Posts Tagged ‘ELP’

Kompletter Müll: Film und Soundtrack zu Murderrock

23. Juni 2014

murderrock

Ich bin ja als Fan vieles gewöhnt und hab auch für vieles Verständnis. Die Kombination Lucio Fulci und Keith Emerson hätte funktionieren können. Hätte, hätte, Fahrradkette – die Kombination ist absoluter Schrott, wie das Beispiel des Films und Soundtracks Murderrock zeigt.

Lucio Fulci ist ein großer Meister des italienischen Horrorfilms, eigentlich des Gorefilms oder dessen Italo-Version die Giallo. Jugendschützer hatten Schaum vor dem Mund, wenn man in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts seinen Namen nannte. Derb, billig und provokativ waren seine Filme und immer ein bisschen zu viel des Guten. Jetzt kam ich dazu, die restaurierte Fassung seines Films von 1984 anzusehen: Murderrock.

Ganz, ganz großer Mist ist der Film – im Original hieß der Streifen Uccide a passo di danza, in den USA hieß der Film Dancing Death, The Demon Is Loose oder Slashdance. Wobei Slashdance dem Thema am besten entsprach. Geprägt von dem Tanzfilm Flashdance wurde Lucio Fulci vom Produzenten eine Art Tanzfilm mit Gore-Elementen zu drehen. Das war einfach Mist.

Und für den Soundtrack eines Tanzfilms den großen Tastenzauberer Keith Emerson zu wählen, war eine vorhersehbare Fehlbesetzung. Emerson ist ein großes Talent und hat die Rockmusik mit ELP bewegt, doch Tanzmusik der 80er Jahre konnte und kann er einfach nicht. Aber Keith Emerson brauchte wohl Geld. Seine große Zeit war vorbei und er klimperte sich durch zahlreiche Soundtracks, die interessant oder absolut katastrophal waren. Murderock war einer der letzteren. Die Originalfassung des Soundtracks hatte ich noch mit 11 Tracks auf Langspielplatte und vor kurzem entdeckte ich eine erweiterte Version aus dem Jahre 1993. Das japanische Label SLC brachte die Fassung mit Archivmaterial aus dem Cinevox-Archiven heraus. Es handelt sich um Hintergrundmusik zu den Slasher-Szenen – ohne Gesang, sondern rein Keith Emerson. Wegen dieser vier Stücke mit einer Gesamtlänge von rund sieben Minuten hab ich mir das Album Murderock nochmal gekauft. Und – so ungern ich es als Fan sage: Es war ein Fehlkauf.

Hier der deutsche Trailer zum Film

Und hier ein Auftritt von Keith Emerson im italienischen Fernsehen

Musiktipp: Super Deluxe Box – Brain Salad Surgery von ELP

14. Juni 2014

Brain

Enttäuscht stelle ich als Fan fest: Es gibt nichts neues und das ist schade. Und das sage ich mit allem Respekt als Emerson, Lake & Palmer-Fan. Vor kurzem erschien zum 40. Geburtstag (eigentlich ist es der 41.) die Super Edition von Brain Salad Surgery und als ELP-Anhänger war der Kauf einer Selbstverständlichkeit.

Über die geniale Prog-Rock Musik von ELP muss ich nichts schreiben. Das Album von 1973 hat Geschichte gemacht. Ich kann sie jedem Fan moderner Rockmusik empfehlen – und wer es nicht kennt: Euch wird das Gehirn herausgeblasen. Als die Super Edition angekündigt wurde, habe ich mich innerlich auf neue Perlen vorbereitet. Aber es nix, was der Fan dieses Meilensteins des progressiven Rocks noch nicht hatte. Ok, die Aufnahmen sind besser abgemischt, aber so richtig bahnbrechendes neues Material ist wohl nach 41 Jahren nicht mehr aufzutreiben.

Der Inhalt der Super Box.

Der Inhalt der Super Box.

Bitte versteht mich nicht falsch: Die Musik ist genial und auch die Audio DVD-Abmischung ist erste Sahne – leider nicht mehr durch Steven Wilson, sondern durch Jakko Jakszyk, der sich schon um die genialen King Crimson kümmerte.

