Posts Tagged ‘Tope Hooper’

Remake von Poltergeist 2015 – nee echt jetzt?

23. Februar 2015

Muss es wirklich sein? Muss es wirklich sein, dass wir von Poltergeist eine Neuauflage diesen Sommer bekommen? Via Twitter habe ich von der Neuverfilmung des Tope Hooper Klassikers erfahren und voller Neugierde den ersten Trailer angesehen. Seht selbst:

Ja, das Teil ist gut gemacht, spannend sogar. Aber warum brauche ich so eine Verfilmung? Dollar, Dollar, Dollar – und Hollywood hat absolut keine Ideen mehr.
Vom filmischen und dramaturgischen Standpunkt aus gesehen, ist Poltergeist von 1982 eine Wucht. Sicherlich hatte Produzent Steven Spielberg massive seine Finger drin, durfte aus gewerkschaftlichen Gründen nicht Regie führen, weil er mit E.T. der Außeridische beschäftigt war. Deshalb musste Holzhammer Mr. Kettensäge Tope Hooper einspringen und heraus kam für mich einer der besten Horrorfilme der 80er Jahre. Die spürbare Terrorgewalt von Tope Hopper und das Erzähltalent und Einfühlungsvermögen von Steven Spielberg. Hinzu kam die wunderbare Musik von Jerry Goldsmith – der Filme hatte das Zeug zum Klassiker und ist auch einer geworden. Nette Anspielungen seiner Zeit wie die Reagan-Bio im Bett oder Star Wars-Bettwäsche waren die Zuckerl. Der Film war so gut, dass zwei Fortsetzungen gedreht wurden, die gar nicht so schlechht waren.
Und nun kommt statt dem Fernseher das Böse eben aus dem Wäscheschrank. Statt Röhre steht eine 4K-Glotze rum. Moderner ist der Film von 2015 freilich geworden, aber ob er besser geworden ist, muss sich zeigen. Fest steht, dass Produzent Sam Raimi nun mitmischt. Der Tanz der Teufel-Mann hat nach seinen Spider-Man-Ausflügen ins Blockbuster-Kino sich wohl seiner Horrorwurzeln besonnen und brachte uns schon einmal seine neue Version von Tanz der Teufel zurück – ohne Charme, aber mit viel Blut. Jetzt ist Poltergeist an der Reihe. Die Effekte sind prima, das zeigt der Trailer jetzt schon. Ach ja, Regie führt nun Gil Kenan, der schon das Monster House drehte und damit über zweifelhafte Horror Erfahrung verfügt.
Da es sich um eine Neuverfilmung handelt, bleibt die Story grundsätzlich beim Alten: Familie im Haus wird von Geistern heimgesucht, die von einem Friedhof unter dem Gebäude stammen. Und die bösen Geister haben es auf die kleine Tochter der Familie abgesehen, nachdem alle sich am Stühle- und Möbelrücken begeistert haben. Der Poltergeist lässt die Sau raus und von außerhalb naht Rettung.


Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber ich bleibe skeptisch. Das erste Remake von Poltergeist steuerte Roland Emmerich mit Joey bei und der war eher naja. Was soll denn in den neuem Film besser werden? Höchstens die Effekte. 2015 wird uns CGI bringen, aber brauch ich das? Ich habe mich 1982 im Kino gegruselt. CGI alleine bringt kein besseres Kino, das sollte Hollywood doch inzwischen wissen.
Den Soundtrack von 1982 lieferte Jerry Goldsmith ab – genial. Und wer soll nun den Soundtrack machen? Für mich könnte höchstens John Williams die Leistung toppen. Doch der alte Mann wird mit Star Wars zu tun haben und sich nicht im Kindergarten herumtreiben. Goldsmith ist ja leider auch verstorben. Ich empfehle übrigens den Soundtrack Poltergeist von Goldsmith ausdrücklich.
Und ihr geldgierigen Geier in Hollywood: Macht mir meine Jugend nicht kaputt. Nach so komischen Neuverfilmungen von Tanz der Teufel (bäh), The Texas Chain Saw Massacre (bäh, bäh) und Carrie (oh nein) kommt jetzt Poltergeist an die Remake-Reihe. Ich glaube nicht, dass sich die heutige Jugend von einem Poltergeist erschrecken lässt. Mal sehen, was sich Hollywood als nächstes vornimmt: Wie wäre es mit Rosemaries Baby? Da könnt ihr dann richtig Mist machen.
Habt endlich neue Idee und wärmt nicht die alten Ideen neu auf. Kein Wunder, dass ich dem Kino mehr und mehr fernbleibe. Am 30. Juli 2015 soll übrigens das Remake in die Kinos kommen.

