Es ist schon ein genialer Schildbürgerstreich, wenn man sich folgende Situation vor Augen führt. Ich steige jeden Morgen bei der Münchner Haltestelle Donnersberger Brücke aus und laufe zur Fuß zu meiner Arbeitsstelle. Jedes Mal komme ich an einer Dönerbude vorbei. Es ist ein Anhänger. Jeden Morgen baut der Inhaber der mobilen Dönerbude seinen Stand auf, stellt Bänke auf, spritzt den Platz mit Wasser ab. Vor kurzem kündigte der Unternehmer, ein Iraner übrigens, an, dass er seinen Anhänger 100 Meter verlegen wollte. Ein Tengelmann hatte aufgemacht und er will sich den Kundenstrom zu Nutze machen. Gesagt, getan. Lizenz beantragt und genehmigt und eines Nachts begann der Umzug, samt Strom- und Wasseranschluss. Am nächsten Morgen das gleiche Spiel: Er stellt Bänke auf und spitzt dem Vorplatz mit Wasser ab. Doch am übernächsten Tag kam das böse Erwachen. Direkt vor seinem Anhänger begannen Bauarbeiten. Loch graben, irgendwelche Rohre verlegen, Gitter aufstellen und nicht mehr erscheinen. So findet sich vor der Dönerbude seit zwei Wochen ein tiefes Loch und kein Bauarbeiter weit und breit. Danke für so viel Unterstützung des privaten Unternehmertums. Nach Protest und Ärger zog der Ladenbesitzer die Konsequenz und ging erst mal zwei Wochen in Urlaub.
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Schildbürgerstreich an Dönerbude
4. September 2008Löcher machen und verschwinden
3. September 2008Bei uns in der Straße hat die Telekom große Löcher in den Boden des Gehwegs gerissen und dann diese Baustelle mit Gitter abgesperrt, damit keiner hinfällt. Seitdem kann man mit dem Kinderwagen den Gehweg nicht mehr passieren. Man muss auf die stark befahrene Straße ausweichen. Wahrscheinlich kommen neue Kabel in die Erde für Fernsehen oder DSL. Das Komische ist nur, die Löcher wurden vor knapp zwei Wochen gebuddelt und seitdem wird die Straße zum Hindernisparcours für Fußgänger. Und: Natürlich ist bis dahin an den Löchern nichts geschehen. Kein Telekomiker der irgendwas arbeitet. Einfach Loch gegraben, Gitter aufgestellt und für eine Woche verschwunden. In wiederum zwei Wochen ist Schulanfang und ich hoffe, dass die Löcher bis dahin verschwunden sind. Die ABC-Schützen müssen die Straße entlang zur Schule gehen. Hier besteht massive Gefahr für die Schulkinder, denn die Autos fahren recht flott die Straße entlang. Wenn bis in einer Woche nix passiert ist, frage ich bei uns auf der Gemeinde nach.
Greenpeace Aktion mit Humor
2. September 2008Jeden Tag führt mich mein Weg in München an einem großen Mercedes-Händler vorbei. Dort stehen aufgereiht die Luxuskarossen mit Stern. Gestern kam ein Kollege vorbei, berichtete von einer witzigen Greenpeace-Aktion und machte ein Foto für meinen Blog (danke MIK). Humor hatte die Aktion, die gleich von der Polizei beendet wurde. Die Aktivisten haben einen großen Mercedes rosa angemalt und mit Schweineohren beklebt. Dahinter ein Transparent „Abspecken fürs Klima“. Ich bin kein Freund von Greenpeace, aber in diesem Falle haben sie recht. Es ist nicht mehr zeitgemäß, PS-starke Monster zu bauen, die literweise Sprit schlucken. Das trifft alle Hersteller, sei es Porsche, Mercedes, BMW oder Audi. Klar, die Flitzer sehen stark aus, aber trotzdem. Wir stehen daheim vor der Wahl auch ein neues Auto zu kaufen. Unser alter Audi A4 hat jetzt 200000 Kilometer auf dem Rücken. Er droht über kurz oder lang schlapp zu machen. Also muss ein neues Auto her. Einen Van will ich nicht, obwohl es mit zwei Kindern praktisch wäre. Ich will einen Chrysler C300, aber der Bezinverbrauch ist Wahnsinn. Eigentlich brauche ich einen Ford Mustang, denn die Midlife-Crises steht bevor und sie muss kompensiert werden. Die Tochter meinte, ein Cabrio wäre auch fein Ich unterstütze sie, bekomme aber die rote Karte von meiner Frau. Ich spekuliere auch mit einem Lexus mit Hybrid-Motor. Neulich waren wir Probe fahren mit einem Renault Laguna, schönes Auto, aber eben kein Mustang. Warum können die Autobauer keine schönen Autos bauen, die mir gefallen und Sprit sparen?
