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Skulptur in München: Henk Visch: Present Continuous

25. Januar 2024

Wenn ich ein wenig Zeit habe, interessiere ich mich für Kunst in meiner Geburtsstadt München. Jetzt habe ich mir vor der Hochschule für Fernsehen und Film die Skulptur Present Continuous des Bildhauers Henk Visch angesehen.

Die Haltung der Figur; die ihren Blick zur Erde richtet, suggeriert ein stilles Suchen, versinnbildlicht durch den roten Seh- oder Gedankenstrahl. Dieser setzt sich im Inneren des Gebäudes fort. Als ein poetischer Welt-Erforscher verkörpert das Werk ein Staunen über die Rätselhaftigkeit der Existenz, aber auch den Wunsch nach Selbstvergewisserung in den unfassbaren Dimensionen Raum und Zeit. Das Kunstwerk entstand von 2007 bis 2011 aus Aluminium und Kunststoff.

Henk Visch, geboren am 27. Dezember 1950 in Eindhoven, Niederlande, ist ein renommierter Bildhauer, dessen Werke durch ihre Vielseitigkeit, Tiefe und künstlerische Ausdruckskraft beeindrucken. Visch hat im Laufe seiner Karriere eine beeindruckende Bandbreite von Skulpturen geschaffen, die in verschiedenen Materialien und Stilen ausgeführt sind.

Der Künstler begann seine kreative Reise an der Kunstakademie in ’s-Hertogenbosch, wo er Bildhauerei studierte. Sein Interesse an der Formgebung und seinen unkonventionellen Ideen entwickelte er weiter an der Kunstakademie in Arnheim, wo er von 1973 bis 1977 studierte. Vischs Arbeiten zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit und ihre Fähigkeit aus, eine emotionale Verbindung zum Betrachter herzustellen. Egal, ob er mit Holz, Stein oder Metall arbeitet, seine Skulpturen scheinen ein Eigenleben zu führen und erzählen oft Geschichten von Menschlichkeit und Existenz.

Ein Schlüsselelement in Vischs Werk ist die Betonung der menschlichen Figur. Seine Skulpturen sind oft abstrakt und doch in ihrer Form menschenähnlich. Der Künstler nutzt diese menschliche Präsenz, um tiefe emotionale Resonanzen zu erzeugen und den Betrachter zum Nachdenken über die menschliche Natur anzuregen. Visch hat in zahlreichen Solo- und Gruppenausstellungen in Europa und darüber hinaus teilgenommen. Seine Werke sind in verschiedenen öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden, was seinen Einfluss und seine Anerkennung in der Kunstwelt unterstreicht.

Die Skulpturen von Henk Visch sind oft von philosophischen und poetischen Konzepten durchdrungen. Der Künstler selbst hat in Interviews betont, dass er die Idee der Offenheit in seiner Kunst schätzt, und dass er es bevorzugt, den Betrachter Raum für eigene Interpretationen zu lassen. Dies spiegelt sich in der subtilen, aber dennoch kraftvollen Sprache seiner Skulpturen wider.

Vischs Beitrag zur zeitgenössischen Bildhauerei ist bedeutend und bleibt sowohl für Kunstliebhaber als auch für Fachleute inspirierend. Seine Kunstwerke verbinden handwerkliche Meisterschaft mit einer tiefen Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz und hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck in der Welt der bildenden Kunst.

Demokraten stehen auf – Demo gegen Rechtsextremismus in München und ich war dabei

22. Januar 2024

Ich bin stolz auf meine Geburtsstadt München, dass sie ein eindeutiges Zeichen gegen Rechtsextremismus, gegen Hass und gegen die AfD abgab. Menschen jedes Alters versammelten sich in München, um wie in ganz Deutschland gegen den braunen Dreck Flagge zu zeigen und die Demokratie zu verteidigen. Auch meine Familie war dabei. Wir dürfen jetzt nicht gleichgültig sein.

Die Veranstalter sprachen von 250.000 Teilnehmern, die Polizei von 100.000 – ich hab die Demonstranten mit ihren Fahnen und Transparenten nicht gezählt. Aber es waren viele, ganz viele. Sie gingen auf die Straße und setzten ein Zeichen und das in einer überwältigenden Masse. So wurde der geplante Demonstrationszug wegen der enormen Beteiligung der Bevölkerung abgesagt. Dennoch sind einige Hundert vor das Haus der rechten Burschenschaft Danubia gezogen. Die gesamte Veranstaltung lief friedlich ab, wie ich bisher gehört habe.

