Archive for the ‘Musik’ Category

BBC öffnete das Soundarchiv

29. September 2024

Mit meinem Tascam Portacapture X8 gehe ich immer wieder auf die Jagd nach Tönen und Sounds aller Art. Meine Bekannten nennen mich respektvoll den „Geräuschesammler“. Ab und zu brauche ich diese Geräusche für Videos oder Installationen. Früher hatte ich sogar mal Geräuscheschallplatten und heute sind in vielen Audio-Programmen auch Geräuscheclips zu finden. Aber der Sammler weiß, man kann nicht genug Töne haben.

Nun eröffnete sich für meine Sammlung ein riesiger Schatz. Die BBC öffnete ihr Soundarchiv zum kostenlosen Download.
Im Moment gibt es 33066 Sounds zum Download – eine Fülle von Clips. Die Auswahl auf der Website ist einfach nach Kategorien, Länge und Herkunft geordnet. Die Sucheingabe muss auf Englisch erfolgen. Lassen Sie uns diesen Schatz heben.

Ich träume auch mal von Musik aus Geräuschen. Irgendwann auch mal für Kompositionen für Musique concrète. Musique concrète ist eine Kompositionstechnik, bei der mit aufgenommenen und auf Tonträgern gespeicherten Klängen komponiert wird. Diese Aufnahmen können sowohl eingespielte Instrumente als auch Alltagsgeräusche enthalten. Es gibt so tolle Vorbilder wie Pierre Schaeffer, Jean-Michel Jarre oder Karlheinz Stockhausen. Damit das klar ist: ich werde nie in dieser Liga spielen, aber Spaß macht es sicher.

Musiktipp: Bob Dylan: The 1974 Live Recordings

21. September 2024

Das Jahr 1974 war das Comeback-Jahr von Bob Dylan. Nachdem er 1966 seinen schweren Motorradunfall hatte und sich nach Woddstock zurückzog, hatte er zwar wesentliche Countryalben veröffentlicht, aber außer wenigen Liveauftritten wie beispielsweise zum Concert for Bangla desh von George Harrison blieb es still um his Bobness.

1974, im Jahr von Nixons Rücktritt, kam er mit seiner ehemaligen Begleitband The Band zurück in die amerikanischen Halle. Die Tour war innerhalb von Minuten ausverkauft. Das Comeback war geglückt.

Nach europäischen Copyrightmaßnahmen musste Sony die Aufnahmen der 1974-Tour nun unter den Namen The 1974 Live Recordings veröffentlichen, sondern verfällt der Markenschutz nach 50 Jahren. Und so können wir nun 27 CDs mit vielen Aufnahmen der Tour genießen: Dylan mit und ohne The Band – und die Stimme des Meisters klingt aggressiv rockig. Der reguläre Sammler hatte natürlich das offizielle Album Before the Flood, der Fan hatte Unsummen für Bootlegs aus der Zeit investiert, hier bekommt man endlich weiteres Futter. 30 Konzerte in 42 Tagen (oft mit zwei Sets pro Tag) vor durchschnittlich 18 500 Zuschauer muss man auch erst einmal hinbekommen, wenn man zuvor in Woodstock abgetaucht war und eine Familie gründete. Es ist nicht die Musik der Basement Tapes, die zu der Zeit der Abwesenheit aufgenommen wurden, es ist purer Rock und die Stimme Dylans hat nichts mehr countrylastiges an sich. Er singt deutlich, aggressiv wie zu den besten Zeiten der 60er Jahren. Er spielt mit seinen Texten, zieht sie, staucht sie, also der Song and Dance-Man, wie wir ihn lieben. Die Aufnahmen sind hervorragend abgemischt. Der Dylan-Fan genießt und hört jetzt erst einmal 27 CDs durch und lauscht auf die Hinweise des Meisters. Ich hätte mir eine aufwendigere Verpackung gewünscht, mit mehr, viel mehr Bildern, aber am Ende kommt es auf die Aufnahmen an und die sind hervorragend. Und auch das ungeliebte Blowin in the Wind ist nochmals dabei.