Dienstleistungswüste ist ein deutsches Wort
1. September 2008Ich habe mich an den Gebrauch meiner Kreditkarte schon gewöhnt und setze sie auch fleißig international ein. Nur in Deutschland kann ich nicht so, wie ich es gerne tun würde. Die meisten Geschäfte akzeptieren die EC-Karte, aber nicht die Kreditkarte. Der Grund liegt natürlich in den Gebühren, die die Ladenbesitzer berappen müssen. Aber warum klappt es im Ausland und nicht bei uns? Jüngstes Beispiel: Ich habe für meine Mutter ein Geburtstagsgeschenk gekauft. Sie sammelt Hummel-Figuren, die ich persönlich nicht so dolle finde. Aber sie ist in der Gegend aufgewachsen, wo die Figuren hergestellt wurden und hat so eine Liebe dazu entwickelt. Allerdings ist die Firma Goebel bereits über die Wupper gegangen. Na ja, also ich steh bei uns in einer Kreisstadt in einem Porzellanladen und möchte die hohe Summe mit der Kreditkarte bezahlen. Und natürlich der deutsche Spruch: „Wir nehmen nur EC-Karten!“ Sauer zücke ich meine Maestro-Karte und frage warum? „Die Kreditkarte wird bei uns nicht verlangt“, lautete die Antwort. Klar, wenn ich die Dienstleistung nicht anbiete, wird sie auch nicht verlangt. Für mich war es auch das letzte Mal, dass ich in dem Lade einkaufe. Kein Wunder, dass Dienstleistungswüste ein deutsches Wort ist. Selbst mein Lebensmitteldiscounter einen Ort weiter nimmt die Kreditkarte, von Amazon und Co ganz zu schweigen. Wieder ein weiterer Nagel in den Sarg des deutschen Einzelhandels. Wir gehen nach dem Einkauf zum Essen, dieses Mal chinesisch. Bezahlt wird mit der Kreditkarte. Wussten Sie übrigens, dass die Kreditkarte beim Essen erfunden wurde. 1950 vergas Frank McNamara seine Geldbörse, als er zum Mittagsmahl aufbrach. Als es ans Bezahlen ging, zückte er seine Visitenkarte als Sicherheit und gründete tags darauf die Kreditkartenfirma Diners Club. Ideen braucht man.
