Es scheint also doch einen Markt für so eine Art Kameras zu geben, deren Sinn ich absolut nicht verstehe. Nun liegt auch die Firma mit dem roten Punkt nach. Leica Sofort 2 startet als Sofortbild-Kamera mit digitalem Sensor und Smartphone-Anbindung.
Sieben Jahre hat es gedauert, dass Leica den Nachfolger bringt und mit der Leica Sofort 2 alles radikal verändert. Es ist eine digitale Sofortbildkamera, die ihre Bilder digital aufnimmt und ich dann entscheiden kann, welche gedruckt werden sollen. Was soll der Quatsch? Entweder habe ich eine Sofortbildkamera im Stile der Polaroid oder Instax – oder ich nehme mein Smartphone mit einer weitaus besseren Bildqualität, knipse und suche mir dann die Wunschbilder zum Drucken aus. Ich verstehe das System nicht so ganz und würde dafür keine 370 Euro ausgeben für eine Kamera, die ich nicht brauche. Die neue Leica ist praktisch identisch mit der Fujifilm Instax Mini Evo, kostet aber dafür fast das Doppelte (vielleicht wegen dem roten Punkt). Im Grunde ist die Kamera baugleich mit der Fujifilm, obwohl sie erst im November erscheint. Große Überraschungen erwarte ich mir nicht. Die technischen Daten sind solide. Die Leica Sofort 2 besitzt einen 4,9 MP Sensor im 1/5 Zoll Format sowie ein 28 mm (Kleinbild-äquivalent) f/2.0 Objektiv. Fotos können vor dem Druck mit einer Reihe von Filtern versehen und so unter anderem Schwarzweiß oder Sepia gefärbt werden.
Der integrierte Sofortbilddrucker, der Bilder im Format 8,6 x 5,4 Zentimeter mit einer Bildfläche von 6,2 x 4,6 Zentimetern auswirft, leistet seine Arbeit. Der Akku reicht für 100 Bilder und kann via USC-C aufgeladen werden. Auch via Smartphone-App kann ich nun auf die Kamera zugreifen und Bilder vom Smartphone drucken. Pro Bild rund ein Euro, denn Leica Sofort 2-Filme enthalten zehn Bilder für zehn Euro. Die Kamera bietet internen Speicher für bis zu 45 Fotos, sowie einen microSD-Kartenleser. Digitale Fotos können drahtlos per Leica Fotos App ans Smartphone übertragen werden.
Für mich steht weiter fest: Der Charme und die Überraschung der Sofortbildkamera ist hier nicht vorhanden. Auch die Idee, das ein Sofortbild ein Unikat ist, wird hier zerstört, denn ich kann ja mein digitales Bild so oft wie ich will drucken. Bei all meiner Liebe zu Sortbildkameras, verstehe ich das vorliegende System nicht und prophezeie Leica einen Rohrkrepierer.
otografie ist ein Hobby, eine Leidenschaft, eine Passion. Ich begann mit Analogfotografie, entwickelte Filme, vergrößerte im heimischen Badezimmer Abzüge, wechselte dann auf die digitale Fotografie und während all dieser Entwicklung hatte ich immer ein Fable für Sofortbilder. Mein Onkel zeigte mir seine erste Polaroid-Kamera und die Idee nicht Nichtrproduzierbarkeit eines Bildes hat mir immer gefallen.
Ich fotografierte mit den klassischen Polaroid-Kameras, mein Liebling ist die erste faltbare Sofortbild-Spiegelreflexkamera der Welt SX-70 von 1972 und ich fühlte mich ein wenig wie Andy Warhol. Leider habe ich nicht die Klasse von Warhol.
Problem: Die Filme sind sehr teuer und ich setzte daher auf die Instax-Serie von Fujifilm. Unlängst hab ich beim Wiesn-Einzug der Wiesn-Wirte aufs Oktoberfest ein paar Sofortbilder mit meiner Instax-mini 12 geschossen, weil es mir einfach Spaß macht. Weit mehr Bilder schoss ich freilich mit meiner Reportagekamera Fujifilm X100V.
