Die Top 3 Ausreden der Daten-Verweigerer

3. August 2015
Es gibt bei der Digitalisierung noch viel zu tun.

Es gibt bei der Digitalisierung noch viel zu tun.

Der Spruch vom alten Henry Ford ist ja bekannt. “Fünfzig Prozent bei der Werbung sind immer rausgeworfenes Geld. Ich weiß aber leider nicht, welche Hälfte das ist.“ Beim Marketing im Mittelstand kann man den Ford-Spruch genauso anwenden – und das mache ich gerne in meinem Seminaren. Und ich habe oftmals digitale Verweigerer vor mir sitzen, die es zu überzeugen gilt. Die Verweigerung reicht vom Zugang zum Internet, über Einstieg in soziale Netzwerke bis hin zur Analyse von digitalen Daten.
Die letzte Gruppe hatte gerade Adobe auf dem Schirm. Adobe hat hier drei Top Ausreden der Daten-Verweigerer gesammelt, die ich gerne weitergeben kann. Sie stimmen einfach. In der Praxis habe ich solche Aussprüche gehört – da sind wir noch weit entfernt von der Digitalisierung des Mittelstandes.
Knapp jeder zweite Marketingverantwortliche in Deutschland (42 Prozent) vertraut dem aktuellen „Adobe Digital Roadblock Report 2015“ zufolge noch immer allein auf sein Bauchgefühl, wenn wichtige Entscheidungen für die Marketing-Strategie anstehen. Nur etwas mehr als jeder Dritte (37 Prozent) setzt bereits auf die validen Erkenntnisse einer Daten-Analyse. Woran liegt´s?

Ausrede #1: „Niemand weiß, wie es geht“
Fehlende Analyse-Erfahrungen führen häufig dazu, dass sich in den Unternehmen erst gar nicht an die datenbasierte Kampagnenoptimierung herangetraut wird. Laut „Adobe Roadblock Report 2015“ fehlt es 21 Prozent der deutschen Marketingentscheider an entsprechenden Weiterbildungsangeboten in neuen Marketing-Skills. Tatsächlich aber brauchen sie die gar nicht, um mit der Optimierung durchzustarten: Moderne Analyse-Tools sind inzwischen extrem einfach zu bedienen und verlangen keinerlei Vorerfahrungen. Mit nur wenigen Klicks gewinnen damit selbst Analyse-Rookies sehr schnell wertvolle Erkenntnisse, wie sie den Erfolg ihrer Maßnahmen optimieren können.

Ausrede #2: „Unser Unternehmen ist dafür nicht richtig aufgestellt“
Als nicht minder große Hürde, die den Marketer in seinen Optimierungsbemühungen blockiert, werden dem „Adobe Roadblock Report 2015“ zufolge auch die unzureichenden Strukturen im eigenen Unternehmen (14 Prozent) angesehen. Und damit haben sie nicht ganz unrecht: Übergreifende Teamstrukturen und ganzheitliche Prozesse sind zweifelsohne wichtige Voraussetzungen, um die Potenziale der datenbasierten Kampagnenoptimierung bestmöglich auszuschöpfen. Doch davon muss so manch CEO erst noch überzeugt werden. Am besten mit konkreten Ergebnissen kleinerer Optimierungsmaßnahmen, die ohne strukturelle Veränderungen durchgeführt werden können. Statt zu resignieren, gilt es, aktiv zu werden und die Optimierung selbst in die Hand zu nehmen. Stimmen die Ergebnisse, wird über kurz oder lang auch die Unternehmensführung mitziehen!

Ausrede #3: „Mein Bauchgefühl hat mich noch nie getäuscht“
Zugegeben: Manchmal sind es auch das richtige Bauchgefühl und die langjährigen Erfahrungen eines Marketingverantwortlichen, die Kampagnen zum Erfolg führen. Über die volle Strecke einer Kampagne aber wäre es geradezu fahrlässig, sich allein auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Dafür ist das Marketing zu schnell und heterogen geworden. Allein die Customer Journey hat dramatisch an Dynamik gewonnen, lineare Prozesse gehören der Vergangenheit an. Marketingverantwortliche stehen heute vor einer wahren Touchpoint-Odyssee der meist mobilen Kunden, die dringend eine ganzheitliche Betrachtung erfordert. Damit ist selbst der beste Bauch irgendwann überfordert!

