Archive for the ‘Medien’ Category

Wenn die KI Halluzinationen hat

15. Februar 2024

Ich beschäftige mich gerade damit, wie vertrauensvoll eigentlich die Ergebnisse von KI sind. Ich bereite dazu ein Online-Seminar vor. Wir wissen alle, dass ChatGPT und Co falsche Aussagen liefern können und es gibt genügend Beispiele, wie folgenreich waren. Wir erinnern uns: Im Frühjahr 2023 sanktionierte ein US-Richter eine US-Anwaltskanzlei, weil sie in einem Schriftsatz, den ein Chatbot verfasst hatte, Rechtsgutachten mit gefälschten Zitaten zitiert hatte.

Und dennoch setzte ich in meiner täglichen Arbeit Werkzeuge wie ChatGPT ein, prüfe aber die Ergebnisse gewissenhaft. Fast schon ein wenig psychedelisch nennen die Experten diese Fehler dann auch Halluzinationen.

Aber wie lassen sich diese Halluzinationen eindämmern, vor allem wenn sie im beruflichen Umfeld genutzt werden? In Unternehmen, die Chatbots für Kunden und Mitarbeiter einsetzen, kann nur eine einzige KI-Erfindung Unternehmen vor Gericht bringen und den Ruf ruinieren.

Mit der wachsenden Zahl von KI-gestützten Chatbots steigen also die Risiken, dass diese nicht wie gewünscht funktionieren. Unsinnige oder ungenaue Ausgaben oder Antworten, die nicht aus den Large Language Modells (LLMs) herausgefiltert werden können, verbleiben in dem Daten-Pool der Chatbots und versauen die Antworten.

Schlechte Trainingsdateien
Halluzinationen treten auf, wenn die Daten, die zum Trainieren von LLMs verwendet werden, von schlechter Qualität oder unvollständig sind. Die Häufigkeit liegt bei den meisten KI-Plattformen zwischen 3 % und 8 %. Bei Customer-Service-Chatbots kann die Bereitstellung falscher Ratschläge oder Informationen wichtige Ziele wie die Kundenzufriedenheit negativ beeinflussen. Sie können auch in hochkomplexen (und regulierten) Sektoren wie dem Gesundheitswesen oder dem Finanzwesen zu Verwirrung und Schaden führen.

Folgenreich
In IT-Organisationen richten KI-Pannen auch auf andere Weise verheerende Schäden an. Chatbots können Service-Tickets falsch zuweisen, ein Problem ungenau beschreiben oder Arbeitsabläufe stören und zu erheblichen systemischen Problemen führen.
Für Ingenieure kann ein KI-generierter Code, der in der Softwareentwicklung verwendet wird, Sicherheitslücken oder geistiges Eigentum enthalten, das während des Trainings aufgenommen wurde. KI-Systeme können auch komplexe Fehler oder Sicherheitsprobleme übersehen, die nur ein Entwickler erkennen und beheben würde.

Was ist zu tun?
Also was ist zu tun, um die Risiken zu minimieren?
Inhaltsfilter: Eine Vielzahl von technischen oder richtlinienbasierten Leitplanken kann vor unangemessenen oder schädlichen Inhalten schützen. Beispielsweise können Inhaltsfilter die Beantwortung von Fragen zu sensiblen Problemen oder Themen ablehnen. Beim Customer-Service sollte ein Chatbot eine Anfrage schnell an einen menschlichen Mitarbeiter übergeben, wenn er verwirrt ist oder nicht in der Lage ist, die genaue Antwort zu finden.
Besser Datenqualität: Bei der Schulung von LLMs sollten IT-Teams die Daten validieren, um sicherzustellen, dass sie qualitativ hochwertig, relevant und umfassend sind. Trainingsdaten sollten regelmäßig überprüft werden, um sich vor „Modelldrift“ oder Leistungseinbußen zu schützen, die aufgrund von Änderungen des zugrunde liegenden Datenmodells im Laufe der Zeit auftreten.
Leitplanken: Durch die Einschränkung der Fähigkeit der Chatbots, sich mit Apps und Diensten von Drittanbietern zu verbinden, wird die Möglichkeit vermieden, irreführende, ungenaue oder potenziell schädliche Daten zu generieren. Nebeneffekte des Sandboxings des Chatbots auf diese Weise sind eine bessere Leistung (weniger Abhängigkeiten) und eine verbesserte Compliance für die Branchen, in denen dies unerlässlich ist.