PR-Desaster auf dem Land
29. August 2008In Bayern herrscht derzeit Wahlkampf wie alle wissen. Als mündiger Bürger möchte ich mich natürlich informieren und gehe wie zu alten Zeiten als Tageszeitungsreporter in Wahlveranstaltung diverser Parteien. Schließlich will man ja ein gutes Gefühl haben, welcher Partei man seine Stimme gibt. Neulich kam es zu einem wunderbaren Zwischenfall, einem PR-Desaster erster Güte. Also: Location: Hinterzimmer in einem bayerischen Wirtshaus auf dem Lande. Helle Holztische mit Tischdecke, Salz- und Pfefferstreuer auf dem Tisch, Kruzifix an der Wand. Auf dem Podium sitzt ein Steuerexperte, der vom Ortsvorsitzenden der Partei mit gestelzten Worten angepriesen wird. Der Raum ist gut besetzt. Der Experte ergreift das Wort und referiert über Wegepauschalen, Pauschbeträge, Rentenversicherung. Klingt kompliziert, ist es auch. Aufpassen ist angesagt, um den Ausführungen des Finanzexperten folgen zu können. Da geht die Tür zum Nebenzimmer auf. Die Bedienung kommt herein mit Bier und Kesselfleisch in der Hand. Der Experte ist irritiert, spricht aber weiter. Darauf unterbricht die Bedienung; „Wer hat das Kesselfleisch? Willst noch a Bier?“ Zack, die Konzentration ist weg – beim Publikum und beim Referenten. Alle widmen sich den wichtigen Dingen des Lebens und bestellen noch ne Halbe. Also liebe Politiker: Lasst die Bedienung vor oder nach der Veranstaltung ihre Arbeit machen. Aber nie mitten drin, sonst stielt euch eine Bedienung die Show und das PR-Desaster ist da. Wen ich nun wählen soll, weiß ich immer noch nicht. Aber die Halbe hat geschmeckt.
GC 2008: Ich war dabei
25. August 2008
Die Games Convention in Leipzig ist vorbei – aus, Ende, Schluss und Amen. Wann ich das nächste Mal nach Leipzig komme, dass weiß ich nicht. Wenn Buchmesse ist, gehe ich eher nach Frankfurt anstatt nach Sachsen. Zusammenfassend möchte ich mich einmal ganz herzlich bedanken: Leipzig, das hast du gut gemacht! Mir haben die Jahre bei euch gefallen und ich kann meinen Kindern sagen. Ich war dabei und es hat einen riesigen Spaß gemacht. Neben allen Gesprächen und Interviews, Produktvorstellungen und News sind vor allem die Eindrücke zurückgeblieben. Emotional bewegend fand ich die Eindrücke, wenn ganze Familien auf die GC gepilgert sind. Vater, Mutter, Kind – alle Hand in Hand durch die Halle gestreift und immer auf der Suche nach Spielen. Da war ich schon ein wenig neidisch. Mein Nachwuchs ist noch zu jung für so eine Messe. Aber irgendwann geht Papa mit dem Sohne oder dem Töchterchen auf so einen Event. Das Spielen hat sich verändert. War es früher sicherlich eine Sache von Nerds und Geeks sind Videogames heute Teil der Populärkultur. Nicht jeder Spieler ist ein Massenmörder und ich fühle mich noch ganz wohl (bis auf die Stimmen im Kopf, die immer sagen: Töte, töte, töte). Heute können ganze Familien spielen. Die Wii hat die Wohnzimmer erobert. Mit Sing Star und Guitar Hero rocke ich auf der PS3 mit Freunden – Videogames sind gesellschaftsfähig. Daran hat die Games Convention sicherlich ihren Anteil und dafür muss ihr die Szene danken. Nächstes Jahr zieht die Veranstaltung nach Köln weiter und benennt sich in GamesCom um. So ist der Lauf der Dinge, doch eines hatte Leipzig nicht verdient: Ein Flugzeug mit Banner flog über das Leipziger Messegelände und warb für die Messe GamesCom vom 9. bis 13. September 2009 in Köln. Das ist Nachtreten auf die unfeine Art. Wer am Boden liegt, dem darf nicht Häme und Spott widerfahren.
