute genauso zündet wie damals. Unterstützt werden sie von einer großartigen Nebenbesetzung, darunter Jamie Lee Curtis, die dem Film zusätzlich Herz und Humor verleiht. „Die Glücksritter“ ist ein turbulentes Vergnügen voller Witz, Tempo und cleverer Wendungen – ein Film, der beste Laune garantiert und den man unbedingt gesehen haben sollte.

Am 1. Februar Sie leben
„Sie leben“ von Horror- und Kultregisseur John Carpenter ist ein Film, den man nicht nur sieht, sondern erlebt. Mit seiner Mischung aus Science-Fiction, Gesellschaftskritik und spannungsgeladener Atmosphäre entfaltet er eine Kraft, die bis heute fasziniert. In der Hauptrolle überzeugt Roddy Piper als Wanderarbeiter Nada, der zufällig auf eine Sonnenbrille stößt, die die wahre Welt enthüllt – eine Welt, in der außerirdische Eliten die Menschheit manipulieren und steuern.

Was folgt, ist ein packender Kampf gegen unsichtbare Kontrolle, durchzogen von Carpenters unverwechselbarem Stil, seinem ikonisch-minimalistischen Soundtrack und legendären Szenen, die längst Filmgeschichte sind – von der Enthüllung der „OBEY“-Botschaften bis zum wohl berühmtesten Faustkampf der 80er.
„Sie leben“ ist düster, spannend, überraschend aktuell und dabei ungemein unterhaltsam. Ein Kultfilm, der Fans von Sci-Fi, Action und cleverem Genre-Kino gleichermaßen begeistert – und den man unbedingt gesehen haben sollte.

Am 22. Februar Die glorreichen Sieben
„Die glorreichen Sieben“ ist ein Western, der bis heute nichts von seiner Kraft verloren hat – ein Film, der mitreißt, bewegt und legendäre Kinomomente erschafft. Unter der Regie von John Sturges entfaltet sich die Geschichte von sieben Außenseitern, die sich zusammentun, um ein bedrohtes Dorf zu schützen.
Getragen wird der Film von einer beeindruckenden Besetzung: Yul Brynner als charismatischer Anführer, Steve McQueen mit seiner unverwechselbaren Coolness, Charles Bronson, James Coburn, Horst Buchholz und weitere Stars, die jeder Figur Tiefe und Charakter verleihen. Dazu kommt die unvergessliche Filmmusik von Elmer Bernstein, die schon mit den ersten Takten Gänsehaut erzeugt und längst zum Mythos des Westerns gehört.

„Die glorreichen Sieben“ ist ein packendes Abenteuer über Mut, Ehre und Solidarität – actionreich, emotional und zeitlos. Wer große Geschichten und ikonisches Kino liebt, sollte sich diesen Klassiker unbedingt ansehen.

Am 8. März Dr.Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben
„Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ ist ein Meisterwerk, das man erlebt haben muss – bissig, brillant und zeitlos aktuell. Unter der Regie von Stanley Kubrick, einem der einflussreichsten Filmemacher überhaupt, entfaltet sich eine tiefschwarze Satire über den Kalten Krieg, die mit ihrem absurden Humor ebenso unterhält wie sie zum Nachdenken bringt.

Im Zentrum steht Peter Sellers, der gleich drei Rollen spielt und jede einzelne unvergesslich macht – vom schusseligen Präsidenten über den britischen Offizier bis hin zum titelgebenden Dr. Seltsam, dessen groteske Gestik und Sätze längst Kultstatus haben. Unterstützt wird er von einer starken Besetzung, darunter George C. Scott und Sterling Hayden, die den Wahnsinn der politischen und militärischen Entscheidungswege mit perfektem Timing auf die Spitze treiben.
„Dr. Seltsam“ ist ein Film voller ikonischer Momente – scharf, mutig, satirisch auf den Punkt – und dabei erstaunlich unterhaltsam. Wer intelligentes Kino liebt, das Humor und Kritik meisterhaft verbindet, sollte sich diesen Klassiker unbedingt ansehen.

