Ich sammle Bilder von Ampelmännchen von verschiedenen Städten. Und es begann mit dem Verkehrszeichen der DDR. Was einst als Verkehrszeichen der DDR begann, ist heute eine weltweit bekannte Design- und Kultmarke: Der Ampelmann feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag als Marke. Am 27. Juli 1996 stellte der Tübinger Produktdesigner Markus Heckhausen sein Ampelmann-Projekt erstmals der Öffentlichkeit vor – und bewahrte damit eine der bekanntesten Alltagsikonen Ostdeutschlands vor dem Verschwinden.

Das charakteristische Ampelmännchen wurde bereits 1961 vom DDR-Verkehrspsychologen Karl Peglau entworfen. Mit seinem Hut, den ausgestreckten Armen und den klar erkennbaren Bewegungen sollte es insbesondere Kindern und älteren Menschen helfen, Verkehrssignale intuitiv zu verstehen. Die bewusst freundliche Gestaltung gilt bis heute als Beispiel für gelungenes Informationsdesign. Studien bescheinigten dem Ost-Ampelmännchen eine besonders hohe Wiedererkennbarkeit und gute Verständlichkeit im Straßenverkehr.
Nach der deutschen Wiedervereinigung stand das Symbol jedoch vor dem Aus. Die Verkehrszeichen der ehemaligen DDR sollten schrittweise durch westdeutsche Ampelsymbole ersetzt werden. Markus Heckhausen erkannte früh den kulturellen Wert der Figur und setzte sich mit großem Engagement dafür ein, das Ost-Ampelmännchen zu erhalten. Ihm gelang es nicht nur, Behörden und Öffentlichkeit zu überzeugen, sondern auch Karl Peglau und dessen langjährige Mitarbeiterin Anneliese Wegner an der Entwicklung der Marke zu beteiligen. Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine enge persönliche Freundschaft zwischen Heckhausen und Peglau, die bis zu Peglaus Tod im Jahr 2009 bestand.
Heute steht der Ampelmann weit über seine ursprüngliche Funktion als Verkehrszeichen hinaus für deutsche Designgeschichte, Wiedervereinigung und gelebte Erinnerungskultur. Für Heckhausen symbolisiert die Figur den Zusammenhalt zwischen Ost- und Westdeutschland und erinnert daran, dass die Wiedervereinigung nicht nur wirtschaftliche und politische, sondern auch kulturelle Herausforderungen mit sich brachte. Der Erhalt des Ampelmännchens gilt deshalb als eines der wenigen Beispiele, bei denen ein ostdeutsches Alltagsprodukt nach der Wende nicht verschwand, sondern bundesweit und international erfolgreich wurde.
Aus dem einst bedrohten Verkehrszeichen entwickelte sich eine erfolgreiche Berliner Kultmarke. Mehr als 70 Mitarbeitende arbeiten heute für das Unternehmen. Das Sortiment umfasst inzwischen über 600 Produkte – von Kleidung und Tassen bis hin zu Souvenirs und Designartikeln. Besucher aus aller Welt entdecken den Ampelmann in sieben Berliner Geschäften, unter anderem an den Hackeschen Höfen, am Berliner Dom, Unter den Linden, im Berliner Hauptbahnhof sowie am Flughafen BER.
Der Ampelmann ist damit längst mehr als ein Fußgängersignal. Er steht für gelungenes Industriedesign, den respektvollen Umgang mit kulturellem Erbe und für die Erkenntnis, dass Identität oft in den kleinen Dingen des Alltags entsteht. Drei Jahrzehnte nach seiner Rettung ist das Ampelmännchen nicht nur ein Wahrzeichen Berlins, sondern auch ein Symbol dafür, wie aus einem regionalen Verkehrszeichen eine internationale Kultfigur werden kann.




