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animago Kalender 2015 – die Vielfalt der 3D-Branche

2. Januar 2015

Das Projektteam von animago AWARD & CONFERENCE hat mir eine besondere Freude gemacht, in dem sie mir einen Jahreskalender 2015 geschickt haben. Ganz herzlichen Dank. Der animago ist der wichtigste Preis der europäischen 3D-Branche, den ich auch ein paar Mal verleihen durfte. Derzeit wird er in der Filmstadt Babelsberg, die Wiege des deutschen Films, verliehen. Dieses Jahr hat das Projektteam eine alte Idee aufgegriffen und aus animago-Beiträgen einen wunderbares Jahreskalender 2015 gestaltet.
Mein Sohn war von den Bildern so begeistert, dass er den Kalender in seinem Zimmer aufgehängt hat. Und auch ich muss sagen, dass ich die Bilder und Renderings wunderbar finde. Bei einigen habe ich sogar richtig gelacht. Also nochmals herzlichen Dank dafür.

Für mich große Kunst: 3D-Künstler Robert Seidels Werk „_grau“

30. Juni 2013

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Seit Jahren beobachte ich mit Interesse die Arbeiten des 3D-Künstlers Robert Seidel und bin auch mit ihm befreundet. Wir lernten uns durch meine Tätigkeit als Chefredakteur von verschiedenen 3D-Zeitschriften kennen und verbrachten auch eine Siggraph zusammen. Nach all den Jahren bin ich immer noch fasziniert von seinen 2004 entstandenen experimentellen 3D-Kurzfilm „_grau“. Der Film war bisher bei über 150 Festivals in mehr als 25 Ländern zu sehen. Nachdem ich mir den Film immer wieder anschaue, will ich ihn mal näher vorstellen. Das Projekt entstand  auf der Grundlage persönlicher Ideen und Skizzen, umgesetzt in Autodesk 3ds max sowie After Effects. „_grau“ (www.grau1001.de) ist kein typischer 3D-Film, sondern eine sehr persönliche Collage. Wer mehr über seine Arbeit lesen will, dem empfehle ich ausdrücklich den Katalog zu Ausstellung Folds, den es hier zum kostenlosen Download gibt.

Zum Ablauf des Films sollte nicht allzu viel angemerkt werden, da dies die Assoziationen zu stark beeinflussen würde. Nur so viel: Die Sequenz am Anfang zeigt prismatische Splitter und Funken des aufprallenden Autos, die fast alle Farben aus dem Bild waschen. Es schließen sich Erinnerungen an, vornehmlich aus den vergangenen Jahren und Seidels Kindheit, um im Unfall selbst und dem so genannten Entscheidungsfell zu gipfeln. In diesem repräsentiert jedes Haar eine Entscheidung des Lebens, die final zum Zusammenstoß führen. Alle Objekte haben für Seidel eine Bedeutung, sind aber durch die am Unfall beteiligten Kräfte aus ihren Bahnen geraten.

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Der Inhalt und der Titel des Films „_grau“ gehen auf eine Diskussion zurück und sollen Robert Seidels Standpunkt innerhalb dieses Gesprächs zeigen: Es gibt bei keinem Ereignis eine strikte Trennung zwischen Gut und Böse, Hell und Dunkel. Der Betrachterstandpunkt wird basierend auf Erfahrungen, Vorstellungen, Ansprüchen  und physischer so wie psychischer Nähe zum Ereignis in seiner „Helligkeit“ variiert und verschwimmt mit fortschreitender zeitlicher Distanz. Auch die Filmlänge nimmt darauf Bezug, da sie mit 10:01 Minuten genau zwischen den beiden digitalen Extremen aufgespannt ist.

Der Entdecker des binären Zahlensystems Gottfried Wilhelm Leibniz belegte in seinem philosophisch-mathematischen Aufsatz übrigens die Zustände mit Gott (1) und Teufel (0). Um weiter mit dem Eingangszitat zu spielen: Das Helligkeitsspektrum des Films erstreckt sich nur zwischen reinem Weiß (RGB 255, 255, 255) und reinem Schwarz (RGB 0, 0, 0), wobei die beiden Extreme im digitalen Bild herausgefiltert wurden. Ursprünglich wollte sich Seidel mit diesem Thema ganz abstrakt auseinander setzen, doch während seiner Recherchen wurde er auf einer nächtlichen Autobahnfahrt beinahe in zwei Unfälle verwickelt. Diese Schlüsselerlebnisse veranlassten ihn darüber nachzudenken, wie wohl die letzten Sekunden eines Lebens aussehen würden. Aus dieser fiktiven Finalisierung eines Unfalls entwickelte er diverse amorphe Bildstrukturen, die den aufflackernden Erinnerungen entsprechen. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit findet dabei sehr zufällig und ungewichtet statt. Kleine Details werden zu großen Momenten, während komplette Jahre verloren gehen.