Interessant war, dass sich auch viele aus meiner ländlichen Gemeinde auf den Weg nach München machten, um dem Rechtsextremismus Paroli zu zeigen. Das Münchner Umland machte mobil und nein, es lang nicht nur am Spiel des FC Bayern. Die S-Bahn nach München war voll, aber so richtig voll wurde es dann als man an der Ludwigstraße ankam. Bis zum Siegestor, dem eigentlichen Ort der Kundgebung, kamen wir schon gar nicht mehr. Wir standen also direkt an der LMU, hinter uns die Massen bis zum Odeonsplatz, vor uns die Massen bis zur Münchener Freiheit. Die Stimmung unter alt und jung, klein und groß war gut. Ein starkes Zeichen für die Demokratie und ich bin stolz ein ganz kleiner Teil dieser Brandmauer gegen den Faschismus zu sein. Es ist wichtig hier ein Zeichen zu setzen.

Ich sehe hier einen klaren Auftrag an die gewählten demokratischen Volksvertreter, aber auch für uns normale Bürger, sich mit den Themen der AfD auseinanderzusetzen und die braune Brut zu demaskieren. Ich habe kein Verständnis für Wähler und Funktionsträger dieser Partei. Es ging mit den Demos im ganzen Land ein Ruck durch die Zivilgesellschaft.

Die Ergebnisse der Recherchegruppe Correctiv deckten einen Geheimplan gegen Deutschland auf. Hochrangige AfD-Politiker, Neonazis und finanzstarke Unternehmer kamen im November 2023 in einem Hotel bei Potsdam zusammen. Sie planten nichts Geringeres als die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland. Die Enthüllungen brachten bei den Menschen in meiner Umgebung das Fass endgültig zum Überlaufen. Spontan fiel mir die Wannsee-Konferenz ein.

Distanzierung von wirren Aussagen
Einige Reden der Veranstalter verursachten allerdings bei den meisten aus meiner Umgebung auf dem Geschwister Scholl Platz nur Kopfschütteln. Da wurde u.a. die internationale Solidarität beschworen, zum Kampf gegen Kapitalismus und die klassischen Volksparteien aufgerufen und mehr Unsinn. Veranstalterin Lisa Poettinger skandierte immer wieder linke und linksextremistische Parolen, was aber bei den meisten Demonstranten auf keinen fruchtbaren Boden stieß und nur Kopfschütteln erzeugte. Der Klassenkampf stieß auf taube Münchner Ohren. Die Masse der Münchner wollten hier Flagge gegen Rechtsextremismus und gegen die AfD zeigen und distanzierte sich von einigen Aussagen der linken Aktivistin Lisa Poettinger und ihren Kumpanen. Die 27jährige ist Mitglied der Extinction Rebellion und mir im Vorfeld immer wieder aufgefallen durch das Posten von antisemitischen Kommentaren. Daher die Klarstellung für meine Familie und mich: Dieses Äußerungen unterstützen wir nicht, es geht uns ausschließlich darum, unsere Demokratie gegen Extremismus jeder Art zu verteidigen.

Die Kapelle Kafvka, eine deutsche Crossover-Band aus Berlin, durfte auch noch spielen. Es gab den Song „Alle hassen Nazis“ zu hören. Aha und dann will man sich in den Texten der Band gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit aussprechen. Naja, ein Fan der Band werde ich nicht.

Oktoberfest: Auf der Suche nach dem goldenen Engel in der Ochsenbraterei

22. September 2023

Auf dem Oktoberfest gibt es viele Engel, kleine und große, hübsche und weniger ansehnliche – alles eine Frage des Geschmacks. Am bekanntesten ist sicher der Engel Aloisius. Aber es gibt in der Ochsenbraterei auch den goldenen Engel, der eine über vierzigjährige Tradition hat, von denen die meisten Wiesn-Besucher nichts mitbekommen haben.

Die Engelsfigur wird jedes Jahr in dem 7700 Besucher fassenden Festzelt der Familie Haberl an einem anderen Platz aufgehängt, so will es der Brauch. Wenn das Zelt errichtet wird, postieren die Arbeiten den Engel an einer versteckten Stelle und die Wirtsfamilie um Antje Haberl müssen die goldene Engelsfigur finden, sonst droht Pech. Dabei ist der Engel bei den ganzen Figuren im oberen Teil des Festzelts und dem allgemeinen Trubel im Zelt schwer auszumachen. Der Engel hat jedes Jahr eine Bedeutung, erinnert er doch an verstorbene Bekannte.

