Archive for the ‘Medien’ Category

Lemmi und die Schmöker setzte auf die Rohrpost

15. April 2009

Meine Frau und ich unterhielten uns vor kurzem über die Rohrpost. Als sie noch bei Lufthansa gearbeitet hatte, gab es so ein System und auch beim mir in meiner frühen Zeit beim Münchner Merkur hatten wir eine Rohrpost, die sich durchs Haus zog. Ich glaube in Berlin war das größte deutsche Rohrpostsystem gegen 1876.

Berlin war sicherlich wichtig, aber wir beide erinnerten uns ans das einschneidenste Rohrpostsystem unserer Kindheit. Das kam in der WDR-Serie „Lemmi und die Schmöker“ vor die von 1973 bis 1983 über die Bildschirme flimmerte. Wenn ich ehrlich bin, war das mein Zugang zur Kinder- und Jugendliteratur. Lemmi war eine launische Stricksocke, die Bücher kommentierte. Es wurde pro Sendung nur ein Buch mit Filmausschnitten vorgestellt. In einem schrecklichen Bluebox-Verfahren kletterten Schauspieler aus dem Buch und spielten Szenen des Buches nach. So erfuhren wir als junge Zuschauer, um was es in dem Buch ging und bekamen Lust auf mehr. Es war so eine Art literarische Quartett für Kinder und Jugendliche und Marcel Reich-Ranicki war die Socke Lemmi, auch immer gut für einen guten Spruch. Die Figur hatte übrigens ähnlich wie zu Guttenberg einige Vornamen: Balduin Percy Hannibal Lehmann. Lemmi wurde erfunden von Friedrich Arndt und gestrickt von seiner Ehefrau. Das sparte dem WDR-Produktionskosten. Später war Lemmi dann aus Schaumstoff und hatte eine Glatze.

Ich erinnere mich noch an Episoden über „Momo“ von Michael Ende und „Das Gespenst von Canterville“. Die „Momo“-Folgen entdeckte ich vor kurzem bei YouTube und habe sie genossen. Es stellte sich da übrigens heraus, dass die Rohrpost in Wahrheit gar keine Rohrpost war, sondern ein Telelift-System mit dem Bücher transportiert werden konnten. Ist aber egal, für mich bleibt es eine Rohrpost. 

Technikspielzeug Teil 2 Sony Rolly

7. April 2009

Es gibt Sachen, die braucht man nicht. Oder ich bin zu blöd, um zu verstehen, wozu man sie brauchen soll. Eines dieser Dinge ist der Rolly von Sony. Es ist ein Musikplayer von Sony. Eine Art iPod-Tonne, die sich bewegt. Rolly rollt, bewegt sich, trampelt, wackelt mit den Ohren, macht den dicken Maxe  – aber wozu? Freunde wozu? Bitte lasst mich nicht blöde sterben und heft mir.

Gelbe Seiten am Ende

6. April 2009

post

Am Samstag beim Einkaufen ist mir wieder bewusst geworden, in welcher Zeit des Umbruchs wir uns befinden. In einem Einkaufszentrum meines Vertrauens lag nehmen dem Eingang ein großer Stapel Bücher zum Mitnehmen: Gelbe Seiten und das Örtliche. Früher wäre ich auf jeden Fall hingestürzt und hätte mir mein persönliche Exemplar geholt. Es gab auch eine Aufforderungskarte von der Deutschen Bundespost (ja ja so hieß die Post damals) mit der Bitte, sein Telefonbuch bei der örtlichen gelben Filiale abzuholen.

Und heute? Ich bekomme keine Postkarte mehr, ich gehe auch nicht mehr zur Post um mein Telefonbuch abzuholen und ich brauche auch keine Gelben Seiten mehr. Die Bücher auf dem Stapel des Einkaufszentrums bleiben liegen. Das Internet hat diese Medien für mich komplett ersetzt. Google macht es besser. Verlage, die diese Art von Bücher herausgeben, haben ein Problem. Mir hat ein Verleger dieser Bücher einmal gesagt: „Das Internet ist der natürliche Feind von uns!“ Recht hat er gehabt, gelernt daraus hat er nichts.