Am 5. April Wargames – Kriegsspiele
„WarGames – Kriegsspiele“ ist ein fesselnder Klassiker der 80er, der bis heute nichts von seiner Spannung verloren hat. Unter der Regie von John Badham erzählt der Film die Geschichte des jungen Hackers David Lightman, gespielt von Matthew Broderick, der aus purer Neugier in ein militärisches Computersystem eindringt – ohne zu ahnen, dass er damit beinahe einen globalen Atomkrieg auslöst. An seiner Seite überzeugt Ally Sheedy als Jennifer, die nicht nur Humor und Herz einbringt, sondern gemeinsam mit David versucht, die Katastrophe aufzuhalten.

Mit seinem Mix aus Nervenkitzel, Technikfaszination und überraschend viel Menschlichkeit ist „WarGames“ ein Film, der sofort packt. Die aufkommende Bedrohung, die ikonische Frage „Shall we play a game?“ und das Rennen gegen die Zeit erzeugen eine Spannung, die auch heute noch perfekt funktioniert – gerade in einer Welt, in der KI und Computersysteme realer denn je geworden sind.
Wer kluge Unterhaltung, Retro-Technik-Atmosphäre und einen echten Kultfilm erleben möchte, sollte „WarGames“ unbedingt sehen.

Am 3. Mai Dressed to kill
„Dressed to Kill“ ist ein eleganter, hochspannender Thriller, in dem Regisseur Brian De Palma sein Gespür für Stil, Atmosphäre und meisterhafte Spannung voll ausspielt. Der Film verfolgt die Geschichte einer Frau, gespielt von Angie Dickinson, deren Leben nach einer verstörenden Begegnung eine dramatische Wendung nimmt. Als sie Opfer eines brutalen Verbrechens wird, geraten ein junger Zeuge – dargestellt von Keith Gordon – und eine selbstbewusste Callgirl-Figur, brillant verkörpert von Nancy Allen, in ein gefährliches Netz aus Geheimnissen und Lügen.

De Palma kombiniert kunstvolle Kamerafahrten, ausgeklügelte Bildsprache und eine kraftvolle Musik von Pino Donaggio zu einem intensiven Erlebnis, das sofort in seinen Bann zieht. Der Film lebt von Überraschungsmomenten, psychologischer Tiefe und einer Atmosphäre, die gleichzeitig verführerisch und bedrohlich wirkt.
„Dressed to Kill“ ist ein raffinierter, nervenaufreibender Thriller – perfekt für alle, die elegante Spannung, stilvolles Kino und starke Darsteller lieben. Ein Film, der packt, verstört und lange nachhallt.

Am 10. Mai Unternehmen Petticoat
„Unternehmen Petticoat“ ist eine herrlich charmante Komödie, die mit Witz, Herz und einem großartigen Ensemble begeistert. Unter der Regie von Blake Edwards – dem Meister des eleganten Humors – begleiten wir die chaotischen Abenteuer eines U-Boots im Zweiten Weltkrieg, das dank kurioser Umstände nicht nur rosa gestrichen wird, sondern plötzlich auch fünf Krankenschwestern an Bord hat.
Getragen wird der Film von den beiden grandiosen Hauptdarstellern Cary Grant als stoisch-gelassener Kommandant und Tony Curtis als windiger, aber liebenswerter Lieutenant. Ihr Zusammenspiel sorgt für unvergessliche Momente, turbulente Situationskomik und viele herzerwärmende Szenen.

„Unternehmen Petticoat“ ist leichtfüßig, klug und voller Charme – ein Film, der beste Laune garantiert und zeigt, dass selbst im Chaos Platz für Humor und Menschlichkeit bleibt. Wer klassische Hollywood-Komödien liebt, sollte sich dieses Schmuckstück unbedingt ansehen.

Am 17. Mai Little Big Man
„Little Big Man“ ist ein außergewöhnlicher Western, der mit Witz, Tiefe und viel Herz erzählt wird – weit mehr als ein klassisches Abenteuer. Unter der Regie von Arthur Penn folgt der Film dem 121-jährigen Jack Crabb, gespielt von einem brillanten Dustin Hoffman, der in Rückblenden auf sein bewegtes Leben zwischen zwei Welten schaut: der weißen Siedlergesellschaft und den Cheyenne, bei denen er als Junge aufgenommen wurde.