Und beim Warten auf die Entwicklung der Bilder entdeckte ich im Netz, dass Polaroid vor kurzem eine neue Highend-Kamera auf den Markt gebracht hat: Die Polaroid I-2 für rund 700 Euro. Ein Fotoabzug kostet etwa 2 Euro.
Die Kamera machte mich neugierig. Es soll eine Kombination von Analog-Feeling und moderner Kameratechnologie sein. Ich habe das Gerät nicht in der Hand gehabt, geschweige denn damit fotografiert, aber damit zeigt sich, dass es in digitalen Zeiten einen Trend zur analogen Fotografie gibt. Ich hatte also über die Jahre das richtige Näschen dafür.
Die 563 Gramm leichte Polaroid I-2 hat das Design der etablierten Polaroid-Serie, aber ganz andere innere Werte. Die Optik ist ein Drei-Linsen-Objektiv mit 98 mm Brennweite und einer maximalen Blendenöffnung von f/8. Also im Grunde eine Schönwetter-Kamera für draußen. Wenn Sonne lacht, nimmt Blende 8. Die kürzeste Verschlusszeit der Polaroid I-2 beträgt 1/250 s. Es passen 49 mm Linsen auf das Filtergewinde. Ich habe aus Analogzeiten noch einige 49 mm Farblinsen herumliegen, die würden passen. Sehr fein: Die Kamera hat den klassischen eingebauten Blitz mit maximal 2,5 Meter Reichweite, verfügt aber über einen 2,5-mm-Klinkenanschluss für externe Blitzgeräte. Damit wäre die Polaroid I-2 endlich für Studioblitze geeignet.
Über USB-C wird die Kamera geladen. Das Interessanteste sind die Kameraeinstellungen im Display und auf der Oberseite. Es gibt den vollen Umfang: Automatik, Blendenpriorität, Verschlusspriorität, Manuell, Selbstauslöser und Mehrfachbelichtung. Also nicht mehr nur Klick, sondern Fotografie, wie man sie gelernt hat. Per Blauzahn lässt sich die Kamera auch vom Smartphone aus steuern, warum ich auch immer das machen sollte. Vielleicht wenn Sie am Stativ steht und ich daneben meinen Kaffee trinke.
Ich liebe Fotos und ich liebe Bücher – vor allem Fotobücher müssen einfach gedruckt sein und das schreibe bewusst als digitaler Nomade. Ein eindrucksvolles Fotobuch fand ich bei der Motorworld München im der Ausstellung Home of History im Rahmen der Motorworld Mobility Days: 911 Millennium
Es ist ein Buch, was schreibe ich, es ist ein 10 Kilogramm schwerer Wälzer – ein extrem eindrucksvoller Bildband über den Porsche 911, Die Fotos stammen von René Staud. René Staud ist einer der weltweit erfolgreichsten Automobil-Fotografen. Anspruchsvollste fotografische Auffassung, modernste Technik und handwerkliche Perfektion sind seine Markenzeichen, und durch die Entwicklung des Lichtsystems Magicflash gilt der Stuttgarter als Experte der Blitzlichtfotografie und diese hat er bei der Produktion der Fotos zu 911 Millennium angewendet. Natürlich ist das Buch limitiert auf 911 Exemplare, wie sollte es anders sein. Da freut sich der Sammler und Porsche-Fan, der schon alles hat.
Jedes Buch ist mit einer nummerierten Plakette versehen. Der Band mit 288 Seiten hat das Megaformat 56 Zentimeter auf 44 Zentimeter und kostet nicht wie man annehmen könnte 911 Euro, sondern gleich mal 1911 Euro.
Die Resonanz auf den Motorworld Mobility Days war gut. Viele, die die Halle der Ausstellung Home of History betraten, traten an das Buch heran und blätterten. Ob das Buch jemand gekauft hat, weiß ich nicht, aber es ist ein wunderschönes Buch für Fans. Der Macher des Buches Udo Hönninger wurde nicht müde am Stand des Buch zu präsentieren. Er ist seit ca. 40 Jahren als Industriemeister in der Druckbranche tätig. Seit ca. 20 Jahren hat er sich auf hochwertige Druckerzeugnisse spezialisiert. Mit diesem Buch ist ihm eindeutig ein Meisterstück gelungen.
