Posts Tagged ‘Video 2000’

Wenn der Recorder verstummt: Das leise Verschwinden einer ganzen Film-Ära

17. Februar 2026

Sony zieht sich schrittweise aus dem Geschäft mit Blu‑ray‑Recordern und bespielbaren Blu‑ray‑Speichermedien zurück; damit setzt sich ein Medienwandel fort, der physische Datenträger seit Jahren zugunsten digitaler Angebote an den Rand drängt.

Seit den 1960er‑Jahren haben sich die dominierenden Medienformate mehrfach grundlegend verändert: Auf frühe Heim‑Videorekorder wie das Philips‑System von 1964 folgte in den 1970er/80er‑Jahren der „Formatkrieg“ zwischen VHS, Betamax und Video 2000, den VHS mit Marktanteilen von über 90 Prozent klar gewann. In den 1990er‑Jahren löste die DVD die VHS‑Kassette ab, bot bessere Bildqualität, Bonusmaterial und war deutlich platzsparender; kurze Zeit später kam die Blu‑ray als HD‑Nachfolger, konnte aber nie an die DVD‑Verkaufszahlen anknüpfen. Parallel dazu erlebten Musik‑CDs und später auch DVD‑Video eine ähnliche Erfolgskurve, bevor Downloads und Streaming‑Dienste sie in vielen Alltagsanwendungen verdrängten.

Ein Rekorder, freilich KI generiert, um keine Rechte zu verletzen.

In der Gegenwart zeigt sich der Wandel vor allem an zwei Entwicklungen: Erstens dominiert im Unterhaltungsbereich das Streaming, im deutschen Musikmarkt etwa liegt der digitale Anteil inzwischen bei rund 87,5 Prozent, während physische Tonträger nur noch etwa ein Achtel des Umsatzes ausmachen. Ähnlich gering ist der Anteil physischer Medien in den globalen Film‑ und Games‑Märkten, wo Discs teils nur noch für wenige Prozent des Gesamtumsatzes stehen. Zweitens ziehen sich Hersteller nach und nach aus der Produktion klassischer Hardware zurück: LG und andere Unternehmen haben bereits Blu‑ray‑Player eingestellt, Sony beendet die Fertigung von wiederbeschreibbaren Blu‑ray‑Rohlingen und stellt nun auch den weltweiten Verkauf von Blu‑ray‑Recordern ein, wobei reine Abspielgeräte vorerst im Programm bleiben.

Für Filmsammler hat diese Entwicklung ambivalente Konsequenzen. Positiv ist, dass bestehende Blu‑ray‑ und UHD‑Blu‑ray‑Filme vorerst weiter produziert und verkauft werden, da sich viele Studios aufgrund der hohen Bild‑ und Tonqualität sowie der Sammlerzielgruppe weiterhin auf Premium‑Editionen konzentrieren. Gleichzeitig steigt jedoch der Druck auf die Infrastruktur: Wenn Recorder und perspektivisch auch weitere Player wegfallen, wird es schwieriger, eigene Aufnahmen anzufertigen, TV‑Ausstrahlungen zu archivieren oder beschädigte Discs zu ersetzen; zudem können Reparaturen und Ersatzgeräte teurer oder nur noch gebraucht erhältlich sein.

Hinzu kommen langfristige Risiken für Verfügbarkeit und Kuratierung: Streaming‑Kataloge ändern sich laufend, Lizenzen laufen aus, und bestimmte Nischenfilme, Schnittfassungen oder Bonusmaterialien erscheinen möglicherweise gar nicht mehr digital, wodurch physische Editionen zu letzten materiellen Zeugnissen bestimmter Fassungen werden. Für Sammler bedeutet das, dass die Rolle des physischen Mediums sich von der alltäglichen Gebrauchskopie hin zum bewussten Archiv‑ und Liebhaberstück verschiebt, bei dem sorgfältige Lagerung, funktionstüchtige Abspielgeräte und ein strategischer Aufbau der Sammlung zunehmend wichtiger werden.

Kommentar aus der Sicht eines Sammlers

Für jemanden, der Filme sammelt, fühlt sich diese Entwicklung an, als würde eine Tür zur eigenen Vergangenheit langsam zufallen. Da steckt nicht nur Technik drin, sondern ein Stück Biografie – jede Disc, jede Hülle steht für einen Moment, in dem man sich bewusst für einen Film entschieden hat, für eine bestimmte Fassung, ein bestimmtes Cover, ein bestimmtes Label. Wenn nun klar wird, dass Recorder verschwinden und die Gerätewelt rund um Discs immer dünner wird, kommt leicht das Gefühl auf, dass das, was man mühsam aufgebaut hat, von der Industrie einfach hinter sich gelassen wird.

