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Buchvorstellung: Kartell von Elisa Storace und Hans Werner Holzwarth

26. November 2013

Wer von Plastik im Wohndesign spricht, der spricht eigentlich immer von Kartell. Die italienischen Designer haben sich voll dem Plastik verschieben und produzieren seit 1949 Plastikmöbel. Jetzt erschien endlich eine lesenswerte deutschsprachige Literatur über dieses Unternehmen. Der Taschen-Verlag veröffentlichte unlängst das Buch Kartell von Elisa Storace und Hans Werner Holzwarth. In München wurde das Buch in der örtlichen Kartell-Filliale vorgestellt. Immer wieder musste ich beim hellerleuchteten Geschäft mit den wunderbaren Plastikmöbel an die alte Band Buggles mit ihrem Album „The Age of Plastic“ denken.

Zur Buchpräsentation kam prominenter Besuch angereist. Kartell-Chefin Lorenza Luti kam aus Mailand angereist und erzählte auf Englisch dem geladenen Münchner Publikum von der Geschichte ihres Hauses, das 1949 gegründet wurde. Aufgabe sei es, Plastik ins Heim zu bringen. Dabei nannte sie die vier Kernbereiche des Unternehmens, das Herz und die Identität von Kartell: das fantastische Material, Design, Innovation („es ist ein Teil unserer DNA“) und industrielle Massenproduktion.

Dr. Christine Waiblinger vom Taschen-Verlag stellte anschließend das Buch Kartell – The Culture of Plastics vor und lobte dabei überschwänglich die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen. Anhand zahlreicher Fotos aus dem Firmenarchiv zeichnet der 400seitige Band die Geschichte des Hauses Kartell nach, Dekade für Dekade, von den Nachkriegsanfängen mit Haushaltswaren bis zu den technologischen Höhenflügen der folgenden Jahrzehnte.

Ich habe das Buch Kartell – The Culture of Plastics selbst nicht gelesen, sondern an dem Abend nur interessiert durchgeblättert. Die Bilder aus jeder Zeitepoche sind auf jeden Fall eindrucksvoll. Kartell hat den Industriewerkstoff Plastik noch einmal neu erfunden: als eigenständiges, spannendes Designmaterial.

Beeindruckende Unternehmerin Lorenza Luti

Beeindruckende Unternehmerin Lorenza Luti

Wer also ein Geschenk für Freude des modernen Designs sucht, ist mit dem Buch Kartell – The Culture of Plastics sicherlich gut bedient. Die Autoren sind auf jeden Fall Experten in ihrem Bereich: Elisa Storace arbeitet als Kuratorin des Museo Kartell und wurde 2011 zur Beraterin für dessen Museumsstiftung berufen. Hans Werner Holzwarth derweil ist Buchdesigner und hat zahlreiche Bücher bei Taschen herausgegeben.

Buchkritik: Linda McCartney Life in Photographs

19. Oktober 2013

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Für mich ist Linda McCartney keine der Spitzenfotografen. Sie hatte den fotografischen Blick, wie es Andreas Feininger ausdrückte. Und sie hatte durch ihre Heirat mit Beatles Paul einen wunderbaren Vorteil vor ihrer fotografischen Konkurrenz. Sie kam nahe an die Beatles heran und drückte im entscheidenden Moment ab.

So entstanden eindrucksvolle Fotos aus dem Rock’n Roll Zirkus der damaligen Zeit. Viele davon sind in dem schönen Fotoband Life in Photographs zusammengefasst. Sie zeigen eine Nähe zu den Superstars der Szene, denn Linda hatte die wichtigsten Rockmusiker vor der Linse. Sie war übrigens die erste Fotografin des amerikanischen Rolling Stones, die ein Coverbild hatte. Es war damals 1968 Eric Clapton, und Linda McCartney zeigte, dass eine Frau in die Männerwelt der Rockfotografie vordringen kann.

Vor zwei Jahren kam die Highend-Version des Buches für 2000 Euro heraus. Das war es mir nicht wert. Ich hab mir die Volksausgabe für 50 Euro gekauft und interessiere mich auch für die iPad-Version. Diese Version im iBookstore gibt es für 9 Euro. Sie enthält 170 Fotos, ausgewählt aus den über 200.000 Bildern aus Linda McCartneys Archiv – die meisten davon mit Zoomfunktion. Ich halte es für eine gelungene Umsetzung eines Fotobuches. Als Bonusmaterial gibt es in der eBook-Version ein Video-Interview mit Paul McCartney und seinen Töchtern Stella und Mary. Gerade mit den Videos spielt das eBook seine volle Stärke aus.