Forschung arbeitet an Lösungen
Halluzinationen mögen heute ein Problem sein, aber die Forschung ist im Gange, das Problem zu lösen. In dem Bemühen, sowohl die Genauigkeit als auch die Zuverlässigkeit zu verbessern, wird alles untersucht, von der Erstellung größerer Modelle bis hin zur Selbstdurchführung der Faktenprüfung durch LLMs.
Und erste Schritt werden unternommen. Das von CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit unterstützte Startup QuantPi wird mit 2,5 Millionen Euro vom European Innovation Council (EIC) gefördert. Das Geld soll für den Aufbau einer Plattform für vertrauenswürdige generative Künstliche Intelligenz (KI) verwendet werden.

Diese Förderung unterstützt QuantPi bei seiner Pionierarbeit für die sichere Nutzung generativer KI. Das Startup arbeitet daran, der Gesellschaft ein sicheres und selbstbestimmtes Leben mit Künstlicher Intelligenz zu ermöglichen. Die Fördersumme will das Unternehmen dafür einsetzen, die aktuelle auf KI basierende Testtechnologie weiterzuentwickeln, um somit die erste automatisierte Risikomanagement-Plattform aufzubauen, die Sicherheit, Fairness und Erklärbarkeit generativer KI-Systeme ermöglicht.
Die Technologie von QuantPi bietet Anbietern generativer KI-Systeme die Chance, höchste ethische Standards auf ihre Produkte anzuwenden. Firmen, die GenAI-Tools kaufen möchten, können mit Hilfe der Plattform Risikobewertungsprozesse während der Beschaffung automatisieren – zum Schutz ihrer Kunden und zur Sicherstellung, dass lediglich hochwertige KI gekauft wird. Zudem wird geprüft, ob die KI-Systeme den strengen Tests zur Einhaltung von EU-Standards standhalten können.

Der CEO von QuantPi, Philipp Adamidis, äußerte sich begeistert über die Förderung und erklärte: „Dies ist ein Beweis für die harte Arbeit und das Engagement des gesamten QuantPi-Teams. Wir freuen uns, dass wir diese Mittel nutzen können, um den sicheren und verantwortungsvollen Einsatz von KI zu gewährleisten, ohne dabei den Fortschritt zu bremsen. Die Förderung beschleunigt nicht nur unsere Forschungs- und Entwicklungsbemühungen, sondern unterstützt auch unser Engagement, einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.“

Retrokonsole: Games Boy Advanced SP mit IPS-Display

14. Februar 2024

Als bekennender Retrogamer spiele ich meine alten Spiegel auch gerne unterwegs. Meine liebste mobile Konsole ist die Sony Playstation portable PSP, gefolgt von Batteriefresser Atari Lynx und ich habe meinen Games Boy Advanced SP für „Special“ wiederentdeckt. Was habe ich 2002 mit diesem Nintendo-Zockergerät gespielt.

Nachdem das neue Pixel Buch zum GBA erschienen ist, habe ich meinen roten Game Boy Advanced wieder flott gemacht. Aber ich habe mein Sammlung um einen GBA mit IPS-Monitor erweitert. Warum? Vielleicht weil meine Augen für den alten LCD zu schwach sind oder weil ich mich bei dem höllisch schweren Jagd auf Roter Oktober immer gegen die Klippen gesteuert bin, weil der Kontrast des LCD zu schwach war.

IPS steht für die englische Abkürzung In-Plane Switching und bezieht sich auf eine Bildschirmtechnologie der LCD Bildschirme. Mit dem Begriff IPS wird generell die spezielle Ausrichtung der Flüssigkristalle innerhalb des LCD Bildschirms bezeichnet.