Die neue Edition bestehend aus dem remasterten Originalalbum einer zweiten CD mit Alternativversionen und fünf Bonustiteln. Zudem gibt es eine hochauflösende DVD-Audio mit einem digital optimierten High-Resolution Original Mix und eine LP sowie ein nettes Booklet und eine Film-DVD mit bekannten Material.

Sehr schön ist natürlich das Cover des unlängst verstorbenen HR Giger. Brain Salat Surgery ist sicherlich durch die beiden Giger-Bilder eines der bekanntesten LP-Covers der Geschichte geworden. Wenn einer die Musik nicht kennt, das geniale Cover hat er sicherlich schon irgendwann gesehen. Ich habe über Giger gebloggt. Leider gibt es im beiliegenden Booklet nicht neuere Infos über die Produktion des Covers und seine Entstehungsphase. Die beiden bekannten Bilder der Band mit Giger und mehr nicht – schade. Es macht zumindest Spaß das LP-Booklet wie früher wieder aufzuklappen und die Milchgesichter von ELP – vor allem Greg Lake mit Babyspeck – zu sehen.

Zurück zur Musik: Die Bonustracks sind nicht gerade wirklich neu, sondern bekanntes Material. “When The Apple Blossoms Bloom In The Windmills Of Your Mind I’ll Be Your Valentine“ und „Brain Salad Surgery“ sind bekannte Outtakes und waren bereits auf Works II veröffentlicht

2008 erschien zum 35. Geburtstag eine „Deluxe Edition” von Brain Salad Surgery und hier war eigentlich das Material bereits zu hören. Hier gab es die jetzt wieder veröffentlichten Songs „Jerusalem“, „Still … You Turn Me On“ und „Tocatta“. Ebenso „Karn Evil 9“, die auf der  „Deluxe Edition” von 2008 vertreten war. Unterschiede höre ich nicht, auch nicht beim mehrmaligen lauten Anhören, aber vielleicht hab ich etwas an den Ohren.

Wirklich neu ist der Original Backing Track von „Karn Evil 9: 3rd Impression“. Er zeigt, wie schlampig eigentlich Meister Emerson zu Werke ging. Ohne die Stimme von Greg Lake ist es ein historisches Dokument, das ich als Fan nicht kannte.

Bei den „Excerpts From Brain Salad Surgery“ handelt es sich um Soundschnipsel,, die für eine Flexidisc oder Schallfolie zusammengestellt wurden, die 1973 dem New Musical Express beilag. Ich hatte über die Folie bereits gebloggt. Nun jetzt höre ich das Material zum ersten Mal ohne Knistern in besserem Sound. Aber richtig neu ist das Zeug auch nicht.

Also für wen ist jetzt eigenlich die Super Deluxe Box mit insgesamt fünf Discs plus LP von “Brain Salad Surgery”? Sie ist wohl für den Sammler, der sich die Box ins Archiv stellt. Der Fan hat das Material bereits, dem neugierigen Neuhörer ist es wohl zu viel und zu teuer.

Brain3

Blockstöckchen – Bloggen? So mache ich das

4. August 2013

Mein Blogger-Freund Ludger Freese hat mir ein Blockstöckchen zugeworfen und ich hab es gerne angenommen. Er stellte mir ein paar Fragen, die ich hier beantworten. Viel Spaß beim Lesen.

Welcher Blogger-Typ bis du?

Als gelernter Journalist, der früher für Tageszeitungen und Fachzeitschriften tätig war, sind Blogs für mich eine klare Fortführung meiner journalistischen Arbeit. Wie kam es zu meinem Blog redaktion42.com? Ich gebe ja seit mehreren Jahren erfolgreich Seminare, unter anderem auch zum Thema Web 2.0. Dort zeige ich, wie sich die Welt verändert. Mit meinem Freund und Kollegen Thomas Gerlach saß ich vor fünf Jahren zusammen und wir kamen auch auf das Thema Blogosphäre zu sprechen. Uns war klar, dass wir nicht über Blogs referieren können, ohne wirklich dabei zu sein. Es gibt schon genügend Schwätzer, die über Sachen abstrakt philosophieren, ohne es zu praktizieren. Also – gesagt, getan. Wir beide gingen ans Bloggen. Doch was sollte der Inhalt sein? Wir beide verfolgten unterschiedliche Konzepte. Während der Kollege Gerlach zweimal die Woche zu speziellen Themen aus der Medien- und Internetbranche schreibt, versuche ich jeden Tag einen bunten Blogpost zu schreiben. Während seine Zielgruppe spitz und elitär ist, sollte mein Blog breit aufgestellt sein, er sollte vor allem Spaß machen. Daher wählte ich als Untertitel auch: Der Blog des digitalen Nomaden Matthias J. Lange. Wie ursprünglich Blog als grass-roots movement schreibe ich eine Art Tagebuch: Ich schreibe über die Dinge, die mich bewegen, die mir auffallen, die ich erfahre. Nach fünf Jahren können wir feststellen: Mein Blog ist der erfolgreichere, hat eine deutlich höhere Reichweite. Es stellt sich heraus, dass sich die User gerne mit den alltäglichen Dingen im Netz beschäftigen, sich überraschen und unterhalten lassen und da sind sie bei mir an der richtigen Adresse.

