Posts Tagged ‘Games Convention Developer Conference’

Lasst die Spiele beginnen

21. August 2008

Heute beginnt die Games Convention in Leipzig und das zum letzten Mal. Für 2009 hat der Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BUI) beschlossen, dass die Spiele in Köln ausgetragen werden sollen. Neuer Name GamesCon, neues Konzept. Im Osten macht sich Untergangsstimmung breit. In den Straßen von Leipzig ist ein klares Bekenntnis zur GC zu sehen. Saturn plakatiert die ganze Stadt opportunistisch: „Die Spiele gehören nach Leipzig“. Ja ja ja. Immer wieder hört man von den Leipzigern die Gründe und die Hoffnung, dass die Messe wieder nach Sachsen zurückkommt. Hier einige Argumente: Leipzig verfüge über mehr Hotels als Köln (naja), im Osten sei es für die Besucher billiger die Messe zu besuchen, die GC fand in den Schulferien statt, während die GamesCom in Köln im September durchgeführt werden soll. Ich glaube, dass wichtigste Argument ist verletzter Stolz: Man habe etwas gehabt, auf dass man im Osten stolz war und jetzt nehmen sie es einem weg. Und man muss zugeben: Die Messe in Leipzig war spitze. Ich durfte es selbst als Aussteller und mehrmals als Besucher erleben. Der Leipziger Messechef Wolfgang Marzin, Sohn des alten Münchner Messechefs Werner Marzin, hält sich mit Äußerungen erst mal zurück. Dass er beleidigt ist, spürt man aber sofort. Nachdem 2007 rund 185000 Besucher zur Games Convention pilgerten, sollen es dieses Jahr 200000 Besucher werden. Das ist eine Messlatte, an der sich Köln messen muss. Bei der zuvor stattgefundenen Games Convention Developer Conference haben die Veranstalter die Zahlen nach oben getrieben. Hat man kurz das Konferenzgelände verlassen, um zu rauchen, aufs Klos zu gehen oder um Luft zu schnappen, so wurde man beim Wiedereintritt als neuer Besucher gescannt. Ja, so macht man das. So hab ich auch mehr Besucher, ganz einfach. 

Eine deutsche Geschichte

20. August 2008

15 Minuten Autofahrt – 15 Minuten Lebensgeschichte. Als ich heute in Leipzig ankam um die Games Convention Developer Conference zu besuchen, nahm ich ein Taxi zum Hotel. Der Taxifahrer war ein gebürtiger Leipziger, erkannte mich sofort als Wessi und erklärte mir seine Lebensgeschichte während wir die Straßen der Montagsdemos entlang fuhren. Die Kurzform: Nach dem Abi lehnte er es ab den Militärdienst zu leisten. Dafür bestrafte ihn der SED-Staat mit Arbeitslager von zwei Jahren, anschließend Abschiebung nach Westen. Dort in der Nähe von Hannover gestrandet bekam er einen Job in einer Spedition und fuhr Lkw. Das Kuriose: Der heutige Taxifahrer hatte nie einen Führerschein gemacht. Er gab an, dass die entsprechenden Scheine im Osten gemacht habe und bekam sie von westdeutschen Behörden neu ausgestellt. Als die Mauer fiel hatte er Angst, dass sein Schwindel herauskam und ging wieder zurück nach Leipzig. Doch der Schwindel geht bis heute. Bis heute hatte er nie offiziell einen Führerschein gemacht, verfügt aber natürlich über die entsprechenden Papiere. Auch eine deutsche Geschichte. Eine Bemerkung am Rande: Bei diesem Mann spürte man nichts von einer Ostalgie. „Mir kommt das Kotzen, wenn ich von der Verherrlichung der Kommunisten und ihrer Verbrechen höre“, sagte er mehrmals. Die DDR-Zeit war nicht besser. Die Leute wurden willkürlich ins Gefängnis gesteckt. Ihn widere die ganze Sache an, wenn er heute von Leuten hört, wie schön es in der DDR gewesen sei. Das Heimweh nach dem Osten sei verlogen. Dem gibt es wohl nichts mehr hinzuzufügen.