Archive for the ‘Film’ Category

Dracula im Film 3: Dracula 1979

11. Juni 2012

Dieser Dracula ist anders. Nach den Hammer-Produkten in Primärfarben war lange Zeit Ruhe um den Beißer aus Transsilvanien bis sich Star-Regisseur John Badham an den Stoff erinnerte und neu interpretiert in Szene setzte. Badham orientierte sich dabei mehr am Theaterstück von Hamilton Deane und John L. Balderston als an den Schauerroman von Bram Stoker. Das Wichtigste: Er interpretierte die Rolle des Grafen anders. Nicht die Bestie wie in den Hammer-Filmen stand im Mittelpunkt, sondern der verführerische, gnadenlose Graf.

Die Schauspieler waren perfekt: Der junge Frank Langella spielt den Grafen, schön, zielstrebig und ohne Gnade. Vor allem sein Spiel mit den Händen ist verführerisch. Zur Schauspielleistung von Sir Laurence Oliver braucht man nichts zu verlieren außer WUNDERBAR. Und dass obwohl die Zeit von Sir Laurence abgelaufen war und er sterbenskrank war. Auch dem Spiel des ewigen Dr. Loomis aus Halloween Donald Pleasence ist es ein Genuss anzusehen. Große Schauspielkunst der Truppe.

Trotz preiswerter Produktion ist die Ausstattung wunderbar. Hauptsächlich in Cornwall gedreht hat Dracula eindrucksvolle Locations: Die Irrenanstalt ist das Camelot Castle Hotel in Tintagel, Draculas Schloss ist St. Michael Berg, eine halbe Meile vor der Küste – es ist durch einen Damm verbunden – von Marazion an der Südwestspitze von Cornwall. Ungewöhnlich ist in einem Dracula-Film der Einsatz von Strom und sogar eines schnittigen Automobils. Hier bricht der Film wohltuend aus der Tradition der klassischen Filme aus, zeigt aber auch, dass Technik einen Grafen nicht zur Strecke bringen kann.

Die Innenausstattung orientiert sich derweil am Gothic Horror der alten Lugosi-Filme. Und auch wie bei Lugosi sieht der Zuschauer bei Langella keine Vampirzähne. Dennoch ist der Film keineswegs unblutig. Immer wieder schockieren den Zuschauer der Liebesgeschichte brutale Szenen, wie das Durchtrennen von Hälsen oder ein Genickbruch. Richtig angsteinflößend ist die lebende Tote Lucy. Hier hat später Francis Ford Coppola genau hingeschaut als er seine Dracula-Version drehte. Badhams Tote war nicht anmutig oder gar schön, sondern ihr zerfetztes Totenhemd mit zerfetzten bleichem Gesicht ist wahrlich erschreckend. Hier wurde die Maske von Linda Blair aus Exorzist von 1973 wieder aufgenommen. Der lebende Tote wird nicht romantisiert oder verkitscht, sondern es ist ein kalter, bleicher, muffiger Tod in nassen Gräbern. Der wahrhaftige Teufel ist in den Leib von Lucy gefahren – übrigens werden bei Badham die Rollen von Lucy und Mina vertauscht und auch die Familienverhältnisse geändert.

Ich hatte den Dracula-Film einstmals im Fernsehen gesehen und war damals enttäuscht. Es war mir als Jugendlicher zuviel Gefühl, zuviel Tragik im Film. Ich wollte Action, wie ich sie aus den Hammer-Filmen kannte. Vor allem Frauen erliegen der Faszination des dunklen Fürsten. Der bissige Gentleman als Herzensbrecher, der aber nur seine Interessen durchsetzen will. Der alte gierige Mann sucht sich junge Frauen aus, die er verführen und beherrschen kann. Und sie verfallen dem Manipulator willenlos. Der Liebesakt in Rot bedient gängige Klischees. Heute kann ich die vermittelte Tragik mit dem Leid besser verstehen und die 2009 veröffentlichte DVD-Fassung unterstützt die traurige Stimmung des Films noch mehr. Durch geschicktes Color-Grading wurde die Farbe im Film reduziert, so dass Dracula dunkel, leblos wirkt. Der Blutverlust des Films wirkt sich auf das Bild aus. Aus dem Film entweicht die Farbe, das Leben, die Freude. Die Stimmung der Szenerien überträgt sich auf den Zuschauer durch eine eindrucksvolle Kameraleistung von Gilbert Taylor, der schon mit Regiegenie Stanley Kubrick Dr. Seltsam, mit Polanski Macbeth und mit Hitchcock Familiengrab gedreht hat.

