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Filmkritik: Corpus Delicti

16. September 2026

Es gibt Dystopien, die ihre Zukunft möglichst fremd aussehen lassen. Und es gibt Dystopien, deren eigentliche Stärke darin besteht, dass ihre Zukunft erschreckend vertraut wirkt. „Corpus Delicti“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Lena Stahls Verfilmung des gleichnamigen Romans von Juli Zeh erzählt von einer Gesellschaft, die auf den ersten Blick beinahe beneidenswert erscheint: Die Menschen sind gesund, der Staat sorgt für Sicherheit, Krankheiten werden bekämpft und wissenschaftliche Erkenntnisse bestimmen politische Entscheidungen. Vernunft scheint über Ideologie gesiegt zu haben. Und genau darin liegt der Schrecken.
Denn „Corpus Delicti“ erzählt nicht von einer klassischen Diktatur mit Uniformen, Aufmärschen und allgegenwärtiger sichtbarer Gewalt. Die Herrschaft trägt hier das freundliche Gesicht der Fürsorge. Sie verspricht Gesundheit, Sicherheit und ein langes Leben. Dafür verlangt sie Daten, Kontrolle, Disziplin und die Bereitschaft, das eigene Verhalten den Vorgaben des Systems unterzuordnen. Freiheit verschwindet nicht mit einem großen Knall, sondern wird Stück für Stück gegen vermeintliche Sicherheit eingetauscht.

Der Film basiert auf Juli Zehs 2009 erschienenem Roman, dessen gesellschaftspolitische Sprengkraft über die Jahre eher größer als kleiner geworden ist. Zeh entwarf darin eine Gesundheitsdiktatur des 21. Jahrhunderts, in der körperliches Wohlergehen zur höchsten Bürgerpflicht erhoben wird. Lena Stahl macht daraus einen dystopischen Thriller, der politische Fragen mit einer sehr persönlichen Geschichte verbindet.

Hinter der Kamera ist der Film prominent besetzt. Die Kamera führt Philipp Haberlandt, die Musik stammt von Volker Bertelmann und Lennart Saathoff. Bertelmann – international auch als Hauschka bekannt – gewann für „Im Westen nichts Neues“ den Oscar für die beste Filmmusik. Hoffe, dass der Score auf Vinyl erscheint.

Im Mittelpunkt steht Mia Holl, gespielt von Hannah Herzsprung. Mia ist Wissenschaftlerin und zunächst keineswegs eine Rebellin. Im Gegenteil: Sie gehört zu jener Gesellschaft, die auf Rationalität, Messbarkeit und wissenschaftliche Evidenz vertraut. Das macht die Figur so interessant. Sie kämpft nicht gegen das System, weil sie grundsätzlich gegen Regeln wäre. Sie beginnt erst dann zu zweifeln, als ihr Bruder Moritz des Mordes beschuldigt wird. Die Beweise scheinen eindeutig. Das System hat seine Daten, seine Analysen und seine wissenschaftlich abgesicherten Schlussfolgerungen. Für die sogenannte Methode ist der Fall damit praktisch erledigt. Doch Mia glaubt an die Unschuld ihres Bruders. Plötzlich kollidieren zwei Wahrheiten miteinander: die Wahrheit der Daten und die Wahrheit persönlicher Erfahrung.

Aus diesem Konflikt entwickelt „Corpus Delicti“ seine stärkste Idee. Was geschieht mit einer Gesellschaft, die Wissenschaft nicht mehr als Methode des Zweifelns begreift, sondern aus ihren Ergebnissen eine politische Unfehlbarkeit konstruiert? Wissenschaft lebt eigentlich davon, dass Erkenntnisse überprüfbar, Hypothesen widerlegbar und Ergebnisse diskutierbar bleiben.

Das System in „Corpus Delicti“ hat diesen Grundgedanken pervertiert. Es benutzt Wissenschaft nicht mehr ausschließlich als Werkzeug der Erkenntnis, sondern als Legitimation von Macht. Wer widerspricht, erscheint deshalb nicht einfach als politischer Gegner. Er wird zum Gegner der Vernunft erklärt. Das ist wesentlich gefährlicher. Hannah Herzsprung ist für diese Geschichte eine ausgezeichnete Besetzung, denn Mia Holl braucht keine klassische Actionheldin zu sein. Ihre eigentliche Bewegung findet im Denken statt. Aus einer Frau, die an die Rationalität des Systems glaubt, wird eine Zweiflerin. Und in einem System, das keinen Zweifel duldet, wird bereits das Stellen einer Frage zum revolutionären Akt. Ihr Bruder Moritz, gespielt von Damian Hardung, steht stärker für Individualität, Freiheit und die Möglichkeit, unvernünftig sein zu dürfen. Gerade darin steckt eine der faszinierendsten Fragen des Stoffes: Hat ein Mensch ein Recht darauf, ungesund zu leben? Darf er Risiken eingehen? Darf er seinem Körper schaden? Und wo endet die Verantwortung des Staates für seine Bürger?

