Posts Tagged ‘Kunst’

Maler Edward B. Gordon über Apple, Verpackungen und Galerien

27. Mai 2014
Trio beim Interview. V.l. Thomas Gerlach, Edward B. Gordon und ich.

Trio beim Interview. V.l. Thomas Gerlach, Edward B. Gordon und ich.

Als Kunstfan habe ich ein paar Maler im Auge, deren Werk ich faszinierend finde. Oftmals interessierte ich mich nicht nur für das künstlerische Schaffen, sondern auch für die Person dahinter.

Dazu gehört auch der Künstler Edward B. Gordon, der zeitweise in Berlin und London wohnt und malt. Über Gordons Werk habe ich bereits gebloggt. Seine Tagesbilder sind berühmt und stehen bei Sammlern hoch im Kurs. Inzwischen hat er über 2500 Tagesbilder verkauft – jeden Tag ein Bild.

Vor kurzem stattete ich Edward B. Gordon einen Besuch in seinem Berliner Atelier ab. Dabei ging es mir nicht um ein Gespräch über Kunst und Werke, sondern ich interessierte mich eher für Technik und Vertriebsmodelle. In einem Interview zusammen mit meinem Kollegen Thomas Gerlach fragten wir Edward B. Gordon danach. Auch wenn Kunstfreunde jetzt enttäuscht sind, aber die Ideen sind wirklich gut.

Edward B. Gordon entpuppte sich im Interview als Mac-Fan. Er zeigte sich vom Werk vom verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs tief beeindruckt. Die i-Technologie von Apple verschaffte Gordon den Zugang zur Technik und damit zum Internet. Beeinflusst von amerikanischen Künstlern malt er seit mehreren Jahren täglich ein Bild (daily painting) und entdeckte über das Web einen neuen Vertriebsweg, Über seine Website wird das Tagesbild versteigert. Wer den höchsten Betrag bietet, der bekommt den Zuschlag. Und jeden Tag wurde ein Tagesbild verkauft – das Mindestgebot liegt bei 150 Euro, der reale Verkaufspreis ist in der Regel weit höher. “Steve Jobs hat mir Werkzeuge in die Hand gegeben”, so Gordon. “Sie haben mir ein Fenster zu Welt eröffnet.” Und weiter: “Die Apple-Technologie hat den Vorteil, das sie leicht zu bedienen ist – es funktioniert.”

Wer ein Bild von Gordon ersteigert, bekommt nicht nur ein Bild geschickt, er bekommt das Bild in einer wunderbaren Verpackung. Ähnlich wie das Unboxing eines Apple Produktes wird hier Kunst zelebriert. Die Idee hatte Gordon beim Kauf einer kleinen Haarspange für seine Frau bei Chanel in Paris. Obwohl es nur eine kleine Spange war, wurde Gordon wie ein Kunde behandelt, der dort in Schmuck in Millionensumme einkauft. “Ich wurde behandelt wie ein König”, beschreibt Gordon sein Einkaufserlebnis. Diese Idee übertrug er auf den Versand seiner Tagesbilder.

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Mit dem Verkauf seiner Bilder über das Internet schaltet Gordon den klassischen Kunsthandel aus. Galerien, die an der Kunst mitverdienen, braucht Gordon nicht. Er liefert als Produzent direkt zum Konsument und überspringt den Zwischenhandel. “Ich habe überhaupt nichts gegen Galerien.” Aber dennoch zeigt sich auch hier, wie sich die Welt der Kunst ändert.

 

Vor 27 Jahren gestorben: Andy Warhol

22. Februar 2014

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Heute vor 27 Jahren starb der Künstler Andy Warhol. Den meisten ist Warhol als Pop Art-Künstler bekannt, die Suppendose von Campell’s oder die Farbvariationen von Marilyn Monroe seien genannt. Andere kennen Warhol als Filmer oder Musiker, wie beispielsweise als Protegé für die genialen Velvet Underground. Ich möchte heute an den Grafiker und Zeitungsdesigner Warhol erinnern. Das Buch Warhol: Headlines vom Presel-Verlag zeigt die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Massenmedien.

In einem Vor-digitalen-Zeitalter war Warhol mit Schere und Kleber zu Gange. Das Buch zeigt 80 Arbeiten des Künstlers, die von damaligen Boulevardzeitungen und anderen Massenmedien beeinflusst sind. Ich denke, vor allem der Boulevard-Journalismus der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat es Warhol angetan. In den Warhol-Exponaten, darunter Gemälde, Zeichnungen, Drucke, Fotografien, Skulpturen und Videos, geht es um Sensationslust. Zeitungsausschnitte, Fotos, Schnipsel wurden verwendet und von Warhol neu interpretiert. – beleuchten seinen einprägsamen Umgang mit der Sensationslust zeitgenössischer Medien. Andy Warhol, der als einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts gilt, konzentrierte sich vor allem in den 1960er-Jahren auf triviale Sujets der Popkultur, sammelte Zeitungsausschnitte sowie Pressebilder aus Tageszeitschriften, Kinoheften und Flugblättern. Die Beschäftigung mit den Printmedien nimmt eine herausragende Stellung in seinem Schaffen ein und wird jetzt erstmals umfassend und gebührend gewürdigt.