Entwicklungen am eBook-Markt

31. Juli 2015

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Es tut sich viel in Sachen eBooks. Nachdem Weltbild seine Filialen jetzt endgültig schließt und damit die Vertriebsmöglichkeiten von Tolinos eingeschränkt ist, drängt Amazon in die Lücke. Mit einer massiven Werbeaktion an Bahnhöfen und in ICEs versucht der Online-Versender seinen Kindle zu pushen. Die Werbung ist im zurückhaltenden Schwarzweiß gehalten und zeigt Menschen beim Lesen, freilich mit Kindle. Dazu gibt es gute Sprüche wie „Wenn ein Buch ein guter Reisegefährte ist, dann begib dich auf die schönste Gruppenreise der Welt.“ Hier spricht Amazon übrigens das Social Reading ein, denn Kindle ist ja ein Online-Device. Social Reading bedeutet: Ich markiere eine Textstelle in einem Fachbuch und gebe diese Markierung für andere frei. Das macht die Crowd ebenso. So kann ich Fachbücher deutlich schneller lesen.


Ein anderer Spruch ist: „Les nach, wie andere die Welt sehen und dann sieh nach, ob sie recht haben.“ oder „Mit guten Büchern reist man niemals allein.“ Wie es der Zufall will, wurden neue, verbesserte Kindles von Amazon präsentiert und wer bis 2. August sein Device bestellt, der bekommt sein Gerät für rund 20 Euro billiger. Also zuschlagen, wer überlegt einen Kindle, Kindle Paperwhite oder den Highend Kindle Voyage für den Urlaub zu kaufen.


Wer seine Kindle-Bücher auf deinem Smartphone oder Tablet lesen will, für den hat Amazon seit dem jüngsten Softwareupdate mit Version 4.9 die Schrift geändert. Bei der neuen Version wurde die Textdarstellung optimiert. Gleichmäßigere Wortabstände und verbesserte Zeichensetzung helfen beim Lesen. Größte Neuerung: Mit „Bookerly” führt Amazon eine exklusiv für den Kindle entwickelte Schrift ein. Ich hab es ausprobiert und die Schrift ist wirklich besser lesbar.

ePublishingmarkt in Deutschland, Grafik: Statista

ePublishingmarkt in Deutschland, Grafik: Statista

Nach Angaben von Statista wird die Zahl der deutschen eBook-Käufer in 2015 auf sieben Millionen steigen. Das Portal schätzt, dass es bis 2020 knapp über neun Millionen sein werden. Dafür will ich nicht die Hand ins Feuer legen. Insgesamt soll die digitale Leserschaft in den nächsten fünf Jahren auf 12,9 Millionen zahlende Kunden steigen. Davon entfällt das Gros auf eBooks. Digitale Ausgaben von Verbraucher- und Wirtschaftszeitschriften (eMagazin) sowie täglich und wöchentlich erscheinende Digitalausgaben von Zeitungen (ePaper) werden der Statista-Prognose zufolge auch 2020 noch ein Nischendasein fristen. Vor allem für die digitalen Tageszeitungen sehe ich schwarz. Wir hatten als Familie neulich die Digitalausgabe der örtlichen Tageszeitung probiert, die wir am iPad lesen wollten. Meine Kinder waren neugierig und legten dann enttäuscht das iPad zur Seite. „Da wird ja nichts aktualisiert, Papa. Das sind ja die Nachrichten von gestern und warum gibt es keine Filme wie bei Harry Potters Tagesprophet?“ (The Daily Prophet). Gute Frage.

Buchtipp: Push Start – The Art Of Video Games von Stephan Günzel

30. Juli 2015

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Können Pixel Kunst sein? Diese Frage bewegt mich nach der Lektüre des Buches Push Start – The Art Of Video Games. Über 600 Videospiele aus den vergangenen Jahren auf 380 Seiten sind hier großformatig abgebildet – von den Anfängen der Telespiele bis zu den Videogames der Gegenwart. Beim Durchblättern dieses Bilderbuches für Gamenerds kommen Erinnerungen an längst vergessene Freuden hoch. Die Faszination, der ich erlegen bin, wenn ich eine Spielecartridge damals in mein Atari 2600 geschoben habe. Es hat ein paar Sekunden gedauert und ich war von der Pixelwelt gefangen. Die gleiche Faszination stellte sich später bei mir beim Volkscomputer Commodore C64 ein als ich die Datasette fütterte. Ich beschwor meine Eltern mir den C64 zu kaufen, wegen der Schule und so. Nun ja, ich habe ein paar Mal Hausaufgaben gemacht, Basic programmiert, Assembler gelernt, aber die meiste Zeit habe ich gespielt, gezockt, geballert. In dem Buch Push Start – The Art Of Video Games entdeckte ich die Spiele meines Teenager-Zeitalters wieder. Minutenlang starrte ich Screenshots in diesem Prachtband an und versank in meiner digitalen Vergangenheit.