Finger weg von Carrie und The Texas Chain Saw Massacre

18. September 2012

Nein, ich will davon nichts wissen. Nein, nein, nein – es soll zwei Neuverfilmungen geben, die ich absolut nicht brauche: Carrie und The Texas Chain Saw Massacre, letzterer noch dazu in 3D. Warum muss Hollywood alte Geschichten ausgraben, um sie in neuem Gewand einer jungen Zielgruppe zu präsentieren? Ja, es geht nur ums Geld verdienen. Warum investieren die Verantwortlichen nicht in neue Ideen, sondern müssen Klassiker kaputtmachen.

Beginnen wir mit Carrie. Die Originalverfilmung stammt aus dem Jahre 1976 und ist eine meiner liebsten Stephen King-Verfilmungen, wie ich es hier schon im Blog beschrieben hatte. Im März 2013 soll die Neuverfilmung des Klassikers Carrie – Des Satans jüngste Tochter von 1976 in die US-Kinos kommen. Viel ist noch nicht zu hören. Das Drehbuch stammt von Roberto Aguirre-Sacasa, Julianne Moore wird die verrückte Carries Mutter Margret White spielen und Chloë Moretz spielt die Carrie. Sie hat zwar bereits den Scream-Award 2010 bekommen, aber ich sage jetzt voraus: Gegen Sissy Spacek wird sie komplett verblassen.

Carrie - wunderbar dargestellt von Sissy Spacek.

Carrie – wunderbar dargestellt von Sissy Spacek.

Natürlich läuft die PR-Maschinerie schon auf Hochtouren. Moretz will ihr Image ändern und sich einen anderen Look verpassen. Außerdem soll der Film näher am Buch von Meister King sein und Blair Witch-Elemente enthalten. Blablabla. Schön, wenn es so ist, doch ich sage voraus, dass die Verfilmung kein Erfolg wird. Da kann sich Regisseurin Kimberly Peirce noch so anstrengen. Sie konkurriert mit Brian de Palma und sie konkurriert mit einer anderen Zeit. Das Buch und der Film mit Telekinese waren in den siebziger Jahren erfolgreich, gefolgt von Telekinse-Filmen wie Cronenberg Scanners oder de Palms Teufelskreis Alpha. Der Feuerteufel in den achtziger Jahren tat sich schon schwerer an der Kinokasse. Heute sind Vampire in, aber keine Teenager mit Geisteskräften.

Mein The Texas Chain Saw Massacre-Poster aus dem Keller.

Mein The Texas Chain Saw Massacre-Poster aus dem Keller.

Bleiben wir bei Teenagern und ihren Problemen. Warum in aller Welt braucht es eine Neuverfilmung von dem Terror-Film schlechthin? The Texas Chainsaw Massacre oder Blutgericht in Texas oder Kettensägenmassaker, wie die seltsamen deutschen Titel waren, hinterließ mich verstört im Kino. Tope Hooper brachte den Terror schlechthin auf die Leinwand (und ins Museum of Modern Art). Dabei zeigte der Film kaum blutige Szenen, deute viel an und vieles spielte sich im Kopf ab. Diese Art von Kopfkino war allerdings hammerhart. In vielen Ländern wurde der Film zensiert, geschnitten und wurde nur unter dem Ladentisch gehandelt. Auch in Deutschland war der Film lange Zeit verboten. Die Darstellung an Gewalt hatte sich bis dato keiner getraut zu zeigen. Seine Wirkung entfaltete der Film aber erst mit der wirren Musik von Hooper. Hier der schockierende Trailer von 1974, immer noch grausam.

Nach einigen Fortsetzungen (langweilig), kam es bereits 2003 zu einer Neuverfilmung, produziert von Michael Bay. Ich schaute ihn mir an, weil der Deutsche Marcus Nispel die Regie führte. Die Neuverfilmung spielte fett Kohle ein (107 Millionen US-Dollar), versetzte den Terror in die Neuzeit (mit zahlreichen Fehlern). Natürlich kam die Neuverfilmung nicht an die Atmosphäre des Werkes von1974 heran. Und nun? Jetzt wird die Motorsäge in 3D ausgepackt. Der Trailer lässt schlimmes vermuten. Leatherface muss ab Januar 2013 wieder ran, lacht irre und verhacktstückt nun Teenager in 3D. Nein danke, dass muss ich nicht haben.

Regie führte ein gewisser John Luessenhop (Taken) und die Darsteller sind Schauspielern Alexandra Daddario, Dan Yeager, Tremaine “Trey Songz” Neverson, Scott Eastwood, Tania Raymonde, Shaun Sipos, Keram Malicki-Sanchez, James MacDonald, Thom Barry, Paul Rae, Richard Riehle, Bill Moseley und Gunnar Hansen. Das Drehbuch hat Adam Marcus geschrieben. Story: Eine (junge) Frau kommt zu ihren Wurzeln zurück und siehe da – Leatherface wartet mit der Motorsäge. Die Story wird als Fortsetzung von 1974 verkauft – gähn. Hier der Trailer der 3D-Verfilmung.