Aber den absoluten Kick des Films bringt der Score von John Williams. Der Soundtrack Dracula wird zu Höchstpreisen unter Sammlern gehandelt und wer ihn gehört hat, der weiß warum. Williams liefert einen Höhepunkt seines Schaffens ab. Star Wars, Indiana Jones, Superman und Jaws sind großartig – Dracula reiht sich in dieses Werk ein.

Für mich ist Dracula ein reifer Film für gereifte Zuschauer. Wer Trashkino braucht, der greift zu Wes Craven. Wer aber schaudern will, der greift zu John Badhams Dracula.

Buchkritik: The Art of Tron Legacy von Justin Springer

10. Juni 2012

Tron war für mich die Offenbarung. Als der Disney-Film herauskam, hielt ich meine Grafik am C64 für CG. Tron öffnete mir optisch und erzählerisch neue Wege. Für mich war der Film die Grundlage für Filme in virtuellen Welten. Jahre später erschien die Fortsetzung von Tron, Tron Legacy.

Leider war der Film nur optisch ein Leckerbissen. Inhaltlich versagte der Film auf ganzer Linie. Doch immer wieder greife ich zur Blu ray von Tron Legacy, um mich an den Farben und Formen und Ideen zu erfreuen. Um diesen Genuss zu erhöhen, legte ich mir das Buch The Art of Tron: Legacy von Justin Springer zu. Wer die Reihe The Art of kennt, wird dieses Buch zu schätzen wissen. CGI-Bilder sind ein paar enthalten, auch ein paar Stills aus dem Film, doch die wahren Schätze sind Konzeptzeichnungen und erste Entwürfe. Lichträder, Panzer, Ausrüstungen, Kleidung und mehr. Sehr beeindruckt haben mich die Ideen zum Stadium, in denen die Kämpfe ausgetragen werden. In Kombination mit Lichtrad und Diskus zeigen sie schön, die optische Dimension des Films. Leider war es dies dann auch. Denn nur Optik und eine zugegeben schöne künstliche Lichtsprache reichen nicht aus, um einen guten Film zu machen.

So bleibt ein fader Nachgeschmack beim Lesen des Buches. Was hätte man mit so einem Budget drehen können? Was hätte es für ein Film werden können, in denen solche optischen Fantastereien Wirklichkeit geworden sind. Schade, Chance leider vergeben. Einen dritten Teil von Tron wird es wohl nicht geben. Das Buch The Art of Tron: Legacy allerdings ist gut geworden, was ich vom Film leider nicht behaupten kann.

 

Filmtipp: Indien (1993)

6. Juni 2012

Indien und Österreich bleiben für viele fremde Welten – vielleicht liegt es an der Sprache, vielleicht an der unterschiedlichen Mentalität. Aber beide Länder wurden mir ein großes Stück näher gebracht, als ich mir mal wieder den österreichischen Film Indien von 1993 ansah.

Der Film Indien mit den beiden Kabarettisten Josef Hader und Alfred Dorfer ist eine Liebeserklärung an das Leben. Er basiert auf einem Theaterstück der beiden, das an das Medium Film angepasst wurde. Im ersten Teil sehen wir wunderbare Komik, böse Satire und genaue Beobachtungen vom Leben, im zweiten Teil kommen die Tränen.

Also eine hervorragende Tragikkomödie rund um zwei unterschiedliche Mitarbeiter des Fremdenverkehrsamtes, die in Niederösterreich Gasthäuser auf ihre Hygiene überprüfen sollen. Besserwisser trifft Kleinbürgertum und ihre Konflikte sind nur allzu menschlich. Immer wieder musste ich mich beim Betrachten der Szenen fremdschämen, wenn ich die treffenden Dialoge verfolge. Ja, solche Leute und solche Situationen gibt es wirklich und ich kenne welche davon aus meiner Umgebung. Großes Kino ist übrigens die Szene im Hotelzimmer als es zur Beichte der gescheiterten Ehe kam.