Viele der Pixel wurden zu Ikonen der Populärkultur: Pac Man, Mario, Zelda, Donkey Kong, Space Invaders – wie stark diese Marken sind, zeigt sich in dem Klamauk-Spielfilm Pixels, der dieser Tage im Kino läuft. Sind damit Videospiele automatisch Kunst, wie der Buchtitel suggeriert? Nein, nicht alle, aber viele. So wie nicht jeder Film ein Kunstwerk ist, so wie nicht jedes Gemälde ein Kunstwerk ist, so wie nicht jedes Musikstück ein Kunstwerk ist, so ist auch nicht jedes Videospiel ein Kunstwerk. Viele sind es aber dennoch geworden. Kunst im Videospielbereich kann der Entwickler nicht schaffen, sondern Kunst wird durch und mit den Gamer geschaffen. Durch die Identfikation mit dem Spiel werden die digitalen Pixels zum Kunstwerk. Die Spielidee schafft im Kopf eigene Welten. Und dabei meine ich nicht nur das Gamedesign. Es gibt, gerade im Bereich der Next Gen-Konsolen, viele Spiele, die fantastisch aussehen, aber noch lange keine Kunst sind. Diese Kunst muss sich durch Interaktion Game – Gamer entwicklen, sich langsam formen.


Das Buch gibt uns Fans und Kunstinteressierten einen emotionalen Streifzug in unsere eigene Vergangenheit und Gegenwart. Und dazu gibt es fetten Sound. Einige der Gametracks gibt es auf einer neongelben 10-inch Vinyl-Schallplatte sowie als MP3-Downloadcode – remixed by Big Twice. Die Musik ist so gut, sie läuft sogar bei uns im Auto.

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Der Autor dieses großzügigen Pixelstreifzuges ist Stephan Günzel. Er ist Professor für Medientheorie an der Berliner Technischen Kunsthochschule. Zuvor lehre er an der Humboldt-Universität Berlin sowie an den Universitäten Jena, Klagenfurt und Trier. Von 2008 bis 2010 war er Koordinator des Zentrums für Computerspielforschung (DIGAREC) und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Künste und Medien der Universität Potsdam. Damit will ich sagen: dieser Mann befasst sich wissenschaftlich mit dem Thema Games und ist mit Sicherheit ein begeisterter Gamer. Dies sieht man diesem Buch an. Er selbst setzt sich mit der Frage nach dem Kunstbegriff in mehreren Aufsätzen in dem Buch Push Start – The Art Of Video Games auseinander – sowohl in Deutsch als auch in Englisch. Also für mich eine klar Kaufempfehlung dieses Coffee Table-Books.

Trotz Digitalisierung: Deutsche Schüler haben schwache PC-Kenntnisse

29. Juli 2015
Textverarbeitung in alten Zeiten.

Textverarbeitung in alten Zeiten.

In Bayern stehen die Sommerferien vor der Tür. Als Referent für Medienkompetenz durfte ich im Schuljahr 2014/15 viel mit Schülern in Bayern und in Deutschland unternehmen. Ich sprach viel zum Thema Umgang mit Medien und halte das Thema weiterhin für wichtig. Ich durfte viel mit Schülern auf Seminaren arbeiten, unter anderem auch mit zahlreichen hoch motivierten Schülerzeitungsredakteuren – trotz G8.
Bei meinen Schulungen stellte ich fest: Der Umgang mit dem Smartphone und Tablet ist bei den Schülern kein Problem. Beim Umgang mit klassischen Office-Anwendungen oder Cloud-Diensten klaffen aber manches Mal gewaltige Lücken. Diese subjektiven Erfahrung wurde mir jetzt von der Initiative D21 bestätigt.

MS Office ist schon über 25 Jahre alt und dennoch haben manche Schwierigkeiten.

MS Office ist schon über 25 Jahre alt und dennoch haben manche Schwierigkeiten.