Aber zurück zum Inhalt: Die große Leistung von Linda McCartney ist die unmittelbare Nähe. Sie schafft es, den richtigen Blick einzufangen. Technisch gibt es zahlreiche bessere Fotografen. Ihre Leistung ist die absolute Nähe zu den Künstlern.

Als Linda McCartney durch ihre Heirat berühmt wurde, stand sie selbst im Focus der Berichterstattung. Sie gab uns einen Einblick in ihre Familie. Private Bilder vom Familienleben der McCartneys wurden von ihr veröffentlicht. Besser als jede Homestory und mit dem Blick einer liebenden Mutter und Ehefrau. Das macht für mich die Faszination des Buches Life in Photographs aus. Schaut mal hinein, das Buch ist bei meinem Lieblingsverlag Taschen erschienen. Auch interessant ist übrigens das neue Album von Paul McCartney New. Der 71jährige lässt es richtig krachen.

Buchtipp: Her Majesty zum 60jähriges Thronjubiläum der Queen

16. Juli 2013

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Alle Welt wartet auf das royale Baby, aber ich beschäftige mich lieber mal mit der Großmutter: Der Queen. Vor kurzem feierte die englische Königin Elisabeth II. ihr 60jähriges Thronjubiläum. Sie wurde am 2. Juni 1953 in der Westminster Abbey gekrönt und die BBC war mit ihren Kameras live dabei. Zum Thronjubiläum erschienen in Taschen Verlag das Buch Her Majesty und jetzt kommen Special Editions des Buches auf den Markt.

Ich habe gewaltigen Respekt vor den Leistungen dieser Frau. Sie scheint extrem diszipliniert zu sein und legt strenge Maßstäbe an sich an. Und da tut sie mir auch gleichzeitig leid, denn sie kann sich nicht ihrer Rolle heraus und sich dem Protokoll entziehen. Sie stammt für mich aus einer anderen Welt. Einer Welt als das Empire noch groß war und Einfluss hatte. Als junges Ding in eine Rolle gedrängt, füllt Elisabeth diese Rolle bis heute aus.

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Als Bürgerlicher habe ich den vorliegenden XXL-Fotoband Her Majesty gerne durchgesehen. Es ist ein opulenter Streifzug durch das Leben der Queen, begonnen als junge Prinzessin über ihre Krönung bis hin zur modernen Queen. Die Fotos sind ein Spiegel ihrer Zeit und stammen zum einen aus der Königlichen Sammlung, zum anderen von weniger berühmten und berühmten Fotografen wie Patrick Lichfield, Annie Leibovitz oder Bryan Adams.

Und die Fotos zeigen eine Frau voller Kraft, Disziplin, aber auch Humor. Ich persönlich bin ja auch ein Fan von Prinz Philipp, der immer wieder durch seine Art aneckt. Gerade die Queen und ihr Gemahl sind ein gutes Gespann, das gemeinsam die Geschichte des Hauses Windsor prägt, wobei die Queen die Hosen anhat. Dabei zeigt das wunderbar verlegte Buch von Reuel Gordon aber nicht nur die Sonnenseiten der Königin. Auch dunkle Seiten wie der Brand in ihrem Schloss oder der Auswirkungen von Diana sind fotografisch abgebildet.

Eine umfangreiche Chronologie mit den wichtigsten Ereignissen und eine Dokumentation ihrer Auslandsreisen sowie ein schön gemachter Stammbaum runden das kiloschwere Buch ab. Besonders für mich als Medienmensch interessant war ein Pressespiegel – wie wird die Queen von der internationalen Presse gesehen – von seriös bis boulevard. Her Majesty erschien in einer bürgerlichen Edition für rund 100 Euro und in zwei Royalen Editionen für 600 Euro, gestaltet von Vivienne Westwood und mit signierten Print von Harry Benson.