Autorin Molly Donovan ist Kuratorin der Modern and Contemporary Art an der National Gallery of Art in Washingtonon. Sie hat ganze Arbeit geleistet und erstmals alle Arbeiten in den Buch Warhol: Headlines zusammengefasst, die von Zeitungen und Massenmedien beeinflusst sind. Von Februar bis Mai 2012 war eine Ausstellung im Frankfurter Museum für moderne Kunst zu sehen, zu der dieses Buch auf Deutsch erschien. Ich bekam das Buch leider jetzt erst zum 27. Todestag des Künstlers in die Hände. Leider habe ich die Ausstellung nicht gesehen, was mich im Nachhinein ärgert. Warhol hat mir immer Anregungen gegeben, obwohl mir vieles nicht gefallen hat. Filme und Musik waren immer eine Provokation und es waren sicherlich seine vorliegenden Arbeiten über die Massenmedien auch. Das Buch befasst sich intensiv mit den Zeitungsallegorien, den frühen Zeitungsbildern, die Film-, Fernseh- und Videowelten sowie die Scrapbooks von Warhol. Ausführlich werden die Arbeiten von fachkundigen Kunstprofessoren besprochen und analysiert und interpretiert. Auch hier stimme ich nicht mit allen Interpretationen überein, dennoch lasse ich mich auf die Kunst von Warhol immer wieder aufs neue ein.

Schade lieber Warhol, dass du so früh von uns gegangen bist. Was hättest du heute mit den digitalen Medien machen können?

Lorenzo Mattotti interpretiert Edgar Allan Poe

23. Januar 2014

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Nach dem frühen und für mich überraschenden Tod des Ausnahmemusikers Lou Reed widmete ich mich ein paar Tage lang wieder der Musik des Künstlers. Nach all den bekannten Hits landete ich auch bei den Musical über Edgar Allan Poe. Reed komponierte das Musical Poetry the raven zusammen mit Robert Wilson im Jahr 2000 für das Hamburger Thalia Theater.

Im Jahre 2003 kann eine Doppel CD von Lou Reed heraus. Leider lag dieser CD kein Booklet mit den etwas schwer verständlichen Texten von Edgar Allan Poe bei. Daher erschien später unter Mitwirkung des italienischen Illustrators Lorenzo Mattotti das Textbuch The Raven samt Illustration. Insgesamt gibt es 44 Schwarzweiß Zeichnungen und 29 Farbtafeln zu sehen. Die Schwarzweiß Grafiken sind entweder Kohle- oder Tuschezeichnungen. Ich muss zugeben, dass ich in Lorenzo Mattotti bisher aus dem Comic-Bereich und von seinen Illustrationen für den New Yorker. kannte.

Mit dem Farbtafel tat ich mir anfangs schwer. Für mich übertrug er den Stil der New Yorker Illustrationen in die Literaturtexte von Edgar Allan Poe. Mit Poe verbinde ich düstere, geheimnisvolle Gemälde. Mattotti zeigte zwar geheimnisvolles, aber nicht so richtig nach meinem Geschmack. Ich will nicht sagen, dass mir die Zeichnungen nicht berührt haben. Aber ich habe mir wohl etwas anders vorgestellt.

Aber erst im Laufe der Zeit fand ich Gefallen an den Bildern. Sie sind für mich völlig abgedreht, um es ganz einfach zu sagen. Die Bilder mussten reifen, ich musste mich an den Stil von Lorenzo Mattotti gewöhnen. Lässt man sich darauf ein, eröffnete er dem Zuschauer neue Welten. Edgar Allen Poe ist zu sehr mit Klischees behaftet – auch bei mir und das muss ich mir hinter die Ohren schreiben. Zu mindestens in meiner bildlichen Vorstellungen war ich festgefahren. Damit räumte Lorenzo Mattotti komplett auf.

Für mich sind die Bilder in dem Buch The Raven eine ideale Ergänzung zu den überarbeiteten Texten von Poe in der Interpretation von Lou Reed. Schade, dass ich das Musical einstmals in Hamburg verpasst hatte. Fazit: Das Text- und Bilderbuch von Lou Reed und Lorenzo Mattotti und die außergewöhnliche CD von Reed und Robert Wilson eröffneten mir einen sehr interessanten, verstörenden Kunstgenuss. Und dafür muss ich Lou Reed noch heute danken.