Vorstadtkrokodile – Jugenderinnerungen

3. April 2009

kroko

Heute erinnerte ich mich schlagartig an ein Missverständnis aus einer Jugend. Auf dem Weg zur Arbeit lief ich an einem Plakat zum neuen Film Vorstadtkrokodile vorbei. Und ich musste beschämt zu Boden schauen und lachen, als ich das Logo der Jugendbande sah, eben das Krokodil. In meiner Jugend sah ich 1977 natürlich den Film von Wolfgang Becker. Als ich später in die Schule kam, sah ich auf einmal viele Mitglieder von Jugendbanden. Meine Mitschüler hatten Lacoste-Klamotten an und das Logo dieser Edelmarke von damals war auch ein Krokodil. Und naiv, wie ich war, dachte ich, das Lacoste-Kroko ist das gleiche wie das der Vorstadtkrokodile. Ich war neidisch auf meine Schulkollegen, denn ich wollte der Gang auch angehören. Als ich frage, wie ich denn zu so einem Krokodil mein Eigen nennen könnte, wurde wir der Weg in eine Nobelboutique gewiesen, doch leider konnten die freundlichen Verkäufer mein Problem nicht lösen.

Ich hatte die ganze Sache verdrängt und erst als ich das Plakat wieder sah, kamen die Gedanken wieder hoch. Peinlich, peinlich.

Der Film von 1977 hat mir übrigens gut gefallen. Die Musik war stark. Der Film enthält unter anderem viele Lieder aus der LP Crime of the Century (School, Bloody Well Right, Rudy) von Supertramp, Fools von Deep Purple, Mistreated von Rainbow, Time has come today von den Chambers Brothers. In der Szene, in der Frank die Krokodiler-Hütte auf dem Ziegeleigelände demoliert, hört man Ausschnitte aus Tales of Mystery and Imagination von The Alan Parsons Project. Ich glaube, ich schaue mir die Neuverfilmung von Christian Ditter auch an. Im Keller hab ich noch das Buch von Max von der Grün.

BlackBerry und die verfehlte Zielgruppe

2. April 2009

 

blackberry

Es ist schon interessant, wie Storm versucht, den BlackBerry unter die Leute zu bringen. Nachdem das iPhone neu auf dem Mark kam, wurde es von den BlackBerry-Jüngern nur belächelt. Es Spielzeug sei das iPhone, das man zwar zum Musikhören, aber wohl nicht zum Arbeiten nutzen könne. Doch Apple hat die Software Zug um Zug verbessert und das iPhone zum spielerischen Businesshandy umgestaltet. Die Apps im AppStore taten dabei ihr übriges. Mit der Version 3.0 der iPhone-Software kommt auch u.a. Copy & Paste.

Und was machen die seriösen Herren mit ihrem BlackBerry. Sie wollen auf einmal spielerisch sein. Sie haben eine neue Kampagne ins Leben gerufen „Life von BlackBerry“. Abgebildet ist eine coole Type auf seinem BlackBerry. Das Gerät ist jugendlich verziert. Freunde, eure Kundschaft sind langweilige Schlipsträger, die keinen Spaß mit IT haben. Die Kampagne geht voll an eurer Zielgruppe vorbei, denn dieser Markt ist ja bereits von Apple besetzt. Diese flippigen Typen wolltet ihr übrigens nie als Kunden, denn ihr macht ja seriöse Produkte. Also Geld wieder mal rausgeworfen.

Besprechungsregeln – es funktioniert

30. März 2009

 

Besprechungsregeln - gut für Meetings

Besprechungsregeln - gut für Meetings

 

 

Vor kurzem leitete ich mit meinem Kollegen Thomas Gerlach ein Seminar zum Thema „Das optimale Meeting“. Hier erarbeiteten die Teilnehmer Besprechungsregeln für Meetings. Die Teilnehmer gingen nach Hause und probierten die Regeln aus, natürlich modifiziert je nach Branche und Unternehmen. Und es funktioniert! Ich habe mal die wichtigsten Regeln zusammengefasst, die mir ganz gut gefallen haben.