Philip Thomas: Es wird 2025 unveröffentlichte Takes von Raumpatrouille Orion von Peter Thomas geben

11. September 2024

Im nächsten Jahr feiert der berühmte Komponist Peter Thomas seinen 100. Geburtstag. Leider verstarb der Ausnahmekünstler im Jahr 2020 im Alter von 84 94 Jahre. Den musikalischen Nachlass verwaltet sein Sohn Philip, den Markus Elfert von Filmreport und ich in Berlin einen Besuch abstatteten und ein Interview aufnahmen. Wir trafen auf einen sympathischen, engagierten Mann, der sich mit viel Passion dem Erbe seines Vaters widmete und sogar seinen Juristenjob an den Nagel hing.

Peter Thomas bedeutet für mich in erster Linie die Musik Raumpatrouille Orion, Edgar Wallace und Jerry Cotton. Und viele Soundtracks mehr: Aber ich habe auch noch viele Vinyl-Scheiben zu den Botschaft der Götter, ein schlimmer Dokumentarfilm aus dem Jahr 1976 von Harald Reinl mit William Shatner nach dem Ideen von Erich von Däniken.
Das Archiv von Peter Thomas ist riesig. Noch zu Lebzeiten hat der Musiker sein Werk katalogisiert, was natürlich seinem Erben jetzt zur Hilfe kommt. Thomas hatte ja nicht nur Soundtracks wie Die Schlangengrube und das Pendel geschaffen, sondern auch viel Experimentalmusik und Jazz. Einige wunderbare Soundtracks sind bei All Score erschienen wie Bruce Lee Big Boss, Steiner-das Eiserne Kreuz II oder Winnetou und Sein Freund Old Firehand

Die Werke müssen nun gesichtet und gemastert werden. Einiges davon wird auf Vinyl veröffentlicht, sehr vieles auf Streaming-Plattformen. So wird Peter Thomas einer neuen Generation näher gebracht.

Zu Hause habe ich meine Peter Thomas Vinyl-Platten zusammengesucht und präsentiere sie hier in diesem Video.

Oasis – der gescheiterte Versuch an Karten zu kommen

31. August 2024

Ich war nie ein großer Fan von Oasis. Die Brit-Rocker hatten ein gute Songs, aber die launischen Brüder waren eigentlich nie so richtig mein Fall. Und dennoch: Als die Tochter hörte, dass sich die streitbaren Gesellen wieder zusammengerauft haben und eine Tour auf der Insel geben wollen, da stand fest: Wir wollen dabei sein – aber Ende ist nichts daraus geworden. Kein Wunder: Ich war nie ein großer Fan von Oasis.

Aber es begann ganz hoffnungsvoll. Es gab eine interfamiliäre konzertierte Aktion am Samstag vormittag: Es galt den Account von Ticketmaster UK zu reaktivieren, neues Passwort, neue Kreditkarte. Um 10 Uhr deutscher Zeit sollte der Online-Verkauf der Konzerte starten. Geplant sind Auftritte in Cardiff, Manchester, London, Edinburgh und Dublin. Es sollen die vorerst einzigen Konzerte in Europa sein.

Dann fiel mir ein, dass ich einen speziellem Platinum Status bei Mastercard habe und auf den sogenannten Concierge-Service zurückgreifen kann, die u.a. Konzertkarten besorgen. Nummer gewählt und die freundliche Dame erklärte mir, dass man nur auf Eventim-Karten zugriff habe. Also nix, denn Ticketmaster habe einen speziellen Datenschutz Blabla

Wir, Tochter, Gattin und ich, waren mit drei Endgeräten unterwegs, einmal im WLAN und zweimal im LTE, damit hofften wir unsere Chancen zu vergrößern. 32 Minuten bis zum Verkaufsstart,

Tochter und ich kamen in den Warteraum bei Ticketmaster, die Gattin hatte zu spät die Seite aufgerufen und musste vor der Tür sich in die Schlange stellen. Der Warteraum öffnete sich und ich hatte Platz 17.508 – klingt eigentlich unmöglich, aber ich blieb dran. Die Tochter war irgendwo bei 32.000. Die Gattin kam erst gar nicht herein.

Um 11:22 Uhr war es dann soweit. Ich durfte vom Warteraum in den Verkaufsraum und meine Tickets wählen. Die Vorfreude war enorm. Wir wollten als Schottland-Fans ein Konzert in Edinburgh anschauen. Es ging Schlag auf Schlag: Drei Sitzplätze gewählt und dann die Bestätigungssanduhr. Sie drehte und drehte sich. Stunde um Stunde. Im Netz gab es massive Beschwerden von anderen Käufern, bei einigen klappte es, bei einigen nicht.