Der zweite Teil des Films beginnt nach einer ausgelassenen Szene des indischen Tanzes und handelt vom Sterben und der Reinkarnation, symbolisiert durch das Essen einer Banane. Die Komik wird hier zurückgefahren, der Zuschauer erlebt das Drama und fünf verschiedene Stufen der Trauer. Hader/Dorfer durchspielen diese Phasen kongenial: Verneinung, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Auch hier erweist sich das Autoren- und Darstellerduo als scharfsinnige Beobachter der Menschen.

Der Film Indien hat mir Österreich und Indien – in dieser Reihenfolge – näher gebracht und ich kann ihn nur empfehlen. Für die Zuschauer, die der österreichischen Landessprache nicht mächtig sind, gibt es Untertitel auf Hochdeutsch. Ja, der Film ist wirklich leiwand.

Filmtipp: Buckaroo Banzai – Die 8. Dimension

1. Juni 2012

Wollen Sie mal richtiges Trash-Kino aus den 1980er Jahren sehen? Dann schauen Sie sich Buckaroo Banzai – Die 8. Dimension an. Ich habe diesen Film seinerzeit 1984 als Pressevorführung im Kino gesehen und jetzt beim Kelleraufräumen das Presseheft gefunden – damals waren die Pressematerialien noch aus Papier. In der Pressevorführung hüpfte ein Typ mit einem Raumanzug herum, was mich wohl nachhaltig beeindruckte, wenn ich mich rund 30 Jahre später immer noch daran erinnere.

Buckaroo Banzai – Die 8. Dimension war anders als klassische Science Fiction-Filme. Die Handlung war wirr, die Darsteller aber mega cool und Klamotten sowie Frisuren eine Augenweide im negativen Sinne. Ja, damals waren Schulterpolster der letzte Schrei. Buckaroo Banzai war Rockstar, Gehirnchirurg, Wissenschafter und Samuraii. Seine Band hieß übrigens the Hong Kong Cavaliers. Aber der Film hat etwas: Die Darsteller waren gut: Peter Weller, Jeff Goldblum und Christopher Lloyd sowie Ellen Barkin und ganz besonders irre John Lithgow. Und die Story war ungewöhnlich. Der Zuschauer wird in die Szenen hineinkatapultiert, nichts wird erklärt, die Story hat keinen so richtigen Faden und dennoch passt alles zusammen. Vielleicht liegt es an den Aussprüchen von Banzai: „Der einzige Grund für die Existenz von Zeit ist, weil nicht alles gleichzeitig passieren kann!“

Der Film war irgendwie Kult, so dass sich nachträglich ein Banzai-Institut gegründet hatte und eine Zeitlang im Netz aktiv war. Wer noch richtig bei Sinnen ist, sollte den Film meiden. Er ist nur etwas für Freaks – die Anspielungen aus der Welt der Science Fiction und der Philosophie sind wunderbar, aber nur mit viel Bier zu ertragen. Realisten werden diesen Film nie verstehen. Vielleicht muss ich das Buch von Earl MacRauch mal lesen, leider wurde ein offizieller Soundtrack nie realisiert.

Filmtipp: Der Doktor und das liebe Vieh (1974)

7. Mai 2012

Zerrissen, ich bin einfach zerrissen, wenn es um diesen Film Der Doktor und das liebe Viehaus dem Jahre 1974 geht: Der Doktor und das liebe Vieh ist ein Klassiker der Unterhaltungsliteratur Der Doktor und das liebe Vieh: Als Tierarzt in den grünen Hügeln von Yorkshire und die Erstverfilmung von Claude Whatham liefert die Grundlage für die erfolgreiche BBC-Fernsehserie Der Doktor und das liebe Vieh . Viele wissen nicht: Dieser Film entstand vor der Serie. Erst durch diesen Film wurde die BBC auf den Stoff aufmerksam und drehte seine erfolgreiche Serie. Filmregisseur Whatham schaffte es, die Charaktere Siegfried und Tristan Farnon und James Herriot glaubwürdig anzulegen und diese Charaktere haben Potenzial nach oben. Landarzt und Choleriker Siegfried wird wunderbar gespielt von Anthony Hopkins.