Es ist ein Objekt der Superlative. Das Maxi-Format zeigt und zelebriert die fotografische Inszenierung des 911. Vom ersten 901, dem ersten je gebauten Turbo, bis hin zu allen Derivaten der Baureihe 991. 911 Millennium ist die einmalige Dokumentation eines der bedeutendsten Automobile der Geschichte und gleichzeitig ein großartiger Ausschnitt aus dem Werk eines der bekanntesten Automobil-Fotografen unserer Zeit. Alle hier gezeigten „Elfer“ wurden über 40 Jahre hinweg von René Staud fotografisch perfekt in Szene gesetzt. Power und Design sowie Technik und Faszination verdichten sich zu purer Ästhetik. Jedes Exemplar kommt mit maßgefertigter Transporttasche und ein paar weiße Handschuhe gibt es dazu. Wer noch Euros drauflegt, kann zusätzlich einen aus Edelstahl gefertigten Buchständer dazu bestellen.
Rund zwei Monate hatte ich die Canon PowerShot V10 Vlogging-Kamera nun fast durchgehend im Einsatz. Nachdem die Canon-Agentur mir kein Testexemplar zu Verfügung stellen konnte/wollte, habe ich mir den Nachfolger der LEGRIA mini X selbst gekauft. Mein Ergebnis nach zwei Monaten Praxiseinsatz ist durchwachsen.
Ich liebte die LEGRIA mini X, die ich überall dabei hatte. Leider war die Auflösung von HD begrenzt. Aber das Konzept der Kamera war schlichtweg genial und durchdacht. Nachdem 4K nun Standard ist, musste die Nachfolgerkamera Canon PowerShot V10 her. Auflösung passt, aber dann beginnt das unangenehme Umgewöhnen. Warum beherzigt Canon nicht das Gesetzt der Kamerahersteller: Never change a running System? Das Handling ist meines Erachtens deutlich komplizierter als bei bei LEGRIA mini X, was vor allem an dem Aufnahmeknopf liegt, der auf der Vorderseite des Geräts angebracht ist. Bei der LEGRIA mini X war der haitische Aufnahmeknopf auf der Seite und für mich deutlich einfacher zu bedienen. Bei der PowerShot V10 hatte ich zu oft den Finger in der Linse. Hier mein erster Blogartikel zur Kamera.
Zweiter Kritikpunkt ist das zu kleine Display. Zwar wurde das Display verbessert, aber für mich als älteren Videoblogger ist Bild auf dem 2,0-Zoll-LCD-Touchscreen schlichtweg zu klein um zu überprüfen, ob die Kamera auch wirklich auf da Objekt scharf gestellt ist. Die automatische Objekterfassung kann ja ein anderes Aufnahmeziel im Visier haben. Bei den Aufnahmen musste ich immer kontrollieren und ggf. eingreifen, sonst waren die Aufnahmen unscharf und nicht zu gebrauchen.
Dritter Kritikpunkt ist die enorme Hitzeentwicklung der Kamera bei voller Bildauflösung. Schraubt man alle Einstellungen hoch, um ein rattenscharfes 4K-Bild zu bekommen, dann überhitzt die Kamera nach rund zehn Minuten Aufnahmezeit. Das reicht für einen klassischen Auflager, aber nicht für einen längeren Dreh. Es nervt, wenn die Temperaturanzeige ständig Richtung Rot wandert und man eigentlich nur noch die Temperatur im Auge hat und sich nicht mehr auf den filmischen Inhalt konzentriert. Also Auflösung runterschrauben und die Temperatur passt – aber Moment, wollte ich die Canon PowerShot V10 nicht gerade wegen der 4K Auflösung, damit die LEGRIA mini X in Rente gehen konnte? Hier mal eine Aufnahme meiner monatlichen Matinee, die ich im Scala Kino Fürstenfeldbruck halten darf mit der Canon PowerShot V10.