Gerätschaften digital:

Seit 1984 ist es sind Apple-Geräte. Die aktuellen sind im ganzen Haus verteilt, der Rest im Museum. Momentan sind es MacBook Pro, zwei MacBook Air, Mac Pro, iMac und mehrere Mac minis. Zudem nutze ich iPhone 5 und iPad 4 als mobile Geräte. Als professionelles Fotoequipment nutze ich Nikon D3x und Fuji X100s, im Videobereich die großen Canon- und JVC-HD-Kameras. Ein neues Hobby von mir ist die GoPro Hero3 mit einer wahnsinniger 4k-Auflösung. Und ich habe Akkus wie den tizi Kraftprotz und Ladekabel dabei, weil ohne Strom geht es nicht. Zur Unterhaltung und Entspannung darf der Kindle nicht fehlen.

Gerätschaften analog:

Mein Lieblingsfüller, den ich nur zum Unterschreiben dabei habe. führe ich so dann und wann mit mir. Aber so viele Unterschriften muss ich dann noch nicht leisten. Aber im Ernst: Die Welt ist nicht schwarz oder weiß – nicht anlaog oder digital. Meine Welt ist grau oder im besten Fall bunt.

Arbeitsweise:

Als Tageszeitungsjournalist habe ich gelernt, allzeit bereit zu sein und in jeder Situation schreiben zu können. Aber um genügend Platz für die Familie zu haben, schreibe ich in der Regel für meinen Blog am frühen Morgen oder in der späten Nacht. Ich habe keine Angst vor dem Schreiben. Ich arbeite ich an verschiedenen Blogbeiträgen gleichzeitig. Mein Ziel ist es, jeden Tag einen Blogbeitrag zu veröffentlichen. Viele Beiträge sind geplant und auf den Tag abgestimmt. Natürlich kommen tagesaktuelle Ereignisse hinzu und werfen die ganze Planung über den Haufen. Aber das macht das Ganze wieder spannend.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?

Als Blog-Plattform nutze ich WordPress, unterwegs auf der WordPress App. Texte schreibe ich in Google Drive und mehr und mehr ging ich zum Diktieren über aufgrund einer ausgeheilten Augenkrankheit. Die Textdateien sind für meine Frau freigegeben, die meine erste Kritikerin ist.

Ich nutzte früher auch Posterous als Plattform, aber dieser Dienst wurde ja eingestellt und meine Daten zu WordPress migriert. Ich versuche für meine Blogs in der Regel eigene Fotos oder Videos zu nehmen. Dazu ist für mich YouTube eine hervorragende Plattform. Mein Kanal heißt dort redaktion42. Die Bildbearbeitung erfolgt klassisch über Photoshop am Rechner oder entsprechende Tools am iPad. Die Verbreitung geschiet über Twitter, Facebook, Xing, Linkedin, Pinterest und Google+. Die Twitterfeeds werden mehrmals am Tage in unterschiedlichen Varianten wiederholt. Um Kommunikation zu fördern kommentiere ich bei meinen Freunden und erweitere so meine Reichweite.

Wo sammelst du deine Blogideen?