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Es ist nicht nur für Fans der britischen Königin, sondern für alle, die sich von einer starken Frau inspirieren lassen wollen. Daher ist es ein sehr modernes Buch. Beim Durchblättern des schweren Buches sah ich neben steifen Hofzeremoniell aber auch viel Mode wie Hüte und Handtaschen und modische Reflexionen aus verschiedenen Zeitepochen. Immer wieder bricht gewollt oder ungewollt der Humor durch. Klar, die Queen ist auch Mensch und das kommt bei all der Herrschaft und Ernsthaftigkeit auch immer wieder durch. Auch die Familie kommt nicht zu kurz. Nun, es ist nicht meine Art Familienbild, aber dennoch gibt das Buch faszinierende Einblicke in das royale Familienleben. In meinem Video mache ich einen kleinen Streifzug durch das Buch.

Buchtipp: Magic von Mike Caveney, Jim Steinmeyer, Ricky Jay und Noel Daniel

27. Juni 2013

Ich liebe Zauberer, Magier oder Illusionisten, wie ich sie gerne nenne. Ich mag es, wenn die magischen Momente eintreten und ich überlegen muss, wie hat der Typ das gemacht? Und dabei spreche ich nicht von dem berühmten Kaninchen, das aus dem Hut gezaubert wird. Meine eigene Karriere als Zauberer in der Kindheit war nicht sehr erfolgreich: ich hatte zwar einen Zauberkasten und allerhand Zaubertricks aus meinen Yps-Heft in petto, aber der große Erfolg war mir nicht beschieden. Schade, dass es Harry Potter zu meiner Kindheit noch nicht gegeben hat, sonst wäre ich vielleicht eher bei der Zauberei geblieben.

Ein großer Zirkusfan war ich noch nie. Mich reizten nicht die Clowns, die Dressuren oder die Akrobaten, mich interessierten einzig und allein die Zauberer. Die Typen, die eine Frau zersägen oder in einen Kasten sperren und sie mit Säbeln traktieren. Die Magie dieser Szenen hat mich gefangen. Und ich mochte auch nicht den Zauberer vom Schlage eines David Copperfield. Das war mir zu sehr Las Vegas, das war mir zu viel Glanz, zu viel Scheinwerfer, zu viele Effekte. Ich mochte die dunkle, verrufene Seite der Zauberei mehr. Aber Zauberei war gefährlich, denn der Hexenhammer verteufelte im Spätmittelalter noch die Künstler und ließen sie auf dem Scheiterhaufen enden.

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Und da freut es mich umso mehr, dass der Taschen Verlag, jetzt wieder ein entsprechendes dreisprachiges Buch herausgebracht hat – der Titel The Big Book of Magic: 1400s – 1950s. Das Buch im Schuber ist eine Wiederauflage aus dem Jahre 2009 und war damals sofort vergriffen. Jetzt hatte ich die Gelegenheit bei der Neuauflage ein Buch zu ergattern. Keine Angst, die Illusion bleibt erhalten: Hier werden keine Zaubertricks verraten. Hier wird die Illusion hochgehalten. Das Buch zeigt eindrucksvoll verschiedene Plakate, Fotos, Skizzen, oder Collagen von berühmten magischen Auftritten.

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Seit Jahrtausenden sind Menschen von der Magie fasziniert, und seit jeher lehrt die Zauberei sie das Fürchten und Lachen, das Zittern und Staunen. Die einst als Häretiker und Hexenmeister verfolgten Zauberer verkörperten schon immer die Verbindung zu einer Parallelwelt, in der praktisch nichts unmöglich war – ob sie nun Geister beschworen, Gedanken lasen oder mit Taschenspielertricks die Gesetze der Natur auf den Kopf stellten. Als Science Fiction, Virtuelle Realität, Computerspiele und das Internet noch in ferner Zukunft lagen, gab es keine mächtigere Fantasiewelt als die der Zauberkunst. Könige rauften sich die Haare, Baronessen fielen in Ohnmacht und das gemeine Saalpublikum fand sich reduziert auf „Ah!“ und „Oh!“, wenn die wahren Väter der Special Effects ihre Künste präsentierten.

Und Zauberei wirkt noch heute. Ich war mit meiner Familie vor kurzem auf Mallorca. In der Fußgängerzone von Palma gibt es die Lebenskünstler und Straßenkünstler noch heute. Ein Wiener verdient sich als schwebender Illusionist sein Brot. Wie aus einer Geschichte von Tausend und einer Nacht schwebt er auf einem Teppich über den Boden. Meine Kinder waren begeistert und versuchten vergeblich hinter den Trick zu kommen. Es musste wohl Zauberei sein.