Und als Vergleich eine ältere Aufnahme mit der alten Canon PowerShot V10 auch im gleichen Kinosaal.
Ich will die PowerShot V10 nicht schlecht reden. Es ist eine gute Kamera fürs Videobloggen, aber der richtig große Wurf ist Canon nicht gelungen. Das beginnt schon beim Klötzchen-Design. Was weit entfernt von Eleganz ist. Aber viele der inneren Werte wie Mikro, Filter, Anbindung, USB-C, Speicherkarte sind schon in Ordnung. Dennoch trauere ich meiner xf hinterher. DAS war eine Kamera.
Und wieder klopft das kleine Herzchen aufgeregt: Bum, bum, bum. Gestern wurde verkündet, dass Atari, bzw. das Nachfolgeunternehmen, am 17. November eine Neuauflage seines Klassikers, meines Klassikers auf den Markt bringen will: Die Atari 2600+
Schon wieder eine Wiederauflage einer Retrokonsole, schon wieder ein Teil, das ich mir kaufen und in meine Sammlung stellen werde. Es ist ja nicht so, dass ich noch kein Original Atari 2600 in Holzverkleidung oder als Darth Vader Variante habe, natürlich habe ich das Retron77 mit dem ich die meisten der alten Cartridges zocken kann, natürlich habe ich die 50-Jahres-Sammlung von Atari-Spielen für die PS5, wobei es pervers ist, eine 8 Bit Grafik auf einer Next Gen-Konsole zu spielen. Und ich habe die eine oder andere Emulation laufen und ich liebe die Atari-Spiele auf dem Evercade stationär oder mobil. Also nun noch die Atari 2600+.
Für 120 Euro kommt die Konsole etwas kleiner daher als das Original aus meiner Jugend, etwa 20 Prozent sei das Ding geschrumpft, so Atari und die Spielefirma Plaion, die einstmals Koch Media war. Dabei ist der legendäre CX40+-Joystick mit rotem Feuerknopf. Und es sind zehn Spiele auf einer Cartridge dabei, so sind dabei Adventure, Missile Command und Video Pinball. Und nun noch: Es heißt, dass meine alten Cartridges, die ich haufenweise noch in meiner Sammlung habe, auf dem System laufen sollen. Es wird wohl eine ähnliche Technik verbaut sein, wie im Retron77, das auch meine alten Cartridges ausliest. Die Spiele werden über den SoC Rockchip 3128 emuliert, in der Konsole stecken 256 MByte Arbeitsspeicher und 256 MByte Speicherplatz, das reicht für die alten Heuler. Neu allerdings beim Atari 2600+: Es werden auch die Cartridges vom Atari 7800 gelesen, der grafisch etwas leistungsfähigere Nach-Nachfolger vom Atari 2600.
Eine weitere Cartridge mit vier Spielen will Atari gemeinsam mit einem CX-30 Paddle Controller zum Preis von 35 Euro verkaufen. Mal sehen, ob ich meine alten CX-30 Paddle Controller wirklich problemlos anschließen kann.
Das Ganze zeigt mir, dass Retrogaming lebt. Es ist ein kleiner, aber feiner Markt. Lego hat das Atari 2600 auch als Bausatz auf den Markt geworfen, das sich unter Fans gut verkauft. Daher ist es für mich nicht verständlich, dass der Heise Verlag die wunderbare Herausgabe des Retrogamers einstellen will. Das Heft schreibt eine schwarze Null oder macht ein wenig Gewinn. Aber genaue Zahlen habe ich natürlich nicht. Zum Jahresende wird das Heft eingestampft. Wahrscheinlich wie bei vielen Special Interest-Zeitschriften: Wenn ein großer Verlag dahinter ist, dann fressen die Overhead-Kosten alles auf und kleine, aber feine Sachen bleiben auf der Strecke. Das Heft sollte von der Redaktion weitergeführt werden, ein paar Gespräche laufen ja bereits, wie man aus dem Markt hört. Ich drück die Daumen.