Um 12:36 Uhr entschied das System von Ticketmaster, dass ich ein Bot sei und das System sperrte mich aus: Nach 2,5 Stunden Wartezeit meinte Ticketmaster ich sei ein Bot – nein, bin ich nicht.

Nichts ging mehr. Die Tochter dagegen kam in ihrer Warteschlange schnell voran und durchlief das gleiche Prozedere mit dem Ticketkauf. Sie bekam allerdings auch keine Bestätigung, sondern gleich eine Fehlermeldung. Und auch für sie war der Kartenkauf zu Ende. Die Server von Ticketmaster gingen in die Knie und das im 21. Jahrhundert. Meine Frau hatte es schon längst aufgegeben.
Ich wollte mich nicht geschlagen geben und stellte mich wieder in die virtuelle Reihe, die zum Warteraum führte: 289.322 Leute vor mir und wir hatten noch nicht einmal den Warteraum betreten. Und ich warte noch immer.

Hatte ich schon gesagt, dass ich nie ein großer Fan von Oasis gewesen war? Ja hatte ich. Und ich bin seit diesem Tag kein großer Fan von Ticketmaster, die nicht in der lange sind, ausreichend Serverstrukturen bereitzustellen. Freunde, bei Amazon Web Services kann man schnell und bequem Server dazu mieten.

Tristan und Isolde – Bayreuther Festspiele 2024 – meine Eindrücke

28. August 2024

Durch einen absoluten Glücksfall bekam ich dieses Jahr wieder die Möglichkeit Karten für die Richard Wagner Festspiele in Bayreuth zu erwerben. Als Fan des Sachsen und des Grünen Hügels musste ich natürlich zugreifen und genoss die Reise zu Tristan und Isolde zu den Bayreuther Festspielen nach Oberfranken.

Natürlich freute ich es zu Flanieren und den Gesprächen der Wagnerianer zu lauschen, was hier und dort nicht gepasst hat und wo es gelungen war. Fachsimpeln mit Bullshit-Bingo – genau meine Welt. Ich freute mich auf die zahlreichen ausländischen Gäste, neben mir saß ein Paar aus Frankreich, das zig Jahre auf die Karten gewartet hatte. In der Pause sah ich Japaner, er im klassischen Anzug, sie in japanischer Tracht – wunderbar. Und ich hatte den Eindruck dass Dr. Edgar Schönferber eine Reihe vor mir saß und wieder auf Bildungsbürger machte. Ich trug dieses Mal meinen schwarzen Gehrock, zog ihn aber im hölzernen Zuhörerraum aus. Meine Lederschuhe stammten aus Berlin. Die Hitze der vergangenen Wochen ist nicht aus der Holzhütte rauszubekommen. Ich beneide meine wunderbare Gattin im luftigen Kleid.

Tristan – Schwere Kost
Ich muss zugeben, dass ich nicht der absolute Tristan-Fan bin. Zwar hab ich schon Inszenierungen der romantischen Oper in Bayreuth gesehen, aber ich werde nicht richtig warm mit der Oper.

Aber ich war neugierig, denn Festspielchefin Katharina Wagner hat die überzeugende Inszenierung von Roland Schwab schon nach zwei Jahren aus dem Programm geworfen und sie durch eine Inszenierung des Isländers Thorleifur Örn Arnarsson ersetzt, was meiner Meinung nach eine falsche Entscheidung war. Der Tristan wurde für mich noch zäher oder sagen wir es mal so: Ich bin wohl mit meinen Mitte 50 Jahren noch nicht bereit für diese Erwachsenen-Oper von Richard Wagner. Mir fällt kein anderer Begriff als Erwachsenen-Oper ein. Publikum einschließlich mir waren von der sängereschen Leistung beeindruckt, das merkte man am Schlussapplaus.

Während der sechs Stunden machte ich mir Gedanken, warum ich mich mit Tristan so schwer tue. Für mich gilt Tristan und Isolde“ von Richard Wagner als eine Erwachsenen-Oper, weil sie sich mit komplexen, tiefen Themen und Emotionen beschäftigt, die ein erwachsenes Publikum ansprechen. Ein paar Gedanken dazu.

