Archive for November 2024

Erinnerungen an Pete Sinfield

15. November 2024

Heute läuft schon den ganzen Tag die Musik von und mit Pete Sinfield. Die wenigsten Musikfreunde außerhalb der Prog- oder Lyrikszene werden diesen Namen überhaupt kennen. Auf jeden Fall ist der Mann, der viel für meine persönliche Musikgeschichte zu tun hat, im Alter von 80 Jahren verstorben. Carl Palmer wies auf den Tod des Künstler in Facebook hin.

Peter John “Pete” Sinfield war ein einflussreicher englischer Lyriker, Songtexter und Musiker, der maßgeblich zur Entwicklung des Progressive Rock beitrug. Als Gründungsmitglied und Texter der Band King Crimson prägte er deren frühe Werke mit seinen poetischen und oft surrealen Texten. Das Debütalbum In the Court of the Crimson King (1969) gilt als Meilenstein des Genres und beeinflusste zahlreiche nachfolgende Künstler. Für mich der Einstieg in die Szene. Schnell kam ich dann zu ELP.

Nach seiner Zeit bei King Crimson arbeitete Sinfield mit verschiedenen Bands und Musikern zusammen. Er schrieb Texte für Emerson, Lake & Palmer, darunter das epische Werk “Karn Evil 9” auf dem Album Brain Salad Surgery (1973). Er war auch beim Besuch der Band bei HR Giger dabei. Dabei entstand das berühmte Foto. Der zweite von links ist Pete Sinfield.

Zudem produzierte er das Debütalbum von Roxy Music und schrieb englische Texte für die italienische Band Premiata Forneria Marconi.

In den 1980er Jahren wandte sich Sinfield dem Pop zu und schrieb Hits wie “The Land of Make Believe” für Bucks Fizz und “Think Twice” für Celine Dion, wofür er 1995 den Ivor Novello Award erhielt. Seine Fähigkeit, komplexe und emotionale Texte zu verfassen, machte ihn zu einem der herausragendsten Songtexter seiner Zeit.

Sinfields Einfluss auf die Musikszene ist vielfältig. Er verband Poesie mit Musik und trug dazu bei, dass Texte im Progressive Rock eine tiefere Bedeutung erhielten. Seine Arbeiten inspirierten zahlreiche Künstler und hinterließen einen bleibenden Eindruck in der Musikgeschichte.

Ich mag sein Album Still von 1973, das meines Wissens sein einiges Solo-Album geblieben ist. Mit prominenter Unterstützung war es ein Flop und blieb nur eingeweihten Sammlern als Kunstwerk in Erinnerung. Und weil bald Weihnachten ist, höre ich von Greg Lake von ELP I Believe in Father Christmas

Filmkritik: Gladiator 2

13. November 2024

Wenn eine Fortsetzung eines Films gedreht wird, um die Story interessanter zu machen, freue ich mich und kaufe mir gerne eine Kinokarte. Wenn jedoch eine Fortsetzung nur gedreht wird, um ausschließlich die Fans abzukassieren, fühle ich mich hinters Licht geführt. Nun kann man selbst entscheiden, was bei Gladiator 2 zutrifft.

Die Story, die uns Ridley Scott hier präsentiert, ist recht dünn. Er entscheidet sich für fettes Popcorn-Kino à la Michael Bay. Bei den Kampfszenen ist Scott in seinem Element, wie er auch bei Napoleon bewiesen hat. Allerdings blieb bei Napoleon die Geschichte auf der Strecke, was zu einem schwachen Film führte. Bei Gladiator 2 hat er offenbar nichts aus dem Napoleon-Desaster gelernt, dennoch wird der Film wohl kein Flop, da eine starke Fan-Base dahintersteht. Hier meine spontanen Eindrücke nach der Pressevorführung.

Die dünne Geschichte des Sandalenfilms zieht sich über eine Spielzeit von 2 Stunden und 30 Minuten – eine Katastrophe für Kinobetreiber, die den Film unterbringen müssen. Die Spielzeit wird nicht mit Story gefüllt, sondern mit Effekten und Kämpfen – klar, wir sind ja im alten Rom. Ridley Scott schreckt dabei nicht davor zurück, CGI-Haie im Kolosseum einzusetzen. Geht es noch absurder? Ein Fokus auf die politischen Intrigen in Rom hätte dem Film sicher gutgetan. Stattdessen gibt es nur den Austausch von Plattitüden, sorgenvollen Gesichtern, und dann folgt die nächste Klopperei mit Schwert und Schild.