Zauberei? Straßenkünstler in Mallorca.

Zauberei? Straßenkünstler in Mallorca.

Anhand von mehr als 1000 seltenen Plakaten, Fotografien, Werbezetteln, Stichen sowie Gemälden von Hieronymus Bosch, Caravaggio und anderen Künstlern zeichnet das wunderbar verlegte Buch Magic die Geschichte der Zauberkunst von 1400 bis in die 1950er Jahre nach. Spektakuläre Abbildungen und fachkundige Essays beleuchten die Entwicklung des Zauberhandwerks von den Straßenkünstlern des Mittelalters bis hin zu jenen Großmeistern der theatralischen Inszenierung, die dem frühen Film zu seinen ersten Spezialeffekten verhalfen, vom goldenen Zeitalter der Zauberkunst im 19. Jahrhundert bis zu den Vaudeville-Künstlern des 20. Jahrhunderts und wegweisenden Draufgängern vom Schlage eines Houdini.

Für mich persönlich wichtig war der Pionier der Filmgeschichte Georges Méliès. Er ging in die Geschichte ein als wichtiger Vertreter des frühen Films. Seine Reise zum Mond ist Filmgeschichte pur. Kaum einer weiß, dass Georges Méliès als Zauberer begonnen hat. Dann kam der Film und mit ihm die Tricks. Der Zauberer Georges Méliès wusste seine Publikum zu verzaubern und der Filmemacher wandte sein Wissen in dem neuen Metier an. Großartig. Er legte damit die Grundlage für die 3D-Animationszauberer der Neuzeit, die mit Maya, 3ds Max, Softimage oder Cinema 4D neue Welten erschaffen und das Publikum zum Staunen bringen.

Also klare Kaufempfehlung für das zauberhafte Buch The Big Book of Magic: 1400s – 1950s von Mike Caveney, Jim Steinmeyer, Ricky Jay, Noel Daniel aus dem Hause Taschen.

Buchtipp: Genesis von Sebastião Salgado

17. Mai 2013

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Leider fotografiere ich nicht mehr so viel, wie ich eigentlich gerne möchte. Aber meine Liebe zu Fotos ist weiterhin voll entbrannt. Nicht zuletzt als ich das Prospekt für das wunderbare Buch Genesis von Sebastião Salgado geschickt bekam. Der Taschen-Verlag, zugegeben einer meiner Lieblingsverlage, bringt das opulente Werk in den nächsten Tagen auf den Markt. Allen Fotofreunden, die über das entsprechende Kleingeld verfügen, rate ich: Greift zu – es lohnt sich.

In meinen Fotoseminaren zeige ich immer wieder Ausschnitte aus der Fotogeschichte. Bei Anselm Adams flippen die Seminarteilnehmer aus. Künftig werden sie es auch bei Sebastião Salgado tun, das verspreche ich. Für mich ist Salgado der Anselm Adams des 21. Jahrhunderts, nicht mehr, nicht weniger.

Acht Jahre hat der brasilianische Fotograf gebraucht, um sein Projekt Genesis fertig zu stellen. Herausgekommen ist eine Liebeserklärung an unseren Planeten, an das Ursprüngliche.  Salgado hat mehr als 30 Reisen unternommen, in kleinen Propellermaschinen, zu Fuß, mit dem Schiff, im Kanu und sogar im Fesselballon, und dabei klimatischen Extremen und lebensbedrohlichen Situationen getrotzt, um Bilder zu sammeln, die uns Natur, Tierwelt und eingeborene Völker in atemberaubender Pracht vor Augen führen. „In Genesis sprach die Natur durch meine Kamera zu mir. Und ich durfte zuhören“, sagt Sebastião Salgado. Als ich die Bilder betrachtete, kam Bewunderung, Hochachtung und Wut auf. Bewunderung für dieses Mammutprojekt, Hochachtung für die Leistungen der Natur und Wut, weil wir Menschen Gefahr laufen, alles zu verlieren. Das Projekt Genesis ist für mich ein Appell an die Mitmenschen, die Schöpfung zu bewahren. Sebastião Salgado führt uns mit atemberaubenden Bildern seine Sicht auf die Schöpfung vor. Im Moment läuft bis September die Genesis-Ausstellung im Londoner Natural History Museum. Dort kann man die Bilder live betrachten.