Streaming wirkt dagegen oft kalt und flüchtig: Heute im Abo, morgen verschwunden, neu synchronisiert, gekürzt oder durch eine andere Version ersetzt. Als Sammler hat man gelernt, sich auf das zu verlassen, was im Regal steht – man sieht die Spine, zieht die Box heraus, erinnert sich wieder an ein Making‑of, ein besonderes Booklet, ein limitierte Nummer. Es ist eine Form von Kontrolle und Wertschätzung: Dieser Film gehört wirklich einem selbst, er kann nicht per Knopfdruck aus einem Katalog gelöscht werden. Wenn Hersteller nun Signale senden, dass diese Welt „ausläuft“, fühlt sich das an, als würde das eigene Hobby von der Zeit überrollt.

Gleichzeitig schwingt da auch Trotz mit: Gerade weil alles digital und beliebig wird, bekommt das physische Medium einen neuen, fast rebellischen Charakter. Man pflegt seine Geräte, hortet vielleicht noch einen Ersatz‑Player, investiert bewusster in Editionen, die einem wirklich etwas bedeuten, statt wahllos zu klicken. Die Sammlung wird weniger zum Konsumarchiv und mehr zu einem persönlichen Museum – ein Ort, an dem Filme nicht nur „verfügbar“, sondern wirklich präsent sind. Und auch wenn der Markt sich weiterdreht, bleibt dieses Gefühl, eine kleine, eigene Insel gegen das Vergessen aufgebaut zu haben.

45 Zoll Röhren-TV gefunden – der Traum von Retrogamern

29. Dezember 2024

An die ersten Fernseher, an die ich mich erinnere, waren Grundig-Röhrenfernseher. Ein mächtiges Teil stand im Wohnzimmer meiner Eltern, angeschlossen von einem Elektrofachhändler aus der näheren Umgebung. Er kam im grauen Kittel, schloss die Glotze an, richtete sie ein und erklärte sie meinen Eltern. Bei einem Elektromarkt hätten meine Eltern nie gekauft. Später kam noch ein Video 2000 Rekorder von Grundig dazu, den ich heute noch samt 20 Cassetten besitze. Hier ein Bild vom Mediacenter meiner Jugend samt verstorbener Großmutter väterlicherseits.

Meine Großmutter mütterlicherseits kaufte mir für mein Kinderzimmer einen Schwarzweiß-Fernseher an dem ich mein Atari 2600 anschließen konnte. Ab und zu durfte ich an dem großen Fernseher im Wohnzimmer spielen, wenn meine Eltern es erlaubten. Mein Wunsch war es, einen großen Röhrenfernseher zu besitzen auf dem ich zocken konnte. Der Traum blieb unerfüllt. So nahm ich die 8-Bit-Welt zunächst meinst in Schwarzweiß wahr. Erst als ich einen C-64 bekam, zog auch ein kleines TV-Farbfernsehgerät in mein Zimmer ein, denn der Commodore hatte 16 Farben. Diese Farben waren Schwarz, Weiß, Rot, Cyan, Violett, Grün, Blau, Gelb, Orange, Braun, Hellrot, Dunkelgrau, Mittelgrau, Hellgrün, Hellblau und Hellgrau.

Heute im fortgeschrittenen Alter habe ich meine Retro-Konsolen an einer kleinen asiatischen Röhrenkiste angeschlossen, die ich bei meiner Hausärztin abgestaubt habe, nachdem sie die Praxis auf Fachbildschirme umstellte.

Und jetzt lese ich im Bett, dass der Traum von einem großen Röhren-TV für jemanden in Erfüllung gegangen ist. 45 Zoll groß und 200 kg schwer ist der Sony PVM-4300, ein Mörderteil. Dieses seltene Gerät mit einer Bildschirmdiagonale von 43 Zoll wurde in den 1980er Jahren von Sony produziert und war hauptsächlich für den professionellen Einsatz vorgesehen. Ein Technik-Enthusiast entdeckte ein solches Exemplar in einem schlechten Zustand und entschied sich, es zu restaurieren.

In einem wunderbaren YouTube-Video berichtete der Retro-Fan von seiner Odyssee bis er das Riesending von Japan in die USA bekam und restaurierte. Da kommt Neid auf, denn ich würde gerne auf einem solchen CRT-Mal zocken. Solche Geschichten liebe ich als Retrogamer.