Also beschloss ich bei Konsolenkost zu investieren und einen GBA mit IPS zu erwerben. Das Bild ist wie Tag und Nacht und ich ärgere mich, dass ich diesen Schritt nicht schon längst gemacht habe. Ja, der Purist wird sagen, dass dadurch die Retrokonsole ihren Charme der alten Zeit verliert. Mag sein, aber wenn ich nichts sehe, dann ist mir der Charme egal. Vor allem wenn ich mit meinem alten GBA bei Sonne im Zug unterwegs war, konnte ich garantiert sicher sein, gegen eine Klippe bei Roter Oktober zu steuern. Jetzt kommt noch das Link-Kabel und ich kann mit K1 gemeinsam zocken, wobei ich wahrscheinlich den alten LCD-GBA nehmen muss. Egal, Hauptsache wir spielen zusammen.

Supermodus in Amazon Echo „Alexa“ aktivieren

27. Januar 2024

Es ist natürlich ein Quatsch, aber ich mag solche Ostereier in Technik gerne. In einem Amazon Echo-Forum habe ich von einem Easteregg gelesen bei den Echo-Systemen gelesen, das ich natürlich ausprobieren musste.

Die Aufforderung an Alexa „Wie macht der Fuchs?“ Ist schon etwas älter. Wer es noch nicht kennt, lasst euch überraschen.
Aber jetzt meine neue Fundstelle aus dem Netz. Es lässt sich der Alexa Supermodus aktivieren. Ist natürlich ebenso sinnbefreit, aber ich finde des trotzdem lustig. Der Amazon Supermodus wird bei den Amazon Echo Systemen Alexa durch folgenden Code aktiviert. „Alexa, hoch, hoch, runter, runter, links, rechts, links, rechts, B, A, Start“.

Die Antwort des Systems lautet dann: „Super-Alexa-Modus wird aktiviert! Hihi! Zehn Extra-Leben addiert. Speed Level 3 freigeschaltet. Alle Power-ups verfügbar. Fehlfunktion. Power-ups haben keine Power. Abbruch …“.

Das bringt die Welt natürlich nicht weiter und ist eine sinnbefreite Anwendung des Sprachassistenten. Aber ein bisschen Quatsch gehört zum Leben. Hier das Video:

Künstliche Intelligenz KI im Verkaufseinsatz

17. Januar 2024

Mindestens einmal im Monat darf ich Online- oder Präsenzseminare zum Thema Künstliche Intelligenz für Verbraucher halten. Die Entwicklungen in diesem Bereich sind rasant und im Grunde gibt es Woche für Woche Neuigkeiten zu berichten. Daher auch mein kostenloser wöchentlicher Newsletter.

Jetzt bekam ich einen Kommentar von Freshworks auf den Tisch, die mir wieder bewusst machen, wie weit der Handel mit dem Thema KI in der Praxis ist. Wir sprechen dabei nicht von Science Fiction, sondern von der Realität. Im Mittelpunkt steht die Kundenpersonalisierung, also Daten, Daten, Daten als Zauberwort und Türöffner. Im Moment recherchiere ich zum neuen AI Data-Act der EU in einem Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Innovationshemmnis.

Unternehmen setzen vermehrt auf KI-Techniken wie maschinelles Lernen, um Kundenverhalten, Stimmungen, demografische Daten und Kaufhistorien zu analysieren und dadurch personalisierte Erlebnisse zu schaffen. Diese Entwicklung zeigt bereits jetzt messbare Ergebnisse, wobei laut NewVantage Partners 92 % der Unternehmen, die in KI investieren, messbare Erfolge verzeichnen – im Vergleich zu 48 % vor fünf Jahren.