Eine deutsche Geschichte
20. August 200815 Minuten Autofahrt – 15 Minuten Lebensgeschichte. Als ich heute in Leipzig ankam um die Games Convention Developer Conference zu besuchen, nahm ich ein Taxi zum Hotel. Der Taxifahrer war ein gebürtiger Leipziger, erkannte mich sofort als Wessi und erklärte mir seine Lebensgeschichte während wir die Straßen der Montagsdemos entlang fuhren. Die Kurzform: Nach dem Abi lehnte er es ab den Militärdienst zu leisten. Dafür bestrafte ihn der SED-Staat mit Arbeitslager von zwei Jahren, anschließend Abschiebung nach Westen. Dort in der Nähe von Hannover gestrandet bekam er einen Job in einer Spedition und fuhr Lkw. Das Kuriose: Der heutige Taxifahrer hatte nie einen Führerschein gemacht. Er gab an, dass die entsprechenden Scheine im Osten gemacht habe und bekam sie von westdeutschen Behörden neu ausgestellt. Als die Mauer fiel hatte er Angst, dass sein Schwindel herauskam und ging wieder zurück nach Leipzig. Doch der Schwindel geht bis heute. Bis heute hatte er nie offiziell einen Führerschein gemacht, verfügt aber natürlich über die entsprechenden Papiere. Auch eine deutsche Geschichte. Eine Bemerkung am Rande: Bei diesem Mann spürte man nichts von einer Ostalgie. „Mir kommt das Kotzen, wenn ich von der Verherrlichung der Kommunisten und ihrer Verbrechen höre“, sagte er mehrmals. Die DDR-Zeit war nicht besser. Die Leute wurden willkürlich ins Gefängnis gesteckt. Ihn widere die ganze Sache an, wenn er heute von Leuten hört, wie schön es in der DDR gewesen sei. Das Heimweh nach dem Osten sei verlogen. Dem gibt es wohl nichts mehr hinzuzufügen.
Breakfast in America
11. August 2008Ich bin gerade auf der Siggraph in Los Angeles. Die Siggraph ist die wichtigste 3D-Messe überhaupt und ich bin zur Berichterstattung über den großen Teich geflogen. Was macht man, wenn man ankommt? Klar, frühstücken – ein einem Diner. Das US-Frühstück ist ein wenig anders als bei mir zu Hause. Ich fragte den Kellner, einem Latino, was er denn so essen würde und das würde ich dann auch essen. Der Start mit O-Saft und Kaffee war prima. Dann kamen Pfannkuchen und dann kam ein T-Bone-Steak mit Eier – zum Frühstück! Wenn das ein typisches Breakfast in America ist, na dann Prost. Geschmeckt hatte es übrigens. Mein Kellner ist übrigens gleich wieder weiter gezogen. Er hat noch einen weiteren Job, um über die Runden zu kommen. Das Trinkgeld fand er auf jeden Fall klasse.
Falsche Servietten in Eisdielen
8. August 2008Warum sind die Servietten in Eisdielen einfach nur schlecht? In Eisdielen werden mit dem leckeren Eis auch immer kleine Papierservietten gereicht. Diese sind in der Regel länglich, einmal gefaltet und mit dem Logo der Eisdiele bedruckt. So weit, so gut. Allerdings sind diese Servietten im praktischen Einsatz keinen Cent wert. Sie saugen nichts auf. Wer einmal Eis tropft, trüllt, sabbert, kleckert – oder was man noch so macht, der hat das Nachsehen. Seine Serviette ist nutzlos. Die verwischt das Eis zwar, das Papier saugt aber nichts auf. Der Schaden ist enorm. Wer mit Kindern zum Eisessen geht, kennt das Problem ganz gewiss. Er hat dann drei Möglichkeiten, nachdem das Eis im Kindergesicht verschmiert ist: Die einfachste: Vater lässt das Kind eben verschmiert, wie es eben ist und bekommt anschließend Ärger mit der Mutter, nach dem Motto „Hättest du nicht …“. Möglichkeit zwei, man überredet den Nachwuchs zum Gang auf die Toilette und wäscht da das Eis aus dem Gesicht. Die Folge ist in der Regel Schreierei. Oder die dritte Möglichkeit – und mit Abstand die schlimmste. Man kramt aus der Hosentasche ein Papiertaschentuch, feuchtet es etwas mit Spucke an und wischt das Eis aus dem Gesicht des Nachwuchses. Ekel und höhere Phonzahl beim Protest inklusive. Dazu hab ich keine Lust mehr! Also liebe Eisdielenbesitzer, schafft euch endlich richtige Servietten an, die etwas taugen. Dann geh ich um so lieber Eisessen und das mit der ganzen Familie.