Streaming verschärft persönliches Medienbudget

18. März 2020
Wie wird Kino im Streamingzeitalter überleben? Wie wird Kino im Streamingzeitalter überleben?

Der Kampf um das persönliche Medienbudget jedes Einzelnen nimmt weiter zu, wenn der Streamingdienst Disney+ am 24. März mit voller Wucht online geht. Rund 60 Euro kostet der Dienst im reduzierten Jahresabo. Mit dabei sind Filme von Marvel, Pixar, Disney, National Geographic und die Star Wars-Familie – allen voran Star Wars: The Mandalorian.
Damit wird es immer enger auf einem stark umkämpften Markt auf dem sich unter anderen Netflix, Amazon Prime Video, Apple TV+ und viele, viele andere tummeln. Und dann gibt es noch das klassische lineare Fernsehen mit einem zum Teil sehr starken Mediatheken-Angebot und dann wäre noch das Kino. Die Lichtspielhäuser haben im Hinblick auf Corona gerade ein Content-Problem. Zwar sind die Lichtspielhäuser aufgrund staatlicher Beschlüsse im Moment sowieso geschlossen, aber mit publikumsstarken Filmen sieht es eher mau aus. Der neue James Bond Stirb an einem anderen Tag No Time to die  wurde auf einen anderen Tag verschoben. Das war aber nur der Anfang: Disney verschob kurzerhand Mulan und kleinere Produktionen wie beispielsweise Berlin Alexanderplatz folgten.

James Bond verschoben. James Bond verschoben.

Wenn in Zeiten von Corona Zwangspausen zu Hause verordnet sind, wird Streaming steigen, der Markt wird sich kanibalisieren und neu verteilen. Es stehen weitere Streamingsidenste wie von Warner Bros./HBO mit HBO Max und NBC/Universal mit Peacock in den Startlöchern. Ich frage mich als Kinofan: Wo bleibt in diesem Verteilungskampf das Kino?

Mulan auch noch verschoben. Mulan auch noch verschoben.

Gilt der alte Riepl noch?
Ich denke, das Rieplsche Gesetz könnte noch immer greifen. Das so genannte Rieplsche Gesetz der Medien besagt, dass kein gesellschaftlich etabliertes Instrument des Informations- und Gedankenaustauschs von anderen Instrumenten, die im Laufe der Zeit hinzutreten, vollkommen ersetzt oder verdrängt wird. Auf gut Deutsch: Das Theater wurde nicht vernichtet durch das Kino. Das Kino wurde nicht vernichtet durch das Fernsehen. Das Fernsehen wurde nicht vernichtet durch Streaming. Allerdings sind die Märkte deutlich kleiner geworden. Und ich frage mich, ob das Rieplsche Gesetz in der digitalen Welt noch so gilt?
Wolfgang Riepl war einst Chefredakteur der Nürnberger Zeitung und formulierte 1913 seine Ideen. Das war vor dem Ersten Weltkrieg. Hat sich diese analoge Zeit nicht durch die digitale Zeit geändert?
Ich könnte mir vorstellen, dass Disney sein Streamingportal nutzt, um gegen höhere Gebühren Filmpremieren durchzuziehen und vom Kino als Vertriebskanal wegzulocken. Zudem hat Disney bereits verkündet, dass man Marvel-Streaming und Marvel-Kinofilme miteinander verbinden wird. Wer also das schwer durchschaubare Marvel Cinematic Universe MCU verstehen will, muss ins Kino gehen und Streaming schauen.

Wie wird das Kino der Zukunft? Wie wird das Kino der Zukunft?

Universal hat angekündigt, Neuveröffentlichungen online zur Verfügung zu stellen und dafür die gängigen Plattformen zu nutzen. Ein weiterer Sargnagel für das klassische Kino. Kino muss sich verändern und darf nicht nur ein klassisches Abspielen von neuen Filmen sein. Kino als Gemeinschaftserlebnis mag ich zum Teil: Ich hasse es, wenn Menschen mit Popcorn mir die Atmosphäre beim Film zerstören oder wenn Menschen während des Films quatschen. Ich war neulich zu ersten Mal im Arri Astor und hab einen Traum von einem Filmpalast erlebt (und viel Geld dafür bezahlt). Aber was will ich eigentlich für ein Kino der Zukunft?