Alles in diesem Film passt, aber wenn wir die Filmgeschichte ansehen, dann wissen wir, was die BBC aus den Büchern von Alf Wight (Pseudonym: James Herriot) herausgeholt hat. Für mich war die Serie hervorragende Unterhaltung mit schrulligen, liebgewonnenen Menschen, die alle ihre Fehler haben. Der Film Der Doktor und das liebe Vieh ist gut, die Serie Der Doktor und das liebe Vieh ist für mich aber besser.

Dabei sind die Zutaten zum Film wunderbar: Die Location in Yorkshire ist traumhaft, die gespielten Charaktere launig, die Kamera und Regie unaufdringlich – nur bei der Musik von Wilfred Josephs wurde mir zu viel Jerusalem als Thema interpretiert und variiert. Und dennoch: Die TV Serie ist besser: Der Vorteil der Serie gegenüber dem Film von 87 Minuten ist natürlich seine Länge. Die Serie zeichnet die Charaktere schärfer, lässt eine Entwicklung zu und der Zuschauer lernt im Laufe der Zeit seine Darsteller lieben. Der Film dagegen hetzt durch die Handlung, springt, presst zusammen, banalisiert. Und der Film zeigt mehr Landschaft, die Kamera ist routiniert, aber das musikalische Thema der TV-Serie gefällt mir besser.

Die Fans der Serie können einen Blick riskieren, doch sie werden sich anschließen, dass die Serie besser ist. Dennoch müssen wir den Hut vor dieser Produktion ziehen, denn hätte es den Film Der Doktor und das liebe Vieh nicht gegeben, dann wäre die Serie Der Doktor und das liebe Vieh nie gedreht worden.

4. Mai: Star Wars Tag mit Family Guy

5. Mai 2012

Was habt ihr am Star Wars-Tag gemacht? Wir Fans wissen, der 4. Mai ist unser Tag . Schließlich hat uns der George Lucas gesagt: „May the force be with you“ . Aber verstanden haben wir Fans den Satz:unser „May the 4th be with you!“ Und daher ist der 4. Mai der internationale Star Wars-Tag.

Ich war die meiste Zeit im Zug auf Reisen und hab mir am iPad die Star Wars-Saga in der Version von Family Guy angeschaut. Dieser Simpsons-Verschnitt für Arme mit dem doofen deutschen Titel Ja, lach du nur, du dämliches Pelzvieh ist eine sehr nette Interpretation unserer Helden-Saga. Hier werden die Teile IV-VI wunderbar auf die Schippe genommen und mit viel amerikanischen Schnickschnack präsentiert. Schöne Zitate, überdrehte Zeichnungen der Figuren und Showmusik. Wunderbar die Szenen mit meinem musikalischen Helden John Williams.

Jeder der zweistündigen Stunden-Filme dauert bei Family Guy in  Ja, lach du nur, du dämliches Pelzvieh schlappe 60 Minuten und natürlich geht eine Menge Inhalt über Bord. Das ist Unterhaltungskino, wie ich es mag. Seth McFarlane, der Macher der Serie, ist ein Freund der kleinen Details. So macher Kracher kommt in einem Nebensatz daher, aber es ist nur eine Sache für Fans.  Ich als Fanboy konnte über die gelungene Persiflage und Hommage einige Mal im Zug kräftig lachen, so dass mich meine Nachbarn seltsam anschauten. Als ich dann ihnen sagte: „May the force be with you“ setzten sich dann doch einige weg – seltsam.

Die Prophezeiung/Prophecy (1979): Film, Buch und Soundtrack

26. April 2012
Ganz unterschiedlich: Film, Buch, Soundtrack

Ganz unterschiedlich: Film, Buch, Soundtrack

Im Keller habe ich Paket zum Film Die Prophezeiung wieder entdeckt. Es war ein Öko-Thriller aus dem Jahre 1979. Ich fand den Film von John Frankenheimer, den Soundtrack von Leonard Rosenmann und den Roman von David Seltzer. Der Film ist naja, der Roman eine Enttäuschung, aber die Musik ist hervorragend.