Pianist und Cafeebetreiber Oliver Derks in der Bamberger Piano Bar

17. Oktober 2013
Oliver Derks (r) im Gespräch mit Matthias J. Lange von redaktion42.

Oliver Derks (r) im Gespräch mit Matthias J. Lange von redaktion42.

Inspiration und Trost empfinde ich, wenn ich die Musik von Oliver Derks höre. In Bamberg hat Derks eine gewissen Berühmtheit. Direkt am Obstmark im Zentrum von Bamberg betreibt er eine Piano Bar. Bei einem Spaziergang durch Bamberg bin ich per Zufall in das Cafe gestolpert, wollte mich aufwärmen und war sofort von der Atmosphäre begeistert. Die Piano Bar ist eine nettes Cafe, ungewöhnlich kombiniert mit einer Modeboutique mit Designermode und zahlreichen Antiquitäten. Die perfekte Mischung für Kreativität.

Am meisten faszinierte mich jedoch die Musik. Über die Lautsprecher lief unaufdringliche Klaviermusik. Erst nahm ich sie nur unbewusst wahr, dann packte mich die Energie, die von der Musik ausging. Ich setzte mich, trank Kaffee und versank in der Musik. Ein Stapel CDs lag an der Theke und der Musiker war ein gewisser Oliver Derks. Kannte ich nicht, aber die Musik interessierte mich. Und als ich mir das Cover der CDs näher ansah, erkannte ich Oliver Derks, der mir eben meinen Kaffee servierte.

In einer Pause lernte ich Oliver und seine Geschichte kennen. Sein Leben ist geprägt von Musik. Bereits seine Mutter war erfolgreiche Pianistin und er lernte Piano-Improvisation von klein auf. Nach erfolgreicher BWL-Karriere kam er mit 50 Jahre zurück zur Musik. Auslöser war seine Frau Inge, seine große Liebe.

Leider erkrankte Inge an Krebs und starb. Oliver Derks verarbeite ihren Tod mit seiner Musik, Inge ist in seiner Musik immer präsent und dies spürt der Hörer. “Ich glaube an uns” war der Name einer CD für seine Frau – sicher eine der persönlich schwierigsten Aufnahmen. Die neuen CDs heißen Der Morgen und der Abend. “Ich habe in meinen Gesprächen festgestellt, dass viele Leute Angst vor der Zukunft haben.” Für diese Leute sind die beiden CDs aufgenommen. “Ich lebe einfach den Tag – denn das Jetzt ist mein Moment”, so Derks. “Ich geh fröhlich in den Tag hinein mit meiner Musik und will mich am Abend für den Tag bedanken.” Für Derks steht fest: “Ich will mich am Schönen und Guten orientieren.”

Oliver Derks liebt sein Klavier. Es steht im hinteren Bereich der Bamberger Piano Bar. Es ist das Klavier auf dem er als Fünfjähriger gelernt hat. “Das Klavier und ich sind ein Leben miteinander gegangen.” Elektronik ist für Derks daher tabu. Und die langjährige Beziehung merkt der Besucher. Am Klavier lebt Oliver Derks auf. Ab und zu gibt es in der Piano Bar Konzerte. Hier trifft sich die Bamberger Kulturszene und lauscht dem Klavierspiel. Inzwischen ist Oliver Derks in Bamberg eine Berühmtheit geworden. Seine Musik läuft sogar in den städischen Tiefgaragen und verbreiten dort eine positive Stimmung. Auch in der Telefonwarteschlange der Stadtwerke Bamberg ist Derks Musik zu hören

Für mich improvisierte der Musiker – vielen Dank dafür.

Kunst: Joan Miro Ausstellung Sternennächte im Lindauer Stadtmuseum

18. August 2013

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Noch bis 1. September 2013 gibt es im Stadtmuseum Lindau die sehenswerte Ausstellung Sternennächte von Joan Miro zu sehen. Gezeigt werden Zeichnungen, Malereien und Skulpturen des spanischen Malers.
Anlässlich seines 120. Geburtstages und 30. Todestages von Joan Miro entschloss sich Kurator Prof Dr. Roland Doschka das Werk des spanischen Künstlers der breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. Die Ausstellung stellt Bekanntes neben Unbekanntes, frühe Arbeiten neben dem bekannten Spätwek. Nachdem Gestirne immer wieder zum Werk des Künstlers gehören, nannte Doschka die Ausstellung Sternennächte. „Sie erscheinen als Leitsterne – wenn man so will – denen zu folgen die Betrachter seiner Kunst eingeladen sind“, so das Stadtmuseum in seinem Ausstellungsflyer.
Doschka hat mit seiner Ausstellung den richtige Riecher und auch ein glückliches Händchen. Miro ist sein drittes Projekt in Lindau nach Ausstellungen mit Werken Pablo Picassos und Marc Chagalls, die in den vergangenen beiden Jahren rund 125000 Besucher ins Stadtmuseum nach Lindau lockten.