Ja, ich bin ein Retrogamer und ich liebe diese alten Videospiele meiner Jugend. Und das zum Leidwesen meiner Ehefrau, denn Konsolen gibt es viele und Spiele noch viel mehr.
Im Zentrum meiner kleinen Sammlung steht aber das Atari 2600-System mit seine 8-Bit-Grafik und Sound in den schwarten Cartridges. Aber auch andere viele Retrokonsolen wohnen bei uns zu Hause und wollen bespielt werden. Im Moment zocke ich viel auf der PS1. Ich passe auf die Spiele gut auf. Ich lese viel über die Retrogames in Zeitschriften wie Retrogamer oder Return, dort erfahre ich viel über vergangenes.
ABER: Und jetzt lese ich alarmierende Zahlen: Rund 87 % der Videospiele, die vor 2010 in den USA herausgekommen sind, gibt es nicht mehr im Handel zu kaufen, sagt eine Studie der Video Game History Foundation. Klassiker des Commodore 64 sind nur noch zu 4,5 %, des Nintendo Game Boy zu 5,8 % und der PlayStation 2 zu 12 % erhältlich. Ich muss mir die Studie genauer ansehen, aber sie scheint mir richtig und erschreckend zugleich.
Natürlich gibt es Retrosysteme im neuen Gewand oder Emulatoren auf Konsolen wie die Evercade oder Retron77, die ich beide sehr schätze. Gerade Evercade hat es sich zur Aufgabe gemacht viele Retrospiele auf die Handheld-Konsole zu Portieren. Das ist löblich, aber natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, dann Hunderte, wenn nicht gar Tausende Spiele erblicken nicht mehr das Tageslicht und der Schatten des Vergessens legt sich über die Veröffentlichungen.
Ziehen wir mal einen Vergleich zu einem anderen Kulturgut, das ich sehr schätze. Nehmen wir den Film. Vieles hat sich für den Heimanwender erhalten, nur die Dareichungsform hat sich bei mir geändert. Super 8, VHS/Beta/Video2000, Laserdisc, DVD, Bluray, 4K UDH, Streaming und was es noch so gibt. Der Inhalt hat Bestand, nur die Vetriebsform hat sich geändert. „Stellt euch vor, die einzige Möglichkeit, Titanic zu sehen, bestünde darin, eine gebrauchte VHS-Kassette zu finden und euer eigenes altes Equipment zu pflegen, um den Film trotzdem ansehen zu können“, heißt es im Fazit der Studie. „Es klingt verrückt, aber das ist die Realität, in der wir mit Videospielen leben, einer 180 Milliarden Dollar schweren Industrie, während die Spiele und ihre Geschichte verschwinden.“
Habt ihr eine Lösung für das Problem? Ist es überhaupt für euch ein Problem? Meinung gerne in die Kommentare.
Vielleicht aktuelle Zahlen, wie es um den Stand der Industrie in Deutschland steht. Insgesamt 908 deutsche Unternehmen sind in die Entwicklung oder den Vertrieb von Videospielen involviert, sagt der Branchenverband Game. Das sind 15,5 % mehr als bei der jüngsten Erhebung. Die Zahl der Beschäftigten steigt um 7 % auf 11.992. Grund für das Wachstum sind demnach Fördermittel des Bundeswirtschaftsministerums.
Verräter oder Held? Gerade habe ich die Autobiografie Permanent Record von Edward Snowden beendet. Das Buch hatte ich mir beim Erscheinen gekauft und es lag bis bis heute ungelesen herum. In zwei Tagen hab ich diese Autobiografie gelesen, um die Gründe Snowdens für Snowden Verrat besser verstehen zu können. Vor zehn Jahren machte Edward Snowden Spionagepraktiken des US-Geheimdienstes NSA öffentlich. Dann musste er abtauchen – ausgerechnet in Russland.