Dieses Jahr 2023 hat der goldene Engel in der Ochsenbraterei eine besondere Bedeutung. Der an Parkinson erkrankte Promi-Zuckerbäcker Bode E. Müller nahm sich im Mai 2023 das Leben, weil keinen zur Last fallen wollte. Er stürzte sich aus dem fünften Stock eines Hauses am Rosental in der Innenstadt. Müller hatte gegenüber der Ochsenbraterei seinen Verkaufsstand und war unter den Wiesnwirten und den Belegschaften sehr beliebt. Er hatte das Herz am rechten Fleck. Der Tod erschütterte sie alle. Und so wurde der Goldene Engel der Ochsenbraterei dieses Jahr Bodo Müller gewidmet. Der Engel blickt in Richtung des Bodo-Zeltes. Zudem wurde der Engel mit einer Torte ausgestattet.

Diese wunderschöne Geschichte erfuhr ich bei unserem jährlichen Wiesn-Stammtisch der Aktion Pit Togohilfe, zu dem Familie Haberl dankenswerterweise den Vorstand einlädt. Dieses Mal kamen wir mit prominenter Begleitung in Form von Dr. Michel Kodom von Aimes-Afrique, unserem Partner in Togo. Kodom kommt aus Togo und ist ein Fan von Mythen und Legenden. So genoss er die Erzählungen von Wirtin Antje Haberl und ich lauschte aufmerksam. Am Smartphone zeigte sie, wo der Engel im Zelthimmel befestigt ist.

Nach dem Stammtisch machte ich mich auf die eigene Suche nach dem Engel. Rund 15 Minuten suchte ich erfolglos. Daher sprach ich eine Wiesnbedienung an, die eigentlich im Stress ist. Zu meiner Überraschung freute sie sich und nahm mich an die Hand, zog mich durch die Betrunkenen durch und zeigte mir mit einem freundlichen Lächeln den Engel im Zeltdach. Den Ort verrate ich euch nicht. Da müsst ihr selbst suchen und an die schöne Geschichte mit dem Engel in der Ochsenbraterei auf der Wiesn denken.

Wiesn-Einzug der Festwirte zum Oktoberfest 2023 – ich war dabei

16. September 2023

Obwohl ich in München geboren in, mache ich in der Regel einen großen Bogen um das Oktoberfest. Früher und auch dieses Jahr habe ich ein paar Einladungen und gehe gerne hin, aber in der Regel sind mir dort zu viele Menschen und ich habe nicht so gute Erinnerungen an die Wiesn.

Aber dieses Mal ist es anders: Meine Frau hatte eine Einladung vom kda – Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, den Einzug der Wiesnwirte zum 188. Oktoberfest zu genießen, denn deren Büros liegen direkt an der Schwanthalerstraße, wo der Festzug eine Stunde lang vorbeigeht. Zuvor gab es Weißwurst und Brezn, Weißbier und Obazda und nette Gespräche. Dann manche man es sich am Fenster bequem und konnte den Trubel von erhöhter Position aus betrachten. Ich filmte und fotografierte und freute mich über die wunderbare Einladung.

Das Münchner Kindl erkannte ich ebenso wie Oberbürgermeister Dieter Reiter samt Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner. Natürlich versagte ich bei Giovane Élber, weil ich in Sachen Fußball nicht meine Prioritäten habe und auch andere A-, B-, C-Promis in Kutschen und auf den Gespannen waren nicht unbedingt mein Fall. Aber ich freute mich, dass der Fanfarenzug Gernlinden aus meiner Wohnortgemeinde Maisach den Festumzug anführte. Hier der Umzug als Zeitraffer.

Die Gespanne der Münchner Brauereien waren hervorragend geschmückt, ebenso so manche Zuschauer, die Tracht mit Fasching verwechselten. Aber leben und leben lassen, heißt es doch bei uns in Bayern. Hier der Umzug in Originallänge.

Großes Lob an die Ordnungskräfte in München. Sie hatten die Lage augenscheinlich hervorragend im Griff. Das Festgelände ist eingezäunt, an den Zugängen wird stichprobenartig kontrolliert, große Taschen und Rucksäcke sind verboten. Die U-Bahn-Mitarbeiter waren auf zack, waren freundlich und der ein oder andere sprach sogar mal Englisch. München wird doch langsam zur Weltstadt.