Wenn die insgesamt überzeugenden Schauspieler miteinander agieren, lassen sie pathetische Phrasen ab. Immer wieder wird von Ehre und Stärke gefaselt. Der Ausdruck „Stärke und Ehre“ leitet sich vom lateinischen „Virtūs et Honos“ ab. „Virtūs“ lässt sich wörtlich mit „Stärke, Mut, Exzellenz“ übersetzen, und „et Honos“ bedeutet „und Ehre“. In der römischen Gesellschaft bezog sich „virtus“ nicht nur auf körperliche Stärke, sondern auch auf moralische Vortrefflichkeit. Diese Worte scheinen eine Zielgruppe anzusprechen, die dafür empfänglich ist, obwohl sie kaum den lateinischen Ursprung kennt. „Stärke und Ehre“ ist übrigens auch der Name einer politischen Partei in der Ukraine, die am 26. Oktober 2009 gegründet wurde.

Im Kino erinnerte ich mich an „Meine Ehre heißt Treue“, den Wahlspruch der nationalsozialistischen Schutzstaffel (SS), die mit solchen Parolen Menschen köderten. Und da wir schon beim Thema Nationalsozialismus sind: Hollywood hat keinerlei Berührungsängste vor der Bildsprache von Leni Riefenstahl. Immer wieder werden diese gefährlichen Bilder in Hollywood-Filmen verwendet, sei es in Star Wars oder Gladiator 1. Im zweiten Teil wird diese teuflische Bildsprache von Macht und Kraft nochmals verstärkt von Scott eingesetzt.

Paul Mescal spielt unseren Helden Lucius. Der eher unbekannte, 28-jährige irische Schauspieler macht seine Sache gut, bleibt jedoch im Schatten von Filmpapa Russell Crowe und kann daraus nicht hervortreten. Besonders gefallen haben mir die beiden verrückten Kaiser Caracalla (Fred Hechinger) und Geta (Joseph Quinn); vielleicht sind irre römische Kaiser ein gutes Betätigungsfeld, wie man schon bei Peter Ustinov (Quo Vadis) oder Malcolm McDowell (Caligula) sah. Denzel Washington brilliert als Macrinus, und sein Schauspiel ist ein Genuss.

Insgesamt wird der Film sein Publikum finden – Menschen, die nicht von allzu viel Geschichte abgelenkt werden möchten. Hatten wir im ersten Teil noch eine schöne Schlacht in realen germanischen Wäldern, so verliert man sich im zweiten Teil in einer CGI-Seeschlacht bei der Eroberung einer Stadt. Gut gemacht, aber der Auftakt im ersten Teil hatte mehr Zug. Dieses Mal ist zwar alles größer und mächtiger, doch es berührt mich weniger als im ersten Teil.

Wie zu hören ist, hat Scott bereits Ideen für einen dritten Teil. Mein Rat: Ridley, such dir einen neuen Stoff, der dein Talent zu schätzen weiß, und ruiniere nicht deinen guten Ruf.

Der schwarze Falke (1956) – Rückblick auf meine Western-Matinee

12. November 2024

Wir haben es gewagt und wir hatten aufs richtige Pferd gesetzt. Nach meiner erfolgreichen phantastische Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck starteten wir eine Western-Matinee und waren skeptisch, ob es noch ein Publikum für den Wilden Westen gibt.

Und siehe da: Es gibt es und der Auftakt war John Fords wichtigster Western Der schwarze Falke von 1956. Hier meine Einführung zum Film.

John Fords 1956 veröffentlichter Western „Der schwarze Falke“ („The Searchers“) gilt als eines der bedeutendsten Werke des amerikanischen Kinos. Der Film, der auf Alan Le Mays gleichnamigem Roman basiert, bietet nicht nur eine fesselnde Geschichte, sondern auch eine vielschichtige Charakterstudie und eine kritische Auseinandersetzung mit Themen wie Rassismus, Obsession und Identität – alles Themen unserer Zeit.

Ethan Edwards, gespielt von John Wayne, ist eine komplexe Figur, die von Rache und Hass getrieben wird. Seine rassistischen Einstellungen gegenüber den Native Americans sind tief verwurzelt und beeinflussen seine Handlungen maßgeblich.

„Der schwarze Falke“ markiert einen Wendepunkt in John Fords filmischem Schaffen. Während seine früheren Western oft heroische Narrative und klare moralische Linien zeichneten, präsentiert dieser Film eine düstere und ambivalente Sicht auf den amerikanischen Westen. Ford dekonstruiert den Mythos des edlen Cowboys und stellt die Gewalt und Vorurteile der Pionierzeit in den Vordergrund.

Die nächste Western-Matinee ist am Sonntag, 17. November um 10:45 Uhr. Wir besprechen und zeigen den hervorragenden Italo-Western Leichen pflastern seinen Weg. Karten gibt es hier.