Die Oper behandelt existenzielle Fragen von Liebe, Tod, Schicksal und Transzendenz. Es geht um die Intensität der romantischen Liebe, die über das physische Leben hinausgeht, und die Suche nach Erfüllung in einer höheren spirituellen Ebene. Solche Themen erfordern ein gewisses Maß an Lebenserfahrung und philosophischem Verständnis.

Die Liebesgeschichte zwischen Tristan und Isolde ist extrem leidenschaftlich, aber auch tragisch und schmerzvoll. Sie ist geprägt von Schuld, Verboten und inneren Konflikten. Die emotionale Komplexität dieser Beziehung und die tiefen Gefühle der Charaktere sind oft schwer verständlich oder nachvollziehbar für jüngere Menschen, die diese Art von emotionaler Reife noch nicht erreicht haben.

Wagners Musik ist für ihre Dichte und ihre innovative Harmonik bekannt. Die berühmte „Tristan-Akkord“-Struktur führt zu musikalischer Spannung und einer Auflösung, die sich erst über das gesamte Werk hinweg entfaltet. Dies erfordert von den Zuhörern nicht nur musikalisches Verständnis, sondern auch Geduld und die Fähigkeit, komplexe musikalische Entwicklungen zu schätzen.

Vielleicht bin ich nicht immer richtig bei der Sache und voll konzentriert. Da bi ich eher ein Fan von Parsifal. Wagner ließ sich bei der Konzeption von „Tristan und Isolde“ stark von der Philosophie Arthur Schopenhauers inspirieren, insbesondere von dessen Pessimismus und der Idee, dass der Wille (und damit auch das menschliche Begehren) zu leiden führt. Die Oper reflektiert somit philosophische Ideen, die oft schwer zu verstehen sind und ein höheres intellektuelles Niveau erfordern. Ich habe zwar ein wenig Schopi genossen, aber ich bin auch dann bei der Lektüre seiner Bücher ausgestiegen. Das liegt wohl an meinem Unvermögen.

Das Werk endet nicht glücklich, sondern in Tod und Erlösung. Diese Idee des „Liebestodes“, bei dem der Tod als einzige Möglichkeit gesehen wird, um vollkommene Liebe zu erreichen, ist ein sehr düsteres und reifes Konzept, das mehr auf Erwachsene und ihre tieferen Überlegungen zum Leben und der Endlichkeit abzielt.

Genuss in Bayreuth
Sechs Stunden auf Bayreuther Holzstühlen, da muss man Fan sein und ich hab es trotz aller Widrigkeiten genossen. Meine Frau und ich sind mit der Bahn nach Oberfranken angereist, haben im Ibis am Bahnhof genächtigt und zwei Tage Bayreuth genossen mit Bier und Bratwurst. Und wir haben eine liebe Freundin getroffen und als Bäckerei-Fan haben wir die Erfolgsbäckerei vom ehemaligen Handwerkskammerpräsidenten Thomas Zimmer, die Bäckerei Konrad Lang besichtigt.

Die Richard-Wagner-Festspiele in der oberfränkischen Stadt sind nun zu Ende gegangen. Letzte Opernaufführung war der „Tannhäuser“ unter der Regie von Tobias Kratzer. Mehr als 58.000 Besucher sind in dieser Spielzeit auf den Grünen Hügel gekommen. Damit waren wieder alle Vorstellungen ausverkauft. Im vergangenen Jahr waren einige Tickets übriggeblieben. Mal sehen, ob ich 2025 wieder an Karten komme.

Moderner Flair am Grünen Hügel
Der Grüne Hügel ist flotter geworden, nicht so altbacken und verstaubt wie vor Corona-Zeiten. Nach Corona war ich nur bei einer Generalprobe dabei, so dass ich das Festivaltreiben nur aktuell beurteilen kann. Das Catering wurde komplett auf den Kopf gestellt und wird nun durch wahnfood durchgeführt. Das ist ein deutlicher Fortschritt zum bisherigen Steigenberger-Konzept. Die wahnfood GmbH ist ein ein junges Unternehmen aus Bayreuth in Oberfranken, dass sich auf kreatives Event-Catering und Erlebnis-Gastro-Konzeption spezialisiert hat. „Wir liefern nicht nur die Kulinarik um ihr Event, sondern wir schaffen fühlbare Erlebniswelten, die nachhaltig in Erinnerung bleiben“, heißt es auf er Website. Zumindest für die Bayreuther Festspiele ist es gelungen.