„Corpus Delicti“ verweigert sich der einfachen Antwort. Natürlich ist Gesundheit etwas Positives. Natürlich wünschen wir uns Schutz vor Krankheiten, und selbstverständlich können wissenschaftliche Erkenntnisse Leben retten. Die Dystopie funktioniert gerade deshalb so gut, weil sie nicht auf einem offensichtlich bösen Gedanken basiert. Die Methode beginnt mit einem Versprechen, dem kaum jemand widersprechen würde: Wir wollen, dass Menschen gesund sind. Das Problem entsteht erst durch den nächsten Schritt: Deshalb müssen sie gesund sein. Aus einem Recht wird eine Pflicht, aus Fürsorge wird Kontrolle, aus Prävention wird Überwachung und aus dem Menschen schließlich ein Datensatz.

Besonders interessant ist dabei Heinrich Kramer, verkörpert von Alexander Fehling. Kramer ist Journalist, aber keineswegs automatisch Vertreter einer freien, kritischen Öffentlichkeit. Gerade diese Figur zeigt, wie wichtig Sprache für autoritäre Systeme ist. Macht funktioniert nicht ausschließlich durch Polizei und Gerichte. Sie funktioniert über Begriffe, Erzählungen und öffentliche Deutung. Wer bestimmt, wer vernünftig ist? Wer entscheidet, wer radikal ist? Wann wird aus einem Zweifler ein Staatsfeind? Damit berührt „Corpus Delicti“ einen hochaktuellen Kern politischer Kommunikation. Ein System muss seine Gegner nicht unbedingt zum Schweigen bringen, wenn es ihm gelingt, ihre Glaubwürdigkeit zu zerstören. Wer außerhalb des akzeptierten Meinungskorridors steht, kann als irrational, gefährlich oder gesellschaftsschädlich markiert werden.

Lena Stahl setzt dabei bewusst auf die Mechanismen eines Thrillers. Das ist für die Verfilmung eine nachvollziehbare Entscheidung, denn Juli Zehs Roman ist stark von philosophischen und juristischen Auseinandersetzungen geprägt. Literatur kann lange Gedankenräume öffnen, Argumente gegeneinanderstellen und innere Widersprüche ausführlich untersuchen. Kino braucht dagegen Bilder, Konflikte und Bewegung. Die Suche nach der Wahrheit über Moritz wird deshalb zum dramaturgischen Motor. Mia gerät immer tiefer in einen Apparat hinein, dessen Macht sie zuvor selbst akzeptiert hat. Je mehr sie zweifelt, desto stärker wird sie vom System beobachtet. Schließlich wird aus der Wissenschaftlerin selbst eine Verdächtige. Darin besitzt die Geschichte eine beinahe kafkaeske Qualität. Mia muss nicht einmal etwas Spektakuläres tun. Schon ihre Abweichung wird zum Problem. Wer sich einem System verweigert, das behauptet, ausschließlich dem Wohl des Menschen zu dienen, muss in dessen Logik irgendwann entweder irrational oder gefährlich sein.