Online-Seminar per Zoom KI-Power für den Alltag: Das eigene GPT – so machen wir uns das Leben leichter

11. November 2024

In diesem Online-Seminar am Dienstag, 12. November von 18-20 Uhr via Zoom zeigen mein Kollege Thomas Gerlach und ich zum einen die Macht des Promptens und geheime Befehle für ChatGTP, die Ihre Arbeit mit Texten revolutionieren werden. Zum anderen zeigen wir, wie Sie eine eigene KI nur für sich und Ihre täglichen Anwendungen erstellen können.
Teilnehmergebühr 17,85 Euro. Anmeldung für den Dienstag, 11. November von 18-20 Uhr bitte hier.

Memobottle: Flache Trinkflasche für unterwegs

8. November 2024

Es gibt Produkte, die schwirren einem lange im Kopf herum und ich sollte daraus ein marktfähiges Produkt machen. Beschäftige ich mich näher, stelle ich fest: Jemand anderes hatte die gleiche Idee und diese schon längt zu Geld gemacht. In meinem Fall ist es die Memobottle.

Wie kam ich darauf? Für meine Tagesseminare nehme ich in der Regel meine grüne Aktentasche von Time Resistance mit, die mir wahnsinnig gut gefällt. Leider bietet eine Aktentasche nicht den Stauraum für eine Getränkeflasche. Ich brauche beim Referieren einfach Wasser. Die runden Flaschen passen nicht in die Tasche. Wie wäre es, wenn man eine flache Flasche anfertigt mit dem gleichen Volumen einer runden Flasche. So eine Art Flachmann in groß für Wasser.

Und dabei stieß ich auf die Memobottle, die es in verschiedenen Größen gibt. Sie ist flach und passt hervorragend in die Aktentasche. So hab ich unterwegs immer etwas zum Trinken dabei. Die Flasche besteht aus stoßfesten Plastik und ich habe mir die durchsichtige Version A6 mit 400 ml Volumen mit Schraubverschluss gekauft. A6 entspricht dem Maß DIN A6, es gibt auch andere Größen – kleiner und größer.

Frankenstein Junior – Phantastische Matinee am Sonntag, 10. November im Scala

7. November 2024

“Frankenstein Junior” (Originaltitel: “Young Frankenstein”) ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 1974, inszeniert von Mel Brooks. Der Film ist eine Parodie auf die klassischen Frankenstein-Filme der 1930er Jahre und gilt als Meilenstein des Comedy-Genres. Ich bespreche und zeige den Film im Scala Kino im Rahmen der phanatstischen Matinee am Sonntag, 10. November um 10:45 Uhr in urgeschnittener Fassung. Karten gibt es hier.

Der Kurzinhalt
Die Handlung dreht sich um Dr. Frederick Frankenstein, gespielt von Gene Wilder, der Enkel des berüchtigten Victor Frankenstein. Frederick, ein angesehener Neurochirurg, distanziert sich bewusst von den Experimenten seines Großvaters und betont die Aussprache seines Nachnamens als “Fronkensteen”. Nach dem Erhalt eines Testaments reist er nach Transsylvanien, wo er das Schloss seines Großvaters erbt. Dort trifft er auf den schrulligen Diener Igor (Marty Feldman), die charmante Assistentin Inga (Teri Garr) und die mysteriöse Haushälterin Frau Blücher (Cloris Leachman).

Trotz seiner anfänglichen Skepsis wird Frederick von den Aufzeichnungen seines Großvaters angezogen und beschließt, dessen Arbeit fortzusetzen. Es gelingt ihm, ein neues Monster (Peter Boyle) zum Leben zu erwecken. Was folgt, ist eine Reihe komischer Missgeschicke und Verwechslungen, die die Grenzen zwischen Horror und Humor verschwimmen lassen.

Meisterwerk
Mel Brooks gelingt es meisterhaft, den Stil und die Atmosphäre der Originalfilme einzufangen. Der Film wurde in Schwarz-Weiß gedreht, was die nostalgische Anmutung verstärkt. Die Verwendung originaler Requisiten aus den Universal-Frankenstein-Filmen und die detailgetreue Ausstattung tragen zur authentischen Stimmung bei.

Die schauspielerischen Leistungen sind herausragend. Gene Wilder überzeugt als innerlich zerrissener Wissenschaftler, der zwischen Vernunft und Wahnsinn schwankt. Marty Feldman liefert als Igor eine unvergessliche Performance mit seinem unverwechselbaren Humor und seinen bissigen Kommentaren. Die Chemie zwischen den Charakteren ist spürbar und trägt maßgeblich zur Komik des Films bei.

