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Sammelleidenschaft: Schneekugeln – Welten unter Glas und Schnee

1. Mai 2012
Sammelleidenschaft Schneekugeln

Sammelleidenschaft Schneekugeln

Was haben Goethes Gartenhaus, der Eiffelturm und die Freiheitsstatue gemeinsam? Sie gibt es alle unter Glas in künstlichem Schnee. Und sie finden sich alle gemeinsam in einem Regal einer Bekannten wieder. Ich kenne viele Sammler mit ihren Sammelleidenschaften, wie beispielsweise Hähne – ich selbst sammle zum Beispiel Roboter, aber seit kurzem kenne ich eine Sammlerin von Schneekugeln.

Kitsch, platzfressend und eigentlich völlig unbrauchbar sind sie – die kleinen Welten hinter (Plastik-)Glas. Wenn man die kleinen Welten schüttelt, wirbelt künstlicher Schnee auf, der sich langsam über die Landschaft oder Figur absetzt. Als Kind haben mir Schneekugeln immer gefallen, entführten sie mich doch in eine andere Welt. Heute sind sie vielleicht höchstens noch eine Erinnerung an einen Reiseort, ein sperriges Souvenir, das nach der Rückkehr im Wohnzimmer herumgeschoben wird, bis es in den Keller oder den Müll wandert.

Aber für meine Bekannte sind Schneekugeln sicher mehr. Sie steht in einer Reihe mit dem deutschen Literaturkritiker und Philosophen Walter Benjamin, der als berühmtester Sammler von Schneekugeln gilt. Meine Bekannte erzählt mit leuchtenden Augen von ihrer Sammlung. Sie greift jede einzelne Kugel heraus, die im Laufe der Jahre der Sammelleidenschaft schon das Wasser verloren haben, und erzählt ihre Geschichte. Aber so muss sie gestehen, gerade die klassischen Touristenattraktionen würden undicht, je länger sie im Sammlerregal stehen. Die handgefertigten Glaskugeln halten aber das Wasser seit Jahren und sind trotz ihren hohen Alters noch schön anzusehen. Handwerk gilt es eben nicht nur Industrieware zu ersetzen.

Die Motive sind in erster Linie Städte und Landschaften, aber ab und zu mischen sich auch historische Persönlichkeiten darunter. Wir haben da natürlich das Münchner Hofbräu-Haus unter Schnee, das Schwarzwaldhaus unter Schnee, das Colosseum unter Schnee, das Brandenburger Tor (mit und ohne Mauer) unter Schnee und vieles mehr an Touristennepp aus Städten wie Amsterdam, New Orleans und Sehenswürdigkeiten wie das Empire State Building, das Atomium, Windmühlen. Sehr schön ist aber auch Johannes Paul II unter Glas. Gleichzeitig kann man bei ihm ein Datum einstellen und ihn als Geldsparbüchse gebrauchen. Interessant finde ich die Märchenkugeln. Hier gibt es Szenen aus den Grimms Märchen, wie Hänsel und Gretel oder das tapfere Schneiderlein. Die hätte ich als Kind bestimmt geliebt.

Johannes Paul II hinter Glas

Johannes Paul II hinter Glas

Die beiden Lieblingsschneekugeln der Sammlerin sollen dabei nicht unerwähnt bleiben. Da wäre zum einen der kalifornische Schneemann. In seiner Schneekugel befinden sich nur noch Zylinder und Karottennase – der Schneemann selbst ist in der Sonne Kaliforniens geschmolzen. Die persönlichste Erinnerung ist eine Schneekugel aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Redaktion der Finanzzeitschrift Capital hat für die ausscheidende Kollegin extra eine Schneekugel angefertigt – ein Unikat. In den achtziger Jahren gab es noch keine Bausätze von Schneekugeln aus dem Internet oder Fotofachhandel.

Der geschmolzene Schneemann

Der geschmolzene Schneemann

Gründe für die Sammelleidenschaft gibt es bei meiner Bekannten viele. Den wichtigsten Grund nannte sie nebenbei. Ein Sammlerregal mit den Schätzen steht direkt an ihrer Eingangstür. „Bei Besuch haben wir gleich immer ein Thema zu sprechen.“ Recht hat sie.