Besonders spannend ist „Corpus Delicti“ deshalb als politischer Film. Die Geschichte lässt sich nicht bequem einer einzigen politischen Richtung zuordnen. Sie handelt von einem grundsätzlichen Konflikt moderner Gesellschaften: Wie viel Freiheit sind wir bereit für Sicherheit aufzugeben? Diese Frage betrifft Gesundheitsdaten ebenso wie digitale Überwachung, biometrische Systeme, Algorithmen oder künstliche Intelligenz. Jede einzelne Technologie kann einen vernünftigen Nutzen besitzen. Problematisch wird es dort, wo aus vielen einzelnen Informationen ein nahezu vollständiges Bild des Menschen entsteht. Wer schläft wann? Wer bewegt sich wie viel? Welche Krankheiten hat jemand? Was isst er? Wo befindet er sich? Mit wem kommuniziert er? Welche Risiken geht er ein? Die technische Möglichkeit, all diese Informationen zu erfassen, führt zwangsläufig zur politischen Frage, wer sie verwenden darf und zu welchem Zweck. Genau hier entfaltet „Corpus Delicti“ seine beklemmende Aktualität. Der Film erzählt letztlich weniger von Gesundheit als von Daten. Gesundheit ist die moralische Legitimation für die Datenerfassung. Denn gegen Überwachung lässt sich protestieren. Gegen Gesundheit zu protestieren klingt dagegen absurd. Darin liegt die Raffinesse des Systems: Es definiert sein politisches Ziel so positiv, dass jeder Widerspruch automatisch verdächtig erscheint.

Der Film stellt damit eine Frage, die weit über seine Handlung hinausweist: Was geschieht, wenn eine Gesellschaft keine Abweichung mehr erträgt? Demokratie besteht schließlich nicht nur aus Mehrheitsentscheidungen. Sie lebt auch vom Recht des Einzelnen, anders zu leben, anders zu denken und sogar Entscheidungen zu treffen, die andere für falsch halten. Eine vollkommen optimierte Gesellschaft müsste zwangsläufig einen Teil dieser Freiheit beseitigen, denn Freiheit produziert Unordnung. Menschen rauchen, trinken, essen zu viel, schlafen zu wenig, treiben keinen Sport, verlieben sich in die falschen Menschen, glauben Unsinn und treffen schlechte Entscheidungen. Das ist ineffizient, aber es ist menschlich. Die eigentliche Provokation von „Corpus Delicti“ besteht deshalb in dem Gedanken, dass eine vollkommen vernünftige Gesellschaft möglicherweise eine zutiefst unmenschliche Gesellschaft wäre.

Damit liegt „Corpus Delicti“ irgendwo zwischen Science-Fiction-Dystopie, Politthriller und Justizdrama. Die Geschichte erinnert in ihrer Grundidee an Orwell, „Gattaca“ oder auch „Minority Report“, verfolgt aber einen ausgesprochen deutschen, juristisch-politischen Ansatz: Nicht die Technik selbst ist der eigentliche Gegner, sondern die Vorstellung, aus Daten ließe sich eine objektive und unangreifbare Wahrheit ableiten. Wobei ich Gattaca deutlich eleganter und nicht so deutsch sperrig mit dem Zeigefinger empfang.
Es werden die Menschen im Film nicht ausschließlich durch Angst kontrolliert. Das System bietet ihnen etwas an: Gesundheit, Sicherheit, Ordnung und die Befreiung von vielen Risiken des Lebens. Auch Parallelen zu „Gattaca“ drängen sich auf. Dort entscheidet genetische Optimierung über gesellschaftliche Möglichkeiten, bei „Corpus Delicti“ ist es die körperliche und gesundheitliche Normierung. In beiden Fällen entsteht Unterdrückung aus dem Versprechen der Verbesserung. Gerade für das deutsche Kino ist dieser Stoff deshalb bemerkenswert. Science-Fiction wird hierzulande noch immer vergleichsweise selten als ernsthafte gesellschaftspolitische Kinogattung verstanden. „Corpus Delicti“ zeigt, welches Potenzial darin steckt. Man braucht keine gigantischen Raumschlachten, um über Zukunft zu erzählen. Manchmal genügt eine Gesellschaft, die beschlossen hat, nur noch das Beste für ihre Bürger zu wollen – und eine Frau, die plötzlich fragt, wer eigentlich bestimmt, was dieses Beste ist.