Tanzeinlage
Ein besonderes Highlight ist die ikonische Szene, in der Frederick und das Monster das Lied “Puttin’ on the Ritz” aufführen. Diese unerwartete Musical-Nummer ist ein Paradebeispiel für den absurden Humor des Films und bleibt dem Zuschauer nachhaltig im Gedächtnis.

Humorvolle Hommage
“Frankenstein Junior” ist mehr als nur eine Parodie; es ist eine liebevolle Hommage an das klassische Horrorkino. Der Film balanciert geschickt zwischen Respekt vor der Vorlage und satirischer Überspitzung. Die Dialoge sind pointiert, der Wortwitz scharf, und die visuelle Komik ist perfekt inszeniert.

Zeitloser Klassiker
“Frankenstein Junior” ist ein zeitloser Klassiker, der durch seine intelligente Komik und seine stilvolle Inszenierung besticht. Mel Brooks hat einen Film geschaffen, der sowohl Fans des Horrorgenres als auch Liebhaber von Komödien anspricht. Mit seinem einzigartigen Humor und den herausragenden schauspielerischen Leistungen ist dieser Film ein Muss für jeden Cineasten. Ich bespreche und zeige den Film im Scala Kino im Rahmen der phanatstischen Matinee am Sonntag, 10. November um 10:45 Uhr in urgeschnittener Fassung. Karten gibt es hier.

FotoWalk Olympisches Dorf – Studentenstadt fotografisch erkunden

6. November 2024

Für mich ist das Olympische Dorf in München ein städtebauliches Juwel, das wie eine Insel in der Landeshauptstadt liegt. Es gibt so viele interessanten Ecke und Stellen an diesem Ort zum Entdecken. Daher veranstalte ich einen FotoWalk an diesem Samstag, 9. November von 14-16:30 Uhr.

Zunächst gibt es bei unserem FotoWalk eine Führung von Joachim Schmölz, einem ehemaligen Bewohner des Dorfes, der heute noch immer mit dem Studentenleben verbunden ist. Dann ziehen wir los und setzen das Olympiadorf fotografisch um, egal ob mit Smartphone oder Kamera.
Die Anmeldung bitte hier.

Nach der verbindlichen Anmeldung erhalten Sie von uns eine Teilnahmebestätigung und die PayPal-Adresse. Wenn die Seminargebühr von 23,80 Euro (inkl. MwSt) bei uns eingetroffen ist, erhalten Sie von uns den genauen Treffpunkt. Die Anmeldung bitte hier.

Städtebauliche Vision
Das Olympische Dorf in München, das für die Olympischen Sommerspiele 1972 errichtet wurde, ist ein ikonisches Beispiel für städtebauliche Visionen und moderne Architektur. Es spiegelt die optimistische Aufbruchsstimmung der 1970er-Jahre wider und verkörpert das damalige Verständnis von innovativem und menschlichem Städtebau. Nach den tragischen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs war es ein Projekt mit dem Ziel, München als weltoffene und zukunftsorientierte Stadt darzustellen und die Olympischen Spiele 1972 unter dem Motto “Die heiteren Spiele” zu feiern.

Planung und Idee hinter dem Olympischen Dorf
Die Planung des Olympischen Dorfs begann in den 1960er-Jahren und war Teil eines umfassenden urbanen Konzepts, das den gesamten Olympiapark umfasste. Das Architekturbüro Behnisch & Partner gewann den Wettbewerb zur Gestaltung der Olympia-Anlagen und setzte die Idee um, das Gelände als Landschaftspark zu gestalten. Das Olympische Dorf sollte ein Wohnraum für die Athleten bieten und gleichzeitig ein nachhaltiger Bestandteil der Stadtentwicklung bleiben. Der Gedanke war, ein Dorf für die Athleten zu schaffen, das nach den Spielen als Wohnraum für Münchner Bürger erhalten bleibt.

Die Architektur des Olympischen Dorfs
Die Architektur des Olympischen Dorfs gilt als revolutionär und markiert einen Wendepunkt im Städtebau der damaligen Zeit. Die Architekten planten ein Wohnkonzept, das auf Gemeinschaft und Nachhaltigkeit setzte, und sie legten Wert darauf, dass die Gebäude sich harmonisch in die Umgebung des Olympiaparks einfügen. Die Gebäude wurden im sogenannten Terrassenstil errichtet, was bedeutet, dass sie treppenförmig angeordnet sind und Terrassen mit Grünflächen bieten. Diese gestaffelte Bauweise sollte ein Gefühl von Offenheit und Gemeinschaft erzeugen und zugleich jedem Apartment eine individuelle Grünfläche bieten.