1.     Jeder kommt pünktlich

2.     Handys/Telefone bleiben ausgeschaltet

3.     Jeder spricht per „ich“ und nicht per „man“

4.     Jeder spricht für sich und nicht für andere

5.     Es spricht immer nur einer

6.     Wortbeiträge erfolgen, nachdem der andere aufgehört hat

7.     Was meint denn der andere? Genau zuhören

8.     Sachlich bleiben

9.     Beim Thema bleiben

10. Keine Killerphrasen

11. Keine Nebengespräche

12. Vertrauliches bleibt in der Gruppe

13. Jeder ist für die Atmosphäre mitverantwortlich

Probieren Sie es aus. Diese Regeln gelten für alle und auch für Chefs. Und so kommt am Ende des Meetings auch etwas heraus. 

Intel Friday Night Game abgesagt – Chance vertan

27. März 2009

Für mich steht fest: Videospiele gehören genauso zur aktuellen Kultur wie Musik oder Filme. Nach dem Attentat in Winnende kam heraus, dass der Attentäter Videospiele auf seinem Rechner hatte und sie auch spielte, darunter auch das Shooter-Spiel Counter-Strike. Und die Medien blasen diese Tatsache in die Welt hinaus. Die Politik greift den Ball auf und fordert ein Verbot von Killerspielen.

Aber es sollte akzeptiert werden, dass Spiele mittlerweile zum Leitmedium werden. Auch wenn es manche Erwachsenen nicht wahrhaben wollen. Inzwischen hat der Games-Bereich die Musik verdrängt. Die deutsche Gamesbranche hat im vergangenen  erstmals mehr Umsatz gemacht als die Musikindustrie, meldet beispielsweise der Mediendienst mediabiz. Und so ist es keine Überraschung, dass auf den Rechner der Kinder mehr und mehr Videospiele zu finden sind.

Medienkompetenz ist das Zauberwort. Dialog ist besser als Verbote. Und hier hat man wieder eine Chance vertan. Die Stadt Stuttgart hat die Ausrichtung des „Intel Friday Night Game“ der der Electronic Sports League (ESL) heute in der Liederhalle untersagt. Die teilnehmenden Spieler sollten in den Disziplinen „Warcraft “ sowie „Counter-Strike 1.6“ und „Counter-Strike: Source“ vor Publikum gegeneinander antreten. Am gleichen Nachmittag findet eine Info-Veranstaltung für Eltern statt (Eltern-LAN), die zusammen von Turtle Entertainment und der Bundeszentrale für politische Bildung ausgerichtet wird. Deren Höhepunkt sollte die Führung der teilnehmenden Eltern durch die Reihen der ESL-Spieler sein sollte. Mit der Absage der Spiele ist der Dialog wieder abgebrochen und eine weitere Chance vertan. 

Tierschützer gegen Killerspiele

26. März 2009

 

Call of Duty 5

Call of Duty 5

 

 

Eine neue Front entsteht bei der Diskussion um die so genannten Killerspielen. Nachdem Politiker gebetsmühlenartig ein Verbot von brutalen Videospielen forderten, machen jetzt die Tierschützer mobil. Der Hersteller von „Call of Duty 5“ Activision bekommt Angriffe von Tierschützer. Grund: In dem Weltkriegsshooter werden Hunde abgeschossen. In der Version 4 haben Hunde als Gegner vereinzelt vor, in Episode 5 sind es schon deutlich mehr Tiere.

Studenten der  Academy of Notre Dame in Tyngsboro, Massachusetts, haben dagegen protestiert und ein Schreiben an Activison verfasst. Über 100 Studenten haben unterschrieben. „Das Töten von Hunden ist kein Entertainment.“ Dazu schicken die Tierschützer eine Ladung Nintendo-Spiele an den CoD-Hersteller. Natürlich handelte es sich um die Hundespiele Nintendogs für die DS. Weiterhin gab es eine Einladung zu Petas-Seminaren „Developing Empathy for Animal“. Ob sich jetzt was ändern wird?

Plagiat: Attac verteilt die neue Zeit

23. März 2009

Mit großer Mühe und viel Liebe zum Detail hat sich Attac einer Urheberrechtsverletzung der besonderen Art zu Schulden kommen lassen. Vergangene Woche verbreitete die Aktivisten eine Sonderausgabe im Layout und Design der Wochenzeitung „die Zeit“.