Vielleicht ist das die entscheidende Stärke von „Corpus Delicti“: Die Geschichte zwingt uns nicht, zwischen Gesundheit und Krankheit zu wählen. Sie zwingt uns, über die Grenze zwischen Verantwortung und Bevormundung nachzudenken. Wann wird Schutz zur Kontrolle? Wann wird Wissenschaft zum Herrschaftsinstrument? Wann wird Datenerfassung zur Überwachung? Und wann verwandelt sich das Versprechen einer besseren Gesellschaft in die Forderung nach einem besseren Menschen? „Corpus Delicti“ ist deshalb keine Dystopie über eine ferne Zukunft. Es ist eine Warnung vor einem uralten politischen Reflex: dem Wunsch, Menschen zu ihrem eigenen Glück zwingen zu wollen. Der gefährlichste Staat ist vielleicht nicht jener, der offen verkündet, dass ihm der einzelne Mensch gleichgültig ist. Viel schwieriger ist ein Staat zu erkennen, der behauptet, alles nur zu unserem Besten zu tun. Genau deshalb besitzt Juli Zehs Geschichte eine solche Kraft – und genau deshalb ist ihre Verfilmung im Jahr 2026 so bemerkenswert aktuell. Am Ende bleibt eine Frage, die weit über den Kinosaal hinausreicht: Wie viel Freiheit sind wir bereit aufzugeben, wenn man uns dafür Sicherheit verspricht? Und vielleicht noch wichtiger: Merken wir überhaupt, wann wir sie aufgegeben haben?
Der Film läuft 103 Minuten, ist FSK 12 und startet am 1. Oktober 2026.

Ich bin genervt vom Papierkram beim Arzt

5. November 2024

Wer älter wird oder ältere Angehörige hat, die zum Arzt müssen kennt das Leid. Der ewige Papierkram und die katastrophale Digitalisierung des Gesundheitswesens. Der Datenschutz wird wie eine Monstranz vor sich her getragen und sich immer wieder dahinter versteckt. Bloß keine Veränderung.

In den vergangenen Wochen gab ich mehrere Beispiele von digitaler Inkompetenz in diesem Land erlebt. Ein Familienangehöriger von mir ist schwer krank, und wir müssen zu Facharzt zu Facharzt. Die Papierüberweisung stellt natürlich der Hausarzt aus. Und bei jedem Facharzt finden wir zeitige Fragebögen aus, im Grunde immer den gleichen, den dann eine Assistenz händisch ins System übertragen muss. Im Grunde muss ich diesen Fragebogen ausfüllen, weil mein Familienangehöriger ist alleine schon gar nicht mehr schafft oder falsche Angaben einträgt. Natürlich habe ich immer den aktuellen Medikamentenplan am Mann sowie die aktuellen Laborwerte. Letzteren wird natürlich nicht geglaubt und der jeweilige Arzt fertigt noch mal neue Laborwerte an, kostet ja nur Unsummen im Gesundheitswesen. Aber alle wollen schließlich mit verdienen.

Und dann haben wir noch dieses elende Fax. Natürlich dürfen aus Datenschutzgründen die Laborwerte nicht digital per E-Mail versendet werden. Aber Brieftaube oder etwas moderner, das Faxgerät sind zugelassen. Als ich beim Arzt das Thema verschlüsselte E-Mails ansprach, wiegelte man ab. Datenschutz, Datenschutz, Datenschutz. Besser beim Faxgerät bleiben. Vielleicht landet das Fax aber im Eingangskorb oder Eingang Postfach, zudem mehre Menschen Zugriff haben. Das geht dann aber wieder.

Noch besser ist es aber, persönlich vorbeizuschauen Stunde und Stunde im Wartezimmer zu verbringen, für irgendwelche Zettel, Überweisungen und Rezepte. Zeit fällt ja vom Himmel und irgendwann habe ich auch alle Zeitschriften im Wartezimmer ausgelesen, die mich sowieso nicht interessieren. Ich wollte ja nur den blöden Zettel.

Die elektronische Patientenakte begrüße ich ausdrücklich. Wenn das System läuft wird es mein Leben und das meiner Familie leichter machen.
Die Zustimmung zu wesentlichen Elementen der Digitalisierung im Gesundheitswesen lässt nach, wie eine aktuelle Befragung von Deloitte zeigt. So geben 67 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher an, sie würden der elektronischen Patientenakte (ePA) wahrscheinlich oder bestimmt nicht widersprechen. Das sind fünf Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr (2023: 72%).

Skepsis steigt
Der Anteil derer, die der elektronischen Patientenakte skeptisch gegenüberstehen, ist leicht gestiegen. Ein Drittel der Befragten (33%) will wahrscheinlich oder bestimmt von seiner Opt-out-Option Gebrauch machen und der automatischen Einführung der ePA durch die Krankenkasse widersprechen. Bis Ende 2025 soll die digitale Patientenakte von 80 Prozent der Versicherten genutzt werden, so das Ziel des Bundesgesundheitsministeriums.

Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Befragung von 1000 Verbrauchern im August 2024. Bereits 2023 hatte Deloitte eine vergleichbare Befragung zur Digitalisierung im Gesundheitswesen durchgeführt.