Ein Unikat von der Capital-Redaktion

Ein Unikat von der Capital-Redaktion

Gesucht wird: Red Kamera

8. Januar 2011

Wer im Filmgeschäft den Namen Red hört, gerät in ähnliche Verzückungen wie Fotofreunde einst beim roten Punkt von Leica. Die Filmkamera Red ist ein Mysterium. Ganz ohne Werbung und klassischem Marketing wurde die Red zu einer Wunderkamera. Ich erinnere mich an eine IBC in Amsterdam bei der am Red-Stand nur ein rotes Zelt aufgebaut war und alle Hersteller in das Zelt pilgerten, um die ersten Vorabgeräte zu bewundern.
Sie versprach eine wahnsinnige Qualität des Filmmaterials, so dass die etablierten Kamerahersteller wie Arri oder Sony nervös wurden. Die Ergebnisse waren hervorragend. Die Produktion lief reibungslos, die Postproduktion hakte ein wenig. Die entsprechenden Post-Tools wurden schließlich von den Herstellern nachgereicht und alles läuft wie am Schnürchen.
Virales Marketing gehört beim Geschäftsmodell von Red zum Prinzip. So bin ich mir im Moment nicht sicher, ob Zufall oder nicht, als ich von einem Vorfall in Frankreich hörte.
Die Kinokamera Red Epic M mit der Produktionsnummer 6 wurde gestohlen. Kostenpunkt 58.000 US-Dollar.
Red verhandelt nicht mit Dieben und hat öffentlich eine Summe von 100.000 US-Dollar ausgesetzt, die beim Ergreifen des Täters und Heimkehr der Kamera ausgesetzt werden. Marketingtrick oder wirkliches Verbrechen?
Es könnte sich um eine dreisten Fall von Industriespionage handeln, denn die Epic-M ist der Traum eines jeden Filmemachers. Laut Red kann die Kamera Filme bis zu 120 Frames pro Sekunde in den Auflösungen 720p und 1.080p und mit den Formaten 2 K, 3 K, 4 K 4,5 K und bis zu 5K in einem Rohdatenformat aufnehmen. Also alles, was das Herz begehrt. Gespeichert wird auf Standardspeicher CompactFlash oder SD-Karte

Von Menschen und Mäusen: Hotels in Amsterdam

16. September 2008

Ich bin eigentlich ein ausgeglichener Mensch, doch über gewaltige Abzocke rege ich mich sehr auf. Dies ist soeben geschehen in Amsterdam. Dort war ich zur Berichterstattung über die wichtigste europäische Broadcast-Messe IBC. Es ist die größte Messe in Amsterdam und daher sind die Hotels der Stadt komplett ausgebucht. Im vergangenen Jahr hatte ich eine Anreise von 60 Kilometer zur Messe. Dieses Jahr sollte es besser sein: Wir hatten ein Hotel im Zentrum der Stadt. Der Schuppen heißt The Quentin und ist in der Leidsekade 89. An alle: Meidet dieses Hotel. Es ist der Horror! Nachdem man erst seine Zimmer gegen 14 Uhr beziehen kann, kam ich erst nachts am Hotel an, weil ich ja auf der Messe arbeiten musste. Erster Eindruck: Eine steile, extrem steile Treppe führt zum Hotel hoch. Wer sein Gewicht verliert, saust die Steintreppen herab und verletzt sich. Das Ding ist echt gefährlich. In der Lobby angekommen ist ein ganz entspannter Rezeptionist. Von einem Concierge zu sprechen, wäre absolut übertrieben. Man muss im Voraus bezahlen. Kreditkartenzahler müssen 5 Prozent mehr berappen. So holen sich die Betreiber die Gebühren direkt vom Kunden wieder. Zwei Nächte kosten 250 Euro (500 Mark!). Ich wohne im vierten Stock und ich bin schockiert. Ich habe ein Dreibett-Zimmer, alles ist verkommen und heruntergewohnt. Es raschelt die ganze Zeit im Schrank, aber ich traue mich nicht die Schranktüre zu öffnen. Auf dem Weg zu meinem Zimmer gehe ich durch aufgebrochene Türen. Türgriffe sind abmontiert oder hängen herab. Fluchtwege an anderen Türen sind dafür abgeschlossen. Natürlich habe ich keine Handtücher und ich frage an der Rezeption nach. Widerwillig bringt mir der entspannte Kerl welche. Sie muffeln, ekelig. Er sagt, die Putzfrau sei gestorben. Wers glaubt! Aber am nächsten Tag sollte ich erfahren, dass ich ein glücklicher Gast bin. Einer meiner Kollegen ist im Keller untergebracht. Sein Zimmer ist klein und total versifft. Auf der Matratze gibt es große Flecken. Wasserflecken sind überall am Boden, Brandlöcher auch. Ein anderer Kollege schläft in der Besenkammer. Ein extrem kleines Zimmer, das Bett ist in die Fensterbank gebaut. Große Leute haben dort keinen Platz zum Schlafen.