Meine Unterzeile des Blogs redaktion42.com lautet, das Blog des digitalen Nomaden Matthias J. Lange, ich bin ein Reisender. Ich bekomme meine Idee aus dem Web, viel aus den sozialen Netzwerken und dem RL, einige Hinweise kommen über klassische PR-Mitteilungen und vieles kommt aus Gesprächen mit echten Menschen. Wenn ich auf Reisen gehe, vergeht keine Stunde und ich habe neue Themen, aber auch ein kleiner Spaziergang reicht aus. Ich empfehle allen Bloggern die Lektüre von Sigi Sommer.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick / Shortcut fürs Bloggen / im Internet?

Augen auf – die Themen liegen auf der Straße. Ich muss sie nur aufnehmen und daher ich muss mich trainieren, die Themen zu erkennen. Und das kenne ich noch aus der Zeit als ich mit der Schreibmaschine gearbeitet habe: Der Artikel ist im Kopf komplett geschrieben, bevor ich den ersten Buchstaben in die Tastatur tippe.

Aber ich musste auch feststellen, das Schreiben für einen Blog etwas anderes ist, als Schreiben für Papier. Ich liebe es früher für meine Leser zu schreiben. Aber: Ich will nicht über SEO-Maßnahmen philosophieren, aber natürlich ist Google heute einer meiner Hauptleser. Kurz und gut: ich musste meine Scheibe ändern und zwar komplett.

Das beginnt ganz einfach mit den Überschriften. Ich beherzige hier einfach mal die Tarzan Regel der Mainpost. Die Regel besagt: wenn der Text über Tarzan geht, muss Tarzan in die Überschrift. Als Printjournalist war ich es gewohnt, blumige Überschriften zu schreiben, die den Leser neugierig machen. Als Onliner, der auch für Google schreibt, muss ich klar schreiben, um was es in dem Post geht. Jeden Tag muss ich also die Gretchenfrage stellen. Schreibe ich schöne Texte für Menschen oder schreibe ich schöne Texte, die von Google gefunden werden? Am Ende ist das Leben wie immer ein Kompromiss.

Dann musste ich lernen, verstärkt auf visuelle Elemente zu setzen: also Bilder und vor allem Videos. Ging früher im Blogpost ohne Bild online, so sollte heute mindestens ein Bild und ab und zu ein Video dabei sein. Visuelle Elemente erhöhen die Aufmerksamkeit beim User und dann wird der Text auch gelesen

Benutzt du eine To-Do-List-App?

Ich habe mich von meiner Zettelwirtschaft verabschiedet. Früher hatte ich mehrere Zettel und Blöcke auf denen ich meine Notizen machte, um nichts zu vergessen. Ich führte lange To do-Listen und kam nicht zurecht. Ich verlor den Überblick.

Seit längerem habe ich damit aufgehört und führe nur noch eine einzige Liste. Damit behalte ich die Übersicht und weise das Chaos in die Schranken. Ich nutze toodledo, gekoppelt mit der Cloud, um auf jeden Endgerät die Daten snychron zu halten. Eines musste ich trotz der Technik lernen: Pack nicht zuviel in deinen Tag. Ich habe oft meine To do-Liste zu voll gepackt, so dass ich abends enttäuscht war, dass ich mein Pensum nicht geschafft habe. Das frustrierte und machte keinen Spaß. Das Übertragen von Aufgaben auf den nächsten Tag sollte nicht unbedingt zur Tagesordnung werden.

Also ganz wichtiger Tipp: Bleiben Sie realistisch. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und daher mute ich mir nicht mehr zuviel zu. Durch diese Listen kenne ich mein Leistungspensum. Das hat mich auch gelehrt, einmal nein zu sagen, wenn von außen mehr und mehr auf mich abgeladen wurde.

Außerdem musste ich meine persönliche Art von Projektmanagement erlernen. Oft standen früher in meiner Agenda ganz große Brocken, deren Bewältigung nicht an einem Tag zu schaffen war. Hier lernte ich ein großes Projekt in viele kleine Projektchen aufzuteilen, um tägliche Erfolgserlebnisse zu haben. Also klarer Tipp: Großer Brocken in kleinere Bröckchen aufteilen und schon läuft es besser.