Mit feinem Humor, kraftvollen Bildern und einer Mischung aus Satire und Tragik zeigt der Film die amerikanische Geschichte aus einer ungewöhnlich persönlichen Perspektive. Hoffmans Wandlungsfähigkeit macht jede Station seines Lebens faszinierend – vom Händler über Revolverhelden bis hin zum „letzten Weißen Indianer“.
„Little Big Man“ ist mal komisch, mal bitter, mal poetisch – und immer zutiefst menschlich. Ein unvergesslicher Film, der berührt, überrascht und ein Genre völlig neu denkt. Ideal für alle, die Western lieben, aber mehr wollen als Reiten und Revolverduelle.

Am 7. Juni Über dem Jenseits
„Über dem Jenseits“ – im Original „The Beyond“ – ist ein atmosphärischer Horrortrip von Kultregisseur Lucio Fulci, der bis heute als einer der eindrucksvollsten Vertreter des italienischen Gruselfilms gilt. Der Film entfaltet eine dichte, unheilvolle Stimmung, in der Realität und Albtraum unaufhaltsam ineinanderfließen.
Im Mittelpunkt steht Catriona MacColl als junge Frau, die ein altes Hotel in Louisiana erbt – ohne zu wissen, dass es auf einem der sieben Tore zur Hölle erbaut wurde. Was zunächst wie ein Neuanfang wirkt, verwandelt sich schnell in eine surreale Spirale aus Visionen, düsteren Geheimnissen und schockierenden Ereignissen. Fulcis unverwechselbarer Stil, seine mutigen Bilder und der eindringliche Score von Fabio Frizzi machen jede Szene zu einem intensiven Erlebnis.

„Über dem Jenseits“ ist keine gewöhnliche Gruselgeschichte, sondern ein hypnotisches, verstörendes Stück Horrorkunst – perfekt für alle, die atmosphärischen, mutigen und kultigen Horror lieben. Ein Film, der sich tief in die Erinnerung brennt.

Am 12. Juli The Breakfast Club
„The Breakfast Club“ ist einer dieser Filme, die einen sofort mitten ins Herz treffen. Unter der Regie von John Hughes, dem Meister der 80er-Coming-of-Age-Filme, treffen fünf Highschool-Schüler aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten: der Rebell, der Sportler, die Außenseiterin, die Streberin und der Musterschüler. An einem Samstag im Schul-„Nachsitzen“ prallen ihre Welten aufeinander – doch im Laufe des Tages öffnen sie sich, legen ihre Masken ab und entdecken, wie viel sie eigentlich miteinander teilen.


Dank der starken Besetzung – Emilio Estevez, Molly Ringwald, Judd Nelson, Ally Sheedy und Anthony Michael Hall – lebt der Film von authentischen Momenten, echten Emotionen und Dialogen, die auch Jahrzehnte später noch treffen. „The Breakfast Club“ ist warm, witzig, klug und zutiefst menschlich – ein Film, der zeigt, wie schwer das Erwachsenwerden sein kann und wie befreiend es ist, endlich verstanden zu werden.
Ein zeitloser Klassiker, der Generationen bewegt hat – und den man unbedingt gesehen haben sollte.

Schöne Bescherung (1989) – Matinee am 21. Dezember im Scala Fürstenfeldbruck

19. Dezember 2025

„Schöne Bescherung“ ist mehr als nur eine Weihnachtskomödie – der Film ist ein liebevoll-chaotischer Spiegel all dessen, was das Fest der Familie so wunderbar und zugleich so anstrengend macht. Wenn Clark Griswold mit unbeirrbarem Optimismus versucht, das perfekte Weihnachtsfest zu erschaffen, dann steckt darin ein Wunsch, den fast jeder kennt: einmal alles richtig machen, Harmonie erzwingen, Glück planbar machen. Und genau daran scheitert er auf die denkbar komischste, aber auch menschlichste Weise. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 21. Dezember um 10:45 in unserer Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier. Wir haben extra einen großen Raum gebucht.

Der Film lebt von der schmerzhaft vertrauten Erkenntnis, dass Weihnachten selten so verläuft, wie wir es uns vorstellen. Lichterketten explodieren, Familienkonflikte brechen auf, Erwartungen kollidieren mit der Realität – und doch liegt in all dem Chaos eine große Wärme. Clark ist keine Karikatur, sondern ein Getriebener: jemand, der liebt, der sich aufreibt, der sich verzettelt, weil ihm Familie und Zusammenhalt alles bedeuten. Sein berühmter Wutausbruch ist weniger ein Gag als ein Befreiungsschlag, ein Moment, in dem all die aufgestaute Anspannung herausbricht, die viele nur zu gut kennen.