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Gut gefallen hat, dass Miro sehr gut didaktisch aufbereitet ist. Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm mit Angeboten für Erwachsene, Kinder und Jugendliche lädt die Ausstellungsbesucher zur Begegnung mit der Künstlerpersönlichkeit Miro und ihrem Werk ein.
Miro, der von 1893 bis 1983 lebte, zählt zu sen populärsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Jeder kennt die rot glühenden Sonnen, die Monde, Sterne und skurrilen Traumgeschöpfe, die frei im irrationalen Raum schweben.

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Sehr schön, dass sich die ganze Stadt Lindau mit Miro schmückt. Zahlreiche Geschäfte erinnern mit Kompositionen an den Künstler, seien es Schmuckgeschäfte oder Teppichhändler, die Steine im Stil von Miro ausstellen. Wunderbar auch die zahlreichen Miro-Fahnen in der Stadt wie beispielsweise die beflaggte Brücke zur Insel Lindau. Buchgeschäfte bieten Kunstbücher zu Miro an und auch der Platz vor dem Stadtmusum ist mit Miro-Pflanzkübeln geschmückt. So feiert eine ganze Stadt einen Künstler und lädt alle ein zum Mitfeiern.

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Für mich große Kunst: 3D-Künstler Robert Seidels Werk „_grau“

30. Juni 2013

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Seit Jahren beobachte ich mit Interesse die Arbeiten des 3D-Künstlers Robert Seidel und bin auch mit ihm befreundet. Wir lernten uns durch meine Tätigkeit als Chefredakteur von verschiedenen 3D-Zeitschriften kennen und verbrachten auch eine Siggraph zusammen. Nach all den Jahren bin ich immer noch fasziniert von seinen 2004 entstandenen experimentellen 3D-Kurzfilm „_grau“. Der Film war bisher bei über 150 Festivals in mehr als 25 Ländern zu sehen. Nachdem ich mir den Film immer wieder anschaue, will ich ihn mal näher vorstellen. Das Projekt entstand  auf der Grundlage persönlicher Ideen und Skizzen, umgesetzt in Autodesk 3ds max sowie After Effects. „_grau“ (www.grau1001.de) ist kein typischer 3D-Film, sondern eine sehr persönliche Collage. Wer mehr über seine Arbeit lesen will, dem empfehle ich ausdrücklich den Katalog zu Ausstellung Folds, den es hier zum kostenlosen Download gibt.

Zum Ablauf des Films sollte nicht allzu viel angemerkt werden, da dies die Assoziationen zu stark beeinflussen würde. Nur so viel: Die Sequenz am Anfang zeigt prismatische Splitter und Funken des aufprallenden Autos, die fast alle Farben aus dem Bild waschen. Es schließen sich Erinnerungen an, vornehmlich aus den vergangenen Jahren und Seidels Kindheit, um im Unfall selbst und dem so genannten Entscheidungsfell zu gipfeln. In diesem repräsentiert jedes Haar eine Entscheidung des Lebens, die final zum Zusammenstoß führen. Alle Objekte haben für Seidel eine Bedeutung, sind aber durch die am Unfall beteiligten Kräfte aus ihren Bahnen geraten.

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Der Inhalt und der Titel des Films „_grau“ gehen auf eine Diskussion zurück und sollen Robert Seidels Standpunkt innerhalb dieses Gesprächs zeigen: Es gibt bei keinem Ereignis eine strikte Trennung zwischen Gut und Böse, Hell und Dunkel. Der Betrachterstandpunkt wird basierend auf Erfahrungen, Vorstellungen, Ansprüchen  und physischer so wie psychischer Nähe zum Ereignis in seiner „Helligkeit“ variiert und verschwimmt mit fortschreitender zeitlicher Distanz. Auch die Filmlänge nimmt darauf Bezug, da sie mit 10:01 Minuten genau zwischen den beiden digitalen Extremen aufgespannt ist.