Personalisierung der Inhalte
Traditionelle Marketing-Personalisierung basiert auf einer Persona-basierten Segmentierung, die Nutzer anhand allgemeiner demografischer Merkmale wie Alter, Einkommen und Beruf in Gruppen einteilt. Diese Daten sind jedoch oberflächlich und berücksichtigen nicht die individuellen Leidenschaften und Lebensstile. Ich kenne aber viele Organisationen, die Persona jetzt erst einsetzen.

KI-Algorithmen analysieren detaillierte und umfangreiche Daten, darunter demografische Informationen, Seitenaufrufe und Downloads. Diese Daten ermöglichen es Unternehmen, Muster zu erkennen und Inhaltsstrategien präziser auf einzelne KundInnen zuzuschneiden. Ein Beispiel ist Spotify, das maschinelles Lernen nutzt, um personalisierte Musikinhalte basierend auf der individuellen Streaming-Historie zu liefern. Besonders in Branchen wie Medien und Unterhaltung, in denen Inhalte das Hauptprodukt sind, spielt die personalisierte Content-Strategie eine entscheidende Rolle.

Empfehlungen für Produkte
Unternehmen nutzen die Online-Suchhistorie, um Produktkategorien für Kunden mit ähnlichem Suchverhalten zu verstehen, stoßen jedoch oft an Grenzen bei der Empfehlung neuer Produkte. KI verwendet nicht nur Kundendaten, sondern erfordert auch genauere Produktmodelle. Durch detaillierte Produktinformationen, einschließlich Bedienungsanleitungen und einzigartiger Merkmale, kann KI personalisierte Produktvorschläge erstellen, die die individuellen Bedürfnisse der KundInnen besser ansprechen. E-Commerce-Unternehmen setzen KI ein, um Produkte mithilfe neuronaler Netze basierend auf Bildern und Texten zu analysieren, was zu genaueren und persönlicheren Produktempfehlungen führt.

Dynamische Preisgestaltung
Traditionelle Regelbasierte Preisgestaltungssysteme stützen sich auf langsame Informationen und historische Daten, was zu reaktiven Preisentscheidungen führt. KI-gestützte Systeme passen Preise in Echtzeit an, indem sie eine Vielzahl von Datenquellen berücksichtigen, von Wetterbedingungen bis hin zur persönlichen Historie des Kunden oder der Kundin. Besonders in volatilen Branchen wie dem Transportwesen spielt die KI-gesteuerte dynamische Preisgestaltung eine entscheidende Rolle.

Verhaltensbasierte Personalisierung
Die Kaufhistorie allein bietet begrenzte Einblicke in das Kundenverhalten. KI ermöglicht Echtzeitdatenerfassung über digitale Telemetrie, Website-Navigation und Stimmungsanalyse, was eine prädiktive Analyse des Kundenverhaltens ermöglicht. Branchen, die mit Online-Nutzern interagieren, profitieren von der verhaltensbasierten Personalisierung, sei es im Kundensupport von Mobilfunkanbieteren oder in der Finanzdienstleistungsbranche, die individuelle Bedürfnisse besser verstehen möchte.

Insgesamt hat die Einführung von KI-basierten Personalisierungstechnologien das Potenzial, das Kundenerlebnis zu revolutionieren und Unternehmen näher an ihre Kunden zu bringen als je zuvor.

VR-Projekt der Münchner Symphoniker: Tapestry of Spaces

15. Januar 2024

Nennen wir es virtuelle Realität, VR oder Metaverse, egal. Ich bin sehr an dieser Thematik interessiert und bin gespannt, ob die Apple Vision Pro die Welt verändern wird. Zunächst in den USA und vielleicht irgendwann mit einem Consumer-Produkt bei uns.

Ich muss zugeben, ich war mit den Aufnahmen meiner 360 Grad VR-Kameras in den vergangenen Wochen ein wenig nachlässig. Aber ich bin auf ein interessenten Experiment in München gestoßen: The Tapestry of Spaces, also locker übersetzt ein Wandteppich an Räumen – im engeren Sinne das Lied der Räume.