Ein weiteres markantes Element der Architektur ist die Verwendung von Stahlbeton und die Farbgebung der Gebäude. Die Fassaden wurden bewusst schlicht gehalten, während bunte Akzente wie Balkongeländer und Fensterläden für Fröhlichkeit und Lebendigkeit sorgen sollten. Auch die Nähe zur Natur war den Architekten wichtig: Zwischen den Wohnblöcken entstanden grüne Innenhöfe und Plätze, die als Treffpunkte für die Bewohner gedacht waren.

Der Wohnpark Olympiadorf und die Unterbringung der Athleten
Das Olympische Dorf bestand aus zwei Bereichen: dem “Männerdorf” und dem “Frauendorf”. Während die männlichen Athleten in Hochhäusern untergebracht waren, wohnten die weiblichen Athleten in den Bungalows. Diese kleinen, eingeschossigen Gebäude waren funktional und einfach ausgestattet, boten aber dennoch den Komfort, den die Sportler während der Spiele benötigten. Nach den Spielen wurde das “Frauendorf” in den “Wohnpark Olympiadorf” umgewandelt und beherbergt seitdem Studenten und junge Leute. Viele der ehemaligen Bungalows wurden mit farbenfrohen Fassaden bemalt und sind heute ein beliebter Wohnort für Münchner Studenten.

Die Vision eines verkehrsfreien Dorfs: Unterirdische Verkehrswege
Ein zentrales Element des Olympischen Dorfs ist die Trennung von Fußgänger- und Fahrzeugverkehr. Die Architekten entschieden sich dafür, den gesamten motorisierten Verkehr in eine unterirdische Ebene zu verlegen, um das Dorf verkehrsberuhigt und kinderfreundlich zu gestalten. Sämtliche Straßen für Autos sowie die Parkplätze und Zufahrtswege befinden sich unter der Erde. Diese unterirdische Ebene besteht aus einem weitläufigen Tunnelsystem, das von den Bewohnern für Anlieferungen, Parkplätze und technische Versorgungen genutzt wird.

Diese Verlagerung des Verkehrs hatte nicht nur praktische Vorteile, sondern auch ästhetische und städtebauliche. Durch den Wegfall von Straßen und Parkplätzen konnte das Olympische Dorf großzügige Grünflächen und Fußgängerzonen bieten, was zu einer ruhigen und angenehmen Wohnatmosphäre beiträgt. Die Bewohner können sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewegen, ohne sich um den Autoverkehr sorgen zu müssen, was das Dorf zu einem der ersten autofreien Wohnprojekte seiner Art machte.

Nachnutzung und Bedeutung
Nach den Olympischen Spielen wurde das Olympische Dorf umgebaut und in eine reguläre Wohnsiedlung umgewandelt. Heute leben hier rund 10.000 Menschen, und das Gebiet hat sich zu einem lebendigen Stadtviertel entwickelt, das aufgrund seiner einzigartigen Architektur und der verkehrsfreien Gestaltung sehr beliebt ist. Auch der Gedanke der Gemeinschaft ist erhalten geblieben: Viele Bewohner organisieren gemeinsame Feste und Aktivitäten und nutzen die Gemeinschaftsflächen intensiv. Die ehemaligen Sportstätten, darunter das Olympiastadion und die Olympiahalle, sind noch heute Veranstaltungsorte für Konzerte, Sportveranstaltungen und Festivals.

Architektur als Symbol des Aufbruchs
Das Olympische Dorf in München ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch ein Symbol für die gesellschaftlichen Veränderungen der 1970er-Jahre. Die Idee, Menschen in einem “autofreien” Wohnumfeld und in enger Nachbarschaft zur Natur wohnen zu lassen, war ein zukunftsweisender Gedanke, der bis heute inspiriert. Die Trennung der Verkehrswege sowie die soziale und ökologische Ausrichtung des Olympischen Dorfs gelten noch heute als visionär und vorbildlich. Das Dorf ist nicht nur ein Stück Architekturgeschichte, sondern auch ein lebendiger Beweis für die positive Wirkung von durchdachtem Städtebau und nachhaltiger Planung.

So bleibt das Olympische Dorf in München ein einzigartiges Beispiel dafür, wie Sport, Architektur und gesellschaftliche Visionen zusammenkommen können und wie die Planung eines einmaligen Events eine dauerhafte Bereicherung für eine Stadt und ihre Bewohner schaffen kann.

Ich würde mich freuen, wenn Sie an unserem FotoWalk teilnehmen und das Olympische Dorf mit uns fotografisch erkunden wollen. Fotoapparat oder Smartphone nicht vergessen. Die Anmeldung bitte hier.

Ich bin genervt vom Papierkram beim Arzt

5. November 2024

Wer älter wird oder ältere Angehörige hat, die zum Arzt müssen kennt das Leid. Der ewige Papierkram und die katastrophale Digitalisierung des Gesundheitswesens. Der Datenschutz wird wie eine Monstranz vor sich her getragen und sich immer wieder dahinter versteckt. Bloß keine Veränderung.