In dem YouTube-Video schaue ich mir den Werbeprospekt für die Luxusausgabe des Buches genauer an:

In Sachen Pressefotografie ist der Fotograf eine Berühmtheit. Er ist Mitglied der legendären Agentur Magnum, die vom Urvater der Pressefotografie Robert Capa gegründet wurde. 1981 fotografierte Sebastião Salgado das Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan und wurde schlagartig in der aktuellen Pressefotografie bekannt. Zuvor widmete sich er sich der sozialkritischen Fotografie.

Das Buch gibt es in einer Volksausgabe für rund 50 Euro, aber auch in unterschiedlichen Sammlerausgaben von 3000 bis 8000 Euro, je nach Geldbeutel.

 

Das ist mal ein Buch: Die Esther-Rolle von 1746

7. März 2013

Auf einer Zugfahrt hatte ich wieder eine Diskussion um Bücher geführt. Ich liebe Bücher, schreibe auch selbst welche, aber die Frage muss erlaubt sein: Was macht ein Buch zu einem Buch? Ist es das Papier? Ist es der begrenzte Umfang? Ist es die Haptik? Oder ist es vielleicht der Inhalt? Die Entscheidung soll jeder für sich treffen.

Innerhalb unserer Familie haben wir ein Abkommen getroffen. Klassische Romane, Fachbücher usw. also mit Schwerpunkt Text kommen nur noch als digitale Bücher, eben eBooks, ins Haus. Viele der Sachen lese ich nur ein-, zweimal und stehen nur herum. Ich weiß schon gar nicht mehr, wohin mit all den Büchern. Zwei Kellerräume sind komplett voll. Diese Sachen kann ich (bis auf wenige Ausnahmen wie Edgar Allen Poe oder J.R.R. Tolkien) als eBook konsumieren.

Aber ich bin gerne bereit für schöne Bücher aus Papier Geld auszugeben. Ich kaufe daher verstärkt bildlastige, hochwertige Bücher und Comics. Für alle Buchfreunde habe ich daher auch eine Empfehlung aus dem Hause Taschen: Die Esther-Rolle von 1746.

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Der Gebrauch von Schriftrollen reicht zurück bis in die Antike. Eine der bekanntesten ist die Esther-Rolle, hebräisch Megillah, in der die Geschichte von Königin Esther erzählt wird, die an Purim in Synagogen weltweit verlesen wird. Mit diesem Fest feiern die Juden, dass Esther und ihr Vormund Mordechai sie aus der großen Gefahr retteten, die ihnen im persischen Reich unter König Xerxes (485–465 v. Chr.) drohte.

Die 6,5 Meter lange, handgeschriebene Megillah von 1746 in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek zu Hannover ist ein kostbares Unikat und bildet die Vorlage für dieses Faksimile. Was diese Megillah auszeichnet, sind ihre reich kolorierten Illustrationen und ein deutscher Text aus der Entstehungszeit des Werkes. Da in der Synagoge keine Schriftrollen mit dekorativen Elementen benutzt werden, war die „Hannover-Rolle“ eindeutig für den Privatgebrauch bestimmt. Über 200 Jahre blieb ihr Schreiber und Illustrator unbekannt. Doch auf Basis von stilistischen Vergleichen und dem Studium historischer Quellen gelang dem Historiker Falk Wiesemann eine spannende Entdeckung: Schöpfer der Rolle dürfte wohl der jüdische Schriftgelehrte und Künstler Wolf Leib Katz Poppers aus Hildesheim gewesen sein. Taschens Faksimile wird mit einem Kommentarband geliefert, in dem Wiesemann die Bedeutung des Buches Esther für das Purim-Fest erklärt und die besondere Stellung der Megillah in der jüdischen Kunst erläutert.

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Dass nenn ich mal ein Buch: Das originalgetreue Faksimile der „Hannover-Rolle“ von 1746 kommt in einer in aufklappbarer Holzschatulle daher. Der reich illuminierte 6,5 Meter fortlaufende Text wird nach links aus dem lederbezogenen Hohlzylinder gezogen. Der beiliegende Kommentarband im Schuber mit erläuterndem Essay und Bibeltext des Buches Esther in vier Sprachen und opulenter Falttafel der gesamten Rolle gibt es im verkleinerten Maßstab. Und witzig: Die Esther-Rolle von 1746 ist limitiert auf 1746 Exemplare. Cool – doch wie passt die Esther-Rolle ins Bücherregal?