Die dichte Bestuhlung wurde entzerrt und es gab mehrere Foodstationen. Zum Essen konnte man neben Lachs auch Austern für die beiden einstündigen Pausen vorbestellen. Die eisgekühlte Cola zum Durchhalten kostete 5,50 Euro – Pfand wurde nicht rausgegeben.

Die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth waren während der ganzen Festspielzeit mit einem Stand vertreten und warben um Mitglieder. Ich wurde kein Mitglied, kaufte aber einen Kühlschrankmagneten.

Es gab sogar einen Fotopoint für die Instagrammer – musste ich auch gleich ausprobieren. Und es gab neuen Wagner-Merch. Nicht nur Büsten, Bücher, Noten und CDs von Wagner, es gab dieses Mal auch schwarze T-Shirts mit Sprüchen „Wahn! Wahn! Überall Wahn!“ gefiel mir am Besten.

Und natürlich durften die Wagner-Figuren von Ottmar Höhrl nicht fehlen. Dieses Mal waren am Grünen Hügel goldene Wagners aufgestellt, die ideale Fotomotive waren. Die Wagner-Figur verbeugt sich dieses Mal. Der Pop-up-Store in der Innenstadt von Bayreuth war allerdings schon im Abbau, so dass ich keine Figur erstehen konnte. Mal sehen, ob die Website von Hörl ab September noch was hergibt. Bei mir an Schreibtisch steht ein goldener Dirigenten-Wagner von Hörl, der dringend Gesellschaft braucht.

Und natürlich gab es wieder eine Festival-Bratwurst, Preis dieses Jahr 7,50 Euro. War jetzt nicht so der Hit, aber Rituale müssen eben sein, also rein damit. Die Gattin hat abgelehnt.

Zu den Ritualen gehört auch die Pausenmusik, die das Publikum zum Ende der Pause in das Festspielhaus rufen. Die muss natürlich auch jedes Mal von mir gefilmt werden. Hier bitte.

Und wer es genau wissen wollte, wie meine Besetzung und Aufführung ausgesehen hatte, hier die Beteiligten von TRISTAN UND ISOLDE VII am Montag, 26. August 2024
Musikalische Leitung: Semyon Bychkov
Inszenierung: Thorleifur Örn Arnarsson
Bühne: Vytautas Narbutas
Kostüm: Sibylle Wallum
Licht: Sascha Zauner
Dramaturgie: Andri Hardmeier
Chor: Eberhard Friedrich

Besetzung:

  • Tristan: Andreas Schager
  • König Marke: Günther Groissböck
  • Isolde: Camilla Nylund
  • Kurwenal: Olafur Sigurdarson
  • Melot: Birger Radde
  • Brangäne: Christa Mayer
  • Ein Hirt: Daniel Jenz
  • Ein Steuermann: Lawson Anderson
  • Junger Seemann: Matthew Newlin

Legende: Interview mit Prof. Christian Bruhn – der Schöpfer von Captain Future und mehr

16. August 2024

Er ist einer der Giganten der deutschen Musikindustrie. Prof Christian Bruhn schuf in seinem 90jährigen Leben Ohrwürmer, Schlager, Werbejingles, Jazz und Filmmusik. Der Generation meiner Eltern ist er in Erinnerung mit Songs wie Mamorstein und Eisen bricht oder Ich möchte der Knopf an deiner Bluse sein, generationenübergreifend haben wir seine Werbejingles wie „Nichts geht über Bärenmarke“ oder „Wir geben Ihrer Zukunft en zuhause – LBS“ im Ohr und meine Generation verehrt ihn für die deutsche Musik von Captain Future oder Heidi, Markus Elfert und ich trafen die Legende Prof Christian Bruhn in seinem Anwesen in München zu Interview.

Wir trafen auf einen absoluten Medienprofi, der bereitwillig, freundlich und voller Engagement uns fast eine Stunde lang seiner Zeit widmete und ins sein Studio einlud, um seine Lebensgeschichte vor unserer Kamera zu erzählen. 45 Minuten Interview voller Lebenserinnerungen, Weisheiten und Einschätzungen sind dabei herausgekommen. Von der frühen Jugend über sein musikalisches Schaffen bis hin zu seinem Engagement bei der GEMA und Künstlicher Intelligenz in der Musik kam alles zur Sprache.