In 100 Städten verteilten Attac-Anhänger eine gefälschte Ausgabe der Zeit, die mit dem Jahr 2010 datiert ist. Inhalt: Krisenfolgen, wie sie sich Attac wünscht. Insgesamt wurden 150.000 Exemplare an dem Wochenende auf Plätzen, in Straßen, Kneipen und sonstigen öffentlichen Orten verteilt oder ausgelegt. Dank einer Kooperation mit der Tageszeitung taz wird das Plagiat außerdem deren heutigen Montagsausgabe vom 23. März beiliegen. Gleichzeitig gibt es eine gefälschte Website, auf denen die 8 Seiten Fälschung als PDF geladen werden können.

Damit kopiert Attac eine Fälschung der New York Times vom November 2008 in der, datiert zum 4. Juli 2009, das Ende des Irak-Kriegs verkündet wurde. Auflage war damals stattliche 1,2 Millionen Exemplare. Die Zeit-Parodie ist etwas kleiner, aber genauso wirksam. „Die Zeit, wie sie sein sollte“ lautet der Slogan. Die Inhalte sind Attac-typisch: Verstaatlichung der Banken, Besser leben mit weniger Wachstum, Klagewelle gegen Klimasünder und vieles mehr. Außerdem wird für die Großdemos in Frankfurt und Berlin am 28. März geworben, die unter dem Motto stehen „wir zahlen nicht für eure Krise“.

Die Chefredaktionen und Geschäftsführungen der echten Zeit wussten nichts von der Aktion. Auf ihrem Blog waren die Profi-Journalisten beeindruckt von der Qualität der Kopien:  Schönheist-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo „Fälschungen der Zeit können wir natürlich nicht gutheißen, zumal nicht in dieser hohen Qualität. Am meisten staune ich aber über den großen Aufwand, den man sich hier geleistet hat.“ Rechtliche Schritte will die Zeit nicht einleiten. Also es lohnt sich, Urheberrechtsverletzungen im großen Stil zu tätigen. 

Galeria Kaufhof stoppt Spiele ab 18. Jahren

20. März 2009

Ab 1. April nimmt die Galeria Kaufhof alle Spiele ab 18. Jahren aus den Regalen. Offiziell reagiert damit das Kaufhaus auf das Attentat von Winnenden. Von der Kaufhof-Pressestelle war dazu zu erfahren: „Galeria Kaufhof hat aufgrund der Geschehnisse in Winnenden entschieden, USK-18-Computerspiele aus dem Verkauf zu nehmen. Dies hat bundesweit in den Filialen bereits begonnen. Werbeware aus den Prospekten März wird noch bis Ende des Monats abverkauft. Ab April 2009 wird Galeria Kaufhof keine USK-18-Computerspiele mehr im Sortiment führen.“

Prima, so kann man auch keine Geschäfte machen. Vielleicht hat das Unternehmen Angst vor angedrohten Testkäufen, die derzeit Ursula von der Leyen vorschlägt. 2007 war sie mit möglichen Testkäufen von Alkohol, Zigaretten und Gewaltvideo gescheitert. Da wäre manches Unternehmen in Verlegenheit geraten.

Die Kaufhof-Aktion ist wunderbar kurzsichtig. Man präsentiert sich als soziales Unternehmen. Ach ja, wie viele Leute habt ihr entlassen und wie viele Geschäfte mussten aufgrund von Managementfehlern schließen? Auf der Presseseite des Unternehmens wird von einer Straffung des Filialportfolios gesprochen.. Die Galeria Kaufhof GmbH wird die Standorte Krefeld am Ostwall, Leipzig-Paunsdorf, Ludwigshafen und Mülheim/Ruhr mit dem Auslaufen der Mietverträge in 2010 aufgeben.

Mit der Entscheidung über den Verkaufsstopp der Spiele ab 18. Jahren hat man wieder einen Sündenbock gefunden.

Der Kaufhof sollte ehrlich sein und weiter gehen: Endlich Alkohol und Zigaretten aus den Regalen nehmen, weil die Käufer auch nicht verantwortlich umgehen können. Käufer trinken Alkohol und setzen sich hinters Steuer und bringen Leute um. Hier gibt es viele Idioten..

Es ist ja so einfach von den wirklichen Problemen in diesem Land abzulenken. Winnenden war schrecklich, doch das tägliche Leben und die Verlogenheit in unserer Gesellschaft können es auch sein.