Der Entdecker des binären Zahlensystems Gottfried Wilhelm Leibniz belegte in seinem philosophisch-mathematischen Aufsatz übrigens die Zustände mit Gott (1) und Teufel (0). Um weiter mit dem Eingangszitat zu spielen: Das Helligkeitsspektrum des Films erstreckt sich nur zwischen reinem Weiß (RGB 255, 255, 255) und reinem Schwarz (RGB 0, 0, 0), wobei die beiden Extreme im digitalen Bild herausgefiltert wurden. Ursprünglich wollte sich Seidel mit diesem Thema ganz abstrakt auseinander setzen, doch während seiner Recherchen wurde er auf einer nächtlichen Autobahnfahrt beinahe in zwei Unfälle verwickelt. Diese Schlüsselerlebnisse veranlassten ihn darüber nachzudenken, wie wohl die letzten Sekunden eines Lebens aussehen würden. Aus dieser fiktiven Finalisierung eines Unfalls entwickelte er diverse amorphe Bildstrukturen, die den aufflackernden Erinnerungen entsprechen. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit findet dabei sehr zufällig und ungewichtet statt. Kleine Details werden zu großen Momenten, während komplette Jahre verloren gehen.

Inspirationsquellen Gestalterisches Ziel von „_grau“ war es, eine eigenständige Bildwelt zu konstruieren, deren Komplexität und Dynamik an die Natur erinnert, und somit eine Art lebendiges Bild zu schaffen. Natürliche Farben und Formen übten schon in frühester Kindheit einen großen Einfluss auf Seidel aus. Auch seine Begeisterung für die Aufbereitung der Natur mittels wissenschaftlicher Visualisierung, die verborgene Bild- und Wissensstrukturen zum Vorschein bringt, schlug sich im Film nieder. Ebenfalls sehr einflussreich war die Kunst, allen voran die Surrealisten (Max Ernst) und Hieronymus Bosch, die bekannte Objekte in neue Zusammenhänge setzten. Auch im filmischen Bereich stehen einige Künstler mit Vorliebe für skurrile Details (Jan Svankmajer) Seidels Vorstellungswelt näher als beispielsweise abstrakt arbeitende Filmemacher oder Motion-Designer.

Die dritte Quelle der Inspiration ist Seidels Hauptwerkzeug, der Computer. Dank seinem Vater setzte er sich mit Rechnern schon früh auseinander. Die anfänglich spielerische Begeisterung wurde später durch selbst gepixelte Bilder, Basic-Programmierung, Fraktale und letztendlich 3D-Renderings abgelöst. Die digitalen Möglichkeiten, besonders von Software-Architekturen, empfindet er ebenfalls als anregend. Ohne das parametrische Arbeiten in 3ds max, also jederzeit einen Schritt zurücknehmen oder Vorhandenes neu kombinieren zu können, wäre vieles für ihn nicht umsetzbar gewesen. Aus diesen verschiedenen Einflüssen entwickelte er eine eigene Bilderwelt, die abstrakt zu sein scheint, aber nichts anderes als seine subjektive Wirklichkeit zeigt.

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Umsetzung  In Seidels beiden vorangegangenen Filmen tauchen einige der in „_grau“ verwendeten Techniken auf. „Lightmare“ aus dem Jahre 2001 (Honorary Mention Computer Animation/Visual FX beim Prix Ars Electronica) besteht aus einer lebenden 3D-Struktur, während „E3“ von 2002 eher malerisch ist. Beide Kurzfilme sind auf seiner Website www.2minds.de zu sehen.

„_grau“ war logistisch, technisch und gestalterisch Robert Seidels bisher aufwändigstes Unterfangen. Eines seiner Ziele war es, die verschiedenen Erinnerungssedimente organisch-zufällig anzuordnen; ein anderes, das flüchtige Gefühl seiner Skizzenbücher einzufangen. Folglich sollte nicht nur digital modelliert und animiert, sondern auch von realen Vorlagen abgeleitet werden, um mit den darin enthaltenen „Unreinheiten“ dem Bild mehr Leben einzuhauchen. Dazu musste Robert Seidel verschiedenste Techniken, die ihm zumindest aus der Theorie vertraut waren, in der Praxis ausprobieren, deren Potenzial einschätzen und sie gegebenenfalls einflechten.

So entstanden rund 120 verschiede-ne kleine und größere Experimente. Das Fundament bildeten die Hauptwerkzeuge 3ds max und After Effects sowie diverse Plug-ins und Skripte für beide Programme. Zusätzlich hat Seidel nach anderer Software recherchiert, um aus den Bereichen Fraktale, Bildrekonstruktion, Voxelgrafik (Voxel sind Volumenpixel; ein in der Medizin verwendetes Abbildungsverfahren), chemische Visualisierung sowie Partikel-, Haar- und Flüssigkeitssimulation zu schöpfen. Viele der getesteten Programme und Plug-ins waren aber nicht geeignet, da weder die Kontrollmöglichkeiten und die Geschwindigkeit noch der Datenaustausch oder die Programmstabilität in der relativ kurzen zur Verfügung stehenden Zeit zu vertretbaren Ergebnissen geführt hätten.