Ich selbst bin flexibel und bin auch ein Freund von Datenträgern, auch wenn meine Familie mit meiner Sammelleidenschaft die Krise bekommt. Ich hatte Super 8, später Video2000 und VHS (inzwischen alles verkauft oder entsorgt), dann DVD, Blu ray und 4K-Videos. Im Moment habe ich meine Laserdisc-Sammlung wieder entstaubt und genieße den Retro-Flair vergangener Zeiten. Ich schaue Streaming und ich gehe gerne ins Kino. Aber mein Zeit- und Finanzbudget für Medien ist auch nicht erweiterbar. Und Bücher will ich auch noch lesen, in Konzerte gehen und Musik hören. Vielleicht wird einfach alles zuviel.

Alles Gute zum Geburtstag: Steven Spielberg wird 63. Jahre

19. Dezember 2009

Es gibt Regiegötter. Hoch im Olymp schwebt für mich Stanley Kubrick, gefolgt von Alfred Hitchcock und Ingmar Bergmann. Dann gibt es noch eine ganze Reihe von Genies. Einer feierte gestern seinen 63. Geburtstag: Steven Spielberg

Spielberg begleitet mich jetzt mein ganzes Leben lang und ich freue mich auf jedes seiner Werke. Und im Grunde hat mich Spielberg nie enttäuscht. Klar, es gibt Filme, die hätte auch ein anderer drehen können, aber es gibt eben auch klassische Steven Spielberg Filme.

Den Beginn machte bei mir die Verfilmung von Duell – der Horrorfilm mit dem Tanklaster. Der Held war ein typischer Alltagsmensch, keine Spur von Glanz. Der Film lief bei uns in der ARD im Abendprogramm und haute mich weg. Ich hatte ihn sogar auf Video 2000 von Max Grundig mitgeschnitten und kaufte mir später die Original Videokassette auch im System Video 2000.

Kommerziell ist Spielberg der erfolgreichste Regisseur, Produzent und Drehbuchautor aller Zeiten. Er galt als junger Wilder in Hollywood und dies ließ ihn das etablierte Studiosystem spüren. Jahrelang musste Spielberg um seinen Oscar kämpfen. Aber selbst Kubrick oder Hitchcock haben nie einen Oscar für die beste Regie bekommen.

Ich erinnere mich noch an die gewaltigen Bilder von „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“, an das Spiel der Gefühle bei „E.T. der Außerirdsche“. Und der Zauber wirkt heute noch. Als ich bei einer Wiederaufführung des Films die Reaktionen des Publikums beobachtete, stand fest: Spielberg beherrscht die Klaviatur der Gefühle wie kein Zweiter. Der Film aus der Sicht von Kinder gedreht ist noch immer großes Kino.

Zu Hause auf Video sah ich zum ersten Mal den Weißen Hai. Genial der Score von John Williams. Das Hai-Thema ist genial. Leider blieb es einmal aus, als Roy Scheider Fleisch ins Wasser warf und der Fisch ohne musikalisches Hai-Motiv auftauchte. Ich riss meine Kaffeetasse vom Tisch und noch heute zeugt ein Fleck im Teppich von der Intensität von Steven Spielberg.

Schön war auch die Indiana Jones Trilogie. Vor allem der letzte Kreuzung begeisterte mich, die Suche nach dem Heiligen Gral. Schönes Actionkino, wiederum mit der meisterhaften Musik von John Williams.

Großartig die Beiträge Spielbergs zum modernen SF-Film: „A.I. – Künstliche Intelligenz“ und „Minority Report“ haben mich tief beeindruckt. Der eine ist eine Verbeugung an Kubrick, der andere hat Zukunftstechniken vorweg genommen. Der Film für Saurierfans schlechthin ist einfach „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und und und – es gibt so vieles, dass wir Spielberg zu verdanken haben.

Vielleicht noch ein Film, bei dem er nur als Produzent auftrat: „Poltergeist“. Tope Hooper führte Regie, weil Spielberg neben E.T. nicht gleichzeitig nach Hollywood-Gesetzen Regie führen durfte. Doch „Poltergeist“ trägt die Handschrift des Meister und der Schlächter Hooper besaß niemals soviel Feingefühl. Hier wird perfektes Klischee von Familie dargeboten, die typische US-Vorstadtsfamilie mit ihren Problemchen mit den Nachbarn, wie die Szene mit der Fernbedienung beweist. Und „Poltergeist“ gilt heute als eines der großen Schaustücke des Effektkinos der 1980er.

Stevem Spielberg, meinen herzlichen Glückwunsch zum 63. Geburtstag.