Ich brauche diesen Film wirklich nicht. Für mich waren die Terrorfilme von Rob Zombie die einzig würdigen Nachfolger von Tope Hoopers Werk. Haus der 1000 Leichen (2003) fand ich irre und den Nachfolger The Devil’s Rejects (2005) grausam. Auch die Halloween-Varianten fand ich durchaus gelungen. Was wäre herausgekommen, wenn ein Irrer wie Rob Zombie sich des Stoffes von The Texas Chain Saw Massacre angenommen hätte? Aber er hat wohlweislich die Finger davon gelassen und seine eigenen Filme geschaffen.

Update (15.10-2012): Auf der Comic.com im Oktober 2012 hab es ein ausführliches Interview zu Carrie, dass ich nicht vorenthalten will:

Alles Gute zum Geburtstag: Steven Spielberg wird 63. Jahre

19. Dezember 2009

Es gibt Regiegötter. Hoch im Olymp schwebt für mich Stanley Kubrick, gefolgt von Alfred Hitchcock und Ingmar Bergmann. Dann gibt es noch eine ganze Reihe von Genies. Einer feierte gestern seinen 63. Geburtstag: Steven Spielberg

Spielberg begleitet mich jetzt mein ganzes Leben lang und ich freue mich auf jedes seiner Werke. Und im Grunde hat mich Spielberg nie enttäuscht. Klar, es gibt Filme, die hätte auch ein anderer drehen können, aber es gibt eben auch klassische Steven Spielberg Filme.

Den Beginn machte bei mir die Verfilmung von Duell – der Horrorfilm mit dem Tanklaster. Der Held war ein typischer Alltagsmensch, keine Spur von Glanz. Der Film lief bei uns in der ARD im Abendprogramm und haute mich weg. Ich hatte ihn sogar auf Video 2000 von Max Grundig mitgeschnitten und kaufte mir später die Original Videokassette auch im System Video 2000.

Kommerziell ist Spielberg der erfolgreichste Regisseur, Produzent und Drehbuchautor aller Zeiten. Er galt als junger Wilder in Hollywood und dies ließ ihn das etablierte Studiosystem spüren. Jahrelang musste Spielberg um seinen Oscar kämpfen. Aber selbst Kubrick oder Hitchcock haben nie einen Oscar für die beste Regie bekommen.

Ich erinnere mich noch an die gewaltigen Bilder von „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“, an das Spiel der Gefühle bei „E.T. der Außerirdsche“. Und der Zauber wirkt heute noch. Als ich bei einer Wiederaufführung des Films die Reaktionen des Publikums beobachtete, stand fest: Spielberg beherrscht die Klaviatur der Gefühle wie kein Zweiter. Der Film aus der Sicht von Kinder gedreht ist noch immer großes Kino.

Zu Hause auf Video sah ich zum ersten Mal den Weißen Hai. Genial der Score von John Williams. Das Hai-Thema ist genial. Leider blieb es einmal aus, als Roy Scheider Fleisch ins Wasser warf und der Fisch ohne musikalisches Hai-Motiv auftauchte. Ich riss meine Kaffeetasse vom Tisch und noch heute zeugt ein Fleck im Teppich von der Intensität von Steven Spielberg.

Schön war auch die Indiana Jones Trilogie. Vor allem der letzte Kreuzung begeisterte mich, die Suche nach dem Heiligen Gral. Schönes Actionkino, wiederum mit der meisterhaften Musik von John Williams.

Großartig die Beiträge Spielbergs zum modernen SF-Film: „A.I. – Künstliche Intelligenz“ und „Minority Report“ haben mich tief beeindruckt. Der eine ist eine Verbeugung an Kubrick, der andere hat Zukunftstechniken vorweg genommen. Der Film für Saurierfans schlechthin ist einfach „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und und und – es gibt so vieles, dass wir Spielberg zu verdanken haben.

Vielleicht noch ein Film, bei dem er nur als Produzent auftrat: „Poltergeist“. Tope Hooper führte Regie, weil Spielberg neben E.T. nicht gleichzeitig nach Hollywood-Gesetzen Regie führen durfte. Doch „Poltergeist“ trägt die Handschrift des Meister und der Schlächter Hooper besaß niemals soviel Feingefühl. Hier wird perfektes Klischee von Familie dargeboten, die typische US-Vorstadtsfamilie mit ihren Problemchen mit den Nachbarn, wie die Szene mit der Fernbedienung beweist. Und „Poltergeist“ gilt heute als eines der großen Schaustücke des Effektkinos der 1980er.

Stevem Spielberg, meinen herzlichen Glückwunsch zum 63. Geburtstag.