Schüler gehören zu den Digital Natives und sind im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt damit offener gegenüber neuen Technologien und digitalen Innovationen. Sie verbringen rund vier Stunden täglich online. Zudem nutzen sie aktiv verschiedene mobile Endgeräte. 93 Prozent der Schüler ab 14 Jahren besitzen ein Smartphone, so die Initiative D21.
So selbstverständlich die tägliche Nutzung digitaler Endgeräte ist – Schüler in Deutschland liegen im Umgang mit Office-Programmen aber nur knapp über dem Bundesdurchschnitt. 82 Prozent geben an, Texte in einem Textprogramm schreiben zu können (vgl. Bevölkerung gesamt 80 Prozent). 59 Prozent geben an, Berechnungen in Tabellenprogrammen durchführen zu können (vgl. Bevölkerung gesamt 57 Prozent).
Diese Zahlen sind beunruhigend, denn Anwendungskenntnisse in Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogrammen wie Word oder Excel sind für die meisten Berufe unerlässlich geworden. Dabei geht es mir persönlich nicht darum, ob jemand mit Microsoft Word oder Microsoft Excel umgehen kann oder vielleicht mit Apple Pages oder Apple Numbers oder Libre Office – es geht mir um den Umgang mit Office-Software allgemein. Diese Digitalkompetenzen sind nicht überall zu finden und auch das gehört zur Medienkompetenz.
Jetzt bin ich kein Referent für Excel, aber selbst bei Präsentationssoftware wie PowerPoint, Keynote oder Prezi bestehen große Lücken. Bei meinen Seminaren zur visueller Präsentation stellte sich heraus, dass die Teilnehmer sehr schnell kapierten, wie wichtig visuelles Präsentieren ist. Beispiele dafür gibt es viele – kein Tod durch PowerPoint. Beim Erstellen einer Masterfolie scheiterten allerdings einige – das darf nicht sein. Diese Digitalkompetenzen gehören zur Schule, Studium und Beruf einfach dazu. Also werde ich in meinem Schulungsschuljahr 2015/16 einen Schwerpunkt darauf legen.

Wer ihn kennt, hat ihn gehasst. Und dennoch gehörte Karl Klammer zum Office-Umgang.

Wer ihn kennt, hat ihn gehasst. Und dennoch gehörte Karl Klammer zum Office-Umgang.

Musiktipp: Jahreszeiten 1967-2013 von Reinhard Mey

28. Juli 2015

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Reinhard Mey ist sicherlich der wichtigste deutschsprachige Liedermacher unserer Zeit. Wobei ich das Wort Liedermacher schon wieder so typisch deutsch finde, nach dem Motto: Vorsicht, jetzt kommt ein Bildungsbürger. Vielleicht sollte ich besser so beginnen: Reinhard Mey ist sicherlich der wichtigste deutschsprachige Musikwortkünstler unserer Zeit. Ich habe ihn mehrmals live gesehen und seine Musik gibt mir etwas.


Daher habe ich mich entschlossen, doch endlich die fette Box Jahreszeiten 1967-2013 zu kaufen. Zwar hatte ich bereits das eine oder andere Mey-Album, jetzt habe auf jeden Fall alle deutschen Studioalben der Jahre 1967-2013. Und ich sage gleich: Es ist nicht der komplette Reinhard Mey – es fehlen die französischen Alben (die Edition Francaise), es fehlen die holländischen Ausgabe und die englische ONE VOTE FOR TOMORROW, und die Live-Alben (daher eine Studiobox).
Da werden die Sammler und Experten aufheulen und auf die Werkausgabe von Reinhard Mey hoffen. Es sind die kompletten deutschen Studioaufnahmen als Solo-Künstler, nicht mehr, nicht weniger. Ich wollte die Werkausgabe von Reinhard Mey nicht abwarten und investierte eine schöne Stange Geld, um die ein Exemplar der auf 4000 Stück limitierte Ausgabe Jahreszeiten 1967-2013 in der Hand zu halten. Die schöne Box umfasst 28 Datenträger, darunter 26 Studioalben, vier Bücher mit sämtlichen deutschen Liedertexten der Studioalben, eine für mich überflüssige CD mit Coverversionen anderer Liedermacher (hier hätte ich lieber rare Liveaufnahmen gehabt), eine DVD mit TV-Auftritten und TV-Portraits, ein 100-seitiges, gebundenes Buch mit zu groß gedruckten Texten (sollte wohl für die ältere Zuhörerschaft gemacht sein) sowie einen nummerierter Kunstdruck (gefällt mir nicht und wird im Archiv verschwinden). Lobenswert: Reinhard Mey spendet seinen Anteil am Verkauf dieser Edition den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.


Wer die CDs am Stück hört, kann die Entwicklungen und Strömungen des Künstlers schön erkennen. Schrecklich war für mich übrigens die Pop-Phase des Künstlers, der dann immer wieder zur Liedermacherszene zurückkehrte. Die Weiterentwicklung des Künstlers findet leider nur wenig statt, auch wenn mir der Pop-Ausflug nicht gefallen hat. Eigentlich reproduziert sich Mey immer wieder. Und da ist mein und sein Dilemma: Eigentlich mag ich den Liedermacher Reinhard Mey mit seinem Liedermacher-Repertoire. Die Songs sind eindringlich und sprechen mich emotional und intellektuell an – eine Weiterentwicklung will ich eigentlich nur bedingt. Musikalisch kann Reinhard Mey stehen bleiben und alle Jahre neue Alben in diesem Stil auf den Markt werfen (die ich brav auch kaufe). Seine Sicht und seine Kommentare auf die Welt und das Leben an sich sind mir wichtig. Aber ich denke, es langweilt einen als Künstler, der an neue Grenzen stoßen und diese überwinden will. Immer wieder versuchte Reinhard Mey auf seinen 26 Studioalben musikalische Zäune nieder zu reißen und diese Grenzen zu überwinden. Aber ist ihm das geglückt? Wohl eher nicht – und das ist ein Dilemma, das Dilemma des Reinhard Mey. Er gibt uns das, was wir hören wollen. Und wer Reinhard Mey mag, der kann mit dieser Box Jahreszeiten 1967-2013 absolut nichts falsch machen.