Richtig toll empfang ich den Schluss des Festzuges. Dort folgten berittene Polizei und Mitarbeiter der Rettungskräfte sowie Feuerwehr den Bierwagen und wurden mit donnernden Applaus der Gäste links und rechts der Schwanthalerstraße beklatscht. Und ebenso die Engel in Orange der Stadtreinigung, die gleich die Pferdeäpfel mit Reinungswägen aufsammelten und die Straße reinigen. München ist eine saubere Stadt und weiß, was es an den Touristen hat.

Die Maß Bier kostet mit bis zu 14,90 Euro soviel wie ein Kasten Bier im Supermarkt, wird aber dennoch gekauft. Neu sind auch vier Gratis-Trinkwasserstellen von den Stadtwerken auf der Wiesn, nachdem eine Maß Wasser mehr als zehn Euro kostete. Ich hab gesehen, dass es schon einen Run auf die 120.000 Sitzplätze auf der Wiesn gab. Da war ich froh bei der kda – Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern einen gemütlichen Sitzplatz zu haben und die Versorgung war ausgezeichnet.

Für mich ein Star unter den Münchner Straßenmusikern: Ralph Kiefer

12. September 2023

Die Musik mit der stärksten unmittelbaren Resonanz ist Straßenmusik. Als Passant geht man von Musiker vorbei und innerhalb von Sekundenbruchteilen erfasst man Klang und Performance und entscheidet sich stehenzubleiben oder weiterzugehen. Straßenmusik ist ein hartes Business, aber ein zutiefst ehrliches Business – das Feedback ist unmittelbar.

In Einkaufspassagen oder U-Bahnhöfen bringen die Künstler ihre Kunst für ein paar Cents dar. Ich habe schon tolle Musiker entdeckt bei der Stadtoase in München im Rahmen der IAA habe ich endlich auch mal Ralph Kiefer gehört. Immer wieder habe ich von ihm gelesen und nun bin ich durch Zufall an ihn geraten. Seine Klaviermusik hat mich sofort in Beschlag genommen.

Ich ließ mich nieder, erwarb seine CD Winter Album, ließ es mir signieren und genoss sein fast meditatives Klavierspiel. In München ist Ralph Kiefer ein Geheimtipp und gleichzeitig eine Berühmtheit. Er löste sich von der klassischen Musikindustrie und zieht sein Ding durch, scheinbar mit Erfolg. Zumindest soweit, dass er von seiner Kunst leben kann. Dabei macht es ihm die Technik einfacher als früher. Er braucht kein klassisches Aufnahmestudio, sondern Mac, Mikro und Software reichen, um die Musik zu speichern, auf CD zu pressen oder auf Streaming-Diensten anzubieten. Und Ralph Kiefer setzt auf Social Media und das mit großem Erfolg. Auf er Bühne und Klavier sind die Hinweise zu seinen Social Media-Account nicht zu übersehen – ja, so wird heute Marketing in eigener Sache gemacht. Damit gelingt ihm eine nationale und internationale Reichweite und ein Dialog mit seinen Fans. Das kostet natürlich Zeit, aber es lohnt sich scheinbar, denn damit erhält die Musik eine interessante Reichweite, wenn die Kommunikation mit den Fans stimmt.

Seinem Klavier hat Straßenmusiker Ralph Kiefer ein Fußpedal hinzugefügt, wie für eine Basstrommel, das Klavier ist der Resonanzboden. Dazu gibt es noch ein Becken, was er dann und wann anschlägt – eine Ein-Mann-Band.

Musikalisch ist es eine Mischung aus Klassik mit New Age, aber es klingt auf jeden Fall nach viel Improvisation. Ralf Kiefer kommt vom Jazz, studierte beim Russen Leonid Chizhik. Ab 1992 war Chizhik als Dozent am Richard-Strauss-Konservatorium München tätig, ab 1994 als Professor an der Musikhochschule Weimar und seit 2004 zugleich an der Musikhochschule München.
München, so habe ich es gehört, sei ein schweres Pflaster für Straßenmusiker. Es muss täglich eine Lizenz im Rathaus beantragt werden. Sind die Lizenzen des Tages vergeben, dann war es das. So entsteht unter den Musikern, Künstler und Schaustellern ein massiver Konkurrenzkampf. Da hatte es Ralph Kiefer bei der Stadtoase im Rahmen der IAA besser – hier kamen die Organisatoren auf ihn zu.