„Schöne Bescherung“ erzählt davon, dass Weihnachten nicht perfekt sein muss, um echt zu sein. Zwischen schrägen Verwandten, peinlichen Momenten und völliger Überforderung blitzen immer wieder Augenblicke auf, die berühren: das Leuchten im Blick, wenn das Haus endlich strahlt, das gemeinsame Lachen nach dem größten Desaster, das stille Gefühl, trotz allem zusammenzugehören. Der Film macht sich nicht über Familie lustig – er nimmt sie ernst, mit all ihren Macken, Verletzungen und liebenswerten Absurditäten.

Gerade deshalb ist „Schöne Bescherung“ so zeitlos. Er erlaubt uns, über unsere eigenen Weihnachtskatastrophen zu lachen und gleichzeitig Trost darin zu finden, dass wir damit nicht allein sind. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Liebe oft im Durcheinander steckt, dass Nähe nicht aus Perfektion entsteht, sondern aus gemeinsamen Fehltritten. Und wenn draußen Schnee fällt, drinnen das Chaos regiert und trotzdem alle am Tisch sitzen, dann fühlt sich das plötzlich genau richtig an. Karten gibt es hier.

Vom Wald auf den Teller – eine kulinarische Liebeserklärung an das Reh

15. Dezember 2025

Der Gasthof Heinzinger in Rottbach ist nicht nur bekannt für seine außergewöhnliche Küche, sondern auch für seine professionellen Kochkurse zu den verschiedensten kulinarischen Themen wie Fisch, Mehlspeisen oder auch Wild. Unlängst konnte ich bei einem Kurs zum Thema Reh dabei sein.

Maximilian Sedlmair von Sedlmair Wildgenuss und Denis Michael Kleinknecht leiten diesen außergewöhnlichen, zweiteiligen Kochkurs Masterclass Wild. Die beiden zeigen vom „aus der Decke schlagen“ über das Zerlegen hin zu neuen Cuts, Techniken und modernen Rezepten was man alles aus Reh und Co zaubern kann.

Während sich Gastronom Denis Kleinknecht auf das Zubereiten in der Küche konzentrierte, lernten die fünf Kursteilnehmer in Hofhegnenberg bei Maximilian Sedlmair von Sedlmair Wildgenuss das Zerlegen des Rehs. Das regionale Wildfleisch stammt ausschließlich aus freier Wildbahn aus den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Landsberg a.L. und Augsburg.

Maximilian Sedlmair bezieht das Wild von ihm bekannten Jägern, bei denen er sicher sein kann, dass das Wild waidgerecht erlegt und unter besten hygienischen Voraussetzungen nach Hofhegnenberg in die Wildkammer gelangt. Der Amtsveterinär überzeugt sich anschließend selbst von der Qualität.

Das Zerlegen eines Rehs folgt einer klaren anatomischen Struktur und dient dazu, das Wildbret in hochwertige Teilstücke zu gliedern. Voraussetzung ist ein sauber ausgeweidetes Tier, das ausreichend abgekühlt wurde. Das Reh wird zunächst auf eine stabile Unterlage gelegt, idealerweise auf einem dafür vorgesehenen Zerlegebrett. Benötigt werden ein scharfes Messer, ein Knochensägeblatt sowie Handschuhe für hygienisches Arbeiten.

Die wichtigsten Teilstücke sind Keule, Rücken, Schulter, Brust, Hals und Blatt. Die Keulen am hinteren Teil des Tieres zählen zu den wertvollsten Fleischstücken; sie lassen sich in Oberschale, Unterschale, Nuss, Bürgermeisterstück, Knie und Hüfte unterteilen. Der Rücken, auch als Sattel bezeichnet, liefert zartes Fleisch für Steaks oder Medaillons. Die Schultern enthalten stärker beanspruchte Muskeln und eignen sich ideal für Schmorgerichte. Brust und Hals sind kräftiger im Geschmack und werden häufig für Ragouts, Gulasch oder Suppen verwendet.