Meine Generation ist Prof. Christian Bruhn zu Dank verpflichtet. Seine Musik hat mich von Jugendtagen begleitet und während ich diese Zeilen tippe, läuft die Soundtrack von Captain Future und die Compilation Meine Welt ist die Musik. Ich blättere durch die gefundenen Lieder von seiner ersten Frau Katja Ebstein und meine Vinyl-Soundtracks von Tim Thaler, Oliver Maas und Manni der Libero.

Musiktipp: Edelweiß von Joachim Witt

23. Juli 2024

Wenn es denn sein muss, dann kaufe ich auch die Wiederveröffentlichung von Joachim Witts zweites Soloalbum Edelweiß. Es ist nun bezeichnend auf weißem Vinyl herausgekommen und Edelweiß ist neben Silberblick für mich das wichtigste Album des deutschen Künstlers.

Und ja, es sind alte Scheiben. 1980 kam das Opus Silberblick auf den Markt und ich hab noch die Vinyl von damals und die Wiederveröffentlichung. Von Edelweiß hab ich nur noch die CD, die Vinyl von 1982 finde ich nicht mehr. Da ist es gut, dass Edelweiß wieder aufgelegt wurde. Es folgte dann noch Märchenblau, aber da war meine persönliche Witt-Phase im Grunde vorbei und heute interessiere ich mich nicht mehr für die Werke des Künstlers. Das Popalbum Märchenblau von 1983 sollte vielleicht auf blauen Vinyl veröffentlicht werden.

Ich lebe musikalisch hier in der Vergangenheit, in der Welt der Neuen Deutschen Welle. Witt stach damals aus der Branche heraus, sowohl musikalisch als auch textlich.

Der große Jaki Liebezeit von Can spielte damals die Drums und das alleine reicht schon, um ein Ohr zu riskieren. Aber vor allem die ikonischen Texte aus Single Tri tra trullala (Herbergsvater) liefen damals und heute die ganze Zeit. Das war Protest und Systemkritik ohne als solcher offen daher zu kommen – und tanzbar war das Liedchen auch.

Ey, lasst das sein, Kinder
Ihr seid wohl ganz versessen
Ey, lasst das sein, Kinder
Ihr seid wohl ganz versessen

Und es sind auf Edelweiß Texte, wo heute beim Zuhörer die Schnappatmung einsetzen würde. Ich denke da nur an die Zeilen:
Ich bin der Deutsche Neger, ah – uh
Gib‘ mir den Stoß, den ich zum Leben brauche
Laß mich verliebt Dir meine Liebe hauchen
Ich brauch den Ruck-Zuck um meinen Trieb zu lеnken
Das Huhn macht Tuck-Tuck, um uns ein Ei zu schenkеn
Vielleicht war Witt bereits damals schon ein Visionär als er in Inflation im Paradies schrieb:
Ich hab‘ die ganze Welt geseh’n
Im Fernsehen und auf Fotografien

Ich schweife ab. Also kauft euch die alte neue Witt Edelweiß und erinnert euch an gute alte Zeiten.

Konzertkritik: Nick Mason’s Saucerful of Secrets in München 2024

11. Juli 2024

Was muss diese Musik und die Show damals für eine Wirkung gehabt haben? Wenn man die Augen schließt, fühlte man sich beim Münchner Tollwood Konzert von Nick Mason’s Saucerful of Secrets in den Londoner UFO-Club zurückversetzt, wo die britische Psychodelic-Welle ihren Anfang nahm. Pink Floyd veränderte die musikalische Welt und wurde später eine der Supergroups der siebziger Jahre mit bombastischen Shows.

Nick Mason, der als Drummer bei Pink Floyd nie so im Rampenlicht wie seine Kollegen Roger Water und David Gilmour stand/saß, erinnerte mit seiner Tour an die frühe Phase von Pink Floyd von 1965 bis 1972. Dafür gehört ihm ein großes Dankeschön ausgesprochen. Seine Kollegen Waters und Gilmour setzen auf neue Projekte und die beiden Streithälse kommen wohl nicht mehr zusammen. Mason stand immer in der Mitte zwischen diesen Egos. Das zeigte sich auch als Waters bei einem Aufritt von Mason im Jahre 2019 in Beacon-Theater in NNY überraschend das Mirko ergriff.