Zweifel am Zusatznutzen
Insbesondere bei den Jüngeren wächst die Skepsis. Waren im vergangenen Jahr noch 45 Prozent der 18- bis 24-Jährigen der Meinung, dass sie der ePA-Nutzung wahrscheinlich oder bestimmt nicht widersprechen würden, so sind aktuell nur noch 37 Prozent dieser Ansicht.

Über alle Altersklassen hinweg beruht die Skepsis vor allem auf Sorgen um die Datensicherheit und dem unklaren Zusatznutzen. 58 Prozent der Befragten befürchten, dass ihre Daten nicht ausreichend sicher sind. Etwa genauso viele (55%) haben Zweifel am Zusatznutzen und nennen dies als Grund für ihre ablehnende Haltung.

Doch das Bild ist nicht einheitlich. Die meisten Verbraucher sind sich bewusst, dass Gesundheitsdaten einen erheblichen Mehrwert in der Forschung sowie der Entwicklung von personalisierten Behandlungsmethoden haben. 83 Prozent der Befragten sehen grundsätzlich einen Vorteil in der Nutzung von Gesundheitsdaten. Konkret erhoffen sich 60 Prozent eine bessere Versorgung; 44 Prozent erwarten geringere Beiträge zur Krankenversicherung (Mehrfachnennungen möglich). Doch die Bereitschaft, eigene Daten beizutragen, ist gering. Lediglich 47 Prozent bezeichnen sich selbst als offen oder sehr offen für das Teilen ihrer Gesundheitsdaten.

Nike kneift vor Apple und legt das Fuelband auf Eis

19. April 2014

Der Sportgigant Nike kneift. Wie es aussieht, bereitet sich Nike auf Apples Eintritt in den aufkommenden Markt von wearable Computer vor und lässt sein Fuelband auslaufen. Damit wird klar: die Apple iWatch steht uns bevor und Nike scheut die direkte Auseinandersetzung. Dabei ist der Wearable-Markt höchst interessant und wird härter, sobald Google und Apple mit entsprechender Power auf den Markt kommen.

Ich muss mich heute noch ein wenig bewegen - so mein Nike Fuelband.

Ich muss mich heute noch ein wenig bewegen – so mein Nike Fuelband.

Wie zu hören ist, hat Nike Teile des Hardware-Entwicklerteams auf Eis gelegt  Neue Produkte gibt es nicht. Es heißt aus US-Kreisen, dass 55 von 70 Entwickler von der Maßnahme betroffen sind. Ob sie das Unternehmen verlassen oder intern umgeschichtet werden, ist noch unklar. Klar ist aber: Das Kapitel Fuelband ist damit zu Ende. Zurück bleiben die App-Entwickler und die Pflege der Nike+-Community.

Ich persönlich finde es sehr schade. Seit über einem Jahr nutze ich das Fuelband und habe nur positive Erfahrungen gemacht. Auch mein Freundeskreis und meine Frau nutzen das Band fleißig. Das Band war sehr leicht, schlicht und behinderte mich in meinem Alltag nicht. Ich habe bereits darüber gebloggt.

Für mich deutet alles darauf hin, dass der Markteintritt von Apple kurz bevorsteht. Apple-CEO Tim Cook trägt selbst ein Fuelband, ist ein Fan des Produktes und was noch viel interessanter ist, er sitzt im Board von Nike. Wahrscheinlich haben Nike und Apple ein gemeinsames Produkt am Start. Erinnert sei nur an die Kooperation von Nike+ und iPod. Ich hatte damals sogar mit einem Kollegen ein Buch darüber verfasst. Restbestände gibt es übrigens bei mir.

Fest steht auch: Zahlreiche Fuelband-Entwickler sind inzwischen bei Apple unter Vertrag. Wie es heißt, soll das neue iOS-Betriebssytem iOS 8 die Apple App Healthbook als zentrale App für Fitness-Applikationen fungieren. Die App sammelt wohl alle Fitness- und Gesundheitsdaten und wird natürlich auf die Apple Hardware optimiert sein. Die Sache ist vor allem interessant, dass es einem Sportriesen wie Nike nicht gelingt, Apple und Google hier Paroli zu leisten. Statt Konfrontation kommt wohl Kooperation und das Fuelband bleibt auf der Strecke. Nike wird wohl weiter am Markt unterwegs sein. Jetzt heißt es Warten auf die WWDC.