Fangen wir mit dem Film an. Irgendwie war die Zeit für Öko-Thriller Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts einfach vorbei. Hitchcock schaffte mit den Vögeln im Jahr 1963 den ultimativen Tier-Thriller. Mir hatte sogar Frogs – Killer aus dem Sumpf von 1972 noch ein wenig Spaß gemacht. Aber die Prophezeiung war einfach öde. Der Film wusste nicht, was er sein sollte: Ein Drama? Ein Horrorfilm? Ein Thriller? Keine Ahnung – es geht um ein Monster, dass aus Umweltverschmutzung entstand. Das Monster war eine Art mutierter Bär, der vorhersehbar aus dem Unterholz hervorbricht und die Leute killt. Arrg und zack – am Ende wird er durch einen Pfeil erledigt – Symbol für das unterdrückte Indianervolk. Das Öko-Motiv und den warnenden Zeigefinger kennen wir schon von früher, zum Beispiel aus Godzilla und da war es besser. Am Ende stirbt der Monsterbär, doch böse neue Babdybären sind schon unterwegs. Bei Godzilla gab es wenigstens Godzillas Baby. Statt Atomenergie war es bei der Prophezeiung nun das Bleichmittel Methylquecksilber einer Papierfabrik. Regisseur John Frankenheimer ist eigentlich ein Profi, aber er konnte aus dem schwachen Stoff nicht viel herausholen. Ok, die Kameraarbeit ist prima, aber das ganze Teil ist dennoch lahm.

Und das liegt an dem uninspirierten Drehbuch von David Seltzer. Seltzer schaffte es mit Omen einen riesigen Wurf. Alles was danach kam, war schwach. Ich habe wieder in den Roman aus dem Goldmann reingelesen und weiß nicht, was mir 1979 daran gefallen hat. Schlechter Stil und absolut keine Spannung. Ich lagere den Roman wieder im Keller ein, vielleicht muss er noch ein paar Jahrzehnte reifen.

Aber die Musik von Leonard Rosenmann ist ein Genuss. Ich bin ein Fan von John Williams, doch Rosenmann holt immer mehr auf. Seine Musik zu Prophecy ist wunderbar, nicht ein Geplätscher, sondern ein symphonisches Werk – ein wahrer Score. Intensiver Klang, intensive Stimmung, intensive Atmosphäre – so muss es sein. Klare Kaufempfehlung für Prophecy.

Filmtipp: Schloss des Schreckens

24. April 2012

Wer Lust auf einen gepflegten Schauerfilm hat, dem empfehle ich die digital überarbeitete Blu ray von Schloss des Schreckens. Der Film steht in der von mir verehrten Tradition der Spukhäuser und bietet 100 Minuten spannende Gruselunterhaltung. Der Film von Jack Clayton entstand 1961 und ist für mich einer der besten Filme der wandlungsfähigen Deborah Kerr. Die britische Schauspielerin spielt hier einfach wunderbar.

Wer Symbole liebt, der wird in diesem Film fündig. Eine Andeutung hier, ein Hinweis da. Das ist kein Wunder, denn kein geringerer als Truman Capote schrieb das Drehbuch. Er schrieb die Unsicherheit in den Film hinein, ob die Hauptdarstellerin nun besessen ist oder die zu beaufsichtigenden Zöglinge. Der Film bekam wegen seiner sexuellen Andeutungen seinerzeit ein strenges Jugendverbot.

Musik und Kostüme spielen in diesem Schwarzweißfilm tragende Rollen. Die Kostüme verändern sich, das Grauen kündigt sich mit der Melodie „“O Willow Waly“ von George Auric an. Das Szenenbild mit wehenden Vorhängen und flackernden Kerzen sind atmosphärisch dicht, vor allem in der technisch sehr aufwändig restaurierten Fassung. Hier kommt der subtile Horror glasklar zur Geltung. Das Märchenschloss wandet sich zum Spukhaus, die Psyche der Personen verändern sich. Wahnsinn greift um sich und es ist alles wunderbar inszeniert. Hier passt alles: Die Szene im Schilf, die geisterhaften Gestalten am Fenster, die aufgerissen Augen und dann das Finale umringt von Soldatenstatuen. Und hier bricht auch dann der ganze Horror herein. Der Kreis schließt sich: Die erste Einstellung des Films Schloss des Schreckens wird am Ende wieder aufgenommen und erklärt alles – und sie trifft bis ins Mark. Mich hat der Film nicht losgelassen.