Buchtipp: Mad Men und die Mid-Century Ads von Jim Heimann, Steven Heller

26. Juli 2015

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Die Serie Mad Men wurde mit zahlreichen Fernsehpreisen überhäuft. Obwohl ich nie Werber werden wollte, fasziniert mich die Atmosphäre dieser Serie und der dazugehörigen Branche. Ich habe die Serie um den fiktiven Werbetexter Don Draper genossen und bisher alle Teile auf DVD verschlungen. Mad Men bedeutet ja eigentlich Men of Madison Avenue, dem Zentrum der US-Werbeindustrie. Wie später die Meister des Universums an der Wallstreet waren hier Meister der Beeinflussung am Werk.
Die Serie war so detailreich und machte durch diese Details einfach Spaß. Wer sich die Zeit nimmt, wird feststellen, wie liebevoll an die ganze Sache herangegangen wurde. Es stimmt einfach alles: Musik, Tapeten, Autos, Einrichtung sogar die Frisuren und die Klamotten. Das Setdesign hat ganze Arbeit geleistet. In der Serie selbst geht es ums Geld verdienen, Frauen vernaschen, Fremdgehen, Alkohol trinken und Zigaretten rauchen. Die Serie zieht sich durch die spannende Zeit der sechziger Jahre und ist eine prima TV-Unterhaltung. Sie zeigt eine Zeitenwende – wie aus den konservativen 50ern die progressiven 60er wurden. Es ist schön, wie historische Momente mit der Fiction der Erzählstory verwoben werden, seien es die Mondlandung, die Ermordung von Dr. Martin Luther King, die Beatles oder die Beatniks in Greenich Village.


Beim Betrachten der Serie kam bei mir mehr und mehr das Interesse an der Werbung dieser Zeit auf. Schließlich nehmen Werbekampagnen und der Kampf um Werbeetats einen großen Raum in Mad Men ein und der Zuschauer wird an die Werbephilosophie der Zeit durch den Hauptprotagonisten Don Draper herangeführt. Wie tickt eigentlich so ein Werber? Und was macht eigentlich eine gute Werbung aus? Wie sah das Storytelling aus? Ich stellte mir immer die Frage: Wie war eigentlich die Werbung in dieser Zeit? Ich selbst bin durch die Werbung der siebziger und achtziger Jahre sozialisiert worden, durch Bärenmarke, Kinderschokolade, Klementine und Palomliv. Ich kenne Herrn Kaiser, den Käfer, vielleicht noch ein wenig das HB-Männchen und den Malboro-Mann. Gerade eben hat die Allianz die Werbespots meiner Jugend online gestellt – großartig. Doch wie funktionierte Werbung in den fünfziger und sechziger Jahren?


Von Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan stammt der Ausspruch „Werbung ist die Höhenmalerei des 20. Jahrhunderts.“ McLuhans Werk gilt als ein Grundstein der Medientheorie.
Ich entdeckte bei meiner Recherche den zweibändigen Bildband Mid-Century Ads von Jim Heimann und Steven Heller aus dem Taschen Verlag. Dieses zweibändige Werk versammelt Bestleistungen amerikanischer Printwerbung in der Epoche, als Markenfirmen und Agenturen bei ihren Kampagnen noch auf die eine „Big Idea“ setzten. In den goldenen Tagen der Konsumbegeisterung waren die Magazine voll mit cleveren Anzeigen, die von Hüfthaltern bis zu Waffen so ziemlich alles verkauften. Am meisten liebte ich die Autowerbung. Als Ausdruck von ungebremstem Optimismus zeichnen sie ein faszinierendes Bild jenes bunten Kapitalismus, der die Atmosphäre der 50er und 60er Jahre prägte, als die Beschäftigung mit dem Kalten Krieg durch die sorglose Mad Men-Ära mit ihrer Alkohol- und Zigarettenkultur abgelöst wurde. Das Buch enthält ein breites Spektrum der wichtigsten Werbekampagnen beider Dekaden, ausgewählt aus Tausenden von Bildern. Für diese Publikation Mid-Century Ads wurden die Motive digital überarbeitet, damit sie wieder so frisch und munter aussehen wie an dem Tag, als sie am Kiosk auslagen.