Ich habe bei Kollegen gefragt, wie sie ihre Listen führen, wenn sie denn überhaupt eine führen: Die Ergebnisse waren unterschiedlich: Einer nimmt ein Schmierblatt, der andere ein Notizbuch, ein anderer seinen alten Palm und ich nehme die Cloud. Egal, was man nimmt, Hauptsache man nimmt es. Schließlich räumt diese Art von Aufgabenagenda wichtigen Speicherplatz im Gehirn frei. So ist es zumindest bei mir. Was ich aufgeschrieben habe, daran muss ich nicht jede Nacht denken. Diese To do-Listen ordnen meine Gedanken und damit kann ich  mich besser strukturieren und – ganz entscheidend – besser arbeiten.

Und wissen Sie, was das Schönste ist: Wenn eine Aufgabe erledigt ist, dann streiche ich sie mit Genuss durch. Ich glaube, die Psychologie nennt es Erledigungsfreude. Das gibt Motivation und Kraft für neue Aufgaben. Denn eines ist gewiss: Aufgaben gehen nie aus.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?

Im Grunde ist das iPad und die Cloud immer dabei und im Moment spiele ich viel mit der Fuji X100s herum, so dass sie auch ist. In hab den schicke braune Lederumhängetasche, darin sind die ganzen Geräte und Kabel, Stative untergebracht.

FujiX100s

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?

Nein, ich bin zwar einmalig, aber ich bin nicht irgendwo besser als andere. Ich kann gut schreiben, aber es gibt bessere Schreiber. Ich kann gut fotografieren, aber es gibt bessere Fotografen. Ich kann gut filmen, aber es gibt bessere Filmer. Aber ich kann katastrophal singen.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?

Wenn ich im Tunnel bin, nehme ich nichts wahr. Daher kann ich grundsätzlich überall arbeiten. Aber Musik ist enorm wichtig in meinem Leben. Ich liebe Bob Dylan, Beatles, Pink Floyd, ELP, Deep Purple und King Crimson. Im Moment höre ich auch wieder sehr viel Kraftwerk und Hank Williams, Johnny Cash und Towns van Zandt. Unterschätzt ist zudem immernoch der großartige Warren Zevon. Im Klassikbereich stehe ich auf Bach, Beethoven und vor allem Richard Wagner, letzteren nur musikalisch – nicht politisch.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Lerche?

Ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit schlafen. Sag mir, wenn ich schlafen kann und ich schlafe. Aber durch ein geregeltes Familienleben gehe ich in der Regel gegen 0 Uhr ins Bett und stehe um 6 Uhr wieder auf. Als Freiberufler gönne ich mir dann und wann einen Mittagsschlaf und das ist für mich total erholsam. Also weder Eule von Lerche.

Eher introvertiert oder extrovertiert?

Extrovertiert – keine Frage. Liegt vielleicht auch an meinen roten Schuhen. Aber als Journalist habe ich gelernt, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Das ist als Blogger schon schwieriger. Und was ich auch lernen musste, ist die Personalisierung. Waren die Texte zunächst klassisch journalistisch geschrieben, wandelte sich die Sprache im Laufe der Zeit. Während es im klassischen Journalismus eine absolute Trennung der journalistischen Darstellungsformen gibt (zumindest in der Theorie), vermischt sich in meinem Blog die berichtende und kommentierende Form. Viele meiner Artikel enthalten heute eine klare Meinung von mir.

Diese Personalisierung spiegelt sich auch im Layout des Blogs wider. Hatte ich als Hauptbild früher ein nettes Foto von der GC aus Leipzig, wechselte ich es durch einen Porträtbild von mir aus. Und siehe da, die Zugriffszahlen und die Interaktion, sprich die Kommentare, stiegen. Wenn ich heute auf Veranstaltungen gehe, erkennen mich so manche Besucher. Das beste Beispiel war die re:publica dieses Jahr in Berlin. Als Journalist früher konnte ich unerkannt Veranstaltungen besuchen – das ist durch meinen Blog heute vorbei. Damit klar extrovertiert.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?

Thomas Gerlach

Monika E. König

Franz Neumeier

Der beste Rat, den du je bekommen hast?

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Kant

kant

Noch irgendwas Wichtiges?

“Macht’s gut und danke für den Fisch” Douglas Adams

Schallfolie von ELP: Brain Salad Surgery

18. November 2012
Das Giger-Cover und die Schallfolie.

Das Giger-Cover und die Schallfolie.