Inspirationsquellen Gestalterisches Ziel von „_grau“ war es, eine eigenständige Bildwelt zu konstruieren, deren Komplexität und Dynamik an die Natur erinnert, und somit eine Art lebendiges Bild zu schaffen. Natürliche Farben und Formen übten schon in frühester Kindheit einen großen Einfluss auf Seidel aus. Auch seine Begeisterung für die Aufbereitung der Natur mittels wissenschaftlicher Visualisierung, die verborgene Bild- und Wissensstrukturen zum Vorschein bringt, schlug sich im Film nieder. Ebenfalls sehr einflussreich war die Kunst, allen voran die Surrealisten (Max Ernst) und Hieronymus Bosch, die bekannte Objekte in neue Zusammenhänge setzten. Auch im filmischen Bereich stehen einige Künstler mit Vorliebe für skurrile Details (Jan Svankmajer) Seidels Vorstellungswelt näher als beispielsweise abstrakt arbeitende Filmemacher oder Motion-Designer.

Die dritte Quelle der Inspiration ist Seidels Hauptwerkzeug, der Computer. Dank seinem Vater setzte er sich mit Rechnern schon früh auseinander. Die anfänglich spielerische Begeisterung wurde später durch selbst gepixelte Bilder, Basic-Programmierung, Fraktale und letztendlich 3D-Renderings abgelöst. Die digitalen Möglichkeiten, besonders von Software-Architekturen, empfindet er ebenfalls als anregend. Ohne das parametrische Arbeiten in 3ds max, also jederzeit einen Schritt zurücknehmen oder Vorhandenes neu kombinieren zu können, wäre vieles für ihn nicht umsetzbar gewesen. Aus diesen verschiedenen Einflüssen entwickelte er eine eigene Bilderwelt, die abstrakt zu sein scheint, aber nichts anderes als seine subjektive Wirklichkeit zeigt.

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Umsetzung  In Seidels beiden vorangegangenen Filmen tauchen einige der in „_grau“ verwendeten Techniken auf. „Lightmare“ aus dem Jahre 2001 (Honorary Mention Computer Animation/Visual FX beim Prix Ars Electronica) besteht aus einer lebenden 3D-Struktur, während „E3“ von 2002 eher malerisch ist. Beide Kurzfilme sind auf seiner Website www.2minds.de zu sehen.

„_grau“ war logistisch, technisch und gestalterisch Robert Seidels bisher aufwändigstes Unterfangen. Eines seiner Ziele war es, die verschiedenen Erinnerungssedimente organisch-zufällig anzuordnen; ein anderes, das flüchtige Gefühl seiner Skizzenbücher einzufangen. Folglich sollte nicht nur digital modelliert und animiert, sondern auch von realen Vorlagen abgeleitet werden, um mit den darin enthaltenen „Unreinheiten“ dem Bild mehr Leben einzuhauchen. Dazu musste Robert Seidel verschiedenste Techniken, die ihm zumindest aus der Theorie vertraut waren, in der Praxis ausprobieren, deren Potenzial einschätzen und sie gegebenenfalls einflechten.

So entstanden rund 120 verschiede-ne kleine und größere Experimente. Das Fundament bildeten die Hauptwerkzeuge 3ds max und After Effects sowie diverse Plug-ins und Skripte für beide Programme. Zusätzlich hat Seidel nach anderer Software recherchiert, um aus den Bereichen Fraktale, Bildrekonstruktion, Voxelgrafik (Voxel sind Volumenpixel; ein in der Medizin verwendetes Abbildungsverfahren), chemische Visualisierung sowie Partikel-, Haar- und Flüssigkeitssimulation zu schöpfen. Viele der getesteten Programme und Plug-ins waren aber nicht geeignet, da weder die Kontrollmöglichkeiten und die Geschwindigkeit noch der Datenaustausch oder die Programmstabilität in der relativ kurzen zur Verfügung stehenden Zeit zu vertretbaren Ergebnissen geführt hätten.

Neben Simulationsdaten sowie eigens modellierten Objekten hat Robert Seidel auch den eigenen Körper und reale Gegenstände als Quellen genutzt. So wurden zum Beispiel ein MRT-Datensatz (Magnet-Resonanz-Tomographie) seines Kopfes herangezogen, diverse 3D-Scans von Kopf, Hand sowie Plüsch- und Meerestieren angefertigt, seine Bewegungen mittels Motion Capture und seine Wohnung mit einer 3D-Kamera aufgezeichnet sowie Freiformflächen mit einem VR-Modeler aus der Autoindustrie entworfen.