In den vergangenen Wochen gab ich mehrere Beispiele von digitaler Inkompetenz in diesem Land erlebt. Ein Familienangehöriger von mir ist schwer krank, und wir müssen zu Facharzt zu Facharzt. Die Papierüberweisung stellt natürlich der Hausarzt aus. Und bei jedem Facharzt finden wir zeitige Fragebögen aus, im Grunde immer den gleichen, den dann eine Assistenz händisch ins System übertragen muss. Im Grunde muss ich diesen Fragebogen ausfüllen, weil mein Familienangehöriger ist alleine schon gar nicht mehr schafft oder falsche Angaben einträgt. Natürlich habe ich immer den aktuellen Medikamentenplan am Mann sowie die aktuellen Laborwerte. Letzteren wird natürlich nicht geglaubt und der jeweilige Arzt fertigt noch mal neue Laborwerte an, kostet ja nur Unsummen im Gesundheitswesen. Aber alle wollen schließlich mit verdienen.

Und dann haben wir noch dieses elende Fax. Natürlich dürfen aus Datenschutzgründen die Laborwerte nicht digital per E-Mail versendet werden. Aber Brieftaube oder etwas moderner, das Faxgerät sind zugelassen. Als ich beim Arzt das Thema verschlüsselte E-Mails ansprach, wiegelte man ab. Datenschutz, Datenschutz, Datenschutz. Besser beim Faxgerät bleiben. Vielleicht landet das Fax aber im Eingangskorb oder Eingang Postfach, zudem mehre Menschen Zugriff haben. Das geht dann aber wieder.

Noch besser ist es aber, persönlich vorbeizuschauen Stunde und Stunde im Wartezimmer zu verbringen, für irgendwelche Zettel, Überweisungen und Rezepte. Zeit fällt ja vom Himmel und irgendwann habe ich auch alle Zeitschriften im Wartezimmer ausgelesen, die mich sowieso nicht interessieren. Ich wollte ja nur den blöden Zettel.

Die elektronische Patientenakte begrüße ich ausdrücklich. Wenn das System läuft wird es mein Leben und das meiner Familie leichter machen.
Die Zustimmung zu wesentlichen Elementen der Digitalisierung im Gesundheitswesen lässt nach, wie eine aktuelle Befragung von Deloitte zeigt. So geben 67 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher an, sie würden der elektronischen Patientenakte (ePA) wahrscheinlich oder bestimmt nicht widersprechen. Das sind fünf Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr (2023: 72%).

Skepsis steigt
Der Anteil derer, die der elektronischen Patientenakte skeptisch gegenüberstehen, ist leicht gestiegen. Ein Drittel der Befragten (33%) will wahrscheinlich oder bestimmt von seiner Opt-out-Option Gebrauch machen und der automatischen Einführung der ePA durch die Krankenkasse widersprechen. Bis Ende 2025 soll die digitale Patientenakte von 80 Prozent der Versicherten genutzt werden, so das Ziel des Bundesgesundheitsministeriums.

Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Befragung von 1000 Verbrauchern im August 2024. Bereits 2023 hatte Deloitte eine vergleichbare Befragung zur Digitalisierung im Gesundheitswesen durchgeführt.

Zweifel am Zusatznutzen
Insbesondere bei den Jüngeren wächst die Skepsis. Waren im vergangenen Jahr noch 45 Prozent der 18- bis 24-Jährigen der Meinung, dass sie der ePA-Nutzung wahrscheinlich oder bestimmt nicht widersprechen würden, so sind aktuell nur noch 37 Prozent dieser Ansicht.

Über alle Altersklassen hinweg beruht die Skepsis vor allem auf Sorgen um die Datensicherheit und dem unklaren Zusatznutzen. 58 Prozent der Befragten befürchten, dass ihre Daten nicht ausreichend sicher sind. Etwa genauso viele (55%) haben Zweifel am Zusatznutzen und nennen dies als Grund für ihre ablehnende Haltung.

Doch das Bild ist nicht einheitlich. Die meisten Verbraucher sind sich bewusst, dass Gesundheitsdaten einen erheblichen Mehrwert in der Forschung sowie der Entwicklung von personalisierten Behandlungsmethoden haben. 83 Prozent der Befragten sehen grundsätzlich einen Vorteil in der Nutzung von Gesundheitsdaten. Konkret erhoffen sich 60 Prozent eine bessere Versorgung; 44 Prozent erwarten geringere Beiträge zur Krankenversicherung (Mehrfachnennungen möglich). Doch die Bereitschaft, eigene Daten beizutragen, ist gering. Lediglich 47 Prozent bezeichnen sich selbst als offen oder sehr offen für das Teilen ihrer Gesundheitsdaten.