IAA München – die Zeiten der großen Autoshows sind für mich vorbei

10. September 2023

Beim Schlendern durch die IAA Mobility Days, die München eine Woche in Beschlag genommen haben, stieß ich auf zahlreiche Anregungen und musste vor allem mit meinen eigenen Vorurteilen kämpfen. Die IAA in München ist nicht mehr die IAA in Frankfurt und die Zeiten der großen Autoshows sind wohl vorbei.

Wohltuend empfang ich das Konzept der Motorworld München, die losgelöst vom IAA Trubel ihr eigenes Ding durchzogen mit Unterstützung der Messe-Verantwortlichen: Autos (und Mobilität) für Fans draußen in Freimann. Das kam gut an.
Auf dem Messegelände war bei der IAA in München nur B2B-Geschäft möglich, der normale Autofan blieb außen vor. Dem blieb die Innenstadt von München, um sich mit dem Thema Mobilität auseinandersetzen. Und Mobilität ist deutlich mehr als Autos. Das war inspirierend, aber nicht dass, was ich eigentlich sehen wollte. Aber ich muss es nochmals sagen: Die Zeiten der großen Autoshows sind wohl vorbei.

Es war eine große Mobilitätsschau und es gab rund um den Odeonsplatz und Marienplatz allerlei Stände zur Fortbewegung, darunter auch Automobil-Hersteller. Interessiert vernahm ich das massive Auftreten der chinesischen Hersteller im Bereich Elektro-Auto. Auch hier erfahren wir eine Zeitenwende. Der Verbrenner ist wohl durch, neue Konzepte sind gefragt. Und hier müssen sich die bayerischen und deutschen Autobauer neu aufstellen. Das passiert wohl, aber mehr Demut ist angesagt.

Elektro-Autos können auch andere bauen – Tesla hat gezeigt, wo der Hammer hängt und was möglich ist. Der BYD-Stand hat vom Gefühl her die Größe des Auftritts der Volkswagen-Gruppe, aber das Spektrum ist größer. Bei VW hab ich mich in den Bus gesetzt, bei BYD in die Limo. Laut Veranstalter VDA sind sieben Hersteller aus China vertreten. Tatsächlich sind es mehr, denn Marken wie Nio und Voyah (Dongfeng) zeigen abseits der Ausstellungsgelände ihre Fahrzeuge. Nio habe ich ausführlich auf der Motorworld angeschaut. Von Renault bin ich beleidigt, weil sie den Zoe eingestellt haben und lieber größere Autos bauen. Mein Herz schlägt für den Microlino, vielleicht weil meine Eltern in jungen Jahren eine Isetta besaßen. Sehr fein, aber alles auch sehr teuer. Mein Hybrid muss bitte noch einige Jahre fahren, denn einen Neuwagen kann und werde ich mir bei der heutigen Wirtschaftslage nicht leisten (können).

So schlenderte ich von Stand zu Stand, bekam kostenloses bayerisches Trinkwasser (sehr gute Idee und bitte dauerhaft installieren in einer Stadt wie München), ich hörte mir ein paar Vorträge an und staunte über die Vielfalt von Mobilität. Ich schaute eine Radlwaschanlage an, studierte Flugblätter und erfreute mich an einem Concept Car von Opel.

Organisiert war die Veranstaltung hervorragend. Es gab zahlreiche Security-Menschen, denn Aktivisten waren in München zu Gange. Es gab Proteste, es gab Straßenblockaden der Klimakleber und Kollegen. Ich habe als konsequenter Nutzer des ÖPNV davon nichts mitbekommen, außer dass München einen Tag lahmgelegt war, weil ein Bagger eine Oberleitung herunterriss und damit kein Zug die Landeshauptstadt anfahren konnte.

Braucht es die IAA in München? Die Frage müssen andere beantworten. Der Rundgang durch die Stände war nett, aber wirklich gebraucht hab ich es nicht.

Konzertkritik: Bruce Springsteen in München 2023

24. Juli 2023

Der Boss war in der Stadt und es war eine Selbstverständlichkeit, dass ich ihn einen Besuch im Münchner Olympiastadion abstattete. Ich hatte ihn zuletzt 2016 dort gesehen als er die Hütte rockte. Jetzt mit 73 Jahren flog bei der Hütte das Dach weg. 2:45 Stunden spielte sich Bruce Springsteen alleine und mit E-Street-Band die Seele aus dem Leib. Hier bekommt der Fan etwas geboten für die happigen Eintrittspreise im ausverkauften Konzert.