Beim Zerlegen folgt man stets den natürlichen Muskelsträngen und Sehnenlinien. Die Schnitte erfolgen entlang dieser Strukturen, damit möglichst wenig Fleisch beschädigt wird. Überflüssiges Fett, Sehnen und Häutchen werden sorgfältig entfernt, da sie den Geschmack beeinflussen können. Nach dem Zerteilen werden die Stücke beschriftet, vakuumiert oder kühl gelagert.

Das sachgemäße Zerlegen eines Rehs erfordert etwas Übung, ist mit anatomischem Grundwissen jedoch gut zu bewältigen. Das Ergebnis ist eine Vielzahl hochwertiger Teilstücke, die sich für unterschiedliche Zubereitungsarten eignen und die Wertschätzung für das Wildtier deutlich widerspiegeln.

In Rottbach wurden dann die Rehstücke unter Anleitung von Denis Kleinknecht zubereitet – und natürlich gemeinsam verzehrt. Weitere Kurse gibt es online.

Shaun of the Dead auf – Rückblick auf meine phantastische Matinee

6. November 2025

Shaun of the Dead (2004) ist weit mehr als nur eine Zombiekomödie – es ist ein ebenso witziger wie melancholischer Kommentar auf das moderne Leben. Ich besprach und zeigte den Film in meiner phantastischen Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee findet am Sonntag, 16. November statt. Ich bespreche und zeige den Klassiker des Horrorfilms The Shining von Stanley Kubrick. Karten gibt es hier.

Zurück zu Shaun of the Dead. Regisseur Edgar Wright und Hauptdarsteller Simon Pegg schufen mit ihrem ersten gemeinsamen Kinofilm einen echten Kultklassiker, der das Horrorgenre mit britischem Alltagswitz, präzisem Timing und überraschender Emotionalität verbindet. Hier mein Vortrag.

Im Mittelpunkt steht Shaun, ein sympathisch-loser Durchschnittstyp, der sein Leben in einem Trott aus Pubbesuchen, Videospielen und Beziehungsproblemen fristet. Als plötzlich eine Zombie-Apokalypse über London hereinbricht, reagiert er zunächst kaum – zu sehr ähnelt das apathische Schlurfen der Untoten seinem gewohnten Alltag. Erst als seine Freundin ihn verlässt und seine Nachbarn anfangen, ihn fressen zu wollen, erwacht Shaun aus seiner Lethargie. Mit seinem besten Freund Ed (Nick Frost) und einem waghalsigen Plan – „Wir holen Mum, retten Liz, gehen in den Pub und warten, bis alles vorbei ist“ – zieht er los, um das Chaos zu überleben.

Wrights Regie überzeugt durch raffinierte visuelle Gags, rhythmische Schnitte und eine erstaunlich dichte Inszenierung, die Komik und Spannung perfekt ausbalanciert. Das sogenannte „Cornetto“-Erzähltempo – benannt nach der späteren Trilogie aus Shaun of the Dead, Hot Fuzz und The World’s End – ist präzise durchkomponiert: Montagen, Soundeffekte und Musik (von Queen bis Zombie-Metal) verschmelzen zu einer eigenen filmischen Sprache. Trotz der grotesken Gewaltmomente – abgetrennte Köpfe, blutige Schlägereien mit Schallplatten – verliert Wright nie den Sinn für Herz und Menschlichkeit.

Was den Film besonders macht, ist seine emotionale Tiefe: Unter all dem Splatter verbirgt sich eine Geschichte über Erwachsenwerden, Freundschaft und Verlust. Wenn Shaun am Ende im Pub um sein Leben kämpft, spürt man echte Tragik zwischen den Lachern. Die Zombies sind hier weniger Bedrohung als Symbol – für Routine, Stillstand und soziale Entfremdung. Die satirische Pointe: Schon vor der Katastrophe bewegen sich viele Figuren wie lebende Tote durch ihren Alltag.

Simon Pegg spielt Shaun mit einer seltenen Mischung aus Slacker-Humor und Verletzlichkeit. Seine Entwicklung vom passiven Mitläufer zum handlungsfähigen Helden macht den Film so sympathisch. Nick Frost liefert dazu die perfekte Ergänzung als unverbesserlicher Kumpel Ed, dessen Flegelhaftigkeit ebenso nervt wie rührt.

Auch zwanzig Jahre nach seiner Premiere wirkt Shaun of the Dead frisch, intelligent und außergewöhnlich gut gealtert. Er hat zahllose Nachfolger inspiriert, von Zombieland bis What We Do in the Shadows, und gilt als Musterbeispiel dafür, wie man Horrorparodie, Romantik und Sozialkommentar vereinen kann.