Beim vierten Album von Emerson, Lake & Palmer mit dem Namen Brain Salad Surgery trafen Giganten aufeinander: Musikalisch waren ELP auf dem Zenit ihres Schaffens angekommen und sie baten den Schweizer Künstler H.R. Giger um die Gestaltung des Covers. Giger ist der breiten Masse durch das Alien-Monster bekannt.

Jetzt entdeckte ich in meiner Single-Sammlung eine Rarität aus dem Jahre 1973. Es handelt sich um eine Schallfolie, die von der britischen Musikzeitschrift New Musical Express herausgegeben wurde. Ich denke, es ist ein Geschenk an die Leser gewesen, genaues weiß ich aber nicht. Die Schallfolie ist eine dünne Folie, die auf eine Single gelegt wurden musste. Allerdings wurde sie anders als die normale Single nicht mit 45 Umdrehungen pro Minute abgespielt, sondern mit 33.5.

Bei den Aufnahmen handelt es sich um einen Querschnitt des damals neuen ELP-Albums Brain Salad Surgery. Der Titel stammt übrigens nicht wie viele vermuteten von Pete Sinfield sondern aus dem Lied „Right Place, Wrong Time“ des genialen Voodoo-Sängers Dr. John.

Die Soundqualität der Schallfolie ist schauderhaft, vor allem nach heutigen Maßstäben gemessen. Aber die Idee hat mir gefallen. Es war lange vor aufgeklebter Heft-CD oder passwortgeschütztem Download-Bereich eine nette und preiswerte Art der Kundenbindung. Das Label war übrigens Manticore. Das war das eigene Label der drei Musiker, das zu Brain Salad Surgery gegründet wurde. Alle künftigen und auch die vorigen ELP-Platten erschienen dann bei Manticore.

Die Schallfolie war in ein schönes Cover gelegt. Es handelt sich um eine verkleinerte Kopie des Plattencovers der damaligen Zeit. Zwei Bilder von H.R. Giger sind darauf zu sehen. In den späteren Ausgaben der Schallplatte zierten die Fotos die Vorder- und Rückseite der Schallplatte. In der ersten Ausgabe war es noch ein Klappcover, eben wie diese Single. Die Rückseite war violett mit dem Schriftzug Brain Salad Surgery.

Das aufgeklappte Cover.

Das aufgeklappte Cover.

Ohrenschmaus bei zwei ELP-Frühwerken

1. Oktober 2012

Auch alte Musiker müssen von etwas leben und so werden erfolgreiche Alben immer wieder neu aufgelegt. So auch im Falle einer meiner Lieblingsbands Emerson, Lake & Palmer (ELP). Nach allen regulären Alben, vielen offiziellen und inoffiziellen Bootlegs habe ich wieder zwei neuaufgelegte Klassiker der Dinosaurier des Progrocks erstanden: Das erste Album Emerson,Lake & Palmer und das nachfolgende Bombastwerk Tarkus von 1971. Über die Musik brauche ich wohl nichts sagen: Fans wissen sowieso Bescheid und den Ignoranten fallen beim Hören dieser wunderbaren Mischung zwischen Rock, Klassik und Jazz wahrscheinlich die Ohren ab. Hier wurde Musikgeschichte geschrieben.

Beide Veröffentlichungen liegen als dreifach Deluxe Box vor. Es gibt zum einen das Originalalbum, das ich natürlich schon lange als verschiedene LPs und einer CD-Version im Schrank habe. Dann gibt es einen 2012 Stereo-Mix und eine DVD mit 5.1 Mix. Dazu gibt es je ein nettes Booklet mit zahlreichen Bildmaterial – einiges war mir als Fan durchaus neu. Die Texte sind keine Offenbarung, erwarte ich aber nicht. Sie beinhalten harmlose Insidergeschichten aus der Frühphase der Kapelle. Ich habe die Boxen vor allem wegen der neuen Mehrkanalabmischung gekauft.