Edward Snowden ist bis heute eine polarisierende Figur, die international für ihre Enthüllungen im Jahr 2013 bekannt wurde, als sie vertrauliche Informationen über die Massenüberwachungspraktiken der US-amerikanischen National Security Agency (NSA) öffentlich machte. Seine Handlungen haben zu intensiven Debatten über Datenschutz, Bürgerrechte, Regierungstransparenz und staatliche Überwachung geführt. Aber ich frage ich: Ist etwas dann geschehen? Hat sich unser Verhalten geändert? Nein, ich glaube nicht. Das Opfer von Snowden war für die meisten Menschen umsonst, so wird Snowden für mich eine tragische Figur. Der Mann zerstörte sein bisheriges Leben, um Die Welt zu informieren, doch Die Welt interessiert sich zum großen Teil nicht dafür. Brot und Spiele sind wohl wichtiger.
Verteidiger der Privatsphäre Die Befürworter von Snowden sehen ihn als mutigen Whistleblower und Verteidiger der Privatsphäre und Freiheitsrechte. Sie schätzen, dass er das Ausmaß der globalen Überwachungsprogramme, die von Geheimdiensten betrieben wurden, ans Licht brachte und dadurch die breite Öffentlichkeit und die politischen Entscheidungsträger auf die Notwendigkeit von Schutzmechanismen gegen übermäßige staatliche Überwachung aufmerksam machte. Snowden wird oft für seine Opferbereitschaft gelobt, da er seine persönliche Freiheit riskierte, um die Informationen öffentlich zu machen.
Verräter Gegner von Snowden argumentieren hingegen, dass seine Enthüllungen die nationale Sicherheit gefährdet haben könnten, indem sie potenzielle Feinde über die Fähigkeiten der Geheimdienste informierten. Einige betrachten seine Flucht nach Russland als Verrat an den USA und werfen ihm vor, sensibles Material ohne angemessene Filterung oder Prüfung veröffentlicht zu haben, was die Arbeit der Geheimdienste beeinträchtigen könnte.
Unabhängig von den unterschiedlichen Meinungen über Edward Snowden ist unbestreitbar, dass seine Enthüllungen eine tiefgreifende und anhaltende Debatte über den angemessenen Umfang staatlicher Überwachung und die Grenzen der individuellen Privatsphäre ausgelöst haben. Seine Handlungen haben dazu beigetragen, das Bewusstsein für die Herausforderungen im digitalen Zeitalter zu schärfen und den Weg für Reformen im Bereich der Überwachung und des Datenschutzes zu ebnen. Ob man ihn als Held oder als Verräter betrachtet, steht im Zusammenhang mit den eigenen Ansichten über staatliche Macht, Bürgerrechte und die Verantwortung von Individuen im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit. Interessant ist, dass kaum ein Land der Erde Snowden Asyl gebeten wollte. Die Allmacht der USA ist spürbar. Heute ist Snowden russischer Staatsbürger, aber von einem Geheimnisverrat an Putin ist mir nicht bekannt und konnte ich bei meinen Recherchen nicht finden.
Zum Jahrestag hab ich mir mal wieder den Film von Oliver Stone Snowden angeschaut. Der Streifen ist ein bisschen zäh, aber erzählt die Geschichte ganz gut. Er das Buch nicht lesen will, der schaut eben den Film und sollte ein wenig darüber nachdenken.
Eine Ära geht zu Ende. Nach 320 Jahren ist nun die letzte Print-Ausgabe der Wiener Zeitung erschienen. Es war die älteste gedruckte Zeitung auf diesem Planeten. Nun ist Schluss mit Papier, es soll online weitergehen.
Erstmals kam Wiener Zeitung am 8. August 1703 – damals noch als „Wiennerisches Diarium“ – auf den Markt und galt damit als die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. Nun ich gestehe, dass ich die Zeitung mal gekauft habe als ich in Wien war, aber persönlich gehörte ich nicht zu den Lesern der Publikation. Meiner Meinung lieferte das Blatt einen unaufgeregten Qualitätsjournalismus, und das ist selten in der Zeitungslandschaft. Dennoch schmerzt es mich natürlich als gelernten Zeitungsjournalisten, dass so ein Objekt in Print eingestellt wurde. Mit Ausnahme der Kriegsjahre 1940 bis 1945 erschien sie ohne Unterbrechung. Die Wiener Zeitung soll als Online-Medium weitergeführt werden, allerdings mit deutlich reduzierter Mannschaft. Dreiviertel der 80köpfen Mannschaft wurden gefeuert. Die letzte Print-Ausgabe gibt es kostenlos online zu lesen (Wortwitz) für alle, die sich über die älteste Zeitung der Welt nochmal informieren wollen. Es ist eine hervorragende Abschiedsausgabe geworden. Ich habe mir das PDF geladen.