Diese Überraschung blieb in München aus, Mason machte nur einen kleinen Witz mit einem Pseudo-Telefonat mit Waters auf der Bühne. Das Publikum machte und quittierte den Spaß mit einem Lachen. Bevor Dark Side of the Moon die Band in andere (finanzielle) Sphären katapultierte, war Pink Floyd der Wegbereiter der psychedelischen Musik.

Ich mag die frühen Alben, ich mag das geniale Mastermind Syd Barrett, der wohl zuviel LSD abbekam und durch Gilmour ersetzt wurde. Und so war ich vor allem interessiert, wie Nick Mason an diese Barrett-Zeit erinnerte. Und er tat es mit Würde, erklärte wie wichtig Barrett für die Band war. Er hatte einen besonderen Song dabei: Remember me, ein Wettbewerbssong aus dem Jahre 1965 als sich Pink Floyd in einem Beat-Wettbewerb messen wollten und verloren. Die Stimme von Syd Barrett wurde extrahiert und in dem Konzert eingespielt, während Nick Mason’s Saucerful of Secrets dazu spielten. Tolle Ehrung, dazu Bilder von Barrett auf der Leinwand. Das Video dazu gibt es hier.

Aber auch die anderen Songs von Piper at the Gates of Down wie Scarerow, Nike Song, Lucifer Sam und besonders der Konzertbeginn mit Astronomy Domine und die frühe Single Arnold Layne zogen mich in den Bann.

Wie experimentell Pink Floyd bis 1972 waren zeigten sich im Soundtrack Obscured by Clouds (schlechter Film), die Atom Heart Mother Suite (freilich ohne Orchester und Ballett) und ein gewaltiges Set the Controls for the Herat of the Sun (mit fetter Videoshow im Hintergrund). Das zumeist ältere Publikum war außer sich.

Gesteigert wurde die Hysterie mit den Klängen von Echoes und als erste Zugabe One of These Days vom Album Meddle. Ich hatte Echoes das erste Mal in der Dokumentation Crystal Voyager von 1973 kennengelernt, der bei uns im Schulkino in den Achtziger Jahren lief.
Nach dem Konzert legte ich zu Hause das Doppelalbum Ummagumma auf und lauschte den Auftritt in Pompeji. Wahnsinn, wie innovativ so einen Band sein kann. Und danke Nick Mason für diese Erinnerung.

Kraftwerk live in Wien, Schloss Schönbrunn

9. Juli 2024

Nach knapp 95 Minuten war alles vorbei, 95 Minuten in denen Augen und Ohren und der Mund von mir offen blieb. Kraftwerk als Open Air Konzert in Ehrenhof von Schloss Schönbrunn in Wien. Wie sehr hab ich bei besten Wetter die Mensch-Maschine genossen.

Punkt 23 Uhr war Schluss mit dem Zauber, da ist Wien streng und so sahen die rund 10.000 Fans ein gestrafftes Musikprogramm, da man erst gegen 21:25 Uhr begonnen hatte als die Sonne am Sinken war. So blieben Taschenrechner und Model auf der Strecke. Nach einem Konzert im November 2015 in der Lichtburg in Essen wollte ich unbedingt meinen Helden Ralf Hütter, Henning Schmitz, Falk Grieffenhagen und Georg Bongartz bei einem gigantischen Open Air sehen und genießen. Nach einigen Videos von Karlsruhe musste ich einfach in Wien dabei sein und besorgte Tribünenkarten für die Gattin und mich.

Numbers war der Einstand und die Schlossfassade diente als riesige Multimedia-Projektionsfläche. Wie immer traten die vier Musikanten hinter der Show zurück. Keine posenden Superstars am Bühnenrand, das gehört seit Jahren zum Kraftwerk-Konzept. Die überdachte Bühne war minimalistisch, die Show dagegen maximalistisch, aber nicht perfekt.

Der Ablauf überraschte insoweit, als dass das seltene La Forme / Régéneration aus Tour de France gespielt wurde. Das war definitiv eine gelungene Überraschung.