Es soll ein Gesamtkunstwerk darstellen aus klassischer Musik, KI Komposition, StreetArt und immersiver Audio-und Videotechnologie alles unter dem Dach der Münchner Symphoniker. The Tapestry of Spaces sind sieben Räume einer Ausstellung des KUNSTLABOR 2 in München als Ausgangspunkt für dieses Projekt.

Ich traf das Projekt in Räumen unterhalb des Wurmecks im Münchner Rathaus. Dort war das Projekt samt VR-Brillen zum Ausprobieren.

Herzstück ist die spielerisch-kreative Auseinandersetzung mit ChatGPT als klassischem Komponisten, der anhand von Fotos der von den Künstlern gestalteten Räume das melodische Material für ein Ensemble der Münchner Symphoniker erstellt hat. Klingt verwirrend und sollte daher unbedingt einmal ausprobiert werden. Denn im Gegensatz zu den bislang verfügbaren Musik-KI-Modellen lässt sich die Entstehung der KI-Komposition transparent mitverfolgen. Eine sehr ausführliche und interessante Zusammenfassung des Projektes gibt es auf einer speziellen Website. Sie zeigt das Vorgehen von KI-Promter und Musiker.

Und immer wieder stellt sich mir die Frage in wieweit kann KI Kunst ermöglichen oder ist es nur eine Reproduktion von Trainingsdaten? Kunst bedeutet für mich etwas Neues zu schaffen, allenfalls ist es nur eine schnöde Variante des Bestehenden. Die Auseinandersetzung der Bearbeiter Adrian Sieber und Jakob Haas mit den Vorgaben von ChatGPT beleuchtet, inwiefern die GPT-Kl als Inspirationsquelle und thematische Ideengeberin dienen kann, und wo die Grenzen der Technologie für die künstlerische Verarbeitung musikalischer Ideen liegen.

Kaiser schlägt Bauer

9. Januar 2024

Gestern sind in ganz Deutschland die Landwirte auf die Straße nach dem Motto Bauer sucht Stau gegangen und haben eine öffentliche Medienberichterstattung erwartet. Die kam natürlich auch, doch der Kaiser Franz hat den Bauern die Butter vom Brot genommen.

Einen Tag später beherrscht der verstorbene Franz Beckenbauer die Schlagzeilen der stummen Verkäufer von drei bayerischen Zeitungen an denen ich heute morgen vorbeigegangen bin. Die Bauern waren unter dem Bruch auf den Titelseiten. Also zusammengefasst: Kaiser schlägt Bauer. Die Gatekeeper haben entschieden, dass Fußball wichtiger ist als Protest. Die Nachrichtenhürde hat sich verschoben von den Landwirten zum Nachruf.

Einst eine Revolution: Die legendäre Linotype

8. Januar 2024

Nur einmal habe ich eine Linotype im aktiven Produktionseinsatz gesehen. Es war nach dem Sturz von Ceaușescu in Rumänien, als eine lokale Zeitung noch mit einer solchen Maschine gesetzt wurde. Es roch in der Setzerei nach Blei und der Setzer war extrem schnell mit dem Ausschießen der Zeilen in Blei – ein Profi auf seinem Gerät, das einstmals die Welt der Zeitungen revolutioniert hat. Ich selbst habe meine Karriere als Zeitungsjournalist mit DTP und QuarkXPress begonnen und die Linotype nicht mehr mitbekommen.

Später habe ich noch eine Linotype im Foyer des Verlags Nürnberger Presse als Ausstellungsstück gesehen und die Maschine hat mich an die Zeiten der schwarzen Kunst erinnert. Meine jüngste Begegnung mit einer Linotype stammt allerdings aus dem Deutschen Museum.