Buchkritik: Durch das Universum bis hierher von William Shatner

24. Juli 2015

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Auch wenn es William Shatner eine Zeitlang nicht hören wollte, er ist für mich Captain Kirk von Raumschiff Enterprise. Am Todestag seines Kollegen und Freundes Leonard Nimoy kaufte ich mir die Autobiografie Durch das Universum bis hierher von William Shatner und kam jetzt erst zum Lesen.
Es ist ein nettes Buch, das an zwei Tagen gelesen ist. Für mich zeigt es in humorvoller Art den Kampf eines Schauspielers, der es eben nicht an die Spitze der Schauspielkunst geschafft hat, sondern im Grunde auf James T. Kirk und T.J. Hocker festgelegt ist. Boston Legal schaute ich mir kaum an, ist aber sicherlich auch eine wichtige Rolle. Ich muss mich noch an die schnellen Schnitte gewöhnen. Fest steht: Shatner ist ein guter Schauspieler, aber der richtige Durchbruch blieb ihm verwehrt und nach all dem Kampf gegen sein Alter Ego hat Shatner die Rolle, seine Rolle, als James T. Kirk wohl akzeptiert.
Beim Lesen kann ich feststellen: Auf jeden Fall hat dieser Mann Humor. Es ist sehr amüsant zu lesen, wie Shatner seine Karriere rückblickend beschreibt, wie er durch Serien und Theater tingelt, immer auf der Suche nach dem Durchbruch, immer auf der Suche nach ein paar Dollar. Der Wunsch, endlich mal 1000 US-Dollar die Woche zu verdienen, steht im Mittelpunkt seines Strebens.
Das Buch lebt von seinen Anmerkungen und Abschweifungen nach dem Motto „eine Geschichte hab ich noch. Sie passt zwar jetzt nicht, aber ich erzähle sie trotzdem.“ Und das macht gerade den Reiz des Buches aus.
Aber es nicht nur witzig, sondern auch die Schattenseiten des Lebens gehören dazu. Nüchtern beschreibt Shatner in seinem Buch Durch das Universum bis hierher das Alkoholproblem seiner Ehefrau, seine Eheprobleme, seine Geldprobleme und so erfährt der Leser einiges über das Gefühlsleben. Manches Mal wird auch klar, welcher Narr der Kanadier Shatner eigentlich ist und wie schlimm er auf andere Enterprise-Kollegen gewirkt hat. Das Ich steht bei ihm im Mittelpunkt, auch wenn er es im Nachhinein bereut.
Eingestreut sind immer wieder Anekdoten aus dem Filmbusiness. Wenn Shatner auf den Stuntman verzichtet und Kopf und Kragen für seine TV-Rollen riskiert, um zu zeigen, dass er ein ganzer Kerl ist. Ich hab gelacht, als er seinen eigenen Film dreht und den Polarstern mit einem gemieteten Helikopter verwechselt. Wirklich nett ist die Erzählung als er Inkubo dreht, den ersten Film in dem Esperanto gesprochen wird – und den so gut wie keiner verstanden hat (und ich meine ausdrücklich nicht die Dramaturgie). Bei YouTube gibt es den Trailer

und wem es nicht reicht, der kann dort auch den ganzen Film ansehen – es lohnt sich nicht.


Immer wieder gibt er dem Leser Küchenweisheiten mit auf dem Weg wie beispielsweise diese: „Wenn man eine Gelegenheit zum Arbeiten ablehnt, lehnt man gleichzeitig eine neue Erfahrung ab.“Das sind Sprüche, die ich gerne auf Twitter veröffentliche oder ins Poesiealbum schreibe. Und es ist auch kein Wunder, dass William Shatner auch massiv auf Twitter unterwegs ist.

Wilhelm Shatners Kommentar

Wilhelm Shatners Kommentar

Spaß macht auch die Musik von William Shatner. Er ist vielleicht nicht ein begnadeter Sänger, aber er ist ein großer Entertainer. Ein Arbeitskollege macht mich mit dem musikalischen Werk von William Shatner vertrauet. In The Transformed Man sah er und zitierte Gedichte – beim ersten Mal reinhören etwas schwierig, aber dann doch irgendwie Kunst. Eingängiger waren für mich die Alben Has Been und vor allem das Doppel-Album Seeking Major Tom. Mit eigenständigen Interpretationen von bekannten, intergalaktischen Hymnen von David Bowie, Queen, Deep Purple, Elton John, Pink Floyd oder Black Sabbath macht das Ding wirklich Spaß.
Sein jüngeres Werk Ponder the Mystery hat keine Coverversionen zum Inhalt. Das Prog Rock Konzeptalbum über das Älterwerden, über Depression, Liebe und letztlich über die allumfassende Schönheit des Lebens, aber ich fand es nicht den großen Wurf.