Shaun of the Dead ist eine brillante, liebevoll gemachte Horrorkomödie, die gleichermaßen zum Lachen, Nachdenken und Mitfühlen einlädt – ein moderner Klassiker, der zeigt, dass selbst im Angesicht der Apokalypse noch Platz für Humor, Herz und ein Pint Bier bleibt. Die nächste Matinee findet am Sonntag, 16. November statt. Ich bespreche und zeige den Klassiker des Horrorfilms The Shining von Stanley Kubrick. Karten gibt es hier.

Wenn vier Hände Magie schaffen – ein Abend im Gasthof Heinzinger voller Genuss, Leidenschaft und Teamgeist

1. November 2025

Wenn Denis Kleinknecht vom Gasthof Heinzinger zum 4-Hands-Dinner bittet, sollte man das Angebot unbedingt annehmen. Der Gast bekommt fine Dining in Rottbach im Landkreis Fürstenfeldbruck nicht nur die exzellente Küche von Denis Kleinknecht zum Genießen, sondern auch die Küche des eingeladenen Koches, eben vier Hände in der Küche.

Dieses Mal kochte Denis Kleinknecht zusammen mit Jürgen Beyer. Jürgen Beyer ist ein erfahrener Kochmeister aus Nürnberg, der seit vielen Jahren in der Gastronomie, im Catering und in der Kochpädagogik tätig ist. Nach seiner Ausbildung – unter anderem an einer Hotelfachschule – erwarb er den Titel des Küchenmeisters sowie den staatlich geprüften Gastronom.

Mit seinem Unternehmen Mobiler-Koch.net betreibt Beyer eine moderne Kochschule in Nürnberg, bietet Private Cooking-Events, Caterings und Schulungen an. Sein Ansatz ist, Kochkunst zugänglich zu machen, persönliche Erlebnisse in der Küche zu schaffen und Menschen mit verschiedenen Hintergründen zum Kochen zu motivieren.


Ein bemerkenswerter Aspekt seines Engagements ist sein Einsatz für Inklusion. So unterstützte er ein Kochprojekt an der Dr. Bernhard Leniger Schule im Nürnberger Land, bei dem Schülerinnen und Schüler mit Behinderung unter seiner Anleitung ein Drei-Gänge-Menü für Gäste kochten. Dabei stand nicht nur die Technik im Vordergrund, sondern auch Respekt, Teamarbeit und Teilhabe.

Beyer sieht Kochen nicht nur als Handwerk, sondern als Erlebnis. Sein Motto würde ich überschreiben: „Genuss, Bildung und Gemeinschaft“. Er verbindet klassische Kochkunst mit modernen Konzepten – und legt Wert darauf, dass Kochen Spaß macht, neue Fähigkeiten vermittelt und Menschen zusammenbringt. Ob Hobbykoch oder angehender Gastronom – wer mit ihm arbeitet, bekommt nicht nur ein Menü serviert, sondern eine Erfahrung.

Und das war das Menü
Denis: Kohlrabi | Kohirabi | Kohirabi | Kohirabi | Kohlrabi

Jürgen: Petersilie hoch 2 | Rehkeule

Denis: Mokka-Maultasche | Kichererbse, Limette | Korianderöl

Jürgen: Saibling | Spinat | Holler-Beurre-Rouge

Denis: Challans-Ente | Blaukraut | Apfel, Blaukraut | Apfel | Blaukraut | Kartoffel

Die Challans-Ente gilt als eine der edelsten Geflügelarten Frankreichs – ein Produkt, das für höchste Qualität, feines Aroma und traditionelle Zuchtkunst steht. Ursprünglich aus der Region Vendée nahe der Stadt Challans stammend, wird sie dort seit dem 18. Jahrhundert auf kleinen Höfen gezüchtet, meist in Freilandhaltung. Die Nähe zur Atlantikküste und das milde Klima sorgen für ideale Bedingungen.