Neben Simulationsdaten sowie eigens modellierten Objekten hat Robert Seidel auch den eigenen Körper und reale Gegenstände als Quellen genutzt. So wurden zum Beispiel ein MRT-Datensatz (Magnet-Resonanz-Tomographie) seines Kopfes herangezogen, diverse 3D-Scans von Kopf, Hand sowie Plüsch- und Meerestieren angefertigt, seine Bewegungen mittels Motion Capture und seine Wohnung mit einer 3D-Kamera aufgezeichnet sowie Freiformflächen mit einem VR-Modeler aus der Autoindustrie entworfen.

Nachdem genügend Material gesammelt war, traf Seidel eine Auswahl und arrangierte und animierte die Modelle in 3ds max. Die Konvertierung der verschiedenen Datenformate, sei es 3D oder 2D, stellte eine große Herausforderung dar, denn viele der verwendeten Spezialapplikationen aus dem wissenschaftlichen Bereich haben proprietäre oder äußerst seltene Datenformate. Hier schaffen aber Tools wie PolyTrans, IrfanView oder diverse kleine MaxScripts Abhilfe.

Die Texturierung erfolgte mittels Painter und prozeduraler Texturen, die organisch wirkende Abweichungen erlauben. Ausgeleuchtet wurde nur klassisch oder mit Lightdome, da zum Rendern neben einem Arbeitsrechner lediglich ein alter PC sowie ein geliehenes Notebook zur Verfügung standen. Also leider keine Renderfarm, die den Ansprüchen von GI-Rendering genügt hätte. Die PCs renderten über Nacht, damit Robert Seidel die verschiedenen Teile am nächsten Tag begutachten konnte.

Nach und nach wurden die Sequenzen in After Effects zusammengefügt, wobei anzumerken ist, dass alle Objekte eigentlich farbig sind und erst im Nachhinein gebleicht wurden. Die ganze Zeit grau in grau zu arbeiten wäre sicherlich nicht sehr motivierend gewesen. In After Effects wurden abschließend Blurs eingefügt und Layer zusammengesetzt. Da relativ viele Dateien generiert wurden, waren regelmäßige Backups sehr wichtig, um später eventuell auf die Zwischenschritte des gerenderten Materials zugreifen zu können.

Trotz seines Alters aus dem Jahre 2004 ist der Film und die Arbeit von Robert Seidel für mich persönlich sehr wichtig.

Kunstmarkt im Internet – der Maler Edward B. Gordon

27. Mai 2013

Für mich ist der Maler Edward B. Gordon ein wahrer Künstler des Internets. Wie oft habe ich mit angehenden Künstlern darüber gesprochen, wie sie ihre Kunden, ihre Fans, ihre Anhänger oder einfach nur die kommerzielle Kunstszene erreichen können. Von schicken Galerien war immer die Rede, zu aufwendigen Vernissagen sollte man einladen und so weiter. Alles Rezepte aus dem vergangenem Jahrhundert, die ihre Berechtigung haben. Doch die Welt hat sich weiter gedreht.

Meine beiden Werke von Gordon.

Meine beiden Werke von Gordon.

Edward B. Gordon hat die Zeichen der Zeit erkannt und macht es anders. Er nutzt das Internet als Plattform – als Marketing- und als Verkaufsplattform. Täglich malt der Künstler ein Bild und macht es über Facebook, Twitter und seinem Blog der Kunstszene zugänglich. Und: Wir können das Bild ersteigern. Jeden Tag, Woche für Woche, Jahr ein – Jahr aus und das Geschäft mit der Kunst lohnt sich. Der Grundpreis pro Bild ist 150 Euro und per Mail können die Interessierten ihr Gebot abgeben. Das Team hinter Edward B. Gordon managet den Verkauf und den aufwendigen Versand. Auch ich habe bereits mehrmals zugeschlagen, denn die Kunst fasziniert mich.

Für mich ist Gordon ein Vertreter der Lichtmalerei. Er sammelt Eindrücke, zumeist aus seinen Wohnorten Berlin und London. Er skizziert die Straßen- oder Landschaftsszene und malt sie anschließend kleinformatig auf Öl. Die Bilder haben eine Größe von 15 auf 15 Zentimeter. Bei einem Besuch in München schuf Gordon Bilder von der Feldhernnhalle. Aus dieser Serie habe ich zwei ersteigert. Für mich setzt Gordon wunderbar auf Licht und Stimmungen. Am Ende stehen Eindrücke aus dem Alltagsleben, die mit ihrer Lebendigkeit und dichten Atmosphäre faszinieren.