Was macht der Berliner Bär auf Helgoland?

23. Juli 2015
Was macht der Berliner Bär auf Helgoland?

Was macht der Berliner Bär auf Helgoland?

Als ich auf Helgoland meinen Gedanken nachhing, stieß ich auf den Berliner Bären. Meine Frage: Was macht der Berliner Bär auf Helgoland?
Der Bär, also besser die Statue des Berliner Wahrzeichens, blickt von Helgoland Richtung Berlin. Darunter ist ein Hinweis angebracht. 456 Kilometer bis nach Berlin. Das ganze Ensemble steht am Klippenrandweg.
Der Bär ist ein Bronzenachguss und ist 85 cm hoch. Das Wappentier Berlins bringt 33 Kilogramm auf die Waage. Die Statue wurde von der Bildgießerei Kraas hergestellt. Es ist ein Bronzenachguss einer Bären-Skulptur von Hildebert Kliem (21.3.1927 – 22.3.1986). Der richtige Bär steht im runden Innenhof des Rathauses Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz 4 und wurde am 14. September 1988 enthüllt. Der Bär wurde dem Bezirk Wilmersdorf gestiftet von der Bank für Handel und Industrie AG als Geschenk zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987. Ein Bruder von ihm ist wohl nach Helgoland ausgewandert.

Hoch oben steht der Bär.

Hoch oben steht der Bär.

Kliem machte 1952 sein Abschlussexamen der Meisterschule für das Kunsthandwerk in Berlin, arbeitete als Restaurator unter anderem am Reichstag, Schloss Charlottenburg, Staatsoper Unter den Linden, Theater des Westens, Märchenbrunnen im Friedrichshain. Das Original seines Berliner Bären wurde übrigens 1967 vom Bund der Berliner und Freunde Berlins der isländischen Hauptstadt Reykjavik gestiftet.

Richtig grillen – gelernt beim Metzgermeister Michael Moser

22. Juli 2015
Königsdisziplin Steak.

Königsdisziplin Steak.

Sommerzeit ist Grillzeit, soviel steht schon einmal fest. Meine Frau hatte mir zu einem früheren Geburtstag einen Webergrill geschenkt. Warum Weber? Weil die Mundprogaganda in unserem Bekanntenkreis und in den sozialen Netzen ausgezeichnet funktioniert hat und sich alle für einen Weber aussprachen.
Und sie hat die Gas-Variante gewählt. Das ist ok, weil wir vielleicht mit Kohle mehr Atmosphäre beim Grillen erzeugen können, aber fest steht auch, dass die Familie verhungert ist, bis der Kohle im Grill soweit ist. K1/2 kommen von der Schule und fallen sofort tot um, wenn es nicht etwas zum Essen gibt. Wer Kinder hat, versteht mich. Und ich habe den Grill Frühling, Sommer, Herbst und Winter im Einsatz, so gut wie jeden Tag. Gäste kommen mir keine ins Haus und so gibt es kein gemütliches Beisammensein um den Grill, sondern der Weber muss im Alltag funktionieren und das tut er einwandfrei.


Aber richtig grillen will gelernt sein. Ich habe zwei einige Grillbücher gelesen, aber nichts ersetzt die Praxis. Daher meldeten sich meine Frau und ich bei verschiedenen Grillseminaren an. Meine Frau wählte ein Wintergrillen bei einem örtlichen Baumarkt und war begeistert.


Ich war jetzt im Sommer an der Reihe und besuchte ein Grillseminar der handwerklichen Metzgerei Michael Moser aus Landsberg am Lech. Ich mag den Moser und bin von seiner Top-Qualität seiner regionalen Fleisch- und Wurstwaren überzeugt. Metzgermeister Michael Moser, der auch Obermeister der örtlichen Metzgerinnung ist, führte zusammen mit seinem Küchenchef Tobias Sailer das mehrstündige Grillseminar in seiner Filiale Am Penzinger Feld in Landsberg am Lech durch. Das Seminar war ausgebucht und die Warteliste enorm.