Während die Druckmaschinen im 19. Jh. immer schneller wurden, hinkte die Setzerei dieser Entwicklung lange hinterher. Nach wie vor war beim Letternsatz viel zeitraubende Handarbeit notwendig. Die Linotype 6cS Quick ist eine Setzmaschine, die als technologischer Meilenstein der Satzherstellung für den Hochdruck gilt. Sie wurde von Ottmar Mergenthaler im Jahre 1886 konstruiert und ermöglichte erstmals, dem ständig steigenden Bedarf an Zeitungen, Büchern etc. zu entsprechen, denn nun ließen sich Texte wesentlich schneller und in unbegrenzter Menge für die Bleisatz-Druckform erstellen1. Sie konnte die industrielle Druckproduktion erheblich beschleunigen, indem sie nicht einzelne Lettern goss und setzte, sondern gleich komplette Zeilen.

Nahezu 100 Jahre lang blieb die legendäre Linotype die führende Setzmaschine im Druckgewerbe. An der Konstruktion änderte sich nur wenig. Spätere Modelle wie diese Linotype 6cS Quick im Deutschen Museum München konnten von Hand oder durch Lochstreifen gesteuert werden. Die Linotype 6cS Quick ist in der Lage, ca. 20.000 Buchstaben/Stunde zu setzen, wenn sie mit Lochstreifensteuerung betrieben wird1. Das Standardmagazin enthält je Schrift Kanäle für 90 verschiedene Schrift- und Sonderzeichen. Für den Satz mit zahlreichen Sonderzeichen gab es Maschinenmodelle mit Seitenmagazinen für zusätzliche 34 verschiedene Zeichen1. Es ließen sich zudem bei allen Modellen beliebige Sonderzeichenmatrizen manuell in die Matrizenzeile einfügen. Die „6cS Quick“ bezieht sich auf eine verbesserte Version dieses Systems. Die „6cS Quick“ zeichnet sich durch eine höhere Geschwindigkeit und Effizienz aus. Durch die Integration moderner Technologien und Optimierungen konnte die Setzgeschwindigkeit im Vergleich zu älteren Modellen gesteigert werden. Dies trug dazu bei, den Produktionsprozess zu beschleunigen und die Effizienz in Druckereien zu verbessern.
Die Linotype 6cS Quick war ein wichtiger Bestandteil der Druckindustrie und wurde vor allem im Zeitungsbereich eingesetzt1. Sie ermöglichte es, Texte in großen Mengen schnell und effizient zu setzen. Die Linotype-Setzmaschinen dominierten die Satzherstellung weltweit für gut ein Jahrhundert, bis sich ab ca. 1960 der Fotosatz und die damit einhergehende Umstellung auf den Flachdruck (Offsetdruck) durchsetzten.

Doch die große Zeit der Zeitungsproduktionen scheint vorbei oder wächst zumindest nicht mehr. Täglich erreichen mich neue Meldungen des langen Sterbens einer Branche. So hat das Fachmagazin Buchreport hat zum Jahresbeginn seinen Betrieb eingestellt. Grund ist die Eröffnung des Insolvenz­verfahrens des Mutter­verlags Harenberg. Insolvenz­verwalter Stefan Conrads teilt mit: „Eine Fortführung des Betriebs ist aufgrund der finanziellen Lage nicht möglich.“ Für den „Buchreport“ werde „eine neue Perspektive geprüft“.

Oder hier: Mit einem erneuerten und erweiterten digitalen Angebot präsentiert sich der Fachdienst epd medien. Neu: epd ist auch als App erhältlich. Dafür beugt sich der Fachdienst nun auch dem Trend ins Digitale. Denn das gedruckte Heft erscheint dafür nur noch alle zwei Wochen – neu gestaltet.

Buchtipp: Kings of Fire von Karl-Heinz Drews und Jürgen Kernegger

27. Dezember 2023

Ich bin ein Ganzjahresgriller – nicht so perfekt wie meine Bekannten Günter Bugar oder Thomas Gerlach, aber ich geb mir Mühe mit meinen alten Weber-Gasgrill. Und ich genieße es, Speisen vom Grill zu servieren: Fleisch, Fisch, Gemüse.

In diesem Jahr habe ich einen wirklichen Meister am Grill kennengelernt. Karl-Heinz Drews war zu Gast bei meinem Liebslingswirtshaus Gasthof Heinzinger in Rottbach. Ich habe darüber gebloggt.