Seit 1992 arbeitetet der Hannoveraner Edward B. Gordon als freischaffender Künstler. 2006 übernahm Gordon die Idee des Daily Paintings vom US-Amerikaner Duane Keiser und etablierte die Technik in Deutschland. Während andere Künstler noch dem Markt hinterherlaufen, holt Edward B. Gordon den Markt zu sich. Die Welt hat sich eben geändert und er hat es erkannt.

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In dem sehr empfehlenswerten Buch Bilder einer Stadt schreibt Gordon über seine geänderte Welt: „Weil sich für mich das Leben genauso radikal veränderte, als ich mich mit den Werkzeugen eines Steve Jobs auf den Weg machte, meine Arbeiten täglich weltweit im Internet auszustellen.“ Das Buch habe ich bereits mehrmals an Kunstfreunde verschenkt, die mit der Welt des Internets noch nicht so vertraut sind. Anschaulich zeigt das Buch auf 192 Seiten das Schaffen des Künstlers und sein Vermarktungstalent. Bei meinem nächsten Berlinaufenthalt frage ich mal nach einem Interview-Termin nach. Vielleicht klappt es ja.

Pop Art-Künstler Charles Fazzino verziert mein iPad

16. April 2013

Künftig trage ich Kunst immer mit mir herum. Der internationale Top-Star der Pop Art Charles Fazzino verzierte mein iPad. Bei einer Vernissage seines neuen München Werkes in der Münchner Zweigstelle der Galerie Mensing packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und ließ mein iPad zum Kunstwerk erheben.

Mein iPad mit einer Zeichnung von Charles Fazzino.

Mein iPad mit einer Zeichnung von Charles Fazzino.

Ich reichte dem Künstler mein Apple Device und bat ihn, New York auf dem Rücken des Gerätes zu zeichnen. Zunächst verstutzt machte sich Charles Fazzino ans Werk und hatte nach rund 2 Minuten ein wunderbares Kunstwerk geschaffen. Andere Besucher der Ausstellung ließen sich Bücher und Eintrittskarten signieren, mit meiner iPad-Aktion war ich sicherlich der Hingucker der Vernissage.

Charles Fazzino ist einer der bekanntesten Künstler Amerikas. Der Pionier und Top-Star der 3-D-Pop-Art ist ein wahrer Geschichtenerzähler und macht Gute-Laune-Kunst, die ansteckend wirkt. Der 1956 in New York geborene Fazzino studierte Kunstgeschichte an der Parson′s School of Design, der bekanntesten Kunstgewerbeschule Manhattans. Seine Karriere begann er als Straßenkünstler und verkaufte seine Acrylbilder auf Outdoor-Kunst-Festivals in New York. Sammler und Kunsthändler erkannten schnell sein Talent und Potenzial, die ihn zu einem ebenso gefragten wie beliebten Künstler machten.

Charles Fazzino ist ein umgänglicher Typ. Nachdem er einige seiner Bilder bei der Galerie Mensing verkauft wurden, griff er spontan zum Stift und zeichnete auf der Rückseite eines Bidler ein weiteres Kunstwerk.

Auf die Rückseite eines Bildes malte der Künstler spontan ein zweites Bild.

Auf die Rückseite eines Bildes malte der Künstler spontan ein zweites Bild.

Aus Fazzios von Comics  inspirierten Bildern spricht  das quirlige  Leben und  lebendige  Flair berühmter Metropolen, insbesondere das seiner  Heimatstadt New  York. Gleichsam zählen Sportarenen, Ikonen wie Marilyn Monroe sowie  Figuren  aus

der  Disney-Welt zu Fazzinos bevorzugten Motiven. Die farbenfrohen 3-D-Multiples versprühen pure  Fröhlichkeit und  lassen einen  das Dargestellte hautnah erleben. Die Kunstwerke  des  New  Yorker Malers werden weltweit  in über  600 Galerien gezeigt. Zu Fazzino Fans gehören prominente Zeitgenossen wie Phil Collins, Julia Roberts bis hin zu Gloria von Thurn und Taxis und Schauspieler Uwe Ochsenknecht. Und ich habe mit dem iPad einen einmaligen Fazzino zu Hause.

Marketing: Stricken als vermeintliche Street Art

12. März 2013

Meine Frau strickt wieder. Erst war es ein Schal, jetzt ein Pulli. Es wird Wolle im großen Stil gekauft. Als nächstes wird sie sich wohl beim Guerilla Knitting beteiligen. Die Idee dahinter finde ich super.