Diese neuen Abmischungen von Steven Wilson (Porcupine Tree) haben den angestaubten Werken von Andy Pearce wirklich gut getan. Sony hat im Großen und Ganzen gute Arbeit geleistet. Allerdings: Ich entdecke Töne, die ich beim Hören meiner LP nicht vernommen habe, wie bei Tarkus „The Three Fates“. Ich muss mich wohl an die neuen Versionen gewöhnen, viele Sachen sind bisher noch nie erschienen und liegen als Alternativversion vor. Aber natürlich gilt immer: Die Verschmelzung von verschiedenen Musikstilen ist hier gelungen. ELP war der Anfang, der Durchbruch kam dann mit der ersten LP-Seite von Tarkus. Kleine Kritiken an den Boxen schmälern nicht den Status der Band und Wichtigkeit der beiden Alben für die Rockmusik.

Der neue Sound ist nun glasklar und vor allem beim Hören über Kopfhörer erwischt einem die volle Wucht der Kompositionen. Orgel, Piano und Analogsynthesizer von Meister Keith Emerson sind aggressiv, Bass und Gitarren von Greg Lake kommen klarer, der jugendliche Gesang ist voller – aber was vor allem reinhaut sind die Drums von Carl Palmer. Die Musiker beherrschen ihre Instrumente und die Spielfreude der Engländer ist wahnsinn. Klar, gekünstelt wie es Progrock war, aber handgemacht und unglaublich innovativ. Das ist progressive Rockmusik wie sie sein sollte. Nur Robert Fripp mit King Crimson ging noch darüber hinaus. Aber diesen Streit, will ich hier nicht führen. Und ich hoffe auch, dass ELP Geschichte bleiben, denn die 2010-Aufnahmen aus London, waren nur wirklich was für absolute Fans.

ELP wollen nicht mehr – und das ist gut so

6. Dezember 2011

Eine Supergroup meiner Jugend wird wohl nicht mehr zusammen auftreten: Emerson, Lake & Palmer (ELP) haben sich wohl endgültig getrennt – und wenn ich ehrlich bin: Gut so, denn die Luft war irgendwie raus.

ELP waren für mich beim ersten Hören eine Offenbarung. Ich lauschte sie zum ersten Mal im Musikunterricht an der Schule. Unser progressiver Musiklehrer brachte uns Programmmusik näher und da hörte ich erstmals die Bilder einer Ausstellung von Mussorgski in der Interpretation von ELP: Pictures at an Exhibition. Da war es um mich geschehen. Der Sound haute mich vom Hocker. Eine Engelsstimme von Greg Lake, Powerdrums von Carl Palmer und die Keyboard-Orgien von Keith Emerson. Ich kaufte die Schallplatten des Trios. Ich lernte sogar Gitarre und versuchte mich an den Läufen von The Sage von Greg Lake.

Für mich waren die besten Scheiben Tarkus, Brain Salad Surgery und das 3er Live-Album Welcome Back My Friends to the Show That Never End. Von Brain kaufte ich mir sogar einen Original Giger. Die anderen ELP-Alben waren ok, aber nicht unbedingt richtungsweisend. Interessant waren die zahlreichen Bootlegs der Band. Die Zeit des Art-Rocks brachte hervorragendes Material von Genesis, Yes und von Pink Floyd.

Im neuen Jahrtausend war es ruhiger um ELP geworden. Ich wollte eigentlich zum Londoner High Voltage Rock Festival 2010 fliegen, als ELP seinen Auftritt zum 40. Bandjubiläum hatte. Aber irgendwie schaffte es nicht. Ich kaufte mir später die Aufnahme über Kanäle aus London und war schlichtweg enttäuscht. Engelchen Lake kann nicht mehr singen, Palmer ist müde (lag auch an einem Auftritt, den er mit Asia davor hatte) und nur noch Emerson hatte noch ein paar Glanzpunkte. In Youtube kursieren Videos von dem Auftritt und ich entdeckte auch eine Blu ray mit dem 40th Anniversary Reunion Concert.

Vorsicht: Es ist wirklich nur was für Hardcore-Fans. Wer ELP nicht kennt, schaut euch die Sache nicht an. Es gibt geile Aufnahmen bei YouTube, aber das ist nur noch was für alte Männer wie mich, die sehsüchtig an alte Zeiten zurückdenken.