Besonders schätzt Denis Kleinknechht wird die Challans-Ente wegen ihres zarten, aromatischen Fleisches und der feinen Fettmarmorierung, die ihr beim Braten eine unvergleichlich knusprige Haut und zugleich saftiges Fleisch verleiht. Ihr Geschmack ist intensiver als der gewöhnlicher Mastenten, dabei aber stets elegant und ausgewogen – eine Eigenschaft, die sie zu einem Liebling der Spitzengastronomie gemacht hat.

Kleinknecht schätzt an ihr nicht nur die Qualität, sondern auch die handwerkliche Tradition, die hinter jeder Ente steht. Jede Zucht folgt strengen Regeln, die den Tieren ausreichend Bewegung, natürliche Fütterung und Zeit zur Reifung geben. Diese Kombination aus Sorgfalt, Geduld und Respekt vor dem Produkt macht die Challans-Ente zu einem Symbol französischer Kochkultur – ein Produkt, das zeigt, wie aus Bodenständigkeit und Handwerk kulinarische Exzellenz entsteht.

Jürgen: Schokolade | Whisky-Orangen weißes Kaffee-Eis

Als Weinbegleitung wählte ich 2020 Gelber Silvaner, Weingut Johann Arnold Ipfhofen, Franken

Das Küchenteam war zudem: Liudmyla Liapunova vom Gasthof Heinzinger, Manuela Sieg kochen-mit-passion.de aus Altenholz, Manuela & Tilo Hamann Restaurant Gaumenkitzel, Radebeuel, Tobias Freudenberg, freiberuflicher Koch aus Dresden

Die Ritter der Kokosnuss – Rückblick auf meine Komödien-Matinee

31. Oktober 2025

„Die Ritter der Kokosnuss“ ist weit mehr als nur ein absurder Monty-Python-Klamauk – er ist ein grellbunter Zerrspiegel menschlicher Torheiten, eine gallige Satire auf Macht, Religion, Bürokratie und das ewige Bedürfnis nach Sinn in einer Welt, die längst den Verstand verloren hat. Hinter dem scheinbaren Nonsens liegt ein feines Gespür für die Absurdität gesellschaftlicher Strukturen. Ich besprach und zeigte diesen Klassiker bei meiner jüngsten Komödien-Matinee im Scala Fürstenfeldbruck.

Die nächste Matinee am 9. November ist der Partyschreck, eine meisterhafte Slapstick-Komödie mit Peter Sellers in Höchstform. Als unbeholfener indischer Schauspieler Hrundi V. Bakshi stolpert er durch eine mondäne Hollywood-Party und richtet dort ein herrlich chaotisches Desaster an. Karten gibt es hier.

Großsprecherische Tafelrunde
König Artus und seine ebenso nutzlose wie großsprecherische Tafelrunde reiten – ohne Pferde, nur begleitet vom hohlen Klappern imaginärer Kokosnusshälften – durch ein düsteres, matschiges Mittelalter, das gar nicht so weit entfernt ist von unserer eigenen Gegenwart. Ihre Suche nach dem heiligen Gral wird zum Sinnbild der vergeblichen Jagd nach höheren Wahrheiten, während das einfache Volk, geplagt von Dreck, Hunger und der Willkür der Mächtigen, längst aufgehört hat, an Helden zu glauben. Meine Einführung zum Film hier als Video.

Die Python-Truppe entlarvt mit anarchischem Witz, wie dünn die Fassade der Zivilisation tatsächlich ist. Wenn Bauern ihren König nach der „legitimen Machtgrundlage“ fragen oder Nonnen der Lächerlichkeit preisgegeben werden, schimmert durch den Irrsinn eine erschreckende Klarheit: Unsere Institutionen, Ideologien und Rituale sind oft nur hohle Konstrukte – und wer zu genau hinschaut, sieht, dass hinter all der Ordnung ein absurdes Chaos lauert.

„Ritter der Kokosnuss“ macht sich über alles lustig, was Menschen heilig ist, und genau darin liegt seine radikale Gesellschaftskritik. Der Film erinnert uns daran, dass Humor die schärfste Waffe gegen Dogma und Dummheit ist. In einer Welt, die immer wieder dazu neigt, sich selbst zu ernst zu nehmen, ist dieser groteske Gralsritt eine befreiende Erinnerung: Nur wer lachen kann – auch über sich selbst – hat wirklich verstanden, wie absurd das Menschsein manchmal ist.

Die nächste Matinee ist der Partyschreck mit dem großartigen Peter Sellers. Karten gibt es hier.