Prag (13) Ein Denkmal für den Filmpionier Karel Zeman

4. November 2024

Als Filmfan war es ein Pflichttermin auf meiner Reise in die tschechische Hauptstadt Prag. Mit dem Besuch des Karel Zeman Museum Prag endet meine kleine Blogserie über Prag.

Jeder, der sich mit dem Animationsfilm und Spezialeffekte beschäftigt, der stößt auf den Namen Karel Zeman. Er ist ein bedeutender Filmpionier und seine Erben haben nahe der Karlsbrücke auf wunderbare Karel Zeman Museum geöffnet. Danke an Isi und Peter für die Empfehlung.

Karel Zeman war ein tschechischer Filmpionier, der mit seinem einzigartigen Stil und seiner kreativen Vision die Filmwelt revolutionierte. Seine Werke, die Animation, Puppenspiel und Live-Action zu einem unverwechselbaren visuellen Erlebnis vereinten, gelten als Meisterwerke des Kinos und inspirierten Generationen von Filmemachern weltweit. Mit Filmen wie „Die Erfindung des Verderbens“ (Vynález zkázy) und „Die Reise in die Urzeit“ (Cesta do pravěku) schuf Zeman Welten, die von der Fantasie des 19. Jahrhunderts inspiriert waren und den Charme von Jules Verne-Geschichten einfingen. Seine Filme zeichnen sich durch ihren unverwechselbaren Stil aus, der traditionelle Animationstechniken mit innovativen Spezialeffekten und Miniaturmodellen verband und damit die Zuschauer auf eine Reise in fantastische und surreal anmutende Welten führte. Hier Eindrücke als Film.

Ich durfte neulich ein Seminar über Münchhausen halten und zitierte den Künstler. Zum Spaß ritt ich auf dem Museum auf seiner Kanonenkugel.

Zemans Arbeit trug entscheidend zur Entwicklung der visuellen Effekte und der Tricktechnik im Film bei und brachte ihm den Titel des „tschechischen Méliès“ ein. Er hatte eine besondere Fähigkeit, historische und wissenschaftliche Themen in unterhaltsame, lebendige Geschichten zu verwandeln, die nicht nur Abenteuer, sondern auch zum Nachdenken anregen. In einer Zeit, in der digitale Effekte noch nicht existierten, setzte Zeman auf handwerkliches Geschick und Experimentierfreude, die seine Filme auch heute noch magisch und zeitlos erscheinen lassen. Durch seine visionäre Kreativität und sein technisches Können setzte Zeman Maßstäbe im Fantasy- und Trickfilmgenre und erweckte eine magische Welt, die noch immer Zuschauer verzaubert.

Das Karel Zeman Museum in Prag ist dem Lebenswerk des renommierten tschechischen Filmemachers. Es befindet sich im Stadtteil Malá Strana, in unmittelbarer Nähe zur Karlsbrücke, und bietet eine interaktive Ausstellung, die sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht. Hier ein VR-Rundgang.

Die Ausstellung ermöglicht es den Besuchern, tief in die Welt von Zemans Filmen einzutauchen. Sie können die Entstehung seiner Werke nachvollziehen und die von ihm entwickelten Tricktechniken kennenlernen. Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden: Besucher können eigene Fotos und Videos erstellen, indem sie die in den Filmen verwendeten Tricks nachstellen.

Das Museum zeigt eine Vielzahl von Exponaten, darunter Originalrequisiten, Modelle und Kulissen aus Zemans Filmen. Es bietet zudem Workshops und Animationen an, die einen tieferen Einblick in die Filmtechniken des 20. Jahrhunderts ermöglichen. Durch den Einsatz moderner Technologien wird Zemans kreatives Erbe lebendig gehalten und für ein breites Publikum zugänglich gemacht.

Für Filmbegeisterte ist das Karel Zeman Museum ein lohnenswertes Ziel, das die Magie des Kinos und die Geschichte der tschechischen Filmkunst auf interessante Weise präsentiert.

Prag (12): Der Friedhof von Vyšehrad: Wo Tschechiens größte Seelen in Ewigkeit ruhen

3. November 2024

Ich liebe das Herumstreifen auf alten Friedhöfen. Ich kenne die berühmten Friedhöfe in Wien, Salzburg, München und auch Paris. Jetzt kenne ich auch den Vyšehrader Friedhof in Prag und bin schwer beeindruckt.