ELP sind wieder da

13. November 2009
ELP sind wieder da
Durch Zufall bin ich auf eine für mich schöne Nachricht gestoßen: Emerson, Lake & Palmer sind wieder vereint. Damit ist eine Band meiner Jugend wieder live zu sehen und wenn sich die elenden Streithähne Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer wieder vertragen, kommt sicherlich auch eine CD und DVD. Die Soloprojekte der Herren waren nicht so doll und so ist es nun an der Zeit mal wieder Geld zu verdienen. Es müssen Leute wie mich gemolken werden, die immer noch am Art-Rock-Tropf hängen.
Die alten Herren spielen am 25. Juli 2010 als Headliner des „High Voltage Festival“, eines neuen Klassikrock-Events in London. Die neue Website der Band sagt noch nichts aus. Auf der Website ist außer einem Nachruf auf den ersten Manager der Band Dee Anthony noch nichts zu finden. Anthony starb im Alter von 83. Jahren und verhalf vielen Musiker zum Durchbruch, darunter Joe Cocker, Jethro Tull oder Ten Years After und Traffic.
ELP waren mit ihrem Bombastrock für mich die Größten. Genesis waren wegweisend, Yes virtuos, doch ELP machten richtig den dicken Maxe. Nur noch King Crimson um Robert Fripp waren noch einen Tick besser und elitärer. Doch nach und nach lief der Rockdino sich tot. Der Punk versetzte der Band den Todesstoß. Dann begann die Leichenfledderei. So genannte offizielle Bootlegs wurden veröffentlicht, seltsame Live-Platten kamen in den Umlauf und wer hinhörte, musste (leider) feststellen: Goldkelchen Greg Lake hat Probleme mit der Stimme. Sei es drum. Ich bin gespannt, was ELP wieder bringen: 40 Jahre nach dem Kanonenknall des Isle of Wight-Festivals will es die Altmännerband noch mal wissen.

„Sound“ schließt zum Jahresende

23. Dezember 2008

Der Schallplattenladen meiner Jugend schließt zum Jahresende. Meine Frau hat mir eben aus der Lokalzeitung vom Münchner Merkur vorgelesen, dass der SoundMusic Store in Fürstenfeldbruck zum Jahresende schließen wird. Inhaber Rudi „Sound“ Hasmiller packt CDs und LPs zusammen und schließt nach 33 Jahren sein Geschäft. Schade, aber konsequent. Das Geschäft bestand seit 1976.

Für meine Heimatstadt war der Rudi immer eine Institution in Sachen Rockmusik. Als junger Mensch verbrachte ich grundsätzlich den Samstag Vormittag im Geschäft von Rudi in der Ledererstraße. Ich hörte Platten, später CDs und habe auch immer einen Kaufabschluss getätigt. Mit dem Fahrrad bin ich immer unterwegs gewesen, immer bedacht, dass Plattencover nicht in die Speichen des Radls zu bekommen. Meinen Freund Roland ist dies mal passiert. Das Cover zerriss, die Schallplatte im Inneren zerbrach, als es Roland der Länge nach hinstreckte. Kulanz von Rudi: Er tauschte die kaputte Platte anstandslos um. Dies war das beste Kundenbindungsprogramm des Jahres. In Windeseile sprach sich diese Tat unter uns Jugendlichen herum und Rudi war unser Held. Der zweite Schallplattenladen, „die Schallplatte“, wurde künftig von uns links liegen gelassen. Wir gingen alle zum Rudi Sound.

Die Schaufenster des Ladens mit großen Plakaten verklebt, im Inneren lief meist schwerer Hardrock der 70er: Deep Purple, Rainbow, Whitesnake. Rudi war ein Experte und gab klare Empfehlungen. Man konnte die ausgewählte Musik über verschiedene Kopfhörer anhören und anschließend mit Musikexperten im Raum philosophieren.

Ich erinnere mich, dass ich aus London einmal eine Schallplatte von Emerson, Lake & Powell mitbrachte. Es war eine Nachfolgeformation von Emerson, Lake & Palmer, nur eben Carl Palmer wurde durch Cozy Powell ausgetauscht. Diese Platte war in Deutschland nicht erschienen, warum weiß ich nicht. Rudi war von der Information begeistert und ich sollte sie mitbringen. Wir hören sie den ganzen Vormittag in seinem Laden und er bestellte sie über einen Schallplattenimport, nur dass er sie auch im Laden führen konnte. Cool. Ich glaube, die Schallplatte steht bei ihm heute noch im Regal zum Verkauf.