Springsteen ist ein alter Fuchs und weiß um seine exzellente Bühnenpräsens, die er sich über schweißtreibende Jahre erarbeitet hat. Der große Entertainer hat sich den Ruf bewahrt, eine mehr als solide Show abzuziehen und setzt einig und allein auf die Ausstrahlung und Musikalität von Künstler und Band. Keine große Lightshow, keine Gimmicks, kein Feuerwerk – schlichtweg kraftvoller Stadion-Rock’n Roll, der in großen Teilen in jahrelangen Touren durch die Arenen dieser Welt einstudiert war. Interessant wäre es mal die Wirkung in einen Club in New Jersey zu erfahren, wo alles mal begonnen hat.

Emotional wird es in München da, wenn Bruce direkten Kontakt mit seinen Fans aufnimmt und nahe heran kommt. Dieses Mal gab es kein Heraufbitten von Fans auf die Bühne und gemeinsame Absingen der Klassiker. Aber vor allem zu seinen jüngsten Fans hatte Springsteen direkten Kontakt, unterschrieb sogar bei laufender Show ein Autogramm und verteilte mehrmals Gitarrenplektren aus seiner „Coin Pocket, der fünften Tasche der Jeans. Alles von Kameras eingefangen und auf drei Großbildleinwände übertragen. Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, als es diese Übertragungen noch nicht gegeben hat und der Musiker ein kleines Männchen in weiter Ferne auf einer Bühne war?

Überraschungen bei den Songs gab es keine. Gewohnte Kost, die uns als Fan schmeckt. Ein paar neue Songs, ein paar Klassiker zum Mitsingen. Springsteen hielt sich weitgehend an sein Set dieser Tour. Einig Johnny 99 war neu im Programm, das musikalisch überarbeitet und angereichert wurde. Es stammt von meinem persönlichen Lieblingsalbum Nebraska. Für mich der Höhepunkt des Konzerts.

ch mochte natürlich den Patti Smiths Klassiker Because the Night, ich träumte bei Glory Days, erinnerte mich die Born to Run-Zeit, rief mir bei The Rising den Schrecken des 11. Septembers zurück und freute mich über den ewigen Klassiker The River. Die Videos sind hinterlegt.

Zwischendurch gab es Geschichten aus der Anfangszeit von Springsteen. Er berichtete vom Tod seines letzten Bandenmitglieds aus der Anfangszeit seiner Karriere. Überhaupt drehte sich bei dem 73jährigen viel um Abschied, Trauer und Tod. Ein Blick zurück und gleichzeitig der Appell sein Leben zu leben. Das kam natürlich bei uns Fans gut an. Auch diese Ansprachen beherrscht der Boss perfekt und sie kommen spontan herüber, obwohl sie natürlich gescripted sind. Interessant auch, dass so mancher Song auf den Großbildleinwänden mit deutschen Untertiteln lief.

Im Netz maulte zwar einer, dass der Boss nicht mal Born in the USA nicht gespielt habe, aber Springsteen ist keine Jukebox, die spielt was der Fan will, sondern ein Künstler mit einem enormen Repertoire. Auch die Überarbeitung der Songs für die Bühne und ein großes Publikum ist schlichtweg gelungen. Bruce Springsteen versteht sein Handwerk und die E-Street-Band ist ein erstklassige Band. Persönlich mag ich den Humor von Steven Van Zandt/Little Steven samt Bandana, das seine Kopfverletzung verbirgt. Saxophonist Jake Clemons hat ebenso musikalische wie auch schauspielerische Qualitäten. Leider war Patti Scialfa dieses Mal auf der Bühne nicht dabei.

Den Abschluss machte ein ruhiges, besinnliches I’ll See You in My Dreams, Springsteen solo mit der Akustikgitarre. Der 2021 erschienene Song ist dem 2021 verstorbenen Australier Michael Gudinski gewidmet. Ein schöner Abschluss, um sich dann in das Münchner Verkehrschaos zu begeben. Und ich gelobe: Kommt Springsteen nochmals in die Stadt, dann bin ich wieder dabei.

49 Euro Ticket – ich bin bereit

24. April 2023

Ich bin dabei und habe schon Pläne für die eine und andere Reise. Gemeint ist das 49 Euro Ticket, auch Deutschland­ticket genannt. Grundsätzlich begrüße ich den Umstieg auf den ÖPNV, aber die Einführung des Tickets ist im Detail holprig.