Denis Kleinknecht, selbst ein Meister hinter den Töpfen, hat seinen Kumpel Drews eingeladen und zusammen ein mehrgängiges Menü gezaubert. Während der Meister in der Küche gearbeitet haben, habe ich mir von Karl-Heinz Drews sein wunderbares Buch Kings of Fire zeigen lassen und auch gekauft. Co-Autor war Jürgen Kernegger. Kochbücher dienen für mich in erster Linie der Inspiration. Ich muss nicht gleich sofort alles nachkochen, sondern ich blättere in den Büchern, um auf Ideen zu kommen. Auch die Augen essen mit.

Und ich finde die Köche wie Karl-Heinz Drews originell. Er ist ein Showkoch aus Schwaben und das zelebriert er auch wunderbar. „Als Wahl-Münchner mit schwäbischer Seele, treibt mich am Herd Motörhead und nicht Mozart zu kulinarischen Höchstleistungen an. Ich bin aber nicht nur Fine-Dining Koch sondern auch Metzgermeister und Barbecue King bekannt aus DMAX. Der Grill ist meine Bühne und Feuer mein Element.“ Nun, wer Motörhead hört, kann kein schlechter Mensch sein, allerdings kenne ich seine Beiträge für den Sender DMAX nicht, weil ich kein Fernsehen schaue. Da ist mir Karl-Heinz Drews live und in Farbe lieber.

Und ich liebe seine Show, die er auch in Rottbach vorgeführt hat: „Mein Motto ist meine Passion. Als gelernter Metzgermeister „dry-age“ ich selbst, smoke oder veredle mein Fleisch beim sous-vide Garen „à la Kalle“ direkt in Hochprozentigem … Beim BBQ kenne ich keine Grenzen. Von Klein bis Groß kommt alles auf meinen Grill.“

Dabei ist das Buch Kings of Fire weit mehr als eine Rezeptesammlung. Es liefert handfeste und diskussionswürdige Informationen rund um das Grillen, wie Messer, Wildfleisch, Bezugsquellen, Grill – gerade die unterschiedlichen Grillmöglichkeiten fand ich nützlich. Ergänzt werden die Infos durch schöne Fotografien. All das macht Lust aufs Grillen. Was hält mich eigentlich noch zurück?

Deutsches Museum: Die Wundermaschine für Musiker – das Synclavier 9600

25. Dezember 2023

Frank Zappa nannte das Ding ehrfurchtsvoll „The Maschine“ – gemeint ist das Synclavier 9600. Auf dieser Wundermaschine aus den Jahren 1989 bis 1993 entstanden zahlreiche Werke der Musikgeschichte.

Hersteller dieses rund 100.000 Mark teuren Instrumentes war New England Digital Corporation. Im Deutschen Museum München steht in der Instrumentenabteilung so ein gut erhaltenen Instrument, dessen Vorbesitzer das Bayerische Staatsschauspiel war. Viele meiner musikalischen Helden mit großem Geldbeutel nutzten oder nutzen diese Höllenmaschine: Kraftwerk, Jean-Michel Jarre, Tony Banks oder Laurie Anderson. Im Moment höre ich gerade Neil Youngs bahnbrechendes Album Trans, das 1982 absolut wegweisend war und damals von Kritikern und Fans verrissen wurde. Er nutzte eine frühere Version des Synclavier inklusive Vocoder.

Das Synclavier 9600 war ein damaliges Highend-Produktionswerkzeug. Es erlaubte die Synthese von Klängen, Sampling und komplexe digitale Bearbeitung. Als hochmoderner Synthesizer und Sampler verfügt es über mehrere Arten der Klangerzeugung. Zugleich ist er ein 16spuriges, bandloses Aufnahmestudio und kann Musik in Noten darstellen. Nur einen Teil dieses Wunderwerkes habe ich zu Hause, es handelt sich um einen Mac IIfx. Er steuerte die das raumübergreifende System mit einem Velocity/Pressure Keyboard und einem Technikschrank mit Speichersystem, Wandlerkarten sowie die analogen und digitalen Anschlüsse.