Grinsen musste ich, dass die Mensch-Maschine nicht ganz geölt ablief. Bei Autobahn verspielte sich wohl Ralf Hütter zu Beginn und zeigte dass hier keine Roboter, sondern Menschen auf der Bühne stehen.

In meiner Umgebung wurde über den verspäteten Start der Show gemault, denn es sollte ursprünglich um 20:30 Uhr beginnen. Fakt war, dass die Sonne erst spät unterging und die Show nur bei Dunkelheit seine Wirkung entfaltete. So verpasste ein Nachbar seinen Zug, aber so ist halt das Leben. Etwas nervig war, dass bei zwei, drei Fenster der wunderbaren Schlossfassade von Schönbrunn die Lichter brannten. Es wurde diskutiert, dass dort Bewohner wohnen, was auf der Sunny Side des Schlosses Quatsch ist. Die Wohnungen gibt es in anderen Teilen Schönbrunns.

Ich hab die Show genossen und war besonders beim Trans-Europa Express geplättet, wie die Lichtinstallation über die Fassade rast. Natürlich war ich am nächsten Tag im Café Hawelka in der Dorotheergasse 6 und zitierte die Textzeilen „In Wien sitzen wir im Nachtcafé“.

Einer meiner Lieblingssongs ist Radioaktivität und live wirken die gelb-roten Effekte einfach genial. Die Multimedia-Show drückte mich in meinen unbequemen Tribünenstuhl.

Also zusammenfassend, ein großartiges Konzerterlebnis und mein zweites Mal Kraftwerk live. Dresden lasse ich aus und hoffe auf einen weiteren Auftritt in der Nähe. Und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Meister Hütter irgendwann sein Archiv öffnet und uns weitere Schätze präsentiert.

Hier die Setlist, soweit ich sie mir gemerkt habe.
Nummern / Computerwelt / Computerwelt 2
Die Mensch·Maschine
Computer Liebe
Autobahn
Geigerzähler / Radioaktivität
Tour de France / Prologue / Étape 1 / Chrono / Étape 2
Trans-Europa Express / Metall auf Metall / Abzug
Spacelab
Die Roboter
La Forme / Régéneration
Planet der Visionen
Boing Boom Tschak / Musique Non Stop

Amazon: Große Schallplatte in kleinen Briefkasten gestopft – wer hat verloren?

2. Juli 2024

Ich bestelle bei Amazon, weil es einfach ist und in der Regel keine Probleme bereitet, wenn UPS oder DHL der Lieferdienst ist. Schwieriger wird es, wenn Amazon über Subunternehmen Amazon Logistic selbst liefert. Noch schwieriger wird es, wenn die hinterlegten Lieferanweisungen nicht eingehalten bzw. komplett ignoriert werden.

Seit kurzem führe ich mal wieder ausführliche Telefonate mit der Hotline, weil ein Fahrer samt mitfahrender Ehefrau meine Bestellungen einfach über den Zaun wirft und als ich sie dabei erwischt habe, die Lieferanweisungen gar nicht lesen kann.

Jetzt hab ich ein neues Erlebnis, als der Amazon-Lieferdienst versuchte eine große Schallplatte in den kleinen Briefkasten zu stopfen. Das Ergebnis: Die Schallplatte hat verloren. Meine Tochter sah den gewalttätigen Versuch und nahm dem Fahrer, der natürlich nicht geklingelt hatte, das beschädigte Paket ab.

Die Verpackung des Pakets war geknickt. Beim Auspacken meiner wunderbaren Vinyl-Sammleredition House on Haunted Hill von Rob Zombie dann auch ein trauriges Bild: Das Cover des Doppelalbums war geknickt und gerissen. Und: die beiden farbigen Vinylscheiben waren gebrochen. Rohe Gewalt gegen empfindliches Vinyl.

Liebes Amazon: Wie kann man so blöd sein, eine Schallplatte in einen Briefkasten stopfen zu wollen? Ich bin echt sauer.
Ja, ich finde es prima, dass ihr Leuten eine Chance am Arbeitsmarkt gebt, die sonst keinen oder nur schwer einen Job bekommen, aber warum beschäftigt ihr absolut dumme Leute wie diesen Subunternehmer?

Also die Schallplatte geht zurück und ich warte auf Ersatz. Den Ärger und die Arbeit habe ich. Danke dafür – nicht.