Mehr als jeder zehnte erwachsene Mensch hat bereits das Deutschland­ticket gekauft, sagt eine YouGov-Umfrage für die dpa. 15 % planen, sich das bundes­weite Ticket für Bus und Bahn noch zu kaufen. 57 % wollen verzichten, etwa weil das ÖPNV-Angebot bei ihnen nicht gut ausgebaut sei. Von den Befragten, die das Ticket bereits gekauft haben, buchten 40 Prozent das Abo bei der Deutschen Bahn und 42 Prozent bei einem regionalen Verkehrsunternehmen, um das regionale Unternehmen zu unterstützen. Ich habe mein Ticket von der Bahn über den DB Navigator gekauft. Was ich absolut nicht verstehe, dass die Nachfolger-App NextDBNavigator das Ticket noch nicht anbieten und dies ein paar Tage vor dem 1. Mai. Laut Aussage der Bahn arbeite daran, die App zu aktualisieren. Das zeigt, wie es um die Digitalisierung des Standortes Deutschland steht.

Für mich als Bewohner des Speckgürtels um München ist das 49 Euro Ticket eine Bereicherung. Ich werde nun öfters in die Landeshauptstadt München fahren, um Ausstellungen oder Lesungen besuchen – oder auch verstärkt Ehrenämter wahrzunehmen. Eine Tagesticket nach München kostet mich im Moment rund 12 Euro, da ist das 49 Euro Ticket mit ein paar Fahrten nach München und durch Oberbayern schnell wieder eingespielt. Auch werde ich den Bus in die nahe Kreisstadt nutzen, um bei meinem Lieblingsbäcker einzukaufen.

Im Moment kämpfe ich mit dem Jobticket, schließlich kann das Deutschlandticket auch als Jobticket bezogen werden: Wenn der Arbeitgeber mindestens 25 Prozent des Preises übernimmt, gibt es einen Rabatt von 5 Prozent. Den Verbraucher kostet der Fahrschein dann noch 34,30 Euro oder weniger, je nach Arbeitgeberanteil. Das klingt gut, doch in München klappt es nicht. Der MVG ist komplett überlastet. Vor Wochen haben verschiedene Arbeitgeber den Rahmenvertrag angefordert und nichts ist passiert.

Was mich wirklich stört, ist die schon angedrohte Preiserhöhung. Bei 49 Euro wird es wohl nicht bleiben. Eine Preisanpassung hat man sich offen gelassen. Das ist zwar ehrlich, aber je nachdem wie hoch die Preissteigerung ausfällt, wird die Akzeptanz (auch bei mir) nachlassen. Ich bin das politische Spiel müde. Daher nenne ich das Deutschlandticket (was eigentlich ein guter Name ist) lieber 49 Euro Ticket. Beim Namen Deutschlandticket fällt die angestrebte Preiserhöhung nicht so auf, bei 49 Euro Ticket dann schon.

Ich war dabei: Eröffnung von Lego Flagship Store München

30. September 2022

Das Paradies hat seine Pforten geöffnet und mit mir wollten mehrere Hundert die himmlischen dänischen Hallen betreten. Der Lego Flagship Store in München hat am 29. September geöffnet. In der Kaufinger Straße, mitten in der Münchner Fußgängerzone und wenige Meter vom Marienplatz hat Lego seinen größten deutschen Store eröffnet. Wer rechtzeitig kam, bekam die Fließe „I love Lego store Munich“ beim Verlassen geschenkt – ich hatte Glück. Aber vorher war Anstehen angesagt:

Auf 557 Quadratmetern können Lego Fans eine Welt auf zwei Etagen voller Kreativität, die physische und digitale Erlebnisse kombiniert, entdecken. Inspiriert von bayerischen Traditionen, Kultur und Sehenswürdigkeiten bietet der Flagship Store zudem eine kreative bayerische Erlebniswelt mit Lego 3D-Modellen wie der Nachbildung des neuen Rathauses am Marienplatz (117.235 LEGO Elemente), Mosaikbildern von Schloss Neuschwanstein (je 77.974 LEGO Elemente) oder auch einem Alpenpanorama (190.671 LEGO Elemente).

Aber all dies ging komplett unter, denn wahre Menschenmassen drängelten sich im Laden und es wurden die Bricks gekauft, was das Zeug hielt. Sammler aus nah und fern kauften gleich mehrere Sets der bunten Steine auf einmal. Jemand schleppte mehrmals die fette Titanic aus dem Store. Mich zuckte es hin und wieder, aber ich hatte ja meiner Frau versprochen, auf absehbare Zeit keine Lego Modelle mehr zu kaufen. Obwohl der Atari 2600 Nachbau schon sehr interessant aussah – von Lego Star Wars ganz zu schweigen.