Der Vyšehrader Friedhof (Vyšehradský hřbitov) in Prag ist eine der bekanntesten und bedeutendsten Ruhestätten Tschechiens. Seit seiner Errichtung im Jahr 1869 hat er sich zu einem Ort des Gedenkens und einer Art tschechischem Pantheon entwickelt, in dem viele der bedeutendsten Persönlichkeiten des Landes ihre letzte Ruhe gefunden haben. Der Friedhof befindet sich auf dem Gelände der historischen Burg Vyšehrad, welche hoch über der Moldau thront und eine lange Geschichte mit tiefen Wurzeln in der tschechischen Kultur und Identität hat. Daneben liegt die Basilika Peter und Paul.

Architektur und Gestaltung
Als unsere Reisegruppe des Pfarrgemeinderates Maisach den Ort besuchte, waren kaum Touristen dort und wir konnten uns in Ruhe umsehen und auf Entdeckungstour gehen. Der Friedhof von Vyšehrad besticht durch seine kunstvollen Grabstätten und Denkmäler, die ein breites Spektrum an Stilen und künstlerischen Epochen repräsentieren. Die Gräber sind oft mit prächtigen Skulpturen und kunstvollen Reliefs verziert, die von bekannten Bildhauern und Künstlern gestaltet wurden. Eine zentrale Sehenswürdigkeit ist das Slavín-Mausoleum, ein eindrucksvolles Gemeinschaftsgrab, das als Ehrenstätte für herausragende tschechische Persönlichkeiten dient. Das Mausoleum wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und symbolisiert die nationale Bedeutung des Friedhofs als Ort des Gedenkens an die Größen der tschechischen Geschichte.

Berühmte Persönlichkeiten und ihre Gräber
Der Vyšehrader Friedhof beherbergt die Gräber zahlreicher Künstler, Wissenschaftler und Politiker, die die Geschichte und Kultur Tschechiens maßgeblich geprägt haben. Leider muss ich zugeben, dass ich zu wenig von der reichhaltigen tschechischen Geschichte weiß und habe viele Tote nicht gekannt. Hier eine Auswahl der Gräber, die mir aufgefallen sind.

Bedřich Smetana (1824–1884): Der Komponist gilt als Begründer der tschechischen Nationaloper und schuf mit Werken wie „Die Moldau“ einen wichtigen Beitrag zur Musikgeschichte. Sein Grab ist schlicht, jedoch verziert mit einer Büste, die ihn in künstlerischer Pose zeigt, und symbolisiert seine tiefe Verbindung zur tschechischen Kultur.

Antonín Dvořák (1841–1904): Einer der international bekanntesten tschechischen Komponisten, dessen Sinfonien und Kammermusik bis heute weltweit geschätzt werden. Sein Grabmal ist mit einer Statue versehen, die ihn mit ausdrucksstarker Mimik beim Dirigieren zeigt, und zollt ihm als einer der größten Musiker des Landes Tribut.

Alfons Mucha (1860–1939): Der berühmte Jugendstil-Künstler ist bekannt für seine einzigartigen Plakate und das epische Werk „Slawisches Epos“. Sein Grab ist reich verziert und enthält florale Motive, die an den dekorativen Stil des Jugendstils erinnern und somit Muchas künstlerisches Erbe widerspiegeln.

Karel Čapek (1890–1938): Der Schriftsteller und Dramatiker, der den Begriff „Roboter“ in die Welt brachte, ist ebenfalls hier begraben. Sein schlichtes Grab trägt eine einfache Inschrift mit seinem Namen und symbolisiert seine Bescheidenheit und seine Hingabe zur Literatur. In vielen meiner Roboter-Seminaren nehme ich auf diesen Künstler Bezug.

Jan Neruda (1834–1891): Der Dichter und Journalist, nach dem die berühmte Prager Straße „Nerudova“ benannt ist, wurde hier beigesetzt. Sein Grabmal ist mit einem Relief seines Porträts verziert, das seine Rolle als eine der bedeutendsten Stimmen der tschechischen Literatur ehrt.

Künstlerische Bedeutung und kulturelles Erbe
Der Vyšehrader Friedhof ist nicht nur eine Begräbnisstätte, sondern ein Ort, an dem Kunst und Erinnerung miteinander verschmelzen. Die kunstvollen Gräber und Denkmäler wurden von bedeutenden tschechischen Künstlern und Bildhauern wie Josef Václav Myslbek gestaltet und spiegeln die Geschichte und den kulturellen Reichtum des Landes wider. Viele Gräber und Statuen stehen heute unter Denkmalschutz und werden regelmäßig restauriert, um dieses Erbe für kommende Generationen zu bewahren. Die Atmosphäre des Friedhofs, kombiniert mit der Schönheit der Kunstwerke und den Geschichten der hier beigesetzten Persönlichkeiten, machen ihn zu einem Ort des Nachdenkens und der Ehrfurcht.