 Die Dusche am nächsten Morgen tröpfelt nur, kaum ein konstanter Wasserstrahl. Ideal also für einen anstrengenden Messetag. Als wir am nächsten Tag nach der Messe ins Hotel kommen, stellen wir fest: Das Zimmer eines Kollegen wurde vergeben. Mit der Reservierung sei etwas schief gelaufen, Sein Gepäck wurde in einen Müllsack gepackt und bei der Rezeption abgegeben. Natürlich sind die Kosmetik wie Duschgel ausgelaufen und haben Teile der Klamotten versaut. Wir protestieren. Ein Student, Mitte 40 (!) hinter der Rezeption ist hilflos, telefoniert immer wieder mit seiner Managerin. Eigentlich sei das Hotel ausgebucht. Nachdem wir lauter wurden, fand sich noch ein Loch zum Schlafen in dem Hotel. Betten mussten wir selbst beziehen. Einen Rabatt oder ein Wort der Entschuldigung gab es nicht.

Der Hammer kam noch: Als wir mit dem Menschen hinter den Tresen diskutierten, huschte eine Maus durch die Lobby. Ja, es gebe schon Mäuse, aber nur im Keller und Parterre. Die Nacht verbrachte ich halb wach in meinem Bett.

Also Leute: Meidet das The Quentin  in der Leidsekade 89 in Amsterdam. Betrinkt euch und schlaft in der Ausnüchterungszelle oder täuscht eine Verletzung vor und geht ins Krankenhaus, aber schlaft nicht in diesem Horrorhaus. 

Europa, find ich gut

12. September 2008

Ich will hier kein Plädoyer für die EU schreiben, doch ich find es prima, dass Europa immer weiter zusammenwächst. Es hat für mich ganz banale Gründe. Ich bin beruflich sehr viel unterwegs und komm auch in Europa ganz gut rum. Was war das früher für ein Zirkus? Ausländische Währung bei der Bank bestellen und umtauschen. Ich erinnere mich noch gut an meine Jugend. Im August stand immer der Italienurlaub mit meinen Eltern auf dem Programm: Gardasee, Camping Lido. Und was war das für ein Aufwand? Meine Eltern mussten die Gebühren auf dem Campingplatz mit mehreren Euroschecks berappen. Kreditkarten gab es damals nicht, bzw. das hatten nur die besseren Leute. Zum Telefonieren gab es spezielle Münzen, die Gettoni. Das war vor der Erfindung des Handys. Wer in Italien tanken wollte, für den gab es noch Benzingutscheine. Ich erinnere mich, dass 1000 Lire damals 2,50 Mark wert waren. Dies entsprach meiner persönlichen Währungseinheit: Ein Yps-Heft, das auch 2,50 Mark kostete. Allerdings hatte Italien eine erhebliche Inflation und ich glaub 1000 Lire waren dann noch 1,50 Mark wert, Tendenz sinkend. Also deswegen find ich Europa gut. Ich will keine Diskussion um Eurozone, Waren- und Dienstleistungsverkehr oder nichtvorhandene europäische Außenpolitik. Der Euro ist ne gute Sache und ich pack gleich meine Koffer. Heute geht es nach Amsterdam zur IBC und dann nach Paris. Geldtauschen brauch ich nicht.