Sehr nett ist die Zugabe des Hörspiels „die Unschuldsengel“ auf der Blu ray. Hier wäre mir zwar eine klassische CD lieber gewesen, scheiterte aber wohl aus Kostengründen, denn der Film Schloss des Schreckens wird nur Liebhaber erreichen. Da hilft es auch nichts, dem Cover einen modernen Anstrich zu geben. Gott sei Dank ist es ein Wendecover mit den historischen Coverentwürfen und ohne FSK-Button.

Filmtipp: Tanz der Totenköpfe (1973)

16. April 2012

Die deutsche Titelübersetzung von „The Legend of Hell House“ ist grausam, absolut daneben, doch der Film aus dem Jahre 1973 lässt den Zuschauer auch heute noch einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Es ist ein wunderbarer Spukhausfilm, ein Genre im Horrorfilmbereich, das alle paar Jahre seine Höhepunkte feiert. Ich habe den Film „Tanz der Totenköpfe“ neulich auf Blu ray wieder für mich entdeckt und möchte ihn ausdrücklich den Freunden von Geisterhäusern empfehlen.

Natürlich stehen Klassiker wie „Bis das Blut gefriert“ ganz oben auf der Beliebtheitsskala, dennoch hat der Farbfilm eine schöne Atmosphäre. Quietschende Türen, wehende Vorhänge, lange Schatten – alles was wir Spukfreunde im Geisterhaus so wollen. Der Film von John Hough mit Pamela Franklin, Roddy McDowall, Clive Revill, Gayle Hunnicutt, Roland Culver und Peter Bowles ist ein Zwitter zwischen dem traditionellem Gothic Horror und den Anfängen des Terror Films. Vor allem die beiden Darsteller Pamela Franklin und Roddy McDowall tragen den Film, die anderen Herrschaften sind mir zu theatralisch und affektiert. Die leichten Gore-Effekte von Tom Howard und Roy Whybrow sind vorhanden, es fließt ein wenig Blut, aber deswegen schaut man sich Spukfilme nicht an. Die FSK liegt wohl wegen des Blutes bei 16 Jahren. Der eingeschlagene Kopf einer Katze wirkt schließlich auch heute noch, während der Angriff der Katze besser vergessen gehört. Alles was zählt, ist eine umheimliche Geschichte und die Atmosphäre eines wunderbaren Geisterhauses. Und hier kann der „Tanz der Totenköpfe“ absolut punkten. Die literarische Vorlage schrieb Altmeister Richard Matheson, der u.a. mit der „Unglaublichen Geschichte des Mister C“ oder „Ich bin Legende“ zu Ruhm kam. Er ist ein Experte in Sachen Übersinnlichem, obwohl die Geschichte gegen Ende etwas hanebüchen wird. Matheson hat auch gleich das Drehbuch verfasst und konnte seine Geschichte wunderbar umsetzen. Allerdings musste er die Extremszenen des Buches im Filmdrehbuch weglassen, schließlich war es dann doch erst das Jahr 1973. Gedreht wurde übrigens in Blenheim Palace (unbedingt mal hinfahren), Woodstock und Oxfordshire – alles in England.

Im Netz lese ich von zahlreichen enttäuschten Kritiken. Da haben wohl einige jüngere Filmfreunde  „Tanz der Totenköpfe“ mit „Tanz der Teufel“ verwechselt, dessen Stärken eindeutig nicht im Gruselbereich liegen. Sie hätten die Chance, sich einen Spukhaus-Klassiker anzusehen, halten es aber wohl nicht durch. Die Fähigkeit, sich auf eine Geschichte einzulassen und die Gruselgeschichte sich entwickeln zu lassen, gehört wohl nicht unbedingt zu den Eigenschaften von modernen Filmzuschauern.

Für mich steht fest: Durch den Film zieht sich die wunderbare Kameraarbeit von Alan Hume. Nahaufnahmen mit Weitwinkel, verspielte Details und dann Gegenschnitt in Totalen  sind wohl seine Spezialität und durch den Einsatz von Farbmaterial entsteht eines schönes Szenenbild – zeitweise erinnerte es mich sogar an „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Der Film  „Tanz der Totenköpfe“ liegt jetzt in einer Remastered Version von Koch Media vor, die deutlich an Schärfe gegenüber meiner DVD aus dem Jahre 2002 gewinnt. Also ansehen und gruseln.