Die Titelseite der letzten Print-Ausgabe ist minimalistisch und nostalgisch. Dort steht zu lesen: „116.840 Tage, 3839 Monate, 320 Jahre, zwölf Präsidenten, zehn Kaiser, zwei Republiken, eine Zeitung“. Ich finde, dieser Titel beschreibt hervorragend die lange Geschichte des Objekts.
Wie es von Kollegen aus Österreich heißt, habe man es versäumt, sich rechtzeitig um einen Käufer des Zeitungsobjekts zu kümmern. Eigentümer der Zeitung ist die Republik Österreich. Ich kann das nicht beurteilen, dazu bin ich von der österreichischen Zeitungsszene und -markt zu weit entfernt. Die amtlichen Verlautbarungen, die die Haupteinnahmequelle der Zeitung waren, sind ins Netz gewandert und keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten wurden gefunden. Und damit ist Schluss mit Papier.
„Das System Putin hat tiefere Risse als viele wahrhaben wollten“, erklärte Ibrahim Naber, Kriegsberichterstatter der Welt in der Ukraine auf einem Vortrag in Kloster Banz.
Der ausgebildete Journalist war sechsmal in der Ukraine und berichtete aus erster Hand von seinen Erfahrungen von der Front. Der Vortrag überschnitt sich mit den aktuellen Ereignissen, die dazu führten, dass Naber seinen Vortrag über Nacht aktualisierte. „Wir wissen noch relativ wenig“, so Naber, der als Berichterstatter nicht spekulierte, sondern versuchte die Fakten einzuordnen. „Gegebenenfalls wird das System Putin neu aufgestellt“, aber die Ereignisse überschlagen sich. Der Chef der Söldnergruppe Wagner, Prigoschin, hat sich offen gegen die russische Militärführung und Verteidigungsminister Schoigu gestellt. Seine Einheiten griffen Einrichtungen des offiziellen Militärs im Süden des Landes an. Zunächst erlangten sie die Kontrolle über Stellungen in Rostow am Don, gegen Mittag laut BBC wohl auch über solche in der Region Woronesch, rund 500 Kilometer weiter nördlich. Die Stadt liegt auf halbem Weg zwischen Rostow und Moskau. In der Hauptstadt wurde der Anti-Terror-Notstand verhängt. Schon seit der Nacht sind Militärfahrzeuge auf den Moskauer Straßen unterwegs. Präsident Putin sprach im Fernsehen von einer tödlichen Bedrohung und kündigte an, die Aufständischen würden als Verräter bestraft.
Der Welt-Journalist wollte nicht von einem Putsch sprechen. Er hörte allerdings von Memes aus der Ukraine, die besagen: „Das Popkorn ist ausverkauft“. Dennoch mahnte er, alle Informationen mit Vorsicht zu genießen. Er geht davon aus, dass die Aktion von Wagner-Chef Prigoschin keine spontane Aktion gewesen sei. Putin stehe hinter seinem Verteidigungsminister und habe sich klar positioniert.
Mit eindrucksvollen Bilder berichtete Ibrahim Naber von seinen Erlebnissen als Kriegsreporter, zeigte Live-Schaltungen aus einem Rettungsboot nach der Sprengung des Staudamms in Cherson. Nach Recherchen der New York Times hätten wohl die Russen den Staudamm gesprengt und das Land überflutet. Für Ibrahim Naber war klar: „Wir stehen vor entscheidenen Monaten – es wird ein Sommer der Entscheidung.“
Naber positionierte sich in einem Kommentar: „Trotz allem rechne ich persönlich fest damit, dass das ukrainische Militär die russischen Verteidigungslinien an bestimmten Frontabschnitten durchbrechen wird. Ich halte es für realistisch, dass wir wie im Herbst 2022 erneut eine Art „Charkiw-Moment“ erleben, also eine Situation, in der russische Truppen an bestimmten Abschnitten plötzlich blank dastehen.