Als Schüler in den achtziger Jahren wurde bei uns im Klassenzimmer viel gestrickt und damals störte es mich nicht. Heute als Dozent macht es mich nervös, wenn jemand unter den Zuhörern sitzt, der sein Strickzeug herausholt. Es mag ja sein, dass Stricker den Inhalt meiner Schulung mitbekommen, aber die Bewegung der Nadeln irritiert mich. Egal, der Kunde darf das. Aber es geht mir zu Hause auch so. Die liebste Ehefrau sitzt beim Fernsehen in ihrem Sessel, packt die Nadeln und Wolle aus und beginnt zu stricken. Obwohl ich vor ihr sitze, sehe ich aus dem Augenwinkel heraus, die Bewegung und meine Konzentration ist dahin. Ich werde mich künftig anders hinsetzen. Toll finde ich, dass sich unsere Kinder auch für Stricken interessieren. So wird ein Wissen an die nächste Generation weitergegeben.

stricken

Als wir neulich in Köln waren, glaubte ich eine  leichte Formen des Guerilla Knitting entdeckt zu haben. Dort wird als Street Art der öffentliche Raum bestrickt. Also Gegenstände des öffentlichen Raums werden durch Stricken verändert. Die richtigen Profis stricken ganze Bänke ein, verändern Laternenmasten oder Bäume. Oft sind es nur einfach Verschönerungen, manches Mal sind feministische Aussagen mit den Kunstwerken verbunden.

In Köln war es weder das eine noch das andere. Es war klassisches Marketing für Tivity. Tivity ist ein Online-Marktplatz für authentische und individuelle Erlebnisse und Aktivitäten. „Wir glauben daran, dass jeder etwas kann oder weiß, dass er anderen zeigen oder beibringen kann. Gemeinsam mit unserer Community von Anbietern, möchten wir Menschen dazu bringen, ihr lokales Wissen oder Können zu teilen“, heißt es auf der Website. Mir hat das Marketing gut gefallen. Weiter so.

Kunstjahr 2013: Galerie Mensing eröffnet mit Duo Guldenstern und Wolfgang Fierek

9. Februar 2013
Das Duo Guldenstern (li, re) und Wolfgang Fierek (Mitte)

Das Duo Guldenstern (li, re) und Wolfgang Fierek (Mitte)

„Wer ein Bild kauft, der weiß, das in dem Moment etwas passiert. Es geht nicht um pure Dekoration, sondern es geht um persönliche Werte, die einem ein Leben lang begeistern“, so Galerist Harry Mensing. Die Galerie Mensing eröffnete vor kurzem das Kunstjahr 2013 mit einem Neujahrsempfang in der Galerie München. Bei diesem Event wurde mir wieder bewusst, wie wichtig Neugierde im Kunstbereich ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte ausgetretene Pfade nicht verlassen. Kunst bedeutet für mich, sich auf etwas neues einzulassen und den Blick über den Tellerrand schweifen zu lassen.

Galerist Harry Mensing in seiner Münchner Galerie.

Galerist Harry Mensing in seiner Münchner Galerie.

Kunst bedeutet für mich nicht Geldanlage. Ich weiß zwar, dass der Kunstmarkt aus finanziellen Aspekten interessant ist. Aber beim Kauf von Kunstwerken muss mir das Werk gefallen. „Im Vordergrund der Kunst steht immer die Emotion“, so Harry Mensing weiter – und recht hat er.

Matthias J. Lange mit Peter Guldenstern.

Matthias J. Lange mit Peter Guldenstern.

Bettina Müller, Galerieleiterin in München, sagte bei der aktuellen Ausstellung des Duo Guldenstern über die Künstler. „Es ist gelungen, deutsche Popart aus dem Dunstkreis der amerikanischen Vorbilder zu befreien und ihr Eigenleben und Originalität zu geben. In ihren ausdrucksstarken Montagebildern verarbeiten sie plakative Bild- und Textmitteilungen, die in verblüffenden Materialkombinationen zu immer wieder neuen Ebenen der Wahrnehmung zusammengeführt werden. Unmittelbar, ehrlich und authentisch.“

Matthias J. Lange mit Schauspieler Wolfgang Fierek

Matthias J. Lange mit Schauspieler Wolfgang Fierek

Stargast auf dem Neujahrsempfang war der Serienschauspieler und Amerika-Fan Wolfgang Fierek. „Amerika ist für mich etwas besonders“ , erzählte er. Popart habe ihn erwischt als Beatles-Fan, nachdem er das Cover von Yellow Submarine gesehen hatte. „Warhol war mir zu viel LSD“, so Fierek scherzahft. Popart sei gesellschaftsfähig geworden. „Bilder sind wie eine Zeitreise. Popart ist meine Kunstart, die ich liebe.“