Natürlich wurde eifrig über die Gretchenfrage diskutiert: Kohle oder Gas? Moser selbst ist ein Purist und bevorzugt Kohle. Aber die richtige Kohle muss es sein. Er empfiehlt ausdrücklich Restaurantkohle, große Scheitel. Sie ist zwar ein paar Euro teuerer als die klassische Grillkohle von der Tankstelle, aber die heizt besser. Qualität zahlt sich hier auch aus. Er warnt ausdrücklich auch vor Grillanzünder auf Spiritusbasis. Die Kohle nimmt diesen Geruch auf und gibt ihn an das Grillfleisch weiter.

Der Küchenchef der Metzgerei Moser, Tobias Sailer, zeigt, wie ein Steak richtig gut gegrillt wird. Ein Steak auf dem Grill ist die Königsdisziplin. Dazu gehört zunächst ein gutes Produkt. Oftmals sind die Steaks aus den Kühltheken der Supermarktketten nicht die beste Ware. Und das Geheimrezept ist: „Brutal viel Hitze“, so Tobias Sailer. Auf Holzkohlengrill kommt der Grillfreak auf 800 bis 900 Grad Celsius. Bevor das Steak auf den Grill kommt, rund zehn Minuten vorher aus dem Kühlschrank nehmen und leicht mit Rapsöl einreiben. Dann ab auf den Grill: Beide Seiten kurz grillen, dass das Fleisch Farbe bekommt. Dann runter vom Grill und fünf Minuten warten. „Das Fleisch muss Chillen“, so Sailer. Dann kommt die Garzeit bei 200 Grad Celsius. Die Kerntemperatur des Steaks sollte bei knapp 60 Grad Celsius liegen. Ausführliche Tipps hier im Videointerview.

Restauranttipp: Fischereihafen Restaurant in Cuxhaven

21. Juli 2015
Fischereihafen Restaurant in Cuxhaven

Fischereihafen Restaurant in Cuxhaven

Wer in Cuxhaven weilt, der sollte sich abseits vom Touristentreiben auf die Suche nach guten Fisch begeben. Empfehlenswert ist das Fischereihafen Restaurant. In unmittelbarer Nähe zum Wrack- und Fischereimuseum Windstärke 10 befindet sich die Kombination Fischereihafen Restaurant und der neue Fischereihafen Lloyd’s an der Neufelder Straße 11.

m Zentrum des Raumes steht die gläserne Deckenbeleuchtung im Tiffany-Style

m Zentrum des Raumes steht die gläserne Deckenbeleuchtung im Tiffany-Style

Der erste Eindruck ist sehr angenehm. Das Restaurant ist hell. Überall finden sich Dekorationselemente aus der Schifffahrt, für mich als Bayer faszinierend: Taucherhelme, Netze, alte Fotografien. Im Zentrum des Raumes steht die gläserne Deckenbeleuchtung im Tiffany-Style mit der darunterlegenden gut sortierten Bar.

IMG_1681Der Service ist sehr bemüht, flott und freundlich. Küchenchef Christian Frank, seit 23 Jahren in der Gastro-Szene unterwegs, legt als Inhaber Wert auf Stil und Geschmack. Im Juli 2008 hat er das Restaurant komplett umgebaut. Für die gute Küche wurde das Fischereihafen Restaurant im Jahre 2010 übrigens auch von der Zeitschrift Feinschmecker als bestes Fischrestaurant ausgezeichnet.
Natürlich ist auf der Karte frischer Fisch zu finden, was bei der Nähe zum Fischereiversandbahnhof und zum Fischereihafen Cuxhaven kein Wunder ist.

Fischteller mit drei verschiedenen Fischfilets und Garnelenspieß

Fischteller mit drei verschiedenen Fischfilets und Garnelenspieß

Fischteller mit drei verschiedenen Fischfilets und Garnelenspieß. Dazu gab es Kräuterrahmsauce mit kleinen Schmorkartoffeln mit Rosmarin.

Fischsuppe

Fischsuppe

Auftakt war eine klare Fischsuppe mit verschiedenen Fischfilets, Grünschalmuschel, Wurzelgemüsen und Safran, dazu Baguette.

Scheveninger Doppelmatjes

Scheveninger Doppelmatjes

Sehr lecker ist auch der Scheveninger Doppelmatjes. Zwei handfilierte Scheveninger Doppelmatjesfilets sind in Rotwein eingelegt mit Preiselbeeren, Honig und roten Zwiebeln. Dazu wird eine Salatgarnitur
und Schmorkartoffeln gereicht. „Wir servieren Ihnen original holländische Matjesfilets ohne Konservierungsstoffe und einer rein enzymatischen Reifung“, so Küchenchef Christian Frank. Ein Doppelmattes besteht aus zwei Filets, die noch mit der Schwanzflosse verbunden sind.

Vanilleeis

Vanilleeis

Die Nachspeise war Vanilleeis mit heißen Schattenmorellen und Sahne.

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