Hoffnungen auf einen überwältigenden ukrainischen Vorstoß, der in wenigen Monaten zur Rückeroberung weiter Teile der bislang besetzten Gebiete führt, halte ich derzeit für unwahrscheinlich. Eigentlich gibt es nur ein Szenario, in dem dies denkbar wäre: Wenn unter russischen Soldaten auf breiter Front Panik ausbricht und die Ordnung verloren geht.“ Und eindeutig: „Deutschland, Europa und die USA müssen grundsätzlich klären, was aus ihrer Sicht das Ziel dieser Gegenoffensive ist. Soll die Ukraine am Ende aller Kämpfe irgendwie überleben – oder soll sie wirklich gewinnen, also weite Teile der derzeit besetzten Gebiete zurückerobern? Für Letzteres liefern wir zu langsam und zu wenig.“ Die Luftüberlegenheit der Russen sei enorm. Die möglichen F16 würde punktuell eine Hilfe bringen. „Wenn wir es ernst meinen, müssen wir diese Dinge liefern.“ Und der Journalist meinte auch: „Ich sehe keine Bereitschaft bei den Ukrainern Land für Frieden einzutauschen.“
Anschließend habe ich mit Ibrahim Naber ein Interview über die Arbeit eines Kriegsberichterstatters geführt, das mehr über die Arbeitsweise als über die tagesaktuellen Ereignisse geht.
Und wieder geht eine Ära zu Ende. Rewe stellt heute nach eigenen Angaben das Papierprojekt ein. Damit spart der Lebensmittelkonzern jährlich mehr als 73.000 Tonnen Papier, 70.000 Tonnen CO2 und 380 Millionen kWh Energie. Und die Druckereien des Lebensmittelkonzerns verlieren wieder Aufträge.
Rewe entscheidet sich nach eigenen Angaben als erster Lebensmittelhändler in Deutschland für den Ausstieg vom gedruckten Handzettel. Der wöchentlich erscheinende Prospekt über die Angebote in den bundesweit mehr als 3.700 Rewe-Märkten ist eines der ältesten Werbemedien in der Branche und wird an viele Millionen Haushalte in Deutschland verteilt. Auch bei uns im Dorf sehe ich noch viele Leute mit dem Prospekt in der Hand durch die Gänge huschen. Sie werden wohl künftig das Smartphone zücken.
Bei mir kommt allerdings seit Jahren keine Werbung an, da mein Briefkasten mit dem Aufkleber „keine Werbung einwerfen“ versehen ist.
Im Sinne der Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsstrategie des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers ist mit Papier Schluss: Zum 1. Juli 2023 wird der Druck und die Verteilung der Prospekte eingestellt, dafür die Artikelwerbung über neue und bekannte Medien erheblich ausgebaut. Der Effekt für Umwelt, Klima und Ressourcenschonung ist immens: Die Umstellung spart mehr als 73.000 Tonnen Papier, 70.000 Tonnen CO2, 1,1 Millionen Tonnen Wasser und 380 Millionen kWh Energie pro Jahr ein. Letzteres hat gerade vor der aktuellen Diskussion um die zukünftige Energieversorgungssicherheit in Deutschland an Bedeutung gewonnen – daher wurde die Umsetzung dieser bereits getroffenen Entscheidung nun beschleunigt. 2016 hatte der Konzern schon die Plastiktragetasche aus den Märkten verbannt. Aber es auch in Zukunft wöchentlich die über 200 Rewe-Angebote geben, nur nicht mehr gedruckt, sondern auf digitalen Kanälen wie beispielsweise die Rewe App, der Website sowie zahlreiche Coupons und Vorteile. Kosteneinsparungen aus der Einstellung des Papier-Handzettels werden unter anderem in andere Medien für die Angebotskommunikation investiert.