Nachdem genügend Material gesammelt war, traf Seidel eine Auswahl und arrangierte und animierte die Modelle in 3ds max. Die Konvertierung der verschiedenen Datenformate, sei es 3D oder 2D, stellte eine große Herausforderung dar, denn viele der verwendeten Spezialapplikationen aus dem wissenschaftlichen Bereich haben proprietäre oder äußerst seltene Datenformate. Hier schaffen aber Tools wie PolyTrans, IrfanView oder diverse kleine MaxScripts Abhilfe.

Die Texturierung erfolgte mittels Painter und prozeduraler Texturen, die organisch wirkende Abweichungen erlauben. Ausgeleuchtet wurde nur klassisch oder mit Lightdome, da zum Rendern neben einem Arbeitsrechner lediglich ein alter PC sowie ein geliehenes Notebook zur Verfügung standen. Also leider keine Renderfarm, die den Ansprüchen von GI-Rendering genügt hätte. Die PCs renderten über Nacht, damit Robert Seidel die verschiedenen Teile am nächsten Tag begutachten konnte.

Nach und nach wurden die Sequenzen in After Effects zusammengefügt, wobei anzumerken ist, dass alle Objekte eigentlich farbig sind und erst im Nachhinein gebleicht wurden. Die ganze Zeit grau in grau zu arbeiten wäre sicherlich nicht sehr motivierend gewesen. In After Effects wurden abschließend Blurs eingefügt und Layer zusammengesetzt. Da relativ viele Dateien generiert wurden, waren regelmäßige Backups sehr wichtig, um später eventuell auf die Zwischenschritte des gerenderten Materials zugreifen zu können.

Trotz seines Alters aus dem Jahre 2004 ist der Film und die Arbeit von Robert Seidel für mich persönlich sehr wichtig.

Buchtipp: „The Art of Cars 2“

12. Januar 2012

Im Zuge der Veröffentlichung von Cars 2 auf Blu ray habe ich mir aus der Reihe „The Art of“ das entsprechende Buch The Art of Cars 2 gekauft. Ich war dieses Mal skeptisch: Für mich erreichte Cars 2 nicht die Klasse seines Vorgängers und war eher einer der schwächeren Pixar-Filme. Technisch wurden zwar wieder hohe Maßstäbe im Bereich Raytracing gesetzt, aber die Story war mir einfach zu dünn. War Cars noch ein Film für die ganze Familie mit subtilen Lachern und einer guten Moral, so war Cars 2 nur ein Actionsspektakel mit viel Geballer – zu schnell, zu laut, zu schrill.

Aber das Buch hat mich wieder versöhnt. Das Buch The Art of Cars 2 geht natürlich optisch auf die waffenstrotzenden Autos in Agentenverkleidung ein. Aber es bringt auch wunderbare Zeichnungen, wie Amerikaner die Welt sehen. Es ist fein zu erkunden, wie Paris, London, Prag, Tokyo oder der deutsche Schwarzwald aus der Brille von Pixar gesehen werden. Und klar: Was kennen die Amerikaner von München? Das Oktoberfest, bei dem alle Autos lustige Tirolerhüte tragen. Dass Tirol nicht unbedingt in Bayern liegt, ist für den Zeichner aus Kalifornien eher von zweirangiger Natur. Aber zumindest die St. Paul-Kirche an der Theresienwiese ist mit abgebildet. Das Münchner Museum (Munich Museum) erinnert mich weniger an das Deutsche Museum als vielmehr an das Haus der Kunst. Aber es ist wohl alles Interpretationssache.

Wie in allen Büchern dieser Reihe finden sich beeindruckende Skizzen, Kollagen und Zeichnungen. Wer Renderings sucht, hat wie immer Pech gehabt. Die optische Fülle ist grandios vor allem, wenn es um London geht. Hier wird genau erklärt, welche Inspirationen zu den späteren Filmbildern geführt haben. Hier haben die ehemaligen Kolonialisten wohl immer noch eine geheime Faszination für die Insel, Tea Party hin oder her. Liebevolle Details faszinieren und geben einen Blick auf das Pixar-Universum frei. Es zeigt sich, welche Detailliebe – und versessenheit. Also für mich eine klare Kaufempfehlung für alle Designer, Filmleute – und die Fans von Pixar haben es sowieso.