Buchtipp: Briefe vom Weihnachtsmann von J.R.R. Tolkien

22. Dezember 2023

Es gibt Bücher, die sind einem ans Herz gewachsen, weil sie zutiefst menschlich und voller Wärme sind. Zu diesen Büchern zähle ich die Briefe vom Weihnachtsmann des großen J.R.R. Tolkien. Gerade zur Weihnachtszeit hole ich das Buch gerne heraus und stelle mir die Situation der damaligen Ereignisse vor.

Briefe vom Weihnachtsmann“ ist eine wundervolle Sammlung von Briefen, die der legendäre Weihnachtsmann höchstpersönlich an Kinder auf der ganzen Welt geschrieben hat. Das Buch, geschrieben von J.R.R. Tolkien, dem Schöpfer von „Der Herr der Ringe“, bietet einen zauberhaften Einblick in die Welt des Weihnachtszaubers und verleiht der festlichen Jahreszeit eine zusätzliche Portion Magie.

Die Briefe waren ursprünglich nicht zur Publikation bestimmt, sie wurden aber nach Tolkiens Tod von seiner Schwiegertochter Baillie Tolkien, der Frau Christopher Tolkiens, herausgegeben und 1976 in Buchform veröffentlicht. Darüber müssen wir dankbar sein.

Briefe an seine Kinder
Die Briefe, die Tolkien in den Jahren 1920 bis 1943 für seine eigenen Kinder verfasst hat, sind ein herzerwärmendes Geschenk an die Leser. Durch diese Briefe wird der Weihnachtsmann zu einer lebendigen und liebenswürdigen Figur, die nicht nur Geschenke bringt, sondern auch eine tiefe Fürsorge für die Kinder empfindet. In jedem Brief spiegelt sich Tolkiens unverkennbarer Erzählstil wider, der die Fantasie beflügelt und eine fesselnde Atmosphäre schafft. Welch großer kreativer Geist war in Tolkien, dass er auf solch eine wundervolle Idee kam.
Und wahrscheinlich hat sich Tolkien diebisch gefreut, denn er klebte auf die Briefe selbstgestaltete Briefmarken, die von der britischen Post jedes Jahr anstandslos akzeptiert wurden. In der Luxusausgabe des Buches sind die Briefmarken auf einer Aufklappseite abgebildet.

Die Briefe des Weihnachtsmanns sind mit liebevollen Details und einer Prise Humor durchzogen, die Jung und Alt gleichermaßen ansprechen. Tolkien schafft es, den Glauben an die Magie von Weihnachten aufrechtzuerhalten und vermittelt dabei eine zeitlose Botschaft der Freude, Großzügigkeit und Liebe. Die Illustrationen, die Tolkien selbst angefertigt hat, tragen zusätzlich zur besonderen Atmosphäre des Buches bei. Für mich ist Tolkien ein wirkliches Universalgenie, ein Relikt vergangener Tage.

Wunder sind möglich
Die Geschichten in „Briefe vom Weihnachtsmann“ lassen den Leser in eine Welt eintauchen, in der Wunder noch möglich sind und das Gute triumphieren kann. Es ist nicht nur ein Buch für Kinder, sondern auch für diejenigen, die ihre kindliche Freude an Weihnachten bewahrt haben. Die Wärme und Herzlichkeit, die aus diesen Briefen strahlen, machen das Buch zu einer zeitlosen Weihnachtslektüre, die jedes Jahr aufs Neue die festliche Stimmung belebt.

Insgesamt ist „Briefe vom Weihnachtsmann“ nicht nur eine literarische Perle aus der Feder eines der größten Autoren des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein zeitloses Geschenk, das die wahre Bedeutung von Weihnachten in Erinnerung ruft und Generationen von Lesern verzaubert. Wer das Buch nicht kennt, muss es lesen. Und wer das Buch kennt, der wird es gerade zu Weihnachten wieder lesen.