Der Store wurde bewusst zur Oktoberfestzeit eröffnet, damit Lego sein Brezelfest, die Lego Variante des Oktoberfests, feiern konnte. Das Brezelfest zieht sich wie ein roter Faden durch den Store, inspiriert von Trachten, Musik und Essen des Münchner Herbstfestes. Interaktive Minifiguren-Großmodelle in traditionellen Kostümen halten Brezeln und Lebkuchenherzen oder spielen Saxofon und Akkordeon.

Wenn sich der erste Ansturm gelegt hat, würde ich gerne das Lego Personalisierungsstudio ausprobieren. b ein Selbstportrait mit dem Lego Mosaic Maker zum Aufhängen und Dekorieren oder die eigene Minifigur mit der LEGO Minifiguren-Fabrik kreieren – für Fans gibt es im Münchner Flagship Store tolle Individualisierungs-Möglichkeiten zu entdecken.

Ich habe hier mal einen Rundgang durch den Store in VR 360 gedreht:

Für Sammler interessant: Ab einem Einkaufswert von 120,00 Euro erhalten Kund:innen vom 29. September bis zum 3. Oktober ein exklusives LEGO Store Set zu ihrem Einkauf dazu. Vom 4. bis 7. Oktober gibt es bei einem VIP-Einkauf ab 75,00 Euro einen LEGO Lieferwagen gratis dazu (solange der Vorrat reicht). Vielleicht kaufe ich doch noch das Atari-Set.

Wolf Biermann spielt Heinrich Heine in München

16. September 2022

Ich dachte immer, im Alter kommt die Milde. Ich habe mich getäuscht: Bei Wolf Biermann ist das absolut nicht der Fall. Mit seinen 85 Jahren ist Biermann ein starkes Denkmal und Mahnmal der deutsch-deutschen Geschichte, der sich trotz oder vielleicht auch wegen des hohen Alters immer wieder zu Wort meldet. Und Diplomatie war nie sein zweiter Vorname.

Im ausverkauften jüdischen Gemeindezentrum in München spielte er vor ausverkauftem Saal. Drei Tage zuvor trat er in der Elbphilharmonie seiner Geburtsstadt Hamburg auf. Kern des Programms waren aber nicht nur die klassischen nachdenklichen und provokanten Lieder und Gedichte, sondern Wolf Biermann war im Zwiegespräch mit dem deutsch-jüdischen Dichter Heinrich Heine. Geschickt führte uns Biermann in die Welt Heines ein, führte Dialoge mit dem Dichter und da durften Wintermärchen und Loreley nicht fehlen – zudem gab es zu diesen Werken die musikalischen Interpretationen aus Sicht Biermanns.

Sehr bewegt war für mich persönlich Auseinandersetzung Biermanns mit Heine mit dem Gedicht „Sie saßen und tranken am Teetisch“ und seiner Mutter – hier das Video dazu.

Spott und klare Worte fand Biermann immer wieder zum Kommunismus, mit dem er gebrochen hat. Dieses Mal bekam die Partei der Linken als Nachfolger der SED- und Stasi-Dikaturpartei nicht direkt seinen Zorn und Häme zu spüren. Dafür bekam Brecht und seiner Verehrung des Kommunismus in seinen Werken das Fett ab.

Und Biermann bezog Stellung zum Ukraine-Krieg und dem deutschen Pazifismus. Er präsentierte ein neues Lied in München. Ein Vers lautet:

„Und jetzt wedelt mit seinem russischen Hund
Manch deutschnational-pazifistischer Schwanz
Mein Herz spielt verrückt im Ukrainekrieg
verrückt Toleranz mit der Intoleranz.“


Mit klaren Worten bezieht der 85jährige Stellung. Er muss nicht mehr gefallen und er hat sich nie angebiedert, was ja auch 1976 zu seiner Ausbürgerung aus der DDR führte. Es hat gut, einen solchen Mahner mal live zu erleben. Der Mann hat seine Verdienste. Ich wollte mich in der anschließenden Autogrammstunde persönlich bei ihm mit einem Händedruck bedanken, was er aber auch Corona-Hygienevorschriften ausschlug.

Dennoch: Danke Wolf Biermann für Ihr Werk. Und es tat gut, den Song Ermutigung aus seinem Mund live zu hören.
Du, lass dich nicht verhärten
In dieser harten Zeit
Die allzu hart sind, brechen
Die allzu spitz sind, stechen
Und brechen ab sogleich
Und brechen ab sogleich