Filmtipp: The Thing (2011)

5. April 2012

Als ich zwei Stunden Zeit hatte widmete ich mich meinen Hobby des Science Fiction-Films und zog mir das Prequel von „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) rein. Und ich muss sagen, ich hatte mit The Thing zwei Stunden Unterhaltung aus dem ewigen Eis.

„Das Ding“ sind beides Klassiker des Science Fiction-Films. Die Verfilmung Das Ding aus einer anderen Welt aus der Produktion von Howard Hawks aus dem Jahre 1951 ist natürlich unschlagbar in seiner Aussage „Watch the Sky“, die Neuverfilmung von John Carpenter reflektierte zumindest noch den Kalten Krieg – wir schrieben schließlich das Jahr 1982. Und Carpenter zeigte, was modernes Film-Makeup leisten kann. Aber die Version von The Thing aus dem Jahre 2011 hat diese politischen Bezüge nicht mehr. Es gibt keinen Kommunismus mehr, vor dem die Filmemacher warnen mussten, keine Paranoia vor der Roten Gefahr. Das Prequel aus dem Jahre 2011 muss ohne diese politischen Hintergründe auskommen und hat dadurch enorme Schwächen. Wen können wir eigentlich noch vertrauen? Sitzt nicht ein Kommunist unter uns? Nur einmal blitze die Angst wieder aus, als in einer schönen Hommage gesagt wurde: Wir müssen vor den Amerikanern Angst haben. Der Film basiert auf der Geschichte „Who goes there?“ von John W. Campell, der die Angst vor dem Fremden zum Inhalt hat. Damit ist die Version von 2011 ebenso wie die Version von 1982 zunehmend werkgetreuer als der Film von 1951.

Aber im Grunde ist The Thing aus dem Jahre 2011 nichts weiter als ein spannend gemachter Thriller, der durch zahlreiche Schockelemente zu überraschen weiß. Wer den Klassiker von John Carpenter zu schätzen weiß, wird auch hier seine Freude haben. Der Film spielt zeitlich vor den Carpenter-Film und leitet am Ende in diesen über. Das macht Spaß, da kommt Freude bei dem Filmfreund auf. Endlich wissen wir, warum zwei Gesichter verschmolzen sind oder was es mit der roten Axt auf sich hat. Ich musste bei der typischen Carpenter-Musik bei der Überleitung herzhaft lachen. IIch weiß, der offizielle Komponist des Jahres 1982 war Ennio Morricone, aber ich höre Carpenter an allen Ecken und Enden durch. Schade, dass nur kurz auf die klassische Vorgängermusik in dem Prequel eingegangen wird. Aber ich bin sehr angetan. Ich habe so viele schlechte Neuverfilmungen gesehen, dass es eine Freude war, diesen Film zu sehen.

Allerdings waren die CGI-Effekte nicht immer erste Sahne. Da habe ich mich mehr von den Make up-Künsten von Rob Bottin des Jahres 1982 gegruselt, als bei den CGI-Effekten des Jahres 2011. Hier wäre mehr Etat sinnvoller gewesen, aber egal. Und auch die Logik ist nicht immer so eine Sache. Das böse Monster soll ein Hightech-Raumschiff fliegen – klaro doch.

Aber Regisseurneuling Matthijs van Heijningen schlägt sich wacker und liefert eine solide Leistung ab. 103 Minuten Unterhaltung für den modernen Filmfreund von heute. Wer allerdings Carpenters Film Das Ding aus einer anderen Welt nicht gesehen hat, braucht sich diesen Film nicht antun. Dazu ist die Story dann doch zu dünn. Leider reicht die Kameraarbeit nicht an die atmosphärisch dichte Komposition von Dean Cundey aus dem Jahre 1982 heran.

Ich habe gehört, dass die Verfilmungen von 1951 und 1982 von der Besatzung der Amundsen-Scott-Südpolstation traditionell nach Abflug des letzten Flugzeugs zu Beginn des Winters am Südpol gemeinschaftlich angesehen werden (müssen). Nun haben die Forscher mit The Thing aus dem Jahre 2011 einen dritten Film, den es sich zum Anschauen lohnt.